„Nur weil Alkohol gefährlich ist (...), ist Cannabis kein Brokkoli. Okay?“

 

Bundesdrogenbeauftragte Ludwig – die deutsche Cannabiscommunity hat sie spätestens seit diesem Statement gegenüber Journalist Tilo Jung so richtig ins Herz geschlossen – verwies kürzlich gemeinsam mit Heidrun Thaiss von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in einer Pressekonferenz auf ein Informationsportal, das ihre neue „Kiffen ist nicht cool“-Kampagne unterstützen soll: www.cannabis-fakten.de.

 

Ein „Informationsportal“ über Cannabis aus der „Feder“ einer CSU-Drogenbeauftragten? Da schrillen nicht nur bei erfahrenen Legalisierungsbefürwortern und –aktivisten zurecht sämtliche Alarmglocken. Das beste, was dabei herauskommen kann, ist, dass sich die CSU bei den Ü-50-Jährigen (einmal mehr) komplett blamiert. Im schlimmsten Fall jedoch entsteht hier eine professionelle Des-Informationsplattform voller Negativpropaganda und Halbwahrheiten, die die Klippen des Trashs gerade noch so umschiffen kann.

 

Am besten erst gar kein Risiko eingehen, dachte sich da wohl der Deutsche Hanfverband (DHV) und hat kurzerhand selbst ein Info-Portal aus dem Boden gestampft, das im Gegensatz zu Ludwigs Seite nicht nur längst online steht (wie war das nochmal mit den antriebslosen Kiffern?), sondern auch tatsächlich sachliche und neutrale Fakten zum Thema Cannabis präsentiert. Umso besser ist, dass www.cannabisfakten.de auch noch mit einem cleanen Design fernab von Rasta-Klischees und dicken Tüten punkten kann. Da kann man nur gratulieren und den CDU/CSU-Abgeordneten empfehlen, direkt mal einen Blick auf die neue Website zu werfen. Und wer weiß, vielleicht lässt sich ja selbst Drogen-Dani von dem ein oder anderen DHV-geprüften Cannabisfakt inspirieren.

 

Begleitet wird das neue DHV-Projekt übrigens von einer Großplakat-Kampagne, die im Oktober startet. Also Cannabisfreunde – Augen offen halten und allen Interessierten (und Uninteressierten) von „cannabisfakten.de“ erzählen!

Fake-News-Alarm! Diesmal trifft es den Tagesspiegel, der sich nicht zu schade war, ein starkes Stück Anti-Cannabis-Lektüre unter die Leute zu bringen, die im besten Fall einfach „nur“ schlecht recherchiert wurde oder, schlimmer noch, tatsächlich mutwillig zur Desinformation der Leserschaft beitragen soll. Von Wissenschaftsredakteur Patrick Eickemeier, studierter Journalist und Biologe, sollte man so oder so etwas Wertigeres erwarten dürfen – ansonsten kann es nur heißen: sorry, Beruf verfehlt!

 

Unter dem alarmierenden Titel „Hochkonzentrierte Cannabisprodukte gefährden geistige Gesundheit“ wird zur Einstimmung einmal mehr das Lied vom angeblich immer stärker werdenden Cannabis gespielt: „Mittlerweile sind Sorten erhältlich, die sich zum Hippiekraut von anno dazumal so verhalten, wie Schnaps zu Alsterwasser mit Limo: bis zu 50 Prozent THC-Gehalt gegenüber einem Prozent“, heißt es da etwa an einer Stelle. 

 

50 Prozent THC? Wow, wo kriegt man das Kraut? Spaß beiseite, an dieser Aussage ist gleich so viel falsch, dass man gar nicht weiß, wo man mit der Richtigstellung anfangen soll! Zunächst einmal kann ganz unumwunden festgehalten werden, dass das amerikanische Szene-Urgestein, das „High Times“-Magazin, die Sorte „Godfather OG“ als die THC-reichste im Jahr 2020 erhältliche Sorte darstellt. Ohne Frage, eine hochqualitative und auch starke Cannabissorte, aber mit einem THC-Wert von (je nach Messverfahren) knapp über 30 Prozent doch weit unter dem im Tagesspiegel genannten Level. Einmal abgesehen davon, dass Samenbanken bekannterweise die Cannabinoid-Werte ihrer Kreationen gerne mal etwas zu optimistisch angeben, liegen die 50 Prozent so weit vom Machbaren entfernt, dass sich Breeder mit einer Angabe in dieser Größenordnung wohl einfach nur lächerlich machen würden und in der Branche ziemlich schnell als unseriös wahrgenommen werden dürften. Wo der Tagesspiegel und Herr Eickemeier die hohe Zahl her nehmen, bleibt unklar. Außerdem muss klar sein, dass ein derartiges hochprofessionell angebautes Top-Shelf-Produkt wie „Godfather OG“ für den deutschsprachigen Durchschnittskonsumenten überhaupt nicht leicht (wenn überhaupt) zu bekommen ist. Papperlapapp, beim Tagesspiegel weiß man: wenn sich der Ottonormalkiffer in Klein-Oberurselbach an der Straßenecke beim Dealer mit der sprichwörtlichen „deutschen Hecke“ eindeckt, dann purzeln die THC-Rekorde nur so.  

 

Nochmal so richtig die Blöße gibt man sich dann im letzten Teil des Textes, der sich um die Eigenschaften von Cannabis- und Tabakrauch dreht: „Ein weiteres Problem sind Erkrankungen der Atemwege bei Cannabisrauchenden: gehäufte Auftreten von Bronchitis sowie Entzündungen der Nasen- und Rachenschleimhaut sind dokumentiert, könnten aber auf den inhalierten Tabakrauch zurückzuführen sein. Cannabisrauch enthält mehr Teer und krebserregende Stoffe als Tabakrauch. Auftretende Krebserkrankungen könnten aber auch auf das Tabakrauchen zurückzuführen sein.“ 

 

Tatsächlich hat der Leser hier einen Absatz vor sich, der überhaupt gar nichts, einfach Nullkommanix, aussagt und dementsprechend eigentlich in der Korrektur hätte entfernt werden müssen. Aber, was soll’s, ein Lektorat kostet viel Geld und so genau schauen die Leser ja doch nicht hin, nicht wahr, lieber Tagesspiegel? Die Leserkommentare unter dem Artikel sprechen allerdings eine andere Sprache. Dass das Geschriebene dem aktuellen Stand der Wissenschaft eindeutig widerspricht, haben sie dann offenbar doch erkannt. Kein Wunder, dazu reicht eine viertelstündige Google-Recherche. Beispielhaft soll an dieser Stelle auf den Artikel der neuseeländischen „Drug Foundation“ und auf diese US-Studie aus Colorado verwiesen werden. Zum Thema Vaporizer, der die Diskussion um die gesundheitsschädliche Qualität des Rauche(n)s komplett ad absurdum führt, schweigt der Autor lieber gleich ganz.

Immer wieder gibt es gute Gründe, wegen denen Cannabisenthusiasten enthaltsam sein müssen oder es freiwillig sein möchten. Sei es vielleicht, weil der Dealer gerade einen Lieferengpass hat oder vielleicht auch, weil einem der eigene Konsum zu hoch erscheint. Normalerweise fällt ein Stopp oder eine vorübergehende Unterbrechung des Konsums leicht und es baut sich auch kein nennenswerter Konsumdruck auf. Aber es gibt auch einen kleinen Teil von Cannabiskonsumenten, der nach langen Konsumphasen ohne Cannabis dann plötzlich Probleme bekommt. Unruhe, Schweißausbrüche und andere Symptome erschweren dann vor allem in den Anfangstagen die Abstinenz und lassen viele erneut resigniert zu Marihuana oder Haschisch greifen. Nicht nur Friedbert Weiss, der zurzeit als ordentlicher Professor die Abteilung für Neurowissenschaften an einer Universität in Kalifornien leitet, sondern auch viele Freizeitkonsumenten, haben nun ein Mittel gefunden, das da Abhilfe schaffen kann. Es ist kaum zu glauben, aber es ist ein Bestandteil des Harzes der weiblichen Cannabispflanze – und zwar das in letzter Zeit zu einiger Berühmtheit gekommene Cannabinoid CBD (Cannabidiol). Wie dieses beim Beenden des Cannabiskonsums zu Rauschzwecken helfen kann, soll im Folgenden beleuchtet werden.   

 

Dazu vorab ein paar Informationen zu CBD und THC (Tetrahydrocannabinol). Diese beiden wichtigen Cannabinoide sind in unterschiedlichen Konzentrationen vorwiegend im Harz der weiblichen Cannabispflanze enthalten. Während THC hauptsächlich für den Rausch verantwortlich ist, wird CBD in der Wirkung unterschätzt. Es ist durchaus ein hochwirksames Cannabinoid, das aber alleine eingenommen keine bewusstseinsverändernde Wirkung zeigt. Erst in Kombination mit THC beeinflusst es den Rausch und es wird vermutet, dass ein Cannabisrausch ohne kleine Anteile CBD eher unangenehm ist. Leider sind die Wechselwirkungen nur ungenügend untersucht, sodass noch keine allumfassenden Aussagen getroffen werden können. Bekannt ist aber, dass CBD, wie auch THC, das körpereigene Endocannabinoidsystem beeinflusst – allerdings ohne einen Rausch zu erzeugen. Und das ist jetzt der Clou, der den Entzug von Cannabis erleichtert. Durch die Gabe von CBD wird der Stoffwechsel in unserem Denkorgan so verändert, dass es dem Körper nicht mehr so stark das Fehlen von THC signalisiert, wie es bei manchen Personen der Fall ist. Und damit sind die meisten psychisch begründeten Schwierigkeiten beim Cannabis-Stopp bereits nahezu verschwunden. Sicherlich fragen sich jetzt einige, wie sie ihre Abkehr von THC mit CBD denn in der Praxis gestalten können.

Das ist, wenn der feste Wille vorhanden ist, eigentlich recht einfach: als erste Maßnahme wird dafür gesorgt, dass sich ein gewisser Grundpegel von CBD im Körper einstellt. Dazu empfiehlt sich die Einnahme von Kapseln. Diese wirken zwar erst nach einer Weile, in der Regel nach einer bis zwei Stunden, dafür aber für eine längere Zeit. Sechs bis acht Stunden hält die Wirkung an, also wird morgens und nachmittags je eine Kapsel eingenommen. Die Tagesdosis ist individuell verschieden, liegt bei den meisten Menschen aber bei 25 Milligramm. Wird ein schnellerer Effekt gewünscht, dann können CBD-Öl, CBD-Kristalle oder ein alkoholischer CBD-Extrakt unter die Zunge geträufelt werden. Dort belässt man es für 60 Sekunden und nach etwa 15 Minuten setzt dann die Wirkung ein. Noch rascher wirkt CBD, wenn es inhaliert wird. Vermutlich gesundheitlich besser als das Rauchen ist es, die Blüten in einem entsprechenden Gerät zu erhitzen und den Dampf zu inhalieren. Alternativ kann auch eine elektrische Zigarette mit einem Liquid befüllt werden, das CBD enthält. Mit diesen Verdampfern wird dann plötzlich auftretendes Verlangen in der Regel rasch befriedigt.  

 

Doch mit welchen „Entzugserscheinungen“ muss man als Cannabiskonsument überhaupt rechnen? Normalerweise mit keinen wirklich schlimmen oder gar schmerzhaften Beeinträchtigungen. Im Verhältnis zum Alkohol- oder Opiatentzug sind die Symptome lächerlich und die allermeisten Konsumenten schaffen eine Konsumunterbrechung problemlos und ohne Hilfe.

 

Psychisch begründete Auffälligkeiten können sich in Schlafproblemen, gelegentlichen Alpträumen und manchmal sogar in Angst, Unruhe oder Aggressionen äußern. Dies liegt daran, dass das Gehirn bei regelmäßigem Konsum der betäubenden Wirkung der Droge entgegensteuert, um seine Funktion sicherzustellen. Dazu produzieren die Synapsen zusätzliche Botenstoffe. Fällt der Wirkstoff weg, sind zu viele dieser Stoffe aktiv und das führt zu übersteigerter Hirnaktivität. Der ehemalige Konsument fühlt sich fahrig und ist unruhig. Eine ganz normale Sache, die aber durch weitere Gabe von CBD ausgeglichen werden kann. Treten hingegen Müdigkeit und Depressionen auf, ist die Sachlage eine andere. Manche nehmen ja Cannabis, um ihre chronische Niedergeschlagenheit selbst zu behandeln. Und diese kehrt nach dem Absetzen der Droge natürlich zurück. Dauert dieser Zustand längere Zeit an, sollte vielleicht ein fachkundiger Arzt aufgesucht werden. Cannabis macht kaum physisch abhängig, doch in Ansätzen ist dies gelegentlich zu beobachten. Beispielsweise können sich Schwitzen und verminderter Appetit einstellen. Die Symptome verdienen jedoch keine sonderliche Beachtung, sie vergehen meist binnen weniger Tage.  

 

CBD kann übrigens kaum überdosiert werden, eine Dosis von bis zu 1.500 Milligramm täglich gilt als gesundheitlich absolut unbedenklich. Das ist rund das 60-fache von dem, was für die meisten Menschen als tägliche Dosis ausreicht. Theoretisch gibt es natürlich auch eine Überdosis, wie bei jedem anderen Stoff auch, aber in der Realität stirbt kein Mensch an einer Überdosis CBD. Auch die Nebenwirkungen sind zu vernachlässigen. Außerdem haben frisch gebackene Ex-Kiffer ja auch beim herkömmlichen Cannabisgenuss bereits beachtliche Mengen CBD konsumiert. Je Joint werden etwa zwischen zwei und zwanzig Milligramm aufgenommen, je nach Sorte sogar noch mehr. Alles in allem ist die Einnahme von CBD ungefährlich, gesund und hilft bei der THC-Entwöhnung.

Der Anti-Cannabis-Front brechen so langsam aber sicher die Argumente weg. Die seit Jahr und Tag wichtigste Säule dabei, das wackelige Konstrukt des angeblich steigenden Konsums unter Jugendlichen nach der Freigabe, ist schon in sich zusammengefallen. Spätestens seit die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags in einem Papier über die entsprechenden Datenlage informiert hat, dürfte das auch der CDU klar sein.

 

Die andere tragende Stütze im Prohibitions-Narrativ, die auch Drogenbeauftragte Ludwig in Interviews immer wieder aufbaut, ist die angeblich nicht abebbende Popularität des Schwarzmarkts. Ganz nach dem Motto: bringt doch eh alles nix! Tja, aber auch damit hat es sich wohl bald erledigt, wenn man sich die neusten Zahlen aus Kanada anschaut.

 

Bloomberg Kanada berichtet aktuell, dass die Cannabis-Gesamtausgaben der kanadischen Haushalte im zweiten Quartal 2020 auf dem legalen Markt erstmals die für den illegalen Schwarzmarkt überstiegen haben. Es stehen 648 Millionen Kanadische Dollar durch Freizeitcannabis zuzüglich 155 Millionen durch Patienten umgesetzte Kanadische Dollar, also 803 Millionen Kanadische Dollar (knapp 517 Millionen Euro) an legalem Cannabisgeld, 784 Millionen Kanadischen Dollar (ca. 504 Millionen Euro) an illegalen Schwarzmarkteinnahmen gegenüber. Damit hat die legale Cannabisindustrie einen wichtigen Meilenstein setzen können, dem in Zukunft wohl noch weitere folgen werden. Das ist natürlich eine gute Sache für das dortige Cannabusiness, genauso wie für die vielen Konsumenten, die sich offenbar mehr und mehr für die Vorzüge der Legalität begeistern können (oder nach einigen Anlaufschwierigkeiten auch endlich einfach besser versorgt werden).

 

Die neuen Daten sind aber auch von enormem Wert für die weniger begünstigten Länder wie zum Beispiel die Bundesrepublik, die sich nach wie vor mit reaktionären (Regierungs-)Ansichten rund ums Thema herumschlagen muss. Denn ab jetzt kann sich Drogen-Dani eben nicht mehr so einfach vor die versammelte Presselandschaft stellen und herumposaunen, dass eine Legalisierung in puncto Verdrängung des Schwarzmarkts sowieso nichts bringe. Okay, okay, erwischt! Nicht, dass sie die neuen Erkenntnisse daran hindern würde, das wider besseren Wissens weiterhin zu tun. Denn bis sich die Entwicklungen bei CDU/CSU herumgesprochen haben, werden wohl noch fünfzig Jahre ins Land ziehen. Aber immerhin wäre es in dem Fall dann für den Normalbürger leicht nachzuprüfen, dass es sich um eine glatte Lüge handelt.

 

Zum ersten Mal seit Bestehen des Highway-Magazin möchten wir unsere Leser an dieser Stelle auf eine Nachricht hinweisen, die absolut nichts mit dem Thema Cannabis zu tun – und doch dem ein oder anderen Cannabisfreund aus Schadenfreude ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubern dürfte.

 

Ausgerechnet in München wurde Ende vergangener Woche im Rahmen der Corona-Pandemie vom Oberbürgermeister ein siebtentägiges nächtliches Alkoholverbot verhängt. Das muss man (vor allem als Münchener) erst einmal sacken lassen: erst wird das Allerheiligste des trink- und schunkelfreudigen Bajuwaren, das Oktoberfest, abgesagt und jetzt auch noch ein siebentägiges Alkohol-Konsumverbot ausgesprochen. Gut, die Maßnahme gilt nur in der Öffentlichkeit und nur ab 21 Uhr (Verkauf) bzw. 23 Uhr (Konsum), aber immerhin handelt es sich doch um ein Grundnahrungmittel! Ab 6 Uhr morgens darf der Münchner dann übrigens auch in der S-Bahn wieder zur Pulle greifen.

 

Wie man sich vorstellen kann, steht München nun Kopf. Einem Kläger, der sogleich gegen das Verbot klagte, wurde vom Verwaltungsgericht bereits stattgegeben, doch der Oberbürgermeister stellt sich quer. Nun soll der Bayerische Verwaltungsgerichtshof als letzte Instanz über die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme entscheiden. Am ersten Verbotswochenende kam es wider Erwarten übrigens noch nicht zu Volksaufständen, allerdings herrschte auch Regenwetter und die öffentlichen Flächen und Parks waren dementsprechend verwaist.

 

Als leidgeplagter Cannabisfreund möchte man den Bürgern Münchens nun gerne so Vieles sagen. Zum Beispiel, dass man ja auch mal ein paar Tage ohne Alkohol auskommen könne. Oder, dass man sich ja nicht beschweren müsse, wenn man von der Polizei wegen Alkoholkonsums abgestraft werde, schließlich zwinge einen ja keiner, sich über das Verbot hinwegzusetzen, um dennoch zu trinken. Oder, dass es sich doch eigentlich um gar keine so schlechte Entwicklung handele, schließlich gebe es in Deutschland ja bereits genug Volksdrogen, die viel Schaden anrichteten. Auch und gerade im Hinblick auf den so wichtigen Jugendschutz. Aber, aber, wer wird denn gleich so nachtragend sein? Vielleicht reicht auch einfach nur ein versöhnlicher Hinweis darauf, dass sieben Tage immer noch besser sind als Hundert Jahre.

Richter genießen in der Gesellschaft hohen Respekt, müssen aber auch eine hohe Verantwortung tragen. Nur die allerbesten Jura-Absolventen (wahrlich kein Studiengang, in dem man den Studenten die guten Noten hinterherwirft) bekommen überhaupt die Chance, den Beruf zu ergreifen. Man sollte also davon ausgehen, dass größtenteils intelligente und vernunftbegabte Menschen einen solchen, nebenbei bemerkt, gut bezahlten Posten besetzen.

 

Davon ist vielleicht auch ein 35-Jähriger aus dem Bezirk Melk ausgegangen, bei dem im Rahmen einer Hausdurchsuchung 26 Cannabispflanzen gefunden wurden. Wobei in Zeiten der Prohibition ja klar sein muss, dass auch dem tolerantesten Richter durch die Gesetzbücher ein großes Stück weit die Hände gebunden sind. Im Zuge der Gerichtsverhandlung wurde leider deutlich, dass es sich bei dem Vorsitzenden in diesem Fall nicht um eine tolerante und verständnisvolle Person handelte, sondern wohl um eine sehr dumme. So dumm, dass man sich fragen muss, wie er es überhaupt auf der Karriereleiter so weit nach oben schaffen konnte.

 

Die Verteidigung berief sich darauf, dass das beschlagnahmte Cannabis einzig und allein für den Eigenbedarf kultiviert wurde, genauer gesagt der Linderung des Cluster-Kopfschmerzes des Angeklagten gedient habe. Eine eher seltene Erkrankung, bei der Medizinalcannabis, wie Einzelfälle belegen, durchaus helfen kann.

 

Der Richter machte allerdings keine Anstalten, der Rechtfertigung Glauben zu schenken. Das mag die eine Sache sein, eine ganz andere ist es, mit welcher lachhaften Begründung der Vorsitzende die Erklärung abschmetterte. Auf der Nachrichtenseite meinbezirk.at wird er mit folgenden Worten zitiert: „Sie haben eine Sorte mit einem exorbitant hohem halluzinogenen Wirkstoff verwendet, die für eine Schmerztherapie jedoch nicht geeignet ist.“ Puh, das ist starker Tobak für jeden, der auch nur ein bisschen Ahnung von den Wirkstoffen der Cannabispflanze hat. Doch es kommt noch schlimmer: bei der Schmerzbekämpfung seien außerdem nur Cannabisblätter und nicht die Blüten wirksam, das sei auch die Meinung von Experten und Sachverständigen. Spätestens hier rollen sich wohl bei vielen Cannabiskonsumenten die Fußnägel hoch. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, da bekanntlich gerade THC (wohl der vom Richter gemeinte „halluzinogene Wirkstoff“) bei der Linderung von Schmerzen hilft, das sich natürlich vor allem in den Blüten befindet und nur zu einem deutlich kleineren Anteil in den Blättern.

 

Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man eigentlich darüber lachen. Aber leider wurde der 35-jährige Angeklagte auf Grundlage dieses Unwissens von „Richter Ahnunglos" zu einer 12-monatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

 

 

Das wurde aber auch Zeit! Der Sommer wäre kein richtiger Sommer, wenn nicht irgendwann die altbekannte Mär von den „Hortensien-Dieben“ durch die Provinz-Zeitungen und Gartenmagazine geistern würde. Wenn suchtgeplagte „Cannabis-Kiffer“, die Augen rot, die Knöchel weiß vor Anspannung, wie im Wahn die Hortensiensträucher argloser Reihenhaus-Rentner plündern, um an den begehrten Stoff zu gelangen, dann hat Tante Erika ordentlich was zu schnacken und Onkel Herbert zieht den Gartenzaun neu auf. Und ganz nebenbei kann man noch dem medialen Sommerloch ein Schnippchen schlagen!

 

Hinterkaipfocker Tageblatt und Zammerhofer General-Anzeiger wissen auch, wieso es die diebischen Kiffer auf die arglosen Hortensien abgesehen haben: getrocknet und geraucht wirkten die nämlich ähnlich wie Marihuana. Echt wahr! Und das, obwohl sie weder THC noch CBD noch sonst irgendwelche psychoaktiven Wirkstoffe enthalten. Aber so sind sie eben die Haschisch-Fixer: sitzen sie mal auf dem Trockenen, schrecken sie nicht einmal davor zurück, die Vorgärten argloser Spießer zu plündern, Getriebene ihrer Sucht, denen jederzeit die Sicherungen durchknallen können. Nicht auszudenken, wenn der Blumen-Dieb bei einem seiner Raubzüge einmal keine blütereifen Hortensien vorfände! In den Dörfern geht die Angst um, dass er dann aus Frust über Hibiskus, Buchsbaum und Orchideen herfallen könnte oder auf der Suche nach einem kleinen bisschen Stoff gleich den ganzen Garten umgräbt.

 

Die Frage ist, warum die Headshops noch nicht auf den Zug aufgesprungen sind und nicht schon längst getrocknete Hortensienblüten, die ja auch nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, in ihr Sortiment aufgenommen haben. Hortensiensamen, Hortensien-Muffins, Hortensien-Tabakersatz, das alles müsste sich doch verkaufen wie warme Semmeln. Der Grund, warum man derlei Zubehör in den einschlägigen Geschäften nicht bekommt, liegt auf der Hand: weil mindestens 99,999 Prozent der Cannabisfreunde keine Hortensien rauchen und das ganze Phänomen nichts anderes als eine hirnverbrannte Ausgeburt grauhaariger Lokalschreiberlinge ist, die sich über die Jahre auf absurde Weise verselbstständigt hat und in den Sommermonaten immer wieder aufs Neue von einer anderen Dorfpostille nachgeplappert wird. Wir sprechen uns dann nächsten Sommer wieder...

Eine neue Cannabis-Studie, deren Inhalt es einmal genauer zu betrachten gilt, geistert seit Kurzem durch die deutschsprachigen Medien. Bisher nur in wenigen (Online-)Zeitungen zu finden (z. B. standard.at und lessentiel.lu), steht dennoch zu befürchten, dass wir gerade nur am Anfang der üblichen Abschreiborgie stehen, an deren Ende mal wieder jedes zweite deutschsprachige Magazin die Inhalte mehr oder weniger ungeprüft übernommen und unter einer reißerischen Headline zusammengefasst haben wird. Die Überschrift, für die sich die beiden beispielhaft genannten Nachrichtenseiten entschieden haben, lässt dabei nix Gutes erahnen. „Marihuana-Konsum führt zu mehr Fehlgeburten“ so brüllt es den Leser in fetten Lettern an und das bleibt natürlich schon mal hängen, ganz egal, ob der Artikel im Anschluss dann überhaupt noch gelesen wird oder nicht.

 

Schade! Denn nur, wer sich die Mühe macht, erfährt, dass es hier gar nicht um natürliche Schwangerschaften geht, sondern um künstliche Befruchtungsprozesse und selbst da auch nur um die Hälfte der Betroffenen, den Frauen mit Kinderwunsch, während für Männer offenbar das Gegenteil gilt. Die Studie, die über einen Zeitraum von 13 Jahren von Bostoner Wissenschaftlern durchgeführt wurde, spricht von einer „signifikant“ höheren Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt bei Frauen, die zu Beginn der künstlich eingeleiteten Schwangerschaft Cannabis konsumierten. Zur Einordnung: im Jahr 2015 entschieden sich bundesweit gut 95.000 Frauen für einen solchen Schritt. Das Studien-Ergebnis soll hier nicht verharmlost werden, nur ist es eben doch etwas anderes als das, was die Headline dem Leser suggeriert. Zudem muss auch erwähnt werden, dass die Zahl der Probanden mit 421 Frauen (davon 200, deren Partner ebenfalls Teil der Untersuchung war) nicht gerade hoch war und Rückschlüsse auf die Gesamtbevölkerung dementsprechend nicht zulässig sind. Das wird von den Machern der Studie auch so kommuniziert, ebenso wie die Tatsache, dass der Marihuanakonsum der Probanden nur erfragt und nicht mit Tests überprüft wurde.

 

Interessant aber auch das zweite Ergebnis der Untersuchung: bei Cannabis konsumierenden Männern, deren Samen der Partnerin auf künstlichem Wege eingesetzt wurde, erhöhten sich laut Studie die Chancen auf ein gesundes Kind im Gegensatz zu ihren Geschlechtsgenossen ohne Vorliebe für Cannabis. In Teaser und Überschrift der beiden exemplarisch untersuchten Artikel sucht man jedoch vergeblich nach dieser Information, die die ganze Studie in einem anderen Licht erscheinen lässt. In den letzten zwei bis drei Zeilen wird man dann fündig.

 

Also, eine inhaltlich akkurate Überschrift wäre ja demnach: „Marihuana-Konsum erhöht Fehlgeburtenrate bei künstlichen Befruchtungen bei Frauen, für Männer gilt das Gegenteil“. Aber klar, das ist nicht knackig genug, da ist eine Reduzierung nötig, das verstehen gerade wir vom Highway-Magazin. Die Redaktion schlägt die folgende Modifizierung vor: „Studie belegt: Männer sollten vor künstlicher Befruchtung Marihuana konsumieren“ oder, noch etwas handfester: „Cannabis senkt Fehlgeburtenrate“. Das wäre im Grunde kaum weniger irreführend als die Original-Headlines.

 

Es wird interessant sein zu beobachten, wie viele deutschsprachige Medien sich der Studie in den nächsten Tagen und Wochen noch annehmen werden und welche Überschriften ihnen so einfallen.

 

So ziemlich jeder erfahrene Cannabisfreund hat leider irgendwann schon einmal unliebsame Erfahrungen damit gemacht: verunreinigtes Marihuana. Ist ja auch kein Wunder, solange der Eigenanbau verboten ist und der unkontrollierte Schwarzmarkt für das Gros der Konsumenten die einzige Bezugsquelle darstellt.

 

Momentan lohnt es sich, insbesondere im süddeutschen Raum, gut aufzupassen und die aktuellen Meldungen zu verfolgen: das Forensische Institut Zürich (FOR) warnt vor mit synthetischen Cannabinoiden versetztem Marihuana und Haschisch, das sich seit Anfang 2020 angeblich wieder verstärkt im Umlauf befände. Im Gegensatz zu Kräutermischungen á la Spice etc., die in der Regel leicht erkennbar sind, warnen Experten auch vor synthetischen Zusätzen, die mit bloßem Auge oft nicht auszumachen sind, da sie in flüssiger Form auf die verkaufsfertigen Blüten aufgesprüht werden.

 

Cannabisfreunden bleibt leider nichts weiter übrig, als unsere Drogenbeauftragte Daniela Ludwig immer wieder auf die Missstände hinzuweisen, neu erstandenes Cannabis (vor allem, wenn es aus ungewohnter Quelle stammt) mit einer gesunden Portion Skepsis zu begutachten und vor allem mit Vorsicht zu genießen: im Zweifel ist es ratsam, den Joint nach zwei, drei Zügen erst mal für eine halbe Stunde Beiseite zu legen und auf Unregelmäßigkeiten bei Wirkung, Rauchgefühl und Geschmack zu achten.

In Herne in Nordrhein-Westfalen wurde eine Postsendung aus Österreich zwei Männern zum Verhängnis. Ausgehend von der Beschlagnahme dieser Sendung entsponn sich in der Folge ein ganzer Reigen an kleinen Busts, der aufgrund vieler Zufälle (zum Beispiel der genau zur richtigen Zeit aufkreuzende Elektriker) in der Schilderung der Vorfälle durch Polizei, Zoll und Presse stutzig macht.

 

In dem eingangs angesprochenen Paket, das der Zoll als „auffällig“ bezeichnete und daher auch untersuchte, befanden sich laut Pressemeldungen 222 (wahrscheinlich junge) Cannabispflanzen. Dadurch neugierig geworden, wurde fix eine Durchsuchung der Empfängeranschrift durchgeführt, die eine unbestimmte Menge konsumfertiges Marihuana zu Tage brachte. Doch damit riss die Pechsträhner des Mieters noch nicht ab, denn just während Beamte damit beschäftigt waren, die Wohnung auseinanderzunehmen, kehrte er, zusammen mit einem Nachbarn, aus einer Dachgeschosswohnung des Hauses zurück.

 

 

Noch bevor der 35-jährige Mann sich groß über die Polizisten in seiner eigenen Wohnung erschrecken konnte, hatten die schon Witterung aufgenommen und auch die eben erwähnte Dachgeschosswohnung, die wohl dem 33-jährigen Nachbarn gehörte, genauer in Augenschein genommmen. Dort fand man zu allem Überfluss noch mehr Cannabis sowie eine Anlage mit zehn Pflanzen. Damit fand die Litanei der beiden Canabisfreunde aber immer noch kein Ende, denn auf einmal tauchte in dem Gewusel auch noch ein Elektriker auf, der im Auftrag des Verdächtigen eine Stromleitung zum Dachboden des Hauses legen sollte, der daraufhin auch durchsucht wurde.

 

Dabei wurde weiteres belastendes Material gefunden, eine kleinere Pflanzung befand sich dort allem Anschein nach gerade im Aufbau. Laut Zollfahndung deuteten einige der beschlagnahmten Beweismittel darauf hin, dass sich die beiden Verdächtigen, gegen die nun die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt, in der Wax-Produktion versuchen wollten.