Zehn Kilo Gras soll klein-klein für 100.000 Euro den Besitzer gewechselt haben. Zusätzlich wurden gefälschte LSD-Trips und Speed-Kapseln, die mit Koffeinpulver gefüllt waren, an den Mann gebracht. Im Fall der Speed-Kapseln sollen Ausgaben von 50 Euro Einnahmen von 6.000 Euro gegenübergestanden haben. Verkauft hat den ganzen Kram eine Salzburger Jugendbande, die sich in Anlehnung an die deutsche Rap-Gemeinschaft mit dem gleichen Namen ebenfalls „187 Straßenbande“ genannt hat.

 

Die Jungs von den Hamburger 187ern werden sich jedenfalls bedanken: Große Teile des Salzburger „Ablegers“ sind noch im Jugendalter, auch ein guter Teil der Kundschaft ging wohl noch zur Schule, wie das „Wochenblatt“ berichtet. Insgesamt wurden nun 90 Anzeigen erstattet. So wie es scheint, gingen die jugendlichen Dealer nicht nur äußerst dilettantisch (prahlend und mit der Kohle winkend) vor, sondern sollen nach eigenen Aussagen sogar „gerne einmal im Gefängnis sitzen“ wollen, wie bei der „Kronenzeitung“ zu lesen ist. Vielleicht wird ihr Wunsch nun erfüllt.

Traurige Nachrichten für alle Fans des größten und vermutlich nettesten Haschisch-Exporteurs aller Zeiten: Der Dope-Dealer überhaupt – Howard Marks – ist gestern im Alter von 70 Jahren an seinem Krebsleiden gestorben, das er vergangenes Jahr publik machte. In einem Interview mit dem englischen „Observer“ sagte er zu diesem Anlass: „Natürlich ist die Legalisierung von Marihuana zu medizinischen Zwecken begrüßenswert. Ich persönlich habe aber nie darauf warten wollen, bis ich Krebs kriege, um es rauchen zu können.“

 

Jeder der den Namen Howard Marks oder den seines berühmtesten Alias „Mr. Nice“ schon einmal gehört hat, weiß, dass er auch tatsächlich ganz bestimmt nicht darauf wartete. Im Gegenteil: Marks war nicht nur begabt darin, sich rund um die Uhr an den unmöglichsten Orten dieser Erde Haschisch zuzuführen, er war in den 1970er- und 1980er-Jahren auch für bis zu 30 Prozent des Welt-Cannabis-Schmuggels verantwortlich.

 

„Mr. Nice“ wurde Marks aber nicht etwa genannt, weil er niemals mit anderen Drogen handelte und auch niemals Waffengewalt einsetzte – und das obwohl er tonnenweise Cannabis durch die Weltgeschichte befehligte –, sondern aufgrund einer seiner mehr als 40 verschiedenen Identitäten, die er für seine Schmuggel-Aktivitäten benötigte: Um den Pass mit seiner Identität als Donald Nice rankten sich viele Legenden. Es gab sogar verschiedenste Bemühungen von Privatpersonen, den in der Schweiz verbuddelten Pass aufzutreiben und sogar eine Film-Dokumentation, die dieses Unterfangen begleitet.

 

Geboren wurde Marks 1945 in Wales und studierte Philosophie und Physik am Balliol College in Oxford. Verschiedene Zufälle sowie die Lust auf Abenteuer ließen Marks allerdings eine Karriere als Super-Drogenhändler einschlagen. Anfangs brachte Marks Haschisch aus Pakistan über Irland auf das britische Festland. Hierzu bediente er sich der Kontakte von James Joseph McCann, einem vermeintlichen Mitglied und Waffenlieferant der IRA. Gleichzeitig arbeitete er mit dem MI6 gegen die IRA zusammen.

 

1981 wurde er in Großbritannien angeklagt, Marihuana nach Großbritannien importiert zu haben, dann aber aufgrund seiner Behauptung, für den MI6 gegen die IRA gearbeitet zu haben, durch eine Jury freigesprochen. Für die Einfuhr der Drogen in die Vereinigten Staaten und die Verwendung gefälschter Ausweise wurde er jedoch zu drei Jahren Haft verurteilt. Diese drei Jahre hat er abgesessen. Anfang 1980 wurde er verhaftet und am 6. Mai 1982 entlassen.

 

Im Zuge einer breit angelegten Fahndungsaktion, die von DEA-Agent Craig Lovato koordiniert wurde, wurde Marks 1988 in Spanien festgenommen, an die Vereinigten Staaten ausgeliefert und dort zu 25 Jahren Haft verurteilt. Er verbrachte sieben Jahre im Terre-Haute-Bundesgefängnis. 1995 wurde er vorzeitig nach England abgeschoben.

 

In Deutschland erreichte Howard Marks seit 1996 besondere Berühmtheit, als er seine Autobiografie „Mr. Nice“ veröffentlichte, die unter vielen Potheads als die Bibel durchgeht und die weltweit über eine Millionen Mal veröffentlicht wurde. Dieses unglaublich spannende und aufschlussreiche Buch wird nach wie vor immer wieder nachgedruckt und ist eine unbedingte Kaufempfehlung! 2010 wurde die Biografie zudem mit Rhys Ifans verfilmt. Hier gilt aber mehr denn je: Unbedingt das Buch vorziehen!

 

Die letzten 20 Jahre setzte sich Marks unermüdlich für die Legalisierung von Cannabis ein, verfasste Bücher und tourte auf Lesereisen durch die Welt. Gemeinsam mit dem Breeder-Guru Shantibaba betrieb Howard Marks in den vergangenen Jahren die Mr. Nice Seedbank, um viele tolle Cannabiskreationen zu entwickeln und zu verbreiten.

 

Praktisch jeder westliche Cannabiskonsument hat Howard Marks alias Mr. Nice etwas zu verdanken – seien es seine tollen Geschichten, die zarten Früchte seiner Legalisierungsbemühungen, die zarten Früchte seiner Seeds oder aber auch die ein oder andere Tonne Haschisch bester Qualität, die er in vergangenen Zeiten ausgeliefert hat. Ruhe in Frieden, Howard Marks. Nun werden im Himmel sicherlich noch einige Wölkchen mehr zu finden sein...

 

Weblink: Biographie „Mr. Nice“ bei Amazon

Weblink: Website von Howard Marks

Weblink: Mr. Nice Seedbank

Seit einem Jahr wird im Görlitzer Park in Berlin eine schwachsinnige Null-Toleranz-Politik gegen Cannabis gefahren. Das bedeutet vor allem, dass die Konsumenten verfolgt werden. Aber natürlich wird auch jeder Dealer eingesackt, den man zu fassen bekommt. Und wie geht das? Na klar – mit über 52.700 Arbeitsstunden für die Berliner Polizei. In nur einem Jahr. Nur im Görlitzer Park. Nur wegen Dope. Das wären umgerechnet 18 Beamte, die jeden einzelnen Tag des Jahres acht Stunden an anderer Stelle Dienst schieben könnten.

 

Das Berliner Stadtmagazin „Zitty“ erkundigte sich beim Grünen-Politiker Benedikt Lux, wie die Ergebnisse nach fast einem Jahr (50 Wochen) „Null Toleranz“ aussehen und veröffentlichte diese Ergebnisse gestern. Die Ergebnisse im Schnellcheck:

 

  • Es wurden 1.457 Strafanzeigen wegen Cannabis gestellt, 855 wegen Besitz, 602 wegen Verkauf.

  • Die tatverdächtigen Dealer haben sich im Gegensatz zum Vorjahr sogar von 795 auf 957 erhöht. Festgenommene Dealer arbeiten nach ihrer Freilassung oft wieder im „Görli“.

  • Von 340 eingeleiteten Strafverfahren endeten nur 47 mit einer rechtskräftigen Verurteilung – davon 34 Freiheitsstrafen, wovon allerdings 22 auf Bewährung ausgesetzt wurden: Das macht insgesamt stolze 12 Dealer, die dank den 52.700 Arbeitsstunden nun im Knast sitzen.

  • Nicht nur Funde im Görlitzer Park, sondern auch weiterführende Ermittlungen, führten zur Konfiszierung von 61 Kilo Cannabis. Das ergibt etwa 1,1 Gramm pro Einsatzstunde der Polizei.

Erst gestern haben wir über den Gras-Opa (69) aus Bonn berichtet, der mit seinen beiden Enkelinnen kiloweise Gras vertickte – heute können wir von einem Mutter-Tochter-Gespann aus Österreich berichten, das jahrelang mit Marihuana in nicht unerheblichen Mengen gehandelt haben soll.

 

Die 51-jährige Mutter unterhielt mit ihrer 22 Jahre alten Tochter auf einem Bauernhof im Bezirk Berg (Oberösterreich) jahrelang drei Indoor-Anlagen zur Cannabisaufzucht. Auch der Innenhof des Bauernhofs wurde eigens zu diesem Zweck umgebaut. Nun gibt es für die beiden Gefängnis statt Bauernhof. Am Dienstag wurden sie in Linz für den Anbau und Verkauf von einigen Kilogramm Cannabis verurteilt: Der ORF berichtet von neun angebauten und sechs verkauften Kilo, „Nachrichten.at“ meldet sogar 18 Kilo angebautes Marihuana, wovon die Hälfte verkauft worden sein soll. Die Staatsanwaltschaft warf den beiden sogar noch größere Mengen vor.

 

Mutter und Tochter sind geständig und gaben an, mit dem Anbau und Handel ihren Lebensunterhalt bestritten zu haben. Die Mutter wurde zu zwölf Monaten unbedingter und weiteren 24 Monaten bedingter Haft verurteilt, die Tochter zu zehn Monaten unbedingter und 20 Monaten bedingter Haft.

Als der Zugriff erfolgte, fand die Polizei 22 Kilogramm Gras und 215.000 Euro bei dem mittelständischen Familienunternehmen: Bereits im Sommer 2015 wurden im Bonner Umkreis fünf Personen in diesem Zusammenhang festgenommen – nun zeigt die Anklage, dass der Fall noch viel größer ist, als bislang öffentlich wurde, wie beim „Express“ zu lesen ist.

 

Inzwischen wurde bekannt, dass hinter den Geschäften ein Dealer-Opa von stolzen 67 Jahren steckte, der sowohl seinen 27 Jahre jüngeren Sohn als aber auch seine beiden Enkelinnen, die erst 16 bzw. 20 Jahre alt sind, in seine Machenschaften verwickelte. Die vier Familienmitglieder müssen sich bald gemeinsam mit einem Komplizen vor dem Landgericht verantworten. Insgesamt wirft ihnen die Staatsanwaltschaft den An- und Verkauf von 190 Kilogramm Gras in gerade einmal drei Monaten der Observation vor. Hinzu kommt noch das beschlagnahmte Weed.

 

Das Marihuana wurde in den Niederlanden besorgt und im Bonner Umkreis an den Mann gebracht. Auch die Enkelinnen des Drahtziehers sollen an den Deals beteiligt gewesen sein. Die 20-Jährige mietete eine 35-Quadratmeter-Wohnung als Bunker an, um das ganze Gras zu deponieren. Großvater und Vater gaben Teilgeständnisse ab. Vater und Komplize sitzen in U-Haft, die anderen Angeklagten sind derzeit auf freiem Fuß.

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