Worauf die Cannabiswelt bereits im vergangenen Dezember gehofft hatte, tritt nun mit Verspätung doch noch ein: die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt den Mitgliedsländern der Vereinten Nationen eine Herabstufung von Cannabis und Cannabisprodukten von der höchsten Stufe IV (restriktivste Kategorie, gefährliche Substanzen mit geringem medizinischen Wert) auf Stufe I (Missbrauchsgefahr ist zwar gegeben, aber auch hohes medizinisches Potenzial).

 

Zur Einordnung des Geschehens: es geht hier um lange überfällige Änderungen an der berühmten Konvention von 1961 („Single Convention of Narcotic Drugs“), auf die sich Prohibitionsbefürworter aus der Politik immer wieder gerne berufen, um das Cannabisverbot zu rechtfertigen. Die Empfehlung der Neueinstufung war bereits Ende 2018 erwartet worden, aber aus obskuren Gründen auf 2019 verlegt worden. Da den Mitgliedstaaten nach Verkündung der Empfehlung allerdings noch Zeit eingeräumt werden muss, Kritik zu üben und zu debattieren, kann die Neueinstufung de facto wohl erst 2020 in Kraft treten. Außerdem hat die WHO noch eine weitere gute Nachricht für Cannabisunternehmer in petto: CBD-Produkte sollen zukünftig als komplett unbedenklich eingestuft werden. In einem Dokument, das dem Branchenmagazinen „mjbizdaily.com“ vorliegt, heißt es: Reines CBD und Produkte daraus mit weniger als 0,2 % THC-Gehalt werden in keiner Weise in die Drogenkonventionen aufgenommen“. Als Grund wird genannt, dass bei CBD keine Gefahr der Abhängigkeit besteht und es kein Missbrauchspotenzial gibt.

 

Auch wenn es also insgesamt noch verfrüht scheint, vom Ende des Cannabisverbots auf internationaler Ebene zu schwadronieren, so würde es eine Herabstufung geneigten Ländern zumindest erleichtern, Cannabis als Medizin zu nutzen. Und wie wir alle wissen: ist die Tür zum Arzneimittel erst einmal aufgestoßen, verbessern sich auch die Chancen auf eine vollständige Freigabe enorm.

 

 

 

 

Da hat es die Dresdner Polizei zum Jahreswechsel mal so richtig krachen lassen: bereits am 4. Januar wurde ein sogenannter „Großeinsatz zur Bekämpfung der Straßen- und Betäubungsmittelkriminalität“ unterstützt von der sächsischen Bereitschaftspolizei in der Dresdner Innenstadt durchgeführt. Die Bilanz des Einsatzes fällt ernüchternd aus: ganze 12 Gramm Cannabisprodukte im Wert von etwa 100 Euro konnten beschlagnahmt werden.

 

Fünf Personen im Alter zwischen 17 und 24 Jahren, auf die sich die gefundenen zwölf Gramm aufteilten, müssen sich nun wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten. Insgesamt eine ziemlich traurige Ausbeute, vor allem, wenn man die anfallenden Einsatzkosten für den Steuerzahler bedenkt: bei 40 am Einsatz beteiligten Polizisten liegen die bei schätzungsweise ungefähr 17.000 Euro. Ein Betrag, der sogar noch weiter steigen wird, wenn es für die Verdächtigen demnächst vor Gericht gehen sollte

Eine neu veröffentlichte Cannabis-Studie sorgt für ein Rauschen im deutschen Blätterwald. Die Aufmacher zu den entsprechenden Artikeln könnten reißerischer kaum sein: „Schon zwei Joints könnten Denkvermögen dauerhaft stören“ (Neue Presse, Westdeutsche Allgemeine), „Was Cannabis in den Hirnen 14-Jähriger anrichtet (Die Welt), „Jugendliche in Gefahr: Schon zwei Joints verändern das Gehirn“ (Bild) – es herrscht offenbar Alarmstimmung in der deutschen Medienlandschaft, doch worum genau geht es?

 

Die Studie eines internationalen Forscherteams, die im Journal of Neuroscience veröffentlicht wurde und jetzt so hohe Wellen schlägt, basiert auf der Hirnscan-Analyse von Jugendlichen, die eigenen Angaben zufolge, ein- bis zweimal Cannabis konsumiert haben. Bei dieser Versuchsgruppe konnte eine Vergrößerung der sogenannten Grauen Substanz (ein Teil des Großhirns) gegenüber der Kontrollgruppe festgestellt werden. Was aber nicht festgestellt, bzw. nachgewiesen werden konnte, und damit kommen wir zu den nicht unbeträchtlichen Fragezeichen, die die Studie aufwirft, ist ein kausaler Zusammenhang, wie beispielsweise Eva Hoch von der Uniklinik München zu bedenken gibt. Auch ist völlig unklar, welche Auswirkungen eine Vergrößerung der grauen Substanz überhaupt hat. Ein weiterer Knackpunkt sind die 46 heranwachsenden Teilnehmer: zum einen, weil es eben nur 46 sind und damit eine vergleichsweise kleine Probandengruppe und zum anderen, weil vonseiten der Studienleitung keine Anstalten gemacht wurden, deren Angaben zu eigenen Konsumverhalten zu überprüfen. Bluttests etwa, die den tatsächlichen THC-Gehalt messen, wurden unverständlicherweise nicht durchgeführt.

 

Die Studie, die unaufmerksame Leser dank der tendenziösen Berichterstattung leider schon davon überzeugt haben könnte, dass bereits ein Zug am Joint reicht, um in der Klapse zu landen, kann also allenfalls als Grundlage für weitere, ausführlichere Forschungen dienen. Das Highway-Wissenschaftsteam (14. Platz bei „Jugend forscht“ 1993) rät jedenfalls: legalisieren ab 18 Jahren, Jugendschutz stärken!

Der Name Antonio Bascaro dürfte den wenigsten Cannabisfreunden etwas sagen. Doch der Exil-Kubaner hätte die Aufmerksamkeit der Cannabiscommunity rund um den Globus mehr als verdient. Denn der 84-Jährige hat die letzten 39 Jahre wegen Cannabisschmuggels in einem US-Gefängnis verbracht und ist damit der am längsten einsitzende Cannabis-Häftling der westlichen Welt.

 

Bascaro wurde 1980 wegen des Schmuggels von 600.000 Pfund Marihuana in den Vereinigten Staaten verhaftet. In der Hochzeit des „War on Drugs“ bekam der ehemalige Air-Force-Pilot für seine (gewaltlosen) Vergehen die volle Härte der amerikanischen Justiz zu spüren. Laut seiner Tochter, die mehrmals pro Woche mit ihm telefoniert, verbringt der Senior heute seine Tage mit dem Lesen von Zeitungen und dem Schauen von Nachrichtensendungen. An den Rollstuhl gefesselt bleibt er dabei meistens für sich. Besonders bitter: der Drogenbaron, für den Bascaro damals arbeitete, ist inzwischen längst wieder auf freiem Fuß.

 

Aicha Bascaro startete eine Petition zur Begnadigung ihres Vaters, die es bisher auf knapp 110.00 Unterschriften gebracht hat. Wer ebenfalls unterschreiben möchte, kann dies hier tun.

Ein 23-Jähriger, der sich wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln und Handeltreibens vor Gericht verantworten musste, hatte eine ungewöhnliche Erklärung parat, um den zuständigen Richter davon zu überzeugen, dass er kein Dealer sei. In der Wohnung des Wolfratshauseners wurden nämlich mehr als 300 Gramm Marihuana und Haschisch gefunden und beschlagnahmt, da lag der Verdacht für den Richter natürlich nahe. Von wegen, alles Eigenbedarf! Die Sammlung „verschiedener Sorten, verschiedener Geschmäcker, verschiedener Wirkungen“ habe er als unkonventionelles Hobby angelegt, gepflegt und mit der Zeit immer weiter aufgebaut.

 

Tatsächlich hatten die Beamten bei der Durchsuchung zum Beispiel mit Marihuanablüten gefüllte Gläschen mit der Aufschrift „Das Beste vom Besten“ gefunden. Der Angeklagte, der ursprünglich bei einer Routine-Verkehrskontrolle aufgeflogen war und einem Urintest zugestimmt hatte, hatte bei seiner Verhaftung noch angegeben, Teile seines Cannabisvorrats für jemanden aufbewahren zu müssen. Wie es zu dem Umschwung im Narrativ kam, blieb ungeklärt. Klar ist bloß, dass es nun 15 Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe für den vermeintlichen Gourmet-Kiffer gibt.

Vor dem Landgericht Dresden wird aktuell ein Fall von mutmaßlichem Drogenhandel verhandelt. In der Wohnung des Angeklagten kassierten Polizeibeamte zwei Kilogramm Marihuana und 40 Gramm Kokain ein. Das Besondere an der Sache: beim angeblichen Täter handelt es sich um einen 75-jährigen Mann. Er rechtfertigte das Marihuana vor Gericht mit seinen chronischen Rückenschmerzen, sein Arzt hätte ihm dazu geraten, einmal Cannabis als Medizin auszuprobieren.

 

Allerdings stehen seine Chancen, mit dieser Geschichte davon zu kommen, eher schlecht: der mehrfach vorbestrafte Mann, der schon ein paar Jahre Gefängnis wegen Betrugs auf dem Buckel hat, verstrickte sich im Laufe der Anhörungen immer mehr in Widersprüche. Ob sich das Dresdener Landgericht in Anbetracht des fortgeschrittenen Lebensalters des Angeklagten trotzdem gnädig zeigt, bleibt abzuwarten. Ansonsten könnte es passieren, dass der Senior seinen Lebensabend hinter schwedischen Gardinen verbringen muss...

Über eine aus cannabisfreundlicher Sicht schöne Aktion dürfen wir aus dem süddeutschen Heidelberg berichten. Dort wurden zwei Streifenwagen der lokalen Polizei am Heck mit Aufklebern „dekoriert“. Das Witzige daran: es handelte es sich um Aufkleber des Deutschen Hanfverbands (DHV) mit der unter Cannabisfreunden sicherlich bekannten Losung „Schluss mit Krimi. Cannabis normal!“.

 

Die Beamten fanden die Aktion wohl nicht so gelungen und suchen jetzt per Pressemitteilung nach den Tätern. Es ist ja auch ein Unding! Schließlich haben die Aufkleber „die Lackierung der Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen“, so der O-Ton der Gesetzeshüter. Zu allem Überfluss wird nun um Mithilfe der Bevölkerung geboten und eine Hotline für Hinweise eingerichtet. Ach ja, das Leben schreibt halt immer noch die besten Geschichten!

Es sollte ein großer Tag für die globale Legalisierungsbewegung von Cannabis werden. Wie Highway bereits in der vergangenen Woche berichtet hatte, sollten die Vereinten Nationen auf Rat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) endlich die Gefährlichkeit von Cannabis neu einstufen und die mittlerweile vollkommen veraltete Drogen-Konvention von 1961 (auf die sich Anti-Drogenbeauftragte Marlene Mortler so gern beruft) einer nötigen Frischzellenkur unterziehen.

 

Die hohen Erwartungen der Cannabisbefürworter weltweit wurden nur noch von der Spannung übertroffen, mit der der Veröffentlichung entgegengefiebert wurde. Leider kam dann doch alles anders und die Überraschung der Abgesandten diverser Nationalregierungen und NGOs wich großer Enttäuschung. Denn anstatt der ersehnten Herabstufung verkündete die WHO: erst einmal gar nichts, da man mehr Zeit benötige, die Ergebnisse bezüglich Cannabis auszuwerten. Leider wurde auch bisher kein Ausweichtermin genannt, an dem man mit einem Statement rechnen könne.

 

Skeptiker befürchten, dass den Mitgliedsstaaten der UNO, die im März über die Neu-Evaluierung abstimmen müssen, auf diese Weise die nötige Zeit zur Revision der WHO-Daten genommen werden soll. Und das könnte wiederum dazu führen, dass viele Länder eine Neubewertung weiterhin ablehnen werden...

Stell dir vor, du sitzt wegen Cannabisbesitz im Knast und dann wird legalisiert. Kein angenehmer Gedanke, zumindest solange die Politik nicht so konsequent ist, die Freigabe auch auf die (gerade in den USA) zahlreichen Gefängnisinsassen mit dem entsprechendem Tathintergrund anzuwenden. Genau das hat der Bürgermeister Colorados, Michael Hancock, nun vor.

 

Allein in der Zeit vor der Legalisierung von 2001 bis 2013 wurden nur in Denver über 10.000 Menschen, das sind immerhin etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung, wegen geringerer Cannabisdelikte (zum Beispiel Besitz und Konsum) eingesperrt. Dreimal darf man jetzt raten, welche Bevölkerungsgruppen überproportional von den Haftstrafen betroffen sind. Kleiner Tipp: weiß und wohl situiert sind jedenfalls die Wenigsten von ihnen. Auch Cannabisfreunde, die bereits wieder auf freiem Fuß sind, aber unter ihrem verschandelten Führungszeugnis zu leiden haben, würden durch eine Bereinigung von den Maßnahmen profitieren. Bürgermeister Hancock, Vorsitzender einer Task Force zur Aus- und Bewertung der Auswirkungen aller mit der Cannabis-Freigabe zusammenhängenden Faktoren, nennt den „War of Drugs“ eine „Ungerechtigkeit, die korrigiert werden muss“. Wow, diese Worte aus dem Mund eines regierenden Volksvertreters zu hören tut gut. Wirklich schade, dass so viele Deutsche nach wie vor die CDU/CSU wählen, denn Politiker vom Schlage Hanckocks würden mit Sicherheit auch Deutschland guttun.

 

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Schlechte Nachrichten aus Österreich. Seitdem in der Alpenrepublik die rechtskonservative Koalition aus ÖVP und FPÖ regiert, ist das Thema Hanf ein heißes Eisen. Dies bekam nun auch der Betreiber eines Shops für Cannabis-Stecklinge am eigenen Leib zu spüren: der Tiroler wurde für den Verkauf von 1.300 Setzlingen zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Der 36-Jährige hatte sein Geschäft längere Zeit von der Polizei unbehelligt betrieben, geriet jedoch durch den Fund einer Pflanzung mit einem durchschnittlichen THC-Gehalt von 15 Prozent unter behördlichen Druck. Der Shopbetreiber hatte mit der Anlage ansonsten nichts zu tun – die verwendeten Setzlinge stammten aber aus seinem Sortiment. Zwar ist in Österreich erst das Abernten von Cannabispflanzen zur „Suchtgiftgewinnung“ strafbar – die Aufzucht an sich, zum Beispiel als Zierpflanze, ist (noch) legal. Doch eben daran wollte das Gericht in diesem Fall nicht glauben: Eine derart hohe Anzahl an Stecklingen würden nicht zur Zierde angebaut und angesichts des erhöhten THC-Levels wohl auch nicht zur Seilherstellung oder als Dämmmaterial. Aus dem ausgewerteten SMS-Verkehr zwischen Verkäufer und Käufer der 1.300 Pflanzen könne man eindeutig entnehmen, dass beide Seiten über den eigentlichen (illegalen) Zweck der Aufzucht Bescheid wussten. Zu diesem Schluss kam jedenfalls der Schöffensenat des Landgerichts. Der Betreiber der betroffenen Aufzucht, ein Hollönder, muss für vier Jahre hinter Gitter. Dem Stecklingsverkäufer half es letztendlich auch nicht, dass er seinem Geschäft einen medizinischen Anstrich gegeben hatte und jeder Käufer unterschreiben musste, dass mit den gekauften Pflanzen kein illegaler Zweck verfolgt werde.