Wer vom ganzen Corona-Bingewatchen inzwischen noch nicht genug hat (und mal ehrlich, das dürfte eher die Minderheit der Cannabisfreunde sein), der sollte der neuen Simpsons-Folge vielleicht mal eine Chance geben. Ja, die Simpsons, das Adult-Cartoon-Urgestein hält sich nach wie vor tapfer in der Gunst der Zuschauer und geht mittlerweile in die 31. Staffel. Besonders interessant ist die neue Folge „Highway to Well“ für Cannabisenthusiasten vor allem deshalb, weil das Thema Cannabis-Legalisierung erstmals in Folgenlänge aufgegriffen wird. Sicher, Seitenhiebe zum Thema Marihuana und Kiffen mag es schon in früheren Geschichten rund um die gelbe Familie gegeben haben, außerdem sei an eine (immer wieder gern gesehene) Folge aus Staffel 13 erinnert, in der sich Homer medizinisches Marihuana verschreiben lässt.

 

Doch in „Highway to Well“ geht es nun erstmals direkt in die Untiefen des legalen Cannabusiness: Marge wird „Budtender“ in einer schicken Dispensary und verkauft Buds, Edibles, Extrakte und Tinkturen an das Who´s who der Kiffer-Szene Springfields. Homer ist von der Abgabestelle, die von den Kunden aufgrund ihres cleanen Looks immer wieder mit einem Apple-Store verwechselt wird, allerdings weniger begeistert und zieht zusammen mit Bartender Moe eine Art Coffeeshop für die Oldschool-Konsumenten im altbewährten Schmuddel-Look auf, sozusagen ganz klassisch mit abgeranzter Couch und Spielkonsole. Neben Busfahrer Otto, der natürlich in jeder Episode mit Cannabisbezug seinen Auftritt haben muss, gibt es übrigens auch ein Wiedersehen mit einem populären Ex-Boxchampion mit Tribal-Gesichtstattoo, der mit einer Wellness-Ranch ganz groß ins legale Cannabusiness einsteigen will. Inhaltlich steht ganz klar der holprige Weg der Cannabis-Branche aus der Illegalität und der daraus resultierende Konflikt zwischen Professionalität und Authentizität im Mittelpunkt.

 

Und auch wenn die Simpsons ihre besten Zeiten wohl so langsam aber sicher hinter sich haben, dürfte man sich von der neuen Folge nur allzu gern für eine knappe halbe Stunde an die Couch fesseln lassen. Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich die Folge (in englischer Originalfassung) über untenstehende YouTube-Playlist direkt ansehen.

 

Seit Präsident Trump den Corona-Virus vor einigen Wochen sinngemäß als eine Art Hype bezeichnete, der schon bald von alleine wieder verschwinden werde, ist auch in den Vereinigten Staaten einiges passiert. Etwa 45.000 Tausend Infizierte werden inzwischen gezählt und nach und nach stellen haben immer mehr Städte den Normalbetrieb eingestellt. Ähnlich wie in den Niederlanden stellte sich in vielen der liberaleren Bundesstaaten die Frage, ob Cannabis-Abgabestellen, die sogenannten „Dispensaries“, nun zu schließen seien oder zu den wenigen Geschäften wie Supermärkten und Apotheken gehören sollten, die geöffnet bleiben dürfen. In vielen Fällen entschied man sich für letztere Option und bescheingte der Cannabis-Branche damit tatsächlich eine gewisse Systemrelevanz. Die New York Times spricht diesbezüglich gar von einer offiziellen Anerkennung, dass „Cannabis, für manche Amerikaner, so wichtig sei wie Brot und Milch.“ Mitarbeiter berichten augenzwinkernd von verzweifelten Kunden, die nicht wüßten, wie sie ohne Weed den wochenlangen Hausarrest mit der Ehefrau überstehen sollen.

 

Natürlich sind auch die Dispensaries dazu angehalten, Menschenansammlungen zu unterbinden und nur wenige Kunden gleichzeitig in die Verkaufsräume zu lassen. Und trotz dieser eigentlich umsatzschädigenden Vorsichtsmaßnahmen gehen die Verkäufe in Krise vielerorts durch die Decke. Die San Francisco Bay Area verzeichnete eine Steigerung von satten 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, nachdem die Bevölkerung von der Regierung dazu angehalten wurde, die eigenen vier Wände nur noch im Notfall zu verlassen. Vergangene Woche stiegen die Verkaufszahlen in Kalifornien im Vergleich zur Vorwoche gar um 204 Prozent. Seit der ersten euphorischen Woche der Legalisierung im Januar 2018 haben dort nicht mehr so viele Menschen Cannabisprodukte gekauft. Branchen-Insider sprechen von einer riesigen Nachfrage, die den jährlichen Andrang rund um den beliebten „Kiffer-Feiertag“ am 20. April noch bei weitem übertreffe.

 

Es ist kein Wunder, dass die Gruppe der Über-65-Jährigen oft große Berührungsängste beim Thema Cannabis hat. Die mediale Dämonisierung hat in den Köpfen gerade der Ältesten natürlich ihre Spuren hinterlassen. Auch in Deutschland weisen die Senioren in den entsprechenden Legalisierungs-Umfragen stets die niedrigsten Zustimmungswerte auf.

 

In den Vereinigten Staaten ändert sich das gerade. Im Zuge des legalisierungsbedingten Image-Wandels kommen viele Ältere langsam auf den Trichter, dass am verpönten „Teufelskraut“ vielleicht doch etwas dran sein könnte und dass gerade geriartische Beschwerden wie Arthrose mit der richtigen Dosis Cannabis auf schonendem Wege gelindert werden können.

 

Mit einer auf dem Datenmaterial des National Survey on Drug Use and Health basierenden Studie (befragt wurden 14.000 Senioren) wird das Ausmaß des Umschwungs nun deutlich: war es im Jahr 2006 noch eine verschwindende Minderheit, nämlich 0,5 Prozent, die nach eigenen Angaben Cannabisprodukte nutzten, belief sich die Zahl der betagten Nutzer im Jahr 2018 bereits auf 4,2 Prozent aller Befragten. Mehr Details zur Studie, die im wissenscahftlichen Journal „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht wurde, gibt es hier (Login erforderlich).

 

Wer sich einen Eindruck davon machen möchte, wie schamlos Cannabis einst geächtet wurde, der kann sich unten den mittlerweile kultigen und unfreiwilllig komischen Propagandafilm „Reefer Madness" in voller Länge ansehen.

 

Der US-Amerikaner Spencer Boston dürfte den meisten seiner kiffenden Landsleute inzwischen ein Begriff sein. Der junge Mann, der sich wegen eines „Cannabisbesitzdelikts“ verantworten musste, sorgte aber auch weltweit für großes Aufsehen, als vor dem vorsitzenden Richter einen schönen Joint auspackte und genüsslich anfing, zu rauchen. Boston, offensichtlich ein echter Cannabisenthusiast, versäumte es dabei auch nicht, den Vorsitzenden und die anwesenden Zuschauer auf die Dringlichkeit einer baldigen Cannabislegalisierung hinzuweisen. In einem Telefoninterview äußerte sich der 20-Jährige erstmals gegenüber der Öffentlichkeit: „Der Richter wollte nichts über die Legalisierung hören, also habe ich das gemacht, was ich sowieso schon die ganze Zeit vorgehabt hatte und habe den Joint angezündet und mich an die Zuschauer gewendet.“

 

Allen, die sich schon gefragt haben, ob der Joint wirklich echtes Marihuana enthalten habe, versicherte Boston: „Es war echt gutes Zeug.“ Ihm war auch klar, dass ihn die Aktion hinter Gittern bringen würde, doch das war ihm die Aufmerksamkeit wert. „Klar, kann man auch einfach rausgehen und demonstrieren, nur leider kümmert das keinen.“

 

Die zehntägige Haftstrafe, die seine Aktion nach sich zog, wurde nach der Zahlung einer Kaution ausgesetzt. Ein Spendenaufruf auf der Website gofundme.com unter dem Titel „Free Spencer Boston“ sammelte bisher knapp 7.300 Dollar ein, mehr als das Doppelte des nötigen Betrages. Zahlreiche Privatpersonen und  Cannabisunternehmen ließen es sich nicht nehmen, Spencer Boston mit einem kleinen oder größeren Geldbetrag ihren Respekt auszudrücken. Wer diesem Beispiel folgen will, kann das hier tun.

 

Im US-Bundestaat Tennessee ticken die Uhren (nicht nur) bezüglich Cannabis etwas langsamer als in manch anderem Teil der Vereinigten Staaten. Von daher kann es vielleicht gar nicht schaden, den dortigen Behörden mal ein wenig Kontra zu geben. In einem Gerichtssaal in der Stadt Lebanon hat das nun ein junger Mann getan, der wegen des Besitzes von Cannabis angeklagt war. Keine so große Sache, mag sich der 20-Jährige, der optisch ein wenig an den "Dude" erinnert, gedacht haben, da geht noch was. Vor den ungläubigen Augen des Richters und dem peinlich berührten Gekicher der anwesenden Zuschauer zog er doch tatsächlich einen Joint aus der Tasche und zündete ihn an. Bevor er von den überrumpelten Gerichtsbeamten abgeführt wurde, gelang es dem Cannabisfreund, noch einige Züge zu nehmen und ein paar Sätze über die seiner Meinung nach dringend nötige Cannabislegalisierung anzubringen.

 

Den Vorsitzenden konnte er damit allerdings naturgemäß nicht überzeugen, stattdessen gab es eine weitere Anzeige wegen des Besitzes von Cannabis. Darüber hinaus muss der Angeklagte wegen Missachtung des Gerichts die nächsten zehn Tage hinter Gittern verbringen. Wer weiß, vielleicht hat sich die öffentlichkeitswirksame Aktion für ihn nichtsdestotrotz gelohnt, denn die internationale Aufmerksamkeit ist ihm auch dank des viral gegangenen Videos (siehe unten) gewiss. Und mit ein bisschen Glück wartet vielleicht ja schon der ein oder andere Werbevertrag mit einem Cannabisunternehmen auf den unerschrockenen Cannabisenthusiasten, wenn er entlassen wird…

 

Im US-Bundesstaat Michigan ist der private Anbau von Cannabis für den Eigenbedarf zwar inzwischen legal, allerdings ist die erlaubte Anzahl auf zwölf Pflanzen begrenzt. Den meisten Cannabisfreunden dürfte das für den abendlichen Entspannungs-Joint ausreichen, doch natürlich gibt es auch Leute, die sich eigenmächtig über diese Regelung hinwegsetzen und größere Cannabisaufzuchten betreiben.

 

Laut Angaben der Stadträtin Linda Nelson wird das im Ort Bessemer gerade zu einem Problem. Und zwar zu einem olfaktorischen. Nelson sorgt sich um Bewohner, die nicht mehr in ihrem Garten sitzen können, da der Weed-Gestank so stark sei. Man könne zum Leidwesen vieler „überall Marihuana riechen“ Gut, wenn es weiter nichts ist, könnte man jetzt einwerfen – schließlich verpesten beispielsweise Autofahrer mit ihren Abgasen die Atemluft in sehr viel größerem Ausmaß. Und die stinken nicht nur, die sind auch noch ziemlich ungesund. Aber das ist wohl eine andere Geschichte. Nun eilt die Polizei zu Hilfe – mithilfe eines Gadgets, das den Beamten den Weg zur nächstgelegenen übergroßen Cannabispflanzung weisen soll. Das Gerät, eine Art Megafon für die Nase, sieht im Einsatz zwar überaus dämlich aus, soll aber funktionieren.

 

In Denver, Colorado, sozusagen der Wiege der US-Legalisierung, befindet es sich bereits seit Jahren im Einsatz. Damit der „Nasal Ranger“ zukünftig auch in ästhetischer Hinsicht überzeugen kann, hat die Design-Redaktion des Highway ein paar Entwürfe erarbeitet, wie man es besser machen könnte.

 

 

 

 

 

 

Millionen Menschen in Deutschland sehnen die Cannabis-Legalisierung herbei, viele jedoch nur im stillen Kämmerlein. Es gibt jedoch auch einige Vorkämpfer, die sich offensiv und vor allem öffentlich für die Legalisierung einsetzen – teilweise auch in Gruppierungen und Vereinen wie dem Schildower Kreis odeLaw Enforcement Against Prohibition Deutschland (LEAP) organisiert. Besonders bekannt unter deutschen Cannabisfreunden ist natürlich auch der Deutsche Hanfverband (DHV), der auch ursprünglich im Jahr 2002 eher als Wirtschaftsvertretung konzipiert war, aber sich auch entschloss, private Mitglieder aufzunehmen und zu vertreten – und das auch immer intensiver.
 
 
So fuhr der DHV also bislang zweigleisig und versuchte die Interessen von Cannabiskonsumenten und zu Straftätern abgestempelten Menschen, die sich für die harmloseste aller illegalen Drogen interessieren, zusammen mit den Interessen der aufstrebenden deutschen Cannabisindustrie unter einen Hut zu bringen. Der Spagat, Anti-Prohibitionisten und Unternehmer zu vereinen und zu repräsentieren, wurde immer schwieriger und aufwendiger und so will sich der Deutsche Hanfverband nun vorrangig auf die Belange von Konsumenten konzentrieren.
 
 
Ausschließlich für Unternehmen wurde also nun ganz frisch in Berlin der Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) gegründet. Dieser will sich als kommende Stimme der Cannabisbranche in Deutschland positionieren, versteht sich als Interessenvertretung der gesamten Cannabiswirtschaft in Deutschland und wird als Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien fungieren.
 
 
Die Gründung des Bundesverbands Cannabiswirtschaft ist ein längst überfälliger Schritt, mit dem beide Interessensgruppen ihr Profil schärfen. Der neue Verband wird die Vertretung der Branche übernehmen, während sich der Hanfverband vor allem als Bürgerrechtsbewegung versteht“, so DHV-Chef Georg Wurth.
 
 
Vertreten im Bundesverband Cannabiswirtschaft sind alle Bereiche der aufstrebenden Branche: Medizinalcannabis, Nutzhanf, CBD, Import, Dienstleistungen, Handel und Technik. 14 Unternehmen aus der Cannabiswirtschaft nahmen an der Gründungsversammlung teil und initiierten den Verein, beitreten kann jedes Cannabisunternehmen.
 
 
Die Jahresbeiträge (wie auch Anzahl der Vertreter in der Mitgliederversammlung) sind nach Anzahl der Mitarbeiter gestaffelt und beginnen bei jährlich 2.000 Euro für bis zu fünf Mitarbeiter und enden bei 20.000 Euro per annum für Unternehmen mit mehr als Hundert Mitarbeitern.
 
 
Als Präsident des BvCW wurde Stefan Meyer von der Neo-Livia GmbH gewählt. Für den Bereich Medizinalcannabis wurde Armin Prasch von der Fidelio Healthcare GmbH & Co. KG zum Vizepräsidenten ernannt, für den Bereich Nutzhanf Marijn Roersch van der Hoogte von der Hanffaser Uckermark eG. Als Geschäftsführer wurde der zuletzt beim Deutschen Hanfverband tätige Jürgen Neumeyer bestimmt.
 
 
Als weitere Präsidiumsmitglieder wurden gewählt: Lisa Haag (MJ Universe GmbH), Michael Greif (Drapalin Pharmaceuticals GmbH), Sven Kallies (Thankyoujane GmbH), Benjamin Patock (Bovida Inc.), Philipp Weber (Cannamigo GmbH), Joscha Krauß (MH medical hemp GmbH), Maximilian Moosbrugger (Cannamigo GmbH) und Ulrich Thibaut (TherCanni GmbH)
 
 
Der Präsident des BvCW, Stefan Meyer, erklärte zur Gründung: „Eine Interessenvertretung für die Cannabiswirtschaft in Deutschland war überfällig. Der BvCW will die starke Stimme für alle in Deutschland bereits aktiven Unternehmen im Bereich Cannabis werden. Viele regulatorische Fragen müssen besprochen und vernünftig gestaltet werden. Im internationalen Vergleich muss Deutschland im Bereich Forschung, Gesetzgebung und in marktkonformen Regularien aufholen. Wir werden als Cannabiswirtschaft dabei helfen!“
 
 
Für den Bereich Medizinalhanf erklärt der Vizepräsident des BvCW, Dr. Amin Prasch: „Das 2017 beschlossene ,Cannabis als Medizin‘-Gesetz eröffnet gute Voraussetzungen für medizinisch angewendetes Cannabis in Deutschland. Hierzu erscheint es erforderlich, dass sowohl geltende Regulierungen und Qualitätsstandards eingehalten werden als auch, dass diese, beispielsweise durch Standardisierung und Zertifizierung, durchaus neu definiert und angepasst werden können. Dies mit dem Ziel, einerseits die Produktsicherheit zu erhöhen und sicherzustellen und andererseits, derzeit noch bestehende Vorurteile und Bedenken bei allen Beteiligten zu korrigieren und abzubauen.“
 
 
Für den Bereich Nutzhanf erklärt der Vizepräsident des BvCW, Marijn Roersch van der Hoogte: „Hanf wird als nachwachsender Rohstoff und als Lebensmittel in Deutschland und Europa eine wichtige Rolle spielen. Überholte Grenzwerte und offene Fragen in der vielfältigen Anwendung von Cannabis als Rohstoff, als Lebensmittel und als Nahrungsergänzungsmittel werden von uns gegenüber der Politik angesprochen. Wir haben viel Aufklärungsarbeit vor uns und sollten uns auf einen internationalen Wettbewerb sinnvoll vorbereiten.“
 
 
So ist also davon auszugehen, dass wir in Zukunft noch häufig vom BvCW hören werden. Interessierte können sich auf der Website www.cannabiswirtschaft.de informieren oder gleich alle Unterlagen herunterladen, um ihr eigenes Cannabisunternehmen anzumelden.

Selbst dort, wo Cannabis bereits vollständig legalisiert worden ist, muss man sich noch mit den hässlichen kleinen Rückständen der Prohibtionsideologie abmühen, die sich über Jahre und Jahrzehnte in den Fugen und Ritzen der Gesellschaft festgesetzt haben wie Schimmel. Dabei könnte doch inzwischen alles so einfach sein in Las Vegas, Nevada, USA. In der Glücksspiel-Metropole ist Cannabis inzwischen legal und natürlich verdient sich die Stadt dumm und dämlich an den zahlreichen Dispensaries und der größten Cannabis-Ausstellung der Welt. An den Organisatoren der Consumer Electronics Show (CES), einer der größten Tech-Messen der Welt, ist diese Entwicklung aber scheinbar vorbeigegangen.

 

Dabei sah zunächst alles rosig aus für die Cannabisbranche: erstmals wurde im Rahmen der Messe-Awards ein für den Umgang mit Cannabis konzipiertes Produkt ausgezeichnet. Ein toller Erfolg für die Cannabisszene im Kampf um gesellschaftliche Akzeptanz. Der Keep Smart Storage, eine Art smarter Humidor voller nützlicher Sensoren, überzeugte die Jury mit seinem eleganten Design und der innovativen Funktionalität und konnte den ersten Preis in der Kategorie „Innovation“ einheimsen. Allerdings sollte der Hersteller-Firma nichtsdestotrotz eine Art Maulkorb angelegt werden, denn auf der Preisverleihung inklusive Produktpräsentation sollte unter keinen Umständen das Wort Cannabis auch nur fallen und befüllt werden sollte die Box damit natürlich erst recht nicht.

 

Der Hersteller weigerte sich standhaft bei dem seltsamen Spiel mitzuspielen und sagte seine Teilnahme an der Preisverleihung kurzerhand ab. Stattdessen nutzte man die mediale Aufmerksamkeit für eine spontane Crowdfunding-Aktion, an deren Erfolg nach jetzigem Stand (97 % funded) glücklicherweise kein Zweifel mehr besteht. Einer Massenproduktion und einem baldigen Testbericht im Highway steht nun also (so gut wie) nichts mehr im Wege.

Vor einigen Jahren machte in den deutschen Medien das sogenannte „Komasaufen“ die Runde: gemeint war natürlich das exzessive Trinken bis zum Totalabsturz, das gerade bei Jugendlichen beliebt ist. Die Reaktion der Politik kam prompt, es folgte ein Verbot von schnapshaltigen Limonaden, den „Alkopops“, die als Wurzel allen Übels identifiziert worden waren. Symbolpolitik vom Feinsten, schließlich kann sich jeder seinen Alkopop auch einfach selbst mixen. Das ist nicht nur günstiger, man kann auch ganz nach eigenem Geschmack dosieren.

 

Eine aufwändige neue Studie, die mithilfe von Datensätzen von einer Million Teilnehmern über einen Zeitraum von 2008 bis 2018 erstellt wurde, beschäftigt sich erneut mit dem Thema „binge drinking“ (englisch für Komasaufen). Unter der Leitung von Dr. Zoe Alley wurde anhand des Berges an Datenmaterial versucht herauszufinden, ob und in welcher Art sich eine vollständige Cannabislegalisierung bei College-Studenten auf den Konsum von anderen berauschenden Substanzen wie zum Beispiel Alkohol auswirkt. Das Resultat: um durchschnittlich sechs Prozent ging das Rauschtrinken unter volljährigen College-Studenten (21+) nach einer Cannabislegalisierung zurück.

 

Dr. Alley vertritt die These, dass die Studenten tendenziell lieber zu Cannabisprodukten als zu Alkoholika greifen, wenn der Staat ihnen die Wahl lässt und ist der Meinung, dass ihre Studienergebnisse dies unterstützen. „Der wichtigste Punkt, den wir mit unserer Arbeit feststellen konnten, ist, dass sich eine vollständige Legalisierung von Cannabis auf die Praxis des Komasaufens unter volljährigen Studenten auswirkt“, fasst Alley die Studienergebnisse zusammen. Und zwar durchaus in positiver Weise, wie Highway an dieser Stelle unterstreichen möchte.

Als damals am ersten Tag des neuen Jahres 2014 in Colorado die ersten legalen Cannabis-Shops ihre Pforten öffneten, war das öffentliche Interesse riesengroß. Journalisten und Politiker aus aller Welt schauten auf den US-Bundesstaat, der sich auf unbekanntes Terrain wagte und Cannabis auch für den Freizeitkonsum zuließ. Am Ende des Verkaufstags waren Cannabisprodukte im Wert von einer Million US-Dollar umgesetzt worden.

 

Nun ist auch Bundesstaat Illinois den Schritt gegangen, seit dem ersten Januar 2020 darf man auch hier Cannabis kaufen, um es zu Genusszwecken zu konsumieren. Und die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: 3,2 Millionen Dollar wurden allein am ersten Verkaufstag umgesetzt, verteilt auf stolze 77.128 Transaktionen. Lange Warteschlangen wie auf dem Bild oben (ein Post eines US-Hanfaktivisten) waren keine Seltenheit im neujährlichen Stadtbild. Illinois ist der elfte US-Bundesstaat (Regierungssitz Washington D.C. einmal ausgenommen), der die vollständige Legalisierung umsetzt. Dem geneigten Bürger ist damit nun erlaubt, bis zu 30 Gramm Blütenmaterial und fünf Gramm Konzentrate zu besitzen.

 

In einer schönen Aktion, die der Legalisierung an Silvester vorausging, wurden außerdem gut 11.000 Menschen begnadigt, die aufgrund leichterer Cannabis-Delikte verurteilt worden waren.