Erschreckende Nachrichten aus Holland: gestern Mittag hielt der Abgeordnete Arno Rutte im niederländischen Parlament eine Rede zum Thema organisierte Kriminalität, als der bekannte 65-jährige Cannabis-Aktivist Hans Kamperman aus Groenlo über die Balustrade in den Plenarsaal sprang – mit einem Strick um den Hals.

 

Wie die Zeitung „De Telegraaf“ berichtet, überlebte Kamperman den Selbstmordversuch allerdings – zahlreiche Mitglieder des Parlaments eilten ihm zu Hilfe und hoben ihn an, bis ein Krankenwagen eintraf. Seinen Selbstmordversuch kündigte der Cannabis-Aktivist zuvor bei Facebook an.

 

In dem Beitrag bittet er seine Freunde und seine Familie um Verzeihung und schreibt, dass er in seiner Verzweiflung keine andere Möglichkeit mehr sehen würde, um die Politik auf die unhaltbaren Zustände hinsichtlich (medizinischem) Cannabis aufmerksam zu machen.

 

Das ist der Irrsinn, auch der niederländischen Drogenpolitik: Cannabiskonsumenten kriminalisieren und Cannabis-Aktivisten drangsalieren – wegen einer Pflanze, die noch nie jemanden getötet hat – bis diese so verzweifelt sind, dass sie sogar ihr eigenes Leben opfern wollen, um menschlichere Zustände herzustellen.

 

Ob dies der richtige Weg ist, um für bessere Cannabis-Gesetze zu kämpfen sei jedoch dahingestellt...

Snoop Dogg hat seinem Namen schon mehr als einmal alle Ehre gemacht und einen richtigen Riecher bewiesen. Auch und gerade im Marihuana-Geschäft – wir berichteten mehrfach. Nun kann er einen weiteren Erfolg verbuchen: seine Risikokapitalfirma Casa Verde Capital hat nun 45 Millionen Dollar gesammelt, die in verschiedene Cannabis-Start-ups investiert werden sollen.

 

Die eine Hälfte der Kohle soll genutzt werden, um einige Start-ups mit jeweils etwa einer Millionen Dollar auszustatten. Die andere Hälfte des Geldes wird dann eingesetzt, um die sich positiv entwicklenden Firmen weiter zu unterstützen.

 

Besonders interessant: es soll ausschließlich in Cannabis-Firmen investiert werden, die nicht direkt in Anbau oder Verkauf von Gras und Co. involviert sind. Unter den Firmen, in die Snoops Firma bereits investiert hat, befindet sich etwa Leaflink, ein B2B-Marktplatz für die Cannabisindustrie, oder Eaze, eine Logistikplattform für Anbieter von medizinischem Marihuana.

Die von Cannabis-Prohibitionisten angekündigten negativen Auswirkungen von Cannabis-Legalisierungen sind bislang nirgendwo eingetreten. Immer mehr Länder und amerikanische Bundesstaaten legalisieren Weed, ohne dass schädliche Folgen irgendwelcher Art eintreten. Nun ja, deutsche Politiker rechts der Mitte wird dies nicht darin hindern, weiterhin ihren erbärmlichen Schwachsinn in die Mikrofone zu quatschen. Aber gut, das deutsche Volk hat seine Stimme abgegeben und will die große Koalition – Glückwunsch noch einmal!

 

Die Amerikaner haben sich – dank des dortigen Wahlsystems: Hillary Clinton bekam etwa drei Millionen mehr Wählerstimmen – ebenfalls für Politik fernab der Realität entschieden und Donald Trump ins Amt gehievt. Dennoch hat dies bislang nichts an der De-facto-Cannabispolitik geändert: in 30 der 50 Bundesstaaten sowie im Regierungssitz Washington, D.C. ist der Gebrauch von Marihuana und Hasch in irgendeiner Form erlaubt.

 

Eine Studie von New Frontier Data, einem Analyse-Unternehmen für die Cannabis-Industrie, untersuchte, welche finanziellen Auswirkungen zu erwarten seien, falls Cannabis auf der Stelle in allen 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten legal werden würde. Die Ergebnisse sind recht beeindruckend. Unter diesen Umständen wären bis zum Jahr 2025 eine Million Arbeitsplätze sowie Steuereinnahmen in Höhe von 105 Millionen Dollar zu erwarten.

 

Somit bleibt zu hoffen, dass die landesweite Legalisierung wahrscheinlicher ist, als ein diesbezüglicher Rückschritt, der von Trump und Justizminister Sessions angekündigt – aber bis auf Weiteres nicht umgesetzt – wurde.

Am 10. März feiert die medizinische Freigabe von Cannabis in Deutschland ihren ersten Geburtstag. Von der ABDA, der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände, gibt es zu diesem grundsätzlich schönen Anlass jetzt ein paar Zahlen und Statistiken über die Nachfrage im ersten Jahr.



Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 44.000 „Einheiten“ von Cannabis-Blüten an den Mann gebracht. Die Nachfrage sei von Quartal zu Quartal gestiegen, so Dr. Andreas Kiefer, Präsident der deutschen Bundesapothekerkammer. Während im zweiten Quartal 2017 noch 4.615 Rezepte (10.055 Abgabeeinheiten) ausgestellt wurden, waren es im vierten Quartal bereits 12.717 Rezepte (18.828 Abgabeeinheiten). Nach Schätzungen liegt die Zahl der Patienten mit Zugang zu Marihuana aktuell zwischen 20.000 und 30.0000. Angaben des AOK-Bundesverbandes und der Barmer zufolge ist das Bundesland, in dem die meisten Anträge auf medizinisches Cannabis gestellt werden, übrigens das restriktive Bayern.



Der Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbands (DHV), Georg Wurth, übte dennoch Kritik und sieht nach wie vor großen Nachholbedarf im Gesundheitsministerium: „Völlig überzogene Preise, ein vermurkstes Lizenzverfahren und Willkür bei den Krankenkassen“ sieht der Cannabis-Lobbyist momentan als die drängendsten Probleme in Sachen medizinischem Cannabis an.

Als wäre die Große Koalition nicht schon schlimm genug für alle Cannabisfreunde und diejenigen, die sich nicht an politischem Stillstand ergötzen können, kommt es nun noch dicker: Marlene Mortler, seit 2014 Drogenbeauftragte der Bundesrepublik Deutschland, darf laut „Tagesspiegel“ weiterhin dieses Amt bekleiden, obwohl sie seit Jahren deutlich beweist, dass sie nicht im Ansatz weiß wovon sie redet und kaum jemand für diesen Job ungeeigneter sein könnte als sie.

 

Ein rabenschwarzer Tag für Deutschland. Als Zeichen der Trauer geht die Highway-Redaktion nun geschlossen nach Hause und raucht sich die Birne dicht.

Dass man sich als Cannabisfreund in Deutschland so einiges an Vorurteilen und Halbwahrheiten in Bezug auf das bevorzugte Genussmittel anhören muss, daran haben sich die meisten Kiffer mittlerweile gewöhnt. Im sicheren Bewusstsein, die besseren Argumente auf ihrer Seite zu haben, wird inzwischen vieles mit Humor genommen, um die Gegenseite und ihre veralteten Ansichten der Lächerlichkeit preiszugeben. Mit einer Drogenbeauftragten wie Marlene Mortler, CSU, hat die Szene in dieser Hinsicht natürlich auch einen dankbaren, weil erstaunlich ahnungslosen, Gegenpart.

 

Doch auch in einem Land, dass in Sachen Cannabispolitik und –akzeptanz schon deutlich weiter ist, ja, wo sogar noch dieses Jahr die vollständige Legalisierung in Kraft treten wird, halten sich selbst ziemlich abwegige Vorurteile scheinbar hartnäckig. Wir sprechen hier natürlich von Kanada und im Speziellen von einem Vorfall, der sich auf einer Schulversammlung im Bezirk York ereignete. Ein speziell dafür ausgebildeteter Polizeibeamter sprach dort vor der interessierten, katholischen Schülerschaft angesichts der nahenden Freigabe über die Gefahren von Cannabis.

 

Der gute Mann ließ es sich im Rahmen dieser Veranstaltung doch tatsächlich nicht nehmen auf eine Studie zu verweisen, nach der „(…) Marihuana das Testosteronlevel senkt (…)“ und als Folge dessen rund 60 % der jugendlichen Konsumenten „Männerbrüste“ entwickeln würden. „Doobies make boobies“, so die eindringliche Warnung des polizeilichen Drogenbeauftragten. Dumm nur, dass es Studien mit derartigen Ergebnissen niemals gegeben hat und es sich viel mehr um eine Art „Urban legend“ handelt, wie Experten korrigieren.

 

Das ist mittlerweile wohl auch der Polizei von York klar geworden, die sich kurze Zeit später mit einem viel beachteten Tweet für die misslungene Aufklärungsveranstaltung entschuldigte.

In der aktuellen Ausgabe von Highway haben wir mit André Schulz, dem Bundesvorsitzenden des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, ein Interview geführt, in dem er bekräftigte, dass sich seine Gewerkschaft für die Entkriminalisierung von Cannabis einsetzt. Wenige Wochen später zitierten ihn sogar „Bild“ und „Tagesschau“ mit dieser Aussage. Nun gibt es auch Schützenhilfe von den deutschen Ärzten: Einer aktuellen Umfrage des „Ärztenachrichtendienstes“ unter 858 Haus- und Fachärzten zufolge sprechen sich 53 Prozent der deutschen Ärzte für eine komplette Legalisierung von Cannabis für kranke wie auch gesunde Menschen aus, wenn eine sinnvolle Regulierung und Abgabe eingeführt wird. 36 Prozent der Mediziner votierten für eine Beschränkung des Konsums im Zuge medizinischer Anwendungen. Für ein vollständiges Cannabis-Verbot stimmten einzig 12 Prozent der befragten Ärzte. Dies wurde zumeist mit dem üblichen Quatsch begründet (Beeinträchtigung des Gehirns, Psychosen und dergleichen).

Das ist doch mal ein Statement!



Der BDK (Bund Deutscher Kriminalbeamter) spricht sich in aller Deutlichkeit für eine vollständige Entkriminalisierung von Cannabiskonsum aus. Der Chef der 15.000-Mitglieder-starken Polizeigewerkschaft, André Schulz, bekräftige im Gespräch mit der Bild, dass die „Die Prohibition von Cannabis (...) historisch betrachtet willkürlich erfolgt und bis heute weder intelligent noch zielführend“ sei. Er kritisierte außerdem, dass „70 Prozent der Drogenfälle der Kripo (…) sich mit den Konsumenten, nicht mit Dealern“ befassten.

 

Eine wichtige Ausnahme bleibt für den BDK allerdings das Führen eines Fahrzeugs: Dies soll sowohl unter Alkohol- als auch unter Einfluss von Cannabis weiter verboten bleiben. Schulz ging gegenüber der Bild-Zeitung nichtsdestotrotz sogar soweit, sich zu folgender Aussage hinreißen zu lassen: „Cannabis, so meine Prognose, wird in Deutschland nicht mehr allzu lange verboten sein.“ In Anbetracht der Tatsache, dass nun sowohl die Mehrheit aller deutschen Krininalbeamten als auch der sogenannte „Schildower Kreis“, ein einflussreiches Netzwerk von Strafrechtsprofessorinnen und -professoren, ausdrücklich für eine Entkrimilasierung werben, könnte er damit sogar verdammt richtig liegen…

 

Leser der Highway-Printausgabe wird dies nicht sehr überraschen, hatte sich Schulz doch bereits im November in einem Interview im Rahmen der Cannabis Normal!-Konferenz des DHV (Highway 01/2018) ähnlich geäußert. Die erneute Bekräftigung gegenüber einem Medium wie der reaktionären Bild hat aber sicher noch einmal eine ganz andere Qualität.

Das geltende Cannabis-Verbot ist dumm und widersinnig. Und teuer in jeder Hinsicht, vor allem für die Steuerzahler: nicht nur werden durch die Prohibition keine Steuereinnahmen eingenommen, schlimmer noch – allein durch die Strafverfolgung werden jedes Jahr viele Millionen Euro sinnlos verplempert.

 

Das müssten selbst eingefleischte Prohibitionisten eigentlich anerkennen, richten sich doch praktisch alle Maßnahmen der Polizei gegen Endkonsumenten. Zwar werden deren Leben dadurch teilweise zerstört, aber der Konsum von Marihuana und Haschisch kann durch solche Aktionen dennoch nicht im Ansatz unterbunden werden.

 

Ein besonders peinliches Exempel für den sinnlosen Kampf gegen Drogen im Allgemeinen und Cannabis im Speziellen wurde zum Jahresbeginn, genauer gesagt am 4. Januar, von der Dresdner Polizei statuiert: pünktlich um 12 Uhr rückten insgesamt 40 Beamte zum Großeinsatz zur „Bekämpfung der Straßen- und Betäubungsmittelkriminalität“ aus. Jeder der Beamten war laut der Pressestelle der Polizei Sachsen acht Stunden lang im Dienst.

 

Interessanterweise schafften die 40 Beamten in acht Stunden jedoch bloß, 14 Personen zu kontrollieren. Dabei wurden bei fünf Personen insgesamt 12 Gramm Cannabisprodukte konfisziert. Die „Huffington Post“ rechnete aus, dass dieser Einsatz den Steuerzahler vermutlich 17.000 Euro gekostet hat. Sollten gegen die fünf Personen Gerichtsverfahren eröffnet werden, kommen noch einige weitere Tausend Euro dazu.

 

Wir sagen: schämt euch. 17.000 Euro ausgeben, um 12 Gramm Cannabis zu beschlagnahmen. Was ist los mit euch?

Seit zehn Monaten gibt es in Deutschland bereits offiziell und legal Cannabis aus der Apotheke, auch wenn das Ganze immer noch mit größeren Schwierigkeiten verbunden ist. Die Nachfrage selbst ist jedenfalls riesig und so gingen seit März 2017 insgesamt 13.000 Anträge auf Cannabis auf Rezept bei den Krankenkassen ein.

 

Bewilligt wurden jedoch nicht einmal zwei Drittel der bei den Krankenkassen eingereichten Anträge auf die Kostenübernahme von medizinischem Cannabis: AOK und TK bewilligten 64 Prozent der Anträge, die Barmer 62 Prozent. Die Krankenkassen sagten, dass die abgelehnten Einträge oft auch auf Formfehler zurückzuführen seien.

 

Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbands, lies dazu verlautbaren: „Zu viele Anträge werden nicht genehmigt, und immer wieder setzen sich Patienten erst vor Gericht gegenüber den Kassen durch.“

 

Die gesteigerte Nachfrage bedeutet für die Patienten leider immer wieder Lieferengpässe. Das derzeit in deutschen Apotheken ausgegebene Cannabis wird aus den Niederlanden und Kanada importiert. Noch immer ist nicht geklärt, wer und wann in Deutschland legal Marihuana anbauen werden darf.