Die Bewohner des 6.000-Seelen Dorfs Snowflake im US-Bundesstaat Arizona dürften nicht schlecht gestaunt haben, als sie vergangenen Freitagmorgen gen Nacht- bzw. Morgenhimmel blickten. Ein violettes Leuchten färbte das Firmament in geradezu psychedelischer Art und Weise. Ein ebenso faszinierender wie apokalpyptischer Anblick, der selbstverständlich viele Fragen aufwarf. Ist das der Klimawandel? Kommen jetzt die Aliens? Hab ich gestern vielleicht doch etwas zu viel geraucht?

 

Dabei bestand, wie sich inzwischen herausstellte, überhaupt kein Grund zur Aufregung. Denn auch wenn Cannabis-Hater und „Suchtexperte“ (hüstel) Rainer Thomasius neuerdings gerne von Turbo-Cannabis schwadroniert, das eine halluzinogene Wirkung vergleichbar der von LSD entfalte, handelte es sich bei dem Spekatakel keineswegs um eine drogeninduzierte Wahnvorstellung. Und doch hat das Phänomen in der Tat etwas mit Cannabis zu tun. Genauer gesagt mit dem Cannabisanbau. Denn das spektakuläre Leuchten wurde durch die Grow-LEDs einer Farm für medizinisches Marihuana ausgelöst, die sich am Rand des Städtchens befindet. Aufgrund spezieller Wetterverhältnisse reflektierte der nebelige Winterhimmel das Licht der ultravioletten Gewächshausbeleuchtung und so kam es zu dem frühmorgendlichen Schauspiel.

Das Stoner-Movie „So High“ mit den Wu-Tang-Rappern Method Man und Redman in den Hauptrollen dürfte vielen Cannabisfreunden ein Begriff sein. Für alle, die die Kiffer-Komödie noch nicht kennen: in dem Film wird eine Cannabispflanze mit der Asche eines Verstorbenen gedüngt, was dazu führt, dass dem Konsumenten beim Genuss dieses speziellen Marihuanas dessen Geist erscheint. Jeder, der den Film gesehen hat, wird sich wohl an die entsprechenden Szenen erinnern können. Zu den Fans des Films zählt möglicherweise auch ein 26-Jähriger aus dem US-Bundestaat Wisconsin.

 

Der junge Mann, dem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln vorgeworfen wird, wurde von der Polizei mit einer Hausdurchsuchung überrascht, nachdem ein Informant der Behörden Marihuana bei ihm gekauft hatte. Die Beamten fanden beim Verdächtigen dann auch tatsächlich etwa 70 Gramm Cannabisblüten, eine kleine Menge MDMA, eine Waage und eine Auswahl an Bongs. Besondere Aufmerksamkeit erregte jedoch ein unidentifizierbares Pulver, das die Ermittler zunächst vor ein Rätsel stellte. Handelte es sich bei der unbekannten Substanz etwa um Streckmittel? Tja, wie soll man sagen: ja und nein. Der Verdächtige gab zu, dass es sich tatsächlich um die Asche seiner vor einem Jahr verstorbenen Mutter handele. Zwar konnte bisher nicht geklärt werden, ob der Mann damit auch das für den Verkauf bestimmte Marihuana versetzt hat, aber die Aussage, zumindest seinen Eigenbedarf mit der toten Mutter „gestreckt“ zu haben, lässt das Schlimmste erahnen. Mit den Mitgliedern seines Kundenkreises möchte man jetzt auf jeden Fall nicht tauschen...

Selbst dort, wo Cannabis bereits vollständig legalisiert worden ist, muss man sich noch mit den hässlichen kleinen Rückständen der Prohibtionsideologie abmühen, die sich über Jahre und Jahrzehnte in den Fugen und Ritzen der Gesellschaft festgesetzt haben wie Schimmel. Dabei könnte doch inzwischen alles so einfach sein in Las Vegas, Nevada, USA. In der Glücksspiel-Metropole ist Cannabis inzwischen legal und natürlich verdient sich die Stadt dumm und dämlich an den zahlreichen Dispensaries und der größten Cannabis-Ausstellung der Welt. An den Organisatoren der Consumer Electronics Show (CES), einer der größten Tech-Messen der Welt, ist diese Entwicklung aber scheinbar vorbeigegangen.

 

Dabei sah zunächst alles rosig aus für die Cannabisbranche: erstmals wurde im Rahmen der Messe-Awards ein für den Umgang mit Cannabis konzipiertes Produkt ausgezeichnet. Ein toller Erfolg für die Cannabisszene im Kampf um gesellschaftliche Akzeptanz. Der Keep Smart Storage, eine Art smarter Humidor voller nützlicher Sensoren, überzeugte die Jury mit seinem eleganten Design und der innovativen Funktionalität und konnte den ersten Preis in der Kategorie „Innovation“ einheimsen. Allerdings sollte der Hersteller-Firma nichtsdestotrotz eine Art Maulkorb angelegt werden, denn auf der Preisverleihung inklusive Produktpräsentation sollte unter keinen Umständen das Wort Cannabis auch nur fallen und befüllt werden sollte die Box damit natürlich erst recht nicht.

 

Der Hersteller weigerte sich standhaft bei dem seltsamen Spiel mitzuspielen und sagte seine Teilnahme an der Preisverleihung kurzerhand ab. Stattdessen nutzte man die mediale Aufmerksamkeit für eine spontane Crowdfunding-Aktion, an deren Erfolg nach jetzigem Stand (97 % funded) glücklicherweise kein Zweifel mehr besteht. Einer Massenproduktion und einem baldigen Testbericht im Highway steht nun also (so gut wie) nichts mehr im Wege.

Vor einigen Jahren machte in den deutschen Medien das sogenannte „Komasaufen“ die Runde: gemeint war natürlich das exzessive Trinken bis zum Totalabsturz, das gerade bei Jugendlichen beliebt ist. Die Reaktion der Politik kam prompt, es folgte ein Verbot von schnapshaltigen Limonaden, den „Alkopops“, die als Wurzel allen Übels identifiziert worden waren. Symbolpolitik vom Feinsten, schließlich kann sich jeder seinen Alkopop auch einfach selbst mixen. Das ist nicht nur günstiger, man kann auch ganz nach eigenem Geschmack dosieren.

 

Eine aufwändige neue Studie, die mithilfe von Datensätzen von einer Million Teilnehmern über einen Zeitraum von 2008 bis 2018 erstellt wurde, beschäftigt sich erneut mit dem Thema „binge drinking“ (englisch für Komasaufen). Unter der Leitung von Dr. Zoe Alley wurde anhand des Berges an Datenmaterial versucht herauszufinden, ob und in welcher Art sich eine vollständige Cannabislegalisierung bei College-Studenten auf den Konsum von anderen berauschenden Substanzen wie zum Beispiel Alkohol auswirkt. Das Resultat: um durchschnittlich sechs Prozent ging das Rauschtrinken unter volljährigen College-Studenten (21+) nach einer Cannabislegalisierung zurück.

 

Dr. Alley vertritt die These, dass die Studenten tendenziell lieber zu Cannabisprodukten als zu Alkoholika greifen, wenn der Staat ihnen die Wahl lässt und ist der Meinung, dass ihre Studienergebnisse dies unterstützen. „Der wichtigste Punkt, den wir mit unserer Arbeit feststellen konnten, ist, dass sich eine vollständige Legalisierung von Cannabis auf die Praxis des Komasaufens unter volljährigen Studenten auswirkt“, fasst Alley die Studienergebnisse zusammen. Und zwar durchaus in positiver Weise, wie Highway an dieser Stelle unterstreichen möchte.

Als damals am ersten Tag des neuen Jahres 2014 in Colorado die ersten legalen Cannabis-Shops ihre Pforten öffneten, war das öffentliche Interesse riesengroß. Journalisten und Politiker aus aller Welt schauten auf den US-Bundesstaat, der sich auf unbekanntes Terrain wagte und Cannabis auch für den Freizeitkonsum zuließ. Am Ende des Verkaufstags waren Cannabisprodukte im Wert von einer Million US-Dollar umgesetzt worden.

 

Nun ist auch Bundesstaat Illinois den Schritt gegangen, seit dem ersten Januar 2020 darf man auch hier Cannabis kaufen, um es zu Genusszwecken zu konsumieren. Und die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: 3,2 Millionen Dollar wurden allein am ersten Verkaufstag umgesetzt, verteilt auf stolze 77.128 Transaktionen. Lange Warteschlangen wie auf dem Bild oben (ein Post eines US-Hanfaktivisten) waren keine Seltenheit im neujährlichen Stadtbild. Illinois ist der elfte US-Bundesstaat (Regierungssitz Washington D.C. einmal ausgenommen), der die vollständige Legalisierung umsetzt. Dem geneigten Bürger ist damit nun erlaubt, bis zu 30 Gramm Blütenmaterial und fünf Gramm Konzentrate zu besitzen.

 

In einer schönen Aktion, die der Legalisierung an Silvester vorausging, wurden außerdem gut 11.000 Menschen begnadigt, die aufgrund leichterer Cannabis-Delikte verurteilt worden waren.

Hollywood-Schauspieler und Drehbuchautor Seth Rogen ist für seine Vorliebe für Cannabis bekannt. Im Gegensatz zu vielen deutschen Stars, die gerne mal um das Thema herumscharwenzeln, macht Rogen keinen Hehl aus seiner Leidenschaft. Gegenüber dem Magazin „Interview“ gab er unter anderem an, dass er „den ganzen Tag Joints rauche“ und „nichts tue, ohne dabei zu kiffen“. Passend dazu hat er sich nun ein neues Hobby zugelegt, das sich perfekt mit seinem Cannabis-Lifestyle vereinen lässt: dem Töpfern von Aschenbechern.

 

 

Besonderen Wert legt Rogen auf das kleine „Bett“ am oberen Rand des Auffang-Bechers, wo er seine halb gerauchten Joints zwischendurch „zur Ruhe legen“ könne. Wer jetzt schon auf darauf hofft, den Rogenschen Aschenbecher ersteigern oder gar kaufen zu können, der sollte wissen, dass sich Rogens Lebensgefährtin das gute Stück bereits gesichert hat. Aber wer weiß, da Rogen es nach eigenen Angaben sehr genießt, in seiner Freizeit etwas „Greifbares“ zu schaffen, dass man in die Hand nehmen könne, wäre es durchaus möglich, dass in Zukunft ein kleiner Nebenerwerb aus seinem Hobby erwächst. Genug Nachfrage wäre wohl vorhanden, wie ein Blick auf die Kommentare unter dem Instagram-Post des Aschenbechers beweist. Welcher normalsterbliche Cannabisfreund hätte auch nicht gerne einen handgetöpferten Aschenbecher von einem der berühmtesten Kiffer der Welt auf dem heimischen Couchtisch?

In den USA wurde in den letzten Tagen und Wochen mal wieder eine Debatte geführt, die Legalisierungsbefürwortern und Cannabisfreunden mittlerweile zu den Ohren herauskommt. Es ging mal wieder um die gute alte Einstiegsdroge. Schon wieder? Ja, schon wieder.

 

Niemand geringerer als der ehemalige Vizepresident und Präsidentschaftskandidat für 2020 Joe Biden, nach wie vor eine wichtige Stimme in der demokratischen Partei, verstieg sich zu der Aussage, er sei gegen die landesweite Legalisierung, da Marihuana eine Einstiegsdroge sei. Als alter Hase im politischen Geschäft formulierte er das zwar ziemlich schwammig und so aalglatt, dass es schwerfiel ihn darauf festzunageln, doch was er wirklich meinte und welche Botschaft er in der Öffentlichkeit verankert sehen wollte, war ganz klar: Cannabis ist eine Einstiegsdroge. Und auch, wenn die leidige Debatte nun wirklich in die erzkonservative Mottenkiste gehört, so freut es Cannabisliebhaber doch auch immer wieder, wenn Personen, die diesen wissenschaftlich nicht haltbaren Unsinn verbreiten, ordentlich kontra bekommen. Glücklicherweise gab es im Fall Biden einen ordentlichen Shitstorm und siehe da, nun rudert der 77-Jährige zurück. In einem insgesamt unnötig komplizierten und verschwurbelten Statement schließt er mit der klaren glasklaren Feststellung: „Ich glaube nicht, dass es sich um eine Einstiegsdroge handelt. Ich kenne keine Belege, die derartiges nahelegen.“ (Das vollständige Statement gibt es hier).

 


Na, warum nicht gleich so? Jedenfalls wird einmal mehr klar, dass die Cannabislegalisierung eine Generationenfrage ist. Wer in seiner Jugend zu viel Anti-Propaganda abbekommen hat, dem fällt es anscheinend schwer, eine objektive Neubewertung der Frage zuzulassen und Fehler einzugestehen. In diesem Sinne: OK, Boomer!

Manchmal kann man echt neidisch werden auf die Amis, zumindest auf die, die in den Legalisierungs-Bundestaaten leben. Einmal mehr schwappt eine kuriose Stellenausschreibung über den großen Teich, die alle deutschsprachigen Cannabisfreunde vor Neid erblassen lassen dürfte.

 

Das Cannabis-Unternehmen mit dem klingenden Namen „American Marijuana“ sucht Leute, deren Passion Cannabis ist und die sich bereiterklären, eine große Bandbreite an Cannabisprodukten aus dem Sortiment zu testen und darüber zu schreiben, zu bloggen, zu filmen. Puh, das klingt ja echt nach einer langweiligen Plackerei! Spaß beiseite, welcher Kiffer wird hier nicht hellhörig, zumal ein Jahresgehalt von bis zu 36.000 US-Dollar im Raum steht? Dafür erhält man einmal im Monat ein fettes Paket mit Cannabisprodukten, die man nach Herzenslust austesten kann. Der „Arbeitsalltag“ besteht dann daraus, die ehrliche Meinung über das jeweilige Testobjekt sowohl in schriftlicher, als auch in Form eines Videoclips zu artikulieren und einzuschicken.

 

Na gut, wenn es weiter nichts ist, wo kann ich mich bewerben? Tja, und da steckt auch leider der Haken, denn es werden wie so oft nur Bewerber mit Wohnsitz in den USA und Kanada akzeptiert. Außerdem fällt beim Blick ins Kleingedruckte auf, dass sich ausgerechnet die Regelung des Gehalts etwas schwammig anhört und sich scheinbar nach der Anzahl der eigenen Social-Media-Follower richtet (speziell hervorgehoben werden die Netzwerke Facebook und Twitter).

 

Wer sich jetzt trotzdem bewerben will oder vielleicht jemanden kennt, der die richtigen Voraussetzungen mitbringt, der sollte noch die, etwas speziellen, Applikationsbedingungen beachten: neben einem regulären Lebenslauf und einem 60-sekündigen Video, das klarmacht, warum man die richtige Person für den Job ist, wird auch noch die Aufzählung von sechs Slang-Begriffen für Marihuana verlangt.

 

Hmm, ok, wie wäre es damit? Ganja, Ott, Mary Jane, Weed, Kraut und Kaya. Also, wann kann ich anfangen? ich zieh auch sofort in die USA...

 
Eine neue Cannabis-Meinungsumfrage des Pew Research Centers unter US-Amerikanern ergab eine neue Rekordunterstützung für die landesweite Legalisierung von Marihuana: Zwei Drittel der amerikanischen Erwachsenen sind inzwischen der Meinung, dass Cannabis bundesweit vollständig legalisiert werden sollte. Stolze 67 Prozent der Amerikaner sind nun bereit für eine Legalisierung - noch einmal fünf Prozent mehr als noch vor einem Jahr und somit erstmals mehr als zwei Drittel der Gesamtbevölkerung.
 
 
 
Unter den in diesem Jahrtausend geborenen, waren gleich 76 Prozent dafür. Die geringste Zustimmung wurde von Personen über 74 Jahren geteilt, dort waren lediglich 32 Prozent für eine Freigabe. Deutliche Unterschiede waren auch auszumachen, wenn man auf die politische Ausrichtung der Befragten schaute. Anhänger der Demokraten sprachen sich zu stolzen 78 Prozent für eine landesweite Cannabislegalisierung aus, die Anhänger der Republikaner um Donald Trump wollen nur zu 55 Prozent eine Legalisierung.
 
 
 
Den persönlich interessiert das auch herzlich wenig, auf Bundesebene passiert nichts in diese Richtung. Sollte es mit der Amtsenthebung nichts mehr werden, bleibt wohl nur der Blick auf die Präsidentschaftswahlen im November 2020. Denn alle Hauptbewerber der Demokraten haben bereits ihre Unterstützung für eine vollständige und bundesweite Legalisierung zum Ausdruck gebracht. Somit stehen die Chancen für eine baldige, amerikaweite Legalisierung nicht schlecht.

Auch wenn die USA in den letzten Jahren von Legalisierungsbefürwortern rund um den Globus verstärkt als Positivbeispiel für einen liberalen Umgang mit Cannabis herangezogen werden und die gesellschaftliche Akzeptanz in vielen Bundesstaaten schon weit fortgeschritten ist, hat auch die dortige Szene immer wieder mit Hindernissen zu kämpfen, die ihnen von der Politik und der Justiz in den Weg gelegt werden.

 

Zuletzt sorgte ein großer Fang der New Yorker Polizei (NYPD) und das dazugehörige Polizeifoto für Ärger in der Cannabisbranche, aber, zugegeben, auch für den ein oder anderen Schmunzler. Auf der Facebook-Seite des NYPD brüstete man sich mit dem Fund und der Beschlagnahmung von knapp 50 Kilogramm Marihuana. Diese Zurschaustellung in den sozialen Netzwerken ist ja leider mittlerweile gängige Praxis, doch diesmal erntete die Truppe vor allem Hohn und Spott. Zu Recht, denn die fetten Baggies, zwischen denen sich vor allem einer der beiden Cops in cooler Pose in Szene setzt, so als sei er die Reinkarnation von Charlie Bronson höchstpersönlich, enthielten gar kein Marihuana, sondern völlig legalen, komplett THC-freien Hanf des lizenzierten Produzenten Fox Holler Farms aus Vermont.

 

Das pikierte Unternehmen ließ mit einer Reaktion nicht lange auf sich warten und verlautete, ebenfalls über Facebook, unter anderem das Folgende: „Dieses Bild frustriert uns und macht uns Sorgen. (…) Warum sind sich die Menschen der Gesetze, mit deren Schutz sie betraut sind, nicht bewusst?“ Tja, eine durchaus berechtigte Frage, zumal die im „Hemp Farming Act“ bundesweit geregelte Legalisierung von Hanf erst vor einigen Monaten prominent durch alle US-Medien ging.