Das sind schockierende Nachrichten für die Pharma-Industrie weltweit! Eine neue Studie (abrufbar unter pubmed.gov), die am 6. Juli veröffentlicht wurde, erbrachte, dass in den amerikanischen Staaten, in denen bereits im Jahr 2013 medizinisches Cannabis legalisiert war (Washington, D.C. und 17 Bundesstaaten), der Gebrauch von Schmerzmitteln und Medikamenten unter älteren und behinderten Patienten deutlich zurückging. Sogar mehr als deutlich: 165,2 Millionen Dollar entgingen so der Pharma-Industrie, wie der Studie zu entnehmen ist. Übertragen auf ganz Amerika würden so jährlich 468 Millionen Dollar für Medikamente eingespart werden können – und das bloß durch die Bevölkerung im Alter von über 65 Jahren!

Nun hat auch die erste legale Riesen-Plantage Australiens ihren Betrieb aufgenommen. Auf insgesamt 47 Hektaren wird ab sofort Cannabis für medizinische Einsatzzwecke angebaut. Der genaue Standort der Plantage ist nicht bekannt, liegt aber etwa 400 Kilometer südlich von Sydney, berichtete die „Pharmazeutische Zeitung online“.

 

Seit dieser Woche ist im australischen Bundesstaat Victoria Marihuana für Patienten legalisiert und so besteht natürlich auch direkt ein Bedarf nach legaler Medizin. Angeführt wurde der Kampf für die Rechte der Patienten vom Australier Dan Haslam, der im vergangenen Jahr mit nur 25 Jahren an Darmkrebs verstarb.

Entscheidung in letzter Instanz! Durch das Bundesverwaltungsgericht wurde erstmals in Deutschland entschieden, dass ein Schmerzpatient in seiner Wohnung Cannabis anbauen darf. Das Gericht urteilte, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verpflichtet ist, dem Patienten eine Ausnahmegenehmigung für den Anbau von Cannabis zu erteilen. Kläger war ein 52 Jahre alter Mann aus Mannheim, der seit über 30 Jahren an Multipler Sklerose erkrankt ist.

 

Durch den Konsum von Cannabis kann der Kläger die Symptome seiner Krankheit bekämpfen. Nach seinen Angaben und nach Ansicht seiner Ärzte, gibt es für ihn keine Alternative zur Therapie mit Marihuana. Der Tagesbedarf des Klägers liegt bei etwa drei bis vier Gramm pro Tag, berichtet „Spiegel Online“.

 

Zwar hat der Mann auch eine Ausnahmeerlaubnis für den Erwerb von Cannabisblüten in Apotheken, doch ist dies bei Preisen ab 15 Euro für ein Gramm Gras für ihn nicht bezahlbar. Da die Krankenkassen (noch) nicht zahlen (müssen), baut der Mann bereits seit Jahren privat Cannabis an. Bereits im Jahr 2005 urteilte das Amtsgericht Mannheim, dass ihm seine Notstandssituation keine andere Wahl lasse als anzubauen, meldet die „Frankfurter Allgemeine“.

 

Der Kläger ist somit die erste Privatperson in Deutschland, die legal Cannabis anbauen darf. Die Entscheidung des Gerichts ist mehr als begrüßenswert und ein gutes Signal für alle weiteren Aktivitäten, um Cannabis auch in Deutschland als Medizin zu etablieren. Mit dieser Nachricht schaffte es das Thema Cannabis am Mittwoch auch wieder einmal in die Tagesschau und alle relevanten Medien, wobei die Berichterstattung im Querschnitt nüchtern, unaufgeregt und halbwegs aufgeschlossen daherkam. Ebenfalls begrüßenswert!

Cannabis hilft gegen Schmerzen, das ist schon lange bekannt. Manchen Menschen hilft sogar nur Cannabis gegen ihre Schmerzen. Deswegen dürfen sogar in der Bundesrepublik Deutschland wenigsten ein paar Hundert Schmerzpatienten Cannabis über Apotheken beziehen. Doch genau das ist nicht unproblematisch, da diese dafür horrende Preise verlangen. Ein Eigenanbau ist durch die Regierung aber auch für die offiziellen Schmerzpatienten nicht vorgesehen.

 

Was soll man also tun, wenn man unter übelsten Schmerzen leidet, wegen diesen erwerbsunfähig ist und dann natürlich kein Geld hat, um einen vierstelligen Betrag im Monat in legale Cannabisblüten zu investieren? Dass der ein oder andere dann doch an Anbau denkt, ist wohl nachvollziehbar. Dumm nur, wenn dann der Nachbar noch schlimmer ist als der Durchschnittsnachbar und sich als Vollblut-Denunziant erweist.

 

So geschehen im Fall des 47-jährigen Andreas Wieczorek, einem austherapierten Schmerzpatienten mit Sondergenehmigung für den Erwerb von Apotheken-Cannabis. Da ihm das Geld dafür fehlte, wollte er sich in seinem Keller selbst mit Marihuana versorgen. Der Nachbar zeigte ihn an, die Polizei kam und nahmen Pflanzen und Gerätschaften mit. Das Amtsgericht Unna sprach Wieczorek aufgrund seiner Krankheit im Sommer 2015 tatsächlich frei und ordnete sogar die Rückgabe der Pflanzen an. Allerdings legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein.

 

Nun wurde das Ganze vor dem Dortmunder Landgericht daher neu aufgerollt. Ergebnis: Nach wie vor keine Strafe für den Angeklagten, dem sein geringes Vergehen aufgrund seiner Leidensgeschichte und mit Ausblick auf die sich in Zukunft ändernden Gesetze für Schmerzpatienten in Deutschland, die eine Kostenübernahme von Cannabis durch die Krankenkassen vorsieht, nachgesehen wird. Wermutstropfen dabei: Im Gegensatz zum Amtsgericht Unna warnt das Dortmunder Landgericht vor einem erneuten Anbauversuch, der dann zu einer Verurteilung führen würde.