„Wenn Cannabis legalisiert wird, dann wird die Zahl Jugendlicher Cannabiskonsumenten ins Unermessliche ansteigen!“, so oder so ähnlich tönt es regelmäßig aus der Ecke der Prohibitionsbefürworter. Da wird von einem „fatalen Signal“ geschwafelt und Horrorszenarien von Massen jugendlicher Cannabis-Zombies an die Wand gemalt. Derweil häufen sich die Studien aus den USA, die ganz klar in eine andere Richtung weisen. Schon mehrfach hat Highway das Thema aufgegriffen und Studien vorgestellt, zum Beispiel hier und hier.

 

Nun wurde eine neue Studie veröffentlicht, deren Ergebnisse ebenfalls nahelegen, dass eine Legalisierung des Freizeitkonsums den jugendlichen Konsum sinken und nicht steigen lässt. Die neueste Veröffentlichung nimmt für sich in Anspruch, die Ausführlichste und Glaubwürdigste zu sein und verweist auf die Auswertung von Umfragedaten von etwa 1.4 Millionen High-School-Schülern, die im Zeitraum von 1993 bis 2017 erhoben wurden. Die Ergebnisse lassen aufhorchen: während der Cannabiskonsum unter High-School-Schülern im landesweiten Durchschnitt im genannten Zeitraum um etwa sechs Prozent gestiegen ist, zeichent sich in den Legalisierungstaaten ein gegensätzlicher Trend ab.

 

Dort fiel die Zahl der Jugendlichen, die angegeben hatten, im zurückliegenden Monat mindestens einmal Marihuana konsumiert zu haben, innerhalb der letzten Jahre um acht Prozent. Die Zahl regelmäßiger Konsumenten sank mit einem Abfall von neun Prozent sogar noch signifikanter. Mark Anderson, einer der Co-Autoren der Arbeit, stellte auch klar, dass man in der Folge einer rein medizinischen Legalisierung keine derartigen Schwankungen bei jugendlichen Konsummustern feststellen konnte.

 

Irland hat in der Frage der Akzeptanz von Cannabis einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan. Der irische Gesundheitsminister Simon Harris hat ein Pilotprogramm gestartet, das erstmals die Nutzung von Cannabis-basierten Medikamenten gestattet. Dies war in Irland bisher komplett verboten gewesen, doch das soll sich für Patienten, die an Multipler Sklerose, Epilepsie oder durch Chemotherapie bedingter Übelkeit leiden, jetzt endlich ändern. Medizinisches Cannabis soll aber nur dann eingesetzt werden, wenn konventionelle Arzneimittel keinen Erfolg bringen. Das Pilotprogramm ist auf fünf Jahre angesetzt.

 


Auch in Frankreich tut sich etwas. Eine renommierte Expertenkommission für Wirtschaftsanalysen, CAE, spricht sich öffentlich für die Legalisierung von Cannabis aus. Das bisherige Verbotssystem sei auf ganzer Linie gescheitert. Frankreich hat zwar eine der strengsten Cannabisgesetzgebungen der EU, die Konsumfreunde der Franzosen liegt dennoch auf einem konstant hohen Niveau. Die Wirtschaftsexperten stellen eigenen Berechnungen zufolge in der Folge einer Legalisierung Steuereinnahmen von bis zu 2,8 Milliarden in Aussicht. Vorgeschlagen wird ein öffentliches Monopol auf die Produktion und den Vertrieb von Cannabis, der von einer unabhängigen Behörde kontrolliert würde, die Qualität und Quantität regele.

 

Bereits Mitte Mai erlebte ein Pärchen aus den Niederlanden einen schwarzen Tag auf dem Weg von Den Haag nach Recklinghausen. Wie nun bekannt wurde, wurde die Polizei auf einem Autobahn-Rastplatz nahe Hamminkeln auf die 38-jährige Frau und ihren 56-jährigen Begleiter aufmerksam. Von den Beamten auf ihr Reiseziel angesprochen, zeigten sich die beiden sichtlich nervös. Den Polizisten fielen sogleich die zitternden Hände auf, als die Fahrzeug- und Ausweisdokumente zur Kontrolle überreicht wurden. Es kam, wie es kommen musste: der Wagen des Pärchens wurde einer Kontrolle unterzogen, wobei im Kofferraum ein gutes Kilogramm Haschisch sowie sage und schreibe 2787 Joints gefunden wurden. Für welchen Anlass beziehungsweise Zweck (abgesehen vom Konsum) insbesondere die enorme Menge an Joints bestimmt war, ist unklar. Für das Pärchen aus endete der Trip wenig überraschend mit einer Festnahme.

 

Tja, die Cannabisanlage wäre wohl unentdeckt geblieben – wenn, ja, wenn sich der verantwortliche Grower nicht selbst bei der Polizei gemeldet hätte.

 

23 Cannabispflanzen plus Zubehör entdeckten die Kriminalbeamten bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung des Elmshorners. Doch aus welchem Grund hatte sich der 24-Jährige überhaupt selbst ans Messer geliefert? Als Rücktrittsgeschenk für Marlene Mortler? Wohl kaum. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, war der Grund ein ganz anderer: der junge Mann hatte diverse (vielleicht selbst hergestellte?) Düngemittel zusammengekippt, bekam es dann aber mit der Angst zu tun. Die Befürchtungen, versehentlich ein giftiges oder gar explosives Gasgemisch hergestellt zu haben, trieb den verunsicherten Cannabisfreund schließlich dazu, sich selbst ans Messer zu liefern.

 

Völlig zu Unrecht, wie sich kurz darauf herausstellte: denn die hinzugerufene Feuerwehr stellte fest, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung bestanden habe. Klingt nach einem klassischer Fall von Kiffer-Paranoia? Möglicherweise, doch ob der junge Mann zum Zeitpunkt des Notrufs akut berauscht gewesen ist, ist bisher unklar.

 

Der vergangene April war für viele Cannabisfreunde ein aufregender Monat. Erst beschlagnahmte die Polizei Deutschlands ersten CBD-Automaten in Trier, dann wütete sie in zahlreichen Hanfshops Süddeutschlands und konfiszierte 370 Kilogramm Hanftee, 530 Gramm CBD-Haschisch, 40 Liter CBD-Öl und 60 Kilogramm CBD-Blüten. Warum bloß? Selbst, wenn man all diese CBD-Produkte auf einmal konsumieren würde, wäre man nicht berauscht! Kurz danach eine weitere schlechte Nachricht für den CBD-Markt: die Drogeriemarkt-Riesen dm und Rossman strichen entsprechende Produkte aus ihrem Sortiment. Es hieß, man wolle die Rechtslage prüfen.

 

Das ist nun offenbar geschehen, denn es kursieren Meldungen, nach denen zumindest dm wieder das CBD-Öl von Limucan (fünf Prozent) anbietet. Ein positives Signal für die gesamte CBD-Branche? Scheinbar schätzt die Rechtsabteilung der Drogeriekette das Verkaufsrisiko als gering genug ein, um die Produkte wieder zu listen. Die Entwicklungen markieren den vorläufigen Höhepunkt eines lächerlichen Hin und Her um das nicht berauschende Cannabinoid CBD. Was fehlt, sind klare Richtlinien, nach denen sich Geschäftstreibende und Konsumenten richten können, diese Erkenntnis scheint nun auch so langsam im Mainstream anzukommen.

 

Ein 47-jähriger Mann, der bereits vor Jahrzehnten wegen Raubmordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde, ist vor Gericht in schallendes Gelächter ausgebrochen.

 

Obwohl er seit bereits 26 Jahren hinter schwedischen Gardinen sitzt, musste der Mann erneut vor dem Werler Amtsgericht erscheinen. Verantworten musste er sich diesmal aber nur für den Besitz von 0,05 (!) Gramm Haschisch. Als von der Richterin das Urteil lebenslänglich plus vier Wochen ausgesprochen wurde, konnte der Mann nicht mehr an sich halten und fing an, lauthals zu lachen.

 

Aus Sicht des Angeklagten muss die Situation tatsächlich einigermaßen absurd gewesen sein, das Gericht rechtfertigte die Verhandlung damit, dass eben auch für das erneute Vergehen, so gering es auch gewesen sein möge, eine angemessene Strafe verhängt werden müsse. In Anbetracht der Tatsache, dass es in deutschen Gefängnisses mindestens so einfach ist, sich Drogen zu beschaffen, wie im Görlitzer Park in Berlin, geht das Lachanfall-Urteil aber schon ein ganzes Stück an der Lebensrealität vorbei. Ohne hier vorschnell Partei ergreifen zu wollen, scheint die Frage des offenbar schwarzhumorigen Verurteiltenwie viel denn die Verhandlung gekostet habe“ allerdings nicht vollkommen unberechtigt

 

In Illertissen im Raum Augsburg hat sich mal wieder Merkwürdiges zugetragen. Am Dienstagabend meldete sich eine Frau telefonisch auf der Polizeistation und teilte dem abnehmenden Beamten mit, dass sie gerade einen Joint geraucht habe. Wo die Polizei in Berlin oder NRW wohl höchstens belustigt mit dem Kopf schütteln würde, wurde in Süddeutschland stattdessen der richterliche Beschluss bemüht, um die Wohnung durchsuchen zu dürfen.

 

Dort fand die Polizei die „merklich berauschte“ (O-Ton Polizei) 50-jährige Anruferin vor und außerdem eine geringe Menge Marihuana und eine nicht unbeträchtliche Menge einer nicht genauer spezifizierten Kräutermischung, bei der bisher unklar ist, ob sie überhaupt unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Genauso fraglich ist nach wie vor, warum die Frau bei der Polizei angerufen hat, beziehungsweise was sie eigentlich mit ihrem Anruf bezwecken wollte.

 

Was war das für ein großes Hallo, als Anfang 2018 die Nachricht die Runde machte, dass die Drogeriemarktriesen dm und Rossman CBD-Produkte in ihr Sortiment aufnehmen. Was einige Jahre zuvor noch undenkbar schien, war Realität geworden. Cannabisextrakte, wie man sie höchstens von Cannabismessen und aus dem gut sortierten Head-Shop kannte, hatten sich ihren Weg in die Mitte der Gesellschaft gebahnt, mehr noch, in die Wellness- und Gesundheits-Tempel der deutschen Innenstädte.

 

Zwar gab es keine Blüten zu kaufen, doch insbesondere die CBD-Öle erfreuten sich bei den Kunden großer Beliebtheit. Doch damit ist jetzt erst einmal Schluss! In einer Entscheidung, die nur als Reaktion auf die Münchener CBD-Razzien vergangener Woche gewertet werden kann, schmeißen die beiden Branchenriesen einen Großteil ihrer CBD-Produkte wieder aus dem Sortiment. Übrig blieben, zumindest bei dm, CBD-Kaugummis aus der Schweiz und cannabidiolhaltige Weichkapseln. Bei Rossman konnten sich sogar nur die Kaugummis halten.

 

Kontrollen hatte es zwar nicht gegeben, aber anders als die vielen CBD-Start-ups, die in den letzten Monaten wie Pilze aus dem Boden geschossen waren, wollen die Drogerien es wohl nicht darauf ankommen lassen und gehen mit der CBD-Öl-Verbannung auf Nummer sicher.

 

Wer sich in Sachen CBD-Gesetzgebung nochmal genauer informieren möchte, findet hier und hier Material zur momentanen Gesetzeslage.

 

Das sind Zustimmungswerte, von denen Cannabisfreunde im deutschsprachigen Raum nur träumen können. Vergangenen Mittwoch veröffentlichte die nordamerikanische Quinnipiac University die Ergebnisse einer nationalen Erhebung zum Thema Cannabislegalisierung.


Demnach befinden sich die Befürworter mittlerweile in einer knappen Zweidrittel-Mehrheit: Rund 60 % der Amerikaner sprachen sich für eine legale Nutzung für Volljährige aus, nur noch 33 Prozent sind dagegen. Sogar noch größere Zustimmung, nämlich 63 Prozent, erhält die Forderung, kleinere Cannabisbesitz- und Konsumvergehen aus dem Führungszeugnis der betroffenen Personen zu streichen. Die Umfrage wurde unter 1.120 Teilnehmern durchgeführt und stellt die aktuellste Erhebung ihrer Art dar. Der ein oder andere Politiker dürfte angesichts des nahenden Präsidentschaftswahlkampfes 2020 mit Interesse auf die neuen Zahlen schielen.


Die Legalisierungsorganisation NORML stellt dazu fest: „Die Message, die von diesen Zahlen ausgeht, ist simpel: für den Gesetzgeber wird es sich lohnen, eine gerechte und mitfühlende Cannabispolitik sowohl für Freizeitkonsumenten als auch Patienten umzusetzen.“

Welch ein unwürdiges Schauspiel! Kann ein Polizeieinsatz sinnloser sein? Und welche Gefahr für die Öffentlichkeit geht bitte von einem schwer Krebskranken aus, der bloß versucht, seine Schmerzen zu lindern?

 

Doch der Reihe nach: im Mai 2018 erhielt Nolan S. die niederschmetternde Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Seitdem liegt der kämpferische Mann im Citizens Memorial Hospital im US-Bundesstaat Missouri und bekommt unter anderem THC in Kapselform, gegen die Schmerzen und zur Appetitanregung. Vergangenen Mittwoch dann der Schock: als ob der Patient nicht genug zu schultern hätte, verschafften sich zwei Polizisten Zugang zum Krankenzimmer und begannen mit der Durchsuchung. Ein Mitglied der Krankenhaus-Security wollte Nolan beim Rauchen eines Joints beobachtet haben (konnte nie nachgewisen werden) und hatte daraufhin umgehend die Beamten alarmiert. Und so kam es, dass die Beamten die wenigen Habseligkeiten eines unheilbar kranken Stufe-4-Krebspatienten durchwühlten, er selbst nennt sie seine „final day things“. Die Officers waren sich tatsächlich nicht zu schade, dem Patienten auch noch mit einer Gerichtsvorladung zu drohen.

 

Der behielt zum Glück die Nerven und startete mit seinem Smartphone einen Live-Stream der geschmacklosen Polizeiaktion. Immerhin konnten so Zuschauer rund um den Globus miterleben, was die Polizisten letztendlich im Krankenzimmer fanden: nichts. Hier könnt ihr euch besagtes Video selbst anschauen und vielleicht den ein oder anderen ermutigenden Kommentar da lassen!