Seit der aufgrund der Corona-Krise ausgerufenen Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote kann es einem zumindest beim innerstädtischen (Spazier-)Gang schnell mal passieren, dass man in eine polizeiliche Personenkontrolle gerät. Eigentlich sollte dabei ja nur der Schutz der Bevölkerung vor Covid-19-Viren im Mittelpunkt stehen, aber naja, wenn sich schon mal die Gelegenheit bietet, auf die Schnelle ein paar kleine Kiffer hopszunehmen, warum nicht? So häufen sich in den letzten Tagen und Wochen die Meldungen von Personenkontrollen, die in der Regel, abgesehen von der obligatorischen Strafanzeige, nichts weiter als Kleinstmengen von Marihuana zu Tage fördern.

 

 

Nichtsdestotrotz wirft das Verhalten eines 21-Jährigen, der am Montagabend am Erfurter Hauptbahnhof unterwegs war, Fragen auf. Vielleicht fühlte sich der junge Mann von dem aktuell vorherrschenden repressiven Klima derart eingeschüchtert, dass er sich nicht mehr anders zu helfen wusste. Vielleicht wollte er auch eine Art politisches Signal setzen, wer weiß. Jedenfalls entscheid er sich dafür, proaktiv vorzugehen: er näherte sich zwei Streifenpolizisten, die am und um den Bahnhof patroullierten und händigte den beiden erstaunten Beamten mit den Worten „Ich will keine weiteren Schwierigkeiten“ eine geringe Menge Marihuana aus.

 

 

Laut Polizeimeldung „begrüße man die freiwillige Abgabe von Drogen“ außerordentlich. Eine Anzeige gab es für den jungen Mann dann aber natürlich trotzdem...

 

Vor kurzem ging das Video eines jungen Mannes aus Tennessee viral, der sich als Angeklagter vor Gericht einen Joint rauchte, um Aufmerksamkeit für eine seiner Meinung nach dringend notwendige Cannabislegalisierung zu schaffen. Der Clip ging um die Welt, vielleicht hat ihn auch der 20-Jährige gesehen, um den es nun geht. Einen Joint hat der junge Mann, der sich gerade vor dem Amtsgericht Wetter verantworten musste, zwar nicht ausgepackt, sein uneinsichtiges Verhalten vor dem Richter schlug aber in dieselbe Kerbe. Angeklagt war der junge Mann aus Herdecke für den Besitz von Sage und Schreibe einem Gramm Marihuana. Leider hatte er zuvor schon aufgrund eines Cannabisdelikts eine Geldstrafe bekommen, deshalb kam der erneute Fund trotz geringer Menge beim Jugendrichter gar nicht gut an.

 

„Wenn ich jeden Tag eine Flasche Wodka saufe, interessiert das keine Sau“, konterte der Angeklagte die Belehrungen des Gerichts und konstatierte trocken, dass er die Cannabisgesetzgebung für „schwachsinnig“ halte. Tja, dem wäre eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen, doch der Richter sah das naturgemäß anders (Das ist verboten!“) und verordnete drei Drogenscreenings, 50 Sozialstunden und eine sechsmonatige Betreuungsweisung.

 

Auf den „Mein Schiff“-Linern, die im Auftrag von TUI Cruises die Weltmeere durchkreuzen, gilt laut AGB „Keine Macht den Drogen“ – für Alkohol und Arzneimittel gilt die Regelung aber natürlich nicht.

 

Dass man aber auch im Falle von Cannabis keine Ausnahme macht, durfte nun ein junger Mann aus Mannheim am eigenen Leib erfahren. Dieser hatte sich im Rahmen eines Landgangs in Jamaica mit etwa 30 Gramm Marihuana eingedeckt, das er, zurück an Bord, gleich im Safe seiner Kabine einschloss, wie er in einem Gespräch mit der Highway-Radaktion versicherte. Leider vergaß er einen angerauchten Joint, den er auf seinem Privat-Balkon im Aschenbecher abgelegt hatte. Diesen entdeckte wohl das Reinigungspersonal, denn als der Passagier nach einem weiteren Landgang wieder an Bord kommen wollte, löste seine Karte beim Abscannen einen Alarm aus und ein Security-Team nahm sich seiner mit der Frage nach illegalem Drogenkonsum an. Nach der Durchsuchung der Kabine, in dessen Verlauf die Blüten im Safe gefunden wurden, wurde der Fall in Absprache mit der Reiseleitung umgehend an die mexikanische Polizei weitergeleitet. Die interessierte sich allerdings herzlich wenig für den Fall, da dort der Privatkonsum von Cannabis entkriminalisiert wurde.

 

Schon sah es so aus, als würde der Betroffene noch mal mit einem blauen Auge davonkommen, denn die Reiseleitung wollte es mit dem Hinweis, das Zeug beim nächsten Mal doch lieber an Land zu rauchen, bei einer Verwarnung belassen. In einem Fall wie diesem hat allerdings der Kapitän das letzte Wort und das fiel gnadenlos aus: er verwies den Mann noch in Mexiko kurzerhand des Schiffes und legte ab. Dass der Pechvogel das Marihuana zu medizinischen Zwecken zur Linderung der Symptome seiner ADHS-Erkrankung konsumierte, half letztendlich auch nicht weiter, da sich eine entsprechende Bescheinigung zum damaligen Zeitpunkt noch nicht in seinem Besitz befand. Inzwischen ist der Mannheimer auch ganz offiziell Cannabispatient, was die ganze Sache rückblickend gesehen natürlich noch ärgerlicher macht.

 

Kopfschmerzen bereiten auch die Facebook-Kommentare auf der „Mein-Schiff“-Facebookseite, wo der Zurückgelassene seinem Unmut Luft machte. Leider konnte er nicht auf die Solidarität der TUI-Fans und Mitreisenden zählen, stattdessen gab es Lob für den Kaptitän und seine Entscheidung. Es scheint jedenfalls für den durchschnittlichen deutschen Kreuzfahrtgast (und Kleingeist) nichts Schlimmeres zu geben als den herüberwehenden Marihuanageruch vom benachbarten Kabinenbalkon riechen zu müssen.

 

TUI Cruises hat sich zu dem Vorfall bisher leider nicht geäußert.

Die Stiftung Warentest – in Zeiten von Fake-News, Kungelei und Lobbyismus ein objektiver, unabhängiger Fels in der Brandung. Oder etwa nicht? Zumindest in Sachen Cannabis als Medizin scheint die Objektivität von Deutschlands bekanntester Stiftung zumindest fraglich.

 

Im kürzlich unter der Überschrift „Cannabis: Wie THC, Nabilon und Cannabidiol Kranken helfen können“ veröffentlichten Artikel geht es jedenfalls recht einseitig zu. Da wird auf ominöse „Arzneimittelexperten“ verwiesen, nach deren Meinung „die medizinischen Effekte von Cannabis oft schlecht belegt oder vergleichsweise schwach“ seien. Im selben Atemzug wird auf die Lieblingsstudie aller Cannabisgegner, die auf der umstrittenen Lancet-Datengrundlage basiert, verwiesen. Generell, so der Tenor des Artikels, seien, welche Überraschung, industrielle Fertigarzneimittel wie etwa Sativex in jedem Fall gegenüber unverarbeiteten Marihuana-Blüten vorzuziehen. Auf den sich ergebenden Widerspruch, wieso Pharmaunternehmen die aufwändige Herstellung und Zulassung solcher Präparate überhaupt auf sich nehmen, wenn die Wirksamkeit der Cannabinoide doch anscheinend so fraglich ist, wird nicht eingegangen. Ebenfalls keine Erwähnung finden die Schattenseiten herkömmlicher Schmerzmittel von Aspirin bis Paracetamol.

 

Von den bekannten Schattenseiten dieser und stärkerer Präparate erfährt man im Gegensatz zu den prominent dargestellten Nebenwirkungen von Cannabis in dem Artikel einfach mal gar nichts. Gut, dass die Bundesregierung erst 2017 das Stiftungskapital der Stiftung Warentest von 100 auf 175 Millionen erhöht wurde, um deren Unabhängigkeit weiterhin gewährleisten zu können...

 

 

 

Da kann man wirklich nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, ganz egal, ob man nun selbst zu den Cannabisliebhabern zählt oder nicht. Denn die Angelegenheit, die in Lehrte zur Einleitung eines Strafverfahrens wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz geführt hat, ist an Erbärmlichkeit kaum zu überbieten. Was war geschehen? Polizeibeamte, die eigentlich in anderer Sache unterwegs waren, erschnüffelten am vorgestrigen Donnerstag aus einem offenen Fenster eines Mehrfamilienhauses doch tatsächlich den Geruch von Marihuana.

 

Da die Beamten offenbar mit ihrer Zeit nichts Besseres anfangen konnten, entschlossen sie sich, die betroffene Wohnung einer Durchsuchung zu unterziehen und fanden doch tatsächlich ganze 4 (v-i-e-r) angerauchte Joints (andere würden es vielleicht Stummel nennen) im Aschenbecher. Die Wohnungsbesitzerin erklärte den Beamten, dass die einem Freund gehören würden, von dem sie aber nicht wisse, wo er sich zur Zeit aufhalte. Nachdem die Polizisten dann nochmal gründlich in allen Zimmern nachgesehen hatten, fanden sie den Freund und vermeintlichen Besitzer der Jointstummel versteckt in einem Wandschrank.

 

Insgesamt dürfte der Fall ein heißer Anwärter auf den sinnlosesten Bust des Jahres sein und ein weiteres trauriges Signal dafür, dass Teile der Strafverfolgung (und Politik) jeglichen Kontakt zur Lebensrealität der Bürger verloren haben.

 

0,01 Gramm Cannabis. Kann man so eine Kleinstmenge mit bloßem Auge überhaupt erkennen, geschweige denn vernünftig abwiegen? Oder braucht man dafür ein Mikroskop? Jeder Wochenend-Kiffer hat in seinem Wohnzimmerteppich vermutlich ein Vielfaches mehr an Marihuana kleben als bei einem Mann aus Recklinghausen gefunden wurde. Die Gefängniswärterin, die das Marihuana-Teilchen im Tabakbeutel des damals noch inhaftierten Obdachlosen aufgespürt hatte, muss auf jeden Fall echt gute Augen haben. Die Menge an sich spielt aber sowieso keine Rolle in dem sich nun aufrollenden Gerichtsprozess, da bei Vergehen im Gefängnis, auch den kleinsten, generell Null-Toleranz-Politik vorherrscht.

 

Den Vorfall, der sich schon vor zwei Jahren ereignet hatte, hatte der 40-jährige Angeklagte schon wieder vergessen, als ihm kürzlich der Strafbefehl ins Haus bzw. die Behausung flatterte (Anm. der Redaktion: es herrscht Unklarheit darüber, ob der Angeklagte nach wie vor auf der Straße lebt oder nicht). Nun heißt es für den Unglücklichen leider: entweder 400 Euro blechen oder erneut einsitzen, und zwar ganze 40 Tage lang. Wobei, der zuständige Oberstaatsanwalt deutet in seiner scheinbar unendlichen Güte tatsächlich Gesprächsbereitschaft an: im Rahmen von Strafarbeitsprogrammen wie „Schwitzen statt sitzen“ könne die Strafe alternativ auch abgearbeitet werden...

Eine neue Studie der Stiftung Sucht Schweiz, die in Kooperation mit Wissenschaftlern der Uni Lausanne und  Unisanté erstellt wurde, hat eine der dringendsten Fragen überhaupt beantwortet. Wie viele Joints werden eigentlich in der Schweiz pro Tag geraucht? Doch der Reihe nach: anhand von Abwasserproben im Kanton Waadt wollen die Forscher herausgefunden haben, dass die Zahl der Cannabiskonsumenten, hochgerechnet auf das gesamte Land, wohl höher liegt, als bisher gedacht. Cannabisfreunde dürfte diese Erkenntnis nicht groß überraschen, aber nichtsdestotrotz ist es natürlich schön, dass nun ein paar handfeste Zahlen vorliegen.

 

Die Forscher gehen schweizweit von einem Cannabisverbrauch von etwa 40 bis 60 Tonnen pro Jahr aus und destillieren aus diesen Erkenntnissen die „Hausnummer“ von einer halben Million Joints, die sich die Eidgenossen angeblich pro Tag schmecken lassen. Diese Masse an Joints ist allerdings nicht gleichmäßig über die Bevölkerung verteilt, vielmehr soll die Hälfte der gerauchten Joints auf das Konto von weniger als einem Prozent der Gesamtbevölkerung gehen. Die Studie dürfte die seit Monaten in der Schweiz geführte Diskussion um Modellprojekte und Cannabislegalisierung neu befeuern. Frank Zobel, Vizedirektor der Stiftung Sucht Schweiz macht Nägel mit Köpfen: „Die Prohibition funktioniert nicht.“ Er gibt zu bedenken, dass nach einer Legalisierung viel mehr Instrumente zur Verfügung stehen würden, um den Markt zu kontrollieren.

 

Ja, Ja, der kleinkarierte Spießbürger hat es wahrlich nicht leicht. Gefahren für Leib, Leben und Sitte lauern ja überall im Alltag, jeder will einen irgendwie übers Ohr hauen – und, sowieso, früher hätte es das nicht gegeben. Aber was sich gerade in und um die Löwen-Apotheke in München abspielt, schlägt dem Fass endgültig den Boden aus. Wie diverse Lokalblätter berichten, zeigen sich die Kunden des längjährig ansässigen Geschäfts zunehmend verstimmt.

 

Und das wahrlich aus gutem Grund! Denn laut Außenbeschriftung gibt es dort doch tatsächlich „Drogen“! Wie bitte? Drogen in der Apotheke? Der Viertelgott in Weiß ein Dealer? Ja, richtig gelesen! Ein Blick auf das Artikelfoto beweist es. Was ist bloß aus dieser Welt geworden? Kann man jetzt seine Kinder etwa nicht mal mehr ohne Bedenken in die Apotheke schicken? Die Löwen-Apotheke versucht aufklärend einzuschreiten und zu retten, was zu retten ist: mit „Drogen“ seien natürlich Arzneimittel gemeint, in einer „Drogerie“ gebe es ja schließlich auch keine Drogen. Man möchte noch hinzufügen, dass beispielsweise im englischen Sprachgebrauch Drogen und Arzneimittel nicht umsonst synonym verwendet werden. Oder dass etwa Heroin Ende des 19. Jahrhunderts als Hustensaft entwickelt wurde und in der Apotheke regulär erhältlich war. Doch gegen die Verunsicherung des empörten Bürgers kommt man halt schwer an, so dass die seit den 1970er-Jahren hängende Beschilderung nun abgenommen werden muss. Jetzt könnte man sich natürlich die Frage stellen, was sich in den letzten Jahrzehnten getan hat, dass die Stimmung jetzt auf einmal so hochkocht. Aber wenn die Kunden wegbleiben, ist ja schließlich auch keinem geholfen. Sonst wäre man hinterher noch gezwungen, sich zwei Blocks weiter zur nächsten Apotheke zu schleppen, um den nötigen Vorrat an Valium, Promethazin und Tramadol zu beschaffen.

 

Für Cannabisfreunde hält die ganze Story sogar noch eine besondere Pointe parat: viele über den Fall berichtenden Zeitungen lassen es sich nicht nehmen, pflichtschuldig darauf hinzuweisen, dass es in der Löwen-Apotheke aber tatsächlich auch Drogen gibt. Cannabis nämlich.

Erst gestern haben wir unsere Leser auf einen zweifelhaften Nachrichtenbeitrag in der Augsburger Allgemeinen hingewiesen, in dem ein Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und aggressivem Vandalismus nahe gelegt wurde. Naja, was will man als Cannabisfreund von einer bayrischen Lokalpostille auch groß erwarten? Leider zieht die ARD nun im Rahmen ihres Investigativ-Formats „Report München“ mit einem wohl nicht weniger verzerrenden Bericht nach.


Umso schlimmer, da die Reportage heute Abend um 21:45 Uhr nicht bloß einer Handvoll rückständiger Hinterwäldler (eine Entschuldigung geht hiermit raus an all die Augsburger-Allgemeine-Leser, die sich ihr Resthirn bewahren konnten) präsentiert wird, sondern vermutlich einem Millionenpublikum. Der begleitende Artikel zur Sendung, der heute auf der Website der Tagesschau veröffentlicht wurde, lässt zumindest Schlimmstes erahnen. Die Gefahren des Cannabiskonsums werden dem geneigten Zuschauer anhand des von Prohibtionsbefürwortern immer wieder gern ins Feld geführten psychotischen Teenagers vor Augen gehalten. Mit 13 hat das junge Mädchen angefangen zu kiffen, mit 15 sitzt sie nun aufgrund von Angstattacken und Paranoia in der Psychiatrie. Die klassische Kiffer-Karriere aus CDU/CSU-Perspektive eben, fehlt nur noch der Übergang zum Heroin. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Von der mittlerweile ausgelutschten Methode, anhand eines extremen Negativbeispiels, auf den Zustand einer Mehrheit zu schließen, hat ja schon mal ein Geschmäckle, aber gut, die verunsicherten Zuschauer sollen ja auch so richtig schön emotionalisiert werden.
 

Was aber echt dreist ist, ist die Tatsache, dass einmal mehr auf die „Expertise“ von Prohibtionslobbyist Rainer Thomasius zurückgegriffen wird, um Cananbis in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken. Thomasius? Ist das nicht der, der sich nicht zu schade für folgendes Statement war: „Die Einstiegsdrogentheorie ist zwar nicht belegt. Aber widerlegt ist sie auch nicht.“? Ja, genau der. Der übrigens auch in der Hamburger Morgenpost behauptet hat, dass Cannabis wissenschaftlich gesehen weitaus gefährlicher sei als Alkohol. Und der sich jetzt bei Report München zu Aussagen versteigt wie: „Das, was wir immer befürchtet haben, bildet sich jetzt in den USA erstmalig ab. Die Legalisierung führt zu Sucht, Psychosen und Suiziden unter Cannabiseinfluss.“ und Cannabis als „hochpotentes Halluzinogen“ bezeichnet, gar mit LSD vergleicht. Im begleitenden Text zur Sendung, aus dem diese Zitate stammen, sucht man Belege für solch gewagte Aussagen vergeblich. Vielleicht werden sie ja erst in der Sendung nachgereicht, vielleicht aber auch nicht. Das würde zur Arbeitsweise von Thomasius aber auch gar nicht passen. Witzigerweise scheint auch Google die zweifelhaften Praktiken des Lobbyisten erkannt zu haben (siehe Suchbegriff „Rainer Thomasius“), aber das nur am Rande.

 

Wer sich also mal wieder so richtig schön aufregen will, kann ja heute Abend einschalten und Report München vielleicht auch den ein oder anderen aufklärenden Kommentar in den sozialen Medien hinterlassen.

 

In Bayern ticken die Uhren bekanntlich etwas anders. Das gilt erst Recht für den Umgang mit Drogenkonsum. Während es nicht unüblich ist, dass schon Kinder gleich einem Initiationsritual an das „Grundnahrungsmittel“ (Weizen-)Bier herangeführt werden, werden Cannabisprodukte oft aufs schärfste verteufelt. Eine ganze Menge Unwissen ist da im Spiel, unterfüttert von einer spießbürgerlich-reaktionären Weltanschauung, die sich seit den Wirtschaftswunder-Jahren nicht groß gewandelt zu haben scheint. Dabei sind es Meldungen wie diese hier, die Cannabisfreude, die das bescheidene Glück haben, in einem anderen Bundesland zu wohnen, erschaudern lassen und die dafür sorgen, dass der unbedarfte Leser sich mal wieder in seinen Vorurteilen bestätigt sieht.

 

 

Die Meldung, die zum Jahreswechsel in der Augsburger Allgemeine erschien, ist gerade einmal zwölf Zeilen lang, aber in der Kürze liegt ja schließlich die Würze. Denn wenn man essentielle Informationen, die zur Einordnung von Tat und Verdächtigem unerlässlich sind, einfach weglässt, dann lässt sich die Botschaft, die übermittelt werden soll, natürlich viel griffiger verpacken. Am Neujahrstag hatte ein Mann für Aufruhr gesorgt, den Nachbarn dabei beobachteten, wie er seine eigene Wohnung zertrümmerte. Als die Polizei eintraf, vernahm sie starken Marihuanageruch und konnte den aufgebrachten Mann auch tatsächlich beim Cannabis-Konsum festsetzen. Abgesehen davon, dass der Mann von den Beamten zunächst in ein Krankenhaus gebracht wurde und das „weitere Betäubungsmittel“ gefunden wurden, hält sich die Augsburger Allgemeine mit Informationen zurück. Aber was gibt es da auch noch groß zu sagen, was die Überschrift „24-Jähriger raucht Marihuana und zerlegt Wohnung“ nicht schon prägnant auf den Punkt gebracht hätte?

 

 

Fairerweise hätte man vielleicht darauf hinweisen können, dass ein gesteigertes Aggressionspotential ganz und gar nicht zu den üblichen Nebenwirkungen von Cannabiskonsum zählt. Und dass Cannabis aufgrund seiner im Gegenteil eher beruhigenden Wirkung in vielen Fußballstadien von der Obrigkeit sogar bewußt als Aggressionshemmer eingesetzt wird? Vielleicht hätte man auch einen Satz darüber verlieren können, dass es ziemlich wahrscheinlich ist, dass der Täter in der Silvesternacht ein wenig übertrieben hat und zwar mit dem Konsum verschiedener illegaler Substanzen? Ja mei, was solls? Kokain, Amphetamine, Marihuana: ist doch eh alles dasselbe. Es wäre wahrlich auch nicht unredlich gewesen, mit ein paar Worten auf eventuellen (aber in Anbetracht des Jahreswechsels höchst wahrscheinlichen) Alkoholkonsum des jungen Mannes einzugehen. Aber was soll man groß lamentieren, letztendlich kann sich der „Randalierer“ wohl glücklich schätzen, dass er nicht gleich mit ein Paar Kugeln bajuwarischen Bleis durchsiebt wurde...