Cannabis, diese angeblich so gefährliche und schlimme Droge, ist die einzige Droge weltweit, die noch niemals einen Todesfall ausgelöst hat. Schlimm ist also höchstens, dass Cannabis immer noch verboten ist. Doch nun kommt es noch besser: Thomas M. Clark, der Leiter des biologischen Instituts der Indiana Universität in South Bend (USA), sagt, dass nach seiner Analyse Cannabis mit einer reduzierten Rate für Übergewicht, Diabetes mellitus, Todesfälle durch traumatische Hirnverletzungen, Alkoholkonsum, verschriebene Medikamente, Verkehrsunfälle und Todesfälle durch Opiat-Überdosen verbunden ist.

 

Clark schreibt, dass die „Analyse geschätzte 23.500 bis 47.500 vorgebeugte Todesfälle jährlich voraussagt, wenn medizinisches Marihuana in der ganzen Nation legal wäre. Eine Anzahl weiterer potentieller Ursachen für eine reduzierte Mortalität durch Cannabis wurde festgestellt, allerdings von der Analyse ausgeschlossen, weil quantitative Daten fehlten. Die Schätzungen unterschätzen daher substantiell den tatsächlichen Einfluss des Cannabiskonsums auf einen vorzeitigen Tod“.

 

Wie die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente (IACM) schreibt, müssen die Ergebnisse und Folgerungen in weiteren Untersuchungen überprüft werden, da die Übersicht nicht einem Peer-Review durch andere Wissenschaftler unterzogen war.

 

Quellen: www.cannabis-med.org / scholarworks.iu.edu

Cannabis aus der Apotheke – bis Frühjahr dieses Jahres war dies in Deutschland nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich, inzwischen dürfen Ärzte – zumindest theoretisch – Cannabis auf Rezept verschreiben. Wie wir in den zurückliegenden Monaten mehrfach berichteten, läuft dies aber aus den verschiedensten Gründen nicht rund: Ärzte weigern sich Rezepte auszustellen, Krankenkassen wollen die Kosten nicht übernehmen und die Apotheken sehen sich Lieferschwierigkeiten gegenüber.

 

Dennoch ist der Trend eindeutig: im Fachblatt „Deutsche Apotheker Zeitung“ wurden nun die Cannabis-Verkäufe der deutschen Apotheken des ersten Halbjahrs bekanntgegeben. Zwischen dem 10. und Ende März wurden 564 Abgabeeinheiten Cannabis (Cannabis-haltige Zubereitungen oder unverarbeitete Cannabisblüten) ausgegeben, im April 1.468, im Mai 3.666 und im Juni 4.921. Insgesamt sind mehr als 5.100 Rezepte eingelöst worden (März: 488 Rezepte, April: 884, Mai: 1.518, Juni: 2.213). Wie viele Patienten somit mit Cannabisblüten versorgt wurden, ist jedoch nicht durch Zahlen belegt. Zu den unverarbeiteten Blüten und den Zubereitungen kamen zwischen März und Juni zudem noch 12.500 verkaufte Fertigarzneimittel mit Cannabis-Inhaltsstoffen.

 

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Cannabis aus Kanada – jetzt auch in der EU: Das Unternehmen Tilray, weltweit ganz vorne mit dabei, wenn es um die Erforschung und Entwicklung (und den Verkauf) von medizinischem Cannabis geht, wird eine 25.000 Quadratmeter große Cannabisplantage (mit zusätzlichen 3.000 Quadratmetern Produktionsfläche) in Portugal errichten, um den wachsenden Bedarf an medizinischem Cannabis in Europa zu decken. Die portugiesische Regierung hatte Tilray zuvor nationale Lizenzen für den Import und Anbau von Cannabis erteilt.

 

Rund 20 Millionen Euro wird Tilray nun in die Errichtung seiner Anlage in Cantanhede in Portugal investieren, bereits diesen Monat beginnen die Bauarbeiten. Nach Fertigstellung werden mehr als 100 Arbeitsplätze geschaffen sein. Die erste Phase des Projekts wird Tilrays weltweite Gesamtproduktion auf 62 Tonnen Cannabis jährlich erhöhen.

 

Brendan Kennedy, der CEO von Tilray erklärte: „Der neue EU-Campus in Portugal ist ein weiterer strategischer Meilenstein auf unserem Weg, die führende Marke für medizinisches Cannabis weltweit zu werden. Zwei Jahre lang haben wir intensiv nach einem passenden Standort in Europa gesucht, von dem aus wir den stark wachsenden europäischen Markt für qualitativ hochwertige, streng geprüfte medizinische Cannabis-Produkte bedienen können. Portugal besitzt ein ideales Klima für den Anbau von Cannabis, eine Vielzahl qualifizierter Fachkräfte und eine große wissenschaftliche Community.“

 

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Es ist zu begrüßen, dass Wissenschaftler im Zug der weltweiten Legalisierungswelle immer öfter auch an unser aller Lieblingspflanze und ihren Wirkstoffen forschen. Seriös durchgeführte Studien können dabei helfen, verschiedene Wirkweisen nachzuweisen und so weitverbreitete Vorurteile zu entkräften (oder zu belegen).


Das dachten sich wohl auch die Wissenschaftler der University of South Australia: Das Institut veröffentlichte nun eine (zugegebenermaßen skurril klingende) Studie im „Journal Drug and Alcohol Dependence“, die nahe legt, dass sich die Gangart von Cannabiskonsumenten von Nichtkonsumenten unterscheidet: So neigen Kiffer offenbar dazu, beim Gehen ihre Schultern weniger, ihre Ellbogen hingegen aber mehr zu bewegen. Auch verzeichneten die Forscher schneller schwingende Knie beim Kiffergang. Gleichgewichtssinn und neurologische Bewegungsfaktoren blieben von den Rauchgewohnheiten der Probanden unbeeinflusst.


Da die Studie lediglich 44 Teilnehmer umfasste (davon die eine Hälfte Cannabiskonsumenten), pocht das Forscherteam nun darauf, die Untersuchungen auszuweiten, um herauszufinden, inwiefern beispielsweise variierende Konsummengen und Gangartsveränderungen korrelieren. „Es ist wichtig, die Langzeiteffekte von Cannabiskonsum genau zu verstehen…“, so einer der beteiligten Forscher.

Einfach nur noch gruselig: Ein bayrisches Amtsgericht in Neumarkt steckt einen 34-jährigen Schmerzpatienten in den Knast. Der Mann war 2014 während eines Urlaubs überfallen und mit einer Schrotflinte angeschossen worden – einige Schrotkugeln sind immer noch in seinem Körper und können auch nicht herausoperiert werden, was bei dem Mann immer wieder zu heftigsten Schmerzattacken führt. Was ihm gegen die Schmerzen gut hilft: ein Joint.

 

Doch in Bayern fand er keinen Arzt, der ihm Cannabis verschreibt, auch wenn seine Ärztin ihm heftigste Schmerzattacken attestiert. Und so machte der Mann, was einem gelernten Gärtner wie ihm in solch einer Situation vermutlich relativ schnell durch den Kopf geht: Gras anbauen. Daher fand die Polizei bei einer Durchsuchung bei ihm kürzlich 23 Cannabispflanzen sowie 170 Gramm Marihuana. Auch 2.300 Euro Bargeld wurden gefunden und so stand der junge Mann vergangene Woche mit einer Anklage wegen Drogenhandel vor Gericht.

 

Die Anklage wegen Drogenhandel konnte jedoch abgewendet werden: das Geld gehört seiner Verlobten, die bei ihm wohnt, und sie bekommt das Geld zurückgezahlt. Das war aber auch die einzige freudige Meldung für den Angeklagten, auch wenn sogar der Staatsanwalt laut „nordbayern.de“ einige Argumente aufzählte, die für den Angeklagten sprachen: die Verletzung, sein Geständnis, der Anbau als Schmerzmittel und nicht nur zum Spaß.

 

Doch da der Angeklagte bereits zum zweiten Mal beim Cannabisanbau erwischt wurde und die Tat somit in seine offene Bewährungszeit fiel, bestand die Staatsanwaltschaft auf einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung. Die Verteidigung forderte aufgrund der Umstände die eine Ausnahme unter Tausend ein – doch der Richter, der dem Angeklagten seine Umstände und die Schmerzen nach eigenen Aussagen durchaus abnahm, verurteilte diesen zu einem halben Jahr Gefängnis ohne Bewährung.

 

Unsere Meinung: Es ist einfach nur traurig, dass im Jahr 2017 Staatsanwaltschaft und Richter einem (illegalen) Cannabispatienten glauben, dass dieser Cannabis anbaut, nur um seine Schmerzen zu lindern, aber ihn aufgrund der geltenden Rechtslage dennoch ins Gefängnis stecken (müssen). Wer mithelfen möchte, zumindest irgendetwas daran zu ändern, sollte bei der kommenden Bundestagswahl am 24. September bloß nicht CDU/CSU wählen, sondern irgendjemand anderem seine Stimme schenken.

Als weiterer europäischer Staat hat sich Griechenland nun zu einer grundsätzlichen Zulassung von Marihuana als Medikament ausgesprochen, wie die englischen Zeitungen „Express“ und „Independent“ berichteten.

 

Ministerpräsident Alexis Tsipras sagte vergangene Woche, dass griechische Ärzte in Kürze dazu in der Lage sein werden, Cannabis für verschiedene medizinische Einsatzzwecke verschreiben zu können.

 

Wie das medizinische Marihuana vertrieben werden wird und ob es durch einen Anbau im Land oder durch Importe gedeckt werden wird, wurde ebenfalls noch nicht genau bekanntgegeben.

 

Auch die staatliche Einstufung von Cannabis als Droge der höchsten Gefahrenklasse soll wohl zukünftig korrigiert werden.

 

 

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Andy Klingler aus Thierbach in Tirol ist ein zäher Kämpfer. Er kämpft gegen seine schwere Krankheit und er kämpft für die Legalisierung von Cannabis im medizinischen Bereich. Er leidet an der Stoffwechselerkrankung Adrenomyeloneuropathie, die unheilbar ist. Die Beweglichkeit seiner Beine ist durch Spastiken eingeschränkt, sodass er nur mit Krücken gehen kann. Trotzdem nimmt Andy Klingler regelmäßig am Wien-Marathon teil. 11,2 Kilometer legte er zuletzt dabei zurück, denn der Sportler Andy Klingler lässt sich nicht unterkriegen.

 

Andy Klingler bietet auch Vorträge und Motivationstrainings an. Gerade dieser unbeugsame Wille scheint manch einen zu stören, denn kürzlich gab es eine anonyme Anzeige wegen angeblichem „rücksichtslosen Fahren“. Die Bezirkshauptmannschaft (BH) Kufstein wirft ihm weiter vor, dass er „geprahlt habe, Zugang zu Cannabisprodukten zu haben und solche auch regelmäßig in Form von Keksen und anderen hinlänglich bekannten Möglichkeiten zu konsumieren“.

 

Eine Anzeige mit weitreichenden Folgen: Die BH Kufstein teilte Klingler mit, dass er bei weiterer Einnahme des Cannabismedikaments Dronabinol seinen Führerschein abgeben müsse und wollte ihm dann den Führerschein wegen „Lenkerunfähigkeit infolge von Hanfmedikation“ abnehmen. Weil Mobilität für ihn essentiell ist, hat Klingler zuerst auf Dronabinol verzichtet, doch das hat negative Auswirkungen auf seine Gesundheit: Schaffte er mit Dronabinol im Training fünf Kilometer, so waren es nachher ohne sein Cannabismedikament nur noch 200 Meter.

 

Daher hat Klingler den Bescheid nun bekämpft, wofür er von der BH nur eine Woche (!) Zeit bekommen hatte. Zwei von ihm in Auftrag gegebene behördenunabhängige Gutachten bescheinigen ihm nun Fahrfähigkeit trotz des Cannabismedikaments. Dieses entspannt die schmerzenden Muskeln, beeinträchtigt jedoch die Konzentration nicht, wie nun gutachterlich bestätigt wurde. Daher musste die BH Klingler nun den Führerschein wieder ausstellen. Somit ist Andy Klingler einer der ersten Österreicher aus den Bundesländern (Wien agiert hier schon liberaler), der mit behördlicher Genehmigung unter Cannabismedikation Auto fahren darf.

 

Andy Klingler ist durch Erfahrung überzeugt davon, dass ihm natürliches Cannabis noch besser helfen würde, als das synthetische Dronabinol. Daher kämpft er auch als Aktivist für eine Freigabe von medizinischem Marihuana. Das österreichische Hanf-Institut hat mit derselben Intention eine Bürgerinitiative eingeleitet, die online unterschrieben werden kann.

 

Auf seiner Website www.amn.at sowie im Video unter dem Artikel könnt ihr mehr über Andy Klingler und seine Erkrankung erfahren.

Medizinisches Marihuana ist aus diesem noch neuen Jahrtausend nicht mehr wegzudenken. Nachdem sich dieses und vergangenes Jahr auch Deutschlands Politik verschärft mit dem Thema Cannabis als Medizin beschäftigt hat, stand gestern auch eine Abstimmung über die Zulassung von medizinischem Marihuana in Polens Unterhaus an.

 

Das Ergebnis ist als erfreulich einzustufen: Mit breiter Mehrheit stimmten am Donnerstag 440 polnische Abgeordnete für die Teillegalisierung von Marihuana als Medikament, wie unter anderem die „Tiroler Tageszeitung“ berichtete.

 

Dagegen stimmten allein zwei Abgeordnete, zudem gab es eine Enthaltung. Vorgesehen ist, dass Cannabisprodukte von Kranken genutzt werden dürfen, wenn ein Arzt diese verschrieben hat. Der Bedarf wird aus importiertem Marihuana gedeckt werden – der ursprüngliche Plan, auch in Polen Cannabisanbau zuzulassen, wurde abgelehnt. Bevor das neue Gesetz in Kraft treten kann, muss es noch den Senat durchlaufen und vom Präsidenten unterzeichnet werden.