Charlotte Figi, die wohl bekannteste Cannabis-Patientin der Welt, ist an den Folgen einer Corona-Infektion verstorben. Das schwere Schicksal des Mädchens hatte Menschen auf der ganzen Welt berührt und viel dazu beigetragen, die Akzeptanz für Cannabis als Medizin zu steigern.

 

Im Jahr 2013 wurde Figi im Rahmen einer CNN-Dokumentation (siehe Video unter dem Artikel) erstmals einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die damals fünfjährige litt unter einer schweren Form der Epilepsie, dem sogenannten Dravet-Syndrom, das bei Charlotte bis zu 50 lebensgefährliche Krampfanfälle pro Tag auslöste. Nachdem herkömmliche Medikamente keinerlei Wirkung gezeigt hatten, besorgten sich die verzweifelten Eltern 2011 eine CBD-reiche Cannabissorte in einer Abgabestelle für medizinisches Marihuana. Tatsächlich führte die Einnahme dieser zu einer Verbesserung von Charlottes Symptomen und die Eltern kamen schließlich in Kontakt mit einer handvoll Grower, den Stanley-Brüdern. In Zusammenarbeit mit Charlotte und ihren Eltern wurde in der Folge ein besonderer Cannabisstrain kreiert, der nicht nur außergewöhnlich viel CBD enthielt, sondern sich auch hervorragend zur Herstellung von Extrakten/Ölen eignete. Die Behandlung mit der Sorte, die heute unter dem Namen Charlotte´s Web weltbekannt ist, war ein großer Erfolg, die Häufigkeit von Charlottes Krampfanfällen konnte bis auf zwei bis drei pro Monat (!) reduziert werden. In der Folge der Ereignisse, die ein großes Medienecho nach sich zogen, überdachten zahlreiche US-Bundestaaten ihre mehr oder weniger restriktive Einstellung gegenüber Cannabis als Medizin.

 

Die Familie hat die Covid-19-Infektion bisher nicht explizit erwähnt, doch nach einer Betstätigung durch die Realm of Caring Foundation, die von Charlottes Mutter mitgegründet wurde, gilt eine Covid-19-Infektion als sicher. Charlotte Figi starb am gestrigen Dienstag im Alter von 13 Jahren im Kreise ihrer Lieben.

 

Enttäuschung unter Legalisierungsbefürwortern aus aller Welt. Schon im Februar 2019 empfahl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den UN-Staaten eine Neuklassifizierung von Cannabis. Diese, so sah es der Ablauf vor, sollten eigentlich bereits vor genau einem Jahr über den Sachverhalt abstimmen. Das ging den Mitgliedsländern dann aber doch etwas zu schnell und so entschied man sich, die Abstimmung um zwölf Monate auf den März 2020 zu verschieben.

 

Im Rahmen der in Wien tagenden Suchtstoffkommisssion sollte nun endlich das Thema Cannabis auf den Tisch kommen. Aber Pustekuchen! Statt einer Neubewertung gab es eine Neuverschiebung und zwar auf den Dezember dieses Jahres. Das bedeutet cannabispolitisch weitere Monate Stillstand. Zugegeben, das Dokument, anhand dessen sich die Abstimmungsteilnehmer über die Sachlage informiern sollen, umfasst stolze 90 Seiten, das ist innerhalb eines Jahres ja auch kaum zu schaffen!

 

Besonders die USA zeigten sich verstimmt über die erneute Verschiebung und drängen auf eine zügige Entscheidung ohne weitere Verzögerungen. Wir bedauern, dass der CND diese Woche nicht in der Lage war, Maßnahmen bezüglich der Cannabisempfehlungen der WHO zu ergreifen, da die Mitgliedstaaten seit Februar 2019 bereits hart daran gearbeitet haben, einen eingehenden Konsultationsprozess in den Bereichen Recht, Verwaltung, Soziales und ökonomische Auswirkungen der Empfehlungen einzuleiten“, so der stellvertretende Hauptsekretär des Büros für internationale Drogen- und Strafverfolgungsangelegenheiten James A. Walsh.

 

Dass viele Cannabiskonsumenten gerne mal high mit ihrem Partner ins Bett steigen, ist bekannt und ob der stimulierenden Wirkung nicht überraschend. Auch Studien, die eine Kausalität zwischen Cannabiskonsum und gesteigerter Libido nahe legen, stellen einen Zusammenhang zwischen Cannabis und Sexualität her. Der Fall eines Mannes aus dem US-Bundestaat Georgia allerdings ist so ungewöhnlich, dass selbst die, was kuriose Cannabis-Storys angeht, recht abgehärtete Highway-Redaktion zunächst an einen verfrühten Aprilscherz glaubte.

 

Der 32-Jährige Mann, der im Mittelpunkt dieses merkwürdigen Falles steht, war mehrfach mit starken Schmerzen in die Notaufnahme gekommen, die durch stundenlang andauernde Erektionen hervorgerufen wurden – und das ohne jede sexuelle Aktivität oder die Einnahme von Potenzmitteln. Nach eingehender Untersuchung des Mannes (und der Gabe einer lindernden, abschwellenden Spritze) fanden die Mediziner zunächst keine Ursache für die Beschwerden. Bei der Anamnese fiel ihnen dann aber doch noch etwas Merkwürdiges auf. Im „Journal of Cannabis Research“ veröffentlichten sie ihre Theorie, was ihrer Meinung nach wahrscheinlich zu dem Priapismus (Dauererektion) des Mannes geführt habe: Cannabis soll schuld gewesen sein! Der Patient hatte angegeben in den letzten Monaten regelmäßig Marihuana geraucht zu haben und verwundert festgestellt, dass sein bestes Stück sozusagen „high“ werde. Die Erektionen seien zunächst immer relativ schnell wieder abgeklungen, bis sie jedoch irgendwann auch über Stunden nicht mehr schwächer wurden und die Sache anfing, richtig schmerzhaft zu werden.

 

Es ist der erste bekannte Fall eines Priapismus in Verbindung mit Cannabis bei einem Patienten bei dem alle anderen bekannten Ursachen ausgeschlossen werden konnten, erklärten die Ärzte des Coliseum Medical Centers in Macon. Da der Patient zu weiteren Folgeuntersuchungen nicht mehr erschienen war, ist unklar, wie genau der Cannabiskonsum die Erektionen auslösen konnte.

 

 

 

 

Die Stiftung Warentest – in Zeiten von Fake-News, Kungelei und Lobbyismus ein objektiver, unabhängiger Fels in der Brandung. Oder etwa nicht? Zumindest in Sachen Cannabis als Medizin scheint die Objektivität von Deutschlands bekanntester Stiftung zumindest fraglich.

 

Im kürzlich unter der Überschrift „Cannabis: Wie THC, Nabilon und Cannabidiol Kranken helfen können“ veröffentlichten Artikel geht es jedenfalls recht einseitig zu. Da wird auf ominöse „Arzneimittelexperten“ verwiesen, nach deren Meinung „die medizinischen Effekte von Cannabis oft schlecht belegt oder vergleichsweise schwach“ seien. Im selben Atemzug wird auf die Lieblingsstudie aller Cannabisgegner, die auf der umstrittenen Lancet-Datengrundlage basiert, verwiesen. Generell, so der Tenor des Artikels, seien, welche Überraschung, industrielle Fertigarzneimittel wie etwa Sativex in jedem Fall gegenüber unverarbeiteten Marihuana-Blüten vorzuziehen. Auf den sich ergebenden Widerspruch, wieso Pharmaunternehmen die aufwändige Herstellung und Zulassung solcher Präparate überhaupt auf sich nehmen, wenn die Wirksamkeit der Cannabinoide doch anscheinend so fraglich ist, wird nicht eingegangen. Ebenfalls keine Erwähnung finden die Schattenseiten herkömmlicher Schmerzmittel von Aspirin bis Paracetamol.

 

Von den bekannten Schattenseiten dieser und stärkerer Präparate erfährt man im Gegensatz zu den prominent dargestellten Nebenwirkungen von Cannabis in dem Artikel einfach mal gar nichts. Gut, dass die Bundesregierung erst 2017 das Stiftungskapital der Stiftung Warentest von 100 auf 175 Millionen erhöht wurde, um deren Unabhängigkeit weiterhin gewährleisten zu können...

 

 

 

Es ist kein Wunder, dass die Gruppe der Über-65-Jährigen oft große Berührungsängste beim Thema Cannabis hat. Die mediale Dämonisierung hat in den Köpfen gerade der Ältesten natürlich ihre Spuren hinterlassen. Auch in Deutschland weisen die Senioren in den entsprechenden Legalisierungs-Umfragen stets die niedrigsten Zustimmungswerte auf.

 

In den Vereinigten Staaten ändert sich das gerade. Im Zuge des legalisierungsbedingten Image-Wandels kommen viele Ältere langsam auf den Trichter, dass am verpönten „Teufelskraut“ vielleicht doch etwas dran sein könnte und dass gerade geriartische Beschwerden wie Arthrose mit der richtigen Dosis Cannabis auf schonendem Wege gelindert werden können.

 

Mit einer auf dem Datenmaterial des National Survey on Drug Use and Health basierenden Studie (befragt wurden 14.000 Senioren) wird das Ausmaß des Umschwungs nun deutlich: war es im Jahr 2006 noch eine verschwindende Minderheit, nämlich 0,5 Prozent, die nach eigenen Angaben Cannabisprodukte nutzten, belief sich die Zahl der betagten Nutzer im Jahr 2018 bereits auf 4,2 Prozent aller Befragten. Mehr Details zur Studie, die im wissenscahftlichen Journal „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht wurde, gibt es hier (Login erforderlich).

 

Wer sich einen Eindruck davon machen möchte, wie schamlos Cannabis einst geächtet wurde, der kann sich unten den mittlerweile kultigen und unfreiwilllig komischen Propagandafilm „Reefer Madness" in voller Länge ansehen.

 

Anlässlich ihrer 10. Konferenz über Cannabis und Cannabinoide in der Medizin vom 31. Oktober bis 2. November 2019 in Berlin, an der rund 460 Personen aus 35 Ländern teilnahmen, hielt die Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (IACM) ihre Mitgliederversammlung ab. Bonni Goldstein (USA), Debra Kimless (USA), Francisco Guimaraes (Brasilien) und Daniele Piomelli (USA) wurden erstmals in den Vorstand gewählt. Roger Pertwee (Großbritannien) Manuel Guzman (Spanien), Ilya Reznik (Israel), Raquel Peyraube (Uruguay), Kirsten Mueller-Vahl (Deutschland) und Franjo Grotenhermen (Deutschland) wurden wiedergewählt. Dr. Kirsten Müller-Vahl, Professorin an der Medizinischen Hochschule Hannover, wurde zur 1. Vorsitzenden gewählt. Dr. Manuel Guzman, Professor an der Complutense Universität von Madrid, Spanien, wurde zum zweiten Vorsitzenden gewählt.
 
 
 
Die Satzung wurde geändert und neue Organe der IACM, der Patient Council und der Professional Council, eingeführt. Die neue Satzung für den IACM Patient Council lautet: „Der IACM Patient Council besteht aus Patienten, Pflegepersonal von Patienten und Nominierten von IACM-Partnerorganisationen, die die Arbeit der IACM unterstützen wollen. Die Anzahl der Mitglieder kann durch den Vorstand begrenzt werden. Die Mitglieder beraten den Vorstand in Patientenfragen. Mitglieder des IACM Patient Council können ihre eigenen Aktivitäten im Rahmen der IACM und ihrer Konferenzen organisieren.“ Die neue Satzung für den IACM Professional Council lautet: „Der IACM Professional Council besteht aus ordentlichen Mitgliedern (Wissenschaftler, Ärzte, etc.), die die Arbeit des Vorstands unterstützen wollen. Die Mitglieder werden vom IACM-Vorstand ausgewählt. Die Mitglieder beraten den Vorstand in wissenschaftlichen und Weiterbildungsfragen. Mitglieder des IACM Professional Council können zur Teilnahme an IACM-Ausschüssen und anderen IACM-Aktivitäten eingeladen werden.“

Noch kürzlich berichtete Highway über das neue Hanfbier aus dem Hause der Oettinger-Brauerei, da flattert schon die nächste Meldung bezüglich der Verflechtung Brauerei- und Cannabisindustrie ins Haus. Demecan, ein deutsches Start-up aus Berlin mit Lizenz zum medizinischen Cannabisanbau, konnte in einer Finanzierungsrunde sieben Mio. Euro einsammeln, die für den Auf- und Ausbau der firmeneigenen Plantage in der Nähe von Dresden genutzt werden sollen. Ende 2020 sollen dort dann die ersten Pflanzen geerntet werden und die Deutsche Cannabisagentur sagte bereits zu, zwischen 600 und 900 Kilogramm Medizinalcannabis pro Jahr aufkaufen zu wollen.

 

Doch woher kommen die Millionen, mit denen die Produktion so richtig ins Rollen gebracht werden soll? Zu einem großen Teil wohl aus der Tasche der Krombacher-Brauerei, die unter dem Deckmantel einer Beteiligungsgesellschaft unter der Leitung von Bernhard Schadeberg, Chef der populären Brauerei aus Nordrhein-Westfalen, die Investition tätigte. Demecan, Tochterfirma des kanadischen Produzenten Wayland, konnte sich im Kampf um die begehrten medizinischen Anbaulizenzen durchsetzen. Auch bei den anderen Firmen, die Zuschläge erhielten, handelt es sich um Ableger kanadischer Unternehmen.

Die neue Drogenbeauftrage Daniela Ludwig (CSU), die die äußerst unglückliche Marlene Mortler ablöst, macht zur Zeit mit einem Statement Schlagzeilen, in dem sie vollmundig einen Neuanfang (in der Drogenpolitik) ankündigt. Was sie dabei verkündet, klingt auf den ersten Blick gar nicht so verkehrt. Aber wie das so ist bei den meisten Politikern: besser, man legt jedes Wort auf die Goldwaage und liest auch zwischen den Zeilen. Und genau das tut Highway nun:

 

1. „Es geht beim Thema Drogen nicht um Verbotspolitik, sondern darum, Menschen mit ihren Sorgen und Problemen zuzuhören und Suchtkranken zu helfen.“

Wow, das klingt ja glatt so, als stelle Daniela Ludwig die Prohibitionspolitik infrage! Tatsächlich aber ist wohl eher Folgendes gemeint: „Wir machen Prohibitionspolitik nicht, weil wir euch etwas verbieten wollen. Sondern, um die Gesundheit der Menschen zu schützen. Und zu diesem Zweck ist es okay.“



2. „Dazu gehört auch, sich bei europäischen Nachbarn umzuschauen, was diese anders und vielleicht besser machten.“

Ja, genau schauen wir einmal in die Niederlande, nach Portugal, nach Spanien oder Luxemburg und schneiden uns von deren liberaler Drogenpolitik mal eine Scheibe ab. Doch ist das wirklich, was Daniela Ludwig vorhat? Genauso gut könnte es heißen: „Wir gucken uns das mal an, wie die anderen das handhaben (obwohl die Fakten schon seit Jahren auf dem Tisch liegen), aber ändern werden wir letztendlich nichts. Denn vielleicht ist deren Weg gar nicht besser, sondern nur anders. Und außerdem, wer sagt denn, dass nicht Frankreich (Anmerkung der Redaktion: Frankreich hat mit die rigideste Cannabisgestzgebung Europas) die besten Drogengesetze hat?“



3. „Es darf nicht nur darum gehen: Legalisierung ja oder nein? Über viele andere Ansätze wurde bisher zu wenig geredet, das will ich ändern.“

Okay, ein klarer Dämpfer für alle Cannabisfreunde. Im Klartext heißt das Statement eigentlich nichts anderes als: „Vergesst die Legalisierung! Ich bin dafür, noch ewig weiter rumdiskutieren, Hauptsache es ändert sich nichts Grundlegendes.“



4. „Ich werde mir vieles selbst in der Praxis anschauen. Alles, was Leben retten kann, verdient es, gesehen und gehört zu werden.

Was Drogenbeauftragte Ludwig wirklich meint ist: „Also, ich habe überhaupt keinen Plan von der Materie, deshalb brauche ich jetzt erst mal ein gutes Jahr, um mich ansatzweise einzuarbeiten. Vielleicht auch zwei oder drei.“



5. „Was am Ende des Tages zählt, ist der Gesundheitsschutz.

Wem liegt der Gesundheitsschutz denn nicht am Herzen? Tja, gegen so eine Aussage kann man wenig sagen. Außer, dass es sich um eine hohle Phrase ohne konkreten Inhalt handelt, die so schon von Hundert anderen Drogenbeauftragten dahergeplappert wurde. Wenn wirklich der Gesundheitsschutz alles ist, was zählt, dann kommt man an einer Legalisierung einfach nicht vorbei.

An Orten, wo Cannabis legal erworben werden kann, nutzen die Bewohner dieses oft anstatt von Opioiden und Schlafmitteln, um gegen Schmerzen und Schlaflosigkeit vorzugehen. Dies sind die Ergebnisse einer neuen Studie aus Colorado in den USA, wo Cannabis komplett freigegeben wurde. „Das sind zwar nicht die einzigen Gründe für Cannabiskonsum, aber durchaus wichtige“, äußert sich Studienautorin Dr. Gwen Wurm. Von 1.000 Befragten erwachsenen Cannabiskonsumenten gaben 65 Prozent an, Cannabis zu nehmen, um Schmerzen zu lindern, und 74 Prozent gaben an, Cannabis zu nehmen, um den Schlaf zu fördern.

 

Unter den Befragten, die Cannabis gegen Schmerzen einnehmen, gaben 80 Prozent an, dass es dabei sehr oder äußerst hilfreich sei, und die meisten derjenigen, die rezeptfreie Schmerzmedikamente (davon 82 Prozent) oder Opioidanalgetika (davon 88 Prozent) einnahmen, gaben an, die Einnahme dieser Medikamente durch Cannabis reduziert oder abgesetzt zu haben. Unter den Befragten, die Cannabis zum Schlafen konsumieren, gaben 84 Prozent an, es dabei als sehr oder äußerst hilfreich zu empfinden, und die meisten, die rezeptfreie Medikamente (davon 87 Prozent) oder verschreibungspflichtige Schlafmittel (davon 83 Prozent) einnahmen, gaben an, den Konsum dieser Medikamente durch Cannabis reduziert oder eingestellt zu haben.

 

Im Vergleich zu anderen Medikamenten ist Cannabis sicher, glaubt Wurm: im Gegensatz zu Opiaten sind tödliche Überdosierungen und eine schwere Abhängigkeit nicht möglich – und auch Schmerz- wie Schlafmittelkonsum können deutlich schwerere Nebenwirkungen und Abhängigkeiten zutage bringen als Cannabis. „Das bedeutet nicht, dass es keine eigenen Risiken hat“, so Wurm. „Aber bis wir Cannabiskonsum nicht genauer untersucht haben, werden wir einfach nicht wissen, wie wir Patienten am besten beraten können.“

 

Angesichts des CBD-Booms in der Schweiz kann man leicht übersehen, dass bei den Eidgenossen in puncto medizinischem Cannabis noch einiges im Argen liegt. Will heißen, dass man eine besondere Ausnahmegenehmigung des Bundesamts für Gesundheit benötigt, um es zu nutzen. Die wird nur bei besonders schweren Erkrankungen wie Krebs oder Multipler Sklerose (MS) erteilt, nur wessen Lebensqualität schwer beeinträchtigt ist, bekommt die Chance, Cannabis zu medizinischen Zwecken einzunehmen. Und auch nur dann, wenn andere Therapien keine Wirkung geszeigt haben oder aus anderen Gründen unmöglich sind. Dementsprechend konnten sich bisher nur etwa 3.000 Patienten mit ihrem Antrag durchsetzen.

 

Doch in den letzten Jahren ist das Interesse (und da kommt auch wieder der CBD-Boom ins Spiel) an den Sonderbewilligungen konstant angestiegen. Das hat durchaus auch etwas damit zu tun, dass Cannabis, wenn auch nur THC-armes, in der Schweiz eben in aller Munde ist. Selbst in Supermärkten wie Lidl sind CBD-Produkte und -Blüten inzwischen ein ganz normaler Anblick geworden. Das baut natürlich Berührungsängste ab und schafft Akzeptanz.

 

Sicher hat auch der Blick nach Deutschland und sein 2017 in Kraft getretenes Medizin-Gesetz mit dazu beigetragen, dass die Schweizer Regierung nun konkrete Schritte einleitet, um den Zugang zu Cannabismedizin zu erleichtern. Die alten Regelungen seien mittlerweile veraltet und entsprächen nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand, teilte das Bundesamt für Gesundheit mit. Wie in der Bundesrepublik werden die Krankenkassen allerdings nicht verpflichtet sein, für die Behandlung mit Cannabis zu zahlen.