Dass viele Cannabiskonsumenten gerne mal high mit ihrem Partner ins Bett steigen, ist bekannt und ob der stimulierenden Wirkung nicht überraschend. Auch Studien, die eine Kausalität zwischen Cannabiskonsum und gesteigerter Libido nahe legen, stellen einen Zusammenhang zwischen Cannabis und Sexualität her. Der Fall eines Mannes aus dem US-Bundestaat Georgia allerdings ist so ungewöhnlich, dass selbst die, was kuriose Cannabis-Storys angeht, recht abgehärtete Highway-Redaktion zunächst an einen verfrühten Aprilscherz glaubte.

 

Der 32-Jährige Mann, der im Mittelpunkt dieses merkwürdigen Falles steht, war mehrfach mit starken Schmerzen in die Notaufnahme gekommen, die durch stundenlang andauernde Erektionen hervorgerufen wurden – und das ohne jede sexuelle Aktivität oder die Einnahme von Potenzmitteln. Nach eingehender Untersuchung des Mannes (und der Gabe einer lindernden, abschwellenden Spritze) fanden die Mediziner zunächst keine Ursache für die Beschwerden. Bei der Anamnese fiel ihnen dann aber doch noch etwas Merkwürdiges auf. Im „Journal of Cannabis Research“ veröffentlichten sie ihre Theorie, was ihrer Meinung nach wahrscheinlich zu dem Priapismus (Dauererektion) des Mannes geführt habe: Cannabis soll schuld gewesen sein! Der Patient hatte angegeben in den letzten Monaten regelmäßig Marihuana geraucht zu haben und verwundert festgestellt, dass sein bestes Stück sozusagen „high“ werde. Die Erektionen seien zunächst immer relativ schnell wieder abgeklungen, bis sie jedoch irgendwann auch über Stunden nicht mehr schwächer wurden und die Sache anfing, richtig schmerzhaft zu werden.

 

Es ist der erste bekannte Fall eines Priapismus in Verbindung mit Cannabis bei einem Patienten bei dem alle anderen bekannten Ursachen ausgeschlossen werden konnten, erklärten die Ärzte des Coliseum Medical Centers in Macon. Da der Patient zu weiteren Folgeuntersuchungen nicht mehr erschienen war, ist unklar, wie genau der Cannabiskonsum die Erektionen auslösen konnte.

Nein, nein – keine Sorge, dieses Mal wird hier nicht versehentlich die falsche Droge vorgestellt. Neben Green Crack, Opium oder White Russian ist auch LSD der Name einer Cannabissorte, die offenbar nach einer anderen Droge benannt wurde. Der Strain LSD stammt aus dem Sortiment der Amsterdamer Seedbank Barney’s Farm. Der Name wurde aufgrund der psychischen Komponente gewählt, den das High dem deutlich spürbaren Sativa-Einschlag der Pflanze verdankt. Genetisch gesehen und auch von der Optik her ist LSD aber eine eher indicalastige Sorte. Gekreuzt wurde dieser Strain, der mit hohen THC-Werten und einem CBD-THC-Verhältnis von etwa 18 zu 1 aufwartet, aus Skunk #1 und einer Mazar-I-Sharif. Die Aromen sind vielfältig und reichen von erdigen, nussigen Tönen bis zu süßlichem Moschus. Das Saatgut wird von Barney’s in feminisierter Form angeboten.

 

 

Der Anbau gestaltet sich recht unkompliziert und die robusten, etwa einen Meter hoch wachsenden LSD-Pflanzen können unter künstlichem Licht nach einer Blütezeit von etwa neun Wochen geerntet werden. Das resultierende Blütenmaterial ist beim High Times Cannabis Cup 2008 in der Indica-Kategorie auf den dritten Platz gewählt worden. Auch im heimischen Garten kann sich LSD behaupten, größere Pflanzen gibt es aber auch dort nicht. Hierzulande ist dann etwa Mitte Oktober der Erntezeitpunkt für die Freiluftpflanzen gekommen. Laut Barney’s Farm können im Outdoor-Garten im Idealfall bis zu 750 Gramm pro Pflanze eingefahren werden. LSD stand bereits Pate für weitere daraus hervorgegangene Züchtungen, etwa White LSD oder Sour LSD.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in Highway 03/2017. Do-it-yourself-Experte Chuck Lore präsentiert in diesem, wie man ein kleines Low-Budget-Pflanzenzelt für unter 50 Euro zusammenzimmert und wie mit wenig Aufwand eine einzelne oder einige wenige Cannabispflanzen aufgezogen werden können. Im Fokus stehen geringe Kosten und ein marginaler Arbeitsaufwand bei der Aufzucht, nicht die Maximierung der Ernte. Selbst wenn nur eine einzelne Pflanze aufgezogen wird, betragen die Stromkosten weniger als drei Euro je Gramm. Zu den Energiekosten kommen lediglich die Ausgaben für das Saatgut und die benötigte Ausrüstung, wobei sich diese schnell amortisieren wird.

 

Benötigt wird allein Folgendes:

1 Rettungsfolie gold/silber für etwa einen Euro das Stück

1 Pflanzkübel für 20 Liter mit Unterschale für etwa fünf Euro

1 Dachlatte mit den Maßen 4 cm x 2 cm x 200 cm für etwa drei Euro

1 Zeitschaltuhr für etwa fünf Euro

1 100-Watt-Werkstattstrahler mit LED oder Energiesparlampen (kaltweiß!) für etwa dreißig Euro

1 Sack Pflanzenerde mittlerer Qualität für rund drei Euro

1 Flasche biologischer Blumendünger für etwa zwei Euro

Kleinmaterial wie Schrauben, Nägel, Leim oder Paketschnur

 

Damit ist die Grundausrüstung für noch nicht einmal fünfzig Euro zusammengestellt. Allerdings ist das wirklich nur das Allernötigste, um den Betrieb aufzunehmen. Das Wichtigste der Ausrüstung ist übrigens die Lampe. Mit ihr steht und fällt das Endergebnis, weil die Pflanzen viel Licht benötigen, um zufriedenstellend zu wachsen. Die Leistung von 100 Watt sollte nicht unterschritten werden, weil der Ertrag sonst zu kümmerlich wird. Spezielle LED-Lampen, die genau das benötigte Lichtspektrum abgeben, sind derzeit noch deutlich teurer als gewöhnliche Baustrahler.

 

Der Aufbau des Growzelts ist denkbar einfach. Von der Dachlatte wird ein Stück von etwa 50 Zentimetern Länge abgesägt. Dieses wird mittig im rechten Winkel an einem Ende der Latte festgeschraubt, festgenagelt, festgeleimt oder mit einer Schnur festgebunden. Dann wird die Latte mit der langen Seite auf einen Schrank gelegt und mit einem schweren Gegenstand gesichert. An dem freien Ende mit dem rechten Winkel wird das Elektrokabel des Strahlers so angebunden, dass dieser frei hängt und in der Höhe verstellbar ist. Unter den Strahler kommt der Pflanzkübel mit der Erde und dem Steckling beziehungsweise Samenkorn und über die gesamte Konstruktion die Rettungsfolie, mit der Silberseite nach innen. Der Abstand des Strahlers zur Pflanze sollte zehn Zentimeter nicht unterschreiten.

 

Die Zeitschaltuhr ist bei jungen Pflanzen auf 18 Stunden Licht pro Tag zu stellen. Das ist für die Wachstumsphase optimal. Handelt es sich bei der Pflanze um eine selbstblühende Sorte, was ich einem Anfänger ans Herz legen würde, dann wird diese Zeiteinstellung einfach während des gesamten Lebenszyklus der Pflanze beibehalten. Ansonsten wird nach rund drei Monaten Wachstum die Blüte eingeleitet, indem die Beleuchtungszeit auf 12 Stunden pro Tag reduziert wird. Die Dauern der Vegetations- und Blütephasen sind sortenabhängig und können stark variieren. Selbstblühende Pflanzen sind in der Regel zehn Wochen nach der Keimung erntebereit.

 

Die Erde ist bei Stecklingen oder nach dem Keimen nur mäßig feucht zu halten – viele angehende Züchter ertränken ihre Pflanzen. Cannabis kann Trockenheit relativ gut verkraften, Nässe hingegen nicht. Die Erde soll sich nicht trocken anfühlen, aber auch nicht nass. Idealerweise wird die Pflanze von unten bewässert, so kann die benötigte Menge Wasser durch die Kapillarwirkung nach oben zu den Wurzeln ziehen. Selbstverständlich braucht die Pflanze neben Licht und Wasser auch ausreichend Dünger. Ein biologisch hergestelltes Produkt bietet der Pflanze alle nötigen Nährstoffe und hat den Vorteil, dass ein Überdüngen der Pflanze praktisch ausgeschlossen ist. Es wird einfach nach Anweisung des Herstellers verfahren und gut ist.

 

Ein wirkliches Problem kann der Geruch darstellen. Cannabispflanzen riechen mitunter sehr intensiv und viele Hobbyzüchter verraten sich durch den typischen Duft der Pflanze, der besonders beim indischen Hanf (Cannabis indica) ausgeprägt ist. Der gewöhnliche Hanf (Cannabis sativa) riecht weniger stark und der selbstblühende Ruderal-Hanf (Cannabis ruderalis) ist auch eher unauffällig. Darum sind Automatik-Sorten mit Sativa-Einschlag, eventuell vorsichtig mit einer Indica kombiniert, besonders geeignet. Mittlerweile bieten alle namhaften Hersteller geeignete, schwach riechende Sorten an.

 

Nun zur Ernte. Die erste Frage ist die, wann die Pflanze erntebereit ist. Das ist an der Farbe der Trichome (den Harzdrüsen der Cannabispflanze) erkennbar. Mit einer starken Lupe oder einem Mikroskop werden diese untersucht und anhand der Farbe kann bestimmt werden, in welchem Stadium die Pflanze ist. Die meisten der Drüsenköpfe sollten milchig sein und einige wenige sollten bernsteinfarben schimmern. Sind die Trichome klar, dann ist die Pflanze noch nicht so weit. Ist kein Mikroskop und auch keine ausreichend starke Lupe vorhanden, wird geerntet, sobald sich die Narben der Blüten deutlich verfärbt haben. Als Faustregel gilt, dass rund 40 bis 50 Prozent der Blütenhärchen bräunlich verfärbt sein sollten. Sind die Narben bereits zum Teil verdorrt, wurde der optimale Zeitpunkt zur Ernte verpasst.

 

Die zweite Frage ist die, wie geerntet werden soll. Dazu werden die einzelnen Äste nach und nach herausgeschnitten und direkt manikürt. Das heißt, dass alle Blätter um die Blüten herum weggeschnitten werden. Die Blüten werden dann an den Stängeln zum Trocknen aufgehangen, das kann je nach Dichte der Blüten bis zu zwei Wochen dauern. Wichtig ist hier, dass die Blüten durchgetrocknet sind, weil sonst Schimmelbefall droht. Pflanzenteile, die sichtbare Trichome haben, werden separat gesammelt und später weiter verarbeitet. Der Rest kommt auf den Kompost, in den Ofen oder in die Toilette.

 

Das ist auch schon die komplette Schnellanleitung für den praktischen Anbau für Hobbyzüchter. Sicher fragen sich jetzt einige Leserinnen und Leser, warum viele Grower einen deutlich höheren Aufwand betreiben. Sie messen den pH-Wert des Bodens, verwenden spezielle Lampen, düngen je nach Wachstumsphase unterschiedlich und sind mit der Pflege ihren Pflanzen völlig ausgelastet. Die Frage ist einfach zu beantworten. Durch all diese Maßnahmen wird der Ertrag gesteigert. Und wer viel Marihuana braucht, entweder weil er krank ist oder tagtäglich konsumiert, für den kommt es auf jedes Gramm an. Darum abschließend noch ein paar Tipps, wie der Ertrag am effektivsten gesteigert werden kann.

 

Eine Ertragssteigerung ohne den Arbeitsaufwand zu erhöhen wird durch eine stärkere Lampe erzielt. Mit einer 150 Watt starken Weißlichtlampe werden runde 50 Prozent mehr Ertrag erzielt und mit einer speziellen Lampe, die nur das benötigte Lichtspektrum abdeckt, sogar noch einmal so viel. Auch ein größerer Pflanzentopf erhöht den Ertrag, wenn auch nicht so maßgeblich. Eine weitere Steigerung bringt der Verzicht auf selbstblühende Sorten. Der Aufwand und die Anforderungen an die Geduld und das Fachwissen des Züchters steigen allerdings im gleichen Maß an.

 

Wer den Ertrag weiter steigern möchte, kultiviert mehrere Pflanzen gleichzeitig und steigt von Samen auf Stecklinge um. Dies ist allerdings mit noch mehr Aufwand verbunden und erfordert explizite Fachkenntnisse. Dazu steigen auch die Ansprüche an die Anbaubedingungen. Wegen des Geruchs und der Notwendigkeit, Stecklinge und Mutterpflanzen getrennt zu ziehen, ist dann bei Indoorzucht die Anschaffung einer professionellen Growbox mit Luftreinigung unabdingbar.

Auf den „Mein Schiff“-Linern, die im Auftrag von TUI Cruises die Weltmeere durchkreuzen, gilt laut AGB „Keine Macht den Drogen“ – für Alkohol und Arzneimittel gilt die Regelung aber natürlich nicht.

 

Dass man aber auch im Falle von Cannabis keine Ausnahme macht, durfte nun ein junger Mann aus Mannheim am eigenen Leib erfahren. Dieser hatte sich im Rahmen eines Landgangs in Jamaika mit etwa 30 Gramm Marihuana eingedeckt, das er, zurück an Bord, gleich im Safe seiner Kabine einschloss, wie er in einem Gespräch mit der Highway-Radaktion versicherte. Leider vergaß er einen angerauchten Joint, den er auf seinem Privat-Balkon im Aschenbecher abgelegt hatte. Diesen entdeckte wohl das Reinigungspersonal, denn als der Passagier nach einem weiteren Landgang wieder an Bord kommen wollte, löste seine Karte beim Abscannen einen Alarm aus und ein Security-Team nahm sich seiner mit der Frage nach illegalem Drogenkonsum an. Nach der Durchsuchung der Kabine, in dessen Verlauf die Blüten im Safe gefunden wurden, wurde der Fall in Absprache mit der Reiseleitung umgehend an die mexikanische Polizei weitergeleitet. Die interessierte sich allerdings herzlich wenig für den Fall, da dort der Privatkonsum von Cannabis entkriminalisiert wurde.

 

Schon sah es so aus, als würde der Betroffene noch mal mit einem blauen Auge davonkommen, denn die Reiseleitung wollte es mit dem Hinweis, das Zeug beim nächsten Mal doch lieber an Land zu rauchen, bei einer Verwarnung belassen. In einem Fall wie diesem hat allerdings der Kapitän das letzte Wort und das fiel gnadenlos aus: er verwies den Mann noch in Mexiko kurzerhand des Schiffes und legte ab. Dass der Pechvogel das Marihuana zu medizinischen Zwecken zur Linderung der Symptome seiner ADHS-Erkrankung konsumierte, half letztendlich auch nicht weiter, da sich eine entsprechende Bescheinigung zum damaligen Zeitpunkt noch nicht in seinem Besitz befand. Inzwischen ist der Mannheimer auch ganz offiziell Cannabispatient, was die ganze Sache rückblickend gesehen natürlich noch ärgerlicher macht.

 

Kopfschmerzen bereiten auch die Facebook-Kommentare auf der „Mein-Schiff“-Facebookseite, wo der Zurückgelassene seinem Unmut Luft machte. Leider konnte er nicht auf die Solidarität der TUI-Fans und Mitreisenden zählen, stattdessen gab es Lob für den Kapitän und seine Entscheidung. Es scheint jedenfalls für den durchschnittlichen deutschen Kreuzfahrtgast (und Kleingeist) nichts Schlimmeres zu geben als den herüberwehenden Marihuanageruch vom benachbarten Kabinenbalkon riechen zu müssen.

 

TUI Cruises hat sich zu dem Vorfall bisher leider nicht geäußert.

Ein Familienunternehmen der etwas anderen Art betrieben ein Berliner und sein 19-jähriger Sohn. Die beiden mussten sich vergangene Woche wegen des Anbaus von Cannabis vor Gericht verantworten. Als Ort für ihre kleine Pflanzung, die gerade einmal vier Töpfe umfasste, suchten sich der Vater einen ungewöhnlichen Platz aus: dem 50-Jährigen schien ein Friedhof in Britz, auf dem er vor Jahren mal gearbeitet hatte, für die Unternehmung gut geeignet. Ruhig und verlassen ist so ein verstecktes Eckchen (das auch der Öffentlichkeit nicht ohne weiteres zugänglich war) auf einem Friedhof ja allemal.

 

Die Polizei machte ihm einen Strich durch die Rechnung, als sie einen weiteren Verwandten des Mannes, der mit prall gefülltem Rucksack aus des Vaters Wohnung kam und sich wohl „verdächtig benahm“, erwischte.

 

Einige Zeit später wollten die Ermittler schließlich dem umtriebigen Vater einen Besuch abstatten – doch der lag zur der Zeit im Krankenhaus. Es öffnete der Sohn, auf dem Wäscheständer wurde gerade frisches Marihuana getrocknet. Der Vater hatte seinem Sprössling offenbar den Auftrag gegeben während seiner Abwesenheit auf die Ernte aufzupassen.

 

Das Gericht hielt sich beim Urteil glücklicherweise zurück und setzte die zweijährige Haftstrafe für den Erziehungsberechtigten auf Bewährung aus. Der Sohn kam mit einer Verwarnung wegen Beihilfe davon.

 

Die Stiftung Warentest – in Zeiten von Fake-News, Kungelei und Lobbyismus ein objektiver, unabhängiger Fels in der Brandung. Oder etwa nicht? Zumindest in Sachen Cannabis als Medizin scheint die Objektivität von Deutschlands bekanntester Stiftung zumindest fraglich.

 

Im kürzlich unter der Überschrift „Cannabis: Wie THC, Nabilon und Cannabidiol Kranken helfen können“ veröffentlichten Artikel geht es jedenfalls recht einseitig zu. Da wird auf ominöse „Arzneimittelexperten“ verwiesen, nach deren Meinung „die medizinischen Effekte von Cannabis oft schlecht belegt oder vergleichsweise schwach“ seien. Im selben Atemzug wird auf die Lieblingsstudie aller Cannabisgegner, die auf der umstrittenen Lancet-Datengrundlage basiert, verwiesen. Generell, so der Tenor des Artikels, seien, welche Überraschung, industrielle Fertigarzneimittel wie etwa Sativex in jedem Fall gegenüber unverarbeiteten Marihuana-Blüten vorzuziehen. Auf den sich ergebenden Widerspruch, wieso Pharmaunternehmen die aufwändige Herstellung und Zulassung solcher Präparate überhaupt auf sich nehmen, wenn die Wirksamkeit der Cannabinoide doch anscheinend so fraglich ist, wird nicht eingegangen. Ebenfalls keine Erwähnung finden die Schattenseiten herkömmlicher Schmerzmittel von Aspirin bis Paracetamol.

 

Von den bekannten Schattenseiten dieser und stärkerer Präparate erfährt man im Gegensatz zu den prominent dargestellten Nebenwirkungen von Cannabis in dem Artikel einfach mal gar nichts. Gut, dass die Bundesregierung erst 2017 das Stiftungskapital der Stiftung Warentest von 100 auf 175 Millionen erhöht wurde, um deren Unabhängigkeit weiterhin gewährleisten zu können...

Es ist kein Wunder, dass die Gruppe der Über-65-Jährigen oft große Berührungsängste beim Thema Cannabis hat. Die mediale Dämonisierung hat in den Köpfen gerade der Ältesten natürlich ihre Spuren hinterlassen. Auch in Deutschland weisen die Senioren in den entsprechenden Legalisierungs-Umfragen stets die niedrigsten Zustimmungswerte auf.

 

In den Vereinigten Staaten ändert sich das gerade. Im Zuge des legalisierungsbedingten Image-Wandels kommen viele Ältere langsam auf den Trichter, dass am verpönten „Teufelskraut“ vielleicht doch etwas dran sein könnte und dass gerade geriatrische Beschwerden wie Arthrose mit der richtigen Dosis Cannabis auf schonendem Wege gelindert werden können.

 

Mit einer auf dem Datenmaterial des National Survey on Drug Use and Health basierenden Studie (befragt wurden 14.000 Senioren) wird das Ausmaß des Umschwungs nun deutlich: war es im Jahr 2006 noch eine verschwindende Minderheit, nämlich 0,5 Prozent, die nach eigenen Angaben Cannabisprodukte nutzten, belief sich die Zahl der betagten Nutzer im Jahr 2018 bereits auf 4,2 Prozent aller Befragten. Mehr Details zur Studie, die im wissenschaftlichen Journal „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht wurde, gibt es hier (Login erforderlich).

 

Wer sich einen Eindruck davon machen möchte, wie schamlos Cannabis einst geächtet wurde, der kann sich unten den mittlerweile kultigen und unfreiwilllig komischen Propagandafilm „Reefer Madness" in voller Länge ansehen.

Mit dem Beschluss der SPD neue Wege in der Drogenpolitik zu gehen und Cannabis zumindest entkriminalisieren zu wollen, rückt das Thema der Legalisierung einmal mehr in den medialen und politischen Fokus. Nach den neuesten Entwicklungen stehen CDU und AfD im Bundestag mit ihrem Festhalten an einer restriktiven Prohibitionspolitik mittlerweile in unheiliger Allianz vollkommen isoliert da.

 

Nun wurde ein Dokument der wissenschaftlichen Dienste des Bundestags (WD) veröffentlicht, das den beiden „Verbotsparteien“ so gar nicht in den Kram gepasst haben dürfte. Zur Einordnung: die wissenschaftlichen Dienste haben die Aufgabe den vielbeschäftigten Abgeordneten aufwendige Recherchearbeit abzunehmen und sie unparteiisch und objektiv zu informieren. Bei der erwähnten Veröffentlichung handelt es sich um eine Faktensammlung, die um die vieldiskutierte Frage kreist, ob eine Cannabislegalisierung die Konsumentenzahlen in die Höhe schnellen lässt.

 

Anhand vorhandener Prävalenzdaten wurden Konsumentenzahlen in verschiedenen Ländern mit gegensätzlicher Cannabispolitik verglichen. Die Autoren ziehen den Schluss, dass „die Verfolgung einer strikten Drogenpolitik wenig bis keinen Einfluss auf das Konsumverhalten der Bevölkerung hat.“ Der Ländervergleich ergab, dass „einige der Länder mit den strengsten gesetzlichen Regelungen einige der höchsten Prävalenzraten im Hinblick auf den Drogenkonsum auf[wiesen], während Länder, die eine Liberalisierungspolitik verfolgen, einige der niedrigsten Prävalenzraten aufwiesen.“

 

Der Vollständigkeit halber soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Autoren sich noch weitere Forschung zu dem Thema wünschen. Das mag manchen verwundern, schließlich kann man dank unserer niederländischen Nachbarn auf Erkenntnisse aus knapp einem halben Jahrhundert liberaler (zugegeben paradoxer) Cannabispolitik zurückgreifen.

 

Es ist davon auszugehen, dass Daniela Ludwig, Bundesdrogenbeauftragte, und Konsorten das bereits im November 2019 erstellte Dokument zur Kenntnis genommen haben dürften. Genauso ist leider ebenfalls davon auszugehen, dass die neuen Erkenntnisse von der CDU wider besseren Wissens einfach ignoriert und totgeschwiegen werden.

 „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben." Dieses alarmierende Zitat, das Albert Einstein zugerechnet wird, hört man in letzter Zeit immer häufiger. Denn weltweit warnen Entomologen, aber auch Wissenschaftler verwandter Fachrichtungen vor einem zunehmenden Insektensterben. Insbesondere bereitet das Verschwinden der Bienen große Sorgen, denn die erfüllen durch den Akt der Bestäubung bekanntermaßen eine besonders wichtige Funktion innerhalb eines Ökosystems.

 

Monokulturen, der Einsatz von Pestiziden, zunehmende Betonierung, Lichtverschmutzung: das sind nur einige der zahlreichen Faktoren der modernen Agrarwirtschaft, die es den Bienen zunehmend schwerer machen, ihrer Aufgabe nachzugehen.

 

Doch eine neue Studie der Cornell Universität New York, veröffentlicht im wissenschaftlichen Fachmagazin „Environmental Entomology“, sieht Grund zur Hoffnung. Im Zuge der Legalisierung und anschließenden schnellen Verbreitung von Industriehanfkulturen in den Vereinigten Staaten haben Forscher untersucht, wie verschiedene Bienenarten auf Hanfpflanzen reagieren. Zu diesem Zweck wurden im Sommer 2018 elf Hanffarmen unterschiedlicher Größe (vom Acker bis zur zehntausende Quadratmeter umfassenden Plantage) untersucht. Das Ergebnis: Bienen lieben Hanf. Und zwar vor allem männlichen Hanf, der zwar keine Blüten ausbildet, aber eine ganze Menge Pollen produziert. Gleich 16 verschiedene Bienenarten konnten auf den untersuchten Kulturen nachgewiesen werden. Wie beliebt die einzelnen Kulturen bei den Bienen waren, hing vor allem von der Beschaffenheit der umgebenden Landschaft ab (je intensiver die Landschaft agrarwirtschaftlich genutzt wurde, desto weniger attraktiv war sie für die Bienen) und der Größe der Pflanzen ab (je größer, desto mehr Pollen). Die Wirkung der Cannabinoide stellt für die Bienen übrigens keinerlei Beeinträchtigung dar, da Insekten kein Endocannabinoidsystem besitzen.

 

Die federführenden Wissenschaftler warnen Farmer und Politiker davor, sich die aufkeimende Chance zur Regeneration des Bienenvorkommens durch die Entwicklung angepasster Pestizide nicht direkt wieder zu verbauen.

 

Da kann man wirklich nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, ganz egal, ob man nun selbst zu den Cannabisliebhabern zählt oder nicht. Denn die Angelegenheit, die in Lehrte zur Einleitung eines Strafverfahrens wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz geführt hat, ist an Erbärmlichkeit kaum zu überbieten. Was war geschehen? Polizeibeamte, die eigentlich in anderer Sache unterwegs waren, erschnüffelten am vorgestrigen Donnerstag aus einem offenen Fenster eines Mehrfamilienhauses doch tatsächlich den Geruch von Marihuana.

 

Da die Beamten offenbar mit ihrer Zeit nichts Besseres anfangen konnten, entschlossen sie sich, die betroffene Wohnung einer Durchsuchung zu unterziehen und fanden doch tatsächlich ganze 4 (v-i-e-r) angerauchte Joints (andere würden es vielleicht Stummel nennen) im Aschenbecher. Die Wohnungsbesitzerin erklärte den Beamten, dass die einem Freund gehören würden, von dem sie aber nicht wisse, wo er sich zur Zeit aufhalte. Nachdem die Polizisten dann nochmal gründlich in allen Zimmern nachgesehen hatten, fanden sie den Freund und vermeintlichen Besitzer der Jointstummel versteckt in einem Wandschrank.

 

Insgesamt dürfte der Fall ein heißer Anwärter auf den sinnlosesten Bust des Jahres sein und ein weiteres trauriges Signal dafür, dass Teile der Strafverfolgung (und Politik) jeglichen Kontakt zur Lebensrealität der Bürger verloren haben.

 

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