„Es ist das erste Mal, dass auf Bundesebene so umfangreiche und vielseitige Infos über Cannabis publiziert werden“, so die vollmundige Ankündigung Ludwigs. Das klingt ja fast wie eine Drohung.    

 

Wenn die Bundesdrogenbeauftragte und ihr Team versuchen, Jugendliche anzusprechen, dann ist normalerweise Fremdschämen vorprogrammiert. Allerdings handelt es sich bei der aktuellen Cannabis-Präventionskampagne nicht um irgendein aufgewärmtes Angebot aus den Untiefen der behördlichen Archive, sondern um ein echtes Prestigeobjekt von Daniela Ludwig, das mit einigem Presserummel angekündigt wurde und das die Jugendlichen diesmal wirklich „abholen“ soll. Dafür wurde eigens ein Kreativwettbewerb ausgerufen, um am Ende nur die besten Fachleute und Konzepte für das Anliegen zu gewinnen. Na, na, dann kann es ja am Ende doch nicht so schlimm sein, oder?

Das Gegenteil trifft zu. Vor allem die Social-Media-Kampagne „Mach dich schlau“, neben der Website „cannabisprävention.de“ eine der beiden Säulen der Kampagne, macht regelrecht fassungslos. Als Herzstück umfasst sie eine Handvoll kurzer Clips, die den Jugendlichen die Gefahren von Cannabis in Form von Sketchen (puh) vor Augen führen sollen. Aber wie das in die Hose geht, das muss man wohl gesehen haben, um es zu glauben! Grottige Produktionsqualität, dämliche Plots – das Ganze kommt rüber wie eine Gruppenarbeit aus der Sekundarstufe 1, bei der der Video-Nerd blau gemacht hat – mit dem Unterschied, dass dieser Videomüll insgesamt wohl viele zehntausend Euro gekostet haben dürfte. Der Ansatz, die Jugendlichen, an die sich die Botschaft richtet, miteinzubeziehen mag ja durchaus legitim sein – darf aber keine Entschuldigung für ein lächerliches Ergebnis wie dieses sein. Wenn das das bestmögliche ist, das Deutschland in Sachen Präventionskampagne auf die Beine stellen kann, dann sollte Daniela Ludwig den Mund diesbezüglich besser nicht so voll nehmen.

 

Wenn etwa der von der letzten Session noch etwas verpeilte Maxim vor verschlossener Schultür steht, verdutzt seinen Lehrer anruft und erfährt (Achtung Pointe), dass doch Samstag sei und dementsprechend die Schule geschlossen, dann bleibt wahrlich kein Auge trocken – ob jung oder alt, ob Cannabisfreund oder nicht, die unfreiwillige Komik entgeht hier niemandem. Das ist das Niveau, um das es hier geht und auf dem sich auch die weiteren Filmchen bewegen. Möglicherweise würden sich, wenn überhaupt, Grundschüler von dem Gezeigten beeindrucken lassen – nur sind die eben nicht Ziel der Bemühungen, sondern eben Pubertierende, die bekanntlich einen besonders feinen Radar haben, um Anbiederung und Bevormundung aus meilenweiter Entfernung zu erkennen.    

Kurz gesagt: viele Jugendliche dürften sich von dem Angebot schlicht und ergreifend verarscht fühlen und sich beim nächsten Joint mit ihren Freunden über die Kampagne kaputtlachen – so sie sie denn überhaupt wahrnehmen.

 

Einen mehr als faden Beigeschmack hinterlassen übrigens auch die vielen biergeschwängerten Social-Media-Posts des „coolen“ Neuköllner Lehrers (und Mediensau) Robin Grimm, der auch in den Mach-dich-schlau-Clips die Rolle des Lehrers und mahnenden Aufkläreres übernimmmt. Aber seht selbst:

 

Als Bildunterschrift schrieb Grimm zu diesem Foto: „Ich atme, also trink´ich. Prost Weihnachten Kinder“

 

Impressionen einer Weihnachtsfeier

 

Auf der Piste gehört das gute Stiegl Pils selbstverständlich dazu

 

Mit Wikinger-Met Babo werden? Wer es nötig hat...

 

Wer jetzt glaubt, wir hätten uns bloß die Rosinen aus seinen zahlreichen Posts herausgepickt, ist herzlich eingeladen mal selbst durch seinen Feed zu scrollen. Das kühle Blonde spielt in vielen von Grimms Posts eine präsente Rolle. Ist ja auch nicht verboten, aber als Saubermann sollte man sich dann vielleicht auch nicht unbedingt aufspielen, oder? Bezeichnend, dass Daniela Ludwig und ihr Team bei der Vergabe des Kampagnen-Zuschlags wohlwollend darüber hinweg gesehen haben.

 

Über den Instagram-Account „mach.dich.schlau.tipps“ kann man sich die Clips anschauen. Viel Spaß und Kotztüte bereithalten!