Cannabis ist angeblich ein schwer suchterzeugendes Suchtgift, glaubt man der deutschen Drogenbeauftragten Marlene Mortler. Aber ein Blick in ihre trüben Augen genügt eigentlich, um zu wissen, dass man ordentlich angelogen wird, wenn man solchem Unsinn Glauben schenkt.

 

Ja im Gegenteil: Cannabis bekommt immer mehr den Ruf eines wirksamen Substituts, dass erfolgreich bei verschiedenen Suchterkrankungen genutzt werden kann, um sich von diesen zu lösen. Bereits vor drei Monaten berichteten wir von einer Studie aus Kanada, die auf Befragungen basierte – das Ergebnis zeigte auf, dass Marihuana und Haschisch anscheinend wirksam gegen Alkohol- und Opiatsucht eingesetzt werden kann.

 

Nun wurde im „Journal of Drug Policy“ eine neue kanadische Studie der beiden Studienautoren vorgestellt – die erste Studie, die einen umfassenden Überblick zu kanadischen Medizinalcannabis-Patienten liefert. Und auch eine der ersten größeren Studien, die den Zusammenhang von Cannabis und Substanzabhängigkeiten untersucht.

 

Die Ergebnisse lassen einen jeden Cannabis-Freund aufhorchen: Denn in der Studie heißt es, dass Cannabis keinesfalls eine „gateway drug“, also eine Einstiegsdroge sei, was seit Jahrzehnten von realitätsfernen oder auch einfach nur stumpf lügenden Politikern immer wieder verbreitet wird – so auch von der deutschen Drogenbeauftragten Mortler. Auch wird Cannabis hervorragende Wirksamkeit als Medikament „gegen verschiedene Leiden, allen voran Schmerzen und mentale Probleme“ attestiert.

 

In der neuen Studie wurden 271 Cannabismedizin-Patienten untersucht und mit 107 Fragen befragt. Dabei kam heraus, dass 63 Prozent der Marihuana-Konsumenten mit dieser Medizin verschreibungspflichtige Medikamente ersetzen. Von dieser Gruppe ersetzte fast jeder Dritte ein Opiat durch Cannabis. 16 Prozent der Nutzer ersetzten ihre Benzodiazepine durch Cannabisprodukte und 12 Prozent griffen auf Marihuana und Hasch anstelle von Antidepressiva zurück. Alkohol wurde in 25 Prozent und Tabak in 12 Prozent der Fälle durch Cannabis ausgetauscht.

 

Nebenerkenntnis der Studie ist, dass 42 Prozent der kanadischen Cannabismedizin-Patienten gelegentlich oder regelmäßig darauf angewiesen sind, ihre Medizin vom Schwarzmarkt zu beziehen. Zumindest immer noch besser als in Europa, wo annähernd 100 Prozent ihre Medizin auf dem Schwarzmarkt kaufen müssen.

Wie in den vergangenen Wochen zu hören war, hat nicht nur die Pharma-Industrie die Kampagnen gegen Cannabis-Legalisierungen, über die am 8. November in den USA abgestimmt wurden, unterstützt, sondern auch die Alkohol-Industrie hat sich nicht lumpen lassen und Kohle in den Topf geworfen. Doch wie wir wissen, hat es kaum etwas gebracht: die Amerikaner wollen endlich legal kiffen und die vielen Vorzüge (nicht zuletzt die gewaltigen Steuereinnahmen) genießen.

 

Doch wie nun von den Finanzanalysten von Cowen & Company Anfang Dezember berichtet wurde, hat die Alkohol-Industrie natürlich recht mit ihrer Panik (die Pharma-Industrie übrigens auch, wie wir mehrfach berichtet haben): In den US-Staaten Oregon, Colorado und Washington, wo überall Gras zu Freizeitzwecken legal gekauft und konsumiert werden darf, wurden die Bierverkäufe des Jahres 2016 mit dem landesweiten Durchschnitt verglichen – und siehe da: In diesen Staaten liegen die Bierverkäufe tatsächlich 2,6 Prozent hinter dem Durchschnitt. In der Region um Denver liegen die Verkäufe sogar um 6,4 Prozent seit Jahresbeginn zurück.

 

Dennoch sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen, die Daten werden gerade einmal seit Jahresbeginn erhoben, auch der Zufall kann hier durchaus noch mit reinspielen. Aber es ist durchaus vorstellbar, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.