Wie sagt man so schön: alles Gute kommt von oben! Was sich am gestrigen Donnerstag in Tel Aviv zugetragen hat, bestätigt diese, eigentlich aus der Bibel stammende, Redewendung auf amüsante Art und Weise.

 

Ein Aktivistenkollektiv namens „Green Drone“ („Grüne Drohne“) hat mithilfe einer, genau, Drohne hunderte mit Marihuana gefüllte Baggys über einem belebten Platz mitten im Zentrum der israelischen Großstadt abgeworfen. Sofort versammelten sich zahlreiche Passanten und sammelten die Päckchen, die je nach Bericht ein bis zwei Gramm enthielten, erfreut ein. Ein Video der leicht chaotischen Zustände rund um den Abwurf gibt es hier zu sehen.

 

Die Aktion wurde in einer Telegramgruppe in vollmundigem Tonfall angekündigt: „Die Zeit ist gekommen, meine lieben Freunde. Ist es ein Vogel? Oder ein Flugzeug? Nein, es ist die 'Grüne Drohne', die gratis Cannabis vom Himmel regnen lässt ... Genießt es, meine lieben Brüder.“

 

Pikanterweise wurde in der Gruppe ebenfalls angedeutet, dass dieser „Rain of Cannabis“ (Cannabisregen) nicht der letzte gewesen sein soll und bald auch über anderen Landesteilen fallen soll. Allerdings wurden im Anschluss an die Aktion bereits zwei Männer festgenommen, daher bleibt fraglich, inwieweit das Vorhaben wirklich umgesetzt werden kann.

 

Die Cannabisgesetzgebung in Israel ist ein gutes Stück weit toleranter als etwa in Deutschland. In Sachen medizinischem Marihuana gilt das Land im Nahen Osten schon seit Jahrzehnten als Vorreiter, aber auch der Freizeit-Konsum wurde 2019, zumindest teilweise, entkriminalisiert.

 

 

Cannabis kills Corona! – Dass derartige (Fake-)News, gerne anonym über irgendwelche Messenger-Dienste unters Volk gebracht, immer mit Vorsicht zu genießen sind, dürfte klar sein. Aber auch wenn es so einfach ganz bestimmt nicht ist, so könnte doch ein Funken Wahrheit darin stecken. So zumindest lassen aktuelle Meldungen aus Israel vermuten.

 

Israel gehört bekanntlich zur globalen Avantgarde, wenn es darum geht, die potentiellen Wirkungen von Cannabis-basierten Mitteln und Therapien zu erforschen. Vor allem die Nutzung von Cannabis zur Linderung von geriartrischen Beschwerden sorgte in der Vergangenheit für internationale Schlagzeilen.

 

Nun hat das israelische Unternehmen Stero Biotechs klinische Studien angekündigt, im Rahmen derer eine CBD-Behandlung bei Covid-19-Patienten erprobt werden soll. Das Unternehmen, das auf die Forschung mit CBD spezialisiert ist, gab bekannt, dass wohl noch im April eine zweiteilige klinische Studie an einer kleinen Anzahl von zehn Probanden gestartet werden könne. Im Falle vielversprechender Ergebnisse solle dann in einer weiteren Runde die Teilnehmerzahl auf immerhin 40 Patienten erhöht werden.

 

Wer jetzt aber schon den hoffnungsvollen Plan gefasst hat, sich auf dem heimischen Sofa mit fetten Blunts in die Immunität zu paffen, um dann in ein paar Wochen seelenruhig nach Italien in den Sommerurlaub zu jetten, der wird zwangsläufig enttäuscht werden. Die Forscher hoffen, mithilfe des Einsatzes von CBD die Effekte der Steroid-Therapie verstärken zu können, mit der Corona-Patienten im Krankenhaus zur Zeit üblicherweise behandelt werden. Das Ziel der kombinierten CBD-Steroid-Therapie ist insbesondere eine bessere Behandlungsmöglichkeit von schweren Verläufen des Corona-Virus.

Es ist das Jahr 2017 und die Menschen haben genug von dem bald hundertjährigen Verbot von Cannabis in den meisten Ecken dieser Erde. Daher werden in immer mehr Ländern und Bundesstaaten Marihuana und Haschisch legalisiert. Einige europäische Länder wie Portugal, Spanien oder Tschechien legen zunächst erst einmal eine Zwischenstufe ein und tolerieren den Konsum von Cannabisprodukten anstatt die komplette anhängende Wirtschaft zu legalisieren.

 

Gestern hat nun auch Israel einen großen Schritt Richtung der Dekriminalisierung von Cannabis zu Freizeitzwecken gemacht. In dem Land, das bei der Forschung zu Cannabis seit Jahrzehnten in der ersten Reihe steht und das auch den großflächigen Einsatz von medizinischem Marihuana erlaubt (25.000 Patienten auf 8,5 Millionen Einwohner – bei stark steigenden Patientenzahlen), kam gestern das Kabinett zusammen.

 

Dabei wurde beschlossen, dass in Zukunft anstatt strafrechtlicher Maßnahmen nur noch Ordnungsgelder verhängt werden sollen, wenn jemand in der Öffentlichkeit Cannabis konsumiert. Der (in Israel weitverbreitete) Anbau sowie der Verkauf von Marihuana und Haschisch soll jedoch weiterhin verboten bleiben.

 

„Auf der einen Seite öffnen wir uns für die Zukunft, auf der anderen Seite sehen wir die Gefahren und werden die Gratwanderung versuchen“, sagte Israels Ministerpräsident Netanyahu, wie die „New York Times“ heute berichtet. Die Entscheidung benötigt allerdings noch die Zustimmung durch die Knesset, das israelische Parlament.

 

Die neue Regelung sieht vor, dass beim ersten Verstoß effektiv etwa 250 Euro weniger Ordnungsgeld bezahlt werden muss, als die Geldstrafe nach den alten Regeln gekostet hätte. Mit jedem Mal Erwischtwerden sollen die Strafen ansteigen und beim vierten Mal dann doch in einer Strafanzeige münden. Dies ist aber doch eher unwahrscheinlich, da die Politik der israelischen Polizei bereits einer De-Facto-Dekriminalisierung gleicht: Im Jahr 2015 gab es nicht einmal 200 Verhaftungen aufgrund von Cannabis-Konsum.