In den USA wurde in den letzten Tagen und Wochen mal wieder eine Debatte geführt, die Legalisierungsbefürwortern und Cannabisfreunden mittlerweile zu den Ohren herauskommt. Es ging mal wieder um die gute alte Einstiegsdroge. Schon wieder? Ja, schon wieder.

 

Niemand geringerer als der ehemalige Vizepresident und Präsidentschaftskandidat für 2020 Joe Biden, nach wie vor eine wichtige Stimme in der demokratischen Partei, verstieg sich zu der Aussage, er sei gegen die landesweite Legalisierung, da Marihuana eine Einstiegsdroge sei. Als alter Hase im politischen Geschäft formulierte er das zwar ziemlich schwammig und so aalglatt, dass es schwerfiel ihn darauf festzunageln, doch was er wirklich meinte und welche Botschaft er in der Öffentlichkeit verankert sehen wollte, war ganz klar: Cannabis ist eine Einstiegsdroge. Und auch, wenn die leidige Debatte nun wirklich in die erzkonservative Mottenkiste gehört, so freut es Cannabisliebhaber doch auch immer wieder, wenn Personen, die diesen wissenschaftlich nicht haltbaren Unsinn verbreiten, ordentlich kontra bekommen. Glücklicherweise gab es im Fall Biden einen ordentlichen Shitstorm und siehe da, nun rudert der 77-Jährige zurück. In einem insgesamt unnötig komplizierten und verschwurbelten Statement schließt er mit der klaren glasklaren Feststellung: „Ich glaube nicht, dass es sich um eine Einstiegsdroge handelt. Ich kenne keine Belege, die derartiges nahelegen.“ (Das vollständige Statement gibt es hier).

 


Na, warum nicht gleich so? Jedenfalls wird einmal mehr klar, dass die Cannabislegalisierung eine Generationenfrage ist. Wer in seiner Jugend zu viel Anti-Propaganda abbekommen hat, dem fällt es anscheinend schwer, eine objektive Neubewertung der Frage zuzulassen und Fehler einzugestehen. In diesem Sinne: OK, Boomer!

Manchmal kann man echt neidisch werden auf die Amis, zumindest auf die, die in den Legalisierungs-Bundestaaten leben. Einmal mehr schwappt eine kuriose Stellenausschreibung über den großen Teich, die alle deutschsprachigen Cannabisfreunde vor Neid erblassen lassen dürfte.

 

Das Cannabis-Unternehmen mit dem klingenden Namen „American Marijuana“ sucht Leute, deren Passion Cannabis ist und die sich bereiterklären, eine große Bandbreite an Cannabisprodukten aus dem Sortiment zu testen und darüber zu schreiben, zu bloggen, zu filmen. Puh, das klingt ja echt nach einer langweiligen Plackerei! Spaß beiseite, welcher Kiffer wird hier nicht hellhörig, zumal ein Jahresgehalt von bis zu 36.000 US-Dollar im Raum steht? Dafür erhält man einmal im Monat ein fettes Paket mit Cannabisprodukten, die man nach Herzenslust austesten kann. Der „Arbeitsalltag“ besteht dann daraus, die ehrliche Meinung über das jeweilige Testobjekt sowohl in schriftlicher, als auch in Form eines Videoclips zu artikulieren und einzuschicken.

 

Na gut, wenn es weiter nichts ist, wo kann ich mich bewerben? Tja, und da steckt auch leider der Haken, denn es werden wie so oft nur Bewerber mit Wohnsitz in den USA und Kanada akzeptiert. Außerdem fällt beim Blick ins Kleingedruckte auf, dass sich ausgerechnet die Regelung des Gehalts etwas schwammig anhört und sich scheinbar nach der Anzahl der eigenen Social-Media-Follower richtet (speziell hervorgehoben werden die Netzwerke Facebook und Twitter).

 

Wer sich jetzt trotzdem bewerben will oder vielleicht jemanden kennt, der die richtigen Voraussetzungen mitbringt, der sollte noch die, etwas speziellen, Applikationsbedingungen beachten: neben einem regulären Lebenslauf und einem 60-sekündigen Video, das klarmacht, warum man die richtige Person für den Job ist, wird auch noch die Aufzählung von sechs Slang-Begriffen für Marihuana verlangt.

 

Hmm, ok, wie wäre es damit? Ganja, Ott, Mary Jane, Weed, Kraut und Kaya. Also, wann kann ich anfangen? ich zieh auch sofort in die USA...

 
Eine neue Cannabis-Meinungsumfrage des Pew Research Centers unter US-Amerikanern ergab eine neue Rekordunterstützung für die landesweite Legalisierung von Marihuana: Zwei Drittel der amerikanischen Erwachsenen sind inzwischen der Meinung, dass Cannabis bundesweit vollständig legalisiert werden sollte. Stolze 67 Prozent der Amerikaner sind nun bereit für eine Legalisierung - noch einmal fünf Prozent mehr als noch vor einem Jahr und somit erstmals mehr als zwei Drittel der Gesamtbevölkerung.
 
 
 
Unter den in diesem Jahrtausend geborenen, waren gleich 76 Prozent dafür. Die geringste Zustimmung wurde von Personen über 74 Jahren geteilt, dort waren lediglich 32 Prozent für eine Freigabe. Deutliche Unterschiede waren auch auszumachen, wenn man auf die politische Ausrichtung der Befragten schaute. Anhänger der Demokraten sprachen sich zu stolzen 78 Prozent für eine landesweite Cannabislegalisierung aus, die Anhänger der Republikaner um Donald Trump wollen nur zu 55 Prozent eine Legalisierung.
 
 
 
Den persönlich interessiert das auch herzlich wenig, auf Bundesebene passiert nichts in diese Richtung. Sollte es mit der Amtsenthebung nichts mehr werden, bleibt wohl nur der Blick auf die Präsidentschaftswahlen im November 2020. Denn alle Hauptbewerber der Demokraten haben bereits ihre Unterstützung für eine vollständige und bundesweite Legalisierung zum Ausdruck gebracht. Somit stehen die Chancen für eine baldige, amerikaweite Legalisierung nicht schlecht.

Es wäre zu schön! Während die Mehrheit der Parteien im Deutschen Bundestag schon länger die Zeichen der Zeit erkannt hat und für eine kontrollierte Abgabe plädiert (die SPD mit Abstrichen, zugegeben), zeigte sich die CDU bisher weitgehend belehrungsresistent. Ein „fatales Signal“ für alle Jugendlichen sei die Diskussion um eine Legalisierung, Cannabis in der deutschen Kultur einfach nicht fest genug verankert. Cannabiskonsumenten und Legalisierungsbefürworter dürften das Liedchen schon zur Genüge kennen.



Doch, hoppla, nun melden sich auf einmal CDU-Gesundheitspolitikerin Karin Maag und CDU-Innenpolitik-Experte Marian Wendt mit ganz neuen Tönen zu Wort. Wendt sagte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): Man muss die gesellschaftlichen Realitäten anerkennen. Cannabis könnte für den Eigenbedarf freigegeben werden, natürlich bei kontrolliertem Anbau und kontrollierter Abgabe. Die frei werdenden Ressourcen in Polizei und Justiz sollten genutzt werden, um massiv gegen den illegalen Handel vorzugehen." Maag stieß mit ihrer Äußerung in dieselbe Kerbe und gab zu: „Selbstverständlich denken wir darüber nach, und zwar schon seit Jahren.“



So erfreulich solche Äußerungen für die leidgeplagte deutsche Cannabis-Community auch klingen mögen, muss man sich doch fragen, ob Maag und Wendt das Standing besitzen, um ihre Parteikollegen überzeugen zu können bzw. inwieweit die CDU wirklich bereit ist, eine echte Kursänderung in der Drogenpolitik anzustreben.

US-Rapper Snoop Dogg ist weltweit bekannt dafür, den 420-Lifestyle so zu leben wie kein anderer. Mittlerweile kann er es sich leisten, überall mit einem Joint zwischen den Lippen aufzukreuzen, sogar vor dem Wohnsitz des amerikanischen Präsidenten, dem Weißen Haus in Washington D.C., sah man den mittlerweile 48-Jährigen schon mit einer Lunte zwischen den Fingern. Man würde sich wohl eher wundern, wenn man ihn mal ohne Joint anträfe. Der Cannabiskonsum gehört zu Marke „Snoop Dogg“ einfach dazu.



In einer amerikanischen Talkshow verriet der Star nun, dass er sogar jemanden eingestellt habe, der die alleinige Aufgabe habe, den Maestro mit Joints und Blunts zu versorgen. Das Jahresgehalt, dass er dem Mann zahle, verriet er gleich mit: satte 50.000 Dollar streicht der „Baumeister“ im Jahr für seine Dienste ein. Ob es für aufwändigere Konstruktionen wie Cross-Joints Zuschläge gibt, ist dagegen unklar.



Das Geld scheint gut angelegt zu sein. Denn nicht zur die technischen Fähigkeiten des Drehens an sich seien nötig, um erfolgreich zu sein. „Timing. Das Timing dieses Motherfuckers ist tadellos. Das ist sein Job, sein Beruf“, so Snoop Dogg über die weitere notwendige Fähigkeit, die den jetzigen Angestellten so unverzichtbar mache. Der Joint muss also nicht nur gut gebaut werden, sondern auch genau im richtigen Augenblick hervorgeholt werden.



Auch Seth Rogen, Hollywood-Schauspieler mit Cannabis-Passion und zusammen mit Snoop Doog auf dem Talkshow-Sofa, denkt jetzt ebenfalls darüber nach, eine derartige Stelle auszuschreiben. Wer weiß, vielleicht tut sich da gerade ein weiteres lukratives Geschäftsfeld im Zuge der Cannabis-Legalisierung im US-Bundesstaat Kalifornien auf...

 

Noch kürzlich berichtete Highway über das neue Hanfbier aus dem Hause der Oettinger-Brauerei, da flattert schon die nächste Meldung bezüglich der Verflechtung Brauerei- und Cannabisindustrie ins Haus. Demecan, ein deutsches Start-up aus Berlin mit Lizenz zum medizinischen Cannabisanbau, konnte in einer Finanzierungsrunde sieben Mio. Euro einsammeln, die für den Auf- und Ausbau der firmeneigenen Plantage in der Nähe von Dresden genutzt werden sollen. Ende 2020 sollen dort dann die ersten Pflanzen geerntet werden und die Deutsche Cannabisagentur sagte bereits zu, zwischen 600 und 900 Kilogramm Medizinalcannabis pro Jahr aufkaufen zu wollen.

 

Doch woher kommen die Millionen, mit denen die Produktion so richtig ins Rollen gebracht werden soll? Zu einem großen Teil wohl aus der Tasche der Krombacher-Brauerei, die unter dem Deckmantel einer Beteiligungsgesellschaft unter der Leitung von Bernhard Schadeberg, Chef der populären Brauerei aus Nordrhein-Westfalen, die Investition tätigte. Demecan, Tochterfirma des kanadischen Produzenten Wayland, konnte sich im Kampf um die begehrten medizinischen Anbaulizenzen durchsetzen. Auch bei den anderen Firmen, die Zuschläge erhielten, handelt es sich um Ableger kanadischer Unternehmen.

Wer in der Vergangenheit mal wieder Lust verspürte, in einem Coffeeshop zu entspannen, dem blieb bisher nichts anderes übrig, als sich auf den Weg in die Niederlande zu machen. Anstatt wieder einmal gen Amsterdam aufzubrechen, hat man seit diesem Oktober die Möglichkeit, den ersten Coffeeshop in den Vereinigten Staaten zu besuchen. Der befindet sich mitten in West Hollywood, Los Angeles, und dürfte aus dem Stand eine der glamurösesten Cannabis-Adressen der Welt geworden sein.

 

Der Freizeitkonsum von Cannabis ist in Kalifornien zwar schon seit 2017 erlaubt, aber in den Dispensarys ist der Konsum ausdrücklich verboten. Cannabisproduzent Lowell Farms hat sich nicht lumpen lassen und hat nun für genau diesen Zweck eine „Erlebnisgastronomie“ geschaffen, die die meisten holländischen Coffeeshops in den Schatten stellen dürfte. Schummrige Ausleuchtung und abgewetztes Mobiliar sucht man hier vergeblich, das Interieur ist blitzsauber, (sonnen-)lichtdurchflutet und stylisch.

 

Alkohol wird nicht ausgeschenkt, denn wie auch in den Niederlanden ist Mischkonsum durch den Gesetzgeber nicht gestattet. Dafür gibt es aber nicht nur die üblichen Snacks zum Joint, nein, stattdessen erwartet den Gast eine reichhaltige Speisekarte mit hochwertigen Gerichten aus dem Topf von Spitzenköchin Andrea Drummer. Anstelle von Sommeliers steht dem unerfahrenen Besucher der sogenannte „tableside flower service“ zur Verfügung, der dabei hilft, die richtige Strain-Wahl zu treffen.

 

Man merkt schon, die ganze Angelegenheit ist gutes Stück exklusiver als Chocomel und Haschisch-Joint, aber das ist wohl einfach Hollywood. Und wo sonst kann man schon Pop-Star Miley Cyrus und Produzent Mark Ronson (die bei der Eröffnung gesichtet wurden) auf einen Gute-Nacht-Joint treffen? Na ja, wenn man es mal genauer bedenkt, so ein bisschen was Abgeranztes, das kann ja hin und wieder auch ganz gemütlich sein

Branchenkenner prognostizieren Cannabis-Getränken eine große Zukunft. Besonders die Biermischgetränke sind offenbar vielversprechend, einige große internationale Hersteller haben bereits mit entsprechenden Produktentwicklungen für Aufsehen und Gesprächsstoff gesorgt. Nicht umsonst hat sich Constellation Brands, einer der größten Weinbrand-Hersteller der Welt und Eigner zahlreicher Brauereien, bereits ein gutes Stück vom kanadischen Cannabisproduzenten Canopy Growth einverleibt. Das große Geschäft mit dem Rauschmittel der Zukunft will sich natürlich keiner entgehen lassen, denn eines haben Studien aus „legalisierten“ Ländern schon zeigen können: junge Menschen sind ausgesprochen offen für Cannabis, während der Absatz von alkoholischen Produkten in den betroffenen Regionen merklich zurückgeht.



Auch in Deutschland hat sich jetzt die erste große Brauerei an das Thema Cannabis gewagt und im Sommer ein Hanfbier in die Testmärkte gebracht: dasHanfkiss“ aus dem Hause Oettinger soll dort aber so überzeugend gelaufen sein, das schon bald eine bundesweite Einführung anstehen soll. „Hanfprodukte sind in Deutschland noch eine Seltenheit am Point of Sale und damit automatisch aufmerksamkeitsstarke Produkte. Sie wecken die Neugier der Verbraucher, denn der Geschmack von Hanf dürfte vielen Menschen noch weitgehend unbekannt sein", zeigt sich Peter Böck, Betriebsgeschäftsführer von Oettinger, zuversichtlich.



THC enthält eine Dose Hanfkiss natürlich so gut wie gar nicht (höchstens 0,2 Prozent), dafür aber 2,5 Prozent Alkohol und ist in dieser Hinsicht mit einem gewöhnlichen Radler/Alsterwasser zu vergleichen. Dass ausgerechnet die süddeutsche Firma Oettinger, deren Eigenmarke ein Billigbier-Ruch anhaftet, den Vorstoss wagt, mag überraschen. Doch das Unternehmen mit Sitz in Bayern, das fast komplett auf Marketing verzichtet und daher immer etwas unter dem Radar fliegt, zählt schon lange zu den umsatzstärksten Brauereien in ganz Deutschland.

Die neue Drogenbeauftrage Daniela Ludwig (CSU), die die äußerst unglückliche Marlene Mortler ablöst, macht zur Zeit mit einem Statement Schlagzeilen, in dem sie vollmundig einen Neuanfang (in der Drogenpolitik) ankündigt. Was sie dabei verkündet, klingt auf den ersten Blick gar nicht so verkehrt. Aber wie das so ist bei den meisten Politikern: besser, man legt jedes Wort auf die Goldwaage und liest auch zwischen den Zeilen. Und genau das tut Highway nun:

 

1. „Es geht beim Thema Drogen nicht um Verbotspolitik, sondern darum, Menschen mit ihren Sorgen und Problemen zuzuhören und Suchtkranken zu helfen.“

Wow, das klingt ja glatt so, als stelle Daniela Ludwig die Prohibitionspolitik infrage! Tatsächlich aber ist wohl eher Folgendes gemeint: „Wir machen Prohibitionspolitik nicht, weil wir euch etwas verbieten wollen. Sondern, um die Gesundheit der Menschen zu schützen. Und zu diesem Zweck ist es okay.“



2. „Dazu gehört auch, sich bei europäischen Nachbarn umzuschauen, was diese anders und vielleicht besser machten.“

Ja, genau schauen wir einmal in die Niederlande, nach Portugal, nach Spanien oder Luxemburg und schneiden uns von deren liberaler Drogenpolitik mal eine Scheibe ab. Doch ist das wirklich, was Daniela Ludwig vorhat? Genauso gut könnte es heißen: „Wir gucken uns das mal an, wie die anderen das handhaben (obwohl die Fakten schon seit Jahren auf dem Tisch liegen), aber ändern werden wir letztendlich nichts. Denn vielleicht ist deren Weg gar nicht besser, sondern nur anders. Und außerdem, wer sagt denn, dass nicht Frankreich (Anmerkung der Redaktion: Frankreich hat mit die rigideste Cannabisgestzgebung Europas) die besten Drogengesetze hat?“



3. „Es darf nicht nur darum gehen: Legalisierung ja oder nein? Über viele andere Ansätze wurde bisher zu wenig geredet, das will ich ändern.“

Okay, ein klarer Dämpfer für alle Cannabisfreunde. Im Klartext heißt das Statement eigentlich nichts anderes als: „Vergesst die Legalisierung! Ich bin dafür, noch ewig weiter rumdiskutieren, Hauptsache es ändert sich nichts Grundlegendes.“



4. „Ich werde mir vieles selbst in der Praxis anschauen. Alles, was Leben retten kann, verdient es, gesehen und gehört zu werden.

Was Drogenbeauftragte Ludwig wirklich meint ist: „Also, ich habe überhaupt keinen Plan von der Materie, deshalb brauche ich jetzt erst mal ein gutes Jahr, um mich ansatzweise einzuarbeiten. Vielleicht auch zwei oder drei.“



5. „Was am Ende des Tages zählt, ist der Gesundheitsschutz.

Wem liegt der Gesundheitsschutz denn nicht am Herzen? Tja, gegen so eine Aussage kann man wenig sagen. Außer, dass es sich um eine hohle Phrase ohne konkreten Inhalt handelt, die so schon von Hundert anderen Drogenbeauftragten dahergeplappert wurde. Wenn wirklich der Gesundheitsschutz alles ist, was zählt, dann kommt man an einer Legalisierung einfach nicht vorbei.

Ach ja, die SPD, die kränkliche alte Dame der deutschen Parteienlandschaft, wird es ihr gelingen, sich doch noch einmal aufzuraffen? Die Antwort auf diese Frage könnte auch ein gutes Stück weit damit zusammenhängen, wer in Zukunft den Parteivorsitz übernimmt. Sicher ist bisher nur, dass es, wie bei den Grünen, eine Doppelspitze geben soll. Sieben Bewerber-Paare haben sich aufgestellt, um der gebeutelten Partei neues Leben einzuhauchen. Für alle Cannabisfreunde gibt es dabei gute und schlechte Nachrichten zu vermelden. Die Gute: fünf der sich bewerbenden Paare sind für eine Neuausrichtung der Cannabisgesetzgebung.

 

Wie weit die Reformen tatsächlich gehen sollen, da variieren die Ansichten zwar von einer regulierten Abgabe (Christina Kampmann/Michael Roth) bis zur bloßen Entkriminalisierung (Nina Scheer/Karl Lauterbach), aber die grundlegende Richtung stimmt schon mal (auch wenn man zum Thema Anbau wenig hört). Leider stellt sich gerade das Duo, dem die höchsten Chancen eingeräumt werden, Klara Geywitz und Groko-Vizekanzler Olaf Scholz, quer. Das Duo, das in den Medien immer wieder dem „pragmatischen Flügel“ zugerechnet wird, beweist mit seiner Stellungnahme zum Thema Cannabis, das genau das Gegenteil der Fall ist. „Erleichterungen bei der Anwendung von Cannabis im medizinischen Bereich halten wir für denkbar. Cannabis ist und bleibt aber eine Droge, deren Konsum nicht gefördert werden sollte.“

 

Pragmatisch wäre es wohl eher, anzuerkennen, dass die Prohibitionspolitik eben keine sinkenden Konsumentenzahlen zur Folge hat, und das Cannabis für Millionen von Deutschen schon lange ein fester Bestandteil ihres Lebens ist und der weit überwiegende Teil der Konsumenten sehr gut klarkommt. Pragmatisch wäre es ebenso, in andere, fortschrittlichere Länder zu schauen und die dort zahlreich erhobenen Studien zu berücksichtigen. Wenn man also genauer darüber nachdenkt, ist die Position von Geywitz und Scholz eigentlich überhaupt nicht mit einem pragmatischen Politikstil zu vereinbaren, vielmehr ist „pragmatisch“ in der Nutzung unserer seriösen Medien wohl einfach nur ein Euphemismus für „reaktionär“. Und mit reaktionärem Gebaren wird die SPD bei den Wählern mit Sicherheit keinen Blumentopf gewinnen, in diesem Segment gibt es im Deutschen Bundestag einfach zu viele Alternativen.