Die Israelis, mit weitem Abstand die Kiff-Weltmeister von 2017 (27 Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren hatten innerhalb eines Jahres Cannabis konsumiert; Zweiter war Island mit 18 Prozent und Dritter die USA mit 16 Prozent der Bevölkerung), werden aller Wahrscheinlichkeit nach Mitte 2021 Cannabis vollständig legalisieren.

 

 

Bislang ist lediglich Cannabis als Medizin in Israel legal und auch weit verbreitet. Darüber hinaus ist der Freizeit-Konsum teilweise dekriminalisiert. Wer in der Öffentlichkeit beim Kiffen erwischt wird, darf sich momentan auf Strafgelder in mittlerer dreistelliger Euro-Höhe einstellen. Der Konsum in der Öffentlichkeit soll auch nach der Legalisierung voraussichtlich nicht erlaubt sein, allerdings natürlich im Privaten. Es soll eine vollständig legale Industrie rund um Cannabis entstehen können. Auch einen Zeitrahmen für die Legalisierung gibt es schon – und die kommt bald: spätestens Ende August 2021 soll es so weit sein.

 

 

Der Verkauf ist dann in Fachgeschäften an alle Personen ab 21 Jahren gestattet. Werbung für Cannabisprodukte wird verboten sein, Ein- und Ausfuhr aus dem Land nicht gestattet. Auch der Verkauf von Edibles, die wie Süßigkeiten aussehen, wird nicht erlaubt sein, in anderen Formen aber schon. Der Staat will für „angemessene Preise“ sorgen, um den Schwarzmarkt auszutrocknen. Ein Eigenanbau daheim ist bislang nicht vorgesehen, dies soll aber zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal überdacht werden.

 

 

Mutmaßlich werden, wie auch in Kanada geschehen, bevorzugt Unternehmen mit Produktionserlaubnissen ausgestattet, die bereits medizinisches Cannabis herstellen, so ein Insider gegenüber „Haaretz“. Die Produktionsstandards sollen allerdings weniger streng ausfallen und sich eher an der Lebensmittelindustrie orientieren.

 

 

„In dem Moment, in dem Marihuana als Genussmittel leichter zugänglich wird, wird sich der Markt wirklich öffnen. Die Patienten werden wählen können, ob sie Cannabis ohne Rezept kaufen wollen, so wie sie Kopfschmerztabletten in der Apotheke kaufen. Wir haben begonnen, uns auf eine große Produktionssteigerung vorzubereiten und wir haben die Größe unserer Farm im Norden verdreifacht“, so Avinoam Sapir, Geschäftsführer von Tikun Olam, einem Unternehmen, das bisher medizinisches Cannabis verkauft.

 

 

Und wie kommt es eigentlich zur Legalisierung? Es kann so einfach sein! Denn offenbar sitzen einige ziemlich schlaue Köpfe in der israelischen Regierung: bei einer Abwägung des gesundheitlichen Schadens durch Cannabis und der negativen Auswirkungen durch dessen Kriminalisierung sei man zur Erkenntnis gelangt, dass die Prohibition mehr Schaden anrichtet als eine Legalisierung, so der stellvertretende Justizminister Amit Merari. Darüber hinaus habe man sich auch genau die konkreten Auswirkungen von Verboten und Zulassungen von Cannabis in anderen Ländern angesehen und habe eine Legalisierung für nützlich befunden.

 

 

Justizminister Avi Nissenkorn drückte es noch drastischer aus: „Es ist an der Zeit, den Fortschritt einzuläuten und Cannabis in Israel zu legalisieren. Dies ist eine bedeutende, ganzheitliche und verantwortungsvolle Reform, die zeigt, dass der Staat Israel die Realität nicht ignoriert und in die Fußstapfen anderer entwickelter Länder tritt.“

 

 

Wir wussten es schon immer: wenn es um Cannabis geht, ist und bleibt Deutschland einfach ein Entwicklungsland – mit Drogenlügenbeauftragter Daniela Ludwig an der Spitze.

 

Wer sich ein wenig für Cannabis in Deutschland und die Legalisierungsbemühungen interessiert, kennt aller Wahrscheinlichkeit nach auch Jugendrichter Andreas Müller, einst als „Deutschlands härtester Jugendrichter“ verschrien, der sich seit Jahren offen für die Cannabis-Legalisierung einsetzt, worüber wir immer wieder mal berichteten.

 

Ende 2019 wandte sich Müller in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hanfverband mit einem sogenannten Normenkontrollantrag ans Bundesverfassungsgericht, um zwei Cannabis-Fälle, in denen er ein Urteil sprechen soll, aussetzen zu lassen, bis die Verfassungsmäßigkeit des Verbots von Cannabis vom Verfassungsgericht überprüft worden ist.

 

Ein umjubeltes Ereignis, dessen weitere Folgen noch auf sich warten lassen. In seinem Buch „Kiffen und Kriminalität: Der Jugendrichter zieht Bilanz“ sowie vielen weiteren Gelegenheiten äußert sich Müller überdies ausführlich in Richtung dringender Legalisierung.

 

Wie „Vice“ nun berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) diese und ähnliche öffentliche Äußerungen jetzt zum Anlass genommen, um in einem aktuellen Prozess um 28,4 Gramm Cannabis einen Befangenheitsantrag gegen Richter Müller zu stellen. Sein Normenkontrollantrag ist ausdrücklich nicht als Begründung für diesen Schritt aufgeführt, sondern ausschließlich Müllers öffentliche Äußerungen zum Thema Cannabis.

 

„Wir haben uns aufgrund einer Gesamtschau dieser Publikation und seiner Äußerungen in den Medien dazu entschieden, die Besorgnis der Befangenheit anzunehmen. Wir gehen davon aus, dass er sich unverrückbar endgültig festgelegt hat und unabhängig von diesem Normenkontrollantrag nicht mehr zu einer Verurteilung kommen kann“, äußerte sich Ricarda Böhme, Staatsanwältin und stellvertretende Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder).

 

Sollte dem Befangenheitsantrag stattgegeben werden, hat dies auch keine Auswirkungen auf den Antrag beim Bundesverfassungsgericht, Müller würde für den Moment lediglich dieser eine Fall entzogen werden. Darauf könnten sich aber bei zukünftigen Verhandlungen weitere Staatsanwaltschaften berufen und ebenfalls Befangenheitsanträge bei Cannabis-Prozessen stellen.

 

Andreas Müller selbst sind Kommentare dazu im laufenden Verfahren nicht gestattet. Wie „Vice“ herausstellt, ist es eigentlich fast schon verwunderlich, dass erst jetzt eine Staatsanwaltschaft auf diese Idee kommt – denn ein Richter, der sich öffentlich gegen Cannabis positionieren würde, hätte vermutlich auch einige Befangenheitsanträge am Hals.

Ob Daniela Ludwig damals wohl bewusst war, welche Lawine sie mit ihrem mittlerweile berühmten Brokkoli-Vergleich lostreten würde? Wer weiß, vielleicht lacht sie sich ob der oft als Sarkasmus getarnten Empörung der Legalisierungsbefürworter heimlich ins Fäustchen. Man wird es wohl nie erfahren, muss aber konstatieren, dass, wenn auch bisher sonst nicht viel von ihr kam (und kommen wird), der „Brokkoli“ auf dem besten Wege dahin ist, Politik-Geschichte zu schreiben. Und wir waren live dabei. 

 

In einer sogenannten „Kleinen Anfrage“ der Linkspartei an die Bundesregierung taucht es nun erneut auf, das freche Kreuzblütengewächs. 25 Fragen zum Themenkomplex  Cannabis und Repression hatte die Partei den Regierenden im September vorgelegt, nun sind die Antworten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Angesichts ihrer immer stärker schwindenden Argumentationsgrundlage, ist es nicht überraschend, wie schwer sich CDU und SPD mit den Antworten tun – das Herumlavieren erreicht mitunter unerträgliche Ausmaße. Tja, wenn man versucht, harte Fakten gemäß der eigenen völlig veralteten Ideologie zu verbiegen, dann knarzt es heftig im Gebälk. Nicht nur einmal werden Statistiken aus den USA auf äußerst kreative Weise umgedichtet und mit Spekulativem aufgebauscht. Wie auch schon bei der Bundestagsdebatte zum Cannabis-Kontrollgesetz lässt sich erahnen, dass die Legalisierung-Gegner den Stuss, den sie da so verzapfen, eigentlich selbst nicht mehr glauben.  

 

Doch, immerhin bei einer Antwort gibt es tatsächlich nix zu deuteln, klarer und faktenbasierter hätte die Replik tatsächlich nicht ausfallen können: 

Frage 5: „Wieso ist Cannabis kein Brokkoli?“ 

Antwort: „Cannabis (Cannabis sativa) ist eine Pflanzenart der Gattung Hanf (Cannabis), aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Brokkoli (Brassica oleracea) ist eine Pflanzenart der Gattung Kohl (Brassica) aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).“ 

 

An dieser Stelle stellt sich den Redakteuren des Highway-Magazins vor allem eine Frage: wann ist die Cannabis-Legalisierung eigentlich vollends zur Lachnummer verkommen?

Wer jetzt nichtsdestotrotz neugierig geworden ist und sich mal wieder ein bisschen aufregen (oder weinen) will, findet die auf 25 Antworten verteilte Ignoranz unserer Bundesregierung hier als PDF.

Bei der Wahl zum amerikanischen Präsidenten am 3. November wurden nebenher auch noch einige andere Wahlen abgehalten, so etwa in New Jersey, Arizona, South Dakota und Montana, wo die Bevölkerung darüber abstimmen durfte, ob man sich an das Cannabis-Verbot, das eigentlich in den Vereinigten Staaten von Amerika angeordnet ist, halten möchte – oder lieber nicht. Die Bürger entschieden sich in allen Staaten mit mehrheitlich dafür, Cannabis komplett freizugeben und zu legalisieren.

 

Somit haben in den USA nun bereits 15 Staaten (Alaska, Arizona,Colorado, Illinois, Kalifornien, Maine, Massachusetts, Michigan, Montana, Nevada, New Jersey, Oregon, South Dakota, Vermont, und der Staat Washington) sowie der District of Columbia (Washington, D.C.) und die US-Außengebiete Guam und die Nördlichen Marianen Cannabis zum Freizeitgebrauch vollständig legalisiert.

 

16 weitere Bundesstaaten und die Amerikanischen Jungferninseln haben den Freizeitgebrauch von Cannabis inzwischen dekriminalisiert. Der medizinische Gebrauch (mit Rezept) ist in 35 der 50 Staaten, vier der fünf Außengebiete der USA sowie dem District of Columbia legalisiert. Mississippi ist der neueste Zugang auf medizinischer Ebene, ebenfalls als Resultat der Wahl vom 3. November. Die übrigen Staaten haben bis auf Idaho und Nebraska zumindest CBD freigegeben. Somit gibt es praktisch kaum noch Staaten in den USA, wo man nicht Cannabis in der ein oder anderen Form legal erwerben kann.

 

In Oregon gab es auch weitere interessante Abstimmungen zur Behandlung von Drogen bzw. Drogenkonsumenten. Nicht nur wurden dort geringe Mengen Kokain und Heroin dekriminalisiert, sondern es wurde auch Psilocybin legalisiert, der Bestandteil sogenannter Magic Mushrooms.

 

Kassandra Frederique von der Interessensvertretung Drug Policy Alliance sagte, die Verabschiedung dieser Maßnahmen in Oregon zeige, dass die Wähler auf einen neuen Ansatz in der Drogenpolitik erpicht seien, um sie als Gesundheitsproblem zu behandeln und der Behandlung von Konsumenten Vorrang einzuräumen. Sie sagte, sie erwarte, dass andere Staaten dem Beispiel folgen würden, und erwähnte Bemühungen in Staaten wie Kalifornien, Vermont und Washington.

Vergangenen Donnerstag ging es mal wieder heiß her im Bundestag. Vor allem beim guten alten Cannabis-Thema gerieten die Gemüter so richtig in Wallung. Wer sich die Mühe macht, das Plenarprotokoll zu studieren (oder die entsprechende Videoaufzeichnung zu schauen), erkennt schnell, dass die Fraktion der Prohibitionsbefürworter, die ja inzwischen nur noch CDU/CSU/AFD umfasst, komplett ideologiegesteuert „argumentiert“, wobei wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert sowie Zahlen und Statistiken negiert bzw. sogar einfach falsch wiedergegeben werden.  

Wir vom Highway-Magazin haben uns erlaubt, ein paar der irrsinnigsten Zitate dieser Debatte rund um das Cannabis-Kontrollgesetz der Grünen zusammenzustellen und sie mit einem kurzen Kommentar aus der Redaktion zu versehen. Gehen wir also direkt in die vollen mit unserem Liebling Alexander Krauß von der CDU/CSU. Aufmerksamen Highway-Lesern könnte er aufgrund seiner Auslassungen in der Vergangenheit noch in schlechter Erinnerung geblieben sein. Seine Beschreibung San Franciscos, das seiner Meinung nach durch die Cannabislegalisierung zum Höllenpfuhl aus Obdachlosigkeit und Urinfontänen geworden ist, spricht Bände über den geistigen Zustand des gebürtigen Erlabrunners. Aber wie in der aktuellen Debatte klar wird, hat der Gute sein Pulver noch lange nicht verschossen:

 

„Acht von neun Tütchen, kann man sagen, werden weiterhin auf dem [kanadischen] Schwarzmarkt gekauft.“ 

Die Statistik spricht eine andere Sprache. Auch wenn der Schwarzmarkt zugegebenermaßen trotz Freigabe noch Bestand hat, werden laut Bloomberg Canada bereits über fünfzig Prozent des Cannabis auf legalem Weg erworben. Zudem ist die Legalisierung eben auch erst knapp drei Jahre her. 

„Auch die Illusion, es gibt dann ein sauberes Cannabis, ist natürlich unsinnig. Also, Entschuldigung, es gibt doch nicht nur die Wahl zwischen schädlich und schädlicher, sondern die Entscheidung sollte doch sein: Muss ich überhaupt etwas nehmen, was schädlich ist? Da kann ich nur sagen: Man muss überhaupt nichts Schädliches nehmen.“ 

Genau! Es ist doch ganz egal, dass seit Menschengedenken Drogen konsumiert werden. Wenn die CDU der Meinung ist, dass man einfach nichts (angeblich) Schädliches einnehmen muss, dann hat sich die Sache ein für allemal erledigt. Basta! Puh, Glück gehabt, dass Bier, Wein und Schnaps nicht schädlich sind... 

„Ich unterhalte mich sehr gern mit Wissenschaftlern, auch weil sie ein Studium haben, mit den Leuten, die in den Drogenkliniken arbeiten. Das kann ich jedem von Ihnen nur empfehlen. Sprechen Sie einmal mit den Leuten, die dann diese Menschen vor sich haben, etwa einen 28-Jährigen oder einen 30-Jährigen, und verfolgen Sie den Konsum zehn Jahre zurück! Wir hatten im Sächsischen Landtag eine Kollegin der Linkspartei, die mit 18 in den Landtag gewählt worden war, Immunität genoss durch ihr Mandat. Sie war der erste Fall, dass eine junge Frau das Gefühl hatte, sie müsste sich neben Eisenbahnschienen bewegen. Es war unklar, ob man sie für zurechnungsfähig erklären kann oder nicht. Um diese Leute, wenn die 30 Jahre alt sind, kümmern Sie sich dann nicht mehr, die fallen dann bei Ihnen durchs Netz, sind Ihnen dann egal. Ich finde, dass auch diese Menschen, die mit Einstiegsdrogen in diesem Bereich angefangen haben und dann zu härteren Drogen gekommen sind, es verdient haben, dass man ihnen weiterhilft.“ 

Hä? Hat der Alex seine Medizin etwa noch nicht bekommen? Der Arme redet schon wieder wirr, und das vor versammelter Mannschaft. Peinlich! 

„Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir brauchen kein Konjunkturprogramm für Drogendealer. Cannabis gehört weiterhin verboten, weil es der Gesundheit schadet.“ 

Eine komplett sinnlose Umkehrung des tatsächlichen Sachverhalts. Soviel Chuzpe muss man auch erst mal haben!

 

Krauß´ CSU-Kollege Stefan Pilsinger bläst gleich mal in dasselbe Horn: 

„Als Arzt und ebenso als Gesundheitspolitiker kann ich es also nicht verantworten, eine Substanz zu legalisieren, die nachweislich auch schädlich ist.“ 

Was soll man dazu noch sagen? Merken dieses Politkasper eigentlich gar nix mehr? Benötigt an dieser Stelle jemand ernsthaft noch eine Auflistung aller legal in Deutschland erhältlichen Substanzen, deren potenzielles Gesundheitsrisiko wissenschaftlich belegt ist? 

 

CDU/CSU und AFD verstehen sich offenbar bestens, wie man am folgenden Zitat von AFD-Mitglied Detlev Spangenberg sieht: 

„Außerdem ist es für mich erstaunlich, dass ausgerechnet die Fraktion der Grünen hier mit einer Erlaubnis kommt. Die Grünen zeichnen sich doch aus als Verbots-, Schikane- und Gängelpartei. Wieso wollen ausgerechnet Sie hier mal etwas gestatten? Ich habe darüber lange nachgedacht. Ich kann es mir nur so erklären, dass Sie Ihrer Klientel noch mehr das Gehirn vernebeln wollen.“ 

Und das aus dem Mund eines Politikers, dessen eigene Klientel nicht gerade geistige Beweglichkeit bekannt ist? Komplett indiskutable Äußerung, die einer Bundestagsdebatte nicht würdig sein sollte, sich hier aber leider perfekt einfügt. Danke Merkel! 

 

Christoph Ploß ergreift einmal mehr für CDU/CSU das Wort und versucht, sich als sorgenvoller Mahner zu gerieren, dem nur das Wohl der Bevölkerung am Herzen liegt: 

„Wir werden nicht den Weg der Legalisierung gehen; denn er bedeutet unsägliches Leid, er bedeutet, dass es zu Abhängigkeiten kommt, dass es Therapien geben muss, dass viele Menschen darunter leiden. Wir werden stattdessen den Weg der Prävention einschlagen.“ 

Da das Konstrukt aus Prohibition und Prävention ja schon seit einem Jahrhundert nicht funktioniert, sollte man es am besten auch die nächsten 10.000 Jahre auf diesem Weg versuchen, das klingt logisch. Den Zusammenhang zwischen Legalisierung und Prävention muss ihm anscheinend mal jemand genau erklären.  

„Cannabiskonsum ist der Einstieg in das harte Drogengeschäft.“ 

Ah, keine Cannabisdebatte wäre je vollständig ohne die gute alte Einstiegsdrogen-Theorie. Das blöde ist nur, dass sie klipp und klar widerlegt wurde. Das sieht neben dem globalen Wissenschaftsbetrieb übrigens auch das Bundesverfassungsgericht seit den 90er-Jahren so. 

„Nein, die [Zwischenfrage] lasse ich jetzt nicht zu.“ 

„Nein, [keine Zwischenfrage] danke. Wir hatten, glaube ich, schon genügend Austausch.“ 

In einer Debatte keine Fragen zuzulassen, ist immer ein gutes Zeichen. Am liebsten wäre dem Chrissibär wohl ein kompletter Verzicht auf Austausch. Bei seiner lächerlichen Haltung auch kein Wunder. 

 

Angesichts dieser geballten Ignoranz tun dem deutschen Cannabisfreund zurecht Herz und Hirn weh. Schließen wir also wenigstens mit einem versöhnlichen Zitat von Martina Stamm-Fiebig aus den Reihen der SPD: 

„Vor allem soll Cannabis kontrolliert an die Gruppen abgegeben werden, die ihn haben möchten.“ 

Ja genau, gebt endlich den Cannabis frei! Äh... den Hanf natürlich!

Aus Neuseeland muss leider ein Rückschritt für die globale Legalisierungsbewegung vermeldet werden.

 

Per Referendum wurde die Bevölkerung im Rahmen der Parlamentswahlen Mitte Oktober nach ihrer Meinung zum Thema Cannabisfreigabe befragt. Nun liegt eine erste Auswertung der Stimmen vor. Über das Resultat dürften nicht nur die Unternehmen des Cannabusiness enttäuscht sein, sondern auch zahlreiche Konsumenten: etwa 53 Prozent der Wähler stimmten gegen einen kontrollierten Verkauf, nur rund 46 Prozent dafür.

Aber könnte trotz des klaren Resultats doch noch ein kleiner Hoffnungsschimmer für die neuseeländischen Cannabisfreunde bestehen? Die Chancen stehen schlecht: zwar sind 17 Prozent der Stimmen noch nicht ausgewertet, doch leider ist es laut Experten mehr als unwahrscheinlich, dass am Ende die Befürworter die Oberhand gewinnen. Des Weiteren ist das Referendum für die Regierung zwar nicht bindend, eine Handlung entgegen des nun zum Ausdruck gekommenen Wählerwillens wird aber nicht erwartet.

 

Premierministerin Jacinda Ardern gab nach Bekanntgabe der Ergebnisse übrigens ihre persönliche Präferenz bekannt: sie hatte nach eigenen Angaben pro Cannabis gestimmt. Hätte die Bevölkerungsmehrheit ebenso entschieden, hätten Verkauf, Besitz, Konsum und Anbau von Freizeit-Cannabis gesetzlich reguliert werden können. Die in Neuseeland bestehenden Medizinalcannabis-Gesetze bleiben von dem Resultat der Volksbefragung aber unangetastet.

Vor etwa einem Jahr wurde bekannt, dass Krombacher über eine Beteiligungsgesellschaft bei dem Cannabis-Unternehmen Demecan, einer Tochterfirma des kanadischen Produzenten Wayland einsteigt. Bei Demecan handelt es sich um eine der wenigen Firmen, die in Deutschland mit Lizenz Medizinalcannabis anbauen dürfen. 

 

Nun zieht Mitbewerber Bitburger offenbar nach: die Beteiligungsgesellschaft „Bitburger Holding“ investiert Presseberichten zufolge einen einstelligen Millionenbetrag in das Cannabis-Start-up Sanity Group aus Berlin. Zur Sanity Group gehört auch die CBD-Marke Vaay, die gerade mit einer deutschlandweiten Werbekampagne auf sich aufmerksam gemacht hat. Sanity-Gründer Finn Age-Hänsel hatte übrigens Anfang der 2000er-Jahre einen Vorsitz der Jugendorganisation der CDU, der Jungen Union (JU) in Flensburg, inne. Wer weiß, vielleicht fühlte sich Bitburger deshalb direkt heimisch. Wenn schon Cannabis, dann wenigstens mit christlich-konservativem Touch, oder? Bier bleibe aber weiterhin das Kerngeschäft, betonte ein Vertreter der Holding. 

 

Auch wenn der Bierkonsum der Deutschen im weltweiten Vergleich noch immer hoch ist, lässt sich ein Negativtrend nicht verleugnen: den deutschen Brauereien laufen seit Jahren die jüngeren Kunden weg. Unzählige Misch- und Craftbier-Kreationen, mit denen Jüngeren der Bierkonsum schmackhaft gemacht werden soll, sind Ausdruck eines immer verzweifelteren Kampfes um die Gunst der Millenials. Auch die Öttinger-Brauerei, die zu den umsatzstärksten in Deutschland gehört, befasst sich schon länger mit dem Thema Cannabis und hat bereits ein Hanfbier mit dem Namen „Hanfkiss“ auf den Markt gebracht.  

 

Offenbar verfolgen die Bier-Barone eine perfide Doppelstrategie: auf politischer Ebene wird mithilfe von Lobbyisten gegen Cannabis mobilisiert, doch insgeheim hat man in den Vorstandsetagen wohl verstanden, dass man den Trend zum Cannabis nicht mehr aufhalten kann.

„Nur weil Alkohol gefährlich ist (...), ist Cannabis kein Brokkoli. Okay?“

 

Bundesdrogenbeauftragte Ludwig – die deutsche Cannabiscommunity hat sie spätestens seit diesem Statement gegenüber Journalist Tilo Jung so richtig ins Herz geschlossen – verwies kürzlich gemeinsam mit Heidrun Thaiss von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in einer Pressekonferenz auf ein Informationsportal, das ihre neue „Kiffen ist nicht cool“-Kampagne unterstützen soll: www.cannabis-fakten.de.

 

Ein „Informationsportal“ über Cannabis aus der „Feder“ einer CSU-Drogenbeauftragten? Da schrillen nicht nur bei erfahrenen Legalisierungsbefürwortern und –aktivisten zurecht sämtliche Alarmglocken. Das beste, was dabei herauskommen kann, ist, dass sich die CSU bei den Ü-50-Jährigen (einmal mehr) komplett blamiert. Im schlimmsten Fall jedoch entsteht hier eine professionelle Des-Informationsplattform voller Negativpropaganda und Halbwahrheiten, die die Klippen des Trashs gerade noch so umschiffen kann.

 

Am besten erst gar kein Risiko eingehen, dachte sich da wohl der Deutsche Hanfverband (DHV) und hat kurzerhand selbst ein Info-Portal aus dem Boden gestampft, das im Gegensatz zu Ludwigs Seite nicht nur längst online steht (wie war das nochmal mit den antriebslosen Kiffern?), sondern auch tatsächlich sachliche und neutrale Fakten zum Thema Cannabis präsentiert. Umso besser ist, dass www.cannabisfakten.de auch noch mit einem cleanen Design fernab von Rasta-Klischees und dicken Tüten punkten kann. Da kann man nur gratulieren und den CDU/CSU-Abgeordneten empfehlen, direkt mal einen Blick auf die neue Website zu werfen. Und wer weiß, vielleicht lässt sich ja selbst Drogen-Dani von dem ein oder anderen DHV-geprüften Cannabisfakt inspirieren.

 

Begleitet wird das neue DHV-Projekt übrigens von einer Großplakat-Kampagne, die im Oktober startet. Also Cannabisfreunde – Augen offen halten und allen Interessierten (und Uninteressierten) von „cannabisfakten.de“ erzählen!

Der Anti-Cannabis-Front brechen so langsam aber sicher die Argumente weg. Die seit Jahr und Tag wichtigste Säule dabei, das wackelige Konstrukt des angeblich steigenden Konsums unter Jugendlichen nach der Freigabe, ist schon in sich zusammengefallen. Spätestens seit die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags in einem Papier über die entsprechenden Datenlage informiert hat, dürfte das auch der CDU klar sein.

 

Die andere tragende Stütze im Prohibitions-Narrativ, die auch Drogenbeauftragte Ludwig in Interviews immer wieder aufbaut, ist die angeblich nicht abebbende Popularität des Schwarzmarkts. Ganz nach dem Motto: bringt doch eh alles nix! Tja, aber auch damit hat es sich wohl bald erledigt, wenn man sich die neusten Zahlen aus Kanada anschaut.

 

Bloomberg Kanada berichtet aktuell, dass die Cannabis-Gesamtausgaben der kanadischen Haushalte im zweiten Quartal 2020 auf dem legalen Markt erstmals die für den illegalen Schwarzmarkt überstiegen haben. Es stehen 648 Millionen Kanadische Dollar durch Freizeitcannabis zuzüglich 155 Millionen durch Patienten umgesetzte Kanadische Dollar, also 803 Millionen Kanadische Dollar (knapp 517 Millionen Euro) an legalem Cannabisgeld, 784 Millionen Kanadischen Dollar (ca. 504 Millionen Euro) an illegalen Schwarzmarkteinnahmen gegenüber. Damit hat die legale Cannabisindustrie einen wichtigen Meilenstein setzen können, dem in Zukunft wohl noch weitere folgen werden. Das ist natürlich eine gute Sache für das dortige Cannabusiness, genauso wie für die vielen Konsumenten, die sich offenbar mehr und mehr für die Vorzüge der Legalität begeistern können (oder nach einigen Anlaufschwierigkeiten auch endlich einfach besser versorgt werden).

 

Die neuen Daten sind aber auch von enormem Wert für die weniger begünstigten Länder wie zum Beispiel die Bundesrepublik, die sich nach wie vor mit reaktionären (Regierungs-)Ansichten rund ums Thema herumschlagen muss. Denn ab jetzt kann sich Drogen-Dani eben nicht mehr so einfach vor die versammelte Presselandschaft stellen und herumposaunen, dass eine Legalisierung in puncto Verdrängung des Schwarzmarkts sowieso nichts bringe. Okay, okay, erwischt! Nicht, dass sie die neuen Erkenntnisse daran hindern würde, das wider besseren Wissens weiterhin zu tun. Denn bis sich die Entwicklungen bei CDU/CSU herumgesprochen haben, werden wohl noch fünfzig Jahre ins Land ziehen. Aber immerhin wäre es in dem Fall dann für den Normalbürger leicht nachzuprüfen, dass es sich um eine glatte Lüge handelt.

 

Was für eine starke Aktion! Wer in der letzten Tagen mit dem Flugzeug über den US-Bundesstaat Kansas gedüst ist, konnte mit ein bisschen Glück eine wunderbare Aussicht genießen. Im Rahmen ihrer großangelegten „Trust the Earth“-Kampagne des weltbekannten US-CBD-Unternehmens Charlotte´s Web, die bereits im Oktober 2019 ins Leben gerufen wurde, wurde ein Feld als „Leinwand“ für ein riesiges Cannabis-Kunstwerk umfunktioniert. Es wurden wahrlich keine Kosten und Mühen gescheut: ein Farmer, geleitet von einem GPS-System, hatte eine ganze Woche lang damit zu tun, die gut 30 Hektar große Fläche entsprechend zu mähen.

 

 

Die fertige „Feldkunst“ geriet so groß und beeindruckend, dass eine adäquate Abbildung nur aus dem Flugzeug heraus möglich ist. Jared Stanley, Co-Gründer von „Charlottes Web“ hebt besonders die „Partnerschaft von Erdboden und Mensch“ hervor, die durch das Kunstwerk transportiert wird. Deanie Elsner, CEO, fügt hinzu: „Dieses Feld zelebriert jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten, dessen Lebensqualität durch CBD-Produkte verbessert wurde.“

Es sind Aktionen wie diese, die in dieser Größenordnung zur Zeit so wohl nur in den Vereinigten Staaten möglich sind. Kritische Cannabisfreunde aus dem deutschsprachigen Raum mögen solche Bemühungen vielleicht als „Marketing-Firlefanz“ abtun, doch letztendlich sind es häufig doch genau solche öffentlichkeitswirksamen, bildstarken Aktionen, die ohne viele Worte auskommen und die Kraft haben, den Mainstream zu erreichen und für bestimmte Themen sensibilisieren.

 

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: bei dem gemähten Feld handelte es sich übrigens nicht um eine Hanf-Kultur, sondern um handelsüblichen Weizen.