Nach dem Amtsantritt von Präsident Erdoğan im Jahr 2014 besann sich die Türkei, die international eine wichtige Rolle als Schnittstelle zwischen Europa und dem Nahen Osten darstellt, zuletzt immer stärker auf konservative Werte und probte die Abgrenzung vom Westen.

 

Zumindest im Bereich Cannabis weicht diese Haltung gerade einer euphorischen Goldgräberstimmung. Denn um der kriselnden türkischen Wirtschaft neues Leben einzuhauchen, plant Erdoğan, der jahrzehntelangen Stigmatisierung ein Ende zu setzen. Regierungstreue Medien stimmen bereits auf das Loblied des „grünen Schatzes“ ein, der so wunderbar vielseitig einsetzbar und in der türkischen Kultur schließlich auch fest verankert sei. In der Tat besaß die Türkei einst eine florierende Hanfindustrie, auch der Konsum von berauschenden Cannabisprodukten war in den Kaffeehäusern und in bestimmten muslimischen Orden an der Tagesordnung. Das Agrarministerium stellt nun Unterstützungen für zukünftige Hanfbauern in Aussicht, um den landwirtschaftlichen Umschwung zu befeuern.

 

Die emotionale Seite der Debatte bespielt der Präsident natürlich selbst, mit Hanf-Anekdoten aus seiner Kindheit und der Verteufelung der USA, die die internationale Cannabisprohibition zu ihrem eigenen Vorteil international durchgesetzt hätten. Doch bekanntlich stellen die Vereinigten Staaten die Welt momentan mal wieder auf den Kopf und so überrascht es nicht, dass die erneute türkische Hanfbegeisterung Gerüchten zufolge wohl auch mit einem Fingerzeig der US-Beratungsfirma McKinsey zu tun hat...

Das US-Cannabisunternehmen MedMen sorgt momentan mit einem spektakulären Werbeclip für Aufsehen. Das Unternehmen mit Niederlassungen in Kalifornien, Nevada New York und Florida beauftragte niemand geringeren als den Oscar-prämierten Regisseur Spike Jonze (Her, Being John Malkovich, Jackass), der für seine überbordende Kreativität und seinen schrägen Humor bekannt ist, mit der Regie des etwa zweiminütigen Spots.

 

Erzählt wird die Geschichte der Cannabisprohibition vom hanfanbauenden George Washington über den War On Drugs in 1980er-Jahren bis zur (teilweisen) Re-Legalisierung im Schnelldurchlauf. Und was soll man sagen? Spike Jonze jedenfalls macht seinem Namen mal wieder alle Ehre und beschert dem Zuschauer ein Fest für die Augen. Gedreht im Stil der "Mannequin-Challenge" fließen vermeintliche Standbilder ohne Schnitte ineinander über, während die Kamera wie schwerelos durch die kunstvoll arrangierten Tableaus gleitet. Das ist vielleicht nicht mehr ganz neu, so gut gemacht wie hier aber immer noch ein echtes Eye-Candy mit wichtiger Botschaft.

„Lieber schlau als blau“, ein Projekt zur Suchtprävention, sorgt zur Zeit für Aufruhr im ostdeutschen Templin. Besorgte Eltern steigen auf die Barrikaden, sollen doch im Rahmen des Programms heranwachsende Schüler mit Bier, Wein und Schnaps abgefüllt werden.

 

Stattfinden soll das Ganze direkt im Klassenzimmer, wo die Schüler unter Aufsicht der Lehrkräfte an das „vernünftige Trinken“ herangeführt werden sollen. Ein Formular, das hier eingesehen werden kann, fordert die Eltern doch tatsächlich dazu auf, anzukreuzen, wie viele „Trinkeinheiten (TE)“ ihren Sprösslingen für die Aktion erlaubt werden sollen. 0,33 Liter Bier, 0,2 Liter Wein, 0,3 Liter Alkopop oder sogar 0,04 Liter hochprozentiges zählen als eine TE. Maximum sind 4 TE, also zum Beispiel vier doppelte (!) Schnäpse. Das reicht, um selbst erfahrene Alkoholkonsumenten betrunken zu machen. Zumindest für alle noch nicht volljährigen Schüler bleiben aber wenigstens Schnaps und Alkopops aber tabu.

 

Schulleiterin Barbara Liedtke verteidigt das Projekt: „Es geht ja nicht ums Besaufen, sondern ums Beobachten der Folgen. Schüler, die sich rühmen, dass ihnen Alkohol nichts ausmacht, sollen erleben, dass sie doch nicht so stark sind.“ Ob das Projekt die gewünschten Effekte bringt, ist mehr als fraglich, allerdings nicht, woher die Unterstützung für das Projekt kommt: es wird seit Jahren aus Steuergeldern finanziert.

Jetzt kann es ganz schnell gehen! Nicht nur in Nordamerika tut sich was in Sachen Cannabislegalisierung, auch in Mittelamerika rumort es. Bereits im November 2018 berichtete Highway, dass das mexikanische Verfassungsgericht das geltende Cannabis-Verbot für ungültig erklärte. Für Freitag, den 22. Februar, wird von der ersten Kammer des obersten Gerichtshofs nun die Veröffentlichung einer Anweisung erwartet, die alle Richter in Mexiko anweist, den Bürgern den Anbau und den Konsum von Cannabis zu gestatten bzw. ihnen Schutz vor polizeilicher Strafverfolgung zu gewähren. Und zwar unverzüglich.

 

Dies gilt vorerst allerdings nur, solange keine Rechte dritter verletzt werden und keine kommerziellen Ambitionen beim Grower bestehen. Es wird dann der Politik obliegen, die entsprechenden Gesetze schnellstmöglich zu reformieren und das Land in Sachen Cannabis neu auf Kurs zu bringen. Zum Ende der Woche wird es also auf jeden Fall spannend, doch eines scheint jetzt schon klar: Mexiko steht nur einen winzigen Schritt vor der Cannabis-Legalisierung. Wie die dann letztlich genau geregelt sein wird, ist allerdings noch unklar.

Kommissar Rex und Co. könnten bald endgültig ausgedient haben. Auf dem „Europäischen Polizeikongress“ in Berlin-Mitte sorgt momentan eine Idee für Aufsehen, die das Potenzial hat, den klassischen Drogenspürhund in den Vorruhestand zu schicken. Doch wer jetzt an künstliche Intelligenz oder futuristische Roboter denkt, liegt daneben. Denn warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute (oder in dem Fall schlechte) so nah liegt?


Polizeikommissarin Sonja Kessler, die mit ihrer Bachelor-Arbeit für den „Zukunftspreis Polizeiarbeit 2019“ nominiert ist, hat zusammen mit ihrem Vater einen Ersatz gefunden, der jedem Leser aus dem heimischen Garten bekannt sein dürfte: die Biene, so möchte das Duo beweisen, ist beim Erschnüffeln von beispielsweise Marihuana deutlich effizienter als der vierbeinige Konkurrent mit der kalten Schnauze. Kürzere und deutlich günstigere Ausbildungszeit und höhere Ausdauer zeichnen die geflügelten Detektive aus – zudem sind sie rund um die Uhr einsetzbar und wären geeigneten Hunden zahlenmäßig deutlich überlegen.

 

Mit Hilfe klassischer Konditionierung lassen sich die Polizeibienen – zumindest im Laborversuch – auf jede beliebige Substanz trainieren. Ein Bienenvolk, das etwa 80.000 Mitglieder zählt, wäre in der Lage ein Gebiet von 50 Quadratkilometern zu durchsuchen, Sonja Kessler und ihr Vater, die auf eine langjährige Imker-Erfahrung zurückblicken können, besitzen 25 solcher Völker. Geeigneter Nachwuchs wäre also schon mal kein Problem. Der nächste Schritt wird nun ein großer Praxistest sein, in dem die Bienen ihre Fähigkeiten unter realistischen Einsatzbedingungen anwenden müssen. 

In Bayern nimmt die Cannabis-Repression bekanntlich oft absurde Formen an. Da muss man für das Rauchen eines Joints schon mal knapp 10.000 Euro latzen oder bekommt wegen des Verkaufs von Marihuana hinterrücks einen Kopfschuss verpasst. Naja, wo gehobelt wird, da fallen eben Späne und Gesetz ist und bleibt schließlich Gesetz, oder?

 

Das bekam jetzt auch ein 23-jähriger junger Mann aus Kempten zu spüren. Glücklicherweise ging die Sache für ihn im Vergleich zu oben genannten Beispielen eher glimpflich aus. Polizeibeamte, die eigentlich bloß zu Ermittlungen in einem Mehrfamilienhaus gerufen worden waren, nahmen vor der Wohnung des unbeteiligten jungen Mannes Marihuana-Geruch wahr. OMG! Der Mieter öffnete bereitwillig die Tür und gab an, kein Cannabis zu besitzen. Die Reste des Joints, den bis gerade noch genüsslich geraucht hatte, hatte er aus Angst einfach aufgegessen (kann man so machen, aber wieso dann der Polizei davon erzählen?) und ansonsten befänden sich keinerlei illegale Substanzen in seiner Wohnung. Die Beamten, die sogleich die gesamte Wohnung auf den Kopf stellten, mussten dem jungen Mann schließlich recht geben: sie hatten bei der Durchsuchung rein gar nichts gefunden.

 

Den 23-Jährigen erwartet nun nichtsdestotrotz ein kostenaufwändiges Strafverfahren. Und das für einen quasi nicht existenten Joint, dessen Reste höchstwahrscheinlich längst irgendwo in der Kemptener Kanalisation versickert sind

Eines der größten Sportereignisse der Welt, der Super Bowl der amerikanischen Football-Liga NFL, wird jedes Jahr von Millionen Zuschauern rund um den Globus mit Spannung erwartet. Die Einschaltquoten liegen bei spektakulären 800 Millionen Zuschauern weltweit – knapp ein Siebtel der Weltbevölkerung hockt am Super-Bowl-Sunday vor dem Fernseher, um sich das Spiel selbst und das gigantische Brimborium drumherum anzuschauen. Kein Wunder, dass Unternehmen bereit sind, aberwitzige Summen zu bezahlen, um in der Halbzeitpause ihren Werbespot zeigen zu dürfen. Doch die Superbowl-Spots sind nicht nur extrem teuer, sie sind auch oft von herausragender Qualität und sorgen noch Tage nach dem Event für Gesprächsstoff.

 

So auch in diesem Jahr: der Clip des Cannabisporduzenten Acreage Holdings ist momentan in den USA in aller Munde – und dass, obwohl er gar nicht ausgestrahlt wurde. Denn der Sender CBS hatte sich geweigert, den Film ins Programm zu nehmen, da er angeblich gegen die Richtlinien der Fernsehanstalt verstoßen würde. Frei nach dem Motto: Werbung für Alkohol ist voll ok, aber Cannabis, das geht gar nicht. Dabei ist der heiß diskutierte Werbefilm sehr zurückhaltend, man sieht weder Pflanzen noch Joints noch Bongs, es geht ausschließlich um Cannabis als Medizin. Fast komplett in Schwarzweiß gehalten, erzählen in dem Clip schwer erkrankte Menschen davon, wie Cannabis ihnen geholfen hat, Schmerzen zu besiegen und wieder zurück ins Leben zu finden. Und zwar auf durchaus authentische, berührende Art und Weise und ohne in spekulative Propaganda abzugleiten.

 

Sehr schade auf jeden Fall, dass es der Spot nicht ins Programm geschafft hat, aber immerhin hat sich Acreage Holdings so die immensen Kosten der Schaltung sparen können, ohne auf den Aufmerksamkeitseffekt verzichten zu müssen. Und für alle, die jetzt neugierig geworden sind: hier könnt ihr euch den Spot ansehen:

Worauf die Cannabiswelt bereits im vergangenen Dezember gehofft hatte, tritt nun mit Verspätung doch noch ein: die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt den Mitgliedsländern der Vereinten Nationen eine Herabstufung von Cannabis und Cannabisprodukten von der höchsten Stufe IV (restriktivste Kategorie, gefährliche Substanzen mit geringem medizinischen Wert) auf Stufe I (Missbrauchsgefahr ist zwar gegeben, aber auch hohes medizinisches Potenzial).

 

Zur Einordnung des Geschehens: es geht hier um lange überfällige Änderungen an der berühmten Konvention von 1961 („Single Convention of Narcotic Drugs“), auf die sich Prohibitionsbefürworter aus der Politik immer wieder gerne berufen, um das Cannabisverbot zu rechtfertigen. Die Empfehlung der Neueinstufung war bereits Ende 2018 erwartet worden, aber aus obskuren Gründen auf 2019 verlegt worden. Da den Mitgliedstaaten nach Verkündung der Empfehlung allerdings noch Zeit eingeräumt werden muss, Kritik zu üben und zu debattieren, kann die Neueinstufung de facto wohl erst 2020 in Kraft treten. Außerdem hat die WHO noch eine weitere gute Nachricht für Cannabisunternehmer in petto: CBD-Produkte sollen zukünftig als komplett unbedenklich eingestuft werden. In einem Dokument, das dem Branchenmagazinen „mjbizdaily.com“ vorliegt, heißt es: Reines CBD und Produkte daraus mit weniger als 0,2 % THC-Gehalt werden in keiner Weise in die Drogenkonventionen aufgenommen“. Als Grund wird genannt, dass bei CBD keine Gefahr der Abhängigkeit besteht und es kein Missbrauchspotenzial gibt.

 

Auch wenn es also insgesamt noch verfrüht scheint, vom Ende des Cannabisverbots auf internationaler Ebene zu schwadronieren, so würde es eine Herabstufung geneigten Ländern zumindest erleichtern, Cannabis als Medizin zu nutzen. Und wie wir alle wissen: ist die Tür zum Arzneimittel erst einmal aufgestoßen, verbessern sich auch die Chancen auf eine vollständige Freigabe enorm.

 

 

 

 

Da hat es die Dresdner Polizei zum Jahreswechsel mal so richtig krachen lassen: bereits am 4. Januar wurde ein sogenannter „Großeinsatz zur Bekämpfung der Straßen- und Betäubungsmittelkriminalität“ unterstützt von der sächsischen Bereitschaftspolizei in der Dresdner Innenstadt durchgeführt. Die Bilanz des Einsatzes fällt ernüchternd aus: ganze 12 Gramm Cannabisprodukte im Wert von etwa 100 Euro konnten beschlagnahmt werden.

 

Fünf Personen im Alter zwischen 17 und 24 Jahren, auf die sich die gefundenen zwölf Gramm aufteilten, müssen sich nun wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten. Insgesamt eine ziemlich traurige Ausbeute, vor allem, wenn man die anfallenden Einsatzkosten für den Steuerzahler bedenkt: bei 40 am Einsatz beteiligten Polizisten liegen die bei schätzungsweise ungefähr 17.000 Euro. Ein Betrag, der sogar noch weiter steigen wird, wenn es für die Verdächtigen demnächst vor Gericht gehen sollte

Eine neu veröffentlichte Cannabis-Studie sorgt für ein Rauschen im deutschen Blätterwald. Die Aufmacher zu den entsprechenden Artikeln könnten reißerischer kaum sein: „Schon zwei Joints könnten Denkvermögen dauerhaft stören“ (Neue Presse, Westdeutsche Allgemeine), „Was Cannabis in den Hirnen 14-Jähriger anrichtet (Die Welt), „Jugendliche in Gefahr: Schon zwei Joints verändern das Gehirn“ (Bild) – es herrscht offenbar Alarmstimmung in der deutschen Medienlandschaft, doch worum genau geht es?

 

Die Studie eines internationalen Forscherteams, die im Journal of Neuroscience veröffentlicht wurde und jetzt so hohe Wellen schlägt, basiert auf der Hirnscan-Analyse von Jugendlichen, die eigenen Angaben zufolge, ein- bis zweimal Cannabis konsumiert haben. Bei dieser Versuchsgruppe konnte eine Vergrößerung der sogenannten Grauen Substanz (ein Teil des Großhirns) gegenüber der Kontrollgruppe festgestellt werden. Was aber nicht festgestellt, bzw. nachgewiesen werden konnte, und damit kommen wir zu den nicht unbeträchtlichen Fragezeichen, die die Studie aufwirft, ist ein kausaler Zusammenhang, wie beispielsweise Eva Hoch von der Uniklinik München zu bedenken gibt. Auch ist völlig unklar, welche Auswirkungen eine Vergrößerung der grauen Substanz überhaupt hat. Ein weiterer Knackpunkt sind die 46 heranwachsenden Teilnehmer: zum einen, weil es eben nur 46 sind und damit eine vergleichsweise kleine Probandengruppe und zum anderen, weil vonseiten der Studienleitung keine Anstalten gemacht wurden, deren Angaben zu eigenen Konsumverhalten zu überprüfen. Bluttests etwa, die den tatsächlichen THC-Gehalt messen, wurden unverständlicherweise nicht durchgeführt.

 

Die Studie, die unaufmerksame Leser dank der tendenziösen Berichterstattung leider schon davon überzeugt haben könnte, dass bereits ein Zug am Joint reicht, um in der Klapse zu landen, kann also allenfalls als Grundlage für weitere, ausführlichere Forschungen dienen. Das Highway-Wissenschaftsteam (14. Platz bei „Jugend forscht“ 1993) rät jedenfalls: legalisieren ab 18 Jahren, Jugendschutz stärken!