Der ein oder andere Bewohner des US-Bundesstaats Michigan blickt wohl voller Neid nach Colorado oder Kalifornien, wo Cannabis inzwischen komplett freigegeben ist. In Michigan selbst ist zwar zumindest der medizinische Konsum gestattet, allerdings scheinen die Polizeibehörden gar nicht gut auf Marihuana zu sprechen zu sein. Diese bittere Erfahrung musste nun eine 80-jährige (!) Dame machen, die die Polizei aufgrund des gestohlenen Smartphones ihres Enkels zu sich gerufen hatte. Doch anstatt sich um den Diebstahl zu kümmern, rochen die Beamten einen herb-süßlichen Duft im Innern des Hauses. Die Neugier geweckt, fanden die Gesetzeshüter auch sogleich ein paar Grämmchen Weed, vier Joints, Pfeifen und einen Ausweis, dessen Besitz die Trägerin zum Konsum von medizinischem Marihuana befähigt. Leider hatte die alte Dame es versäumt, ihn rechtzeitig erneuern zu lassen und so musste sie die geballte Wut der Deputies über sich ergehen lassen. Die verhafteten die Omi ohne zu zögern und – obwohl eine simple Verwarnung auch dem Gesetz nach angebrachter gewesen wäre – und sperrten die 80-Jährige in eine Gefängniszelle, in der sie tatsächlich auch die Nacht verbringen musste. Natürlich musste die Anklage im Nachhinein wieder fallengelassen werden, einmal weil die Seniorin ihre Konsumerlaubnis erneuerte und pikanterweise auch deshalb, weil die Beamten die Oma nicht über ihre Rechte aufgeklärt hatten…

Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Nach den Querelen der letzten eineinviertel Jahre rund um den legalen Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland, wurde nun eine neue Runde eingeläutet – und zwar eine neue Ausschreibungsrunde!

 

Seit dem 10. März 2017 ist Cannabis in Deutschland als Medikament zugelassen. Zwar sind bis jetzt erst wenige Zehntausende als Patienten zugelassen, aber das bedeutet trotzdem, dass die Kilos nicht so schnell rangeschafft werden können, wie sie verbraucht werden.

 

Da bislang kein Anbau von Cannabis in Deutschland möglich ist (man lasse sich diesen Satz auf der Zunge zergehen: natürlich wäre er möglich, ein bisschen Erde und eine Gießkanne vorausgesetzt...), setzen die Apotheken also auf Importe.

 

Dies klappt aber nur leidlich und Lieferschwierigkeiten standen mehr oder weniger von Anfang an auf der Tagesordnung – diese seien nun angeblich behoben, meldete die Bundesregierung vergangenen Monat. Aber das ist auch dieselbe Bundesregierung, die behauptet, dass zwei, zweieinhalb Tonnen medizinisches Marihuana jährlich genügen würden, um den Bedarf der deutschen Cannabispatienten zu decken.

 

Um immerhin diese Menge statt durch Importe durch den Anbau im eigenen Land sicherzustellen, startete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vergangenes Jahr eine Ausschreibung. Doch das Vergabeverfahren benachteiligte viele Firmen extrem, vor allem diejenigen aus Deutschland. So wurde gegen das Verfahren geklagt, das seitdem auf Eis lag.

 

Geklagt wurde gegen die vorausgesetzten Erfahrungswerte beim Anbau, die zu kurzen Fristen bei der Suche nach einem geeigneten ausländischen Partner, fragwürdige Verpflichtungserklärungen ausländischer Unternehmen, fehlerhafte Referenzbewertungen ausländischer Unternehmen sowie die mangelhafte Transparenz bei den Zuschlagskriterien.

 

Hauptproblem deutscher Firmen, die sich für den medizinischen Cannabisanbau bewerben wollten, war, vereinfacht ausgedrückt, dass man nachweisen musste, (mindestens) schon einmal erfolgreich medizinisches Cannabis produziert zu haben. Für deutsche Firmen natürlich ein Ding der Unmöglichkeit.

 

Doch das war für das zuständige Oberlandesgericht kein Problem und nicht zuletzt die Klage gegen diese nicht erfüllbare Anforderung – die bedeutet, dass sich deutsche Firmen nicht ohne internationale Partner, die bereits fest im legalen Cannabishandel etabliert sind, für den Anbau im eigenen Land bewerben dürfen – wurde abgewiesen. Einzig der Klage gegen die zu kurzen Fristen wurde stattgegeben, was einen Stopp des Vergabeverfahrens zur Folge hatte.

 

Heute wurde nun vom BfArM bekanntgegeben, dass die neue Ausschreibung für den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken veröffentlicht wurde, die hier eingesehen werden kann. Die Ausschreibung umfasst ein Gesamtvolumen von 10.400 Kilogramm Cannabis, verteilt auf vier Jahre mit jeweils 2.600 Kilogramm.

 

Das BfArM plant die Zuschlagserteilung in diesem neuen Ausschreibungsverfahren für die erste Jahreshälfte 2019. Die neue Ausschreibung sieht 13 Lose zu je 200 Kilogramm Jahresmenge in einem Zeitraum von vier Jahren vor. Nach den Ausschreibungsbedingungen kann ein Bieter maximal für fünf Lose einen Zuschlag erhalten.

 

Insofern ist vorgesehen, mit mindestens drei Bietern jeweils einen Vertrag über Anbau, Ernte, Weiterverarbeitung und Lieferung von Cannabis in standardisierter pharmazeutischer Qualität zu schließen. Unternehmen, die den Zuschlag erhalten, müssen dann den Anbau unter betäubungs- und arzneimittelrechtlichen Vorgaben umsetzen.

 

Bei erfolgreichem Ablauf geht das BfArM davon aus, dass Cannabis voraussichtlich ab 2020 aus dem Anbau in Deutschland zur Verfügung stehen wird. Der Import von medizinischem Cannabis nach Deutschland wird auch über diesen Zeitpunkt hinaus rechtlich grundsätzlich möglich sein.

 

Bleibt die große Frage: was ist im neuen Verfahren mit deutschen Unternehmen? Tja, da sieht es wieder eher schlecht aus. Weiterhin muss ein gewisses Anbauvolumen aus der Vergangenheit nachgewiesen werden – der Deutsche Hanfverband prüfte augenblicklich die Möglichkeit, den Anbau einer anderen Heilpflanze statt von Cannabis als Referenz bei der Bewerbung anzuführen. Ergebnis:

 

„Anstelle einer Cannabis-Referenz laut Unterpunkt 4.3.2 kann auch ,mindestens eine Anbau- und eine Verarbeitungs-Referenz gemäß Ziffer 4.2.‘ genügen, um sich an der Ausschreibung zu beteiligen! Unter 4.2 wird neben der Cannabisreferenz auch die Referenz zum Anbau von Arzneipflanzen genannt. Damit scheint es so, dass eine Beteiligung an der Ausschreibung auch für Firmen möglich ist, die nie legal medizinisches Cannabis angebaut haben, dafür aber Arzneipflanzen. Das BfArM wollte uns diese Interpretation auf Anfrage nicht bestätigen, dementiert sie allerdings auch nicht!“

 

So oder so bedeutet dies also auch weiterhin, dass man einen legalen Anbau von medizinischem Marihuana für den deutschen Markt vergessen kann, sollte man nicht zufällig im Besitz eines pharmazeutischen Betriebs sein, der bereits Arzneipflanzen produziert. Und nein: eure Zelte gelten leider nicht...

 

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Ein deutsches Gericht hat entgegen der Rechtslage einen 58-jährigen Mann freigesprochen, der für seinen Freund illegalerweise Cannabis angebaut hatte, um daraus Medizin herzustellen. Der Mann musste sich aktuell vor dem Amtsgericht Grimma verantworten. Sein ebenfalls 58-jähriger Mitbewohner und langjähriger Freund leidet seit Jahren unter einer bislang nicht genau zu diagnostizierenden Erkrankung, die bei ihm heftige Schmerzen verursacht.

 

Bereits vor zehn Jahren entdeckte er, dass Cannabis ihm dabei hilft, diese Symptome in den Griff zu bekommen. Jahrelang importierten die beiden daher Cannabis illegal nach Deutschland, um daraus eine Cannabispaste herzustellen – denn das Rauchen oder Vaporisieren ist körperlich zu anstrengend für den Erkrankten. Ohne eine Rauschwirkung zu veranlassen, half ihm diese Salbe bislang immer gut gegen die Schmerzen. Doch dafür war bis zu 5.000 Euro im Monat für illegales Cannabis notwendig – ein unhaltbarer Zustand.

 

Also beschloss der Gesunde, seinem kranken Freund zu helfen und für ihn Cannabis anzubauen, um so die horrenden Kosten zu regulieren. Doch 2016 kam es zu einer Hausdurchsuchung, da die Polizei Kundendaten eines Growshops einkassiert und durchforstet hatte.

 

So stand der Mann nun vor Gericht. Doch dieses ließ Gnade vor Recht ergehen und sprach den Mann frei: Ein Gutachter bestätigte den schlechten Gesundheitszustand des Freundes vor Gericht und legte glaubwürdig die Tragödie und die Hilflosigkeit der Medizin in diesem ganz konkreten Fall dar, sodass die Richterin keine Zweifel an der Notwendigkeit des Handelns sehen konnte, wie die „Sächsische Zeitung“ meldete. Da die Staatsanwaltschaft keine Rechtsmittel eingelegt hat, ist das Urteil inzwischen rechtskräftig. Dies ist in Deutschland ein absoluter Sonderfall.

 

„Ich bin zwar freigesprochen worden, kann deswegen aber noch lange nicht legal Cannabis anbauen“, sagte der Freigesprochene. Bei einem weiteren Gesetzesbruch würde die nächste Verhandlung vermutlich nicht so glimpflich ablaufen. Nun suchen die beiden nach einem Arzt, der Marihuana verschreibt...

Highway-Leser und Cannabis-Interessierte wissen es schon länger: Cannabis mit seinen Cannabinoiden, allen voran das psychoaktive THC und das nicht psychoaktive CBD, ist in vielen Fällen ein wirksames Mittel, wenn es darum geht, Leiden verschiedener Art zu lindern.

 

Die Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA), ein einzigartiges neues wissenschaftliches Netzwerk mit höchster Kompetenz im Bereich pflanzlicher Arzneimittel und Naturstoffforschung, das 2006 gegründet wurde, kürte nun die Arzneipflanze des Jahres 2018: Cannabis. Auswahlkriterien waren etwa der Bezug zu Österreich, neue Studienlagen und die wirtschaftliche Bedeutung.

Cannabis und Schizophrenie – ein Thema, das Legalisierungsbefürwortern immer wieder um die Ohren gehauen wird. Prohibitionisten befürchten und behaupten immer wieder gerne, dass Marihuana und Haschisch Hunderte und Tausende in die Schizophrenie treiben würde. Nun bläst eine klinische Studie jedoch ins gegenteilige Horn und zeigt auf, dass der Cannabis-Wirkstoff Cannabidiol (CBD) bei der Behandlung der Symptome von Schizophrenie durchaus hilfreich sein kann.

 

Wissenschaftler des Kings’s College in London verabreichten über einen Zeitraum von sechs Wochen 88 schizophrenen Patienten entweder ein Placebo oder aber 1.000 Milligramm CBD, jeweils zusammen mit den bisher eingesetzten antipsychotischen Medikamenten. Patienten, die CBD erhielten, wiesen weniger psychotische Symptome auf und auch ihre geistige Leistungsfähigkeit schien verbessert. „Da die Wirkungen von CBD offenbar nicht von einem Dopaminrezeptor-Antagonismus abhängen“, kommen die Autoren der Studie zu dem Schluss, „könnte die Substanz eine neue Klasse für die Behandlung dieser Störung darstellen“.

 

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So stellt man sich als Außenstehender Bayern vor: ein Mensch, der aus medizinischen Gründen Cannabis konsumieren muss, wird währenddessen von der Polizei umstellt, als Junkie beschimpft und bekommt seine Medizin weggenommen – das alles trotz mitgeführtem Betäubungsmittelrezept.
 
Bereits am 8. Mai geschah der Vorfall: am Ufer der Isar in München konsumierte Christoph N. seine Medizin, als er von der Polizei angegangen und durchsucht wird. Durch den Schock verunsichert, entschloss er sich erst spät, Beschwerde bei der Polizei einzureichen, wie er „tz.de“ berichtete:
 
„Nach dem Vorfall war ich wochenlang verängstigt und habe mich erst spät entschieden, Beschwerde einzureichen. Ich wollte nicht akzeptieren, dass Patienten als Kollateralschaden einer ohnehin verfassungsrechtlich fragwürdigen Jagd auf Cannabis-Konsumenten werden und sich entweder entsprechend dem Wunsch des Beamten dauerhaft in ihren Wohnungen verstecken oder regelmäßige körperliche Durchsuchungen über sich ergehen lassen müssen. Dass dabei auch noch Medikamente zerstört werden, ist gerade in Anbetracht der seit Monaten nicht sichergestellten Versorgung in den Apotheken einfach unerhört.“
 
Und tatsächlich: das Polizeipräsidium München muss nun Schadensersatz für das vernichtete Cannabismedikament zahlen – immerhin 6,60 Euro für eine „Konsumeinheit“ Cannabis.

 

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Cannabis wird immer häufiger genutzt, um das Leben von Menschen, die an verschiedenen Süchten leiden, zu lindern und deren Konsum von gesundheitsschädlichen Substanzen einzudämmen. Leider führt auch immer öfter die legale Einnahme von Opioiden zu Suchtverhalten. Aber auch für die Menschen, die tatsächlich langfristig auf die Einnahme von Opioiden angewiesen sind, ist es wünschenswert, wenn der Konsum dieser möglichst weit heruntergeschraubt werden kann. An der Universität von Neumexiko in den USA wurde zu dieser Thematik geforscht: 37 Schmerzpatienten, die Opioide erhielten und parallel Cannabis verschrieben bekamen, wurden 29 Patienten gegenübergestellt, die kein Cannabis einnahmen. Über einen Zeitraum von 21 Monaten wurden die Unterschiede zwischen diesen beiden Patientengruppen verglichen.

 

Dabei stellte sich heraus, dass die Patienten, die neben den Opioiden auch Cannabis konsumierten, häufiger geringere Mengen Opioid einnahmen und auch häufiger die Opioid-Einnahme komplett einstellten. Doch nicht nur das Einnahme-Volumen wurde durch den Cannabiskonsum verringert, auch zeigten sich dadurch laut Umfragen unter den Teilnehmern Verbesserungen bei der Schmerzreduzierung, der Lebensqualität, des sozialen Lebens, des Aktivitätsniveaus und der Konzentration – als Nachteile wurden geringe Nebenwirkungen durch den Cannabisrausch genannt. Die Forscher schlussfolgern, dass eine weitere Forschung in diese Richtung mehr als erwünscht wäre.

Der Kampf hat sich gelohnt: vor wenigen Tagen wurde durch die Unterschrift des Präsidenten Pedro Pablo Kuczynski in Peru die medizinische Legalisierung von Cannabisprodukten im Gesetz verankert. „Wir brechen hier mit einigen Mythen“, sagte er hinsichtlich dem in manchen Kreisen immer noch verbreiteten Ruf von Marihuana als gefährlicher Droge – und weiter: „Peru macht mehrere Schritte auf einmal in Richtung Modernität.“ Der Peruanische Kongress hat nun bis Mitte Januar Zeit, um die neuen Regelungen auszuarbeiten.

 

Besonders gratulierte Präsident Kuczynski den Kongressmitgliedern, die hart für das neue Gesetz gekämpft hatten. Auch waren bei der Unterzeichnung des Gesetzes einige Mitglieder der Eltern-Initiative Buscando Esperanza (zu deutsch: „Auf der Suche nach Hoffnung“) zugegen, die ebenfalls mitverantwortlich für die medizinische Legalisierung sind: wie wir auf unserer Website berichteten, schlossen sich 80 Eltern in Peru zusammen, um Cannabis anzubauen und damit ihre Kinder, die unter Epilepsie und anderen Krankheiten leiden, zu versorgen. Da dies aber bis zum neuen Gesetz noch illegal war, kam es im Februar zu einem Polizei-Zugriff, bei dem die Cannabis-Aufzucht der Elterninitiative auseinandergenommen wurde. Präsident Kuczynski kündigte unmittelbar nach dieser Aktion die neuen Gesetze an, die nun umgesetzt wurden. Dennoch sehen sich drei Mitglieder der Initiative nach der alten Gesetzgebung noch möglichen Gefängnisstrafen gegenüber.

Vergangene Woche ist die neueste Print-Ausgabe von Highway – Das Cannabismagazin erschienen und kann ab sofort in allen gut sortierten Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen und Head- und Growshops für schlappe 2,60 Euro erworben werden. An dieser Stelle veröffentlichen wir einen Auszug eines Artikels der neuen Ausgabe 06/2017:

 

Rick Simpson – dieser Name ist Cannabisinteressierten schon seit einigen Jahren ein Begriff, vor allem, wenn sie oder Familienmitglieder oder Freunde an Krebs erkrankt sind. Denn Rick Simpson behauptet bereits seit gut 15 Jahren, dass mit dem nach seiner Formel hergestellten Cannabisöl („Rick-Simpson-Öl“) Krebs geheilt werden könne. Aktuell ist er im deutschsprachigen Raum recht aktiv, sein Buch („Nature’s Answer for Cancer“) wurde nun auf Deutsch herausgebracht und er hält derzeit vermehrt auf der ein oder anderen Cannabisveranstaltung Vorträge. Innerhalb der deutschsprachigen Cannabisszene wird Rick Simpson größtenteils sehr positiv besprochen, dabei gäbe es jedoch auch den ein oder anderen Kritikpunkt zu nennen. Daher veröffentlichen wir auf den folgenden Seiten den Offenen Brief von Dr. Franjo Grotenhermen, dem wohl bekanntesten Cannabis-Mediziner Deutschlands, an Rick Simpson.

 

Rick Simpson entdeckte Ende der 1990er-Jahre die wohltuende Wirkung von Cannabis, als er es einsetzte, um die Symptome, die nach einem Unfall auftraten, zu lindern. Im Jahr 2003 wurde bei ihm Hautkrebs festgestellt. Da er gehört hatte, dass THC Krebszellen bei Mäusen besiegen konnte, und da er von den sonstigen Wirkungen von Cannabis so überzeugt war, stellte er ein konzentriertes Cannabisöl her, das er auf Bandagen auftrug und um die erkrankten Hautpartien wickelte. Nach vier Tagen nahm er die Bandagen ab und die Karzinome waren verschwunden. Von diesem Zeitpunkt an gab es für ihn kein Zurück mehr – Rick Simpson begann selbst Cannabis anzubauen, Cannabiskonzentrat herzustellen und dieses auch kostenlos an Patienten zu verteilen, um ihnen bei ihren Krebserkrankungen zu helfen. Dies endete aber 2009, als die kanadische Polizei sein Heim durchsuchte und insgesamt über 2.600 Pflanzen konfiszierte und zerstörte. Inzwischen lebt er in Kroatien und verbreitet nun anstelle des Öls seine Botschaft, dass Cannabisöl in sehr vielen Fällen Krebs heilen könne. Diese Botschaft ist auch in seinem Buch enthalten, dass seit Ende 2016 unter dem Titel „Rick Simpson Öl: Die Antwort der Natur auf Krebs“ auf Deutsch erhältlich ist.

 

Leider krankt die deutsche Version von Rick Simpsons Buch unter extremen Rechtschreib- und sonstigen Fehlern, selbst die Wörter Cannabis und Marihuana werden mehrfach falsch geschrieben – am Anfang findet sich sogar ein Kommentar der Lektorin, der vergessen wurde zu entfernen. Gerade wenn man die Menschen von seiner von der Norm abweisenden Meinung überzeugen möchte, sollte man dringend mehr Sorgfalt walten lassen, wenn man ein solches Buch verfasst oder übersetzt. Aber auch das englischsprachige Original bietet viel Angriffsfläche. Diverse Verschwörungstheorien geben sich hier die Hand (Andeutungen zum 11. September und Behauptungen, Jesus hätte mithilfe von Cannabisöl geheilt, oder die US-Legalisierungsorganisation NORML versuche, Cannabis im illegalen Status zu halten) und zielgerichtete Informationen sind zwischen den vielen Seiten mit einigen Fallbeispielen rar gesät. Auch eine genaue Anleitung, wie denn nun das Öl herzustellen ist, ist nicht so richtig zu finden, hier hilft allerdings das Internet schnell weiter – für eine 60-tägige Behandlung mit Rick-Simpson-Öl wird übrigens ungefähr 500 Gramm Marihuana (Simpson empfiehlt möglichst reinrassige Indica-Sorten) benötigt.

 

Aber auch aus rein medizinischer Sicht scheint es an dem Buch Rick Simpsons einiges zu bemängeln zu geben: In dem dieses Jahr veröffentlichten Buch „Cannabis gegen Krebs“ von Dr. Franjo Grotenhermen ist ein Offener Brief an Rick Simpson erhalten, den wir an dieser Stelle daher gerne abdrucken möchten, um einen Kontrapunkt zu den vielen ausschließlich positiven Meldungen zu setzen, die in diesem Jahr von verschiedenen Stellen publiziert wurden.

 

 

Offener Brief an Rick Simpson

 

Lieber Rick Simpson,

 

Sie sind vermutlich die bekannteste Persönlichkeit, wenn es um die medizinische Verwendung von Cannabis bei Krebserkrankungen geht. Viele verzweifelte Menschen, die an Krebs und anderen schweren Erkrankungen leiden, vertrauen Ihnen und setzen große Hoffnungen in Ihre Ratschläge.

 

Ihnen ist die damit verbundene Verantwortung bewusst, wenn Sie in Ihrem Buch schreiben: „Ich finde, dass jeder, mich eingeschlossen, der in eine Position öffentlichen Vertrauens gesetzt wird, damit einverstanden sein sollte, dass seine Arbeit, da sie das Interesse der Bevölkerung vertritt, sehr genau beobachtet wird.“ (Seite 170 der deutschen Ausgabe). Dieser Verantwortung werden Sie nach meiner Auffassung aber nicht in dem notwendigen Maße gerecht, und ich hoffe, dass Sie das in der Zukunft besser machen können.

 

Ich teile Ihre Sichtweise, wenn Sie sagen: „Wie ich es schon mehrmals erklärt habe, gilt unsere Beobachtung und unsere heilige Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Menschheit überlebt und gedeiht. Ärzte werden ihrem Hippokratischen Eid wirklich folgen und Regierungen setzen sich für das Wohl der Menschheit ein. Das ist der einzige Weg, der Sinn macht, und wenn wir das ignorieren, wird die menschliche Spezies nur untergehen“ (Seite 169). Auf Seite 217 heißt es: „Meine Mission ist es jetzt, jedem die Wahrheit zur Verfügung zu stellen, denn zusammen können wir etwas ändern“.

 

Ich stelle aber fest, dass Sie viele wichtige Fakten nicht zur Kenntnis nehmen – zum Schaden der Menschen. Sie gestehen ein, dass Sie „in Wahrheit ja kein Arzt“ sind und „auch nicht die notwendige Qualifikation dazu“ haben (Seite 104), nehmen sich jedoch die Freiheit zu übertriebenen Heilsversprechen, die keiner sachlichen Überprüfung standhalten können, heraus. Ich will meine notwendigerweise leider sehr harte Kritik an sechs Beispielen verdeutlichen.

 

[…]

 

Den vollständigen und umfassenden Artikel könnt ihr in Highway – Das Cannabismagazin 06/2017 lesen.

 

 

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Cannabis in der Öffentlichkeit rauchen? In Berlin ist das auch ohne Rezept und sogar häufig mit Polizei in der Nähe ungestört möglich. In Bayern ist dies praktisch undenkbar.

 

Dennoch zündete sich im Juni der 35-jährige Berliner Tobias G. einen Joint in einem Münchner Café an – quasi legal, denn laut „Bild.de“ hat ihm sein Arzt wegen schwerer Schmerzen nach einer Wirbelsäulen-OP 60 Gramm Marihuana pro Monat verschrieben.

 

In Bayern kommt aber die Polizei, wenn einer einen Joint raucht. Und so durfte er sich vier Stunden lang verhören lassen. Nun bekam er einen Brief von der Staatsanwaltschaft: 9.600 Euro Geldstrafe oder alternativ vier Monate Gefängnis.

 

Das Rauchen von Cannabis ist für Patienten in der Öffentlichkeit eigentlich nicht verboten, davon ausgenommen sind aber alle Örtlichkeiten, in denen auch kein Tabak geraucht werden darf, wie zum Beispiel Cafés.