Das kanadische Start-up Province Brands ist kurz davor, das erste Cannabis-Bier der Welt auf den Markt zu bringen. Wieso das erste? Hanfblütenbier gibt es doch schon länger, mag der geneigte Leser nun einwenden. Allerdings nicht so eins: während die Hanfbiere, die zum Beispiel oft auf Cannabismessen zur Erfrischung gereicht werden, nur mit Hanf gewürzt, ansonsten aber in herkömmlicher Weise aus Hopfen und Malz hergestellt werden, wird das kanadische Weed-Bier nur aus den Blättern, Stängeln und Wurzeln der Cannabispflanze sowie etwas Hopfen gebraut. Alkohol, der während des Fermentationsprozesses zwangsläufig entsteht, wird das Getränk nicht enthalten, er wird im weiteren Produktionsprozess herausgefiltert. Dafür aber gibt’s ordentlich THC auf den Schädel, und zwar etwa 6,5 mg THC pro Flasche. Der Geschmack wird als etwas weniger süß als herkömmliches Bier beschrieben und das High als ziemlich schnell eintretend, was für ein Edible eher ungewöhnlich ist.

Von Fällen, in denen sich schwere Alkoholiker durch den Konsum von Cannabis selbst von ihrer Sucht therapieren, hört man immer wieder. Auch die Forschung hat sich dem Thema bereits angenommen: In einer US-Studie wurde ermittelt, dass Cannabiskonsum die gravierenden Schäden des Alkoholismus lindern kann.

 

Eine 47-jährige Mutter aus Süddeutschland hatte von derartigen Erkenntnissen vielleicht gelesen, als sie auf die Idee kam, ihren 15-jährigem Sohn etwa ein Jahr lang mit Marihuana zu versorgen, um ihn vom Alkohol abzubringen. Aus Angst davor, er könne auf die schiefe Bahn geraten, zwackte sie vom Weed-Vorrat ihres Verlobten immer wieder etwas ab, um es ihrem Sorgenkind zu geben. Die Angst um das Kind kam nicht von ungefähr, hatte sich der Alkoholkonsum des Teenagers doch in bedenkliche Höhen geschraubt. Bier und Wodka flossen in rauen Mengen, wenn es ganz schlimm kam, musste der Junge schon mittags in volltrunkenem Zustand von der Schule abgeholt werden. Dass auch die anderen Kinder der insgesamt sechsköpfigen Patchwork-Familie teilweise mit Drogen- und Alkoholproblemen zu kämpfen hatten, hat die Mutter wohl zusätzlich alarmiert und zu ihrer ungewöhnlichen Rettungsaktion getrieben.

 

Nun musste sich die Frau vor Gericht verantworten, nachdem der Sohn mit einigen Freunden und dem Gras der Mutter in Tasche von der Polizei aufgegriffen wurde. „Ich dachte, meinen Sohn mit dem Marihuana bremsen zu können, aber das war ein großer Fehler. Das weiß ich jetzt“, so die Mutter, die bisher nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war und selbst auch kein Marihuana konsumiert. Der zuständige Richter zeigte allerdings wenig Verständnis für die „absurde Logik" der Mutter und sprach eine zweijährige Bewährungsstrafe zuzüglich einer Geldstrafe von 1.500 Euro aus.

Wir schreiben das Jahr 2018. In Deutschland ist Gras immer noch nicht wieder relegalisiert – dafür darf sich hierzulande seit ewigen Zeiten jeder aufrechte Deutsche zu Tode saufen, sobald er das Alter von 16 Jahren erreicht hat. Kaum eine substanzgebundene Sucht ist schlimmer als die nach Alkohol. Dies musste auch ein inzwischen 41-jähriger Mann aus Immenstadt im Allgäu erkennen, der seit 20 Jahren abhängig von Alkohol ist. Als Folgeerscheinung seiner Trinkerei wurde bei ihm eine Leberzirrhose festgestellt – doch seine Krankenkasse will eine Behandlung nicht zahlen.

 

Um etwas gegen seine Schmerzen zu unternehmen und auch, um vom Trinken loszukommen, baute er daher ein bisschen Cannabis in seiner Wohnung an, wie „das allgäu online“ berichtete: drei Pflanzen im Schlafzimmer, vier auf dem Balkon. Abgeerntet und getrocknet kamen so 130 Gramm Marihuana zustande. Übrigens – von der Illegalität abgesehen – eine äußerst gute Idee des Mannes: denn erstens hilft Marihuana tatsächlich gegen Schmerzen, wie man weiß, zweitens kann Marihuana tatsächlich bei der Überwindung von Alkoholsucht hilfreich sein und drittens kann, für den Fall, dass er weiter trinkt, Cannabis immerhin vor alkoholbedingten Leberschäden schützen, wir wir kürzlich berichteten.

 

Jedoch äußerst doof für ihn, dass er beim Anbau erwischt wurde: er wurde vom Gericht zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung verteilt, zudem muss er 1.500 Euro an eine Sozialeinrichtung zahlen. Ein tolles Urteil des Gerichts... das wird dem Immstädter bestimmt dabei helfen, sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken...

Wissenschaftler in den USA analysierten die Daten von knapp 320.000 Erwachsenen mit Alkoholmissbrauch in ihrer Vorgeschichte und kamen zu einem interessanten Ergebnis, das nun bei PubMed veröffentlicht wurde: der Konsum von Cannabis kann Alkoholkonsumenten vor negativen Auswirkungen des Alkohols schützen – etwa vor Fettleber, Leberzirrhose oder Leberkrebs.

 

Tatsächlich ist das Ergebnis der Forschungen der Wissenschaftler aus verschiedenen Teilen der USA, dass gleichzeitiger Cannabiskonsum Alkoholkonsumenten deutlich vor negativen Auswirkungen von Alkohol schützen kann: das Risiko, an Fettleber zu erkranken, ist um 45 Prozent, das Risiko an Leberzirrhose zu erkranken, sogar um 55 Prozent abgesenkt, wenn Cannabis konsumiert wird. Bei Patienten, die als cannabisabhängig eingestuft wurden, waren die positiven Effekte gegenüber denjenigen, die als „normale“ Cannabiskonsumenten eingestuft wurden, sogar noch ausgeprägter.

Auch wenn viele Stoner es nicht wahrhaben wollen: für den Durchschnittsmenschen sind Cannabis und Alkohol teilweise schon austauschbar. Unumstritten aber natürlich, dass Alkohol die weitaus gefährlichere Droge für Geist und Körper ist. Vom volksgesundheitlichen Standpunkt her ist daher natürlich ein höherer Cannabiskonsum einem höheren Alkoholkonsum vorzuziehen.

 

Bereits 2016 berichteten wir, dass die Legalisierung von Cannabis sich negativ auf Bierverkäufe auswirkt – nun wurde eine Studie veröffentlicht, die den Alkoholverkauf der Jahre 2006 bis 2015 in US-Staaten mit legalisiertem medizinischen Marihuana mit dem Alkoholverkauf in US-Staaten ohne legale Möglichkeiten zum Marihuana-Erwerb vergleicht.

 

Dabei kam heraus, dass sich legales medizinisches Marihuana ungünstig auf die Einnahmen von Alkohol-Produzenten auswirkt: der Verkauf von Bier sank um 13,8 Prozent, der Verkauf von Wein um gar 16,2 Prozent. Die Autoren der Studie schreiben, dass diese Ergebnisse „Besorgnisse über mögliche Auswirkungen der Gesetze zu medizinischem Marihuana auf die Verwendung anderer Substanzen, die zu den negativen gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen beitragen könnten, thematisieren. Denn die Beziehung zwischen diesen Substanzen ist ein wichtiges Thema für die öffentliche Gesundheit.“

 

Bier-Hersteller Constellation Brands (Corona) reagierte bereits vor Kurzem und sicherte sich als erster Alkohol-Produzent weltweit eine Beteiligung von 10 Prozent an dem kanadischen Unternehmen Canopy Growth, das Cannabis produziert.

Dass der Mischkonsum von Alkohol und Cannabis mit Vorsicht zu genießen ist, dürfte der ein oder andere Leser schon am eigenen Leib festgestellt haben. Nichtsdestotrotz haben sowohl Brauer als auch Winzer sowie Hanf-Entrepreneure sich schon oft an einer Mixtur der beliebtesten Rauschmittel versucht.

 

Bier mit Hanf-Aroma zum Beispiel erfreut sich nicht nur auf Hanfmessen als Erfrischungsgetränk großer Beliebtheit, der giftgrüne Hanf-Wodka ist dann schon eher etwas für spätere Stunden. Gemeinsam haben derartige (auf dem deutschsprachigen Markt) erhältliche Produkte, dass sie zwar wie gewohnt alkoholhaltig sind, aufgrund der aktuellen Gesetzeslage aber lediglich mit Hanf aromatisiert sind.

 

Doch das Unternehmen Cannawine aus Spanien bringt nun den ersten Cannabinoid-haltigen Cannabiswein Europas heraus. Angeboten werden sowohl Rot- als auch Weißwein mit gewohntem Alkoholgehalt und etwa 50 Milligramm CBD pro Flasche sowie (nach Herstellerangaben) 87 weiteren Cannabinoiden. Das berauschende THC hingegen findet man allerdings nur in sehr geringer Konzentration in dem edlen Tropfen (eine Flasche kostet rund 16 Euro).

 

Wie so oft waren es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten mal wieder die Amerikaner, die zuerst mit der Kreation eines Weed-Weins experimentierten. Die Idee entstand durch die Nachbarschaft von medizinischen Cannabisplantagen und Weinbergen in den 80er- und 90er-Jahren in Kalifornien. Hanfbauern und Winzer taten sich zusammen und entwickelten dank einer günstigen Gesetzeslage CBD- und THC-haltige Weine, die Besitzern einer Medical-Marijuana-Card als Alternative zu den klassischen Edibles angeboten wurden.

Cannabis ist angeblich ein schwer suchterzeugendes Suchtgift, glaubt man der deutschen Drogenbeauftragten Marlene Mortler. Aber ein Blick in ihre trüben Augen genügt eigentlich, um zu wissen, dass man ordentlich angelogen wird, wenn man solchem Unsinn Glauben schenkt.

 

Ja im Gegenteil: Cannabis bekommt immer mehr den Ruf eines wirksamen Substituts, dass erfolgreich bei verschiedenen Suchterkrankungen genutzt werden kann, um sich von diesen zu lösen. Bereits vor drei Monaten berichteten wir von einer Studie aus Kanada, die auf Befragungen basierte – das Ergebnis zeigte auf, dass Marihuana und Haschisch anscheinend wirksam gegen Alkohol- und Opiatsucht eingesetzt werden kann.

 

Nun wurde im „Journal of Drug Policy“ eine neue kanadische Studie der beiden Studienautoren vorgestellt – die erste Studie, die einen umfassenden Überblick zu kanadischen Medizinalcannabis-Patienten liefert. Und auch eine der ersten größeren Studien, die den Zusammenhang von Cannabis und Substanzabhängigkeiten untersucht.

 

Die Ergebnisse lassen einen jeden Cannabis-Freund aufhorchen: Denn in der Studie heißt es, dass Cannabis keinesfalls eine „gateway drug“, also eine Einstiegsdroge sei, was seit Jahrzehnten von realitätsfernen oder auch einfach nur stumpf lügenden Politikern immer wieder verbreitet wird – so auch von der deutschen Drogenbeauftragten Mortler. Auch wird Cannabis hervorragende Wirksamkeit als Medikament „gegen verschiedene Leiden, allen voran Schmerzen und mentale Probleme“ attestiert.

 

In der neuen Studie wurden 271 Cannabismedizin-Patienten untersucht und mit 107 Fragen befragt. Dabei kam heraus, dass 63 Prozent der Marihuana-Konsumenten mit dieser Medizin verschreibungspflichtige Medikamente ersetzen. Von dieser Gruppe ersetzte fast jeder Dritte ein Opiat durch Cannabis. 16 Prozent der Nutzer ersetzten ihre Benzodiazepine durch Cannabisprodukte und 12 Prozent griffen auf Marihuana und Hasch anstelle von Antidepressiva zurück. Alkohol wurde in 25 Prozent und Tabak in 12 Prozent der Fälle durch Cannabis ausgetauscht.

 

Nebenerkenntnis der Studie ist, dass 42 Prozent der kanadischen Cannabismedizin-Patienten gelegentlich oder regelmäßig darauf angewiesen sind, ihre Medizin vom Schwarzmarkt zu beziehen. Zumindest immer noch besser als in Europa, wo annähernd 100 Prozent ihre Medizin auf dem Schwarzmarkt kaufen müssen.

Wie in den vergangenen Wochen zu hören war, hat nicht nur die Pharma-Industrie die Kampagnen gegen Cannabis-Legalisierungen, über die am 8. November in den USA abgestimmt wurden, unterstützt, sondern auch die Alkohol-Industrie hat sich nicht lumpen lassen und Kohle in den Topf geworfen. Doch wie wir wissen, hat es kaum etwas gebracht: die Amerikaner wollen endlich legal kiffen und die vielen Vorzüge (nicht zuletzt die gewaltigen Steuereinnahmen) genießen.

 

Doch wie nun von den Finanzanalysten von Cowen & Company Anfang Dezember berichtet wurde, hat die Alkohol-Industrie natürlich recht mit ihrer Panik (die Pharma-Industrie übrigens auch, wie wir mehrfach berichtet haben): In den US-Staaten Oregon, Colorado und Washington, wo überall Gras zu Freizeitzwecken legal gekauft und konsumiert werden darf, wurden die Bierverkäufe des Jahres 2016 mit dem landesweiten Durchschnitt verglichen – und siehe da: In diesen Staaten liegen die Bierverkäufe tatsächlich 2,6 Prozent hinter dem Durchschnitt. In der Region um Denver liegen die Verkäufe sogar um 6,4 Prozent seit Jahresbeginn zurück.

 

Dennoch sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen, die Daten werden gerade einmal seit Jahresbeginn erhoben, auch der Zufall kann hier durchaus noch mit reinspielen. Aber es ist durchaus vorstellbar, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.