Dass Ärzte in Deutschland seit der medizinischen Legalisierung nur sehr zögerlich bereit dazu sind, Cannabis zu verschreiben, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Nicht selten erreichen uns in der Highway-Redaktion verzweifelte Anrufe von Patienten, die einfach keinen Mediziner finden, der bereit ist Marihuanablüten zu verschreiben. Das muss allerdings nicht unbedingt an Berührungsängsten oder Ignoranz liegen, sondern kann auch in der Angst vor Regressforderungen der Krankenkassen begründet sein. Dass man seitens des Gesundheitswesens verschreibungswilligen Ärzten durchaus gerne mal Steine in den Weg legt, musste Rolf Müller, Privatarzt für Naturheilverfahren nun am eigenen Leib und in der eigenen Praxis erfahren. Der Arzt, der sich nicht scheut, die Machenschaften der Pharmalobby klar zu benennen und anzuprangern (siehe Video unten), musste gerade mitansehen, wie seine Räumlichkeiten von der Staatsanwaltschaft durchsucht und anschließend seine Patientenakten zu Überprüfungszwecken bis auf Weiteres konfisziert wurden. Nach Cannabis-Koryphäe Dr. Franjo Grotenhermen muss mit Rolf Müller nun ein weiterer Arzt damit rechnen, in einen ernsten Konflikt mit der Staatsanwaltschaft zu geraten. Wie es nun weitergehen wird, bleibt vorerst unklar, doch Highway wird euch über den Fortgang des Falls auf dem Laufenden halten.

Es ist mal wieder so weit. Präsident Trump meldet sich bezüglich der US-Cannabisgesetzgebung zu Wort. Es sollte mittlerweile klar sein, dass Trumps Statements, egal zu welchem Thema, mit Vorsicht genossen werden müssen, wechselt der Gute doch seine Meinung öfter als andere ihre Unterwäsche. Trotzdem tut es gut, vom mächtigsten (und bestfrisierten) Mann der Welt zur Abwechslung mal wieder etwas Positives zum Thema zu hören. Im Detail geht es um den als „Strengthening the Tenth Amendment Through Entrusting States Act of 2018“ bezeichneten Gesetzentwurf, der es der US-Regierung in Zukunft untersagen würde, sich in die Angelegenheiten von Bundesstaaten einzumischen, die Cannabis legalisiert haben. Der „STATES Act“, so die Abkürzung, würde den „Controlled Substances Act“ in den entsprechenden Bundesstaaten in der Weise aushebeln, dass seine Bestimmungen für die Unternehmer und Angestellten aus der Cannabisindustrie nicht mehr geltend wären. Somit wäre auch endlich das riesige, seit Beginn der teilweisen Legalisierung auftretende Problem gelöst, dass Cannabisfirmen ihr Geld nicht auf die Bank bringen können. Der republikanische Senator Cory Gardner, Initiator des „STATES Act“ und übrigens einst selbst Cannabis-Gegner, dürfte sich über das öffentliche Statement Donald Trumps freuen, den Gesetzentwurf „wahrscheinlich“ unterstützen zu wollen.

Die vollständige Legalisierung in Kanada rückt immer näher: Am 7. Juni nickte der kanadische Senat den Cannabis Act, Bill C-45, mit einer komfortablen Mehrheit von 56 zu 30, bei einer Enthaltung, ab. Die Abstimmung beendet 90 Jahre Prohibition und macht Kanada zur ersten G7-Nation, die Cannabis vollständig legalisiert. Das neue Gesetz muss nun noch lediglich einer Prüfung durch das Abgeordnetenhaus (Royal Assent) standhalten, bevor es endgültig in Kraft treten kann. Nach dem Gesetz wird es zum Großteil in der Hand der verschiedenen Provinzen liegen, die Legalisierung nach ihrem Gutdünken auszulegen. Landesweit aber wird die erlaubte Menge bei 30 Gramm pro Person liegen. Coffeeshops nach holländischem Muster wird es bis auf weiteres nicht geben, das Konsumrecht wird lediglich für die Privatsphäre gelten. Ebenso wird das Marketing und das Verpackungsdesign von Cannabisprodukten, ganz wie in den USA, strengen Richtlinien unterliegen. Außerdem wird es erlaubt sein, bis zu fünf Pflanzen in den eigenen vier Wänden aufzuziehen, solange die entsprechende Provinz dies nicht auf eigene Faust wieder verbietet, wie es beispielsweise Quebec und Manitoba bereits getan haben.

Die Geschichte der Anti-Weed-Aufklärungsvideos ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Und eine unfreiwillig komische meistens auch. Denn wenn die Mitarbeiter diverser Gesundheitsbehörden versuchen, sich in die Lebenswelt eines Teenagers hineinzudenken, dann wird in der Regel kein Fettnäpfchen ausgelassen. Das Trauerspiel beginnt meist schon mit der Auswahl des entsprechenden Mediums, mit dem man die suchtgefährdete Jugend am besten zu erreichen plant. Nicht selten fällt die Wahl auf den rhythmischen Sprechgesang (von Szenekennern auch Hip-Hop genannt), der in Jugendkreisen zurecht als sehr beliebt gilt. Schon hier werden die Weichen zwangsläufig auf Trash gestellt, denn in der Regel verstehen die Sozialarbeiter von Hip-Hop ungefähr so viel wie Kenneth Glöckler.

Ein schönes Beispiel für einen derartigen Fehltritt leistete sich nun das Los Angeles County Departement of Public Health, das im Zuge der Legalisierung in Kalifornien cannabiskritische Musikvideos mit Unterhaltungsanspruch auf die unwissende Jugend losließ. Die Clips spielen auf einer Party, auf der drei ganz in Weiß gekleidete Teenager, die so aussehen, als hätten sie in ihrem ganzen Leben noch nie Spaß gehabt, minderjährigen Cannabiskonsumenten erklären, warum Kiffen schlecht ist. Und das alles in Form von Rap-Versen. Beispiel gefällig? „But everyone is smoking up and girls will think I’m fly.“ – „Girls won’t think you’re fly when your bank account is dry.“ Wow, das hat gesessen! Vielleicht sollten die drei Streber im jungfräulich weißen Engels-Look mal weniger den Marihuanakonsum unter Partygästen hinterfragen, sondern lieber ihr eigenes Frauenbild, das scheinbar in den 1950er-Jahren stecken geblieben ist…

Da schauen wir uns lieber zum hundertsten Mal die Clips einer längst viral gegangenen australischen Aufklärungskampagne an. Die kleinen Storys, in denen jugendliche Kiffer als bis zur Lebensunfähigkeit apathische Faultiere dargestellt werden, verzichten nämlich auf den Gestus des erhobenen Zeigefingers und sind stattdessen derart bizarr-verstörend geraten, dass sie zumindest niemanden kalt lassen werden.

Noch vor Kurzem durften wir mit Freude darüber berichten, dass die Supermarktkette Lidl in der Schweiz CBD-Cannabis-Produkte in ihr Sortiment aufnimmt. Ohne Frage ein großer und wichtiger Schritt, um Cannabis weiter im Alltag der Bürger zu etablieren und die gesellschaftliche Akzeptanz zu steigern (auch wenn das in Kanada nur begrenzt nötig zu sein scheint). Doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zu den Plänen einer der größten Supermarktketten Kanadas: die Loblaw Companies LTD. plant im Rahmen der für Juli anberaumten landesweiten Legalisierung in den dichter besiedelten Regionen Neufundlands und Labradors Marihuana zum Freizeitkonsum anzubieten. Verkauft werden soll das (natürlich THC-haltige) Blütenmaterial in bereits bestehenden, an die regulären Lebensmittelläden angeschlossenen Kiosken, in denen momentan Tabakprodukte an den Mann gebracht werden. Loblaws (so der Name der Filialen) ist mit über 2.000 Filialen der größte Lebensmittelvertrieb in Kanada und nimmt national einen vergleichbaren Stellenwert ein wie Walmart in den USA.

 

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Angesichts der ausbleibenden Schreckensszenarien in den US-Legalisierungsstaaten müssen die Prohibitionisten und Hardliner im US-Bundestaat Illinois scheinbar ihre Argumentationsstrategie neu ausrichten – was offenbar bedeutet, auf sachliche Argumentation vollkommen zu verzichten und stattdessen die zu schützende Bevölkerung emotional aufzuwiegeln. Und wenn schon die armen Jugendlichen und Kinder nicht mehr dafür taugen, da sich ein ansteigender Konsum unter Minderjährigen nach einer Legalisierung in der Realität eben nicht nachweisen lässt, müssen halt die ganz scharfen Geschütze aufgefahren werden. So ließ Chad Larner, Leiter der K9 Trainigsakademie für Polizeihunde, doch tatsächlich verlautbaren, dass im Fall einer Legalisierung eine nicht geringe Anzahl an Polizeihunden wohl eingeschläfert werden müsse. Viele der Hunde seien aufgrund ihres jahrelangen Trainings nicht mehr umschul- oder sozialisierbar und hätten dementsprechend nichts als den Gnadentod durch die Spritze zu erwarten.

 

Unzählige Kommissar-Rex-Fans dürften spätestens jetzt in Schnappatmung verfallen, doch ein Blick auf Legalisierungsstaaten wie Colorado zeigt, dass massenhafte Hundetötungen ausgeblieben sind. Vielmehr wird eben doch häufig auf eine Umschulung der Hunde gesetzt, was zwar natürlich ziemlich teuer ist, aber immer noch deutlich günstiger, als große Teile der Bevölkerung wegen harmloser Cannabis-Vergehen der staatlichen Vollversorgung im Gefängnis zuzuführen. Natürlich würden die Umschulungs-Kosten sowieso nicht mal einen Bruchteil der nach einer Legalisierung zu erwartenden Steuereinnahmen ausmachen. Polizeichef Jim Getz ruderte übrigens inzwischen stellvertretend für seinen Kollegen Larner zurück und bezeichnete dessen Statement als eine „unglückliche Wortwahl“.

Umfragen sind immer interessant, vor allem wenn es um Drogen geht. „Der Standard“ präsentierte die Auswertung der 3.900 Teilnehmer aus Österreich, die beim Global Drug Survey 2018 mitgemacht haben – zwar kein repräsentativer Querschnitt der Gesamtbevölkerung Österreichs (beispielsweise hatten 44 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Hochschulabschluss), aber dennoch für einige aufschlussreiche Zahlen gut.

 

Wenig überraschend: auch in Österreich ist Alkohol Droge Nummer Eins. 19 von 20 befragten Personen konsumierten in den zwölf Vormonaten mindestens einmal Alkohol. Mehr als ein Viertel würde gerne weniger trinken, jeder Zehnte denkt sogar darüber nach, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

 

55 Prozent der Österreicher konsumierten auch illegale Drogen, davon fast alle (auch) Cannabis: 47,3 Prozent aller Befragten rauchten in den letzten zwölf Monaten vor der Umfrage Gras oder Hasch. 61,3 Prozent probierten es zumindest einmal in ihrem Leben. Diejenigen, die konsumieren, tun es auch sehr regelmäßig: ein Drittel aller Teilnehmer wurde als regelmäßige Konsumenten eingestuft, ein Viertel konsumierte sogar im vergangenen Jahr an mehr als 200 Tagen.

 

„Der regelmäßige Konsum von Cannabis ist für viele Menschen Normalität. Hier stellt sich die Frage, ob Österreich unter der aktuellen Regierung zu einem Wandel in der Drogenpolitik bereit ist oder weiterhin die durchaus schädlicheren Produkte der Tabak- und Alkoholindustrie unterstützt“, sagt Larissa Maier, Ko-Autorin der Untersuchung. Dennoch, ähnlich wie beim Alkohol, gaben 28,3 Prozent der Cannabiskonsumentinnen und -konsumenten aus Österreich an, in Zukunft gerne weniger Cannabis zu sich nehmen zu wollen. Unerwünschte Effekte auf die Motivation und Stimmung sind die Hauptgründe dafür.

 

61 Prozent der Antworten aus Österreich kamen von Männern. Das Durchschnittsalter lag bei 28 Jahren. Etwa vier von zehn Befragten waren jünger als 24 Jahre (44 Prozent). Bei 66 Prozent der österreichischen Stichprobe handelte es sich um Erwerbstätige, der Rest entfiel auf arbeitslose Menschen.

Wie auch im Rest der Welt hat Marihuana in Afrika eine lange Tradition – sowohl zum freizeitlichen als auch zum medizinischen Gebrauch. Aber wie auch auf den anderen Kontinenten (Nordamerika bald ausgenommen) ist die Verwendung von Cannabis in praktisch allen Ländern verboten. Selbst die medizinische Verwendung war bis dato nur in einem afrikanischen Land erlaubt: Lesotho legalisierte medizinisches Cannabis vergangenes Jahr.

 

Nun zieht Simbabwe als zweites Land nach und legalisierte „Dagga“ als Arzneimittel und zu wissenschaftlichen Zwecken. Kiffen zum Spaß bleibt allerdings weiterhin verboten. Obwohl Produktion und Konsum im Rest Afrikas verboten ist, liegt der Kontinent hinsichtlich Produktion und Konsum hinter Nordamerika weltweit an zweiter Stelle. Als weitere afrikanische Kandidaten für eventuelle Gesetzeslockerungen werden derzeit Malawi und Ghana gehandelt.

Erschreckende Nachrichten aus Holland: gestern Mittag hielt der Abgeordnete Arno Rutte im niederländischen Parlament eine Rede zum Thema organisierte Kriminalität, als der bekannte 65-jährige Cannabis-Aktivist Hans Kamperman aus Groenlo über die Balustrade in den Plenarsaal sprang – mit einem Strick um den Hals.

 

Wie die Zeitung „De Telegraaf“ berichtet, überlebte Kamperman den Selbstmordversuch allerdings – zahlreiche Mitglieder des Parlaments eilten ihm zu Hilfe und hoben ihn an, bis ein Krankenwagen eintraf. Seinen Selbstmordversuch kündigte der Cannabis-Aktivist zuvor bei Facebook an.

 

In dem Beitrag bittet er seine Freunde und seine Familie um Verzeihung und schreibt, dass er in seiner Verzweiflung keine andere Möglichkeit mehr sehen würde, um die Politik auf die unhaltbaren Zustände hinsichtlich (medizinischem) Cannabis aufmerksam zu machen.

 

Das ist der Irrsinn, auch der niederländischen Drogenpolitik: Cannabiskonsumenten kriminalisieren und Cannabis-Aktivisten drangsalieren – wegen einer Pflanze, die noch nie jemanden getötet hat – bis diese so verzweifelt sind, dass sie sogar ihr eigenes Leben opfern wollen, um menschlichere Zustände herzustellen.

 

Ob dies der richtige Weg ist, um für bessere Cannabis-Gesetze zu kämpfen sei jedoch dahingestellt...

Snoop Dogg hat seinem Namen schon mehr als einmal alle Ehre gemacht und einen richtigen Riecher bewiesen. Auch und gerade im Marihuana-Geschäft – wir berichteten mehrfach. Nun kann er einen weiteren Erfolg verbuchen: seine Risikokapitalfirma Casa Verde Capital hat nun 45 Millionen Dollar gesammelt, die in verschiedene Cannabis-Start-ups investiert werden sollen.

 

Die eine Hälfte der Kohle soll genutzt werden, um einige Start-ups mit jeweils etwa einer Millionen Dollar auszustatten. Die andere Hälfte des Geldes wird dann eingesetzt, um die sich positiv entwicklenden Firmen weiter zu unterstützen.

 

Besonders interessant: es soll ausschließlich in Cannabis-Firmen investiert werden, die nicht direkt in Anbau oder Verkauf von Gras und Co. involviert sind. Unter den Firmen, in die Snoops Firma bereits investiert hat, befindet sich etwa Leaflink, ein B2B-Marktplatz für die Cannabisindustrie, oder Eaze, eine Logistikplattform für Anbieter von medizinischem Marihuana.

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