Spätestens im Juni soll es endlich so weit sein: die Zuschläge für das (erneute) Ausschreibungsverfahren der deutschen Cannabisagentur sollen erteilt werden. Diesmal aber wirklich.

Das Interesse an den Anbaulizenzen ist wieder groß: wie Anfang der Woche bekanntgegeben wurde, nehmen 79 Unternehmen bzw. Bieter am Bewerbungsverfahren teil, mit dem Ziel, Ende des Jahres 2020 die erste legale medizinische Cannabisernte auf deutschem Boden einzufahren. Nachdem sich mehr und mehr gezeigt hatte, dass die benötigte Menge an Marihuana von staatlicher Seite stark unterschätzt wurde, umfasst die Ausschreibung nun 10,4 statt 6,6 Tonnen Cannabis, wie es in der ersten Runde noch der Fall war. Diese 10,4 Tonnen sollen nach Meinung der Cannabisagentur den Vorrat für vier Jahre abdecken. Das entspricht einer Menge von 2,6 Tonnen pro Jahr, die auf 13 Lose zu je 200 Kilogramm aufgesplittet werden. Mehr zum Thema Anbaulizenzen gibt es hier.

Noch ist fraglich, ob im zweiten Versuch endlich alles rund läuft und die Lizenzen auch tatsächlich vergeben werden. Falls nicht, immer mehr fortschrittliche Länder (wie zum Beispiel Kanada und neuerdings auch Israel) warten nur darauf, ihr Cannabis zu exportieren. In etwa 80.000 Fällen hatten deutsche Ärzte ihren Patienten in der ersten Hälfte des Jahres 2018 Cannabis verschrieben.

Das Apothekennetz Zürich, ein Verband von rund 110 Apotheken, macht sich für eine Legalisierung von Cannabis stark. Das betrifft, in einem ersten Schritt, die medizinische Abgabe, die Freigabe zu Genusszwecken soll aber schnell folgen.

 

Die Präsidentin des Verbandes, Valeria Dora, warnt die Politik davor, „die Augen vor der Realität zu verschließen“. Der Konsum von Cannabis sei inzwischen so weit verbreitet, dass er längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. Etwa 60 Tonnen Marihuana werden pro Jahr von den Eidgenossen verkonsumiert. Nach Schätzungen umfasst das Schwarzmarktmarktvolumen etwa 600 Millionen Franken (das entspricht etwa 530 Millionen Euro). Um dem illegalen Verkauf das Wasser abzugraben, sollen volljährige Konsumenten ihr Marihuana „in pharmazeutischer Qualität“ in der Apotheke kaufen können. Von Apothekerseite wird aber betont, dass nicht das Geschäft im Mittelpunkt stünde, sondern die Versorgung der Bevölkerung mit verunreinigungsfreiem Cannabis.

 

Eine verbandsinterne Umfrage zu dem Thema stieß größtenteils auf Zustimmung, was angesichts der jahrzehntelangen Ablehnung durchaus eine gute Nachricht für Cannabisfreunde ist.

Die kanadische Firma Nuuvera richtet sich im norddeutschen Neumünster offenbar heimisch ein. Der Cannabisproduzent hat gerade die Bodenarbeiten für eine 8000 Quadratmeter große Aufzuchthalle abgeschlossen. Da der Anbau von Medizinalcannabis in Deutschland ja bekanntlich immer noch nicht geregelt wurde, wird das Unternehmen dort vorerst Chili zu medizinischen Zwecken (beispielsweise für Wärmepflaster) hochziehen.

 

Nuuvera spekuliert auf gute Chancen bei der Neuauflage des Auswahlverfahrens für die Lizenzvergabe für den Cannabisanbau in Deutschland, nachdem es die Kanadier bereits in der letzten Runde unter die letzten zehn Bewerber (von insgesamt 120) geschafft hatten. Sollte der Plan aufgehen, soll die Produktion in Neumünster von Chili auf Cannabis umgestellt werden – beide Pflanzen haben im Anbau ähnliche Bedürfnisse. Das erneute Auswahlverfahren soll im zweiten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden, spätestens dann soll klar sein, ob in Neumünster das erste Cannabis aus deutscher Produktion wachsen wird.

Die thailändische Bevölkerung hat von ihrer Regierung ein schönes Neujahrsgeschenk erhalten. So zumindest kommentierte ein Abgeordneter die medizinische Legalisierung von Cannabis, die Thailand, nicht nur unter Deutschen ein überaus beliebtes Urlaubsziel, zum ersten asiatischen Staat macht, in dem der medizinische Konsum von Cannabisprodukten und die Forschung damit erlaubt ist. Im Fokus sollen dabei die Leiden unheilbar oder chronisch kranker Menschen stehen. Wie künftig die Frage des (Eigen-)Anbaus geregelt werden soll, darüber gibt es bisher allerdings noch keine Bestimmungen. Noch gibt es von Seiten der Politik keine Anzeichen, Marihuana komplett freizugeben, jedoch ist nun der erste Schritt in die richtige Richtung getan. Gerade in Anbetracht der teilweise drakonischen Strafen, die Drogenkonsumenten und -Händler in den meisten Ländern Asiens zu erwarten haben, kann man die aktuellen Entwicklungen gar nicht hoch genug einschätzen.

Die Legalisierungs-Welle rollt unaufhaltsam weiter! Die Regierung Neuseelands kündigte an, die eigene Bevölkerung per Referendum über eine komplette Freigabe abstimmen zu lassen.

 

Im Rahmen der nächsten Parlamentswahlen 2020 soll auch über die Cannabis-Zukunft des Landes abgestimmt werden. Premierministerin Jacinda Ardern hält damit ihr Versprechen, dass sie in den Koalitionsverhandlungen mit der grünen Partei im Jahre 2017 abgegeben hatte, Highway berichtete. Einem konkreten Termin verweigerte sie sich damals, doch nun wurden endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Cannabisfreunde können zuversichtlich nach vorne schauen: aktuelle Umfragen sehen eine deutliche Mehrheit von 65 Prozent der Bevölkerung für eine komplette Freigabe. Unweigerlich fragt man sich, welches Ergebnis ein derartiges Referendum in Deutschland hätte, würde man es denn zulassen. In Anbetracht der zur Legalisierung Kanadas veröffentlichten, teilweise äußerst cannabisfeindlichen Kampagnen deutscher Leitmedien scheinen Zustimmungswerte wie in Neuseeland unter der hiesigen Bevölkerung allerdings unrealistisch, zuletzt lag der Wunsch nach einer vollständigen Legalisierung unter der deutschen Bevölkerung bei 46 Prozent.

 

Übrigens wurde in Neuseeland erst kürzlich medizinisches Cannabis freigegeben, zurzeit sorgt eine unverblümte Plakatkampagne des Medizin-Cannabis-Produzenten Helium Therapeutics für mediales Aufsehen.

 

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Der kanadische Cannabisproduzent Canopy Growth, eines der weltweit führenden Cannabisunternehmen, hat den deutschen Vapo-Hersteller Storz & Bickel aufgekauft. Der nordamerikanische Konzern ließ sich die globale Führungsposition und das medizinische Know-how des Betriebs aus Tuttlingen nahe Stuttgart rund 145 Millionen Euro kosten. Storz & Bickel ist der einzige Vaporizer-Hersteller, der medizinisch zertifiziert ist und dessen Produkte bei den deutschen Krankenkassen erstattungsfähig sind. Bekanntestes Produkt dürfte der TischvaporisiererVolcano“ sein. Die Firma hält 17 Patente und beschäftigt zur Zeit 95 Mitarbeiter. Gründer und Geschäftsführer Markus Storz und Jürgen Bickel werden sich unter dem Dach von Canopy Growth auch weiterhin der Entwicklung und dem Verkauf von Vaporisierern widmen. Der Chairman des nordamerikanischen Branchenriesen Bruce Linton bescheinigte der Übernahme in einem öffentlichen Statement eine „herausragende Bedeutung“ und hob die Leistungsstärke und Qualität der Vapos aus Süddeutschland hervor.

Nachdem gerade auch Kanada und Mexiko mit guten Cannabisnachrichten auf sich aufmerksam machen, sorgt eine weitere Nation für Gesprächsstoff: Großbritannien legalisiert Cannabis als Medizin. Die Regelung trat am 31. Oktober in Kraft.

 

Verschreiben dürfen das aber ausschließlich speziell ausgebildete Krankenhausärzte und nur, wenn alternative Therapieansätze gescheitert sind oder nicht zur Verfügung stehen. Experten und Aktivisten monieren jedoch bereits die limitierte Anzahl der Spezialisten. Richtlinien der Gesundheitsbehörden sehen exemplarische Einsatzgebiete in der Begleitung von Chemotherapien, bei bestimmten Arten von Epilepsie und bei durch Multiple Sklerose verursachter Muskelstarre.

 

Neu angefeuert wurde die Debatte um medizinisches Marihuana in den letzten Monaten von der Entschlossenheit zweier Mütter und dem erschütternden Schicksal ihrer epilepsiekranken Söhne. Für weltweites Aufsehen sorgten Aufnahmen des schwer gezeichneten Billy Caldwell (13) und seiner verzweifelten Mutter Charlotte.

Der ein oder andere Bewohner des US-Bundesstaats Michigan blickt wohl voller Neid nach Colorado oder Kalifornien, wo Cannabis inzwischen komplett freigegeben ist. In Michigan selbst ist zwar zumindest der medizinische Konsum gestattet, allerdings scheinen die Polizeibehörden gar nicht gut auf Marihuana zu sprechen zu sein. Diese bittere Erfahrung musste nun eine 80-jährige (!) Dame machen, die die Polizei aufgrund des gestohlenen Smartphones ihres Enkels zu sich gerufen hatte. Doch anstatt sich um den Diebstahl zu kümmern, rochen die Beamten einen herb-süßlichen Duft im Innern des Hauses. Die Neugier geweckt, fanden die Gesetzeshüter auch sogleich ein paar Grämmchen Weed, vier Joints, Pfeifen und einen Ausweis, dessen Besitz die Trägerin zum Konsum von medizinischem Marihuana befähigt. Leider hatte die alte Dame es versäumt, ihn rechtzeitig erneuern zu lassen und so musste sie die geballte Wut der Deputies über sich ergehen lassen. Die verhafteten die Omi ohne zu zögern und – obwohl eine simple Verwarnung auch dem Gesetz nach angebrachter gewesen wäre – und sperrten die 80-Jährige in eine Gefängniszelle, in der sie tatsächlich auch die Nacht verbringen musste. Natürlich musste die Anklage im Nachhinein wieder fallengelassen werden, einmal weil die Seniorin ihre Konsumerlaubnis erneuerte und pikanterweise auch deshalb, weil die Beamten die Oma nicht über ihre Rechte aufgeklärt hatten…

William Wrigley Jr II, Urenkel des Wrigley´s-Gründers, hatte sich bereits 2008 aus dem Süßigkeiten-Geschäft verabschiedet, als er den Verkauf des Familienunternehmens an den Mars-Konzern begleitete. Sein erstes Investment im Cannabusiness tätigte der Erbe bereits im September 2017, als er in das Medizinalcannabis-Startup Surterra Wellness aus Kalifornien investierte. „Als ich die enormen Vorteile [der Cannabispflanze] verstand, änderte sich meine Meinung über die Branche. Die Chance, als einer der ersten eine gerade erst entstehende Industrie maßgeblich zu prägen, kommt so schnell nicht wieder“, kommentierte Wrigley seine Entscheidung, sein Investment noch zu forcieren und zukünftig als Aufsichtsratsvorsitzender zu fungieren. Der Unternehmer ist davon überzeugt, dass die Legalisierung in Kanada auch zu einer weiteren Lockerung der Cannabisgesetze in den USA führen werde.

Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Nach den Querelen der letzten eineinviertel Jahre rund um den legalen Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland, wurde nun eine neue Runde eingeläutet – und zwar eine neue Ausschreibungsrunde!

 

Seit dem 10. März 2017 ist Cannabis in Deutschland als Medikament zugelassen. Zwar sind bis jetzt erst wenige Zehntausende als Patienten zugelassen, aber das bedeutet trotzdem, dass die Kilos nicht so schnell rangeschafft werden können, wie sie verbraucht werden.

 

Da bislang kein Anbau von Cannabis in Deutschland möglich ist (man lasse sich diesen Satz auf der Zunge zergehen: natürlich wäre er möglich, ein bisschen Erde und eine Gießkanne vorausgesetzt...), setzen die Apotheken also auf Importe.

 

Dies klappt aber nur leidlich und Lieferschwierigkeiten standen mehr oder weniger von Anfang an auf der Tagesordnung – diese seien nun angeblich behoben, meldete die Bundesregierung vergangenen Monat. Aber das ist auch dieselbe Bundesregierung, die behauptet, dass zwei, zweieinhalb Tonnen medizinisches Marihuana jährlich genügen würden, um den Bedarf der deutschen Cannabispatienten zu decken.

 

Um immerhin diese Menge statt durch Importe durch den Anbau im eigenen Land sicherzustellen, startete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vergangenes Jahr eine Ausschreibung. Doch das Vergabeverfahren benachteiligte viele Firmen extrem, vor allem diejenigen aus Deutschland. So wurde gegen das Verfahren geklagt, das seitdem auf Eis lag.

 

Geklagt wurde gegen die vorausgesetzten Erfahrungswerte beim Anbau, die zu kurzen Fristen bei der Suche nach einem geeigneten ausländischen Partner, fragwürdige Verpflichtungserklärungen ausländischer Unternehmen, fehlerhafte Referenzbewertungen ausländischer Unternehmen sowie die mangelhafte Transparenz bei den Zuschlagskriterien.

 

Hauptproblem deutscher Firmen, die sich für den medizinischen Cannabisanbau bewerben wollten, war, vereinfacht ausgedrückt, dass man nachweisen musste, (mindestens) schon einmal erfolgreich medizinisches Cannabis produziert zu haben. Für deutsche Firmen natürlich ein Ding der Unmöglichkeit.

 

Doch das war für das zuständige Oberlandesgericht kein Problem und nicht zuletzt die Klage gegen diese nicht erfüllbare Anforderung – die bedeutet, dass sich deutsche Firmen nicht ohne internationale Partner, die bereits fest im legalen Cannabishandel etabliert sind, für den Anbau im eigenen Land bewerben dürfen – wurde abgewiesen. Einzig der Klage gegen die zu kurzen Fristen wurde stattgegeben, was einen Stopp des Vergabeverfahrens zur Folge hatte.

 

Heute wurde nun vom BfArM bekanntgegeben, dass die neue Ausschreibung für den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken veröffentlicht wurde, die hier eingesehen werden kann. Die Ausschreibung umfasst ein Gesamtvolumen von 10.400 Kilogramm Cannabis, verteilt auf vier Jahre mit jeweils 2.600 Kilogramm.

 

Das BfArM plant die Zuschlagserteilung in diesem neuen Ausschreibungsverfahren für die erste Jahreshälfte 2019. Die neue Ausschreibung sieht 13 Lose zu je 200 Kilogramm Jahresmenge in einem Zeitraum von vier Jahren vor. Nach den Ausschreibungsbedingungen kann ein Bieter maximal für fünf Lose einen Zuschlag erhalten.

 

Insofern ist vorgesehen, mit mindestens drei Bietern jeweils einen Vertrag über Anbau, Ernte, Weiterverarbeitung und Lieferung von Cannabis in standardisierter pharmazeutischer Qualität zu schließen. Unternehmen, die den Zuschlag erhalten, müssen dann den Anbau unter betäubungs- und arzneimittelrechtlichen Vorgaben umsetzen.

 

Bei erfolgreichem Ablauf geht das BfArM davon aus, dass Cannabis voraussichtlich ab 2020 aus dem Anbau in Deutschland zur Verfügung stehen wird. Der Import von medizinischem Cannabis nach Deutschland wird auch über diesen Zeitpunkt hinaus rechtlich grundsätzlich möglich sein.

 

Bleibt die große Frage: was ist im neuen Verfahren mit deutschen Unternehmen? Tja, da sieht es wieder eher schlecht aus. Weiterhin muss ein gewisses Anbauvolumen aus der Vergangenheit nachgewiesen werden – der Deutsche Hanfverband prüfte augenblicklich die Möglichkeit, den Anbau einer anderen Heilpflanze statt von Cannabis als Referenz bei der Bewerbung anzuführen. Ergebnis:

 

„Anstelle einer Cannabis-Referenz laut Unterpunkt 4.3.2 kann auch ,mindestens eine Anbau- und eine Verarbeitungs-Referenz gemäß Ziffer 4.2.‘ genügen, um sich an der Ausschreibung zu beteiligen! Unter 4.2 wird neben der Cannabisreferenz auch die Referenz zum Anbau von Arzneipflanzen genannt. Damit scheint es so, dass eine Beteiligung an der Ausschreibung auch für Firmen möglich ist, die nie legal medizinisches Cannabis angebaut haben, dafür aber Arzneipflanzen. Das BfArM wollte uns diese Interpretation auf Anfrage nicht bestätigen, dementiert sie allerdings auch nicht!“

 

So oder so bedeutet dies also auch weiterhin, dass man einen legalen Anbau von medizinischem Marihuana für den deutschen Markt vergessen kann, sollte man nicht zufällig im Besitz eines pharmazeutischen Betriebs sein, der bereits Arzneipflanzen produziert. Und nein: eure Zelte gelten leider nicht...

 

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