Cannabis in aller Munde – in der heutigen Zeit raucht gefühlt jeder Marihuana. Leute, die etwas dagegen haben, scheinen uralt zu sein oder aus Bayern oder den Philippinen zu stammen. Doch was sind die schönsten Gefühle gegen klare Fakten? Mit zu diesen beitragen möchte, wie auch bereits in den vergangenen Jahren, die Drogenumfrage von „Zeit Online“, deren 2016er-Ergebnisse gestern präsentiert wurden.

 

Befragt wurden knapp 36.000 Leser von „Zeit Online“ aus Deutschland, die der Redaktion verraten haben, wie oft sie was konsumieren. Voraussetzung war allerdings, dass man auch Drogen nimmt – dazu wurden jedoch auch etwa Viagra oder Energydrinks gezählt. 69 Prozent der Befragten waren männlich, dementsprechend 31 Prozent weiblich. Das Durchschnittsalter betrug 31 Jahre. Dem „Zeit“-Klientel entsprechend hat fast die Hälfte der Teilnehmer einen Uni-Abschluss, während ein knappes Viertel noch studiert.

 

Wenig überraschend: Alkohol war mal wieder der Gewinner der Veranstaltung. 94 Prozent der Befragten haben 2016 Alkohol konsumiert (jeder siebte Mann und vier Prozent der Frauen kommen dabei auf mindestens monatliche Filmrisse). Auf dem Silbertreppchen findet sich dann aber direkt Cannabis in all seinen Spielformen, das von 51 Prozent der Umfrageteilnehmer im vergangenen Jahr konsumiert wurde. Am häufigsten wurde dabei Marihuana konsumiert, vor allem in Form eines Joints – noch vor Tabak (45 Prozent) oder Energydrinks (40 Prozent).

 

Ein Drittel der Cannabiskonsumenten kiffte dabei mindestens jeden dritten Tag. 0,3 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, den Notruf aufgrund ihrer Cannabiserfahrung gerufen zu haben. Ebenfalls interessant: Angegeben wurde, dass 41 Prozent den ersten Zug am Joint frühestens fünf Stunden nach dem Aufstehen zu sich nehmen – im Umkehrschluss würde dies bedeuten, dass über die Hälfte der Cannabiskonsumenten dies vorher tut. Diese Aussage findet sich jedoch in dieser Form nicht in der Ergebnispräsentation der „Zeit“. Die Hälfte der Befragten raucht den letzten Joint des Tages ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen.

Cannabis ist angeblich ein schwer suchterzeugendes Suchtgift, glaubt man der deutschen Drogenbeauftragten Marlene Mortler. Aber ein Blick in ihre trüben Augen genügt eigentlich, um zu wissen, dass man ordentlich angelogen wird, wenn man solchem Unsinn Glauben schenkt.

 

Ja im Gegenteil: Cannabis bekommt immer mehr den Ruf eines wirksamen Substituts, dass erfolgreich bei verschiedenen Suchterkrankungen genutzt werden kann, um sich von diesen zu lösen. Bereits vor drei Monaten berichteten wir von einer Studie aus Kanada, die auf Befragungen basierte – das Ergebnis zeigte auf, dass Marihuana und Haschisch anscheinend wirksam gegen Alkohol- und Opiatsucht eingesetzt werden kann.

 

Nun wurde im „Journal of Drug Policy“ eine neue kanadische Studie der beiden Studienautoren vorgestellt – die erste Studie, die einen umfassenden Überblick zu kanadischen Medizinalcannabis-Patienten liefert. Und auch eine der ersten größeren Studien, die den Zusammenhang von Cannabis und Substanzabhängigkeiten untersucht.

 

Die Ergebnisse lassen einen jeden Cannabis-Freund aufhorchen: Denn in der Studie heißt es, dass Cannabis keinesfalls eine „gateway drug“, also eine Einstiegsdroge sei, was seit Jahrzehnten von realitätsfernen oder auch einfach nur stumpf lügenden Politikern immer wieder verbreitet wird – so auch von der deutschen Drogenbeauftragten Mortler. Auch wird Cannabis hervorragende Wirksamkeit als Medikament „gegen verschiedene Leiden, allen voran Schmerzen und mentale Probleme“ attestiert.

 

In der neuen Studie wurden 271 Cannabismedizin-Patienten untersucht und mit 107 Fragen befragt. Dabei kam heraus, dass 63 Prozent der Marihuana-Konsumenten mit dieser Medizin verschreibungspflichtige Medikamente ersetzen. Von dieser Gruppe ersetzte fast jeder Dritte ein Opiat durch Cannabis. 16 Prozent der Nutzer ersetzten ihre Benzodiazepine durch Cannabisprodukte und 12 Prozent griffen auf Marihuana und Hasch anstelle von Antidepressiva zurück. Alkohol wurde in 25 Prozent und Tabak in 12 Prozent der Fälle durch Cannabis ausgetauscht.

 

Nebenerkenntnis der Studie ist, dass 42 Prozent der kanadischen Cannabismedizin-Patienten gelegentlich oder regelmäßig darauf angewiesen sind, ihre Medizin vom Schwarzmarkt zu beziehen. Zumindest immer noch besser als in Europa, wo annähernd 100 Prozent ihre Medizin auf dem Schwarzmarkt kaufen müssen.