Dieses Interview erschien erstmals zum Kinostart in Highway-Ausgabe 02/17. Wer sich den Film nun (noch einmal) anschauen möchte: Lommbock ist seit dem 29. September für alle Netflix-Abonennten kostenlos abrufbar.

 

Unmittelbar nachdem wir Lommbock im Rahmen einer Pressevorführung in Hamburg ansehen durften, wurden wir von Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz zum Gespräch über den Film und das Kiffen an sich eingeladen. Nachdem wir freundlich begrüßt wurden, verschwindet Moritz Bleibtreu kurz im Nebenraum und kehrt mit einem Stück schwarzen Haschisch wieder – „endlich einmal fachkundige Interviewer“, freut er sich und beginnt einen Hasch-Joint zu drehen. Da aber große Teile der Highway-Redaktion nur pur rauchen, beschließen wir, einen Joint aus den Highway-Reserven zu drehen, damit auch jeder daran ziehen kann. Rein zufällig haben wir Gras der Marke „genmanipulierte Haze-Scheiße“ am Start – eine Formulierung, wie sie im neuen Film Lommbock des Öfteren vorkommt. Denn Kai (Moritz Bleibtreu) und Stefans Vater (Elmar Wepper) beschweren sich in der neuen deutschen Kifferkomödie des Jahres 2017 mehrfach über die „genmanipulierte Haze-Scheiße“ und reminiszieren über Cannabissorten vergangener Tage, die nur einen geringeren THC-Anteil aufgewiesen haben sollen. Müssen wir uns eigentlich wundern, dass einer der größten deutschen Schauspieler einen Joint mit uns raucht? Nein, müssen wir nicht – wir gehen eigentlich davon aus, dass das Kiffen unter Filmstars mindestens so stark verbreitet ist wie in der restlichen Bevölkerung und machen uns daher direkt daran, mit unserem Interview loszulegen. 

 

Highway: Jungs, ihr verkörpert in Lommbock zwei „klassische“ Cannabiskonsumenten. Was macht für euch denn einen Kiffer aus? 

Lucas: Der muss auf jeden Fall kiffen. 

Moritz: Lucas hat so einen Lauf, du ahnst nicht, was er eben rausgehauen hat...

Highway: Das stimmt natürlich, aber seht ihr auch noch andere Konstanten? Uns ist vor allem aufgefallen, dass der „Klischee-Kiffer“ in beiden Filmen angesprochen wird – und nicht all zu gut dabei wegkommt. 

Moritz: Also, ich persönlich war noch nie ein Freund des Klischee-Kiffer-Bildes. Das Bild an sich kommt bestimmt auch dadurch zustande, dass das Kiffen eben durch die Art und Weise, wie es wirkt, eher eine introvertierte Droge ist – eine Droge, die eher nachdenklich macht, manche Leute auch paranoid oder wer weiß, was alles. Es ist keine Droge, die zu Selbstüberschätzung führt oder die dich hemmungslos macht oder dir ein falsches Selbstwertgefühl vermittelt, so wie beispielsweise Alkohol. Und ich glaube, das ist auch der große Unterschied zwischen Cannabis und eigentlich allen anderen Drogen: es ist eine Droge, die dich mehr zu dir selbst führt und dir nichts vorspielt. Und deswegen ist Cannabis im Gesamtkontext nicht besonders beliebt in der profitorientierten Gesellschaft. Sicher auch, weil es eine Droge ist, die eher dazu führt, dass man auf der Couch sitzen bleibt und Fünfe gerade sein lässt. 

Lucas: Cannabis macht halt meist nicht gerade effizient. 

Moritz: Genau! Anstatt dass du wie auf Kokain oder Crystal Meth vier Tage durchballerst und arbeitest und ein produktives Mitglied dieser Gesellschaft bist. Ich glaube, es hat auch viel damit zu tun, dass Cannabiskonsumenten stigmatisiert werden.

Highway: Natürlich hätten wir auch direkt gefragt, ob ihr selbst Cannabis konsumiert. Moritz, dass du es tust, sehen wir gerade – aber wie sieht es bei dir aus, Lucas? Kiffst du gar nicht oder nur selten? 

Lucas: Also ich habe kurz vor dem Drehbeginn des ersten Teils aufgehört zu kiffen – und seitdem, bis auf ein paar Versuche, die auch mächtig schief gegangen sind, einfach beschlossen, dass das keine Droge für mich ist. Weil sie mit mir Dinge macht, die ich nicht gut finde und über die ich keine Kontrolle habe. Ich kann es einfach nicht, ich komm davon nicht gut drauf. Trotzdem finde ich ein Verbot und eine Verteufelung überhaupt nicht gut, da so eine verruchte Aura entsteht, wo Jugendliche sich vielleicht genötigt fühlen, mitzumachen, um dazuzugehören. Und das macht es den Leuten, die damit nicht klarkommen, schwerer, sich das einzugestehen. Und solche Leute gibt es ja. Ich habe jedenfalls irgendwann beschlossen, dass das nicht meine Droge ist. Also ich kenne Leute, die werden dann irgendwie entspannt, denen tut das gut, denen macht es Spaß und die werden wirklich lustig. Und ich denke mir währenddessen: Oh Mann, der einzige Ausweg aus dieser Situation ist der Freitod. Und daher habe ich überhaupt kein Problem damit, auch damals schon, einfach zu sagen: ich mach es halt nicht. Weil es mir nicht guttut. Und diese Freiheit muss man haben, aber im Gegenzug sollte auch jeder die Mündigkeit haben dürfen, sich dafür zu entscheiden. 

Highway: Das wäre auch im weiteren Verlauf eine unserer Fragen gewesen, ob ihr auch schon mal schlechte Erlebnisse mit Cannabis gehabt habt. 

Lucas: Also ich kann das leider gar nicht, auch wenn ich es eigentlich super fände – ich rieche es gerne, ich finde den Vorgang toll, ich würde theoretisch auch ganz gerne mal ab und zu kiffen... 

Moritz: Also Lucas hat es jetzt beim zweiten Teil wieder ein paar Mal probiert. Wir haben den Film gedreht und ein, zwei Mal hab ich ihm dann ein kleines Eckchen mitgegeben, aber es ging nicht. Lucas kam dann am nächsten Morgen, ich hab ihn gefragt, wie es war – und er nur wieder so: „Kurz vor Freitod!“ Also, ich glaub wir lassen das. (Beide lachen) 

Highway: Das passt ja dann eigentlich ganz gut dazu, wie deine Rolle Stefan in Lommbock angelegt ist, Lucas.

Lucas: Schon ein wenig, aber ich glaube, er kann das im Gegensatz zu mir. Er verkneift sich das Kiffen nur, aber es macht ihm schon richtig Spaß. Das ist der Unterschied zwischen ihm und mir. Er kommt zwar auch auf seine komischen Trips, aber ich glaube, die sind anderer Natur. Er verkneift sich das Kiffen zum Beispiel, weil er denkt, er muss jetzt sein Konzept fertig machen oder weil er noch etwas zu erledigen hat. Das hält ihn eher vom Kiffen ab, nicht dass es ihn unglücklich machen würde. 

Moritz: Also ich kenne ganz viele Leute, bei denen das so ist wie bei Lucas. Die einfach sagen, ich komme gar nicht klar – sei es wegen Paranoia oder weil sie wirklich so lethargisch werden, bis zu dem Punkt, dass sie gar nicht mehr aus dem Quark kommen. In meinem Fall weiß ich halt auch zum Beispiel ganz genau, warum das eine Droge für mich ist – und zwar, weil ich so dermaßen viele Hummeln im Arsch habe. Ich habe eine Grundenergie, die sehr hoch ist. Und deswegen ist Cannabis gut für mich, weil es das total nivelliert. Aber bei anderen Leuten, die nicht über so eine Grunddynamik verfügen, wird es eventuell schwierig. Ganz wichtig sind natürlich auch Ziele und Motivation. Wenn du nicht weißt, warum du morgen früh aufstehen willst – nicht musst, sondern willst –, dann wird es ganz schwierig. Und wenn du dann morgens um zehn eine Tüte rauchst, dann ist’s vorbei, dann bleibst du auch liegen. Und die Erfahrung habe ich auch gemacht, schon sehr früh in meinem Leben, so mit 17, zehnte Klasse ungefähr – Standard halt. Damals habe ich auch noch Geräte geraucht, Bongs und so weiter, was ich heutzutage überhaupt nicht mehr mache. Alles außer Joints finde ich irgendwie ein bisschen infantil, das ist nicht mein Ding. Jedenfalls hatte ich das damals auch. Wenn die Option ist, in die Schule zu gehen – und ich wusste, ich will da nicht hin –, dann zieht man halt die Decke noch mal drüber. Und insofern kann ich das schon nachvollziehen. Auch bei Cannabis kann es laufen wie bei jeder anderen Droge oder was auch immer. Dann ist das ganz schnell eine gefährliche Nummer, man darf das auch nicht auf die leichte Schulter nehmen und nicht verherrlichen. Das ist auch einer der Gründe, warum ich mich nie für eine Legalisierung gerade gemacht habe. Ich glaube auch, wenn jemand Gras haben will, der kriegt sein Gras schon – ob man das jetzt im Laden kauft oder anderswo. 

Highway: Aber das hat ja auch Nachteile für die Konsumenten. 

Moritz: Das ist richtig, aber da ist für mich nur eine Sache ausschlaggebend und das ist der medizinische Nutzen. In dem Moment, wo ein medizinischer Nutzen nachweisbar da ist und es Leute gibt, die nachweislich davon profitieren, dann ist das super und gar keine Frage, dass man das unterstützen und fördern muss. Aber das hat ja mit einer Legalisierung in Bezug auf das, was gerade zum Beispiel in Colorado passiert, nichts zu tun. Das ist ja Wahnsinn! Gibt es irgendein anderes Produkt auf der Welt, wo in den letzten zehn Jahren so viel Geld mit umgesetzt wurde, und das in so kurzer Zeit? Und wenn du dir das anguckst, dann weißt du auch ganz genau, das ist nur eine Frage der Zeit bis zur Legalisierung. Damit wird so viel Geld verdient, das kann niemand verleugnen. Aber ob ich das gutheiße, dass man an jeder Ecke Schokolade mit Weed drin und Energydrinks mit Weed in drei verschiedenen Stärken kaufen kann – da weiß ich nicht, ob ich das unterstützen will. 

Highway: Du scheinst kein großer Freund von oral konsumiertem Cannabis zu sein?  Moritz: Ja, das ist krass, das ist auch so ein Ding. Das habe ich einmal in meinem Leben gemacht und nie wieder. Das ist ein völlig anderes Spiel, das ist gar nicht dieselbe Droge. Ich hab das einmal in Amsterdam gemacht, mit 19 oder 20. Ich war komplett fertig. Das ging gar nicht, da ging es mir richtig scheiße. 

Highway: Wo wir gerade beim Thema sind – das ist ja so eine Kleinigkeit, die wir ein bisschen im zweiten Teil vermisst haben: die Absturzszenen. Wir erinnern uns da nur zu gerne an die Schwarz-weiß-Szenen aus dem ersten Teil... 

Moritz: Ja gut, die beiden sind halt auch älter geworden. Wenn man über 30 Jahre alt ist, dann passiert einem halt auch nicht mehr so ein Quatsch. 

Highway: Wie oft rauchst du denn eigentlich inzwischen? 

Moritz: Ich rauche schon hier und da mal gerne. Wenn die Situation entspannt ist und ich einen Grund habe, dann rauche ich gerne mal einen Joint, klar! Jetzt zum Beispiel habe ich einen Grund, oder? Grund zum Feiern – ihr seid da, es ist lustig, man sitzt hier und hat eine schöne Zeit, gestern haben wir uns zum ersten Mal Lommbock angeschaut. Das ist eine perfekte Situation. Früher habe ich auch gerne an besonderen Orten geraucht, das kennt ihr doch sicherlich auch – auf dem Empire State Building, auf dem Eiffelturm... 

Lucas: ...überall wo es hoch ist?

Moritz: Da sagt man dann, guck, da habe ich einen Joint geraucht. Das war aber natürlich vor allem, als man jünger war. Als Kiffen auch noch viel mehr etwas mit Rebellion zu tun gehabt hat. Und natürlich auch viel mit Inhalt. Meine erste Inspiration überhaupt zu kiffen, noch bevor ich mit Leuten zu tun hatte, die geraucht haben, waren eigentlich The Fabulous Furry Freak Brothers, frühe Underground-Comics, Gilbert Shelton und diese ganzen Sachen. Das hat mich angeklatscht, weil ich das einfach cool fand. Ich dachte mir, worum geht’s denn da, was rauchen die denn da? Also es gibt natürlich auch die Situation, wo dich irgendwas inspiriert, aber auch da geht es um Inhalt. Bob Marley zum Beispiel. Kiffen war früher noch mehr eine Rebellion. Es steht ja auch für etwas. Und das ist auch einer der Gründe, weswegen ich die Droge auch offen feiere. Natürlich gibt es auch negative Seiten, völlig klar. Wenn jemand individuell damit nicht klarkommt, dann ist das die Hölle auf Erden. Aber im Grundsatz, in Form und Wirkung, bei dem, was Cannabis mit dir macht, da überwiegen die positiven Anteile bei Weitem. Oder habt ihr schon mal in einem Coffeeshop in Amsterdam jemanden pöbeln sehen? Cannabiskonsumenten sind allgemein friedfertige Menschen, die meistens auch gerne reflektieren, nachdenklich sind und oft künstlerisch und kreativ tätig. Ich finde Kiffer sind ein sehr sympathisches Völkchen. Das ist ja mein persönlicher Geschmack, aber das sind alles Attribute, die ich bei Menschen sehr schätze. Wenn ich mir hingegen zum Beispiel den klassischen Coke-Head angucke, und ich kenne viele Leute, die Kokain konsumieren, das mag ich zum Beispiel gar nicht. Da wird sich selbst überschätzt und unheimlich viel Müll geredet. Ein bisschen mehr Kiffer-Spirit in der Welt und in der Weltpolitik würde alles definitiv verbessern. Wenn die alle mal zur richtigen Zeit einen Joint rauchen würden, dann wäre alles gut... Wenn die aber alle so abgehen würden wie Lucas, dann ist alles vorbei. Der drückt sofort auf den Knopf und dann ist Sense! Okay, ich werde das revidieren. Ich nehme das zurück. (Alle lachen) 

Highway: Also, dass Lucas bei den Dreharbeiten kein echtes Gras geraucht hat, haben wir inzwischen verstanden – oder vertun wir uns? Und wie sah es bei dir aus, Moritz? 

Moritz: Das kannst du gar nicht machen, stell dir das mal vor. 

Lucas: Du hast ja fünfzig Leute, die auf dich warten und die minutiös wie ein Uhrwerk arbeiten. 

Moritz: Das ist alles Tabak. Wir haben dann irgendwann angefangen, mit dem Tabak herumzuexperimentieren, was nimmt man da am besten, was kratzt am wenigsten und so. Weil, wenn du den Tabakjoint mit einem Pappfilter baust, das kratzt ja nur. Das ist so ekelhaft. Du musst ja dann auch ordentlich ziehen, damit das auch schön aussieht. Ich habe einen Nikotinflash gehabt! Nur wegen dem blöden Tabak.  Lucas, weißt du noch, oben auf dem Feld? Da lag ich erst mal schön fünf Minuten mit den Beinen hochgelegt, nur vom Tabak! Da ging gar nichts mehr. Also wenn du das mit Gras machen würdest, dann würdest du das auch nur genau eine Stunde machen...

Highway: Ob dicht oder nüchtern – was sowohl Lammbock als auch Lommbock ausmacht und auch ein bisschen das Herzstück darstellt, sind die absurden Wortgefechte zwischen Kai und Stefan. Wie darf man sich das vorstellen? Wie viel steht da schwarz-weiß im Drehbuch? Manchmal kommt es schon so rüber, als ob ihr euch etwas gehen lasst und improvisiert? 

Lucas: Alles ist nachweislich schwarz auf weiß so geschrieben wie gezeigt, beim ersten Teil und beim zweiten Teil auch. Und wenn man mal versucht hat, sich etwas Anderes auszudenken, war es dann objektiv nie besser als die Idee, die im Drehbuch stand. Bis auf eine kleine Reaktion, ein kleines Nachhaken oder so, weil es im Spiel ist, steht alles so im Drehbuch. Was ja aber auch der Spaß für uns ist. Dass man eben nicht im Zugzwang ist, sich irgendwas auszudenken, oder das Gefühl hat, irgendwas verbessern zu müssen, weil es nicht funktioniert. Nein, man setzt sich hin, lernt die Sachen, spielt die Sachen und freut sich darauf, es zu spielen und auch nachher zu sehen – das sind sehr lebendige, tolle Dialoge. 

Moritz: Ich kann nur sagen, das ist die Frage, die mir am liebsten gestellt wird. Denn wenn das so rüberkommt, das heißt ja, dass ihr eine Nähe zu den Figuren verspürt, dass ihr sogar soweit geht, zu sagen: kommt, ihr seid doch auch im echten Leben so wie Kai und Stefan. Dann ist das natürlich ein großes Kompliment. Aber Tatsache ist, wir sind es wirklich nicht. Also ich habe mit Kai echt nichts am Hut, mit Ausnahme seines Temperaments vielleicht... 

Lucas: Ja, und den in sich schlüssigen Theorien... (alle lachen) 

Moritz: Das wiederum ist fragwürdig! Nein, eigentlich gar nichts, charakterlich betrachtet. Auch dass ich ab und zu mal einen Joint rauche, hat nicht den geringsten Einfluss auf die Performance oder den Spirit des Ganzen – das seht ihr ja an Lucas.

Highway: Wie erklärt ihr euch denn eigentlich rückblickend den Kultstatus von Lammbock? 

Lucas: Das ist echt schwer zu erklären. Ich glaub, es gibt da keine Formel, weil es war ja nicht so geplant, sodass man sagen würde: wir machen jetzt einen Kultfilm. Lammbock hat irgendwie einen Nerv getroffen. Vielleicht trägt auch etwas dazu bei, dass man bei Lammbock irgendwie denkt, das ist ein Kifferfilm, aber man bekommt dann doch ein bisschen mehr – es ist halt nicht nur Cheech und Chong, sondern es gibt doch eine Freundschaftsgeschichte und es gibt doch ein paar ernstere Sachen, die angerissen werden. Es ist irgendwie anders fundiert. Was auch mit zum Kultstatus beiträgt, ist sicher auch die Wiederholbarkeit – dass man es sich gerne wegen der Details immer wieder anguckt. Und nicht zuletzt ein Grund ist natürlich auch unser eigener Spaß an der ganzen Geschichte. 

Highway: Der kommt auch auf jeden Fall rüber! Das ist auch ein ganz großer Pluspunkt für uns bei beiden Teilen. 

Lucas: Das freut uns, dass ihr das auch beim zweiten Teil so empfindet. Der erste Teil war auch echt die Messlatte. Wir wollten nicht einfach kalten Kaffee wieder aufwärmen und aus fadenscheinigen Gründen einen zweiten Teil machen, sodass man sich denkt, warum denn? – etwa so wie bei der Reunion von Guns’n’Roses. Aber deswegen hat es auch so lange gedauert, es musste erst mal ein Drehbuch kommen, das uns so begeistert hat. Christian musste die Idee haben und die kam halt erst 15 Jahre später – da ist der Funke dann aber so was von übergesprungen, das war so ein bisschen wie der A-Team-Ruf: Wotan kommt, Alexandra kommt, Antoine kommt, alle kommen. Da merkt man dann auch, das ist größer als einfach nur „wie überreden wir die Leute beim zweiten Teil mitzumachen?“. Der Funke war da, es war die richtige Zeit und das richtige Drehbuch und alle haben gesagt: das machen wir. Und ohne das hätte es keinen zweiten Teil gegeben.

Highway: Da uns die Zeit schon wieder davonrennt, für jeden noch eine Abschlussfrage. Lucas, wann kommt die Legalisierung in Deutschland? 

Lucas: Am 23. März 2017! 

Highway: Moritz, welche ist deine Lieblingssorte? 

Moritz: Guter marokkanischer Pollen! 

Highway: Vielen Dank für das Gespräch!

Das gab es noch nie! Ein ganz normales Mainstream-Musikfestival – Outside Lands 2019 – richtete, da in Amerika gelegen, am vergangenen Wochenende ein legales Areal zum Cannabisverkauf an Personen ab 21 Jahren ein, wo über 20 Händler ihrer Arbeit nachgingen.

 

Auch wenn auf Musikfestivals der Nachschub an Gras vermutlich schon immer geregelt war, auch bereits Jahrezehnte vor der Re-Legalisierung, ist es doch das erste Mal, dass das Ganze völlig legal geschah. Und: gefiel das den Besuchern?

 

Und wie das den Besuchern gefiel! Innerhalb der drei Tage, die das Festival dauerte, gingen Cannabisprodukte im Wert von über einer Million Dollar über die Theken. Wow!

 

Was ist denn da nun wieder passiert? Eine Story, so seltsam und bescheuert, dass man am liebsten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte.

 

Doch eins nach dem anderen. Ort des Geschehens ist Karlsruhe, genauer gesagt ein örtliches Polizeirevier. Am Dienstag, gegen zehn Uhr vernahmen die Beamten der Nachtschicht das Schrillen der Türklingel. Etwas spät, doch sicher noch nichts ungewöhnliches – doch dann nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Um Einlass bat nämlich ein junger Mann und offenbarte den Beamten über die Gegensprechanlage sein dringliches Anliegen: der 21-Jährige wollte unbedingt Marihuana rauchen – in der Polizeistation. Die Polizisten ließen sich nicht lange bitten und holten den Störenfried herein, um ihn einer Durchsuchung zu unterziehen. Das hatte sich der Mann, der Angaben zufolge einen etwas benebelten Eindruck machte, wohl anders vorgestellt und nahm Kampfstellung ein, um die Prozedur zu verhindern. Letztlich wurde er von drei Beamten überwältigt und muss sich nun wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verantworten.

 

Und als ob das alles nicht schon bekloppt genug gewesen wäre, stellten die Polizisten mit einem Blick in die Daten fest, dass der Täter bereits vorbestraft war – wegen Handels mit Betäubungsmitteln.

 

 

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Auch in Österreich ist Cannabis verboten – und auch in Österreich scheint das komplett sinnlos zu sein. Allein die Konsumentenzahlen belegen schon: wer kiffen will, der kifft auch, unnötige und teure Strafverfolgung hin oder her. Erwischt wird man ja doch nicht (bis man dann doch erwischt wird – und aus Frust darüber erst mal einen rauchen muss).

 

Nichtsdestotrotz: der österreichische Staat möchte offenbar unglaubliche Mengen an Energie und Geld für die Strafverfolgung von Cannabiskonsumenten ausgeben, ohne damit irgendetwas von dem zu erreichen, was angeblich damit erzielt werden soll – man schämt sich noch nicht mal, das öffentlich zuzugeben:

 

Denn das Bundeskriminalamt meldete nun, dass 2017 zwei Drittel (28.549 von 42.610) aller angezeigten Vergehen nach dem Suchtmittelgesetz Cannabis-Delikte im Bereich von wenigen Gramm betrafen. Der „Kampf“ wird also auf dem Rücken derjenigen ausgetragen, die kaum über Cannabis verfügen, offensichtlich nichts verkaufen und auch sonst niemandem etwas getan haben (außer einen Joint zu rauchen anstatt besoffen in der Altstadt zu randalieren). Bravo!

 

2017 entdeckte die Polizei 948 Cannabis-Anbauanlagen, von denen allerdings bloß 133 mit mehr als 50 Pflanzen bestückt waren. Insgesamt wurden 1,6 Tonnen Cannabis beschlagnahmt – ein Witz gegenüber den geschätzt 250 Tonnen, die in Österreich vergangenes Jahr verbraucht wurden. Und was hat der Spaß gekostet?


„Die gesetzliche Verfolgung des einzigen opferlosen Verbrechens im österreichischen Strafrecht kostet den Staat nach unseren Schätzungen rund 430 Millionen Euro, denen gerade einmal beschlagnahmtes Cannabis im Wert von 20 Millionen Euro gegenübersteht“, kritisierte Toni Straka vom Hanf-Institut.

Umfragen sind immer interessant, vor allem wenn es um Drogen geht. „Der Standard“ präsentierte die Auswertung der 3.900 Teilnehmer aus Österreich, die beim Global Drug Survey 2018 mitgemacht haben – zwar kein repräsentativer Querschnitt der Gesamtbevölkerung Österreichs (beispielsweise hatten 44 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Hochschulabschluss), aber dennoch für einige aufschlussreiche Zahlen gut.

 

Wenig überraschend: auch in Österreich ist Alkohol Droge Nummer Eins. 19 von 20 befragten Personen konsumierten in den zwölf Vormonaten mindestens einmal Alkohol. Mehr als ein Viertel würde gerne weniger trinken, jeder Zehnte denkt sogar darüber nach, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

 

55 Prozent der Österreicher konsumierten auch illegale Drogen, davon fast alle (auch) Cannabis: 47,3 Prozent aller Befragten rauchten in den letzten zwölf Monaten vor der Umfrage Gras oder Hasch. 61,3 Prozent probierten es zumindest einmal in ihrem Leben. Diejenigen, die konsumieren, tun es auch sehr regelmäßig: ein Drittel aller Teilnehmer wurde als regelmäßige Konsumenten eingestuft, ein Viertel konsumierte sogar im vergangenen Jahr an mehr als 200 Tagen.

 

„Der regelmäßige Konsum von Cannabis ist für viele Menschen Normalität. Hier stellt sich die Frage, ob Österreich unter der aktuellen Regierung zu einem Wandel in der Drogenpolitik bereit ist oder weiterhin die durchaus schädlicheren Produkte der Tabak- und Alkoholindustrie unterstützt“, sagt Larissa Maier, Ko-Autorin der Untersuchung. Dennoch, ähnlich wie beim Alkohol, gaben 28,3 Prozent der Cannabiskonsumentinnen und -konsumenten aus Österreich an, in Zukunft gerne weniger Cannabis zu sich nehmen zu wollen. Unerwünschte Effekte auf die Motivation und Stimmung sind die Hauptgründe dafür.

 

61 Prozent der Antworten aus Österreich kamen von Männern. Das Durchschnittsalter lag bei 28 Jahren. Etwa vier von zehn Befragten waren jünger als 24 Jahre (44 Prozent). Bei 66 Prozent der österreichischen Stichprobe handelte es sich um Erwerbstätige, der Rest entfiel auf arbeitslose Menschen.

Ein interessantes Urteil des Amtsgerichts Radolfzell: eine 34-jährige Frau musste sich dort wegen vorsätzlicher Beihilfe zum Anbau von Cannabis verantworten. Ihr Freund, mit dem sie sich eine Wohnung teilt, hatte in ebendieser Wohnung drei Cannabispflanzen aufgezogen, Ertragswert: 64 Gramm.

 

Die Frau argumentierte vor Gericht, sie hätte zwar von den Pflanzen gewusst, aber absolut nichts damit zu tun gehabt, ja nicht einmal gekifft. Den Anbau und Konsum ihres Partners habe sie zwar toleriert, aber nie für gut befunden.

 

Aufgeflogen war der Anbau, da ein Polizeibeamter, der gelegentlich Verwandtschaft im selben Haus besuchte, die Pflanzen auf einem Balkon entdeckte. Für die Polizei war der Fall auch klar: gemeinsame Wohnung, gemeinsame Pflanzen. Das Amtsgericht sah dies aber erfreulicherweise anders, wie der „Südkurier“ berichtet:

 

„Weil durch die Aussage des Polizeibeamten und die des Lebensgefährten keine Beweise geliefert werden konnten, dass die Angeklagte tatsächlich bei der Pflege der Marihuana-Pflanzen geholfen hatte – also durch Topfen, Gießen oder andere pflegende oder unterstützende Handlungen – wurde die Angeklagte freigesprochen. Es sei lediglich eine Duldung des Anbaus von Marihuana gegeben. Dies reiche aber für eine Verurteilung wegen des Tatbestandes der Beihilfe zum Anbau von Marihuana nicht aus, hieß es bei der Verkündung des Urteils.“

Ein kurioser Aushang, scheinbar verfasst von der Hausverwaltung, dürfte einigen Bewohnern eines Heidelberger Studentenwohnheims am Wochenende die Schweißperlen auf die Stirn getrieben haben.

In dem Schreiben wurden die Studenten darauf hingewiesen, dass vom 12. bis zum 14. März im Wohnheim im Auftrag der Staatsanwaltschaft polizeiliche Hausdurchsuchungen aufgrund von "wiederholtem Cannabiskonsum" stattfinden würden. Wer zum Zeitpunkt der Durchsuchung nicht anwesend sei, müsse damit rechnen, dass sich die Polizei eigenmächtig Zutritt verschaffe.

 



Das Schreiben wirkt zwar durchaus professionell und trägt das Logo der Hausverwaltung, spätestens bei dem Hinweis aber, dass Verstöße, die nichts mit Cannabiskonsum zu tun hätten, nicht geahndet würden, sollte einem cleveren Studenten vielleicht dämmern, dass an der ganzen Sache etwas faul sein könnte.

Sowohl die Polizei als auch die Hausverwaltung, die sogleich Anzeige gegen den Ersteller des Aushangs erstattete, wiesen jede Verbindung zu dem Vorfall zurück.

Noch am Wochenende berichtete Highway über einen Polizeiobermeister aus dem Saarland, der unter anderem wegen Haschischs in seinem Spind und weiterer Drogendelikte suspendiert und letztendlich aus dem Dienst entlassen wurde.

In den USA, genauer im beschaulichen Lumberton, Mississippi, spielt sich gerade ein ähnlicher Fall ab: der Polizeichef des 2.000-Seelen-Kaffs, Shane Flynt, wurde, ganz wie sein deutscher Kollege, aufgrund von Cannabis-Konsum suspendiert. Was den Fall allerdings eine ganze Ecke spektakulärer macht, ist die Tatsache, dass doch tatsächlich ein Video existiert, das Polizeichef Flynt mit einem Bubbler oder einem Chillum beim ausgelassenen Kiffen zeigt (siehe Video ab 00:41 Min.).

Doch damit nicht genug: Der sichtlich angeheiterte Polizeibeamte wird in dem Clip nicht müde, seinen Cannabiskonsum zu feiern und sogar damit anzugeben. „Ich bin der einzige Polizeichef in Lumberton, der Weed raucht. Wer ist der Coolste hier? Ich bin der Coolste hier!“, so der scheinbar tiefenentspannte Gesetzeshüter. Detail am Rande: auf dem Video ist übrigens klar und deutlich Flynts Uniform zu erkennen, die hinter ihm an der Garderobe hängt. Den Job als Polizeichef bekleidet der Gute übrigens erst seit September 2017. Wer das Video filmte und wer es schließlich an die Öffentlichkeit brachte, ist bislang unklar.

Während die Behörden nun das aufgetauchte Video ausgiebig prüfen wollen, bleibt der reuige Polizeichef, der zerknirscht auf eine zweite Chance hofft, bis auf Weiteres bei vollen Bezügen suspendiert.

Diese Geschichte beginnt zunächst beinahe klassisch: in einem Gebüsch versteckt liegen 500 Gramm Weed gebunkert. Ein Gärtner, der beauftragt ist, dort seiner Arbeit nachzugehen, findet das Paket und nimmt es an sich. So etwas passiert in Deutschland vermutlich täglich. In der Regel passiert dann eine von zwei Möglichkeiten: der Finder nimmt das Gras, hält die Fresse und raucht oder verkauft es – oder der Finder geht zur Polizei und meldet den Fund.

 

Doch in Ottersberg bei Bremen ergab sich nun eine sehr interessante Variante dieser Geschichte: im Mai 2016 entdeckte ein Gärtner während seiner Arbeit auf dem Gelände der Ottersberger Volksbank eine Plastiktüte im Gebüsch. Inhalt: 500 Gramm Marihuana. Diese nahm er mit nach Hause, wo er im Laufe der nächsten Wochen und Monate etwa 300 Gramm davon verbrauchte.

 

So weit, so gut. Doch dann – bereits einige Monate nach seinem Fund! –, wurde er in der Nähe der Bank von zwei jungen Männern angesprochen, ob er vielleicht ein gewisses Päckchen dort gefunden hätte, wie die „Kreiszeitung“ berichtet. Daraufhin reagierte der Gärtner sehr interessant, denn er bejahte die Frage. Das war keine kluge Antwort.

 

Es kam, wie es kommen musste: die beiden Männer verlangten die Herausgabe des Marihuanas. Da dies schon zu großen Teilen aufgeraucht war, überreichte der Gärtner ihnen den Rest sowie einen ausgehandelten Bargeldbetrag für die nicht mehr vorhandenen Blüten. Damit war die Angelegenheit vorerst erledigt.

 

Doch dann, neun Monate später, suchten ihn die beiden wieder in der Öffentlichkeit auf und verlangten eine Art Entschädigung in Höhe von 1.800 Euro – klare Erpressung also. Das wurde dem Gärtner zu blöd, also ging er zur Polizei. Dies führte für die beiden Jung-Dealer nicht nur zu einem Verfahren wegen räuberischer Erpressung, sondern auch zu erfolgreichen Ermittlungen gegen die beiden aufgrund ihres Dealens.

 

Aber auch der Gärtner selbst landete nach dem Gang zur Polizei natürlich vor Gericht. Für ihn gab es acht Monate auf Bewährung – eine Geldstrafe kam nicht dazu, schließlich sei er durch die Zahlung an die Dealer diesbezüglich schon gestraft gewesen, so der Richter. Kleine Anekdote am Rande: der unter einem Bandscheibenvorfall leidende Gärtner berichtete, dass er so viel von dem Marihuana geraucht habe, da es sehr gut gegen seine Schmerzen geholfen habe.

Amerikanischen Stars fällt es deutlich leichter über ihren Cannabiskonsum zu sprechen, immerhin ist die gesellschaftliche Akzeptanz auf der anderen Seite des großen Teichs inzwischen deutlich größer als hierzulande. Nun trat auch die weltberühmte Hollywood-Schauspielerin Charlize Theron (Mad Max: Fury Road) mit einer – wie würde es beispielsweise die Bild-„Zeitung“ nennen? Ah, ja – „Cannabisbeichte“ an die Öffentlichkeit:

 

In einem Interview mit „E! News“ eröffnete sie: „Ich war für den Großteil meines Lebens eine Wake-n-Bakerin“, also eine Kifferin, die sich direkt nach dem Öffnen der Augen die erste THC-Zufuhr genehmigt. Sie sei bereits „älter“ gewesen, als sie mit dem Kiffen begonnen hat, was ihr deutlich mehr gegeben hat als beispielsweise Alkohol. Anfang 30 habe sie dann aber aufgehört, weil ihr nach eigenen Aussagen nur noch langweilig davon wurde. Nun, im Alter von 42 Jahren, überlegt sie aber wieder mit dem Rauchen von Marihuana anzufangen, um ihre Schlafstörungen zu bekämpfen.