Cannabis-Anbau in Deutschland, ganz legal? Dies ist die Zukunft, denn wie wir berichteten, gibt es in Deutschland seit einigen Wochen Cannabis auf Rezept. Dieses stammt derzeit noch aus Importen, doch bereits im Jahr 2020 sollen die angeblich bloß zwei Tonnen Cannabis, die laut der staatlichen Cannabisagentur pro Jahr benötigt werden sollen, in Deutschland produziert werden.

 

Seit Anfang der Woche ist das Vergabeverfahren für die Bewerbung für Lizenzen zum legalen Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland veröffentlicht worden. Und das sorgt bei vielen deutschen Firmen, die nun auf das Cannabisgeschäft setzen wollten, für großen Unmut.

 

Denn: Es werden zehn Lizenzen für zehn verschiedene Sorten Cannabis vergeben. Eine Firma kann sich maximal auf sieben Lizenzen bewerben, das bedeutet, dass die zehn Lizenzen an zwei bis zehn Firmen vergeben werden. Grundvoraussetzung für eine Bewerbung zum Cannabisanbau ist durch ein Punktesystem in der Praxis jedoch der Nachweis, bereits legal medizinisches Cannabis angebaut zu haben. Und das ist in Deutschland bislang nicht möglich gewesen.

 

Das Vergabeverfahren sieht ein Punktesystem vor, bei dem die Lizenzen an die Bewerber mit den meisten Punkten vergeben werden (wenn diese im Anschluss auch alle weiteren Bedingungen erfüllen). Je mehr 50-Kilo-Lieferungen man von legalem medizinischem Cannabis produziert und geliefert hat, desto mehr Punkte bekommt man. Somit ist praktisch ausgeschlossen, dass eine rein deutsche Firma eine Lizenz für den staatlichen Cannabisanbau bekommen kann, da sie noch niemals Cannabis produzieren konnte. Eine Ausnahme wäre, wenn es für eine oder mehrere der zehn Lizenzen nur Bewerber gäbe, die alle noch nie Cannabis angebaut hätten.

 

Andernfalls besteht die einzige Aussicht auf Erfolg darin, eine Kooperation mit einem entsprechenden ausländischen Unternehmen, das diese Bedingungen erfüllt, – etwa aus Kanada – einzugehen. Was das ganze nicht leichter macht: Die Bewerbung muss bis zum 5.6. dieses Jahres eingereicht werden – ein bisschen wenig Zeit, um internationale Kontakte zu knüpfen und dementsprechende Verträge aufzusetzen. Immerhin muss nicht direkt mit der Standortsuche und Ähnlichem begonnen werden, denn der nächste Schritt sieht vor, solche Pläne dann erst in der Theorie zu entwickeln und einzureichen. Allerdings müssen die ersten 200 Kilo pro Lizenz dann auch im Jahr 2020 geliefert werden – ansonsten ist die Lizenz vermutlich auch direkt wieder weg.

 

Weblink: Ausschreibung der Cannabisagentur zum medizinischen Anbau in Deutschland

Cannabis kann einfach nicht verdrängt werden. In den etwa 80 Jahren seiner Verbannung und Illegalisierung war es immer und überall verfügbar. Nun ändern die ersten Länder wieder ihre Gesetze und Cannabis wird nach und nach wieder in die westlichen Kulturen integriert. Wenn auch nur mit kleinen Schritten.

 

Große Schritte macht hingegen das internationale Cannabusiness. In allen Ländern dieser Erde, allen voran natürlich in Nordamerika, sprießen die Cannabisfirmen aus dem Boden. Die Geschäftsfelder sind vielfältig: vom Samen über Anbauzubehör zum Anbau selbst. Dann kommen Hersteller diverser Ernte-, Trocken- und Aufbewahrungshilfen ins Spiel, natürlich die Verkaufsstellen und dann die Hersteller von Papers, Pfeifen, Vaporizern.

 

Doch mit dieser „Lieferkette“ ist noch lange nicht jeder Bereich abgedeckt, in dem mit dem Produktfeld Cannabis Geld verdient werden kann. Die Möglichkeiten sind zahlreich und oft auch lohnend. In Deutschland interessiert gerade viele Menschen die Frage, ob sich nun mit dem Anbau von Cannabis für die Apotheken-Ausgabe Geld verdienen lassen kann – beziehungsweise, wie man in naher Zukunft an eine solche Anbaulizenz von der ganz frisch gegründeten Cannabisagentur gelangen kann.

 

Dies ist eins der Themen, dass am 11. und 12. April in Berlin auf der Internationalen Cannabis Business Conferenz – kurz ICBC – besprochen werden wird. Unter dem Titel „Medizinisches Cannabis in Deutschland: Die Regeln für Produzenten, Apotheken und Patienten“ wird Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband die Diskussion dieses Blocks leiten. Dort werden sowohl die Voraussetzungen zur Cannabis-Produktion in Deutschland erläutert als auch auf die Rolle der Produzenten im zukünftigen Zusammenspiel von Apotheken und Patienten eingegangen.

 

Die zweitägige Konferenz im Berliner Maritim Pro Arte Hotel, die auch schon in San Francisco, Vancouver und Hawaii stattfand, bietet an beiden Tagen ein vollgepacktes Programm und die Referenten sind hochklassig: Den meisten Lesern dürfte etwa Tommy Chong, die eine Hälfte des Komiker-Duos Cheech und Chong, ein Begriff sein. Zuletzt berichteten wir im Januar über ihn, als er ein Pfund Marihuana an den „Hollyweed-Guy“ verschenkte.

 

Dann kommt die Cannabisanbau-Legende Ed Rosenthal in Berlin vorbei – Autor diverser Cannabis-Bücher und Autor des einzigen Anbau-Buchs, das jemals von der „New York Times“ besprochen wurde. Doch nicht nur das: Die bekannte Samenbank Sensi Seeds benannte den ebenso bekannten Cannabis-Strain Ed Rosenthal Super Bud nach ihm.

 

Alan Dronkers, der älteste Sohn des Chefs eben dieser Samenbank, wird ebenfalls bei der ICBC als Redner anzutreffen sein. Auch der berühmte Grower Kevin Jodrey aus Humboldt County wird von seinem bewegten Leben an der Spitze des amerikanischen Green Rushs berichten. Ein Artikel über ihn aus der „Washington Post“ gewann sogar den Pulitzer-Preis. Auch der aus Fernsehen und YouTube bekannte Cannabist-Aktivist Steve DeAngelo wird sich zu Wort melden.

 

Aus Deutschland werden auch einige Gäste anzutreffen sein, etwa der vermutlich bekannteste Cannabispatient des Landes, Günter Weiglein, oder auch Deutschlands garantiert bekanntester Cannabis-Arzt, Franjo Grotenhermen.

 

Aber auch die Liste der Referenten, deren Namen einem erst einmal nichts sagen, ist lang und gut aufgestellt. Als Beispiele seien hier noch Dana Rohrabacher, US-Republikaner, der Kalifornien im amerikanischen Kongress vertritt, oder Dr. Ingo Michels, der Leiter der Geschäftsstelle der Drogenbeauftragten beim Bundesministerium für Gesundheit, genannt.

 

Die Vorträge werden übrigens größtenteils auf englisch abgehalten, jedoch stehen Simultandolmetscher über Kopfhörer zur Verfügung. Die deutschen Vorträge werden umgekehrt ebenso ins Englische übersetzt.

 

Am Vorabend der zweitägigen Konferenz findet noch ein VIP-Empfang statt, richtig los geht es dann am Dienstag, den 11. April. Mehr oder weniger im Stundentakt gibt es dann an beiden Tagen von morgens bis abends Vorträge, beispielsweise zu den Themen „Extraktion und Konzentrate“, „Testverfahren und Standardisierung“, „Der Entourage-Effekt von Cannabinoidsäuren“, „Cannabis in den Medien“, „Zielgruppenfindung und Markenentwicklung“, „Sorten, Globalisierung und Patente“, „High-Tech beim Cannabisanbau“ und dergleichen mehr.

 

Karten für die Konferenz sind noch über die Website internationalcbc.com/deutschland/ zu beziehen. Allerdings handelt es sich bei der ICBC tatsächlich um eine reine Business-Konferenz. Dies spiegelt sich auch in den Preisen wieder: Das Ticket inklusive Eintritt zur After-Show-Party am Dienstag kostet 499 Dollar, das Ticket mit Zugang zum VIP-Empfang schlägt mit 649 Dollar zu Buche.

 

Wem das zu teuer ist, der kann sich auf Highway – Das Cannabismagazin verlassen: wir sind vor Ort und berichten euch von den Highlights!

 

ICBC Berlin

Termin: 11. und 12. April 2017 (VIP-Empfang am 10. April)

Öffnungszeiten: jeweils 8.30 bis 17 Uhr, VIP-Empfang am Montagabend

Veranstaltungsort: Maritim Pro Arte Hotel Berlin

Preis: 499 Dollar, inkl. VIP-Empfang 649 Dollar

Website: internationalcbc.com/deutschland/

Heute Mittag war es soweit: Das Gesetz zu Cannabis als Medizin wurde vom Deutschen Bundestag einstimmig angenommen!

 

Das Wichtigste zuerst: Die Ausnahmegenehmigung wird hinfällig, Ärzte dürfen nun Cannabis als Medizin verschreiben. Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen wird allerdings nur gewährleistet, wenn Cannabis als Medizin von Kassenärzten verschrieben wird. Das Gesetz wird ab aller Vorraussicht nach im März oder April 2017 in Kraft treten.

 

Die Fakten:

 

- Das neue Cannabis-Gesetz wird im März oder April 2017 in Kraft treten.

 

- Es gibt keine Ausnahmegenehmigung zum Cannabiskonsum mehr. Jeder, der bislang eine der knapp über Tausend erteilten Ausnahmegenehmigungen besitzt, kann jedoch davon ausgehen, dass ihm weiterhin das Recht erteilt wird, Cannabis zu konsumieren.

 

- Im Gegenteil gibt es sogar Vorteile für die Patienten, die bislang eine Ausnahmegenehmigung zum Erwerb und Konsum von Cannabis hatten: Denn bislang zahlten die Krankenkassen die Medikamente nicht, nun sind sie dazu aber verpflichtet.

 

- Die Krankenkassen dürfen eine Kostenübernahme nur in begründeten Ausnahmefällen verweigern – dies gilt natürlich nur für Menschen, die aufgrund einer „schwerwiegenden Erkrankung“ tatsächliche medizinisch auf den Einsatz von Cannabis angewiesen sind.

 

- Was eine „schwerwiegenden Erkrankung“ und damit Grundvoraussetzung für eine Kostenerstattung von Cannabis außerhalb einer gegebenfalls vorhandenen Indikation ist, ist noch unklar.

 

- Auch gibt es eine weitere wichtige Änderung im Gegensatz zur bisherigen Regelung zur Erteilung einer Ausnahmegenehmigung zum Erwerb von Cannabis: Die Gesundheitsstaatssekretärin Ingrid Fischbach (CDU) erklärte dazu, dass Schwerkranke nicht austherapiert sein müssen, bevor ein Arzt Cannabis verschreibt. Der Arzt könne entscheiden, wann er den Schritt für notwendig erachtet.

 

- In Ausnahmefällen sollen Patienten auch Anspruch auf im Ausland zugelassene THC-Fertigarzneimittel (etwa Dronabinol oder Nabilon) statt auf natürliche Cannabisprodukte erhalten.

 

- Cannabis verschreiben darf zwar jeder Arzt, eine Kostenübernahme ist aber nur nach Überprüfung durch einen Kassenarzt möglich.

 

- Ein Rezept vom Arzt schützt die Konsumenten vor Anzeige wegen illegalem Cannabisbesitz.

 

- Ein Eigenanbau für Patienten (und auch für sonst niemanden) ist nicht vorgesehen. Die Bundesregierung vertritt die Ansicht, das ansonsten ein unkontrollierbares Produkt entstehen würde, das mit den Qualitätsansprüchen von Apotheken-Cannabis nicht vereinbar wäre.

 

- Die Versorgung Deutschlands mit Cannabisblüten soll durch einen staatlich kontrollierten Anbau in Deutschland durch die sogenannte „Cannabisagentur“ erfolgen. Bis dies in die Wege geleitet wurde, soll der Vertrieb von Apotheken-Cannabis durch Importe gedeckt werden. Die Einrichtung dieser Cannabisagentur soll durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) umgesetzt werden.

 

- Zusammen mit der Gesetzesänderung im März, wird es eine umfangreiche Begleitstudie zum Thema Cannabis als Medizin geben. Dazu übermitteln die Ärzte Daten zu Diagnose, Therapie, Dosis und Nebenwirkungen anonymisiert an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

 

- Im Palliativbereich muss ein Antrag auf medizinisches Cannabis laut dem heute verabschiedeten Gesetz innerhalb von drei Tagen zugelassen werden.

 

- Frank Tempel (Die Linke) forderte, im Zusammenhang mit der Cannabis-Medizin nun auch die Führerscheinpraxis zu überprüfen, da Cannabispatienten Gefahr liefen, bei Polizeikontrollen ihre Fahrerlaubnis zu verlieren.

 

- Eine generelle Legalisierung von Cannabis wird von der Bundesregierung weiterhin abgelehnt.

 

Weiterführende Links:

Spiegel.de – Bundestag lässt Cannabis auf Rezept zu

Sueddeutsche.de – Bundestag beschließt Freigabe von Cannabis auf Rezept

Bundestag.de – Informationen und Link zum heute verabschiedeten Cannabis-Gesetz

AlternativeDrogenpolitik.de – Fragen und Antworten zum Cannabis als Medizin-Gesetz

 

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