Cannabis- und Führerschein – das ist ein Thema für sich. Die gerade im Vergleich zum Alkohol übertrieben rigiden Richtlinien sind eines der größten Ärgernisse für hiesige Cannabisfreunde und machen Cannabiskonsum und Führerscheinbesitz im Prinzip unvereinbar. Ein Schelm, wer darin in erster Linie ein mächtiges Repressionsinstrument (gerade im Autoland Deutschland) anstelle eines verhältnismäßigen, zielgerichteten Sanktionierens von fahrlässigem Verhalten sieht. Was sich am Donnerstag in Kaiserlautern ereignet hat, muss daher, trotz der zur Schadenfreude einladenden Kuriosität des Vorfalls, mit Vorsicht genossen werden.  

 

Doch was war überhaupt geschehen? Auf der A6 fiel Polizisten ein junger Mann (20) in einem BMW auf, den sie dementsprechend zur Kontrolle herauszogen. Der durchgeführte Schnelltest signalisierte Cannabis im Körper, weshalb es schnurstracks zum Bluttest auf die Wache ging. Da sich der junge Mann unabhängig vom Ergebnis des zweiten Tests erst einmal nicht mehr hinters Steuer setzen durfte, kam sein 29-Jähriger Cousin zusammen mit einem 23-Jährigen Beifahrer zur Wache, um ihn abzuholen. So weit, so gut.

 

Doch dann kam es knüppeldicke: die Beamten bemerkten bei dem Cousin ebenfalls ein verdächtiges Verhalten und vermuteten Drogenkonsum. Ein weiterer Schnelltest, der ebenfalls Cannabisrückstände fand, bestätigte den Verdacht und führte dazu, dass ein weiterer Führerschein einkassiert wurde. Nun mussten also schon zwei junge Männer nach Hause kutschiert werden. Nur gut, dass auch noch der 23-Jährige Beifahrer des Cousins mit zur Wache gekommen war, könnte man jetzt denken. Doch man ahnt es schon, es kam, wie es kommen musste: ermutigt durch die beiden positiven Tests bei seinen Kumpels wurde nun auch der Dritte im Bunde einem Test unterzogen und auch diesmal war das Resultat positiv, der Führerschein dementsprechend bis auf Weiteres futsch. 

 

Auf die Männer kommt nun wohl ein mehrmonatiges Fahrverbot sowie eine BtmG-Anzeige zu. Wie die drei letztendlich von der Polizeistation nach Hause gekommen sind, oder ob sich inzwischen vielleicht noch weitere ihrer Freunde auf der Wache versammelt haben, ist unklar.

Ob Daniela Ludwig damals wohl bewusst war, welche Lawine sie mit ihrem mittlerweile berühmten Brokkoli-Vergleich lostreten würde? Wer weiß, vielleicht lacht sie sich ob der oft als Sarkasmus getarnten Empörung der Legalisierungsbefürworter heimlich ins Fäustchen. Man wird es wohl nie erfahren, muss aber konstatieren, dass, wenn auch bisher sonst nicht viel von ihr kam (und kommen wird), der „Brokkoli“ auf dem besten Wege dahin ist, Politik-Geschichte zu schreiben. Und wir waren live dabei. 

 

In einer sogenannten „Kleinen Anfrage“ der Linkspartei an die Bundesregierung taucht es nun erneut auf, das freche Kreuzblütengewächs. 25 Fragen zum Themenkomplex Cannabis und Repression hatte die Partei den Regierenden im September vorgelegt, nun sind die Antworten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Angesichts ihrer immer stärker schwindenden Argumentationsgrundlage, ist es nicht überraschend, wie schwer sich CDU und SPD mit den Antworten tun – das Herumlavieren erreicht mitunter unerträgliche Ausmaße. Tja, wenn man versucht, harte Fakten gemäß der eigenen völlig veralteten Ideologie zu verbiegen, dann knarzt es heftig im Gebälk. Nicht nur einmal werden Statistiken aus den USA auf äußerst kreative Weise umgedichtet und mit Spekulativem aufgebauscht. Wie auch schon bei der Bundestagsdebatte zum Cannabis-Kontrollgesetz lässt sich erahnen, dass die Legalisierung-Gegner den Stuss, den sie da so verzapfen, eigentlich selbst nicht mehr glauben.  

 

Doch, immerhin bei einer Antwort gibt es tatsächlich nix zu deuteln, klarer und faktenbasierter hätte die Replik tatsächlich nicht ausfallen können: 

Frage 5: „Wieso ist Cannabis kein Brokkoli?“ 

Antwort: „Cannabis (Cannabis sativa) ist eine Pflanzenart der Gattung Hanf (Cannabis), aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Brokkoli (Brassica oleracea) ist eine Pflanzenart der Gattung Kohl (Brassica) aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).“ 

 

An dieser Stelle stellt sich den Redakteuren des Highway-Magazins vor allem eine Frage: wann ist die Cannabis-Legalisierung eigentlich vollends zur Lachnummer verkommen?

Wer jetzt nichtsdestotrotz neugierig geworden ist und sich mal wieder ein bisschen aufregen (oder weinen) will, findet die auf 25 Antworten verteilte Ignoranz unserer Bundesregierung hier als PDF.

Bei der Wahl zum amerikanischen Präsidenten am 3. November wurden nebenher auch noch einige andere Wahlen abgehalten, so etwa in New Jersey, Arizona, South Dakota und Montana, wo die Bevölkerung darüber abstimmen durfte, ob man sich an das Cannabis-Verbot, das eigentlich in den Vereinigten Staaten von Amerika angeordnet ist, halten möchte – oder lieber nicht. Die Bürger entschieden sich in allen Staaten mit mehrheitlich dafür, Cannabis komplett freizugeben und zu legalisieren.

 

Somit haben in den USA nun bereits 15 Staaten (Alaska, Arizona,Colorado, Illinois, Kalifornien, Maine, Massachusetts, Michigan, Montana, Nevada, New Jersey, Oregon, South Dakota, Vermont, und der Staat Washington) sowie der District of Columbia (Washington, D.C.) und die US-Außengebiete Guam und die Nördlichen Marianen Cannabis zum Freizeitgebrauch vollständig legalisiert.

 

16 weitere Bundesstaaten und die Amerikanischen Jungferninseln haben den Freizeitgebrauch von Cannabis inzwischen dekriminalisiert. Der medizinische Gebrauch (mit Rezept) ist in 35 der 50 Staaten, vier der fünf Außengebiete der USA sowie dem District of Columbia legalisiert. Mississippi ist der neueste Zugang auf medizinischer Ebene, ebenfalls als Resultat der Wahl vom 3. November. Die übrigen Staaten haben bis auf Idaho und Nebraska zumindest CBD freigegeben. Somit gibt es praktisch kaum noch Staaten in den USA, wo man nicht Cannabis in der ein oder anderen Form legal erwerben kann.

 

In Oregon gab es auch weitere interessante Abstimmungen zur Behandlung von Drogen bzw. Drogenkonsumenten. Nicht nur wurden dort geringe Mengen Kokain und Heroin dekriminalisiert, sondern es wurde auch Psilocybin legalisiert, der Bestandteil sogenannter Magic Mushrooms.

 

Kassandra Frederique von der Interessensvertretung Drug Policy Alliance sagte, die Verabschiedung dieser Maßnahmen in Oregon zeige, dass die Wähler auf einen neuen Ansatz in der Drogenpolitik erpicht seien, um sie als Gesundheitsproblem zu behandeln und der Behandlung von Konsumenten Vorrang einzuräumen. Sie sagte, sie erwarte, dass andere Staaten dem Beispiel folgen würden, und erwähnte Bemühungen in Staaten wie Kalifornien, Vermont und Washington.

Vergangenen Donnerstag ging es mal wieder heiß her im Bundestag. Vor allem beim guten alten Cannabis-Thema gerieten die Gemüter so richtig in Wallung. Wer sich die Mühe macht, das Plenarprotokoll zu studieren (oder die entsprechende Videoaufzeichnung zu schauen), erkennt schnell, dass die Fraktion der Prohibitionsbefürworter, die ja inzwischen nur noch CDU/CSU/AFD umfasst, komplett ideologiegesteuert „argumentiert“, wobei wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert sowie Zahlen und Statistiken negiert bzw. sogar einfach falsch wiedergegeben werden.  

Wir vom Highway-Magazin haben uns erlaubt, ein paar der irrsinnigsten Zitate dieser Debatte rund um das Cannabis-Kontrollgesetz der Grünen zusammenzustellen und sie mit einem kurzen Kommentar aus der Redaktion zu versehen. Gehen wir also direkt in die vollen mit unserem Liebling Alexander Krauß von der CDU/CSU. Aufmerksamen Highway-Lesern könnte er aufgrund seiner Auslassungen in der Vergangenheit noch in schlechter Erinnerung geblieben sein. Seine Beschreibung San Franciscos, das seiner Meinung nach durch die Cannabislegalisierung zum Höllenpfuhl aus Obdachlosigkeit und Urinfontänen geworden ist, spricht Bände über den geistigen Zustand des gebürtigen Erlabrunners. Aber wie in der aktuellen Debatte klar wird, hat der Gute sein Pulver noch lange nicht verschossen:

 

„Acht von neun Tütchen, kann man sagen, werden weiterhin auf dem [kanadischen] Schwarzmarkt gekauft.“ 

Die Statistik spricht eine andere Sprache. Auch wenn der Schwarzmarkt zugegebenermaßen trotz Freigabe noch Bestand hat, werden laut Bloomberg Canada bereits über fünfzig Prozent des Cannabis auf legalem Weg erworben. Zudem ist die Legalisierung eben auch erst knapp drei Jahre her. 

„Auch die Illusion, es gibt dann ein sauberes Cannabis, ist natürlich unsinnig. Also, Entschuldigung, es gibt doch nicht nur die Wahl zwischen schädlich und schädlicher, sondern die Entscheidung sollte doch sein: Muss ich überhaupt etwas nehmen, was schädlich ist? Da kann ich nur sagen: Man muss überhaupt nichts Schädliches nehmen.“ 

Genau! Es ist doch ganz egal, dass seit Menschengedenken Drogen konsumiert werden. Wenn die CDU der Meinung ist, dass man einfach nichts (angeblich) Schädliches einnehmen muss, dann hat sich die Sache ein für allemal erledigt. Basta! Puh, Glück gehabt, dass Bier, Wein und Schnaps nicht schädlich sind... 

„Ich unterhalte mich sehr gern mit Wissenschaftlern, auch weil sie ein Studium haben, mit den Leuten, die in den Drogenkliniken arbeiten. Das kann ich jedem von Ihnen nur empfehlen. Sprechen Sie einmal mit den Leuten, die dann diese Menschen vor sich haben, etwa einen 28-Jährigen oder einen 30-Jährigen, und verfolgen Sie den Konsum zehn Jahre zurück! Wir hatten im Sächsischen Landtag eine Kollegin der Linkspartei, die mit 18 in den Landtag gewählt worden war, Immunität genoss durch ihr Mandat. Sie war der erste Fall, dass eine junge Frau das Gefühl hatte, sie müsste sich neben Eisenbahnschienen bewegen. Es war unklar, ob man sie für zurechnungsfähig erklären kann oder nicht. Um diese Leute, wenn die 30 Jahre alt sind, kümmern Sie sich dann nicht mehr, die fallen dann bei Ihnen durchs Netz, sind Ihnen dann egal. Ich finde, dass auch diese Menschen, die mit Einstiegsdrogen in diesem Bereich angefangen haben und dann zu härteren Drogen gekommen sind, es verdient haben, dass man ihnen weiterhilft.“ 

Hä? Hat der Alex seine Medizin etwa noch nicht bekommen? Der Arme redet schon wieder wirr, und das vor versammelter Mannschaft. Peinlich! 

„Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir brauchen kein Konjunkturprogramm für Drogendealer. Cannabis gehört weiterhin verboten, weil es der Gesundheit schadet.“ 

Eine komplett sinnlose Umkehrung des tatsächlichen Sachverhalts. Soviel Chuzpe muss man auch erst mal haben!

 

Krauß´ CSU-Kollege Stefan Pilsinger bläst gleich mal in dasselbe Horn: 

„Als Arzt und ebenso als Gesundheitspolitiker kann ich es also nicht verantworten, eine Substanz zu legalisieren, die nachweislich auch schädlich ist.“ 

Was soll man dazu noch sagen? Merken dieses Politkasper eigentlich gar nix mehr? Benötigt an dieser Stelle jemand ernsthaft noch eine Auflistung aller legal in Deutschland erhältlichen Substanzen, deren potenzielles Gesundheitsrisiko wissenschaftlich belegt ist? 

 

CDU/CSU und AFD verstehen sich offenbar bestens, wie man am folgenden Zitat von AFD-Mitglied Detlev Spangenberg sieht: 

„Außerdem ist es für mich erstaunlich, dass ausgerechnet die Fraktion der Grünen hier mit einer Erlaubnis kommt. Die Grünen zeichnen sich doch aus als Verbots-, Schikane- und Gängelpartei. Wieso wollen ausgerechnet Sie hier mal etwas gestatten? Ich habe darüber lange nachgedacht. Ich kann es mir nur so erklären, dass Sie Ihrer Klientel noch mehr das Gehirn vernebeln wollen.“ 

Und das aus dem Mund eines Politikers, dessen eigene Klientel nicht gerade geistige Beweglichkeit bekannt ist? Komplett indiskutable Äußerung, die einer Bundestagsdebatte nicht würdig sein sollte, sich hier aber leider perfekt einfügt. Danke Merkel! 

 

Christoph Ploß ergreift einmal mehr für CDU/CSU das Wort und versucht, sich als sorgenvoller Mahner zu gerieren, dem nur das Wohl der Bevölkerung am Herzen liegt: 

„Wir werden nicht den Weg der Legalisierung gehen; denn er bedeutet unsägliches Leid, er bedeutet, dass es zu Abhängigkeiten kommt, dass es Therapien geben muss, dass viele Menschen darunter leiden. Wir werden stattdessen den Weg der Prävention einschlagen.“ 

Da das Konstrukt aus Prohibition und Prävention ja schon seit einem Jahrhundert nicht funktioniert, sollte man es am besten auch die nächsten 10.000 Jahre auf diesem Weg versuchen, das klingt logisch. Den Zusammenhang zwischen Legalisierung und Prävention muss ihm anscheinend mal jemand genau erklären.  

„Cannabiskonsum ist der Einstieg in das harte Drogengeschäft.“ 

Ah, keine Cannabisdebatte wäre je vollständig ohne die gute alte Einstiegsdrogen-Theorie. Das blöde ist nur, dass sie klipp und klar widerlegt wurde. Das sieht neben dem globalen Wissenschaftsbetrieb übrigens auch das Bundesverfassungsgericht seit den 90er-Jahren so. 

„Nein, die [Zwischenfrage] lasse ich jetzt nicht zu.“ 

„Nein, [keine Zwischenfrage] danke. Wir hatten, glaube ich, schon genügend Austausch.“ 

In einer Debatte keine Fragen zuzulassen, ist immer ein gutes Zeichen. Am liebsten wäre dem Chrissibär wohl ein kompletter Verzicht auf Austausch. Bei seiner lächerlichen Haltung auch kein Wunder. 

 

Angesichts dieser geballten Ignoranz tun dem deutschen Cannabisfreund zurecht Herz und Hirn weh. Schließen wir also wenigstens mit einem versöhnlichen Zitat von Martina Stamm-Fiebig aus den Reihen der SPD: 

„Vor allem soll Cannabis kontrolliert an die Gruppen abgegeben werden, die ihn haben möchten.“ 

Ja genau, gebt endlich den Cannabis frei! Äh... den Hanf natürlich!

Aus Neuseeland muss leider ein Rückschritt für die globale Legalisierungsbewegung vermeldet werden.

 

Per Referendum wurde die Bevölkerung im Rahmen der Parlamentswahlen Mitte Oktober nach ihrer Meinung zum Thema Cannabisfreigabe befragt. Nun liegt eine erste Auswertung der Stimmen vor. Über das Resultat dürften nicht nur die Unternehmen des Cannabusiness enttäuscht sein, sondern auch zahlreiche Konsumenten: etwa 53 Prozent der Wähler stimmten gegen einen kontrollierten Verkauf, nur rund 46 Prozent dafür.

Aber könnte trotz des klaren Resultats doch noch ein kleiner Hoffnungsschimmer für die neuseeländischen Cannabisfreunde bestehen? Die Chancen stehen schlecht: zwar sind 17 Prozent der Stimmen noch nicht ausgewertet, doch leider ist es laut Experten mehr als unwahrscheinlich, dass am Ende die Befürworter die Oberhand gewinnen. Des Weiteren ist das Referendum für die Regierung zwar nicht bindend, eine Handlung entgegen des nun zum Ausdruck gekommenen Wählerwillens wird aber nicht erwartet.

 

Premierministerin Jacinda Ardern gab nach Bekanntgabe der Ergebnisse übrigens ihre persönliche Präferenz bekannt: sie hatte nach eigenen Angaben pro Cannabis gestimmt. Hätte die Bevölkerungsmehrheit ebenso entschieden, hätten Verkauf, Besitz, Konsum und Anbau von Freizeit-Cannabis gesetzlich reguliert werden können. Die in Neuseeland bestehenden Medizinalcannabis-Gesetze bleiben von dem Resultat der Volksbefragung aber unangetastet.

„Nur weil Alkohol gefährlich ist (...), ist Cannabis kein Brokkoli. Okay?“

 

Bundesdrogenbeauftragte Ludwig – die deutsche Cannabiscommunity hat sie spätestens seit diesem Statement gegenüber Journalist Tilo Jung so richtig ins Herz geschlossen – verwies kürzlich gemeinsam mit Heidrun Thaiss von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in einer Pressekonferenz auf ein Informationsportal, das ihre neue „Kiffen ist nicht cool“-Kampagne unterstützen soll: www.cannabis-fakten.de.

 

Ein „Informationsportal“ über Cannabis aus der „Feder“ einer CSU-Drogenbeauftragten? Da schrillen nicht nur bei erfahrenen Legalisierungsbefürwortern und –aktivisten zurecht sämtliche Alarmglocken. Das beste, was dabei herauskommen kann, ist, dass sich die CSU bei den Ü-50-Jährigen (einmal mehr) komplett blamiert. Im schlimmsten Fall jedoch entsteht hier eine professionelle Des-Informationsplattform voller Negativpropaganda und Halbwahrheiten, die die Klippen des Trashs gerade noch so umschiffen kann.

 

Am besten erst gar kein Risiko eingehen, dachte sich da wohl der Deutsche Hanfverband (DHV) und hat kurzerhand selbst ein Info-Portal aus dem Boden gestampft, das im Gegensatz zu Ludwigs Seite nicht nur längst online steht (wie war das nochmal mit den antriebslosen Kiffern?), sondern auch tatsächlich sachliche und neutrale Fakten zum Thema Cannabis präsentiert. Umso besser ist, dass www.cannabisfakten.de auch noch mit einem cleanen Design fernab von Rasta-Klischees und dicken Tüten punkten kann. Da kann man nur gratulieren und den CDU/CSU-Abgeordneten empfehlen, direkt mal einen Blick auf die neue Website zu werfen. Und wer weiß, vielleicht lässt sich ja selbst Drogen-Dani von dem ein oder anderen DHV-geprüften Cannabisfakt inspirieren.

 

Begleitet wird das neue DHV-Projekt übrigens von einer Großplakat-Kampagne, die im Oktober startet. Also Cannabisfreunde – Augen offen halten und allen Interessierten (und Uninteressierten) von „cannabisfakten.de“ erzählen!

Fake-News-Alarm! Diesmal trifft es den Tagesspiegel, der sich nicht zu schade war, ein starkes Stück Anti-Cannabis-Lektüre unter die Leute zu bringen, die im besten Fall einfach „nur“ schlecht recherchiert wurde oder, schlimmer noch, tatsächlich mutwillig zur Desinformation der Leserschaft beitragen soll. Von Wissenschaftsredakteur Patrick Eickemeier, studierter Journalist und Biologe, sollte man so oder so etwas Wertigeres erwarten dürfen – ansonsten kann es nur heißen: sorry, Beruf verfehlt!

 

Unter dem alarmierenden Titel „Hochkonzentrierte Cannabisprodukte gefährden geistige Gesundheit“ wird zur Einstimmung einmal mehr das Lied vom angeblich immer stärker werdenden Cannabis gespielt: „Mittlerweile sind Sorten erhältlich, die sich zum Hippiekraut von anno dazumal so verhalten, wie Schnaps zu Alsterwasser mit Limo: bis zu 50 Prozent THC-Gehalt gegenüber einem Prozent“, heißt es da etwa an einer Stelle. 

 

50 Prozent THC? Wow, wo kriegt man das Kraut? Spaß beiseite, an dieser Aussage ist gleich so viel falsch, dass man gar nicht weiß, wo man mit der Richtigstellung anfangen soll! Zunächst einmal kann ganz unumwunden festgehalten werden, dass das amerikanische Szene-Urgestein, das „High Times“-Magazin, die Sorte „Godfather OG“ als die THC-reichste im Jahr 2020 erhältliche Sorte darstellt. Ohne Frage, eine hochqualitative und auch starke Cannabissorte, aber mit einem THC-Wert von (je nach Messverfahren) knapp über 30 Prozent doch weit unter dem im Tagesspiegel genannten Level. Einmal abgesehen davon, dass Samenbanken bekannterweise die Cannabinoid-Werte ihrer Kreationen gerne mal etwas zu optimistisch angeben, liegen die 50 Prozent so weit vom Machbaren entfernt, dass sich Breeder mit einer Angabe in dieser Größenordnung wohl einfach nur lächerlich machen würden und in der Branche ziemlich schnell als unseriös wahrgenommen werden dürften. Wo der Tagesspiegel und Herr Eickemeier die hohe Zahl her nehmen, bleibt unklar. Außerdem muss klar sein, dass ein derartiges hochprofessionell angebautes Top-Shelf-Produkt wie „Godfather OG“ für den deutschsprachigen Durchschnittskonsumenten überhaupt nicht leicht (wenn überhaupt) zu bekommen ist. Papperlapapp, beim Tagesspiegel weiß man: wenn sich der Ottonormalkiffer in Klein-Oberurselbach an der Straßenecke beim Dealer mit der sprichwörtlichen „deutschen Hecke“ eindeckt, dann purzeln die THC-Rekorde nur so.  

 

Nochmal so richtig die Blöße gibt man sich dann im letzten Teil des Textes, der sich um die Eigenschaften von Cannabis- und Tabakrauch dreht: „Ein weiteres Problem sind Erkrankungen der Atemwege bei Cannabisrauchenden: gehäufte Auftreten von Bronchitis sowie Entzündungen der Nasen- und Rachenschleimhaut sind dokumentiert, könnten aber auf den inhalierten Tabakrauch zurückzuführen sein. Cannabisrauch enthält mehr Teer und krebserregende Stoffe als Tabakrauch. Auftretende Krebserkrankungen könnten aber auch auf das Tabakrauchen zurückzuführen sein.“ 

 

Tatsächlich hat der Leser hier einen Absatz vor sich, der überhaupt gar nichts, einfach Nullkommanix, aussagt und dementsprechend eigentlich in der Korrektur hätte entfernt werden müssen. Aber, was soll’s, ein Lektorat kostet viel Geld und so genau schauen die Leser ja doch nicht hin, nicht wahr, lieber Tagesspiegel? Die Leserkommentare unter dem Artikel sprechen allerdings eine andere Sprache. Dass das Geschriebene dem aktuellen Stand der Wissenschaft eindeutig widerspricht, haben sie dann offenbar doch erkannt. Kein Wunder, dazu reicht eine viertelstündige Google-Recherche. Beispielhaft soll an dieser Stelle auf den Artikel der neuseeländischen „Drug Foundation“ und auf diese US-Studie aus Colorado verwiesen werden. Zum Thema Vaporizer, der die Diskussion um die gesundheitsschädliche Qualität des Rauche(n)s komplett ad absurdum führt, schweigt der Autor lieber gleich ganz.

Immer wieder gibt es gute Gründe, wegen denen Cannabisenthusiasten enthaltsam sein müssen oder es freiwillig sein möchten. Sei es vielleicht, weil der Dealer gerade einen Lieferengpass hat oder vielleicht auch, weil einem der eigene Konsum zu hoch erscheint. Normalerweise fällt ein Stopp oder eine vorübergehende Unterbrechung des Konsums leicht und es baut sich auch kein nennenswerter Konsumdruck auf. Aber es gibt auch einen kleinen Teil von Cannabiskonsumenten, der nach langen Konsumphasen ohne Cannabis dann plötzlich Probleme bekommt. Unruhe, Schweißausbrüche und andere Symptome erschweren dann vor allem in den Anfangstagen die Abstinenz und lassen viele erneut resigniert zu Marihuana oder Haschisch greifen. Nicht nur Friedbert Weiss, der zurzeit als ordentlicher Professor die Abteilung für Neurowissenschaften an einer Universität in Kalifornien leitet, sondern auch viele Freizeitkonsumenten, haben nun ein Mittel gefunden, das da Abhilfe schaffen kann. Es ist kaum zu glauben, aber es ist ein Bestandteil des Harzes der weiblichen Cannabispflanze – und zwar das in letzter Zeit zu einiger Berühmtheit gekommene Cannabinoid CBD (Cannabidiol). Wie dieses beim Beenden des Cannabiskonsums zu Rauschzwecken helfen kann, soll im Folgenden beleuchtet werden.   

 

Dazu vorab ein paar Informationen zu CBD und THC (Tetrahydrocannabinol). Diese beiden wichtigen Cannabinoide sind in unterschiedlichen Konzentrationen vorwiegend im Harz der weiblichen Cannabispflanze enthalten. Während THC hauptsächlich für den Rausch verantwortlich ist, wird CBD in der Wirkung unterschätzt. Es ist durchaus ein hochwirksames Cannabinoid, das aber alleine eingenommen keine bewusstseinsverändernde Wirkung zeigt. Erst in Kombination mit THC beeinflusst es den Rausch und es wird vermutet, dass ein Cannabisrausch ohne kleine Anteile CBD eher unangenehm ist. Leider sind die Wechselwirkungen nur ungenügend untersucht, sodass noch keine allumfassenden Aussagen getroffen werden können. Bekannt ist aber, dass CBD, wie auch THC, das körpereigene Endocannabinoidsystem beeinflusst – allerdings ohne einen Rausch zu erzeugen. Und das ist jetzt der Clou, der den Entzug von Cannabis erleichtert. Durch die Gabe von CBD wird der Stoffwechsel in unserem Denkorgan so verändert, dass es dem Körper nicht mehr so stark das Fehlen von THC signalisiert, wie es bei manchen Personen der Fall ist. Und damit sind die meisten psychisch begründeten Schwierigkeiten beim Cannabis-Stopp bereits nahezu verschwunden. Sicherlich fragen sich jetzt einige, wie sie ihre Abkehr von THC mit CBD denn in der Praxis gestalten können.

Das ist, wenn der feste Wille vorhanden ist, eigentlich recht einfach: als erste Maßnahme wird dafür gesorgt, dass sich ein gewisser Grundpegel von CBD im Körper einstellt. Dazu empfiehlt sich die Einnahme von Kapseln. Diese wirken zwar erst nach einer Weile, in der Regel nach einer bis zwei Stunden, dafür aber für eine längere Zeit. Sechs bis acht Stunden hält die Wirkung an, also wird morgens und nachmittags je eine Kapsel eingenommen. Die Tagesdosis ist individuell verschieden, liegt bei den meisten Menschen aber bei 25 Milligramm. Wird ein schnellerer Effekt gewünscht, dann können CBD-Öl, CBD-Kristalle oder ein alkoholischer CBD-Extrakt unter die Zunge geträufelt werden. Dort belässt man es für 60 Sekunden und nach etwa 15 Minuten setzt dann die Wirkung ein. Noch rascher wirkt CBD, wenn es inhaliert wird. Vermutlich gesundheitlich besser als das Rauchen ist es, die Blüten in einem entsprechenden Gerät zu erhitzen und den Dampf zu inhalieren. Alternativ kann auch eine elektrische Zigarette mit einem Liquid befüllt werden, das CBD enthält. Mit diesen Verdampfern wird dann plötzlich auftretendes Verlangen in der Regel rasch befriedigt.  

 

Doch mit welchen „Entzugserscheinungen“ muss man als Cannabiskonsument überhaupt rechnen? Normalerweise mit keinen wirklich schlimmen oder gar schmerzhaften Beeinträchtigungen. Im Verhältnis zum Alkohol- oder Opiatentzug sind die Symptome lächerlich und die allermeisten Konsumenten schaffen eine Konsumunterbrechung problemlos und ohne Hilfe.

 

Psychisch begründete Auffälligkeiten können sich in Schlafproblemen, gelegentlichen Alpträumen und manchmal sogar in Angst, Unruhe oder Aggressionen äußern. Dies liegt daran, dass das Gehirn bei regelmäßigem Konsum der betäubenden Wirkung der Droge entgegensteuert, um seine Funktion sicherzustellen. Dazu produzieren die Synapsen zusätzliche Botenstoffe. Fällt der Wirkstoff weg, sind zu viele dieser Stoffe aktiv und das führt zu übersteigerter Hirnaktivität. Der ehemalige Konsument fühlt sich fahrig und ist unruhig. Eine ganz normale Sache, die aber durch weitere Gabe von CBD ausgeglichen werden kann. Treten hingegen Müdigkeit und Depressionen auf, ist die Sachlage eine andere. Manche nehmen ja Cannabis, um ihre chronische Niedergeschlagenheit selbst zu behandeln. Und diese kehrt nach dem Absetzen der Droge natürlich zurück. Dauert dieser Zustand längere Zeit an, sollte vielleicht ein fachkundiger Arzt aufgesucht werden. Cannabis macht kaum physisch abhängig, doch in Ansätzen ist dies gelegentlich zu beobachten. Beispielsweise können sich Schwitzen und verminderter Appetit einstellen. Die Symptome verdienen jedoch keine sonderliche Beachtung, sie vergehen meist binnen weniger Tage.  

 

CBD kann übrigens kaum überdosiert werden, eine Dosis von bis zu 1.500 Milligramm täglich gilt als gesundheitlich absolut unbedenklich. Das ist rund das 60-fache von dem, was für die meisten Menschen als tägliche Dosis ausreicht. Theoretisch gibt es natürlich auch eine Überdosis, wie bei jedem anderen Stoff auch, aber in der Realität stirbt kein Mensch an einer Überdosis CBD. Auch die Nebenwirkungen sind zu vernachlässigen. Außerdem haben frisch gebackene Ex-Kiffer ja auch beim herkömmlichen Cannabisgenuss bereits beachtliche Mengen CBD konsumiert. Je Joint werden etwa zwischen zwei und zwanzig Milligramm aufgenommen, je nach Sorte sogar noch mehr. Alles in allem ist die Einnahme von CBD ungefährlich, gesund und hilft bei der THC-Entwöhnung.

Der Anti-Cannabis-Front brechen so langsam aber sicher die Argumente weg. Die seit Jahr und Tag wichtigste Säule dabei, das wackelige Konstrukt des angeblich steigenden Konsums unter Jugendlichen nach der Freigabe, ist schon in sich zusammengefallen. Spätestens seit die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags in einem Papier über die entsprechenden Datenlage informiert hat, dürfte das auch der CDU klar sein.

 

Die andere tragende Stütze im Prohibitions-Narrativ, die auch Drogenbeauftragte Ludwig in Interviews immer wieder aufbaut, ist die angeblich nicht abebbende Popularität des Schwarzmarkts. Ganz nach dem Motto: bringt doch eh alles nix! Tja, aber auch damit hat es sich wohl bald erledigt, wenn man sich die neusten Zahlen aus Kanada anschaut.

 

Bloomberg Kanada berichtet aktuell, dass die Cannabis-Gesamtausgaben der kanadischen Haushalte im zweiten Quartal 2020 auf dem legalen Markt erstmals die für den illegalen Schwarzmarkt überstiegen haben. Es stehen 648 Millionen Kanadische Dollar durch Freizeitcannabis zuzüglich 155 Millionen durch Patienten umgesetzte Kanadische Dollar, also 803 Millionen Kanadische Dollar (knapp 517 Millionen Euro) an legalem Cannabisgeld, 784 Millionen Kanadischen Dollar (ca. 504 Millionen Euro) an illegalen Schwarzmarkteinnahmen gegenüber. Damit hat die legale Cannabisindustrie einen wichtigen Meilenstein setzen können, dem in Zukunft wohl noch weitere folgen werden. Das ist natürlich eine gute Sache für das dortige Cannabusiness, genauso wie für die vielen Konsumenten, die sich offenbar mehr und mehr für die Vorzüge der Legalität begeistern können (oder nach einigen Anlaufschwierigkeiten auch endlich einfach besser versorgt werden).

 

Die neuen Daten sind aber auch von enormem Wert für die weniger begünstigten Länder wie zum Beispiel die Bundesrepublik, die sich nach wie vor mit reaktionären (Regierungs-)Ansichten rund ums Thema herumschlagen muss. Denn ab jetzt kann sich Drogen-Dani eben nicht mehr so einfach vor die versammelte Presselandschaft stellen und herumposaunen, dass eine Legalisierung in puncto Verdrängung des Schwarzmarkts sowieso nichts bringe. Okay, okay, erwischt! Nicht, dass sie die neuen Erkenntnisse daran hindern würde, das wider besseren Wissens weiterhin zu tun. Denn bis sich die Entwicklungen bei CDU/CSU herumgesprochen haben, werden wohl noch fünfzig Jahre ins Land ziehen. Aber immerhin wäre es in dem Fall dann für den Normalbürger leicht nachzuprüfen, dass es sich um eine glatte Lüge handelt.

 

Zum ersten Mal seit Bestehen des Highway-Magazin möchten wir unsere Leser an dieser Stelle auf eine Nachricht hinweisen, die absolut nichts mit dem Thema Cannabis zu tun – und doch dem ein oder anderen Cannabisfreund aus Schadenfreude ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubern dürfte.

 

Ausgerechnet in München wurde Ende vergangener Woche im Rahmen der Corona-Pandemie vom Oberbürgermeister ein siebtentägiges nächtliches Alkoholverbot verhängt. Das muss man (vor allem als Münchener) erst einmal sacken lassen: erst wird das Allerheiligste des trink- und schunkelfreudigen Bajuwaren, das Oktoberfest, abgesagt und jetzt auch noch ein siebentägiges Alkohol-Konsumverbot ausgesprochen. Gut, die Maßnahme gilt nur in der Öffentlichkeit und nur ab 21 Uhr (Verkauf) bzw. 23 Uhr (Konsum), aber immerhin handelt es sich doch um ein Grundnahrungmittel! Ab 6 Uhr morgens darf der Münchner dann übrigens auch in der S-Bahn wieder zur Pulle greifen.

 

Wie man sich vorstellen kann, steht München nun Kopf. Einem Kläger, der sogleich gegen das Verbot klagte, wurde vom Verwaltungsgericht bereits stattgegeben, doch der Oberbürgermeister stellt sich quer. Nun soll der Bayerische Verwaltungsgerichtshof als letzte Instanz über die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme entscheiden. Am ersten Verbotswochenende kam es wider Erwarten übrigens noch nicht zu Volksaufständen, allerdings herrschte auch Regenwetter und die öffentlichen Flächen und Parks waren dementsprechend verwaist.

 

Als leidgeplagter Cannabisfreund möchte man den Bürgern Münchens nun gerne so Vieles sagen. Zum Beispiel, dass man ja auch mal ein paar Tage ohne Alkohol auskommen könne. Oder, dass man sich ja nicht beschweren müsse, wenn man von der Polizei wegen Alkoholkonsums abgestraft werde, schließlich zwinge einen ja keiner, sich über das Verbot hinwegzusetzen, um dennoch zu trinken. Oder, dass es sich doch eigentlich um gar keine so schlechte Entwicklung handele, schließlich gebe es in Deutschland ja bereits genug Volksdrogen, die viel Schaden anrichteten. Auch und gerade im Hinblick auf den so wichtigen Jugendschutz. Aber, aber, wer wird denn gleich so nachtragend sein? Vielleicht reicht auch einfach nur ein versöhnlicher Hinweis darauf, dass sieben Tage immer noch besser sind als Hundert Jahre.