Wenn man schon sein halbes Leben lang Joints raucht, dann, das weiß jeder erfahrene Konsument, erhöht man nicht nur die physische und psychische Toleranz, nein, auch die soziale Toleranz wird heraufgesetzt: der ständige Cannabis-Konsum fühlt sich einfach komplett normal und selbstverständlich an (und de facto ist er das ja auch), es schleicht sich eine Abstumpfung ein, die fast schon voraussetzt, dass alle anderen Menschen genauso denken und die das Konfliktpotenzial, das im Zuge des Konsums einer (leider immer noch) illegalen Droge zwangläufig vorhanden ist, völlig ausblendet. Jeder, der sich dazu entscheidet, am Wochenende in der Kneipe ausnahmsweise mal keinen Alkohol zu trinken, kann eine Abwandlung des vorab beschriebenen Effekts an der verdutzt-empörten Reaktion seiner vermeintlichen Saufkumpane erkennen.

 

Ein Mann aus Mülheim, der am frühen (!) Samstagmorgen am Hauptbahnhof eine Polizeistreife bat, ihm doch bitte einen Zehn-Euro-Schein zu wechseln, steckte offenbar bereits tief in seiner Filter-Blase. So kam ihm scheinbar nicht der Gedanke, dass es den Polizeibeamten ein Dorn im Auge sein könne, dass er während seiner Bitte um Kleingeld seelenruhig einen Joint rauchte. Als die Polizisten ihn schließlich darauf hinwiesen, zeigte sich der 43-Jährige regelrecht überrascht. Eine vollkommen unnötige Strafanzeige wird’s nun wohl leider trotzdem geben. Und der Zehner konnte zu allem Überfluss auch nicht gewechselt werden.

 

Da soll noch mal einer sagen, dass der heutigen Gesellschaft Respekt und Höflichkeit abhandengekommen seien! Zumindest in Heilbronn stimmt das schon mal nicht, wie der folgende Fall, der sich am gestrigen Donnerstagnachmittag zutrug, nahe legt.

 

Ein 36-Jähriger, der Joint rauchend mit dem Fahrrad unterwegs war, verspürte offenbar den Drang seine Marihuanazigarette mit jemandem zu teilen. Wer weiß, vielleicht fühlte er sich selbst schon zu dicht oder er wollte einfach einem anderen Passanten den Nachmittag versüßen, jedenfalls bot der junge Mann seine Tüte zwei Männern an, die gerade seinen Weg kreuzten und scheinbar einen vertrauenswerweckenden Eindruck machten. Schade bloß, dass es sich ausgerechnet bei den Beiden um Polizeibeamte in Zivil handelte, die die nette Geste in keinster Weise zu würdigen wussten.

 

Die Beamten revanchierten sich statdessen mit einer Durchsuchung, nachdem der 36-jährige Pechvogel bei seinem misslungenen Fluchtversuch mit dem Fahrrad zwei in der Nähe parkende Fahrzeuge beschädigt hatte. Im Zuge dieser wurden dann schließlich noch etwa 30 Gramm Marihuana bei dem Mann gefunden.