Nachdem eine Verschiebung aus Corona-Gründen für Verzögerung sorgte, wird man in Deutschland 2021 erstmals eine Ernteladung Medizinalcannabis einfahren. Im Zuge einer Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten und Legalisierungsbefürworters Wieland Schinnenburg erhält die Öffentlichkeit nun einen Einblick in die Preisgestaltung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das den drei Produzenten Aphria, Aurora und Demecan, die sich den Cannabis-Zuschlag in Deutschland sichern konnten, das medizinische Marihuana zur Verteilung an die Apotheken abkaufen wird.

 

Die Unternehmen werden für ihre Produktion im Durchschnitt 2,20 Euro pro Gramm Marihuana vom BfArM erhalten, so Staatssekretärin Weiss vom Gesundheitsministerium. Welchen Preis die Apotheken zu zahlen haben werden, ist bisher nicht bekannt. Klar ist: dem BfArM soll es nicht darum gehen, Gewinne zu erzielen, reine Kostendeckung ist anvisiert. Dennoch dürften solche Preise bei Selbstzahlern, die ihre Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen bekommen und die ein Vielfaches für ihre Medizin zahen müssen, eventuell für Unmut sorgen.

 

2,6 Tonnen Marihuana pro Jahr wurden von der Behörde für die deutschen Cannabispatienten angefordert. Eine Zahl, die Experten in Anbetracht der hohen Nachfrage für deutlich zu niedrig halten. Anstatt den Restbdedarf der hiesigen Patienten über Exporte aus dem Ausland zu decken, solle lieber direkt die heimische (Land-)Wirtschaft gestärkt werden, so der FDP-Mann. Er forderte Gesundheitsminister Spahn (CDU) auf, „für eine Ausweitung der Produktion zu sorgen“.

Die noch junge CBD-Branche hat mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, auf regionaler, nationaler und auch internationaler Ebene. In allen Belangen gibt es diverse Stolpersteine und Fallstricke für junge CBD-Unternehmer, nicht zuletzt da die Gesetzeslage oft nicht ganz eindeutig ist bzw. unterschiedlich interpretiert wird.

 

Große Sorge machte die Europäische Union den CBD-Befürwortern, da sie sich dieses Jahr dazu verstieg, natürlich hergestellte CBD-Produkte als Betäubungsmittel ansehen zu wollen. Nach dieser Auffassung wäre dies vermutlich das Ende für den Großteil des seit Jahren wachsenden Marktes für CBD-Öle, CBD-Nahrungsergänzungsmittel und CBD-Lebensmittel.

 

Denn nach diversen Uneinigkeiten, wurde Anfang 2019 von der EU-Kommission beschlossen, CBD-Produkte unter die Novel-Food-Verordnung zu fassen. Dies bedeutete, dass einige der CBD-Produkte auf dem Markt plötzlich de facto illegal vertrieben wurden, weil diese unter die Novel-Food-Verordnung der EU fielen, aber keine Zulassung dafür hatten.

 

Doch entsprechend eingereichte Zulassungsanträge Dutzender Anbieter wurden vor wenigen Monaten dann auf Eis gelegt: in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause beschloss die EU-Kommission, sich nun auf das Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel der Vereinten Nationen von 1961 zu berufen und CBD als Betäubungsmittel anzusehen.

 

Klar, wenig sinnvoll, nicht zuletzt da CBD weder als Betäubungs- noch Rauschmittel eingesetzt werden kann, aber solche Mätzchen kennt man ja von der EU zur Genüge. Die handelt damit übrigens ganz entgegen der aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Cannabis als weniger gefährlich klassifizieren möchte als nach den Maßstäben des UN-Abkommens von 1961, wo Cannabis, also THC aber auch CBD, mit Heroin und Kokain gleichgesetzt wird.

 

Die EU-Kommision vertrat also nun neuerdings die Ansicht, dass wenn CBD als Betäubungsmittel eingestuft wird, es nicht gleichzeitig ein Nahrungsmittel und damit auch kein Novel Food sein kann. Somit war plötzlich die gesamte europäische CBD-Branche in Gefahr – und in heller Aufregung.

 

Doch ein CBD-Unternehmer, Antonin Cohen, Gründer der bekannten CBD-Firma Harmony, prozessierte seit bereits sechs Jahren mit einer anderen von ihm gegründeten Firma, KanaVape, vor französischen und europäischen Gerichten, da die französischen Behörden ihm den Verkauf von aus der Tschechischen Republik importiertem CBD-Öl verbieten wollten.

 

Prozesse, die ihn über 200.000 Euro kosteten und die nun diese Woche in einem grandiosen Urteil für die europäische CBD-Branche mündeten: der Europäische Gerichtshof wertet CBD nicht als Betäubungsmittel und stellt fest, dass aus Cannabis gewonnenes CBD nicht als Suchtstoff im Sinne des Einheitsübereinkommens von 1961 einzustufen ist. Urteile des Europäischen Gerichtshof werden in aller Regel von allen Seiten als letztes Wort akzeptiert.

 

Somit ist der Zulassung von CBD als Novel Food also der Weg geebnet. Eine großartige Nachricht für alle CBD-Unternehmer und CBD-Liebhaber. Bleibt zu hoffen, dass die Europäische Union nicht weitere Gemeinheiten und Pseudo-Regularien im Sinne der Pharmalobby gegen die CBD-Branche plant...

Wenn ein Bundesminister nach seinem Rücktritt ein gut dotiertes Pöstchen in der freien Wirtschaft erhascht, gilt das vielen kritischen Zeitgenossen als Zeichen von Kungelei und Lobbyismus. Wenn die Parallelen zwischen aktiver politischer Laufbahn und dem danach angebotenen Posten zu augenfällig sind, bekommt das Ganze schnell einen faden Beigeschmack.

 

Wenn nun bekannt wird, dass der ehemalige Gesundheits- und Wirtschaftsminister sowie Vizekanzler Philipp Rösler in den Verwaltungsrat des Schweizer Cannabisunternehmens Pure Holding wechselt, dann klappt dem erfahrenen Legalisierungsaktivist und Cannabisfreund wohl als erstes die Kinnlade runter. Ein ehemaliger Bundesminister im deutschsprachigen Cannabusiness, wer hätte das noch vor ein paar Jahren für möglich gehalten?

 

Als zweites schaut man dann ganz automatisch mal nach, was der gute Herr Dr. Rösler in seiner Ministerzeit denn so zum Thema Cannabis verzapft hat. Und, siehe da, in Sachen Medizinalcannabis hat er, schon vor seiner Ministerzeit, als er noch im niedersächsischen Landtag saß, durchaus stark gemacht. Besonders um die Palliativ- und Schmerztherapie ging es damals, aber zum Beispiel auch um die Behandlung von MS. Zu einer Zeit, als das Thema Cannabis, ob medizinisch oder nicht, noch so gar nicht im Trend lag.

 

Mag sein, dass die hier beschriebenen Vorgänge schon ein knappes Jahrzehnt her sind und Rösler in der Zwischenzeit bereits zahlreiche andere „Jobs“ angetreten hat: ein Zusammenhang zwischen seiner damaligen politischen Arbeit und seinem neuen Feld dürfte nichtsdestotrotz bestehen. Also zurück zur eingangs angeschnittenen moralischen Frage: welcher übellaunige Cannabisfreund würde jetzt bitteschön hergehen und Rösler verurteilen?

 

Ist es also nun vielmehr an der Zeit ein Loblied auf den FDP-Mann anzustimmen? Wohl kaum, denn Rösler hatte natürlich nie den „kleinen Kiffer“ im Kopf als vielmehr die Anliegen der Pharmaindustrie, ging es doch immer um verabeitete oder synthetische THC-Arzneimittel. Legale Blüten und Eigenanbau lagen, von den spärlich gesäten Ausnahmegenehmigungen einmal abgesehen, damals noch in weiter Ferne. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass Rösler auch der gesamten Medizinalcannabis-Bewegung, ob unbeabsichtigt oder nicht, einen Dienst erwiesen hat. Zumal auch die synthetischen Präparate wie Dronabinol ihre Wirkung nicht verfehlten, wurde das Thema seinerzeit medial immer mehr aufgeriffen und fand verstärkt Eingang in die kollektive Debatte.

 

Warum beispielsweise das Highway-Magazin Philipp Rösler trotzdem niemals einstellen würde (mal abgesehen davon, dass wir ihm nicht genug zahlen könnten), liegt, und da sind wir dann doch mal wieder beim Thema Moral, besonders an einem Skandälchen, das Röslers Ansehen als Minister nachhaltig geschadet hat: 2012 wurde auf sein Drängen hin der jährlichen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung geschönt, um die damals schon grassierende Ungleichheit der Vermögensentwicklung in Deutschland zu verharmlosen. So wurde beispielsweise eine kritische Passage zur sozialen Schere in der Art umgedeutet, dass sinkende Reallöhne eigentlich gar nichts Problematisches seien, sonderm vielmehr „Ausdruck struktureller Verbesserungen“. Wäre das nicht eine Diskriminierung von Cannabiskonsumenten, müsste man jetzt fragen: welches Kraut hat der denn..., aber lassen wir das. 

Der Anti-Cannabis-Front brechen so langsam aber sicher die Argumente weg. Die seit Jahr und Tag wichtigste Säule dabei, das wackelige Konstrukt des angeblich steigenden Konsums unter Jugendlichen nach der Freigabe, ist schon in sich zusammengefallen. Spätestens seit die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags in einem Papier über die entsprechenden Datenlage informiert hat, dürfte das auch der CDU klar sein.

 

Die andere tragende Stütze im Prohibitions-Narrativ, die auch Drogenbeauftragte Ludwig in Interviews immer wieder aufbaut, ist die angeblich nicht abebbende Popularität des Schwarzmarkts. Ganz nach dem Motto: bringt doch eh alles nix! Tja, aber auch damit hat es sich wohl bald erledigt, wenn man sich die neusten Zahlen aus Kanada anschaut.

 

Bloomberg Kanada berichtet aktuell, dass die Cannabis-Gesamtausgaben der kanadischen Haushalte im zweiten Quartal 2020 auf dem legalen Markt erstmals die für den illegalen Schwarzmarkt überstiegen haben. Es stehen 648 Millionen Kanadische Dollar durch Freizeitcannabis zuzüglich 155 Millionen durch Patienten umgesetzte Kanadische Dollar, also 803 Millionen Kanadische Dollar (knapp 517 Millionen Euro) an legalem Cannabisgeld, 784 Millionen Kanadischen Dollar (ca. 504 Millionen Euro) an illegalen Schwarzmarkteinnahmen gegenüber. Damit hat die legale Cannabisindustrie einen wichtigen Meilenstein setzen können, dem in Zukunft wohl noch weitere folgen werden. Das ist natürlich eine gute Sache für das dortige Cannabusiness, genauso wie für die vielen Konsumenten, die sich offenbar mehr und mehr für die Vorzüge der Legalität begeistern können (oder nach einigen Anlaufschwierigkeiten auch endlich einfach besser versorgt werden).

 

Die neuen Daten sind aber auch von enormem Wert für die weniger begünstigten Länder wie zum Beispiel die Bundesrepublik, die sich nach wie vor mit reaktionären (Regierungs-)Ansichten rund ums Thema herumschlagen muss. Denn ab jetzt kann sich Drogen-Dani eben nicht mehr so einfach vor die versammelte Presselandschaft stellen und herumposaunen, dass eine Legalisierung in puncto Verdrängung des Schwarzmarkts sowieso nichts bringe. Okay, okay, erwischt! Nicht, dass sie die neuen Erkenntnisse daran hindern würde, das wider besseren Wissens weiterhin zu tun. Denn bis sich die Entwicklungen bei CDU/CSU herumgesprochen haben, werden wohl noch fünfzig Jahre ins Land ziehen. Aber immerhin wäre es in dem Fall dann für den Normalbürger leicht nachzuprüfen, dass es sich um eine glatte Lüge handelt.

 

Ganz nach US-Vorbild hatte die neue CBD-Firma Vaay, die momentan bundesweit mit reichweitenstarken Werbeaktionen auf sich aufmerksam macht, eine PR-Kooperation mit einem trendigen Burger-Franchise in Planung. Einen CBD-Burger sollte es für die hungrigen Gäste in den Hamburger und Kölner „Ottos -Burger“-Filialen geben. Lecker, sättigend und mit der Extradosis Entspannung – so oder so ähnlich hatte man sich das wohl gedacht.

 

Also, im Grunde gab es nur einen ganz normalen Burger wie sonst auch, nur sollte nun eben noch ein Spritzer CBD-Öl draufgesprüht werden. Als erfahrener Cannabisfreund kann man von derlei Eskapaden natürlich halten, was man will – für den Autor dieser Zeilen gehen CBD und Burger jedenfalls nicht so richtig gut zusammen. Nicht, dass es nicht vielleicht schmecken würde, aber das beim CBD immer mehr oder weniger mitschwingende Gesundheitsversprechen beißt sich auch ein wenig mit dem fettigen Hackfleisch-Bun. Zwei Produkte aus komplett unterschiedlichen Themenwelten – auf Teufel komm raus in ein enges Marketing-Konzept gepresst. Aber gut, im Grunde kann es im Sinn aller Legalisierungsbefürworter nicht genug öffentlichkeitswirksame Cannabis-Aktionen geben – und, natürlich, die Presse sprang auf den Zug auf und machte mit kleinen Artikeln ordentlich Werbung für den ungewöhnlichen Neuzugang auf „Ottos“ Speisekarte.

 

Nun machen jedoch die Behörden den Beteiligten einen Strich durch die Rechnung – im Einklang mit der neuen Richtlinie bezüglich CBD-Lebensmitteln erklärte man die aufmerksamkeitsstarke Aktion quasi in letzter Minute für rechtswidrig. Eigentlich müsste dem Team hinter Vaay im Planungsprozess das schlechte Timing aufgefallen sein: erst einige Wochen ist es her, dass Behördenschreiben davon kündeten, jetzt mit der sogenannten Novel-Food-Verordnung ernst zu machen und den Verkauf von CBD-Lebensmitteln zu untersagen – da kommt der CBD-Burger einfach zu einer ganz schlechten Zeit. Aber wer weiß, vielleicht haben die Marketing-Gurus aber auch genau damit gerechnet und die doppelten Artikel in den Zeitungen (einmal Ankündigung, einmal Absage) einfach mal mitgenommen.

 

Wie auch immer, nun bleibt den enttäuschten Gästen wohl nix anderes übrig, als sich selbst auf vollkommen legalem Weg im Laden ein Fläschchen CBD-Öl zu besorgen und es in Eigenregie auf den Burger zu träufeln...

 

Enttäuschung unter Legalisierungsbefürwortern aus aller Welt. Schon im Februar 2019 empfahl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den UN-Staaten eine Neuklassifizierung von Cannabis. Diese, so sah es der Ablauf vor, sollten eigentlich bereits vor genau einem Jahr über den Sachverhalt abstimmen. Das ging den Mitgliedsländern dann aber doch etwas zu schnell und so entschied man sich, die Abstimmung um zwölf Monate auf den März 2020 zu verschieben.

 

Im Rahmen der in Wien tagenden Suchtstoffkommisssion sollte nun endlich das Thema Cannabis auf den Tisch kommen. Aber Pustekuchen! Statt einer Neubewertung gab es eine Neuverschiebung und zwar auf den Dezember dieses Jahres. Das bedeutet cannabispolitisch weitere Monate Stillstand. Zugegeben, das Dokument, anhand dessen sich die Abstimmungsteilnehmer über die Sachlage informiern sollen, umfasst stolze 90 Seiten, das ist innerhalb eines Jahres ja auch kaum zu schaffen!

 

Besonders die USA zeigten sich verstimmt über die erneute Verschiebung und drängen auf eine zügige Entscheidung ohne weitere Verzögerungen. Wir bedauern, dass der CND diese Woche nicht in der Lage war, Maßnahmen bezüglich der Cannabisempfehlungen der WHO zu ergreifen, da die Mitgliedstaaten seit Februar 2019 bereits hart daran gearbeitet haben, einen eingehenden Konsultationsprozess in den Bereichen Recht, Verwaltung, Soziales und ökonomische Auswirkungen der Empfehlungen einzuleiten“, so der stellvertretende Hauptsekretär des Büros für internationale Drogen- und Strafverfolgungsangelegenheiten James A. Walsh.

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Das Bundesgericht hat ein wegweisendes Urteil für alle CBD-Cannabiskonsumenten und –händler in der Schweiz gefällt: ab sofort dürfen THC-arme Blüten nicht mehr mit der Tabaksteuer belegt werden. Gegen die Steuer von 25 Prozent auf den Endverkaufspreis  hatten drei Schweizer Firmen (Swiss Cannabis, Canway Schweiz und Artemis) Klage eingereicht.

 

Das Gericht stellte fest, dass es sich bei Hanfblüten nicht um Tabakersatzprodukte handele, ein Konsum anstelle von Tabak sei seitens der Konsumenten nicht zu erwarten. Zudem grenze auch der medizinische Einsatz die Blüten von Tabakprodukten ab, die keinesfalls zur Gesundheitsförderung konsumiert werden können. Aus diesen Gründen halten die Richter die Neuerschaffung einer speziellen Steuer für Hanfblüten und der damit einhergehenden gesetzlichen Legitimierung für notwendig.

 

Das Bundesgericht korrigiert mit dem Urteil die Entscheidungen zweier untergeordneter Instanzen: noch 2017 und 2019 hatten die Oberlandesdirektion bzw. das Bundesverwaltungsgericht die Tabaksteuer auf Hanfblüten für angemessen erklärt. Die Kläger begrüßen die Entscheidung und pochen nun auf eine zügige Erneuerung der entsprechenden Cannabis-Gesetzgebung.

 

Riesige Ströme von legal verdientem Cannabisgeld aus Nordamerika sickern auf den verschiedensten Wegen Richtung Europa. Klar, gilt der Kontinent doch als nächste Riesen-Chance für die Cannabisindustrie, in den USA und Kanada ist dagegen schon viel abgegrast. Sei es der Kauf der größten Cannabismesse Spannabis in Barcelona durch die High Times samt dortiger Installierung des weltberühmten Cannabis Cup oder die Übernahme des deutschen Vapo-Herstellers Storz & Bickel aus dem beschaulichen Tuttlingen durch den kanadischen Produzenten Canopy Growth. Der Dollarfluss bahnt sich unermüdlich seinen Weg, die europäischen Cannabisgesetzgebungen als möglichen Staudamm aber immer im Blick.

 

Zur Riege der Investoren gehören auch viele Pop- und Filmstars, die nach Anlagemöglichkeiten abseits von Immobilien und Sportwagen suchen. Wie zum Beispiel Snoop Dogg und Justin Bieber, die, wie nun bekannt wurde, auf das norddeutsche Start-Up Sanity Group setzen. Mit rund 20 Millionen Euro konnten sich die Gründer aus Flensburg und Ellerau bei Hamburg die dickste Finanzspritze sichern, die jemals in Europa für ein Cannabis-Unternehmen angesetzt wurde. Unter dem Markennamen Vaay sollen künftig medizinische und Wellness-Produkte auf CBD-Basis vertrieben werden, sowohl im Online-Shop als auch in Filialen in der Fußgängerzone.

 

Als ungewöhnlich ist die politische Herkunft von Finn Age Hänsel, einem der beiden Gründer zu bezeichnen: wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass Snoop Dogg einmal Millionen in das deutsche Cannabisunternehmen eines ehemaligen Vorsitzenden der Jungen Union (JU), der Nachwuchsorganisation der CDU, investieren würde?

 

Millionen Menschen in Deutschland sehnen die Cannabis-Legalisierung herbei, viele jedoch nur im stillen Kämmerlein. Es gibt jedoch auch einige Vorkämpfer, die sich offensiv und vor allem öffentlich für die Legalisierung einsetzen – teilweise auch in Gruppierungen und Vereinen wie dem Schildower Kreis odeLaw Enforcement Against Prohibition Deutschland (LEAP) organisiert. Besonders bekannt unter deutschen Cannabisfreunden ist natürlich auch der Deutsche Hanfverband (DHV), der auch ursprünglich im Jahr 2002 eher als Wirtschaftsvertretung konzipiert war, aber sich auch entschloss, private Mitglieder aufzunehmen und zu vertreten – und das auch immer intensiver.
 
 
So fuhr der DHV also bislang zweigleisig und versuchte die Interessen von Cannabiskonsumenten und zu Straftätern abgestempelten Menschen, die sich für die harmloseste aller illegalen Drogen interessieren, zusammen mit den Interessen der aufstrebenden deutschen Cannabisindustrie unter einen Hut zu bringen. Der Spagat, Anti-Prohibitionisten und Unternehmer zu vereinen und zu repräsentieren, wurde immer schwieriger und aufwendiger und so will sich der Deutsche Hanfverband nun vorrangig auf die Belange von Konsumenten konzentrieren.
 
 
Ausschließlich für Unternehmen wurde also nun ganz frisch in Berlin der Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) gegründet. Dieser will sich als kommende Stimme der Cannabisbranche in Deutschland positionieren, versteht sich als Interessenvertretung der gesamten Cannabiswirtschaft in Deutschland und wird als Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien fungieren.
 
 
Die Gründung des Bundesverbands Cannabiswirtschaft ist ein längst überfälliger Schritt, mit dem beide Interessensgruppen ihr Profil schärfen. Der neue Verband wird die Vertretung der Branche übernehmen, während sich der Hanfverband vor allem als Bürgerrechtsbewegung versteht“, so DHV-Chef Georg Wurth.
 
 
Vertreten im Bundesverband Cannabiswirtschaft sind alle Bereiche der aufstrebenden Branche: Medizinalcannabis, Nutzhanf, CBD, Import, Dienstleistungen, Handel und Technik. 14 Unternehmen aus der Cannabiswirtschaft nahmen an der Gründungsversammlung teil und initiierten den Verein, beitreten kann jedes Cannabisunternehmen.
 
 
Die Jahresbeiträge (wie auch Anzahl der Vertreter in der Mitgliederversammlung) sind nach Anzahl der Mitarbeiter gestaffelt und beginnen bei jährlich 2.000 Euro für bis zu fünf Mitarbeiter und enden bei 20.000 Euro per annum für Unternehmen mit mehr als Hundert Mitarbeitern.
 
 
Als Präsident des BvCW wurde Stefan Meyer von der Neo-Livia GmbH gewählt. Für den Bereich Medizinalcannabis wurde Armin Prasch von der Fidelio Healthcare GmbH & Co. KG zum Vizepräsidenten ernannt, für den Bereich Nutzhanf Marijn Roersch van der Hoogte von der Hanffaser Uckermark eG. Als Geschäftsführer wurde der zuletzt beim Deutschen Hanfverband tätige Jürgen Neumeyer bestimmt.
 
 
Als weitere Präsidiumsmitglieder wurden gewählt: Lisa Haag (MJ Universe GmbH), Michael Greif (Drapalin Pharmaceuticals GmbH), Sven Kallies (Thankyoujane GmbH), Benjamin Patock (Bovida Inc.), Philipp Weber (Cannamigo GmbH), Joscha Krauß (MH medical hemp GmbH), Maximilian Moosbrugger (Cannamigo GmbH) und Ulrich Thibaut (TherCanni GmbH)
 
 
Der Präsident des BvCW, Stefan Meyer, erklärte zur Gründung: „Eine Interessenvertretung für die Cannabiswirtschaft in Deutschland war überfällig. Der BvCW will die starke Stimme für alle in Deutschland bereits aktiven Unternehmen im Bereich Cannabis werden. Viele regulatorische Fragen müssen besprochen und vernünftig gestaltet werden. Im internationalen Vergleich muss Deutschland im Bereich Forschung, Gesetzgebung und in marktkonformen Regularien aufholen. Wir werden als Cannabiswirtschaft dabei helfen!“
 
 
Für den Bereich Medizinalhanf erklärt der Vizepräsident des BvCW, Dr. Amin Prasch: „Das 2017 beschlossene ,Cannabis als Medizin‘-Gesetz eröffnet gute Voraussetzungen für medizinisch angewendetes Cannabis in Deutschland. Hierzu erscheint es erforderlich, dass sowohl geltende Regulierungen und Qualitätsstandards eingehalten werden als auch, dass diese, beispielsweise durch Standardisierung und Zertifizierung, durchaus neu definiert und angepasst werden können. Dies mit dem Ziel, einerseits die Produktsicherheit zu erhöhen und sicherzustellen und andererseits, derzeit noch bestehende Vorurteile und Bedenken bei allen Beteiligten zu korrigieren und abzubauen.“
 
 
Für den Bereich Nutzhanf erklärt der Vizepräsident des BvCW, Marijn Roersch van der Hoogte: „Hanf wird als nachwachsender Rohstoff und als Lebensmittel in Deutschland und Europa eine wichtige Rolle spielen. Überholte Grenzwerte und offene Fragen in der vielfältigen Anwendung von Cannabis als Rohstoff, als Lebensmittel und als Nahrungsergänzungsmittel werden von uns gegenüber der Politik angesprochen. Wir haben viel Aufklärungsarbeit vor uns und sollten uns auf einen internationalen Wettbewerb sinnvoll vorbereiten.“
 
 
So ist also davon auszugehen, dass wir in Zukunft noch häufig vom BvCW hören werden. Interessierte können sich auf der Website www.cannabiswirtschaft.de informieren oder gleich alle Unterlagen herunterladen, um ihr eigenes Cannabisunternehmen anzumelden.