Niemals sollte man sein Weed so aufbewahren, dass Kinder darauf zugreifen können, eigene oder fremde – denn Cannabis sollte nur von volljährigen Personen konsumiert werden, alles andere ist einfach nicht verantwortlich. Aber es scheint noch einen Grund zu geben, der ebenfalls dagegen spricht: nämlich die Unzuverlässigkeit des Nachwuchses.

 

Das musste nun ein 48-Jähriger aus Arendsee (Altmark) in Sachsen-Anhalt am eigenen Leib erfahren, der im Keller eine kleine Cannabisaufzucht mit jeweils etwa 20 Pflanzen betrieb. Dessen 15-jährige Tochter bediente sich ungefragt an seinen Vorräten und rauchte etwas von dem Gras mit einer Freundin. Diese wurde von ihren Eltern zur Rede gestellt und verriet die Freundin und deren Quelle, den Vater. Die Eltern informierten daraufhin die Polizei und die schaute dann mal bei dem 48-Jährigen vorbei.

 

Wie die „Allgemeine Zeitung“ berichtete, fand sich in der Wohnung des Arbeitslosen die Cannabisaufzucht und rund drei Kilo Marihuana. Vor Gericht rechtfertigte sich der Mann damit, dass er nach einem Beinbruch auf Schmerzmittel verzichten wollte und daher mit dem Grasanbau anfing. Dies sei ertragreicher gewesen als zunächst vermutet und daher habe er Teile der Ernte auch weiterverkauft, was er zunächst abstritt, nach einigem Druck aber eingestand. Das Ergebnis: Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung, zudem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit.

2,8 Millionen Euro Umsatz durch den Verkauf von Marihuana – das wird einer Familie aus Witten vorgeworfen, die sich nun auf der Anklagebank des Landgerichts Bochum wiederfindet. 15 Jahre lang sollen Vater (65), Mutter (64), Sohn (35) und auch dessen 29-jährige Freundin mit Gras gedealt haben. Angeklagt sind sie wegen 182 Fällen von Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge – insgesamt soll es sich um 700 bis 1.000 Kilo Cannabis handeln. Die „WAZ“ berichtete, dass zwei Abnehmer der Familie bereits zu Haftstrafen von 4,5 beziehungsweise 7,5 Jahren Haft verurteilt wurden. Vater und Sohn der Familienbande dürfen wohl mit noch empfindlicheren Strafen rechnen – beim Sohn wurden auch diverse Waffen aufgefunden, etwa eine scharfe Pistole und ein Gewehr. Einem anderen Bericht der „WAZ“ nach brauchte er die Waffen nach eigenen Aussagen, um sich in seinem „normalen“ Beruf als Münzhändler zu schützen. Er war vor einigen Jahren überfallen worden und trat damals sogar bei der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ auf.

 

Drahtzieher der ganzen Unternehmung soll der Sohn gewesen sein, für die Beschaffungsfahrten in den Niederlanden waren in der Regel der Vater oder gleich beide Eltern zuständig. Beweise gegen das seit Januar 2016 in Untersuchungshaft sitzende Quartett wurden zuhauf gesammelt: Einige Abnehmer packten aus, außerdem wurde der Sohn ein Jahr lang telefonisch und per Videokamera, die gegenüber seines Hauses installiert wurde, überwacht. Zu alledem verkaufte er auch noch verdeckten Ermittlern seine Ware. Die Beweislage ist also mehr oder weniger eindeutig, so sollen Vater und Sohn im Grunde auch geständig sein – um eine Gefängnisstrafe werden sie nicht herumkommen. Aber auch die Mutter, die gemeinsam mit dem Vater aus den Niederlanden einreiste und von der Polizei mit kiloweise Cannabis im Kofferraum erwischt wurde, sowie die Freundin des Sohns, die bei den Geschäften aushalf, werden wohl mit Haftstrafen versehen werden.

Der Trend geht eindeutig zum Familienunternehmen. Vergangene Woche berichteten wir auf unserer Website bereits über den Bonner Gras-Opa, der gemeinsam mit seinen Enkelinnen dealte, und das Mutter-Tochter-Gespann aus Oberösterreich, das jahrelang angebaut und gedealt haben soll. Nun meldete „nachrichten.at“ den Fall eines 45-jährigen Wieners, der laut Polizei in den vergangenen zweieinhalb Jahren etwa 400 Cannabispflanzen angebaut haben soll. Daraus, so schätzt die Polizei, habe er fünf Kilogramm Marihuana gewonnen und diese verkauft. Pikanterweise sollen zwei Kilo für seine 20-jährige Tochter bestimmt gewesen sein, die diese teilweise weiterverkaufte. Bei der Hausdurchsuchung bei dem Vater wurden vierzig erntereife Pflanzen aufgefunden.

Erst gestern haben wir über den Gras-Opa (69) aus Bonn berichtet, der mit seinen beiden Enkelinnen kiloweise Gras vertickte – heute können wir von einem Mutter-Tochter-Gespann aus Österreich berichten, das jahrelang mit Marihuana in nicht unerheblichen Mengen gehandelt haben soll.

 

Die 51-jährige Mutter unterhielt mit ihrer 22 Jahre alten Tochter auf einem Bauernhof im Bezirk Berg (Oberösterreich) jahrelang drei Indoor-Anlagen zur Cannabisaufzucht. Auch der Innenhof des Bauernhofs wurde eigens zu diesem Zweck umgebaut. Nun gibt es für die beiden Gefängnis statt Bauernhof. Am Dienstag wurden sie in Linz für den Anbau und Verkauf von einigen Kilogramm Cannabis verurteilt: Der ORF berichtet von neun angebauten und sechs verkauften Kilo, „Nachrichten.at“ meldet sogar 18 Kilo angebautes Marihuana, wovon die Hälfte verkauft worden sein soll. Die Staatsanwaltschaft warf den beiden sogar noch größere Mengen vor.

 

Mutter und Tochter sind geständig und gaben an, mit dem Anbau und Handel ihren Lebensunterhalt bestritten zu haben. Die Mutter wurde zu zwölf Monaten unbedingter und weiteren 24 Monaten bedingter Haft verurteilt, die Tochter zu zehn Monaten unbedingter und 20 Monaten bedingter Haft.

Als der Zugriff erfolgte, fand die Polizei 22 Kilogramm Gras und 215.000 Euro bei dem mittelständischen Familienunternehmen: Bereits im Sommer 2015 wurden im Bonner Umkreis fünf Personen in diesem Zusammenhang festgenommen – nun zeigt die Anklage, dass der Fall noch viel größer ist, als bislang öffentlich wurde, wie beim „Express“ zu lesen ist.

 

Inzwischen wurde bekannt, dass hinter den Geschäften ein Dealer-Opa von stolzen 67 Jahren steckte, der sowohl seinen 27 Jahre jüngeren Sohn als aber auch seine beiden Enkelinnen, die erst 16 bzw. 20 Jahre alt sind, in seine Machenschaften verwickelte. Die vier Familienmitglieder müssen sich bald gemeinsam mit einem Komplizen vor dem Landgericht verantworten. Insgesamt wirft ihnen die Staatsanwaltschaft den An- und Verkauf von 190 Kilogramm Gras in gerade einmal drei Monaten der Observation vor. Hinzu kommt noch das beschlagnahmte Weed.

 

Das Marihuana wurde in den Niederlanden besorgt und im Bonner Umkreis an den Mann gebracht. Auch die Enkelinnen des Drahtziehers sollen an den Deals beteiligt gewesen sein. Die 20-Jährige mietete eine 35-Quadratmeter-Wohnung als Bunker an, um das ganze Gras zu deponieren. Großvater und Vater gaben Teilgeständnisse ab. Vater und Komplize sitzen in U-Haft, die anderen Angeklagten sind derzeit auf freiem Fuß.