Wenn die diesjährige Verleihung der Academy Awards etwas entspannter ablaufen sollte als sonst, dann könnte das eventuell etwas mit den Goodie-Bags zu tun haben, die traditionell an alle nominierten Künstler und Künstlerinnen verteilt werden.

 

Nachdem Kalifornien Anfang 2018 Cannabis vollständig legalisiert hat, hat man sich nicht lumpen lassen und die teuren Täschchen mit einer ganz besonderen Zutat bestückt: neben einem Reisegutschein und einer Woche in einem exklusiven Spa wird es für die Stars unter anderem handgemachte Cannabis-Schokoladentrüffel geben. Und die sehen nicht nur toll aus und schmecken gut, sie sind mit 10 mg THC-Gehalt pro Stück auch hochpotent.

 

Die Süßigkeiten, die mit dem High Times Cup in der Kategorie Edibles ausgezeichnet wurden, sind aber nicht das einzige Goodie aus der wunderbaren Welt der Cannabisprodukte. Denn dazu gibt es noch eine Gesichtscreme auf Hanfbasis und eine Mitgliedskarte im ersten Cannabis-Social-Club von Los Angeles. Damit sich Bradley Cooper, Christian Bale, Glenn Close und Co. nicht übernehmen, liegt den 100.000-Dollar-Taschen eine Warnung bei, die unerfahrene Konsumenten zur Vorsicht mahnt. Seth Rogen hingegen dürfte sich in diesem Jahr besonders ärgern, dass er keine Nominierung einheimsen konnte...

Es geht nur in eine Richtung – und zwar bergauf! Das trifft zumindest auf die Entwicklung der durch legale Cannabisverkäufe erwirtschafteten Steuereinnahmen im US-Bundesstaat Colorado zu. Seit 2014 wurden Cannabisprodukte im Wert von 5,7 Milliarden Dollar verkauft, allein im Jahr 2018 beliefen sich die Verkäufe auf gut 1,5 Milliarden Dollar. Das entspricht Steuereinnahmen von 266,5 Millionen Dollar für das vergangene Jahr (gegenüber rund 247 Millionen im Jahr 2017).

 

Expertenschätzungen zufolge könnte sich die Größe des legalen Cannabismarkts in den USA bis 2025 auf 25 Milliarden Dollar ausweiten. Diese Entwicklungen haben natürlich auch positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: stolze 300.000 neue Arbeitsplätze könnten bis 2020 in den USA in der legalen Cannabisbranche entstehen.

 

Doch nicht nur aus Colorado, dem ersten Legalisierungs-Staat erreichen uns erfreuliche Zahlen: allein in Kalifornien entstanden innerhalb eines einzigen Jahres etwa 80.000 neue Cannabis-Jobs. Es bleibt zu hoffen, dass diese erfreulichen Trends durch die landesweite Legalisierung von Nutzhanf durch die „Farm Bill 2018“ in Zukunft noch weiter angefeuert werden.

Ach ja, es ist mal wieder soweit, eine neue Cannabis-Studie wird veröffentlicht. Kaum eine Woche, die vergeht, ohne dass irgendwelche Wissenschaftler meinen, herausgefunden zu haben, dass einem vom Kiffen ein drittes Nasenloch wächst oder eine siebte Brustwarze.

 

Im Ernst, der Aussagegehalt vieler moderner Studien (und das betrifft bei Weitem nicht nur Kiffer-Studien) ist ja zumindest fragwürdig: winzige Probandenzahlen, vermeintliche Kausalzusammenhänge, leere Korrelationen etc. – zu oft hat man den Eindruck, dass das Studienergebnis an die Wünsche der Finanziers angepasst wird. Nicht selten fallen die durch Studien erlangten „Kenntnisse“ dann zu Ungunsten von Cannabskonsumenten aus. Doch mit dem weltweiten Erstarken der Legalisierungsbewegung werden nun auch vermehrt cannabisfreundliche Studien veröffentlicht. Das muss natürlich nicht heißen, dass automatisch mehr Wahrheit drin steckt, aber das interessiert die Gegenseite ja auch nicht.

 

Die aktuelle Untersuchung, um die es nun gehen soll, beschäftigt sich einmal mehr mit dem Zusammenhang von Cannabiskonsum und Spermienanzahl. Und zur Überraschung aller entspricht das Ergebnis so gar nicht dem gängigen Mainstream, nach dem Kiffen die männliche Fruchtbarkeit bedrohe. Auch die Ärzte und Gesundheitsforscher der Harvard School of Public Health und des Massachusetts General Hospital, die die Studie durchführten, hatten nach eigenen Angaben ein anderes Resultat erwartet. Doch es ist, wie es ist und heraus kam eben eine positive Verknüpfung zwischen moderatem Joint-Rauchen und einer erhöhten Spermienanzahl und höherem Testosterongehalt im Blut. Teilgenommen hatten 662 Probanden, vor allem Gelegenheits- und ehemalige Konsumenten, im Gegensatz zu älteren Studien, die deutlich weniger Teilnehmer mit stärkerem Konsummuster aufbieten konnte.

 

Harvard-Professor Jorge Chavarro warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen: „Wir wissen viel weniger als wir denken, dass wir wissen.“ So könnte es eben auch einfach sein, dass Männer mit mehr Testosteron im Blut eher geneigt sind, das Risiko einzugehen, bestimmte Substanzen zu konsumieren. Und da wären wir dann mal wieder beim Thema Kausalzusammenhang

Eines der größten Sportereignisse der Welt, der Super Bowl der amerikanischen Football-Liga NFL, wird jedes Jahr von Millionen Zuschauern rund um den Globus mit Spannung erwartet. Die Einschaltquoten liegen bei spektakulären 800 Millionen Zuschauern weltweit – knapp ein Siebtel der Weltbevölkerung hockt am Super-Bowl-Sunday vor dem Fernseher, um sich das Spiel selbst und das gigantische Brimborium drumherum anzuschauen. Kein Wunder, dass Unternehmen bereit sind, aberwitzige Summen zu bezahlen, um in der Halbzeitpause ihren Werbespot zeigen zu dürfen. Doch die Superbowl-Spots sind nicht nur extrem teuer, sie sind auch oft von herausragender Qualität und sorgen noch Tage nach dem Event für Gesprächsstoff.

 

So auch in diesem Jahr: der Clip des Cannabisporduzenten Acreage Holdings ist momentan in den USA in aller Munde – und dass, obwohl er gar nicht ausgestrahlt wurde. Denn der Sender CBS hatte sich geweigert, den Film ins Programm zu nehmen, da er angeblich gegen die Richtlinien der Fernsehanstalt verstoßen würde. Frei nach dem Motto: Werbung für Alkohol ist voll ok, aber Cannabis, das geht gar nicht. Dabei ist der heiß diskutierte Werbefilm sehr zurückhaltend, man sieht weder Pflanzen noch Joints noch Bongs, es geht ausschließlich um Cannabis als Medizin. Fast komplett in Schwarzweiß gehalten, erzählen in dem Clip schwer erkrankte Menschen davon, wie Cannabis ihnen geholfen hat, Schmerzen zu besiegen und wieder zurück ins Leben zu finden. Und zwar auf durchaus authentische, berührende Art und Weise und ohne in spekulative Propaganda abzugleiten.

 

Sehr schade auf jeden Fall, dass es der Spot nicht ins Programm geschafft hat, aber immerhin hat sich Acreage Holdings so die immensen Kosten der Schaltung sparen können, ohne auf den Aufmerksamkeitseffekt verzichten zu müssen. Und für alle, die jetzt neugierig geworden sind: hier könnt ihr euch den Spot ansehen:

Was geschieht eigentlich mit einem Land, das Cannabis legalisiert? Verwandelt sich dann auf einmal ein Großteil der Bürger in Junkies? Würden die Menschen überhaupt noch arbeiten gehen oder würde das gesamte Wirtschaftssystem in sich zusammenfallen? Müssten Brauereien Insolvenz anmelden? Und am Allerwichtigsten: denkt hier denn auch wenigstens einer an die Kinder?

 

Prohibitionsbefürworter ziehen es offenbar vor, die schlimmsten Szenarien an die Wand malen, anstatt sich einmal gründlich mit den Zahlen der entsprechenden Länder und Bundesstaaten, die Cannabis legalisiert haben, zu beschäftigen. Denn die sind durchaus vorhanden und sprechen eine eindeutige Sprache pro Legalisierung. Und sie offenbaren auch, wer die wirklich Leidtragenden einer Freigabe sind: Haustiere, insbesondere Hunde. Wer hätte das gedacht? Nicht, dass auch nur ein Fellbündel an einer Dosis Cannabis umgekommen sei, Gott bewahre – eine tödliche Dosis Cannabis ist auch für Tiere nicht zu erreichen. Allerdings sind die Notrufe wegen bekiffter Haustiere in den letzten zehn Jahren um stolze 765 Prozent gestiegen, fand jetzt das amerikanische ASCPA Poison Control Center heraus. Gab es im Jahr 2008 noch 208 Notarzt-Anrufe, stieg die Zahl im Jahr 2018 auf 1.800.

 

Als Gründe für die Entwicklung werden besonders der Boom von schokohaltigen Edibles genannt, die für Haustiere extrem verführerisch sind. Aber auch ein generell sorgloserer Umgang mit Cannabisprodukten, die aufgrund der Legalität weniger häufig versteckt oder weggesperrt würden, führten dazu, dass Haustiere immer leichter mit Cannabis in Berührung kämen.

Diese Uber-Fahrt wird der US-Amerikaner M. Mollett wohl nicht so schnell vergessen! Denn der junge Mann aus Philadelphia musste nach dem Aussteigen aus dem Auto feststellen, dass er seine Tasche im Fahrzeug zurückgelassen hatte. Und diese enthielt leider zwei Pfund Marihuana, eingeschweißt in zwei transparenten Vakuum-Beuteln.

 

Obwohl dem 21-Jährigen klar gewesen sein musste, dass er sich Ärger mit dem Gesetz einhandeln würde (in Philadelphia bzw. Pennsylvania ist nur der medizinische Konsum von Cannabis legal), versuchte er, die Tasche durch einen Anruf bei seinem Uber-Fahrer zurückzubekommen. Der hatte das Blütenmaterial aber schon entdeckt und bereits die Polizei alarmiert. Die kontaktierte den Pechvogel inkognito und arrangierte ein Treffen mit einem Undercover-Beamten, der sich als Molletts Fahrer ausgeben sollte. In einem Diner sollte die Tasche übergeben werden, doch dazu kam es natürlich nicht. Nachdem der verdeckte Polizist sich mehrmals versichert hatte, dass die Cannabis-Tasche auch wirklich dem Verdächtigen gehörte, schnappte die Falle zu und Mollett wurde verhaftet.

 

Nun sitzt er im Gefängnis und muss sich bald wegen Drogenbesitzes und der kriminellen Nutzung eines Kommunikationsdienstes vor Gericht verantworten.

Der Name Antonio Bascaro dürfte den wenigsten Cannabisfreunden etwas sagen. Doch der Exil-Kubaner hätte die Aufmerksamkeit der Cannabiscommunity rund um den Globus mehr als verdient. Denn der 84-Jährige hat die letzten 39 Jahre wegen Cannabisschmuggels in einem US-Gefängnis verbracht und ist damit der am längsten einsitzende Cannabis-Häftling der westlichen Welt.

 

Bascaro wurde 1980 wegen des Schmuggels von 600.000 Pfund Marihuana in den Vereinigten Staaten verhaftet. In der Hochzeit des „War on Drugs“ bekam der ehemalige Air-Force-Pilot für seine (gewaltlosen) Vergehen die volle Härte der amerikanischen Justiz zu spüren. Laut seiner Tochter, die mehrmals pro Woche mit ihm telefoniert, verbringt der Senior heute seine Tage mit dem Lesen von Zeitungen und dem Schauen von Nachrichtensendungen. An den Rollstuhl gefesselt bleibt er dabei meistens für sich. Besonders bitter: der Drogenbaron, für den Bascaro damals arbeitete, ist inzwischen längst wieder auf freiem Fuß.

 

Aicha Bascaro startete eine Petition zur Begnadigung ihres Vaters, die es bisher auf knapp 110.00 Unterschriften gebracht hat. Wer ebenfalls unterschreiben möchte, kann dies hier tun.

Das sogenannte Emerald Triangle (etwa: smaragdgrünes Dreieck), die Region um Humboldt County, Mendocino und Trinity County sorgt für einen nicht unbedeutenden Teil der nordamerikanischen Marihuanaproduktion. Bereits seit der Hochzeit der Hippie-Bewegung in den 1960er-Jahren werden hier Marihuanapflanzen im großen Stil angebaut. Legal, illegal, scheißegal: das Growen ist für die hier lebenden Menschen traditionell ein wichtiger Bestandteil ihres ganz speziellen Way of Life. So ziemlich jeder, den man in dieser Gegend trifft, hat direkt oder indirekt mit der Cannabisindustrie zu tun. Und obwohll Marihuana in Kalifornien inzwischen komplett legalisiert wurde, im Emerald County wird, auch aufgrund hoher Zulassungsbeschränkungen für „legales“ Weed, bei weitem nicht nur mit Lizenz angebaut.

 

Eine neue Netflix-Doku mit dem reißerischen Titel „Murder Mountain“ gibt dem Zuschauer nun Einblick in diese besondere Welt. Wie der Name der Show bereits verrät, legen die Macher den Schwerpunkt auf die Schattenseiten des vermeintlichen Stoner-Schlaraffenlands. Dazu gehören zum Beispiel beispielsweise hohe Vermisstenzahlen, ausgebeutete Trimmer und rücksichtslose Guerilla-Grower, die ihre versteckten Felder mit teils lebensgefährlichen Fallenkonstruktionen ohne Rücksicht auf Verluste zu sichern versuchen. Als roter Faden der sechsteiligen Dokumentation fungiert der Fall um einen spurlos verschwunden jungen Surfer, der sich mit der Plantagenarbeit etwas dazuverdienen wollte. Ein ausführliches Review zu Murder Mountain findet ihr in der nächsten Print-Ausgabe des Highway.

Die größte Sorge der Konservativen in der Legalisierungsfrage und ihr zentraler Einwand gegen eine Freigabe ist ein angeblicher Anstieg des Konsums unter Jugendlichen. Drogenbeauftragte und Hopfenbauerntochter Marlene Mortler wird nicht müde, gebetsmühlenartig ihr Mantra vom gefährlichen Signal der Verharmlosung zu wiederholen, mit dem die Heranwachsenden quasi zum Konsum genötigt würden. Konkrete Daten finden leider nur selten Berücksichtigung in der ideologisch aufgeheizten "Argumentation". Dabei gibt es mittlerweile, dank des Voranschreitens der USA, diverse Studien speziell zu der Frage: konsumieren Jugendliche nach einer Freigabe wirklich mehr? Eine kommt zum Beispiel ganz frisch aus dem US-Bundesstaat Washington, wo im Jahr 2014 legalisiert wurde. Das Ergebnis wird Mortler und Konsorten nicht schmecken, ein Anstieg des Konsums konnte nämlich nicht verzeichnet werden. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Unter Achtklässlern sank die Quote von 9,8 auf 7,3 Prozent, unter Zehntklässlern gab es ebenfalls sinkende Zahlen (von 19,8 auf 17,8 Prozent) zu vermelden. Unter den Seniors konnte keine nennenswerte Veränderung der Konsummuster gemessen werden. Wissenschaftlerin Julia Dilley, eine der Autorinnen der Studie, gab zwar zu bedenken, dass noch viel mehr Forschung nötig sei, um die Auswirkungen der Legalisierung auf Jugendliche in ihrer gesamten Komplexität erfassen zu können. Aber eins steht fest: die Schwarzmalerei der Cannabisgegner entbehrt momentan jeder empirischen Grundlage und die zur Schau gestellte Ignoranz hinterlässt einen mehr als faden Beigeschmack. Übrigens ist die Studie aus Washington nicht die erste ihrer Art, Highway berichtete bereits über Erhebungen aus Colorado, deren Ergebnisse ganz eindeutig in dieselbe Kerbe wie die aktuelle Studie schlagen. Also, liebe CDU/CSU-Abgeordnete, macht mal eure Hausaufgaben!

Der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, hielt am Montag eine heiß erwartete Rede, in der er seine politischen Pläne für 2019 skizzierte. Genauer gesagt ging es um seine Agenda für die nächsten Monate. Für Legalisierungsbefürworter waren die Ausführungen besonders interessant: das Mitglied der Demokraten gab bekannt, „Marihuana zu Genusszwecken für Volljährige ein für allemal zu legalisieren“. Der 59-Jährige rechnet durch die Maßnahme mit zusätzlichen Steuereinnahmen von etwa 1,7 Milliarden US-Dollar jährlich. Eine vollständige Freigabe wäre für die gesamten USA ein Akt von besonderer Bedeutung, der wohl ähnlich wie im Fall von Kalifornien eine große Strahlkraft auf andere, in der Cannabisfrage bisher unentschlossene US-Bundestaaten hätte. Auch international würde eine derartige Entscheidung mit Sicherheit auf einiges Interesse stoßen. Der Vorstoß Cuomos ist ein weiterer Schritt in der linken Evolution des in Queens geborenen Politikers, der sich in den letzten acht Jahren vom wirtschaftsnahen Prohibitionsbefürworter (Stichwort „gateway drug“) langsam aber sicher zur gegenüberliegenden Seite des politischen Spektrums bewegt hat.