Im Warschauer Zoo wagt man sich derzeit an einen ungewöhnlichen Therapieversuch. Patientin ist eine junge afrikanische Elefantenkuh, die nach dem Tod einer Artgenossin unter starkem Stress steht. Die einzelnen Mitglieder von Elefantenherden bauen enge Bindungen zueinander auf, dementsprechend hart trifft sie der Verlust eines langjährigen Mitstreiters. Gemäß der Redewendung, dass Elefanten „niemals vergessen“ führen solche Trennungen häufig zu langen Trauerphasen, die für die Betroffenen nicht leicht zu verkraften sind. Im Kontrast zu ihrer mächtigen Erscheinung kann es unter Umständen Jahre dauern, bis die sensiblen und intelligenten Dickhäuter mit dem guten Gedächtnis über derartige (Schicksals-)Schläge hinweg kommen.

 

Die für den Zoo zuständige Tierärztin hat sich nun dazu entschieden, Fredzia, so der Name des leidenden Tieres, für die nächsten ein bis zwei Jahre zweimal täglich CBD-Öl zu verabreichen. Anhand von Kotproben soll dabei stetig überprüft werden, wie sich Fredzias Cortisol-Spiegel, ein Indikator für Stress, entwickelt. Sollte er absinken, würde man dies als Therapieerfolg werten, der sich auf die Wirkung des CBD zurückzuführen ließe.

 

Speziell für die Wehwechen von Haustieren wie Hunden, Katzen und Pferden gibt es bekanntlich schon länger diverse CBD-Produkte am Markt, die Anwendung bei Elefanten stelle nach Meinung der Tierärztin aber eine weltweite Neuerung dar. Ein wenig stutzig macht aber die Dosis, die man Fredzia verabreicht: gerade einmal zehn Tropfen, zweimal am Tag, werden dem 2-Tonnen schweren Tier laut Presseberichten verabreicht. Das legt den Verdacht einer (medizinsich wirkungslosen) PR-Aktion des Zoos nahe, aber vielleicht will man auch einfach kein Risiko eingehen und sich aufgrund fehlender Erfahrungswerte langsam an die korrekte Dosierung herantasten.

CSU-Politiker und andere Unwissende (oder Unwollende) behaupten neben allerlei anderem Unsinn immer gerne, Marihuana sei Ursache für verschiedenste psychische Leiden, beispielsweise Depressionen. Was sollen sie auch sonst behaupten – dass Hasch und Gras zu Organschäden führen, lässt sich im Jahr 2016 selbst in diesen Kreisen nicht mehr glaubhaft zusammenlügen.

 

Nun werteten Mediziner der Columbia University aus New York die Daten von 35.000 erwachsenen Amerikanern aus, um der Behauptung nachzugehen, der Konsum von Cannabis führe zu Depressionen, zu Angststörungen oder sogar zu bipolaren Störungen. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Cannabis kann nicht direkt zu einer dieser psychischen Beeinträchtigungen führen.

 

Verschiedenste Faktoren von 35.000 erwachsenen Amerikanern zwischen 2001 und 2005 wurden ausgewertet. Neben den für Marihuanarauchern erfreulichen Neuigkeiten, gab es aber auch weniger Schönes zu vermelden: Laut Studie haben Grasraucher ein erhöhtes Risiko, im späteren Verlauf ihres Lebens mit Alkoholproblemen konfrontiert zu werden.

 

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „JAMA Psychatry“ veröffentlicht und ist für jedermann (auch für CSU-Politiker) frei einsehbar: www.jamanetwork.com

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