Bei nicht wenigen Cannabisfreunden war die Erleichterung und die Hoffnung groß, als Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig im Spätsommer dieses Jahres die Nachfolge der unsäglichen Marlene Mortler antrat. Ungeachtet dessen, dass auch Ludwig Mitglied der erzkonservativen CSU ist, neigten viele Legalisierungsbefürworter dazu, „der Neuen“ erst mal eine faire Chance einzuräumen, bevor vorschnelle Urteile gefällt würden. Und tatsächlich, die ersten Statements von einem „Neuanfang“, von einem Blick nach Portugal und in die Niederlande ließen endlich den langersehnten Richtungswechsel in greifbare Nähe rücken. Highway betrachtete die Entwicklung von Anfang an mit einer gesunden Portion Skepsis, nicht zu Unrecht, wie sich nun immer mehr herauskristallisiert.

 

In einem Interview mit „Business Insider“ packt Ludwig erstmals die konkreteren Formulierungen aus, was endgültig zu vielen langen Gesichtern führen dürfte. Auf die interessante Frage, wie die Drogenpolitik der Bundesrepublik hinsichtlich Cannabis in zehn Jahren aussehen werde, antwortet Daniela Ludwig unumwunden: „Ich glaube, es wird weiter eine Droge sein, die viele interessiert, die aber weiter verboten ist. Und ich befürchte, wir werden 2030 immer noch ziemlich ähnliche Debatten führen wie heute.“ Mal abgesehen davon, dass man Frau Ludwig wohl kaum zutrauen kann, zu wissen, wie die deutsche Politik 2030 im Detail aussehen wird, liegt nahe, dass hier der Wunsch (der CDU/CSU) Vater des Gedankens war. Ansonsten fallen in dem Interview die üblichen Floskeln vom Jugendschutz und von der Drogenverharmlosung, es fehlt eigentlich nur noch das Gefasel vom viel beschworenen „fatalen Signal“. Hat hier jemand Neuanfang gesagt?

 

Aber ein Gutes hat das Ganze auch: endlich herrscht Klarheit über die (konservative) Agenda der nächsten Jahre. Also, falls es da tatsächlich bei dem ein oder anderen noch Zweifel gegeben hat: CDU/CSU sind unwählbar!

Habemus Drogenbeauftragte! Der weiße Rauch, der in den heimischen Wohnzimmern der deutschen Cannabisfreunde aufsteigt, hat damit allerdings nix zu tun. Höchstens könnte es sein, das der ein oder andere Cannabisfreund nach der Bekanntgabe den starken Drang verspürte, einen Beruhigungs-Joint zu rauchen. Denn ein Fortschritt in der hiesigen Drogenpolitik hin zu mehr Pragmatismus und Toleranz ist auch unter Daniela Ludwig, so der Name der Nachfolgerin Marlene Mortlers, nicht zu erwarten. Ludwig ist vielmehr aus demselben bajuwarischen Holz geschnitzt wie ihre viel gehasste Vorgängerin: mit zarten 19 Jahren trat sie in die CSU ein, Rebellion und kritisches Denken waren also wohl noch nie ihr Ding.

 

Als studierte Juristin kann sie sich ja jetzt zunächst mal mit der Justizkampagne des Deutschen Hanfverbands (DHV) und Richter Andreas Müller auseinandersetzen, das nötige Fachwissen müsste sie ja eigentlich mitbringen. Nur mit dem Thema Drogen(-politik) hatte Frau Ludwig leider bisher so gut wie keine Berührungspunkte, was sich auch in Aussprüchen wie dem folgenden aus dem Jahr 2015 zeigt: „Darüber hinaus gilt Cannabis auch weiterhin als Einstiegsdroge für viele Kinder und Jugendliche, die später auf weitere, härtere Drogen umsteigen.“ Für ihre kommende Amtszeit plant sie, das Thema „Alltagssüchte“ in den Vordergrund zu stellen, insbesondere Nikotin und Alkohol als gesellschaftlich akzeptierte, legale Drogen sollen in den Fokus der Debatte gerückt werden.