Fake-News-Alarm! Diesmal trifft es den Tagesspiegel, der sich nicht zu schade war, ein starkes Stück Anti-Cannabis-Lektüre unter die Leute zu bringen, die im besten Fall einfach „nur“ schlecht recherchiert wurde oder, schlimmer noch, tatsächlich mutwillig zur Desinformation der Leserschaft beitragen soll. Von Wissenschaftsredakteur Patrick Eickemeier, studierter Journalist und Biologe, sollte man so oder so etwas Wertigeres erwarten dürfen – ansonsten kann es nur heißen: sorry, Beruf verfehlt!

 

Unter dem alarmierenden Titel „Hochkonzentrierte Cannabisprodukte gefährden geistige Gesundheit“ wird zur Einstimmung einmal mehr das Lied vom angeblich immer stärker werdenden Cannabis gespielt: „Mittlerweile sind Sorten erhältlich, die sich zum Hippiekraut von anno dazumal so verhalten, wie Schnaps zu Alsterwasser mit Limo: bis zu 50 Prozent THC-Gehalt gegenüber einem Prozent“, heißt es da etwa an einer Stelle. 

 

50 Prozent THC? Wow, wo kriegt man das Kraut? Spaß beiseite, an dieser Aussage ist gleich so viel falsch, dass man gar nicht weiß, wo man mit der Richtigstellung anfangen soll! Zunächst einmal kann ganz unumwunden festgehalten werden, dass das amerikanische Szene-Urgestein, das „High Times“-Magazin, die Sorte „Godfather OG“ als die THC-reichste im Jahr 2020 erhältliche Sorte darstellt. Ohne Frage, eine hochqualitative und auch starke Cannabissorte, aber mit einem THC-Wert von (je nach Messverfahren) knapp über 30 Prozent doch weit unter dem im Tagesspiegel genannten Level. Einmal abgesehen davon, dass Samenbanken bekannterweise die Cannabinoid-Werte ihrer Kreationen gerne mal etwas zu optimistisch angeben, liegen die 50 Prozent so weit vom Machbaren entfernt, dass sich Breeder mit einer Angabe in dieser Größenordnung wohl einfach nur lächerlich machen würden und in der Branche ziemlich schnell als unseriös wahrgenommen werden dürften. Wo der Tagesspiegel und Herr Eickemeier die hohe Zahl her nehmen, bleibt unklar. Außerdem muss klar sein, dass ein derartiges hochprofessionell angebautes Top-Shelf-Produkt wie „Godfather OG“ für den deutschsprachigen Durchschnittskonsumenten überhaupt nicht leicht (wenn überhaupt) zu bekommen ist. Papperlapapp, beim Tagesspiegel weiß man: wenn sich der Ottonormalkiffer in Klein-Oberurselbach an der Straßenecke beim Dealer mit der sprichwörtlichen „deutschen Hecke“ eindeckt, dann purzeln die THC-Rekorde nur so.  

 

Nochmal so richtig die Blöße gibt man sich dann im letzem Teil des Textes, der sich um die Eigenschaften von Cannabis- und Tabakrauch dreht: „Ein weiteres Problem sind Erkrankungen der Atemwege bei Cannabisrauchenden: gehäufte Auftreten von Bronchitis sowie Entzündungen der Nasen- und Rachenschleimhaut sind dokumentiert, könnten aber auf den inhalierten Tabakrauch zurückzuführen sein. Cannabisrauch enthält mehr Teer und krebserregende Stoffe als Tabakrauch. Auftretende Krebserkrankungen könnten aber auch auf das Tabakrauchen zurückzuführen sein.“ 

 

Tatsächlich hat der Leser hier einen Absatz vor sich, der überhaupt gar nichts, einfach Nullkommanix, aussagt und dementsprechend eigentlich in der Korrektur hätte entfernt werden müssen. Aber, was solls, ein Lektorat kostet viel Geld und so genau schauen die Leser ja doch nicht hin, nicht wahr, lieber Tagesspiegel? Die Leserkommentare unter dem Artikel sprechen allerdings eine andere Sprache. Dass das Geschriebene dem aktuellen Stand der Wissenschaft eindeutig widerspricht, haben zumindest sie erkannt. Kein Wunder, dazu reicht eine viertelstündigen Google-Recherche. Beispielhaft soll an dieser Stelle auf den Artikel der neuseeländischen „Drug Foundation“ und auf diese US-Studie aus Colorado verwiesen werden. Zum Thema Vaporizer, der die Diskussion um die gesundheitsschädliche Qualität des Rauche(n)s komplett ad absurdum führt, schweigt der Autor lieber gleich ganz.

Immer wieder gibt es gute Gründe, wegen denen Cannabisenthusiasten enthaltsam sein müssen oder es freiwillig sein möchten. Sei es vielleicht, weil der Dealer gerade einen Lieferengpass hat oder vielleicht auch, weil einem der eigene Konsum zu hoch erscheint. Normalerweise fällt ein Stopp oder eine vorübergehende Unterbrechung des Konsums leicht und es baut sich auch kein nennenswerter Konsumdruck auf. Aber es gibt auch einen kleinen Teil von Cannabiskonsumenten, der nach langen Konsumphasen ohne Cannabis dann plötzlich Probleme bekommt. Unruhe, Schweißausbrüche und andere Symptome erschweren dann vor allem in den Anfangstagen die Abstinenz und lassen viele erneut resigniert zu Marihuana oder Haschisch greifen. Nicht nur Friedbert Weiss, der zurzeit als ordentlicher Professor die Abteilung für Neurowissenschaften an einer Universität in Kalifornien leitet, sondern auch viele Freizeitkonsumenten, haben nun ein Mittel gefunden, das da Abhilfe schaffen kann. Es ist kaum zu glauben, aber es ist ein Bestandteil des Harzes der weiblichen Cannabispflanze – und zwar das in letzter Zeit zu einiger Berühmtheit gekommene Cannabinoid CBD (Cannabidiol). Wie dieses beim Beenden des Cannabiskonsums zu Rauschzwecken helfen kann, soll im Folgenden beleuchtet werden.   

 

Dazu vorab ein paar Informationen zu CBD und THC (Tetrahydrocannabinol). Diese beiden wichtigen Cannabinoide sind in unterschiedlichen Konzentrationen vorwiegend im Harz der weiblichen Cannabispflanze enthalten. Während THC hauptsächlich für den Rausch verantwortlich ist, wird CBD in der Wirkung unterschätzt. Es ist durchaus ein hochwirksames Cannabinoid, das aber alleine eingenommen keine bewusstseinsverändernde Wirkung zeigt. Erst in Kombination mit THC beeinflusst es den Rausch und es wird vermutet, dass ein Cannabisrausch ohne kleine Anteile CBD eher unangenehm ist. Leider sind die Wechselwirkungen nur ungenügend untersucht, sodass noch keine allumfassenden Aussagen getroffen werden können. Bekannt ist aber, dass CBD, wie auch THC, das körpereigene Endocannabinoidsystem beeinflusst – allerdings ohne einen Rausch zu erzeugen. Und das ist jetzt der Clou, der den Entzug von Cannabis erleichtert. Durch die Gabe von CBD wird der Stoffwechsel in unserem Denkorgan so verändert, dass es dem Körper nicht mehr so stark das Fehlen von THC signalisiert, wie es bei manchen Personen der Fall ist. Und damit sind die meisten psychisch begründeten Schwierigkeiten beim Cannabis-Stopp bereits nahezu verschwunden. Sicherlich fragen sich jetzt einige, wie sie ihre Abkehr von THC mit CBD denn in der Praxis gestalten können.

Das ist, wenn der feste Wille vorhanden ist, eigentlich recht einfach: als erste Maßnahme wird dafür gesorgt, dass sich ein gewisser Grundpegel von CBD im Körper einstellt. Dazu empfiehlt sich die Einnahme von Kapseln. Diese wirken zwar erst nach einer Weile, in der Regel nach einer bis zwei Stunden, dafür aber für eine längere Zeit. Sechs bis acht Stunden hält die Wirkung an, also wird morgens und nachmittags je eine Kapsel eingenommen. Die Tagesdosis ist individuell verschieden, liegt bei den meisten Menschen aber bei 25 Milligramm. Wird ein schnellerer Effekt gewünscht, dann können CBD-Öl, CBD-Kristalle oder ein alkoholischer CBD-Extrakt unter die Zunge geträufelt werden. Dort belässt man es für 60 Sekunden und nach etwa 15 Minuten setzt dann die Wirkung ein. Noch rascher wirkt CBD, wenn es inhaliert wird. Vermutlich gesundheitlich besser als das Rauchen ist es, die Blüten in einem entsprechenden Gerät zu erhitzen und den Dampf zu inhalieren. Alternativ kann auch eine elektrische Zigarette mit einem Liquid befüllt werden, das CBD enthält. Mit diesen Verdampfern wird dann plötzlich auftretendes Verlangen in der Regel rasch befriedigt.  

 

Doch mit welchen „Entzugserscheinungen“ muss man als Cannabiskonsument überhaupt rechnen? Normalerweise mit keinen wirklich schlimmen oder gar schmerzhaften Beeinträchtigungen. Im Verhältnis zum Alkohol- oder Opiatentzug sind die Symptome lächerlich und die allermeisten Konsumenten schaffen eine Konsumunterbrechung problemlos und ohne Hilfe.

 

Psychisch begründete Auffälligkeiten können sich in Schlafproblemen, gelegentlichen Alpträumen und manchmal sogar in Angst, Unruhe oder Aggressionen äußern. Dies liegt daran, dass das Gehirn bei regelmäßigem Konsum der betäubenden Wirkung der Droge entgegensteuert, um seine Funktion sicherzustellen. Dazu produzieren die Synapsen zusätzliche Botenstoffe. Fällt der Wirkstoff weg, sind zu viele dieser Stoffe aktiv und das führt zu übersteigerter Hirnaktivität. Der ehemalige Konsument fühlt sich fahrig und ist unruhig. Eine ganz normale Sache, die aber durch weitere Gabe von CBD ausgeglichen werden kann. Treten hingegen Müdigkeit und Depressionen auf, ist die Sachlage eine andere. Manche nehmen ja Cannabis, um ihre chronische Niedergeschlagenheit selbst zu behandeln. Und diese kehrt nach dem Absetzen der Droge natürlich zurück. Dauert dieser Zustand längere Zeit an, sollte vielleicht ein fachkundiger Arzt aufgesucht werden. Cannabis macht kaum physisch abhängig, doch in Ansätzen ist dies gelegentlich zu beobachten. Beispielsweise können sich Schwitzen und verminderter Appetit einstellen. Die Symptome verdienen jedoch keine sonderliche Beachtung, sie vergehen meist binnen weniger Tage.  

 

CBD kann übrigens kaum überdosiert werden, eine Dosis von bis zu 1.500 Milligramm täglich gilt als gesundheitlich absolut unbedenklich. Das ist rund das 60-fache von dem, was für die meisten Menschen als tägliche Dosis ausreicht. Theoretisch gibt es natürlich auch eine Überdosis, wie bei jedem anderen Stoff auch, aber in der Realität stirbt kein Mensch an einer Überdosis CBD. Auch die Nebenwirkungen sind zu vernachlässigen. Außerdem haben frisch gebackene Ex-Kiffer ja auch beim herkömmlichen Cannabisgenuss bereits beachtliche Mengen CBD konsumiert. Je Joint werden etwa zwischen zwei und zwanzig Milligramm aufgenommen, je nach Sorte sogar noch mehr. Alles in allem ist die Einnahme von CBD ungefährlich, gesund und hilft bei der THC-Entwöhnung.

Nach langen vier Monaten Corona-Pause ist es endlich wieder so weit: Deutschlands größtes Cannabismagazin steht endlich wieder in den Zeitungsregalen. Mit einem neuen, noch günstigeren Verkaufspreis von nur 1,90 Euro, einem frischen Layout und neuen Rubriken. Ach ja, und wie ihr anhand der Covervorschau sehen könnt, kriegt unsere Drogenbeauftragte diesmal so richtig ihr Fett weg.

 

Wir freuen uns natürlich riesig über euren Support, aber wenn ihr die 1,90 Euro lieber für Weed sparen möchtet, verstehen wir das natürlich auch. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, das E-Paper auch weiterhin kostenlos zur Verfügung zu stellen, ganz so wie wir es bei den letzten beiden HIghway-Ausgaben gehalten haben.

 

Unter diesem Link (und unten auf dieser Seite im Player) gibt es die neue Ausgabe 05/20 in der E-Paper-Version zum lesen und downloaden. Und jetzt viel Spaß bei der Lektüre, ob nun virtuell oder gedruckt!

Der Schweizer Nationalrat hat gestern beschlossen, ein landesweites Pilotprojekt mit Freizeit-Cannabis ermöglichen zu wollen. Viele Städte sind bereit und warten auf das Startsignal, in Bern hat man sogar schon mit den Apotheken ausgemacht, welche von ihnen die Cannabisabgabe dann übernehmen werden.

 

Gegen den sogenannten Experimentierartikel stellten sich vor allem die SVP und Teile der Mitte-Fraktion und erzählten den üblichen Quatsch. Verena Herzog von der SVP (bekannt aus ihrem YouTube-Hit: „Cannabis rauchen gibt Löcher in der Lunge“) schwadronierte etwa in bester Mortler-Manier: „Cannabis ist nicht einfach zum Spaß illegal.“

 

Auch kämpfte die größtenteils rechtspopulistische Anti-Cannabis-Fraktion des Schweizer Nationalrats nicht nur gegen das Pilotprojekt an sich, sondern forderte auch in zahlreichen Anträgen, für den nun eingetretenen Fall, dass die Pilotprojekte doch genehmigt werden, allerlei unmenschliche und schwachsinnige Auflagen in diese einzubauen.

 

Die nationalkonservative SVP-Fraktion wollte unter anderem bestimmen, dass die 5.000 geplanten Versuchsteilnehmer des Pilotprojekts in einer Datenbank registriert werden, ihren Führerschein abgeben müssen und Arbeitgeber über die Teilnahme an dem Projekt informiert werden. All diese Anträge wurden von den anderen Fraktionen jedoch abgelehnt.

 

Die 5.000 volljährigen Versuchsteilnehmer, die bereits Cannabiskonsumenten sein müssen, sollen in dem Pilotprojekt legal bis zu zehn Gramm Marihuana in Apotheken beziehen – für alle anderen Schweizer bleibt Cannabis jedoch auch in der vorläufig für die maximal fünf Jahre angesetzten Versuchszeit illegal.

 

Wenn alles glatt läuft, könnte es bereits im kommenden Jahr so weit sein. Nachdem der Nationalrat die entsprechende Vorlage mit 113 zu 81 Stimmen genehmigte, muss diese nun noch im Herbst vom Ständerat abgesegnet werden.

 

Jedoch hätten die Schweizer Cannabis-Gegner dann noch ein letztes Mittel, das dann auch nicht unwahrscheinlich eingeleitet werden wird: die Volksabstimmung. Dann dürften alle wahlberechtigten Bürger in der Schweiz darüber abstimmen, ob die Pilotprojekte genehmigt werden oder nicht.

Junge, Junge, eine doch recht beeindruckende, vermeintlich illegale Cannabis-Anlage hat die Polizei im Kanton Thurgau in der Schweiz entdeckt.

 

Der mutmaßliche Betreiber der knapp 4.000 Pflanzen starken Indoor-Pflanzung erwies sich jedoch nicht als Eidgenosse, sondern als Niederländer, der wohl bereits seit Mitte Februar unter polizeilicher Beobachtung stand. Fündig wurden die Beamten auf dem verlassenen Gelände einer stillgelegten Liegenschaft in Rothenhausen.

 

Der 42-Jährige Holländer gab zu seiner Verteidigung an, dass es sich bei den Cannabispflanzen um eine legale, THC-arme CBD-Sorte handele. In der Schweiz sind Cannabisprodukte, die einen THC-Gehalt bis zu einem Prozent aufweisen, legal.

 

Zwar fand man tatsächlich auch geernteten und verarbeiteten CBD-Hanf, die Tests bezüglich der Inhaltsstoffe der Pflanzen selbst und der noch zusätzlich gefundenen 12 Kilo abgepackten Marihuanas sprechen nach Polizeiangaben aber eine andere Sprache. Allerdings kommt es auch immer mal wieder vor, dass der Wirkstoffgehalt je nach verwendeter Testmethode signifikant abweichen kann. Nichtsdestotrotz muss sich der Pechvogel nun auch auf eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz einstellen.

 

Pünktlich zum Weltkiffertag am 20. April meldete sich Drogenbeauftragte Daniela Ludwig mit einer Botschaft an alle Cannabiskonsumenten zurück. Der Inhalt dieser Botschaft hatte einmal mehr das Zeug dazu, nicht nur allen Cannabisfreuden, sondern auch denen, die sich aus anderen Gründen mit der Materie auskennen, die Stimmung gründlich zu vermiesen. Mit Rücksicht auf den gestrigen 420-Day berichten wir deshalb erst heute über diese Äußerungen.

 

Im Grunde handelt es sich mal wieder um ein Potpourri von altbekannten Prohibitionsargumenten, gemixt mit der ein oder anderen Respektlosigkeit und veredelt mit dem Extra-Schuss Ignoranz. Da wird die Frage nach der Chance auf eine zukünftige Legalisierung mit einem süffisanten „Ich muss die Szene leider enttäuschen“ abgeschmettert, ganz so als handle es sich bei der Gesamtheit der deutschen Cannabiskonsumenten um ein kleines Häufchen Verwirrter. Wir wollen nicht abstreiten, dass diese Verwirrten existieren, in Anbetracht einer geschätzten Konsumentenzahl von etwa vier bis fünf Millionen Bundesbürgern (die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen) und der Tatsache, dass auch die Cannabispatienten mindestens auf indirektem Wege von einer Freigabe profitieren könnten, hinterlässt der verwendete Begriff „Szene“ hier einen mehr als faden Beigeschmack.

 

Das Ziel solcher Äußerungen ist klar: dem unbedarften Leser soll klar gemacht werden, dass man eine handvoll Spinner nicht so ernstnehmen muss. Leider versäumt es Interviewer Hasso Suliak (nicht nur an dieser Stelle) kritisch nachzuhaken, sondern leitet einfach zur nächsten Frage über. Im weiteren Verlauf diskreditiert sich der Möchtegern-Journalist vollends, indem er im Zusammenhang erhöhter THC-Gehalte davon spricht, dass beim „medizinischen Cannabis der THC-Gehalt wesentlich geringer“ sei. Diese völlig aus der Luft gegriffene Äußerung, die jeder faktischen Grundlage entbehrt, bleibt seitens Ludwig vollkommen unkommentiert und offenbart eklatante fachliche Wissenslücken. Auch der Zusammenhang zwischen Legalisierung, sozialer Akzeptanz und Prävention wird ignoriert, stattdessen wird einmal mehr das Modell aus Repression und Vorbeugung, das schon die letzten Hundert Jahre nicht besonders gut funktioniert hat, propagiert.

 

Ludwig lässt es sich natürlich auch nicht nehmen, auf ihr neues Lieblingsthema, die im Vergleich zum Bundesdurchschnitt erhöhte „Geringe Menge“ in Berlin, einzugehen: eine Regelung, die bei den Bürgern offenbar zu einer Verkennung der bundesdeutschen Gesetzeslage führe. Ludwig spricht es nicht aus, doch der mitschwingende Subtext ist klar. Ihr Rundumschlag endet beim Thema Kanada, dessen Freigabemodell genutzt wird, um gegen eine Legalisierung an sich zu wettern, schließlich kauften noch immer viele Kanadier ihr Weed auf der Straße. Dass andererseits eine große Zahl von Konsumenten dies aber nicht mehr tut, davon schweigt Ludwig lieber. Davon, dass ein derart ausufernder Eingriff in eine Volkswirschaft auch einfach Zeit braucht, um sich einzuspielen, hört man ebenfalls kein Wort. Auch, dass Holland mit seinem, (ganz sicher nicht optimalen) Freigabe-System schon vor Jahrzehnten den Straßenhandel deutlich in den Hintergrund drängen konnte, bleibt unerwähnt.

 

Sicher, eine Legalisierung funktioniert nur so gut wie das im Einzelfall verwendete Modell, doch ist das natürlich kein stichhaltiges Argument gegen das Anliegen selbst. Insgesamt wird einmal mehr deutlich: es findet überhaupt keine Diskussion statt, hier wird lediglich der CSU-Politikerin eine Plattform geboten, um Werbung für ihre veralteten Standpunkte zu machen.

Spätestens seit in den USA in den 1990er-Jahren die ersten Bundesstaaten Cannabis zu medizinischen Zwecken legalisiert haben, läuft die Forschung an der Pflanze auf Hochtouren – und ging mit den ersten vollständigen Freigaben Mitte der 2010er-Jahre geradewegs durch die Decke. Dutzende Cannabinoide wurden seitdem identifiziert und erforscht, das wohl bekannteste (und wohl auch beliebteste) ist natürlich Tetrahydrocannbinol (THC). Italienische Forscher haben nun zum Jahreswechsel aufsehenerregendes verkündet, das eine ganze Menge von dem, was wir über die Cannabispflanze zu wissen glauben, auf den Kopf stellen könnte.

 

Bisher galt als gesichert, das in erster Linie THC für den Rausch beim Konsum von Cannabisprodukten verantwortlich zu machen ist. Die beiden neuen Cannabinoide, die entdeckt wurden, heißen Tetrahydrocannabiphorol (THCP) und Cannabidiphorol (CBDP). Besonders erstaunlich an der Entdeckung: THCP soll etwa 30 mal stärker wirken als THC, erste Tests an Mäusen scheinen dies zu bestätigen. Eine geringe THCP-Dosis löste bei den Nagetieren die gleichen Rauschzustände aus wie eine weitaus größere Dosis THC. Eine Erklärung dafür könnte eine höhere Bindungsaffinität von THCP an die entsprechenden Rezeptoren sein. Wenn sich die Erkenntnisse auf den Menschen übertragen lassen sollten, dann dürfen Cannabisliebhaber und Patienten sich wohl auf eine ganz neue Generation von Cannabis einstellen. Und die Breeder bekämen eine ganz neue Spielwiese, auf der sie sich austoben können. Auf jeden Fall darf man gespannt sein!

Wie verschiedene Medien berichteten, entschied vergangenen Freitag die Gesundheitskommission des Schweizer Nationalrats, dass sie keine Versuche zur kontrollierten Abgabe von Cannabis für Genusszwecke möchte. Die Kommission war in der Frage allerdings absolut gespalten: Sie lehnte die Gesetzesvorlage bei 11 zu 11 Stimmen und 2 Enthaltungen mit Stichentscheid von Kommissionspräsident Thomas de Courten (SVP/BL) ab. Schlussendlich entscheiden muss der Nationalrat, aber die Empfehlung ist damit klar.

 

Im Mai hatte sich die Kommission im Grundsatz noch für einen Experimentierartikel ausgesprochen. Es stelle ein Problem dar, dass mindestens 200.000 Menschen in der Schweiz regelmässig illegal Cannabis konsumieren – und dass dessen Qualität keiner Kontrolle unterliege, hieß es damals.

 

Der Nationalrat hatte letztes Jahr mehrere Vorstöße gutgeheißen und den Auftrag erteilt, einen Experimentierartikel einzuführen. SVP und CVP sprachen sich damals dagegen aus. Der Bundesrat ist jedoch schon vorher aktiv geworden und hat dem Parlament eine eigene Vorlage präsentiert. Diese ist auf zehn Jahre befristet und würde eine gesetzliche Grundlage für wissenschaftliche Pilotversuche schaffen.

 

Hintergrund ist die verweigerte Bewilligung für eine Cannabis-Studie der Universität Bern. Das Bundesamt für Gesundheit kam zum Schluss, dass es dafür keine Rechtsgrundlage gebe. Diese Lücke soll mit dem Experimentierartikel geschlossen werden.

Die Firma Magu CBD aus Wien hat beim Meinungsforschungsinstitut Integral eine Studie in Auftrag gegeben, um Fragen zu Cannabis und CBD auf den Grund zu gehen. Bei der Befragung von 1.009 Teilnehmern kam heraus, dass 54 Prozent der Bevölkerung für eine vollständige Cannabis-Legalisierung sind. 2017 waren noch 64 Prozent gegen eine generelle Legalisierung. Die Umfrage ist repräsentativ für ganz Österreich und hat eine Schwankungsbreite von 3,1 Prozent. Bei den Steirern ist Cannabis offenbar besonders beliebt, waren dort rund zwei Drittel für eine Legalisierung.

 

In der Gesamtbevölkerung gab mehr als die Hälfte der Befragten gab an, den Unterschied zwischen THC und CBD zu kennen. Die formal höher gebildete Bevölkerungsgruppe kannte den Unterschied sogar zu zwei Dritteln. 14 Prozent der Befragten haben bereits selbst konkrete Erfahrungen mit CBD gemacht, das entspricht einer Bevölkerungsgruppe von 873.600 Personen. Mehr als drei Viertel der CBD-Konsumenten gab an, gute bis sehr gute Erfahrungen damit gemacht zu haben. Ausschließlich negative Erfahrungen mit CBD gaben nur sieben Prozent an. Insgesamt sieben Prozent der Befragten hätten lieber überhaupt keinen CBD-Markt.

 

Das Geschäft mit CBD läuft allerdings sehr gut, es ist eine der am schnellsten wachsenden Branchen Österreichs. Der Wirtschaftsverband Cannabis Austria (WVCA) schätzt, dass binnen des vergangenen Jahres rund 50 neue Produzenten und etwa 100 neue Shops ins Geschäft eingestiegen sind. Die Branche bietet Platz für 1.500 Arbeitsplätze und macht einen Jahresumsatz von etwa 250 Millionen Euro – mit steigender Tendenz. Angebaut wird in Österreich auf rund 2.000 Hektar.

Darf es noch ein Tässchen mehr sein? Gerade kursiert ein etwas kurioser Produktrückruf im Web, der Cannabisfreunde zum Schmunzeln bringen dürfte. Bio-Großhändler Dennree hat am gestrigen Mittwoch eine Charge seines Hanf-Grüntees zurückgerufen und alle Käufer dazu aufgefordert, das Produkt nicht zu konsumieren. Der Grund: es wird doch tatsächlich befürchtet, dass möglicherweise zu viel THC im Tee stecke. Aus Angst vor gesundheitlichen Schäden bei der Einnahme größerer Mengen werden Käufer nun gebeten, ihr Produkt, auch ohne Kassenbeleg, umgehend umzutauschen. Betroffen sei ausschließlich die Charge mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 6. Februar 2022.

 

Cannabisfreunde, die jetzt schon mit dem Gedanken spielen, noch Exemplare der vom Rückruf betroffenen Charge zu ergattern und 20 Beutel auf einmal aufzubrühen, sei gesagt, dass nicht bekannt gemacht wurde, um wie viel mehr THC es sich wirklich handelt. Vielleicht ist das Ganze ja auch nur ein ausgefuchster PR-Trick, um Cannabisliebhaber auf das Produkt aufmerksam zu machen und auch in Zukunft zum Kauf zu ermutigen. Amüsant ist jedenfalls der Kontrast zwischen der Rückrufaktion und dem fetten "Higher Living-Aufdruck auf der Verpackung des Tees.