Der vergangene April war für viele Cannabisfreunde ein aufregender Monat. Erst beschlagnahmte die Polizei Deutschlands ersten CBD-Automaten in Trier, dann wütete sie in zahlreichen Hanfshops Süddeutschlands und konfiszierte 370 Kilogramm Hanftee, 530 Gramm CBD-Haschisch, 40 Liter CBD-Öl und 60 Kilogramm CBD-Blüten. Warum bloß? Selbst, wenn man all diese CBD-Produkte auf einmal konsumieren würde, wäre man nicht berauscht! Kurz danach eine weitere schlechte Nachricht für den CBD-Markt: die Drogeriemarkt-Riesen dm und Rossman strichen entsprechende Produkte aus ihrem Sortiment. Es hieß, man wolle die Rechtslage prüfen.

 

Das ist nun offenbar geschehen, denn es kursieren Meldungen, nach denen zumindest dm wieder das CBD-Öl von Limucan (fünf Prozent) anbietet. Ein positives Signal für die gesamte CBD-Branche? Scheinbar schätzt die Rechtsabteilung der Drogeriekette das Verkaufsrisiko als gering genug ein, um die Produkte wieder zu listen. Die Entwicklungen markieren den vorläufigen Höhepunkt eines lächerlichen Hin und Her um das nicht berauschende Cannabinoid CBD. Was fehlt, sind klare Richtlinien, nach denen sich Geschäftstreibende und Konsumenten richten können, diese Erkenntnis scheint nun auch so langsam im Mainstream anzukommen.

 

Ein 47-jähriger Mann, der bereits vor Jahrzehnten wegen Raubmordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde, ist vor Gericht in schallendes Gelächter ausgebrochen.

 

Obwohl er seit bereits 26 Jahren hinter schwedischen Gardinen sitzt, musste der Mann erneut vor dem Werler Amtsgericht erscheinen. Verantworten musste er sich diesmal aber nur für den Besitz von 0,05 (!) Gramm Haschisch. Als von der Richterin das Urteil lebenslänglich plus vier Wochen ausgesprochen wurde, konnte der Mann nicht mehr an sich halten und fing an, lauthals zu lachen.

 

Aus Sicht des Angeklagten muss die Situation tatsächlich einigermaßen absurd gewesen sein, das Gericht rechtfertigte die Verhandlung damit, dass eben auch für das erneute Vergehen, so gering es auch gewesen sein möge, eine angemessene Strafe verhängt werden müsse. In Anbetracht der Tatsache, dass es in deutschen Gefängnisses mindestens so einfach ist, sich Drogen zu beschaffen, wie im Görlitzer Park in Berlin, geht das Lachanfall-Urteil aber schon ein ganzes Stück an der Lebensrealität vorbei. Ohne hier vorschnell Partei ergreifen zu wollen, scheint die Frage des offenbar schwarzhumorigen Verurteiltenwie viel denn die Verhandlung gekostet habe“ allerdings nicht vollkommen unberechtigt

 

In Illertissen im Raum Augsburg hat sich mal wieder Merkwürdiges zugetragen. Am Dienstagabend meldete sich eine Frau telefonisch auf der Polizeistation und teilte dem abnehmenden Beamten mit, dass sie gerade einen Joint geraucht habe. Wo die Polizei in Berlin oder NRW wohl höchstens belustigt mit dem Kopf schütteln würde, wurde in Süddeutschland stattdessen der richterliche Beschluss bemüht, um die Wohnung durchsuchen zu dürfen.

 

Dort fand die Polizei die „merklich berauschte“ (O-Ton Polizei) 50-jährige Anruferin vor und außerdem eine geringe Menge Marihuana und eine nicht unbeträchtliche Menge einer nicht genauer spezifizierten Kräutermischung, bei der bisher unklar ist, ob sie überhaupt unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Genauso fraglich ist nach wie vor, warum die Frau bei der Polizei angerufen hat, beziehungsweise was sie eigentlich mit ihrem Anruf bezwecken wollte.

 

Was war das für ein großes Hallo, als Anfang 2018 die Nachricht die Runde machte, dass die Drogeriemarktriesen dm und Rossman CBD-Produkte in ihr Sortiment aufnehmen. Was einige Jahre zuvor noch undenkbar schien, war Realität geworden. Cannabisextrakte, wie man sie höchstens von Cannabismessen und aus dem gut sortierten Head-Shop kannte, hatten sich ihren Weg in die Mitte der Gesellschaft gebahnt, mehr noch, in die Wellness- und Gesundheits-Tempel der deutschen Innenstädte.

 

Zwar gab es keine Blüten zu kaufen, doch insbesondere die CBD-Öle erfreuten sich bei den Kunden großer Beliebtheit. Doch damit ist jetzt erst einmal Schluss! In einer Entscheidung, die nur als Reaktion auf die Münchener CBD-Razzien vergangener Woche gewertet werden kann, schmeißen die beiden Branchenriesen einen Großteil ihrer CBD-Produkte wieder aus dem Sortiment. Übrig blieben, zumindest bei dm, CBD-Kaugummis aus der Schweiz und cannabidiolhaltige Weichkapseln. Bei Rossman konnten sich sogar nur die Kaugummis halten.

 

Kontrollen hatte es zwar nicht gegeben, aber anders als die vielen CBD-Start-ups, die in den letzten Monaten wie Pilze aus dem Boden geschossen waren, wollen die Drogerien es wohl nicht darauf ankommen lassen und gehen mit der CBD-Öl-Verbannung auf Nummer sicher.

 

Wer sich in Sachen CBD-Gesetzgebung nochmal genauer informieren möchte, findet hier und hier Material zur momentanen Gesetzeslage.

 

Das sind Zustimmungswerte, von denen Cannabisfreunde im deutschsprachigen Raum nur träumen können. Vergangenen Mittwoch veröffentlichte die nordamerikanische Quinnipiac University die Ergebnisse einer nationalen Erhebung zum Thema Cannabislegalisierung.


Demnach befinden sich die Befürworter mittlerweile in einer knappen Zweidrittel-Mehrheit: Rund 60 % der Amerikaner sprachen sich für eine legale Nutzung für Volljährige aus, nur noch 33 Prozent sind dagegen. Sogar noch größere Zustimmung, nämlich 63 Prozent, erhält die Forderung, kleinere Cannabisbesitz- und Konsumvergehen aus dem Führungszeugnis der betroffenen Personen zu streichen. Die Umfrage wurde unter 1.120 Teilnehmern durchgeführt und stellt die aktuellste Erhebung ihrer Art dar. Der ein oder andere Politiker dürfte angesichts des nahenden Präsidentschaftswahlkampfes 2020 mit Interesse auf die neuen Zahlen schielen.


Die Legalisierungsorganisation NORML stellt dazu fest: „Die Message, die von diesen Zahlen ausgeht, ist simpel: für den Gesetzgeber wird es sich lohnen, eine gerechte und mitfühlende Cannabispolitik sowohl für Freizeitkonsumenten als auch Patienten umzusetzen.“

Welch ein unwürdiges Schauspiel! Kann ein Polizeieinsatz sinnloser sein? Und welche Gefahr für die Öffentlichkeit geht bitte von einem schwer Krebskranken aus, der bloß versucht, seine Schmerzen zu lindern?

 

Doch der Reihe nach: im Mai 2018 erhielt Nolan S. die niederschmetternde Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Seitdem liegt der kämpferische Mann im Citizens Memorial Hospital im US-Bundesstaat Missouri und bekommt unter anderem THC in Kapselform, gegen die Schmerzen und zur Appetitanregung. Vergangenen Mittwoch dann der Schock: als ob der Patient nicht genug zu schultern hätte, verschafften sich zwei Polizisten Zugang zum Krankenzimmer und begannen mit der Durchsuchung. Ein Mitglied der Krankenhaus-Security wollte Nolan beim Rauchen eines Joints beobachtet haben (konnte nie nachgewisen werden) und hatte daraufhin umgehend die Beamten alarmiert. Und so kam es, dass die Beamten die wenigen Habseligkeiten eines unheilbar kranken Stufe-4-Krebspatienten durchwühlten, er selbst nennt sie seine „final day things“. Die Officers waren sich tatsächlich nicht zu schade, dem Patienten auch noch mit einer Gerichtsvorladung zu drohen.

 

Der behielt zum Glück die Nerven und startete mit seinem Smartphone einen Live-Stream der geschmacklosen Polizeiaktion. Immerhin konnten so Zuschauer rund um den Globus miterleben, was die Polizisten letztendlich im Krankenzimmer fanden: nichts. Hier könnt ihr euch besagtes Video selbst anschauen und vielleicht den ein oder anderen ermutigenden Kommentar da lassen!

Der Chef des kanadischen Cannabisproduzenten Tilray, Brendan Kennedy, hat es mit dem Börsengang seiner Firma zum Milliardär gebracht. Kennedy gilt mittlerweile nicht nur als reichster Mann im legalen Marihuanabusiness, er wird auch für seine Marktprognosen geschätzt.

 

Als einer der ganz wenigen sah er beispielsweise die medizinische Legalisierung in Südkorea, einem Staat mit traditionell restriktiver Drogen- und Cannabispolitik, voraus. Seine aktuelle Prognose betrifft die landesweite Cannabisfreigabe in den USA. Kennedy ist überzeugt davon, dass die bald kommt und er nennt auch eine konkrete Jahreszahl: 2021 soll die inzwischen fast ein Jahrhundert alte Prohibitionspolitik in den Vereinigten Staaten endgültig ein Ende finden. Weiterhin geht er davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt etwa 70 Nationen rund um den Globus Cannabis als Medizin erlaubt haben werden.

Nach dem Amtsantritt von Präsident Erdoğan im Jahr 2014 besann sich die Türkei, die international eine wichtige Rolle als Schnittstelle zwischen Europa und dem Nahen Osten darstellt, zuletzt immer stärker auf konservative Werte und probte die Abgrenzung vom Westen.

 

Zumindest im Bereich Cannabis weicht diese Haltung gerade einer euphorischen Goldgräberstimmung. Denn um der kriselnden türkischen Wirtschaft neues Leben einzuhauchen, plant Erdoğan, der jahrzehntelangen Stigmatisierung ein Ende zu setzen. Regierungstreue Medien stimmen bereits auf das Loblied des „grünen Schatzes“ ein, der so wunderbar vielseitig einsetzbar und in der türkischen Kultur schließlich auch fest verankert sei. In der Tat besaß die Türkei einst eine florierende Hanfindustrie, auch der Konsum von berauschenden Cannabisprodukten war in den Kaffeehäusern und in bestimmten muslimischen Orden an der Tagesordnung. Das Agrarministerium stellt nun Unterstützungen für zukünftige Hanfbauern in Aussicht, um den landwirtschaftlichen Umschwung zu befeuern.

 

Die emotionale Seite der Debatte bespielt der Präsident natürlich selbst, mit Hanf-Anekdoten aus seiner Kindheit und der Verteufelung der USA, die die internationale Cannabisprohibition zu ihrem eigenen Vorteil international durchgesetzt hätten. Doch bekanntlich stellen die Vereinigten Staaten die Welt momentan mal wieder auf den Kopf und so überrascht es nicht, dass die erneute türkische Hanfbegeisterung Gerüchten zufolge wohl auch mit einem Fingerzeig der US-Beratungsfirma McKinsey zu tun hat...

Das US-Cannabisunternehmen MedMen sorgt momentan mit einem spektakulären Werbeclip für Aufsehen. Das Unternehmen mit Niederlassungen in Kalifornien, Nevada New York und Florida beauftragte niemand geringeren als den Oscar-prämierten Regisseur Spike Jonze (Her, Being John Malkovich, Jackass), der für seine überbordende Kreativität und seinen schrägen Humor bekannt ist, mit der Regie des etwa zweiminütigen Spots.

 

Erzählt wird die Geschichte der Cannabisprohibition vom hanfanbauenden George Washington über den War On Drugs in 1980er-Jahren bis zur (teilweisen) Re-Legalisierung im Schnelldurchlauf. Und was soll man sagen? Spike Jonze jedenfalls macht seinem Namen mal wieder alle Ehre und beschert dem Zuschauer ein Fest für die Augen. Gedreht im Stil der "Mannequin-Challenge" fließen vermeintliche Standbilder ohne Schnitte ineinander über, während die Kamera wie schwerelos durch die kunstvoll arrangierten Tableaus gleitet. Das ist vielleicht nicht mehr ganz neu, so gut gemacht wie hier aber immer noch ein echtes Eye-Candy mit wichtiger Botschaft.

„Lieber schlau als blau“, ein Projekt zur Suchtprävention, sorgt zur Zeit für Aufruhr im ostdeutschen Templin. Besorgte Eltern steigen auf die Barrikaden, sollen doch im Rahmen des Programms heranwachsende Schüler mit Bier, Wein und Schnaps abgefüllt werden.

 

Stattfinden soll das Ganze direkt im Klassenzimmer, wo die Schüler unter Aufsicht der Lehrkräfte an das „vernünftige Trinken“ herangeführt werden sollen. Ein Formular, das hier eingesehen werden kann, fordert die Eltern doch tatsächlich dazu auf, anzukreuzen, wie viele „Trinkeinheiten (TE)“ ihren Sprösslingen für die Aktion erlaubt werden sollen. 0,33 Liter Bier, 0,2 Liter Wein, 0,3 Liter Alkopop oder sogar 0,04 Liter hochprozentiges zählen als eine TE. Maximum sind 4 TE, also zum Beispiel vier doppelte (!) Schnäpse. Das reicht, um selbst erfahrene Alkoholkonsumenten betrunken zu machen. Zumindest für alle noch nicht volljährigen Schüler bleiben aber wenigstens Schnaps und Alkopops aber tabu.

 

Schulleiterin Barbara Liedtke verteidigt das Projekt: „Es geht ja nicht ums Besaufen, sondern ums Beobachten der Folgen. Schüler, die sich rühmen, dass ihnen Alkohol nichts ausmacht, sollen erleben, dass sie doch nicht so stark sind.“ Ob das Projekt die gewünschten Effekte bringt, ist mehr als fraglich, allerdings nicht, woher die Unterstützung für das Projekt kommt: es wird seit Jahren aus Steuergeldern finanziert.