Ups, was ist denn da los? Wenn es einen Grund dafür gibt, dass Cannabis hierzulande noch immer nicht legal ist, dann dürfte das wohl die CDU/CSU sein. Seien es die verkrusteten ideologischen Scheuklappen (schlimm) oder simple Lobbyhörigkeit (noch schlimmer) – Marihuana gilt unter Christsozialen nach wie vor als „Teufelskraut“, fast so, als befände man sich noch immer in den miefigen Sechzigerjahren. Wenn es dann doch mal einen Querschläger in den eigenen Reihen gibt, dann ist das zumindest erfreulich, auch wenn es an der Gesamtsituation vorerst freilich nichts ändern wird.

 

Deswegen ist es schön zu hören, dass sich Julian Brüning, seines Zeichens CDU-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Jungen Union (JU) Brandenburg, gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) durch eine unübliche Sichtweise auszeichnet, mit der er glücklicherweise nicht hinter dem Berg hält. Der 21-Jährige beweist nicht nur, dass niemand so schnell altert wie Mitglieder der JU (siehe Bild), sondern vor allem, dass es innnerhalb der CDU offenbar doch noch ein paar Stimmen der Vernunft gibt.

 

Nicht nur sieht er Cannabis als ein für die kommende Bundestagswahl wichtiges Thema, er plädiert für staatlich kontrollierten Anbau und ein Coffeshop-System nach Vorbild der Niederlande. Nur hoffentlich dann ohne deren Schattenwirtschaft, möchte man als Cannabisfreund ergänzen. Brüning schlägt dazu sogar ein Pilotprojekt in seiner Heimat Lausitz vor, um verlorene Braunkohle-Jobs aufzufangen. Auf seinem Facebook-Account findet sich darüberhinaus ein verkappter Werbe-Post für den angesagten Aktivkohlefilter-Hersteller Purize, dessen Firmensitz sich ebenfalls in der Lausitz befindet: „Purize verfolgt die Vision, genussorientierten RaucherInnen – mit Hilfe eines Aktivkohlefilters – ein deutlich schadstoffreduziertes und angenehmeres Raucherlebnis aufzuzeigen. Für Tabak- und auch Cannabiskonsum. Letzteres müsste natürlich noch legalisiert werden“, so der Wortlaut des Beitrags. Da platzt CDU-Oberhetzer Alex Krauß doch glatt die Hutschnur!    

 

Die JU, ansonsten eher durch eine erzkonservative Ideologie auffällig, die die Bundespartei in Sachen Rückwärtsgewandtheit sogar noch übertrifft, war übrigens auch politische Kinderstube von Finn Age Hänsel, Gründer der Sanity Group, die auch das CBD-Unternehmen Vaay umfassst.

 

Die niederländische Hauptstadt Amsterdam ist rund um den Globus als Kiffer-Mekka bekannt. Aus aller Herren Länder reisen Cannabisfreunde an, um sich an den Marihuana-Beständen der momentan noch 166 geöffneten Coffeeshops gütlich zu tun. Doch jeder, der der Grachtenstadt schon einmal einen Besuch abgestattet hat, weiß, wie sehr die Metropole unter den Menschenmassen ächzt. Das kann man auch als Cannabisfreund und Legalisierungsbefürworter durchaus anerkennen. 

 

Die inkonsequenten niederländische Cannabisgesetze tragen ihren Teil dazu bei, die Situation durch die völlig unnötige Kriminalisierung der Cannabis-Produzenten noch zu verschlimmern. Das Triumvirat aus Bürgermeisterin, Staatsanwalt und Polizei will dem ausufernden Treiben nun endgültig einen Riegel vorschieben, indem Coffeeshop-Produkte nur noch an Personen abgegeben werden sollen, deren dauerhafter Wohnsitz sich in den Niederlanden befindet.  

 

Dementsprechend würden viele Shops, die zur Zeit noch gute Geschäfte machen, überflüssig. Laut „De Telegraaf“ steht eine Zahl von nur noch 68 Coffeeshops im Raum, die Studien zufolge voll und ganz ausreichen würden, die Einwohner sowie die niederländischen Touristen mit Cannabis zu versorgen, was für die übrigen 98 Shops wohl das Aus bedeuten würde. Auch soll die Schattenseite des halblegalen Coffeeshop-Businesses endlich transparent gestaltet werden. Gleichzeitig soll ein Gütesiegel nach dem Vorbild der Stadt Haarlem eingeführt werden: Coffeeshops, die bestimmte Kriterien erfüllen bzw. übertreffen, können mit bevorzugter Behandlung seitens der Behörden rechnen. 

 

Die Initiatoren des Vorstoßes verschweigen allerdings auch nicht die Nachteile des Umbruchs: so wird, zumindest kurzfristig, ein starkes Aufflammen des unkontrollierten Straßenverkaufs befürchtet, der die Bedürfnisse der Touristen während der Übergangszeit mit Sicherheit nicht ignorieren wird. Dem Stadtparlament wird es nun obliegen, die Vor- und Nachteile der Planungen abzuwägen. In Anbetracht der Restriktionen, die die Hauptstadt-Coffeeshops bereits im Laufe des vergangenen Jahrzehnts über sich ergehen lassen mussten, ist es durchaus im Bereich des Möglichen, dass Amsterdams Tage als Kiffer-Mekka bald gezählt sind...

Der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, lässt in Sachen Cannabis-Legalisierung  nicht locker. In einem Tweet vom gestrigen Mittwoch kündigte der Demokrat einen (Gesetzes-)Vorschlag für eine Freizeit-Regulierung von Cannabis an.

 

„Ich kündige einen Vorschlag an, Cannabis zu legalisieren und ein gerechtes Cannabis-Programm für Erwachsene in NYS zu schaffen. Dieses Programm wird dringend benötigte Einnahmen generieren, während es uns erlaubt, diejenigen zu unterstützen, die durch Jahrzehnte einer gescheiterten Cannabis-Prohibition am meisten geschädigt wurden.“

 

Was würden hiesige Cannabis-Enthusiasten bloß dafür geben, diesen Satz aus dem Mund eines deutschen Regierungspolitikers zu hören? Cuomos Vorschlag beeinhaltet den legalen Verkauf von Cannabisprodukten in lizensierten Shops an Erwachsene ab 21 Jahren und stellt Steuereinnahmen in Höhe von 300 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 244 Millionen Euro) in Aussicht.

 

Schon seit ein paar Jahren hat sich Cuomo in das Cannabis-Thema „verbissen“, konnte auch durchaus schon Erfolge auf dem Feld verbuchen. Dank seines Engagements wurden kleinere Cannabis-Delikte 2019 auf die Stufe einer Ordnungswidrigkeit heruntergestuft. Kommenden Dienstag wird Gouverneur Cuomo seine Legalisierungspläne in der jährlichen Rede zur Lage der Nation ausführlich ansprechen, so schätzen politische Beobachter.

 

Vergangenen Donnerstag ging es mal wieder heiß her im Bundestag. Vor allem beim guten alten Cannabis-Thema gerieten die Gemüter so richtig in Wallung. Wer sich die Mühe macht, das Plenarprotokoll zu studieren (oder die entsprechende Videoaufzeichnung zu schauen), erkennt schnell, dass die Fraktion der Prohibitionsbefürworter, die ja inzwischen nur noch CDU/CSU/AFD umfasst, komplett ideologiegesteuert „argumentiert“, wobei wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert sowie Zahlen und Statistiken negiert bzw. sogar einfach falsch wiedergegeben werden.  

Wir vom Highway-Magazin haben uns erlaubt, ein paar der irrsinnigsten Zitate dieser Debatte rund um das Cannabis-Kontrollgesetz der Grünen zusammenzustellen und sie mit einem kurzen Kommentar aus der Redaktion zu versehen. Gehen wir also direkt in die vollen mit unserem Liebling Alexander Krauß von der CDU/CSU. Aufmerksamen Highway-Lesern könnte er aufgrund seiner Auslassungen in der Vergangenheit noch in schlechter Erinnerung geblieben sein. Seine Beschreibung San Franciscos, das seiner Meinung nach durch die Cannabislegalisierung zum Höllenpfuhl aus Obdachlosigkeit und Urinfontänen geworden ist, spricht Bände über den geistigen Zustand des gebürtigen Erlabrunners. Aber wie in der aktuellen Debatte klar wird, hat der Gute sein Pulver noch lange nicht verschossen:

 

„Acht von neun Tütchen, kann man sagen, werden weiterhin auf dem [kanadischen] Schwarzmarkt gekauft.“ 

Die Statistik spricht eine andere Sprache. Auch wenn der Schwarzmarkt zugegebenermaßen trotz Freigabe noch Bestand hat, werden laut Bloomberg Canada bereits über fünfzig Prozent des Cannabis auf legalem Weg erworben. Zudem ist die Legalisierung eben auch erst knapp drei Jahre her. 

„Auch die Illusion, es gibt dann ein sauberes Cannabis, ist natürlich unsinnig. Also, Entschuldigung, es gibt doch nicht nur die Wahl zwischen schädlich und schädlicher, sondern die Entscheidung sollte doch sein: Muss ich überhaupt etwas nehmen, was schädlich ist? Da kann ich nur sagen: Man muss überhaupt nichts Schädliches nehmen.“ 

Genau! Es ist doch ganz egal, dass seit Menschengedenken Drogen konsumiert werden. Wenn die CDU der Meinung ist, dass man einfach nichts (angeblich) Schädliches einnehmen muss, dann hat sich die Sache ein für allemal erledigt. Basta! Puh, Glück gehabt, dass Bier, Wein und Schnaps nicht schädlich sind... 

„Ich unterhalte mich sehr gern mit Wissenschaftlern, auch weil sie ein Studium haben, mit den Leuten, die in den Drogenkliniken arbeiten. Das kann ich jedem von Ihnen nur empfehlen. Sprechen Sie einmal mit den Leuten, die dann diese Menschen vor sich haben, etwa einen 28-Jährigen oder einen 30-Jährigen, und verfolgen Sie den Konsum zehn Jahre zurück! Wir hatten im Sächsischen Landtag eine Kollegin der Linkspartei, die mit 18 in den Landtag gewählt worden war, Immunität genoss durch ihr Mandat. Sie war der erste Fall, dass eine junge Frau das Gefühl hatte, sie müsste sich neben Eisenbahnschienen bewegen. Es war unklar, ob man sie für zurechnungsfähig erklären kann oder nicht. Um diese Leute, wenn die 30 Jahre alt sind, kümmern Sie sich dann nicht mehr, die fallen dann bei Ihnen durchs Netz, sind Ihnen dann egal. Ich finde, dass auch diese Menschen, die mit Einstiegsdrogen in diesem Bereich angefangen haben und dann zu härteren Drogen gekommen sind, es verdient haben, dass man ihnen weiterhilft.“ 

Hä? Hat der Alex seine Medizin etwa noch nicht bekommen? Der Arme redet schon wieder wirr, und das vor versammelter Mannschaft. Peinlich! 

„Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir brauchen kein Konjunkturprogramm für Drogendealer. Cannabis gehört weiterhin verboten, weil es der Gesundheit schadet.“ 

Eine komplett sinnlose Umkehrung des tatsächlichen Sachverhalts. Soviel Chuzpe muss man auch erst mal haben!

 

Krauß´ CSU-Kollege Stefan Pilsinger bläst gleich mal in dasselbe Horn: 

„Als Arzt und ebenso als Gesundheitspolitiker kann ich es also nicht verantworten, eine Substanz zu legalisieren, die nachweislich auch schädlich ist.“ 

Was soll man dazu noch sagen? Merken dieses Politkasper eigentlich gar nix mehr? Benötigt an dieser Stelle jemand ernsthaft noch eine Auflistung aller legal in Deutschland erhältlichen Substanzen, deren potenzielles Gesundheitsrisiko wissenschaftlich belegt ist? 

 

CDU/CSU und AFD verstehen sich offenbar bestens, wie man am folgenden Zitat von AFD-Mitglied Detlev Spangenberg sieht: 

„Außerdem ist es für mich erstaunlich, dass ausgerechnet die Fraktion der Grünen hier mit einer Erlaubnis kommt. Die Grünen zeichnen sich doch aus als Verbots-, Schikane- und Gängelpartei. Wieso wollen ausgerechnet Sie hier mal etwas gestatten? Ich habe darüber lange nachgedacht. Ich kann es mir nur so erklären, dass Sie Ihrer Klientel noch mehr das Gehirn vernebeln wollen.“ 

Und das aus dem Mund eines Politikers, dessen eigene Klientel nicht gerade geistige Beweglichkeit bekannt ist? Komplett indiskutable Äußerung, die einer Bundestagsdebatte nicht würdig sein sollte, sich hier aber leider perfekt einfügt. Danke Merkel! 

 

Christoph Ploß ergreift einmal mehr für CDU/CSU das Wort und versucht, sich als sorgenvoller Mahner zu gerieren, dem nur das Wohl der Bevölkerung am Herzen liegt: 

„Wir werden nicht den Weg der Legalisierung gehen; denn er bedeutet unsägliches Leid, er bedeutet, dass es zu Abhängigkeiten kommt, dass es Therapien geben muss, dass viele Menschen darunter leiden. Wir werden stattdessen den Weg der Prävention einschlagen.“ 

Da das Konstrukt aus Prohibition und Prävention ja schon seit einem Jahrhundert nicht funktioniert, sollte man es am besten auch die nächsten 10.000 Jahre auf diesem Weg versuchen, das klingt logisch. Den Zusammenhang zwischen Legalisierung und Prävention muss ihm anscheinend mal jemand genau erklären.  

„Cannabiskonsum ist der Einstieg in das harte Drogengeschäft.“ 

Ah, keine Cannabisdebatte wäre je vollständig ohne die gute alte Einstiegsdrogen-Theorie. Das blöde ist nur, dass sie klipp und klar widerlegt wurde. Das sieht neben dem globalen Wissenschaftsbetrieb übrigens auch das Bundesverfassungsgericht seit den 90er-Jahren so. 

„Nein, die [Zwischenfrage] lasse ich jetzt nicht zu.“ 

„Nein, [keine Zwischenfrage] danke. Wir hatten, glaube ich, schon genügend Austausch.“ 

In einer Debatte keine Fragen zuzulassen, ist immer ein gutes Zeichen. Am liebsten wäre dem Chrissibär wohl ein kompletter Verzicht auf Austausch. Bei seiner lächerlichen Haltung auch kein Wunder. 

 

Angesichts dieser geballten Ignoranz tun dem deutschen Cannabisfreund zurecht Herz und Hirn weh. Schließen wir also wenigstens mit einem versöhnlichen Zitat von Martina Stamm-Fiebig aus den Reihen der SPD: 

„Vor allem soll Cannabis kontrolliert an die Gruppen abgegeben werden, die ihn haben möchten.“ 

Ja genau, gebt endlich den Cannabis frei! Äh... den Hanf natürlich!

Aus Neuseeland muss leider ein Rückschritt für die globale Legalisierungsbewegung vermeldet werden.

 

Per Referendum wurde die Bevölkerung im Rahmen der Parlamentswahlen Mitte Oktober nach ihrer Meinung zum Thema Cannabisfreigabe befragt. Nun liegt eine erste Auswertung der Stimmen vor. Über das Resultat dürften nicht nur die Unternehmen des Cannabusiness enttäuscht sein, sondern auch zahlreiche Konsumenten: etwa 53 Prozent der Wähler stimmten gegen einen kontrollierten Verkauf, nur rund 46 Prozent dafür.

Aber könnte trotz des klaren Resultats doch noch ein kleiner Hoffnungsschimmer für die neuseeländischen Cannabisfreunde bestehen? Die Chancen stehen schlecht: zwar sind 17 Prozent der Stimmen noch nicht ausgewertet, doch leider ist es laut Experten mehr als unwahrscheinlich, dass am Ende die Befürworter die Oberhand gewinnen. Des Weiteren ist das Referendum für die Regierung zwar nicht bindend, eine Handlung entgegen des nun zum Ausdruck gekommenen Wählerwillens wird aber nicht erwartet.

 

Premierministerin Jacinda Ardern gab nach Bekanntgabe der Ergebnisse übrigens ihre persönliche Präferenz bekannt: sie hatte nach eigenen Angaben pro Cannabis gestimmt. Hätte die Bevölkerungsmehrheit ebenso entschieden, hätten Verkauf, Besitz, Konsum und Anbau von Freizeit-Cannabis gesetzlich reguliert werden können. Die in Neuseeland bestehenden Medizinalcannabis-Gesetze bleiben von dem Resultat der Volksbefragung aber unangetastet.

Vor etwa einem Jahr wurde bekannt, dass Krombacher über eine Beteiligungsgesellschaft bei dem Cannabis-Unternehmen Demecan, einer Tochterfirma des kanadischen Produzenten Wayland einsteigt. Bei Demecan handelt es sich um eine der wenigen Firmen, die in Deutschland mit Lizenz Medizinalcannabis anbauen dürfen. 

 

Nun zieht Mitbewerber Bitburger offenbar nach: die Beteiligungsgesellschaft „Bitburger Holding“ investiert Presseberichten zufolge einen einstelligen Millionenbetrag in das Cannabis-Start-up Sanity Group aus Berlin. Zur Sanity Group gehört auch die CBD-Marke Vaay, die gerade mit einer deutschlandweiten Werbekampagne auf sich aufmerksam gemacht hat. Sanity-Gründer Finn Age-Hänsel hatte übrigens Anfang der 2000er-Jahre einen Vorsitz der Jugendorganisation der CDU, der Jungen Union (JU) in Flensburg, inne. Wer weiß, vielleicht fühlte sich Bitburger deshalb direkt heimisch. Wenn schon Cannabis, dann wenigstens mit christlich-konservativem Touch, oder? Bier bleibe aber weiterhin das Kerngeschäft, betonte ein Vertreter der Holding. 

 

Auch wenn der Bierkonsum der Deutschen im weltweiten Vergleich noch immer hoch ist, lässt sich ein Negativtrend nicht verleugnen: den deutschen Brauereien laufen seit Jahren die jüngeren Kunden weg. Unzählige Misch- und Craftbier-Kreationen, mit denen Jüngeren der Bierkonsum schmackhaft gemacht werden soll, sind Ausdruck eines immer verzweifelteren Kampfes um die Gunst der Millenials. Auch die Öttinger-Brauerei, die zu den umsatzstärksten in Deutschland gehört, befasst sich schon länger mit dem Thema Cannabis und hat bereits ein Hanfbier mit dem Namen „Hanfkiss“ auf den Markt gebracht.  

 

Offenbar verfolgen die Bier-Barone eine perfide Doppelstrategie: auf politischer Ebene wird mithilfe von Lobbyisten gegen Cannabis mobilisiert, doch insgeheim hat man in den Vorstandsetagen wohl verstanden, dass man den Trend zum Cannabis nicht mehr aufhalten kann.

Wenn ein Bundesminister nach seinem Rücktritt ein gut dotiertes Pöstchen in der freien Wirtschaft erhascht, gilt das vielen kritischen Zeitgenossen als Zeichen von Kungelei und Lobbyismus. Wenn die Parallelen zwischen aktiver politischer Laufbahn und dem danach angebotenen Posten zu augenfällig sind, bekommt das Ganze schnell einen faden Beigeschmack.

 

Wenn nun bekannt wird, dass der ehemalige Gesundheits- und Wirtschaftsminister sowie Vizekanzler Philipp Rösler in den Verwaltungsrat des Schweizer Cannabisunternehmens Pure Holding wechselt, dann klappt dem erfahrenen Legalisierungsaktivist und Cannabisfreund wohl als erstes die Kinnlade runter. Ein ehemaliger Bundesminister im deutschsprachigen Cannabusiness, wer hätte das noch vor ein paar Jahren für möglich gehalten?

 

Als zweites schaut man dann ganz automatisch mal nach, was der gute Herr Dr. Rösler in seiner Ministerzeit denn so zum Thema Cannabis verzapft hat. Und, siehe da, in Sachen Medizinalcannabis hat er, schon vor seiner Ministerzeit, als er noch im niedersächsischen Landtag saß, durchaus stark gemacht. Besonders um die Palliativ- und Schmerztherapie ging es damals, aber zum Beispiel auch um die Behandlung von MS. Zu einer Zeit, als das Thema Cannabis, ob medizinisch oder nicht, noch so gar nicht im Trend lag.

 

Mag sein, dass die hier beschriebenen Vorgänge schon ein knappes Jahrzehnt her sind und Rösler in der Zwischenzeit bereits zahlreiche andere „Jobs“ angetreten hat: ein Zusammenhang zwischen seiner damaligen politischen Arbeit und seinem neuen Feld dürfte nichtsdestotrotz bestehen. Also zurück zur eingangs angeschnittenen moralischen Frage: welcher übellaunige Cannabisfreund würde jetzt bitteschön hergehen und Rösler verurteilen?

 

Ist es also nun vielmehr an der Zeit ein Loblied auf den FDP-Mann anzustimmen? Wohl kaum, denn Rösler hatte natürlich nie den „kleinen Kiffer“ im Kopf als vielmehr die Anliegen der Pharmaindustrie, ging es doch immer um verabeitete oder synthetische THC-Arzneimittel. Legale Blüten und Eigenanbau lagen, von den spärlich gesäten Ausnahmegenehmigungen einmal abgesehen, damals noch in weiter Ferne. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass Rösler auch der gesamten Medizinalcannabis-Bewegung, ob unbeabsichtigt oder nicht, einen Dienst erwiesen hat. Zumal auch die synthetischen Präparate wie Dronabinol ihre Wirkung nicht verfehlten, wurde das Thema seinerzeit medial immer mehr aufgeriffen und fand verstärkt Eingang in die kollektive Debatte.

 

Warum beispielsweise das Highway-Magazin Philipp Rösler trotzdem niemals einstellen würde (mal abgesehen davon, dass wir ihm nicht genug zahlen könnten), liegt, und da sind wir dann doch mal wieder beim Thema Moral, besonders an einem Skandälchen, das Röslers Ansehen als Minister nachhaltig geschadet hat: 2012 wurde auf sein Drängen hin der jährlichen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung geschönt, um die damals schon grassierende Ungleichheit der Vermögensentwicklung in Deutschland zu verharmlosen. So wurde beispielsweise eine kritische Passage zur sozialen Schere in der Art umgedeutet, dass sinkende Reallöhne eigentlich gar nichts Problematisches seien, sonderm vielmehr „Ausdruck struktureller Verbesserungen“. Wäre das nicht eine Diskriminierung von Cannabiskonsumenten, müsste man jetzt fragen: welches Kraut hat der denn..., aber lassen wir das. 

Große Politiker arbeiten schon zu ihren aktiven Zeiten an ihrem Vermächtnis – als unschätzbar in dieser Hinsicht erwies sich in der Vergangenheit häufig eine eingängige Redewendung: „Ich bin ein Berliner“ (John F. Kennedy), „Yes, we can“ (Barack Obama), „Basta“ (Gerhard Schröder) oder „Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München ... mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen ... am ... am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug. Zehn Minuten. Schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an, wenn Sie in Heathrow in London oder sonst wo, meine sehr ... äh, Charles de Gaulle in Frankreich oder in ... in ... in Rom“ (Edmund Stoiber) sind nur einige der berühmtesten Aussprüche, die heute untrennbar mit dem jeweiligen Redner verknüpft sind und die auch oft als Leitspruch ihre gesamte politischen Agenda kennzeichneten.

 

Weniger fähige Staatsmänner und –frauen hingegen unterschätzen oft die Macht der Worte und deren Eigenart, Menschengruppen hinter sich zu sammeln und zu vereinen. Da kann es dann schon mal passieren, dass einem während des Interviews ein „Cannabis ist verboten, weil es eine illegale Droge ist“ (Marlene Mortler) rausrutscht und man sich seine gesamte Amtszeit nicht mehr davon erholt.

Endlich hat nun auch die amtierende Bundesdrogenbeauftragte ihre Zunge gelockert und auf einer Pressekonferenz ein Bonmot zum Besten gegeben, das das Zeug hat, ihre politische Karriere mit Abstand zu überleben: „Nur weil Alkohol nicht ungefährlich ist, ist Cannabis kein Brokkoli.“ Wow, der hat gesessen. Zwar war es keine Antwort auf die Frage, die Journalist Tilo Jung eingangs gestellt hatte („Halten Sie Alkohol auch für gefährlicher als Cannabis?“), aber dafür gab es den schnippischen Unterton ("Ja, sie müssen mit meinen Antworten klarkommen, so wie ich mit ihren Fragen") gleich gratis mit dazu. Könnte es etwa sein, dass bei einer gewissen Drogenbeauftragten so langsam die Nerven blank liegen? Aber so ist das nun mal, Politik ist ein hartes Business und das gut dotierte Pöstchen in der freien Wirtschaft, das man im Anschluss an das Mandat bekleiden möchte, will ja auch erst einmal verdient werden.

 

Kurioser Fakt am Rande: auch der berühmte Spruch von Ludwigs Amtsvorgängerin Mortler über das verbotene, weil illegale Cannabis fiel in einem Interview mit Tilo Jung. Der Mann scheint ein echtes Gespür dafür zu haben, wie man CSU-Drogenbeauftragte sich selbst entlarven lässt.

 

Das beschauliche Städtchen Langenfeld bei Düsseldorf kommt einfach nicht zur Ruhe. Stadtplaner müssen sich öffentlich rechtfertigen, Klagen und Regressforderungen werden vorbereitet, Ermittlungsbehörden und Stadtverwaltung rotieren – doch was ist überhaupt passiert?

 

Aufmerksame Nachrichtenleser mögen es schon am Rande mitbekommen haben: in dem ländlichen 60.000-Seelen-Ort wurden einige Hanfpflanzen entdeckt und darüber ist die komplette Verwaltung der Gegend in Panik und blinden Aktionismus verfallen. Mitten auf öffentlichem Grund und Boden entdeckte man die Pflanzen entlang eines Getreidefeldes und entfernte diese mit irrsinnigem Verwaltungs- und Personalaufwand. Als wäre die Entdeckung an sich nicht schon ein Grund für die Beamten vor Ort total auszuflippen, stellte sich auch noch heraus, dass besagter Grünstreifen des Anstoßes im Rahmen der städtischen Aktion „Langenfeld summt“ zur Stärkung der Bienenpopulation bepflanzt wurde. Nachdem die Presse auf den Fall aufmerksam wurde, hat man nun den Salat und der Haus- bzw. Stadt-Segen hat sich bereits in eine besorgniserregende Schieflage begeben, sodass sich nun ganze Untersuchungskommissionen mit dem „Fall“ beschäftigen.

 

Dabei weiß doch jeder, der sich auch nur ein wenig mit dem Thema Landwirtschaft auskennt, dass in herkömmlichen Samenmischungen (beispielsweise aus dem Baumarkt) immer mal ein paar Hanfsamen mit dabei sein können. Außerdem ist sonnenklar, dass es sich in so einem Fall dann lediglich um THC-freien Nutzhanf handelt, an dem man sich nicht berauschen kann. Diese Tatsache ist auch den Langenfelder Behörden bekannt, doch anstatt die Kirche einfach mal im Dorf zu lassen, regt man sich nichtsdestotrotz furchtbar über die von der Stadt als ungewollte Drogenplantage“ bezeichneten Pflänzchen auf. „Wir werden dafür den Zulieferer der Saatgut-Mischung in Regress nehmen“, äußerte sich der städtische Chefplaner Ulrich Beul martialisch. Die Firma habe nämlich „nicht nur die Ermittlungsbehörden beschäftigt, sondern auch für einen zusätzlichen Personaleinsatz der Stadtverwaltung gesorgt“.

 

 

Was jetzt überhaupt das Problem an der ganzen Sache sein soll, darauf wird allerdings nicht weiter eingegangen. Befürchten die Stadtoberen etwa, dass die braven Bürger beim Anblick des „Teufelskrauts“ augenblicklich in Anarchie verfallen? Welchen Grund könnte man haben, ein solches Gewese zu veranstalten? Zur Genüge aus der Bundespolitik bekannt, geht es jetzt offenbar darum, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, sich in den Amtsstuben gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben, schnellstmöglich einen Sündenbock zu finden und ihm den schwarzen Peter unterzujubeln. Die Chancen, den Saatgut-Lieferanten erfolgreich zu verklagen, dürften jedenfalls ziemlich schlecht stehen.

 

Bei all der Aufregung kommt eine Partei definitiv zu kurz: die Bienenvölker, um die es bei der Bepflanzungsaktion ja ursprünglich ging. Man war sich in der Tat nicht zu schade, davon zu sprechen, dass die Hanfpflanzen auf „bienenfreundliche“ (O-Ton Stadtplanung) Weise entfernt wurden. Na dann. Am bienenfreundlichsten wäre es übrigens gewesen, die unerwünschten Pflanzen einfach in Ruhe zu lassen: denn Bienen haben nachgewiesenermaßen eine hohe Affinität zu Hanf, insbesondere zu männlichem. Nicht umsonst empfehlen viele Experten Hanf-Kulturen, um dem grassierenden Bienensterben entgegenzuwirken.

 

Hoffnung auf eine baldige Legalisierung in Deutschland macht das lächerliche, hysterische Treiben in Langenfeld jedenfalls nicht...

Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig lässt zu praktisch keiner Gelegenheit einen Zweifel, dass sie sich in keinster Weise sachlich mit dem Thema Cannabis auseinandersetzen möchte, sondern voreingenommen agiert und darüber hinaus versucht, Cannabiskonsumenten in möglichst schlechtem Licht dastehen zu lassen.

 

Dabei scheut sie sich auch beispielsweise nicht, Auftragsarbeiten von beispielsweise der „Bild“, die Lügen über Cannabis verbreiten, die nicht im Ansatz wissenschaftlich gedeckt sind, zu beklatschen und verbreiten oder aufbauschende Propaganda wie „Cannabis tötet nicht direkt, aber...“ abzusondern.

 

Doch das reicht offenbar nicht. Neuerdings bedient sich Daniela Ludwig für ihre Denunziationen sogar illegaler Mittel – und das obwohl sie zwar schon keinerlei Qualifikation für ihren Job als Drogenbeauftragte mitbringt, sondern Rechtswissenschaften studiert hat und es deswegen eigentlich zumindest in dieser Sache doppelt und dreifach besser wissen müsste.

 

Daniela Ludwigs Abneigung gegen Cannabiskonsumenten ist aber offenbar derartig groß, dass sie sich trotzdem vergangene Woche dazu hat hinreißen lassen, die Persönlichkeitsrechte einer Person zu verletzten, die ihr unerwünschte Nachrichten per Facebook hat zukommen lassen.

 

Oder sieht Daniela Ludwig Cannabiskonsumenten einfach als derartig niedrige Subjekte an, dass sie davon ausgeht, dass der Rest der Welt es schon gutheißen wird, wenn sie einfach deren Persönlichkeitsrechte mit Füßen tritt? Denn ansonsten lässt man sie ja auch weitestgehend jedes Schindluder mit der kiffenden Bevölkerung treiben?

 

 

Ohne den Namen des Absenders unkenntlich zu machen (dies hat die Highway-Redaktion auf dem Screenshot nachgeholt!) – und somit rechtswidrig – postete Ludwig voller Wut bei Twitter einen Screenshot von der Nachricht, die sie erhalten hatte, und machte diese samt Klarnamen des Verfassers somit im kompletten Öffentlichen Raum publik.

 

Ein starkes Stück für eine Politikerin – so etwas macht vielleicht ein Donald Trump, aber in Deutschland ist man eine solche Niveaulosigkeit noch nicht von den Mitgliedern des Bundestags gewohnt, nicht einmal von den rechtspopulistischen Hetzern der AfD-Fraktion.

 

Darüber hinaus pauschalisierte Daniela Ludwig auch noch und nahm diese Nachricht von einer Einzelperson zum Anlass, um wieder einmal gegen alle Cannabiskonsumenten und das Kraut an sich zu hetzen:

 

 

 

Besonders bitter: Hunderte von Cannabiskonsumenten suchen seit Monaten das Gespräch mit Daniela Ludwig und sind dabei freundlich und nett. Nie reagiert Daniela Ludwig auf diese freundlichen und öffentlichen Anfragen. Dann schreibt ihr ein einzelner Verwirrter und den und seine dümmliche Nachricht nutzt die deutsche Bundesdrogenbeauftragte dann, um alle Cannabisfreunde schlechtzumachen. Das ist Framing! Das ist unwürdig für eine Politikerin.

 

Was, wenn Daniela Ludwig so über eine beliebige andersdenkende Bevölkerungsschichten reden würde? Der Aufschrei wäre riesig, Ludwig wäre ihren Job augenblicklich los. Daniela Ludwigs Amt als Drogenbeauftragte will eigentlich so verstanden sein, dass den Drogen konsumierenden Menschen geholfen wird, nicht, dass sie an den Pranger gestellt werden, dass sie beschimpft werden, dass sie pauschal als Spinner und Gewalttäter abgetan werden.

 

Daniela Ludwig ist die letzte Person in Deutschland, die sich so verhalten sollte, wie sie es tut.