„Schon ein einziger Joint kann Schizophrenie verursachen“
– Daily Mail

 

So oder so ähnlich tönt es seit Jahrzehnten aus der Ecke der Prohibitionsbefürworter und unkritische Medien greifen das vermeintliche Argument nur allzu gerne auf, um es zu passender Gelegenheit wieder und wieder aufzuwärmen. Dabei legte schon 2014 eine kleinere Studie (etwa 2.000 Teilnehmer) in der Fachpublikation „Molecular Psychiatry“ nahe, dass ein derartiger Kausalzusammenhang wissenschaftlich nicht belegbar sei und schloss mit dem Fazit, dass vielmehr ein erhöhtes Schizophrenie-Risiko mit einer größeren Wahrscheinlichkeit des Cannabiskonsums einhergehe. Im Vergleich zu oben stehender Pressemeldung ein himmelweiter Unterschied! In dieselbe Kerbe schlägt nun eine neue, mit etwa 180.000 Probanden deutlich aufwändigere DNA-Studie, die anhand von Daten englischer Gesundheitsbehörden und der DNA-Test-Firma 23andMe vom QIMR Berghofer Institute in Brisbane, der niederländischen Radboud-Universität und der amerikanischen Virginia Commonwealth University durchgeführt wurde.

 

Professorin Eske Derks, eine der Leiterinnen der damit weltweit umfassendsten genetischen Studie zu diesem Untersuchungsgebiet, kommt, wie ihre Vorgänger, zu folgendem Schluss: „Menschen, die genetisch veranlagt sind, Schizophrenie zu entwickeln, haben ein höheres genetisches Risiko, Cannabis zu konsumieren“, eventuell sogar um Symptome von Shizophrenie zu lindern. Andersrum würde jedoch kein Schuh draus, wie Eskes betont: „Diese Ergebnisse schließen nicht aus, dass Cannabiskonsum auch zum Ausbruch von Schizophrenie beitragen könnte, aber wir haben in dieser Studie keine Beweise dafür gefunden.“ Jetzt müssen diese Erkenntnisse nur noch ihren Weg in die Köpfe unserer lieben CDU/CSU-Politiker finden…

 

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Anlässlich des Weltdrogentages am vergangenen Dienstag veröffentlichte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) neue Zahlen aus einer Studie zum Cannabiskonsum in der Bevölkerung. Demnach hat der Konsum vor allem in der Bevölkerungsgruppe der jungen Männer zugelegt. Hatte im Jahr 2008 noch jeder siebte 18- bis 25-Jährige angegeben, in den vergangenen zwölf Monaten Marihuana zu sich genommen zu haben, trifft dies im Jahr 2018 bereits auf jeden vierten zu. Auch die Zahlen der minderjährigen Nutzer sind weiter angestiegen.

 

Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler ließ es sich natürlich nicht nehmen, die Zahlen für ihre übliche Propaganda zu missbrauchen: so seien die Ergebnisse der Studie mal wieder ein starkes Signal dafür, „dass Cannabis nicht weiter verharmlost werden darf.“ Die andauernde Debatte um eine Legalisierung vermittele den Jugendlichen, Cannabis zu konsumieren sei okay. Dass nach dieser Logik der Konsum von beispielsweise Heroin oder Crystal Meth angesichts der Gefährlichkeit der Drogen (die medial auch so kommuniziert wird) eigentlich gar nicht stattfinden dürfte, darüber denkt man am besten gar nicht weiter nach. Und dass die Legalisierungsbewegung eben gerade deshalb (übrigens nicht nur in Deutschland, sondern mehr oder weniger global) so viel Zuspruch erlebt, weil Cannabis ganz einfach weniger schädlich ist als legale Drogen wie Alkohol und Tabak, das ist in Mortlers Welt natürlich auch vollkommen undenkbar.

Cannabis ist auf dem Vormarsch – auch in Deutschland. Die Nuuvera Deutschland GmbH aus Hamburg, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Aphria, einem der größten Cannabis-Konzerne Kanadas, erwarb nun zum Preis von 1,2 Millionen Euro 25,1 Prozent Anteile an der Berliner Klinik Schöneberg, wie „Cision Canada“ berichtet.

 

Durch den Erwerb soll nicht zuletzt die Strategie, deutsche Ärzte und Patienten besser über medizinisches Cannabis aufzuklären, verfolgt werden. Auch stellt dies den ersten Schritt des Plans dar, Schmerzbehandlungszentren in Deutschland einzurichten.

 

„Mit dieser Partnerschaft legen wir den Grundstein für eine Vorreiterrolle in der medizinischen Versorgung“, sagte Hendrik Knopp, Geschäftsführer von Nuuvera, dem kanadischen Medienunternehmen. „Wir konzentrieren uns darauf, einen patientenzentrierten Zugang zu medizinischem Cannabis in Deutschland zu schaffen und das Bewusstsein und die Aufklärung von Ärzten und Patienten hinsichtlich der therapeutischen Eigenschaften von medizinischem Cannabis zu verbessern.“

 

„Der deutsche Markt bietet mit die attraktivsten Chancen für medizinisches Cannabis überhaupt. Dieser Deal ist ein wichtiger Schritt, um die Präsenz von Nuuvera im Land zu stärken“, sagte Vic Neufeld, Geschäftsführer von Aphria. Bleibt zu hoffen, dass er recht behält und medizinisches Cannabis in Deutschland weiteren Rückhalt erfährt.