„Nur weil Alkohol gefährlich ist (...), ist Cannabis kein Brokkoli. Okay?“

 

Bundesdrogenbeauftragte Ludwig – die deutsche Cannabiscommunity hat sie spätestens seit diesem Statement gegenüber Journalist Tilo Jung so richtig ins Herz geschlossen – verwies kürzlich gemeinsam mit Heidrun Thaiss von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in einer Pressekonferenz auf ein Informationsportal, das ihre neue „Kiffen ist nicht cool“-Kampagne unterstützen soll: www.cannabis-fakten.de.

 

Ein „Informationsportal“ über Cannabis aus der „Feder“ einer CSU-Drogenbeauftragten? Da schrillen nicht nur bei erfahrenen Legalisierungsbefürwortern und –aktivisten zurecht sämtliche Alarmglocken. Das beste, was dabei herauskommen kann, ist, dass sich die CSU bei den Ü-50-Jährigen (einmal mehr) komplett blamiert. Im schlimmsten Fall jedoch ensteht hier eine professionelle Des-Informationsplattform voller Negativpropaganda und Halbwahrheiten, die die Klippen des Trashs gerade noch so umschiffen kann.

 

Am besten erst gar kein Risiko eingehen, dachte sich da wohl der Deutsche Hanfverband (DHV) und hat kurzerhand selbst ein Info-Portal aus dem Boden gestampft, das im Gegensatz zu Ludwigs Seite nicht nur längst online steht (wie war das nochmal mit den antriebslosen Kiffern?), sondern auch tatsächlich sachliche und neutrale Fakten zum Thema Cannabis präsentiert. Umso besser ist, dass www.cannabisfakten.de auch noch mit einem cleanen Design fernab von Rasta-Klischees und dicken Tüten punkten kann. Da kann man nur gratulieren und den CDU/CSU-Abgeordneten empfehlen, diekt mal einen Blick auf die neue Website zu werfen. Und wer weiß, vielleicht lässt sich ja selbst Drogen-Dani von dem ein oder anderen, DHV-geprüften Cannabisfakt inspirieren.

 

Begleitet wird das neue DHV-Projekt übrigens von einer Großplakat-Kampagne, die im Oktober startet. Also Cannabisfreunde – Augen offen halten und allen Interessierten (und Uninteressierten) von „cannabisfakten.de“ erzählen!

Der Anti-Cannabis-Front brechen so langsam aber sicher die Argumente weg. Die seit Jahr und Tag wichtigste Säule dabei, das wackelige Konstrukt des angeblich steigenden Konsums unter Jugendlichen nach der Freigabe, ist schon in sich zusammengefallen. Spätestens seit die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags in einem Papier über die entsprechenden Datenlage informiert hat, dürfte das auch der CDU klar sein.

 

Die andere tragende Stütze im Prohibitions-Narrativ, die auch Drogenbeauftragte Ludwig in Interviews immer wieder aufbaut, ist die angeblich nicht abebbende Popularität des Schwarzmarkts. Ganz nach dem Motto: bringt doch eh alles nix! Tja, aber auch damit hat es sich wohl bald erledigt, wenn man sich die neusten Zahlen aus Kanada anschaut.

 

Bloomberg Kanada berichtet aktuell, dass die Gesamtausgaben der kanadischen Haushalte im zweiten Quartal 2020 auf dem legalen Markt erstmals die für den illegalen Schwarzmarkt überstiegen haben. Es stehen 648 Millionen Kanadische Dollar durch Freizeitcannabis zuzüglich 155 Millionen durch Patienten umgesetzte Kanadische Dollar, also 803 Millionen Kanadische Dollar (knapp 517 Millionen Euro)  an legalem Cannabisgeld 784 Millionen Kanadische Dollar (ca. 504 Millionen Euro) an illegalen Schwarzmarkteinnahmen gegenüber. Damit hat die legale Cannabisindustrie einen wichtigen Meilenstein setzen können, dem in Zukunft wohl noch weitere folgen werden. Das ist natürlich eine gute Sache für das dortige Cannabusiness, genauso wie für die vielen Konsumenten, die sich offenbar mehr und mehr für die Vorzüge der Legalität begeistern können (oder nach einigen Anlaufschwierigkeiten auch endlich einfach besser versorgt werden).

 

Die neuen Daten sind aber auch von enormem Wert für die weniger begünstigten Länder wie zum Beispiel die Bundesrepublik, die sich nach wie vor mit reaktionären (Regierungs-)Ansichten rund ums Thema herumschlagen muss. Denn ab jetzt kann sich Drogen-Dani eben nicht mehr so einfach vor die versammelte Presselandschaft stellen und herumposaunen, dass eine Legalisierung in puncto Verdrängung des Schwarzmarkts sowieso nichts bringe. Okay, okay, erwischt! Nicht, dass sie die neuen Erkenntnisse daran hindern würde, das wider besseren Wissens weiterhin zu tun. Denn bis sich die Entwicklungen bei CDU/CSU herumgesprochen haben, werden wohl noch fünfzig Jahre ins Land ziehen. Aber immerhin wäre es in dem Fall dann für den Normalbürger leicht nachzuprüfen, dass es sich um eine glatte Lüge handelt.

 

Was für eine starke Aktion! Wer in der letzten Tagen mit dem Flugzeug über den US-Bundesstaat Kansas gedüst ist, konnte mit ein bisschen Glück eine wunderbare Aussicht genießen. Im Rahmen ihrer großangelegten „Trust the Earth“-Kampagne des weltbekannten US-CBD-Unternehmens Charlotte´s Web, die bereits im Oktober 2019 ins Leben gerufen wurde, wurde ein Feld als „Leinwand“ für ein riesiges Cannabis-Kunstwerk umfunktioniert. Es wurden wahrlich keine Kosten und Mühen gescheut: ein Farmer, geleitet von einem GPS-System, hatte eine ganze Woche lang damit zu tun, die gut 30 Hektar große Fläche entsprechend zu mähen.

 

 

Die fertige „Feldkunst“ geriet so groß und beeindruckend, dass eine adäquate Abbildung nur aus dem Flugzeug heraus möglich ist. Jared Stanley, Co-Gründer von „Charlottes Web“ hebt besonders die „Partnerschaft von Erdboden und Mensch“ hervor, die durch das Kunstwerk transportiert wird. Deanie Elsner, CEO, fügt hinzu: „Dieses Feld zelebriert jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten, dessen Lebensqualität durch CBD-Produkte verbessert wurde.“

Es sind Aktionen wie diese, die in dieser Größenordnung zur Zeit so wohl nur in den Vereinigten Staaten möglich sind. Kritische Cannabisfreunde aus dem deutschsprachigen Raum mögen solche Bemühungen vielleicht als „Marketing-Firlefanz“ abtun, doch letztendlich sind es häufig doch genau solche öffentlichkeitswirksamen, bildstarken Aktionen, die ohne viele Worte auskommen und die Kraft haben, den Mainstream zu erreichen und für bestimmte Themen sensibilisieren.

 

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: bei dem gemähten Feld handelte es sich übrigens nicht um eine Hanf-Kultur, sondern um handelsüblichen Weizen.

 

Große Politiker arbeiten schon zu ihren aktiven Zeiten an ihrem Vermächtnis – als unschätzbar in dieser Hinsicht erwies sich in der Vergangenheit häufig eine eingängige Redewendung: „Ich bin ein Berliner“ (John F. Kennedy), „Yes, we can“ (Barack Obama), „Basta“ (Gerhard Schröder) oder „Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München ... mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen ... am ... am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug. Zehn Minuten. Schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an, wenn Sie in Heathrow in London oder sonst wo, meine sehr ... äh, Charles de Gaulle in Frankreich oder in ... in ... in Rom“ (Edmund Stoiber) sind nur einige der berühmtesten Aussprüche, die heute untrennbar mit dem jeweiligen Redner verknüpft sind und die auch oft als Leitspruch ihre gesamte politischen Agenda kennzeichneten.

 

Weniger fähige Staatsmänner und –frauen hingegen unterschätzen oft die Macht der Worte und deren Eigenart, Menschengruppen hinter sich zu sammeln und zu vereinen. Da kann es dann schon mal passieren, dass einem während des Interviews ein „Cannabis ist verboten, weil es eine illegale Droge ist“ (Marlene Mortler) rausrutscht und man sich seine gesamte Amtszeit nicht mehr davon erholt.

Endlich hat nun auch die amtierende Bundesdrogenbeauftragte ihre Zunge gelockert und auf einer Pressekonferenz ein Bonmot zum Besten gegeben, das das Zeug hat, ihre politische Karriere mit Abstand zu überleben: „Nur weil Alkohol nicht ungefährlich ist, ist Cannabis kein Brokkoli.“ Wow, der hat gesessen. Zwar war es keine Antwort auf die Frage, die Journalist Tilo Jung eingangs gestellt hatte („Halten Sie Alkohol auch für gefährlicher als Cannabis?“), aber dafür gab es den schnippischen Unterton ("Ja, sie müssen mit meinen Antworten klarkommen, so wie ich mit ihren Fragen") gleich gratis mit dazu. Könnte es etwa sein, dass bei einer gewissen Drogenbeauftragten so langsam die Nerven blank liegen? Aber so ist das nun mal, Politik ist ein hartes Business und das gut dotierte Pöstchen in der freien Wirtschaft, das man im Anschluss an das Mandat bekleiden möchte, will ja auch erst einmal verdient werden.

 

Kurioser Fakt am Rande: auch der berühmte Spruch von Ludwigs Amtsvorgängerin Mortler über das verbotene, weil illegale Cannabis fiel in einem Interview mit Tilo Jung. Der Mann scheint ein echtes Gespür dafür zu haben, wie man CSU-Drogenbeauftragte sich selbst entlarven lässt.

 

Na, was ist denn da los? Auf einmal trauen sich immer mehr alteingesessene deutsche Promis mit Statements bezüglich der Legalisierung von Cannabis hervor: nicht einmal einen Monat ist es her, dass Armin Rohde auf die Absurdität der deutschen Cannabis-Gesetze hinwies und nun folgt bereits der nächste Schlag. In der NDR-Talkshow Riverboat äußerte sich nun auch Schauspieler Hannes Jaenicke pro Cannabis. Der fitte 60-Jährige, dem man sein Alter alles andere als ansieht, warf im Gespräch mit den Moderatoren die berechtigte Frage in den Raum, „ob das Verbot von Marihuana tatsächlich richtig ist“. Er verwies unter anderem auf die Handhabung in Holland, in den amerikanischen Bundesstaaten und auf Jahrtausende alte Cannabis-Praktiken, die in vielen Kulturen ihren Platz gehabt hätten. Zumindest mit der niederländischen Regelung dürfte er schon Erfahrung gemacht haben, steht er doch seit zwei Jahren als Kommissar in der Reihe „Der Amsterdam-Krimi“ um ein deutsch-holländisches Ermittlerteam vor der Kamera.

Umweltaktivist Jaenicke lehnte sich sogar noch etwas weiter aus dem Fenster als zuletzt Rohde und gab zu bedenken, dass es ihn nicht wundern würde, wenn in erster Linie die großen Pharmakonzerne etwas gegen eine regulierte Freigabe einzuwenden hätten. Er bezeichnete diesen Gedanken als bescheidene Theorie, deren Anhänger er sei. Bleibt zu hoffen, dass er von der deutschen (Boulevard-)Presse jetzt nicht zusammen mit Attila Hildmann und Xavier Naidoo (die sich ihren Platz dort natürlich mehr als redlich verdient haben) in die Verschwörer-Schublade einsortiert wird.

„Kiffen ist nicht cool. Es ist cool, nicht zu kiffen!“ – Arbeitet Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) etwa gerade daran, ihr eigenes Bonmot zu kreieren, also ganz nach dem Vorbild ihrer mittlerweile schon fast legendären Vorgängerin Marlene Mortler („Cannabis ist verboten, weil es eine illegale Droge ist.“)? Nicht ganz, Ludwig hat der Öffentlichkeit lediglich ihre neue Cannabis-Aufklärungskampagne in einer Pressekonferenz vorgestellt. Doch worum geht es genau? Die Maßnahmen sollen der Prävention dienen und sind ganz darauf ausgelegt, bei Jugendlichen Neugier zu wecken und ihnen Angebote zur Recherche an die Hand zu geben, damit sie sich selbstständig zu dem Thema informieren können.

 

„Mach dich schlau!“: der Claim der Kampagne appelliert an die Eigeninitiative und versucht so den „erhobenen Zeigefinger“ zu umschiffen, der Jugendliche verständlicherweise abschreckt und, wenn überhaupt, nichts als taube Ohren zur Folge hat. Die Zielgruppe soll auf sozialen Medien wie Instagram und Tik Tok mit kurzen Clips abgeholt werden, zudem sollen für die Generation Z relevante Testimonials eingebunden werden. Schade und bezeichnend ist, dass der Themenkomplex Legalisierung in der Pressekonferenz nicht zur Sprache kommt bzw. der vermeintliche Kausal-Zusammenhang zwischen Freigabe und Konsumprävalenz nicht angetastet wird. Erst vor einigen Wochen stellte selbst der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags fest, dass ein solcher nämlich gar nicht nachweisbar sei. In einer Debatte, die von Seiten Ludwigs nur allzu gern auf dem Rücken der Jugendlichen ausgetragen wird, wäre eine Auseinandersetzung mit dieser Frage aber mehr als wünschenswert gewesen. Auch keiner der (offenbar handverlesenen) anwesenden Journalisten hielt es für nötig, Daniela Ludwig mit der den Jugendschutz fördernden Seite einer Legalisierung zu konfrontieren. Daniela Ludwig selbst wird im Verlauf der Konferenz nicht müde zu betonen, dass Prävention im Fall von Tabak und Alkohol schon große Erfolge bei Jugendlichen gezeigt hätten. Dass dieser Erfolg auch etwas mit dem legalen Status der beiden Alltagsdrogen zu tun haben könnte, auf diesen Gedanken kommt sie leider nicht. Natürlich kommen auch belastbare Zahlen, die etwa Frankreich (mit die restriktivsten Cannabisgesetze in Europa) einen deutlich höheren Jugendkonsum als (den etwa auf einem Level liegenden) Deutschland und Holland bescheinigen, nicht zur Sprache.

 

Also, hier soll bestimmt nicht gegen Präventionsmaßnahmen per se gewettert werden, aber wäre es nicht langsam angebracht, teure Kampagnen wie „Mach dich schlau!“, die ja immerhin mithilfe von Steuergeldern finanziert werden, mit einer Legalisierung im Rücken zu unterstützen, als sie durch die Prohibition ins Leere laufen zu lassen?

 

In Zeiten, in denen offenbar immer mehr Prominente langsam, aber sicher dem Wahn und/oder dem Dschungelcamp anheim fallen, tut es zur Abwechslung mal richtig gut, im ohrenbetäubenden Meinungs-Getöse auch mal eine vernünftige Äußerung zu hören. Und die hat ausnahmsweise auch nix mit den umstrittenen Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zu tun, verprochen. Vielmehr geht es, und das ist ja eh das viel ergiebigere Thema, um die gute alte Cannabislegalisierung. Das Beste daran: Schauspieler Armin Rohde, der für die aktuellen Verlaubarungen verantwortlich ist, spricht geradeaus und erspart uns die sonst so beliebten Rumdrucksereien á la „am Joint gezogen, aber nicht inhalhiert“ oder „als Teenie vielleicht mal einen kleinen Zug“.

 

Rohde finde es verständlicherweise absurd, „dass ein 16-Jähriger in den Supermarkt gehen kann, um sich mit Alkohol zu versorgen, es einem erwachsenen Menschen aber verboten ist, gemütlich seinen Feierabendjoint zu rauchen.“ Word. Der Charakterdarsteller, der unter anderem für seine Rollen in „Lola rennt“ und „Contagion“ bekannt ist, plädiert deshalb für einen reglementierten Verkauf in Deutschland. Außerdem habe er in den 1970er-Jahren eine ganze Menge an verschiedenen Substanzen ausprobiert, aber „irgendwann gemerkt: Das ist nix für mich!“. Nur das Kiffen sei ihm sozusagen erhalten geblieben.

Pünktlich zum Weltkiffertag am 20. April meldete sich Drogenbeauftragte Daniela Ludwig mit einer Botschaft an alle Cannabiskonsumenten zurück. Der Inhalt dieser Botschaft hatte einmal mehr das Zeug dazu, nicht nur allen Cannabisfreuden, sondern auch denen, die sich aus anderen Gründen mit der Materie auskennen, die Stimmung gründlich zu vermiesen. Mit Rücksicht auf den gestrigen 420-Day berichten wir deshalb erst heute über diese Äußerungen.

 

Im Grunde handelt es sich mal wieder um ein Potpourri von altbekannten Prohibitionsargumenten, gemixt mit der ein oder anderen Respektlosigkeit und veredelt mit dem Extra-Schuss Ignoranz. Da wird die Frage nach der Chance auf eine zukünftige Legalisierung mit einem süffisanten „Ich muss die Szene leider enttäuschen“ abgeschmettert, ganz so als handle es sich bei der Gesamtheit der deutschen Cannabiskonsumenten um ein kleines Häufchen Verwirrter. Wir wollen nicht abstreiten, dass diese Verwirrten existieren, in Anbetracht einer geschätzten Konsumentenzahl von etwa vier bis fünf Millionen Bundesbürgern (die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen) und der Tatsache, dass auch die Cannabispatienten mindestens auf indirektem Wege von einer Freigabe profitieren könnten, hinterlässt der verwendete Begriff „Szene“ hier einen mehr als faden Beigeschmack.

 

Das Ziel solcher Äußerungen ist klar: dem unbedarften Leser soll klar gemacht werden, dass man eine handvoll Spinner nicht so ernstnehmen muss. Leider versäumt es Interviewer Hasso Suliak (nicht nur an dieser Stelle) kritisch nachzuhaken, sondern leitet einfach zur nächsten Frage über. Im weiteren Verlauf diskreditiert sich der Möchtegern-Journalist vollends, indem er im Zusammenhang erhöhter THC-Gehalte davon spricht, dass beim „medizinischen Cannabis der THC-Gehalt wesentlich geringer“ sei. Diese völlig aus der Luft gegriffene Äußerung, die jeder faktischen Grundlage entbehrt, bleibt seitens Ludwig vollkommen unkommentiert und offenbart eklatante fachliche Wissenslücken. Auch der Zusammenhang zwischen Legalisierung, sozialer Akzeptanz und Prävention wird ignoriert, stattdessen wird einmal mehr das Modell aus Repression und Vorbeugung, das schon die letzten Hundert Jahre nicht besonders gut funktioniert hat, propagiert.

 

Ludwig lässt es sich natürlich auch nicht nehmen, auf ihr neues Lieblingsthema, die im Vergleich zum Bundesdurchschnitt erhöhte „Geringe Menge“ in Berlin, einzugehen: eine Regelung, die bei den Bürgern offenbar zu einer Verkennung der bundesdeutschen Gesetzeslage führe. Ludwig spricht es nicht aus, doch der mitschwingende Subtext ist klar. Ihr Rundumschlag endet beim Thema Kanada, dessen Freigabemodell genutzt wird, um gegen eine Legalisierung an sich zu wettern, schließlich kauften noch immer viele Kanadier ihr Weed auf der Straße. Dass andererseits eine große Zahl von Konsumenten dies aber nicht mehr tut, davon schweigt Ludwig lieber. Davon, dass ein derart ausufernder Eingriff in eine Volkswirschaft auch einfach Zeit braucht, um sich einzuspielen, hört man ebenfalls kein Wort. Auch, dass Holland mit seinem, (ganz sicher nicht optimalen) Freigabe-System schon vor Jahrzehnten den Straßenhandel deutlich in den Hintergrund drängen konnte, bleibt unerwähnt.

 

Sicher, eine Legalisierung funktioniert nur so gut wie das im Einzelfall verwendete Modell, doch ist das natürlich kein stichhaltiges Argument gegen das Anliegen selbst. Insgesamt wird einmal mehr deutlich: es findet überhaupt keine Diskussion statt, hier wird lediglich der CSU-Politikerin eine Plattform geboten, um Werbung für ihre veralteten Standpunkte zu machen.

Wer vom ganzen Corona-Bingewatchen inzwischen noch nicht genug hat (und mal ehrlich, das dürfte eher die Minderheit der Cannabisfreunde sein), der sollte der neuen Simpsons-Folge vielleicht mal eine Chance geben. Ja, die Simpsons, das Adult-Cartoon-Urgestein hält sich nach wie vor tapfer in der Gunst der Zuschauer und geht mittlerweile in die 31. Staffel. Besonders interessant ist die neue Folge „Highway to Well“ für Cannabisenthusiasten vor allem deshalb, weil das Thema Cannabis-Legalisierung erstmals in Folgenlänge aufgegriffen wird. Sicher, Seitenhiebe zum Thema Marihuana und Kiffen mag es schon in früheren Geschichten rund um die gelbe Familie gegeben haben, außerdem sei an eine (immer wieder gern gesehene) Folge aus Staffel 13 erinnert, in der sich Homer medizinisches Marihuana verschreiben lässt.

 

Doch in „Highway to Well“ geht es nun erstmals direkt in die Untiefen des legalen Cannabusiness: Marge wird „Budtender“ in einer schicken Dispensary und verkauft Buds, Edibles, Extrakte und Tinkturen an das Who´s who der Kiffer-Szene Springfields. Homer ist von der Abgabestelle, die von den Kunden aufgrund ihres cleanen Looks immer wieder mit einem Apple-Store verwechselt wird, allerdings weniger begeistert und zieht zusammen mit Bartender Moe eine Art Coffeeshop für die Oldschool-Konsumenten im altbewährten Schmuddel-Look auf, sozusagen ganz klassisch mit abgeranzter Couch und Spielkonsole. Neben Busfahrer Otto, der natürlich in jeder Episode mit Cannabisbezug seinen Auftritt haben muss, gibt es übrigens auch ein Wiedersehen mit einem populären Ex-Boxchampion mit Tribal-Gesichtstattoo, der mit einer Wellness-Ranch ganz groß ins legale Cannabusiness einsteigen will. Inhaltlich steht ganz klar der holprige Weg der Cannabis-Branche aus der Illegalität und der daraus resultierende Konflikt zwischen Professionalität und Authentizität im Mittelpunkt.

 

Und auch wenn die Simpsons ihre besten Zeiten wohl so langsam aber sicher hinter sich haben, dürfte man sich von der neuen Folge nur allzu gern für eine knappe halbe Stunde an die Couch fesseln lassen. Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich die Folge (in englischer Originalfassung) über untenstehende YouTube-Playlist direkt ansehen.

Seit Präsident Trump den Corona-Virus vor einigen Wochen sinngemäß als eine Art Hype bezeichnete, der schon bald von alleine wieder verschwinden werde, ist auch in den Vereinigten Staaten einiges passiert. Etwa 45.000 Tausend Infizierte werden inzwischen gezählt und nach und nach haben immer mehr Städte den Normalbetrieb eingestellt. Ähnlich wie in den Niederlanden stellte sich in vielen der liberaleren Bundesstaaten die Frage, ob Cannabis-Abgabestellen, die sogenannten „Dispensaries“, nun zu schließen seien oder zu den wenigen Geschäften wie Supermärkten und Apotheken gehören sollten, die geöffnet bleiben dürfen. In vielen Fällen entschied man sich für letztere Option und bescheingte der Cannabis-Branche damit tatsächlich eine gewisse Systemrelevanz. Die New York Times spricht diesbezüglich gar von einer offiziellen Anerkennung, dass „Cannabis, für manche Amerikaner, so wichtig sei wie Brot und Milch.“ Mitarbeiter berichten augenzwinkernd von verzweifelten Kunden, die nicht wüssten, wie sie ohne Weed den wochenlangen Hausarrest mit der Ehefrau überstehen sollen.

 

Natürlich sind auch die Dispensaries dazu angehalten, Menschenansammlungen zu unterbinden und nur wenige Kunden gleichzeitig in die Verkaufsräume zu lassen. Und trotz dieser eigentlich umsatzschädigenden Vorsichtsmaßnahmen gehen die Verkäufe in der Krise vielerorts durch die Decke. Die San Francisco Bay Area verzeichnete eine Steigerung von satten 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, nachdem die Bevölkerung von der Regierung dazu angehalten wurde, die eigenen vier Wände nur noch im Notfall zu verlassen. Vergangene Woche stiegen die Verkaufszahlen in Kalifornien im Vergleich zur Vorwoche gar um 204 Prozent. Seit der ersten euphorischen Woche der Legalisierung im Januar 2018 haben dort nicht mehr so viele Menschen Cannabisprodukte gekauft. Branchen-Insider sprechen von einer riesigen Nachfrage, die den jährlichen Andrang rund um den beliebten „Kiffer-Feiertag“ am 20. April noch bei weitem übertreffe.