0,01 Gramm Cannabis. Kann man so eine Kleinstmenge mit bloßem Auge überhaupt erkennen, geschweige denn vernünftig abwiegen? Oder braucht man dafür ein Mikroskop? Jeder Wochenend-Kiffer hat in seinem Wohnzimmerteppich vermutlich ein Vielfaches mehr an Marihuana kleben, als bei einem Mann aus Recklinghausen gefunden wurde. Die Gefängniswärterin, die das Marihuana-Teilchen im Tabakbeutel des damals noch inhaftierten Obdachlosen aufgespürt hatte, muss auf jeden Fall echt gute Augen haben. Die Menge an sich spielt aber sowieso keine Rolle in dem sich nun aufrollenden Gerichtsprozess, da bei Vergehen im Gefängnis, auch den kleinsten, generell Null-Toleranz-Politik vorherrscht.

 

Den Vorfall, der sich schon vor zwei Jahren ereignet hatte, hatte der 40-Jährige Angeklagte schon wieder vergessen, als ihm kürzlich der Strafbefehl ins Haus bzw. die Behausung flatterte (Anm. der Redaktion: es herrscht Unklarheit darüber, ob der Angeklagte nach wie vor auf der Straße lebt oder nicht). Nun heißt es für den Unglücklichen leider: entweder 400 Euro blechen oder erneut einsitzen, und zwar ganze 40 Tage lang. Wobei, der zuständige Oberstaatsanwalt deutet in seiner scheinbar unendlichen Güte tatsächlich Gesprächsbereitschaft an: im Rahmen von Strafarbeitsprogrammen wie „Schwitzen statt sitzen“ könne die Strafe alternativ auch abgearbeitet werden...

Eine neue Studie der Stiftung Sucht Schweiz, die in Kooperation mit Wissenschaftlern der Uni Lausanne und  Unisanté erstellt wurde, hat eine der dringendsten Fragen überhaupt beantwortet. Wie viele Joints werden eigentlich in der Schweiz pro Tag geraucht? Doch der Reihe nach: anhand von Abwasserproben im Kanton Waadt wollen die Forscher herausgefunden haben, dass die Zahl der Cannabiskonsumenten, hochgerechnet auf das gesamte Land, wohl höher liegt, als bisher gedacht. Cannabisfreunde dürfte diese Erkenntnis nicht groß überraschen, aber nichtsdestotrotz ist es natürlich schön, dass nun ein paar handfeste Zahlen vorliegen.

 

Die Forscher gehen schweizweit von einem Cannabisverbrauch von etwa 40 bis 60 Tonnen pro Jahr aus und destillieren aus diesen Erkenntnissen die „Hausnummer“ von einer halben Million Joints, die sich die Eidgenossen angeblich pro Tag schmecken lassen. Diese Masse an Joints ist allerdings nicht gleichmäßig über die Bevölkerung verteilt, vielmehr soll die Hälfte der gerauchten Joints auf das Konto von weniger als einem Prozent der Gesamtbevölkerung gehen. Die Studie dürfte die seit Monaten in der Schweiz geführte Diskussion um Modellprojekte und Cannabislegalisierung neu befeuern. Frank Zobel, Vizedirektor der Stiftung Sucht Schweiz macht Nägel mit Köpfen: „Die Prohibition funktioniert nicht.“ Er gibt zu bedenken, dass nach einer Legalisierung viel mehr Instrumente zur Verfügung stehen würden, um den Markt zu kontrollieren.

 

Die Bewohner des 6.000-Seelen Dorfs Snowflake im US-Bundesstaat Arizona dürften nicht schlecht gestaunt haben, als sie vergangenen Freitagmorgen gen Nacht- bzw. Morgenhimmel blickten. Ein violettes Leuchten färbte das Firmament in geradezu psychedelischer Art und Weise. Ein ebenso faszinierender wie apokalpyptischer Anblick, der selbstverständlich viele Fragen aufwarf. Ist das der Klimawandel? Kommen jetzt die Aliens? Hab ich gestern vielleicht doch etwas zu viel geraucht?

 

Dabei bestand, wie sich inzwischen herausstellte, überhaupt kein Grund zur Aufregung. Denn auch wenn Cannabis-Hater und „Suchtexperte“ (hüstel) Rainer Thomasius neuerdings gerne von Turbo-Cannabis schwadroniert, das eine halluzinogene Wirkung vergleichbar der von LSD entfalte, handelte es sich bei dem Spekatakel keineswegs um eine drogeninduzierte Wahnvorstellung. Und doch hat das Phänomen in der Tat etwas mit Cannabis zu tun. Genauer gesagt mit dem Cannabisanbau. Denn das spektakuläre Leuchten wurde durch die Grow-LEDs einer Farm für medizinisches Marihuana ausgelöst, die sich am Rand des Städtchens befindet. Aufgrund spezieller Wetterverhältnisse reflektierte der nebelige Winterhimmel das Licht der ultravioletten Gewächshausbeleuchtung und so kam es zu dem frühmorgendlichen Schauspiel.

Das Stoner-Movie „So High“ mit den Wu-Tang-Rappern Method Man und Redman in den Hauptrollen dürfte vielen Cannabisfreunden ein Begriff sein. Für alle, die die Kiffer-Komödie noch nicht kennen: in dem Film wird eine Cannabispflanze mit der Asche eines Verstorbenen gedüngt, was dazu führt, dass dem Konsumenten beim Genuss dieses speziellen Marihuanas dessen Geist erscheint. Jeder, der den Film gesehen hat, wird sich wohl an die entsprechenden Szenen erinnern können. Zu den Fans des Films zählt möglicherweise auch ein 26-Jähriger aus dem US-Bundestaat Wisconsin.

 

Der junge Mann, dem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln vorgeworfen wird, wurde von der Polizei mit einer Hausdurchsuchung überrascht, nachdem ein Informant der Behörden Marihuana bei ihm gekauft hatte. Die Beamten fanden beim Verdächtigen dann auch tatsächlich etwa 70 Gramm Cannabisblüten, eine kleine Menge MDMA, eine Waage und eine Auswahl an Bongs. Besondere Aufmerksamkeit erregte jedoch ein unidentifizierbares Pulver, das die Ermittler zunächst vor ein Rätsel stellte. Handelte es sich bei der unbekannten Substanz etwa um Streckmittel? Tja, wie soll man sagen: ja und nein. Der Verdächtige gab zu, dass es sich tatsächlich um die Asche seiner vor einem Jahr verstorbenen Mutter handele. Zwar konnte bisher nicht geklärt werden, ob der Mann damit auch das für den Verkauf bestimmte Marihuana versetzt hat, aber die Aussage, zumindest seinen Eigenbedarf mit der toten Mutter „gestreckt“ zu haben, lässt das Schlimmste erahnen. Mit den Mitgliedern seines Kundenkreises möchte man jetzt auf jeden Fall nicht tauschen...

Millionen Menschen in Deutschland sehnen die Cannabis-Legalisierung herbei, viele jedoch nur im stillen Kämmerlein. Es gibt jedoch auch einige Vorkämpfer, die sich offensiv und vor allem öffentlich für die Legalisierung einsetzen – teilweise auch in Gruppierungen und Vereinen wie dem Schildower Kreis odeLaw Enforcement Against Prohibition Deutschland (LEAP) organisiert. Besonders bekannt unter deutschen Cannabisfreunden ist natürlich auch der Deutsche Hanfverband (DHV), der auch ursprünglich im Jahr 2002 eher als Wirtschaftsvertretung konzipiert war, aber sich auch entschloss, private Mitglieder aufzunehmen und zu vertreten – und das auch immer intensiver.
 
 
So fuhr der DHV also bislang zweigleisig und versuchte die Interessen von Cannabiskonsumenten und zu Straftätern abgestempelten Menschen, die sich für die harmloseste aller illegalen Drogen interessieren, zusammen mit den Interessen der aufstrebenden deutschen Cannabisindustrie unter einen Hut zu bringen. Der Spagat, Anti-Prohibitionisten und Unternehmer zu vereinen und zu repräsentieren, wurde immer schwieriger und aufwendiger und so will sich der Deutsche Hanfverband nun vorrangig auf die Belange von Konsumenten konzentrieren.
 
 
Ausschließlich für Unternehmen wurde also nun ganz frisch in Berlin der Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) gegründet. Dieser will sich als kommende Stimme der Cannabisbranche in Deutschland positionieren, versteht sich als Interessenvertretung der gesamten Cannabiswirtschaft in Deutschland und wird als Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien fungieren.
 
 
Die Gründung des Bundesverbands Cannabiswirtschaft ist ein längst überfälliger Schritt, mit dem beide Interessensgruppen ihr Profil schärfen. Der neue Verband wird die Vertretung der Branche übernehmen, während sich der Hanfverband vor allem als Bürgerrechtsbewegung versteht“, so DHV-Chef Georg Wurth.
 
 
Vertreten im Bundesverband Cannabiswirtschaft sind alle Bereiche der aufstrebenden Branche: Medizinalcannabis, Nutzhanf, CBD, Import, Dienstleistungen, Handel und Technik. 14 Unternehmen aus der Cannabiswirtschaft nahmen an der Gründungsversammlung teil und initiierten den Verein, beitreten kann jedes Cannabisunternehmen.
 
 
Die Jahresbeiträge (wie auch Anzahl der Vertreter in der Mitgliederversammlung) sind nach Anzahl der Mitarbeiter gestaffelt und beginnen bei jährlich 2.000 Euro für bis zu fünf Mitarbeiter und enden bei 20.000 Euro per annum für Unternehmen mit mehr als Hundert Mitarbeitern.
 
 
Als Präsident des BvCW wurde Stefan Meyer von der Neo-Livia GmbH gewählt. Für den Bereich Medizinalcannabis wurde Armin Prasch von der Fidelio Healthcare GmbH & Co. KG zum Vizepräsidenten ernannt, für den Bereich Nutzhanf Marijn Roersch van der Hoogte von der Hanffaser Uckermark eG. Als Geschäftsführer wurde der zuletzt beim Deutschen Hanfverband tätige Jürgen Neumeyer bestimmt.
 
 
Als weitere Präsidiumsmitglieder wurden gewählt: Lisa Haag (MJ Universe GmbH), Michael Greif (Drapalin Pharmaceuticals GmbH), Sven Kallies (Thankyoujane GmbH), Benjamin Patock (Bovida Inc.), Philipp Weber (Cannamigo GmbH), Joscha Krauß (MH medical hemp GmbH), Maximilian Moosbrugger (Cannamigo GmbH) und Ulrich Thibaut (TherCanni GmbH)
 
 
Der Präsident des BvCW, Stefan Meyer, erklärte zur Gründung: „Eine Interessenvertretung für die Cannabiswirtschaft in Deutschland war überfällig. Der BvCW will die starke Stimme für alle in Deutschland bereits aktiven Unternehmen im Bereich Cannabis werden. Viele regulatorische Fragen müssen besprochen und vernünftig gestaltet werden. Im internationalen Vergleich muss Deutschland im Bereich Forschung, Gesetzgebung und in marktkonformen Regularien aufholen. Wir werden als Cannabiswirtschaft dabei helfen!“
 
 
Für den Bereich Medizinalhanf erklärt der Vizepräsident des BvCW, Dr. Amin Prasch: „Das 2017 beschlossene ,Cannabis als Medizin‘-Gesetz eröffnet gute Voraussetzungen für medizinisch angewendetes Cannabis in Deutschland. Hierzu erscheint es erforderlich, dass sowohl geltende Regulierungen und Qualitätsstandards eingehalten werden als auch, dass diese, beispielsweise durch Standardisierung und Zertifizierung, durchaus neu definiert und angepasst werden können. Dies mit dem Ziel, einerseits die Produktsicherheit zu erhöhen und sicherzustellen und andererseits, derzeit noch bestehende Vorurteile und Bedenken bei allen Beteiligten zu korrigieren und abzubauen.“
 
 
Für den Bereich Nutzhanf erklärt der Vizepräsident des BvCW, Marijn Roersch van der Hoogte: „Hanf wird als nachwachsender Rohstoff und als Lebensmittel in Deutschland und Europa eine wichtige Rolle spielen. Überholte Grenzwerte und offene Fragen in der vielfältigen Anwendung von Cannabis als Rohstoff, als Lebensmittel und als Nahrungsergänzungsmittel werden von uns gegenüber der Politik angesprochen. Wir haben viel Aufklärungsarbeit vor uns und sollten uns auf einen internationalen Wettbewerb sinnvoll vorbereiten.“
 
 
So ist also davon auszugehen, dass wir in Zukunft noch häufig vom BvCW hören werden. Interessierte können sich auf der Website www.cannabiswirtschaft.de informieren oder gleich alle Unterlagen herunterladen, um ihr eigenes Cannabisunternehmen anzumelden.

Erst gestern haben wir unsere Leser auf einen zweifelhaften Nachrichtenbeitrag in der Augsburger Allgemeinen hingewiesen, in dem ein Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und aggressivem Vandalismus nahe gelegt wurde. Naja, was will man als Cannabisfreund von einer bayrischen Lokalpostille auch groß erwarten? Leider zieht die ARD nun im Rahmen ihres Investigativ-Formats „Report München“ mit einem wohl nicht weniger verzerrenden Bericht nach.


Umso schlimmer, da die Reportage heute Abend um 21:45 Uhr nicht bloß einer Handvoll rückständiger Hinterwäldler (eine Entschuldigung geht hiermit raus an all die Augsburger-Allgemeine-Leser, die sich ihr Resthirn bewahren konnten) präsentiert wird, sondern vermutlich einem Millionenpublikum. Der begleitende Artikel zur Sendung, der heute auf der Website der Tagesschau veröffentlicht wurde, lässt zumindest Schlimmstes erahnen. Die Gefahren des Cannabiskonsums werden dem geneigten Zuschauer anhand des von Prohibtionsbefürwortern immer wieder gern ins Feld geführten psychotischen Teenagers vor Augen gehalten. Mit 13 hat das junge Mädchen angefangen zu kiffen, mit 15 sitzt sie nun aufgrund von Angstattacken und Paranoia in der Psychiatrie. Die klassische Kiffer-Karriere aus CDU/CSU-Perspektive eben, fehlt nur noch der Übergang zum Heroin. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Von der mittlerweile ausgelutschten Methode, anhand eines extremen Negativbeispiels, auf den Zustand einer Mehrheit zu schließen, hat ja schon mal ein Geschmäckle, aber gut, die verunsicherten Zuschauer sollen ja auch so richtig schön emotionalisiert werden.
 

Was aber echt dreist ist, ist die Tatsache, dass einmal mehr auf die „Expertise“ von Prohibtionslobbyist Rainer Thomasius zurückgegriffen wird, um Cananbis in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken. Thomasius? Ist das nicht der, der sich nicht zu schade für folgendes Statement war: „Die Einstiegsdrogentheorie ist zwar nicht belegt. Aber widerlegt ist sie auch nicht.“? Ja, genau der. Der übrigens auch in der Hamburger Morgenpost behauptet hat, dass Cannabis wissenschaftlich gesehen weitaus gefährlicher sei als Alkohol. Und der sich jetzt bei Report München zu Aussagen versteigt wie: „Das, was wir immer befürchtet haben, bildet sich jetzt in den USA erstmalig ab. Die Legalisierung führt zu Sucht, Psychosen und Suiziden unter Cannabiseinfluss.“ und Cannabis als „hochpotentes Halluzinogen“ bezeichnet, gar mit LSD vergleicht. Im begleitenden Text zur Sendung, aus dem diese Zitate stammen, sucht man Belege für solch gewagte Aussagen vergeblich. Vielleicht werden sie ja erst in der Sendung nachgereicht, vielleicht aber auch nicht. Das würde zur Arbeitsweise von Thomasius aber auch gar nicht passen. Witzigerweise scheint auch Google die zweifelhaften Praktiken des Lobbyisten erkannt zu haben (siehe Suchbegriff „Rainer Thomasius“), aber das nur am Rande.

 

Wer sich also mal wieder so richtig schön aufregen will, kann ja heute Abend einschalten und Report München vielleicht auch den ein oder anderen aufklärenden Kommentar in den sozialen Medien hinterlassen.

Spätestens seit in den USA in den 1990er-Jahren die ersten Bundesstaaten Cannabis zu medizinischen Zwecken legalisiert haben, läuft die Forschung an der Pflanze auf Hochtouren – und ging mit den ersten vollständigen Freigaben Mitte der 2010er-Jahre geradewegs durch die Decke. Dutzende Cannabinoide wurden seitdem identifiziert und erforscht, das wohl bekannteste (und wohl auch beliebteste) ist natürlich Tetrahydrocannbinol (THC). Italienische Forscher haben nun zum Jahreswechsel aufsehenerregendes verkündet, das eine ganze Menge von dem, was wir über die Cannabispflanze zu wissen glauben, auf den Kopf stellen könnte.

 

Bisher galt als gesichert, das in erster Linie THC für den Rausch beim Konsum von Cannabisprodukten verantwortlich zu machen ist. Die beiden neuen Cannabinoide, die entdeckt wurden, heißen Tetrahydrocannabiphorol (THCP) und Cannabidiphorol (CBDP). Besonders erstaunlich an der Entdeckung: THCP soll etwa 30 mal stärker wirken als THC, erste Tests an Mäusen scheinen dies zu bestätigen. Eine geringe THCP-Dosis löste bei den Nagetieren die gleichen Rauschzustände aus wie eine weitaus größere Dosis THC. Eine Erklärung dafür könnte eine höhere Bindungsaffinität von THCP an die entsprechenden Rezeptoren sein. Wenn sich die Erkenntnisse auf den Menschen übertragen lassen sollten, dann dürfen Cannabisliebhaber und Patienten sich wohl auf eine ganz neue Generation von Cannabis einstellen. Und die Breeder bekämen eine ganz neue Spielwiese, auf der sie sich austoben können. Auf jeden Fall darf man gespannt sein!

Selbst dort, wo Cannabis bereits vollständig legalisiert worden ist, muss man sich noch mit den hässlichen kleinen Rückständen der Prohibtionsideologie abmühen, die sich über Jahre und Jahrzehnte in den Fugen und Ritzen der Gesellschaft festgesetzt haben wie Schimmel. Dabei könnte doch inzwischen alles so einfach sein in Las Vegas, Nevada, USA. In der Glücksspiel-Metropole ist Cannabis inzwischen legal und natürlich verdient sich die Stadt dumm und dämlich an den zahlreichen Dispensaries und der größten Cannabis-Ausstellung der Welt. An den Organisatoren der Consumer Electronics Show (CES), einer der größten Tech-Messen der Welt, ist diese Entwicklung aber scheinbar vorbeigegangen.

 

Dabei sah zunächst alles rosig aus für die Cannabisbranche: erstmals wurde im Rahmen der Messe-Awards ein für den Umgang mit Cannabis konzipiertes Produkt ausgezeichnet. Ein toller Erfolg für die Cannabisszene im Kampf um gesellschaftliche Akzeptanz. Der Keep Smart Storage, eine Art smarter Humidor voller nützlicher Sensoren, überzeugte die Jury mit seinem eleganten Design und der innovativen Funktionalität und konnte den ersten Preis in der Kategorie „Innovation“ einheimsen. Allerdings sollte der Hersteller-Firma nichtsdestotrotz eine Art Maulkorb angelegt werden, denn auf der Preisverleihung inklusive Produktpräsentation sollte unter keinen Umständen das Wort Cannabis auch nur fallen und befüllt werden sollte die Box damit natürlich erst recht nicht.

 

Der Hersteller weigerte sich standhaft bei dem seltsamen Spiel mitzuspielen und sagte seine Teilnahme an der Preisverleihung kurzerhand ab. Stattdessen nutzte man die mediale Aufmerksamkeit für eine spontane Crowdfunding-Aktion, an deren Erfolg nach jetzigem Stand (97 % funded) glücklicherweise kein Zweifel mehr besteht. Einer Massenproduktion und einem baldigen Testbericht im Highway steht nun also (so gut wie) nichts mehr im Wege.

Vor einigen Jahren machte in den deutschen Medien das sogenannte „Komasaufen“ die Runde: gemeint war natürlich das exzessive Trinken bis zum Totalabsturz, das gerade bei Jugendlichen beliebt ist. Die Reaktion der Politik kam prompt, es folgte ein Verbot von schnapshaltigen Limonaden, den „Alkopops“, die als Wurzel allen Übels identifiziert worden waren. Symbolpolitik vom Feinsten, schließlich kann sich jeder seinen Alkopop auch einfach selbst mixen. Das ist nicht nur günstiger, man kann auch ganz nach eigenem Geschmack dosieren.

 

Eine aufwändige neue Studie, die mithilfe von Datensätzen von einer Million Teilnehmern über einen Zeitraum von 2008 bis 2018 erstellt wurde, beschäftigt sich erneut mit dem Thema „binge drinking“ (englisch für Komasaufen). Unter der Leitung von Dr. Zoe Alley wurde anhand des Berges an Datenmaterial versucht herauszufinden, ob und in welcher Art sich eine vollständige Cannabislegalisierung bei College-Studenten auf den Konsum von anderen berauschenden Substanzen wie zum Beispiel Alkohol auswirkt. Das Resultat: um durchschnittlich sechs Prozent ging das Rauschtrinken unter volljährigen College-Studenten (21+) nach einer Cannabislegalisierung zurück.

 

Dr. Alley vertritt die These, dass die Studenten tendenziell lieber zu Cannabisprodukten als zu Alkoholika greifen, wenn der Staat ihnen die Wahl lässt und ist der Meinung, dass ihre Studienergebnisse dies unterstützen. „Der wichtigste Punkt, den wir mit unserer Arbeit feststellen konnten, ist, dass sich eine vollständige Legalisierung von Cannabis auf die Praxis des Komasaufens unter volljährigen Studenten auswirkt“, fasst Alley die Studienergebnisse zusammen. Und zwar durchaus in positiver Weise, wie Highway an dieser Stelle unterstreichen möchte.

Als damals am ersten Tag des neuen Jahres 2014 in Colorado die ersten legalen Cannabis-Shops ihre Pforten öffneten, war das öffentliche Interesse riesengroß. Journalisten und Politiker aus aller Welt schauten auf den US-Bundesstaat, der sich auf unbekanntes Terrain wagte und Cannabis auch für den Freizeitkonsum zuließ. Am Ende des Verkaufstags waren Cannabisprodukte im Wert von einer Million US-Dollar umgesetzt worden.

 

Nun ist auch Bundesstaat Illinois den Schritt gegangen, seit dem ersten Januar 2020 darf man auch hier Cannabis kaufen, um es zu Genusszwecken zu konsumieren. Und die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: 3,2 Millionen Dollar wurden allein am ersten Verkaufstag umgesetzt, verteilt auf stolze 77.128 Transaktionen. Lange Warteschlangen wie auf dem Bild oben (ein Post eines US-Hanfaktivisten) waren keine Seltenheit im neujährlichen Stadtbild. Illinois ist der elfte US-Bundesstaat (Regierungssitz Washington D.C. einmal ausgenommen), der die vollständige Legalisierung umsetzt. Dem geneigten Bürger ist damit nun erlaubt, bis zu 30 Gramm Blütenmaterial und fünf Gramm Konzentrate zu besitzen.

 

In einer schönen Aktion, die der Legalisierung an Silvester vorausging, wurden außerdem gut 11.000 Menschen begnadigt, die aufgrund leichterer Cannabis-Delikte verurteilt worden waren.