Auch die Halbgötter in Weiß sind vor Fehlern nicht gefeit – das musste nun auch eine Frau feststellen, die wegen ihrer epileptischen Anfälle medizinische Hilfe gesucht hatte. Gemeinsam mit ihrem Mann waren die beiden bei der Recherche auf Cannabis als Medikament gestoßen. Von vielen positiven Erfahrungsberichten ermutigt, wendeten sie sich an die Uniklinik Freiburg, wo man bereit war, die alternative Therapie mithilfe von Cannabinoiden anzutesten.



Dronabinol (isoliertes THC), oral aufgenommen sollte die erwünschte Linderung bringen. Nach den ersten Anwendungen fühlte sich die Patientin gut, wenn auch etwas müde. In der Apotheke aber, wo die unerfahrene Cannabispatientin einen Nachschub an Dronabinol abholen wollte, war man ob der Dosis, die die Ärzte auf dem Rezept angegeben hatten, höchst erstaunt. Die war nämlich deutlich höher als normal – und tatsächlich: es stellte sich etwas später heraus, dass man in der Uniklinik einen dicken Bock geschossen hatte. Denn die Dronabinol-Dosis war in Millilitern und nicht in Milligramm, wie es korrekt gewesen wäre, angegeben worden. Das Resultat war (wenn man den Details der Badischen Zeitung Glauben schenken kann): die gute Frau hat sich auf Verordnung der Ärzte am Tag ein Vielfaches der Normaldosierung an reinem THC eingenommen. Und das als Cannabisneuling!



Zur Wiedergutmachung bot die Uniklinik der Patientin einen alternativen Behandlungsversuch mit CBD an, doch das Ehepaar gab an, dass das Vertrauen in die Klinik doch sehr gelitten habe. Ein Glück, dass die Überdosierung von Cannabisprodukten in der Regel zwar unangenehm, aber, im Gegensatz zu „bewährteren“ Arzneimitteln keinesfalls zu schweren organischen Schäden oder gar zu Lebensgefahr führt!

Was geschieht eigentlich mit einem Land, das Cannabis legalisiert? Verwandelt sich dann auf einmal ein Großteil der Bürger in Junkies? Würden die Menschen überhaupt noch arbeiten gehen oder würde das gesamte Wirtschaftssystem in sich zusammenfallen? Müssten Brauereien Insolvenz anmelden? Und am Allerwichtigsten: denkt hier denn auch wenigstens einer an die Kinder?

 

Prohibitionsbefürworter ziehen es offenbar vor, die schlimmsten Szenarien an die Wand malen, anstatt sich einmal gründlich mit den Zahlen der entsprechenden Länder und Bundesstaaten, die Cannabis legalisiert haben, zu beschäftigen. Denn die sind durchaus vorhanden und sprechen eine eindeutige Sprache pro Legalisierung. Und sie offenbaren auch, wer die wirklich Leidtragenden einer Freigabe sind: Haustiere, insbesondere Hunde. Wer hätte das gedacht? Nicht, dass auch nur ein Fellbündel an einer Dosis Cannabis umgekommen sei, Gott bewahre – eine tödliche Dosis Cannabis ist auch für Tiere nicht zu erreichen. Allerdings sind die Notrufe wegen bekiffter Haustiere in den letzten zehn Jahren um stolze 765 Prozent gestiegen, fand jetzt das amerikanische ASCPA Poison Control Center heraus. Gab es im Jahr 2008 noch 208 Notarzt-Anrufe, stieg die Zahl im Jahr 2018 auf 1.800.

 

Als Gründe für die Entwicklung werden besonders der Boom von schokohaltigen Edibles genannt, die für Haustiere extrem verführerisch sind. Aber auch ein generell sorgloserer Umgang mit Cannabisprodukten, die aufgrund der Legalität weniger häufig versteckt oder weggesperrt würden, führten dazu, dass Haustiere immer leichter mit Cannabis in Berührung kämen.

Spätestens im Juni soll es endlich so weit sein: die Zuschläge für das (erneute) Ausschreibungsverfahren der deutschen Cannabisagentur sollen erteilt werden. Diesmal aber wirklich.

Das Interesse an den Anbaulizenzen ist wieder groß: wie Anfang der Woche bekanntgegeben wurde, nehmen 79 Unternehmen bzw. Bieter am Bewerbungsverfahren teil, mit dem Ziel, Ende des Jahres 2020 die erste legale medizinische Cannabisernte auf deutschem Boden einzufahren. Nachdem sich mehr und mehr gezeigt hatte, dass die benötigte Menge an Marihuana von staatlicher Seite stark unterschätzt wurde, umfasst die Ausschreibung nun 10,4 statt 6,6 Tonnen Cannabis, wie es in der ersten Runde noch der Fall war. Diese 10,4 Tonnen sollen nach Meinung der Cannabisagentur den Vorrat für vier Jahre abdecken. Das entspricht einer Menge von 2,6 Tonnen pro Jahr, die auf 13 Lose zu je 200 Kilogramm aufgesplittet werden. Mehr zum Thema Anbaulizenzen gibt es hier.

Noch ist fraglich, ob im zweiten Versuch endlich alles rund läuft und die Lizenzen auch tatsächlich vergeben werden. Falls nicht, immer mehr fortschrittliche Länder (wie zum Beispiel Kanada und neuerdings auch Israel) warten nur darauf, ihr Cannabis zu exportieren. In etwa 80.000 Fällen hatten deutsche Ärzte ihren Patienten in der ersten Hälfte des Jahres 2018 Cannabis verschrieben.

Vergangene Woche berichteten wir über Rolf Müller, einen Arzt aus München, dessen Patientenakten beschlagnahmt und dessen Räumlichkeiten durchsucht wurden, weil er für den Geschmack der Staatsanwaltschaft ein bisschen zu viel Cannabis an Kranke verschrieben hat.

 

Nun gab es Stellungnahmen sowohl vonseiten der Staatsanwaltschaft als auch dem Arzt selbst. Gegenüber einer Nachrichtenagentur äußerte sich die Staatsanwaltschaft derart zu den Vorwürfen:

 

Die Staatsanwaltschaft führt gegen den Beschuldigten Müller seit dem März 2018 ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen unerlaubten Verschreibens von Betäubungsmitteln. Dem Verfahren liegt der Sachverhalt zugrunde, dass der Beschuldigte, welcher Arzt ist, in einer Vielzahl von Fällen medizinisches Cannabis ohne ärztliche Begründetheit an Patienten verschrieb. So verschrieb er an einem Tag im Stadtgebiet München 85 Patienten unerlaubt medizinisches Cannabis, an einem anderen Tag verschrieb der Beschuldigte mindestens 80 Patienten unerlaubt medizinisches Cannabis. Der Beschuldigte handelte unserer rechtlichen Auffassung nach in der Absicht, sich hierdurch eine Einnahmequelle von einiger Dauer und einigem Umfang zu verschaffen.


Die Staatsanwaltschaft hat wegen obigen Sachverhalts Durchsuchungsbeschlüsse des Amtsgerichts München für die Arztpraxis sowie die Wohnadresse des Beschuldigten erwirkt. Die Beschlüsse wurden am 15.05.2018 vollzogen. Es wurden zwei scharfe Schusswaffen nebst Munition, ein Teleskopschlagstock sowie geringe Mengen Marihuana sichergestellt. Der Beschuldigte verfügt nicht über eine waffenrechtliche Erlaubnis. Zudem wurden umfangreiche Patientenakten sichergestellt. Die Ermittlungen dauern an, derzeit werden weitere Zeugenvernehmungen durchgeführt, waffentechnische Prüfberichte erstellt sowie die Wirkstoffgutachten erholt.

 

Dazu äußerte sich nun auch Rolf Müller selbst per Pressemitteilung:

 

Die Verschreibung von Cannabis erfolgte nach strengen Vorgaben, niemals ungerechtfertigt, die Voraussetzungen für eine Cannabismedikation sind detailliert auf der Website aufgelistet. Herr Müller hielt steten Kontakt mit dem für Ihn zuständigen Münchener Referat für Umwelt und Gesundheit und legte stets Wert auf die Erfüllung aller Vorgaben. Die Vorwürfe von 80 bis 85 Verschreibungen an einem Tag sind völlig unrealistisch: Bei Erstanamnese (Dauer 30 min) wären bei einem 10-Stunden-Tag gerade mal 20 Rezepte möglich. Bei Folgerezepten (Dauer 15 min) 40 Stück. Laut dem Vorwurf müssten daher im 7,5-Minuten-Takt Folgerezepte ausgestellt worden sein, dies war jedoch nie der Fall und ist schlichtweg frei erfunden, was sich im Laufe des Verfahrens herausstellen wird.

 

Herr Müller wurde von einem ehemaligen Mitarbeiter angezeigt, welcher zuvor das Praxisteam und Herr Müller bedrohte und schließlich Herr Müller, unter Drohung mit einer Anklage, zur Zahlung von nicht vereinbarten Leistungen erpressen wollte. Dieser Mitarbeiter instrumentalisierte die Polizei um seine Forderung gegenüber Herr Müller durchzusetzen, wir werden dagegen gerichtlich vorgehen. Die unter Zwang durchgeführte Beschlagnahmung aller Akten stellt einen massiven Bruch des Patientengeheimnisses dar, nach Absprache mit unseren Anwälten ziehen wir eine Sammelklage in Betracht. Die bei Durchsuchung von Herr Müllers Privaträumen sichergestellten Schusswaffen sind Erbstücke von Herr Müllers Vater. Der sichergestellte Teleskopschlagstock ist legal in DE, dessen Beschlagnahmung war daher überflüssig und rechtswidrig. Das in der Praxis sichergestellte Marihuana war eine Probe CBD-Cannabis, welches in Deutschland frei verkäuflich ist.

 

So wie sich die beiden Stellungnahmen anhören, werden wir schon bald über die weiteren Entwicklungen in diesem Fall berichten...

In der aktuellen Ausgabe von Highway haben wir mit André Schulz, dem Bundesvorsitzenden des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, ein Interview geführt, in dem er bekräftigte, dass sich seine Gewerkschaft für die Entkriminalisierung von Cannabis einsetzt. Wenige Wochen später zitierten ihn sogar „Bild“ und „Tagesschau“ mit dieser Aussage. Nun gibt es auch Schützenhilfe von den deutschen Ärzten: Einer aktuellen Umfrage des „Ärztenachrichtendienstes“ unter 858 Haus- und Fachärzten zufolge sprechen sich 53 Prozent der deutschen Ärzte für eine komplette Legalisierung von Cannabis für kranke wie auch gesunde Menschen aus, wenn eine sinnvolle Regulierung und Abgabe eingeführt wird. 36 Prozent der Mediziner votierten für eine Beschränkung des Konsums im Zuge medizinischer Anwendungen. Für ein vollständiges Cannabis-Verbot stimmten einzig 12 Prozent der befragten Ärzte. Dies wurde zumeist mit dem üblichen Quatsch begründet (Beeinträchtigung des Gehirns, Psychosen und dergleichen).

Diese Meldung hat es in sich: Die Vereinten Nationen (UN) sowie die Weltgesundheitsbehörde (WHO) haben sich nun öffentlich dafür ausgesprochen, jegliche Strafverfolgung von Drogenkonsumenten einzustellen!

 

Die Begründung: durch die Strafverfolgung von Drogenkonsumenten entstehen ausschließlich negative Folgen für die Gesundheit der Betroffenen – anstatt dass ihnen damit in irgendeiner Form geholfen sei.

 

Besonders pikant: Sowohl UN als auch WHO sagen, dass inzwischen durch die Faktenlage erwiesen ist, dass die seit 1961 im Strafrecht verankerte Drogenpolitik mehr Schaden als Nutzen erbracht hat.

 

Theoretisch sind nun alle Mitgliedstaaten verpflichtet, ihre Drogenpolitik neu zu überdenken und auch dementsprechende Änderungen umzusetzen. Schauen wir einmal, was die Zukunft bringt...

 

Weblink: Original-Statement der WHO

 

Du möchtest mehr Informationen über Cannabis und den Anbau von Cannabis? Wir können dir helfen: An jedem gut sortierten (Bahnhofs-)Kiosk kannst du die brandneue Ausgabe von Highway – Das Cannabismagazin für lächerliche 2,60 Euro erwerben:

 

 Link: Highway am Kiosk finden (Deutschland) Link: Highway 04/2017 als E-Paper (PDF) kaufen Link: Inhaltsvorschau von Highway 04/2017

Seit dem 10. März dürfen deutsche Ärzte ihren Patienten Cannabis in Form von Marihuana oder Fertigarzneimitteln per Rezept verschreiben. Zuvor gab es medizinisches Cannabis nur mittels Ausnahmegenehmigung – für zuletzt rund 1.000 Cannabispatienten. Nun liegen die Auswertungen des ersten Monats beziehungsweise der ersten drei Wochen von Cannabis auf Rezept vor.

 

Wie in der „Deutschen Apothekerzeitung“ zu lesen ist, verordneten deutsche Ärzte im März auf 488 Rezeptformularen 564 Mal Cannabis in Form von Marihuana oder Zubereitungen, die aus den Blüten gewonnen wurden. Zusätzlich wurden im März außerdem 3.100 Fertigarzneimittel mit natürlichen oder synthetischen Cannabinoiden verschrieben. Wir bleiben gespannt und werden weiter darüber berichten, wie sich diese Zahlen entwickeln werden.