Vor etwa einem Jahr wurde bekannt, dass Krombacher über eine Beteiligungsgesellschaft bei dem Cannabis-Unternehmen Demecan, einer Tochterfirma des kanadischen Produzenten Wayland einsteigt. Bei Demecan handelt es sich um eine der wenigen Firmen, die in Deutschland mit Lizenz Medizinalcannabis anbauen dürfen. 

 

Nun zieht Mitbewerber Bitburger offenbar nach: die Beteiligungsgesellschaft „Bitburger Holding“ investiert Presseberichten zufolge einen einstelligen Millionenbetrag in das Cannabis-Start-up Sanity Group aus Berlin. Zur Sanity Group gehört auch die CBD-Marke Vaay, die gerade mit einer deutschlandweiten Werbekampagne auf sich aufmerksam gemacht hat. Sanity-Gründer Finn Age-Hänsel hatte übrigens Anfang der 2000er-Jahre einen Vorsitz der Jugendorganisation der CDU, der Jungen Union (JU) in Flensburg, inne. Wer weiß, vielleicht fühlte sich Bitburger deshalb direkt heimisch. Wenn schon Cannabis, dann wenigstens mit christlich-konservativem Touch, oder? Bier bleibe aber weiterhin das Kerngeschäft, betonte ein Vertreter der Holding. 

 

Auch wenn der Bierkonsum der Deutschen im weltweiten Vergleich noch immer hoch ist, lässt sich ein Negativtrend nicht verleugnen: den deutschen Brauereien laufen seit Jahren die jüngeren Kunden weg. Unzählige Misch- und Craftbier-Kreationen, mit denen Jüngeren der Bierkonsum schmackhaft gemacht werden soll, sind Ausdruck eines immer verzweifelteren Kampfes um die Gunst der Millenials. Auch die Öttinger-Brauerei, die zu den umsatzstärksten in Deutschland gehört, befasst sich schon länger mit dem Thema Cannabis und hat bereits ein Hanfbier mit dem Namen „Hanfkiss“ auf den Markt gebracht.  

 

Offenbar verfolgen die Bier-Barone eine perfide Doppelstrategie: auf politischer Ebene wird mithilfe von Lobbyisten gegen Cannabis mobilisiert, doch insgeheim hat man in den Vorstandsetagen wohl verstanden, dass man den Trend zum Cannabis nicht mehr aufhalten kann.

Angesichts der andauernden Gegenüberstellung von Alkohol und Cannabis, die sowohl von Legalisierungsbefürwortern als auch -Gegnern immer wieder vorgebracht wird (mit unterschiedlichen Stoßrichtungen freilich) und die man durchaus als absurde Substanz-Rivalität bezeichnen könnte, entbehrt es nicht einer gewissen Ironie wie nah Cannabis- und Hopfengewächse sich verwandtschaftlich eigentlich stehen: denn botanisch gesehen sind sie sozusagen „Geschwister“ unter dem Dach der Familie der Hanfgewächse. 

 

Es darf allerdings bezweifelt werden, dass der Grower, der sich das seit 1968 vor sich hin rottende Ibing-Brauereigebäude aus diesem Grund aussuchte, um dort in Ruhe sein Cannabis anzubauen. Vielmehr interessierte ihn wohl die auf den Bildern erkennbare Abgeschiedenheit der Anlage mitten in einer Bauruine in Mülheim an der Ruhr nahe Duisburg. Leider war der Ort dann wohl doch nicht abgeschieden genug, zumindest einem anonymen Hinweisgeber schien der Anbau dort ein Dorn im Auge gewesen zu sein.

 

Elf Pflanzen wurden bei dem Polizeieinsatz gefunden, der Betreiber konnte laut Presseberichten bisher glücklicherweise nicht ermittelt werden. Und auch wenn seine Pflanzen nun zerstört werden: junge Cannabispflanzen, die auf einem verrosteten Bier-Braukessel gen Himmel wachsen (siehe oben rechts auf dem Artikelfoto) – damit hat der Unbekannnte (ob nun bewusst oder nicht) ein schönes Bild für einen längst überfälligen Paradigmenwechsel in der Drogenpolitik kreiert. Nichtsdestotrotz ist es natürlich schade, dass es nach dem Aus des Ibing-Pils nun bis auf Weiteres auch kein Ibing-Weed gibt...

Zum ersten Mal seit Bestehen des Highway-Magazin möchten wir unsere Leser an dieser Stelle auf eine Nachricht hinweisen, die absolut nichts mit dem Thema Cannabis zu tun – und doch dem ein oder anderen Cannabisfreund aus Schadenfreude ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubern dürfte.

 

Ausgerechnet in München wurde Ende vergangener Woche im Rahmen der Corona-Pandemie vom Oberbürgermeister ein siebtentägiges nächtliches Alkoholverbot verhängt. Das muss man (vor allem als Münchener) erst einmal sacken lassen: erst wird das Allerheiligste des trink- und schunkelfreudigen Bajuwaren, das Oktoberfest, abgesagt und jetzt auch noch ein siebentägiges Alkohol-Konsumverbot ausgesprochen. Gut, die Maßnahme gilt nur in der Öffentlichkeit und nur ab 21 Uhr (Verkauf) bzw. 23 Uhr (Konsum), aber immerhin handelt es sich doch um ein Grundnahrungmittel! Ab 6 Uhr morgens darf der Münchner dann übrigens auch in der S-Bahn wieder zur Pulle greifen.

 

Wie man sich vorstellen kann, steht München nun Kopf. Einem Kläger, der sogleich gegen das Verbot klagte, wurde vom Verwaltungsgericht bereits stattgegeben, doch der Oberbürgermeister stellt sich quer. Nun soll der Bayerische Verwaltungsgerichtshof als letzte Instanz über die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme entscheiden. Am ersten Verbotswochenende kam es wider Erwarten übrigens noch nicht zu Volksaufständen, allerdings herrschte auch Regenwetter und die öffentlichen Flächen und Parks waren dementsprechend verwaist.

 

Als leidgeplagter Cannabisfreund möchte man den Bürgern Münchens nun gerne so Vieles sagen. Zum Beispiel, dass man ja auch mal ein paar Tage ohne Alkohol auskommen könne. Oder, dass man sich ja nicht beschweren müsse, wenn man von der Polizei wegen Alkoholkonsums abgestraft werde, schließlich zwinge einen ja keiner, sich über das Verbot hinwegzusetzen, um dennoch zu trinken. Oder, dass es sich doch eigentlich um gar keine so schlechte Entwicklung handele, schließlich gebe es in Deutschland ja bereits genug Volksdrogen, die viel Schaden anrichteten. Auch und gerade im Hinblick auf den so wichtigen Jugendschutz. Aber, aber, wer wird denn gleich so nachtragend sein? Vielleicht reicht auch einfach nur ein versöhnlicher Hinweis darauf, dass sieben Tage immer noch besser sind als Hundert Jahre.

Vor einigen Jahren machte in den deutschen Medien das sogenannte „Komasaufen“ die Runde: gemeint war natürlich das exzessive Trinken bis zum Totalabsturz, das gerade bei Jugendlichen beliebt ist. Die Reaktion der Politik kam prompt, es folgte ein Verbot von schnapshaltigen Limonaden, den „Alkopops“, die als Wurzel allen Übels identifiziert worden waren. Symbolpolitik vom Feinsten, schließlich kann sich jeder seinen Alkopop auch einfach selbst mixen. Das ist nicht nur günstiger, man kann auch ganz nach eigenem Geschmack dosieren.

 

Eine aufwändige neue Studie, die mithilfe von Datensätzen von einer Million Teilnehmern über einen Zeitraum von 2008 bis 2018 erstellt wurde, beschäftigt sich erneut mit dem Thema „binge drinking“ (englisch für Komasaufen). Unter der Leitung von Dr. Zoe Alley wurde anhand des Berges an Datenmaterial versucht herauszufinden, ob und in welcher Art sich eine vollständige Cannabislegalisierung bei College-Studenten auf den Konsum von anderen berauschenden Substanzen wie zum Beispiel Alkohol auswirkt. Das Resultat: um durchschnittlich sechs Prozent ging das Rauschtrinken unter volljährigen College-Studenten (21+) nach einer Cannabislegalisierung zurück.

 

Dr. Alley vertritt die These, dass die Studenten tendenziell lieber zu Cannabisprodukten als zu Alkoholika greifen, wenn der Staat ihnen die Wahl lässt und ist der Meinung, dass ihre Studienergebnisse dies unterstützen. „Der wichtigste Punkt, den wir mit unserer Arbeit feststellen konnten, ist, dass sich eine vollständige Legalisierung von Cannabis auf die Praxis des Komasaufens unter volljährigen Studenten auswirkt“, fasst Alley die Studienergebnisse zusammen. Und zwar durchaus in positiver Weise, wie Highway an dieser Stelle unterstreichen möchte.

„Lieber schlau als blau“, ein Projekt zur Suchtprävention, sorgt zur Zeit für Aufruhr im ostdeutschen Templin. Besorgte Eltern steigen auf die Barrikaden, sollen doch im Rahmen des Programms heranwachsende Schüler mit Bier, Wein und Schnaps abgefüllt werden.

 

Stattfinden soll das Ganze direkt im Klassenzimmer, wo die Schüler unter Aufsicht der Lehrkräfte an das „vernünftige Trinken“ herangeführt werden sollen. Ein Formular, das hier eingesehen werden kann, fordert die Eltern doch tatsächlich dazu auf, anzukreuzen, wie viele „Trinkeinheiten (TE)“ ihren Sprösslingen für die Aktion erlaubt werden sollen. 0,33 Liter Bier, 0,2 Liter Wein, 0,3 Liter Alkopop oder sogar 0,04 Liter hochprozentiges zählen als eine TE. Maximum sind 4 TE, also zum Beispiel vier doppelte (!) Schnäpse. Das reicht, um selbst erfahrene Alkoholkonsumenten betrunken zu machen. Zumindest für alle noch nicht volljährigen Schüler bleiben aber wenigstens Schnaps und Alkopops aber tabu.

 

Schulleiterin Barbara Liedtke verteidigt das Projekt: „Es geht ja nicht ums Besaufen, sondern ums Beobachten der Folgen. Schüler, die sich rühmen, dass ihnen Alkohol nichts ausmacht, sollen erleben, dass sie doch nicht so stark sind.“ Ob das Projekt die gewünschten Effekte bringt, ist mehr als fraglich, allerdings nicht, woher die Unterstützung für das Projekt kommt: es wird seit Jahren aus Steuergeldern finanziert.

Im nordamerikanischen Cannabissektor bahnt sich eine weitere millionenschwere Kooperation an: Der kanadische Cannabisproduzent Tilray und das weltgrößte Brauunternehmen der Welt, Anhäuse-Busch InBev tun sich zusammen, um gemeinsam an THC- und CBD-haltigen Getränken ohne Alkohol zu forschen. Ein gemeinsames Budget von 100 Millionen Dollar wird für Zusammenarbeit vorgesehen, es gibt allerdings bisher keine konkreten Pläne etwaige Resultate des Projekts zu kommerzialisieren. AB InBev ist auf dem Feld der alkoholischen Getränke weltweit führend und umfasst mehr als 500 Marken, darunter auch Schwergewichte wie Budweiser und Stella Artois. Auch hierzulande bekannte und beliebte Biere wie Beck’s, Hasseröder und Diebels gehören zum Portfolio des Konzerns. Es handelt sich nicht um die erste Verflechtung zwischen Alkoholindustrie und Cannabissektor: erst im Oktober 2017 sicherte sich Constellation Brands, weltgrößter Weinbrand-Hersteller knapp zehn Prozent des kanadischen Cannabisproduzenten Canopy Growth.

Das kanadische Start-up Province Brands ist kurz davor, das erste Cannabis-Bier der Welt auf den Markt zu bringen. Wieso das erste? Hanfblütenbier gibt es doch schon länger, mag der geneigte Leser nun einwenden. Allerdings nicht so eins: während die Hanfbiere, die zum Beispiel oft auf Cannabismessen zur Erfrischung gereicht werden, nur mit Hanf gewürzt, ansonsten aber in herkömmlicher Weise aus Hopfen und Malz hergestellt werden, wird das kanadische Weed-Bier nur aus den Blättern, Stängeln und Wurzeln der Cannabispflanze sowie etwas Hopfen gebraut. Alkohol, der während des Fermentationsprozesses zwangsläufig entsteht, wird das Getränk nicht enthalten, er wird im weiteren Produktionsprozess herausgefiltert. Dafür aber gibt’s ordentlich THC auf den Schädel, und zwar etwa 6,5 mg THC pro Flasche. Der Geschmack wird als etwas weniger süß als herkömmliches Bier beschrieben und das High als ziemlich schnell eintretend, was für ein Edible eher ungewöhnlich ist.

Von Fällen, in denen sich schwere Alkoholiker durch den Konsum von Cannabis selbst von ihrer Sucht therapieren, hört man immer wieder. Auch die Forschung hat sich dem Thema bereits angenommen: In einer US-Studie wurde ermittelt, dass Cannabiskonsum die gravierenden Schäden des Alkoholismus lindern kann.

 

Eine 47-jährige Mutter aus Süddeutschland hatte von derartigen Erkenntnissen vielleicht gelesen, als sie auf die Idee kam, ihren 15-jährigem Sohn etwa ein Jahr lang mit Marihuana zu versorgen, um ihn vom Alkohol abzubringen. Aus Angst davor, er könne auf die schiefe Bahn geraten, zwackte sie vom Weed-Vorrat ihres Verlobten immer wieder etwas ab, um es ihrem Sorgenkind zu geben. Die Angst um das Kind kam nicht von ungefähr, hatte sich der Alkoholkonsum des Teenagers doch in bedenkliche Höhen geschraubt. Bier und Wodka flossen in rauen Mengen, wenn es ganz schlimm kam, musste der Junge schon mittags in volltrunkenem Zustand von der Schule abgeholt werden. Dass auch die anderen Kinder der insgesamt sechsköpfigen Patchwork-Familie teilweise mit Drogen- und Alkoholproblemen zu kämpfen hatten, hat die Mutter wohl zusätzlich alarmiert und zu ihrer ungewöhnlichen Rettungsaktion getrieben.

 

Nun musste sich die Frau vor Gericht verantworten, nachdem der Sohn mit einigen Freunden und dem Gras der Mutter in Tasche von der Polizei aufgegriffen wurde. „Ich dachte, meinen Sohn mit dem Marihuana bremsen zu können, aber das war ein großer Fehler. Das weiß ich jetzt“, so die Mutter, die bisher nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war und selbst auch kein Marihuana konsumiert. Der zuständige Richter zeigte allerdings wenig Verständnis für die „absurde Logik" der Mutter und sprach eine zweijährige Bewährungsstrafe zuzüglich einer Geldstrafe von 1.500 Euro aus.

Wir schreiben das Jahr 2018. In Deutschland ist Gras immer noch nicht wieder relegalisiert – dafür darf sich hierzulande seit ewigen Zeiten jeder aufrechte Deutsche zu Tode saufen, sobald er das Alter von 16 Jahren erreicht hat. Kaum eine substanzgebundene Sucht ist schlimmer als die nach Alkohol. Dies musste auch ein inzwischen 41-jähriger Mann aus Immenstadt im Allgäu erkennen, der seit 20 Jahren abhängig von Alkohol ist. Als Folgeerscheinung seiner Trinkerei wurde bei ihm eine Leberzirrhose festgestellt – doch seine Krankenkasse will eine Behandlung nicht zahlen.

 

Um etwas gegen seine Schmerzen zu unternehmen und auch, um vom Trinken loszukommen, baute er daher ein bisschen Cannabis in seiner Wohnung an, wie „das allgäu online“ berichtete: drei Pflanzen im Schlafzimmer, vier auf dem Balkon. Abgeerntet und getrocknet kamen so 130 Gramm Marihuana zustande. Übrigens – von der Illegalität abgesehen – eine äußerst gute Idee des Mannes: denn erstens hilft Marihuana tatsächlich gegen Schmerzen, wie man weiß, zweitens kann Marihuana tatsächlich bei der Überwindung von Alkoholsucht hilfreich sein und drittens kann, für den Fall, dass er weiter trinkt, Cannabis immerhin vor alkoholbedingten Leberschäden schützen, wir wir kürzlich berichteten.

 

Jedoch äußerst doof für ihn, dass er beim Anbau erwischt wurde: er wurde vom Gericht zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung verteilt, zudem muss er 1.500 Euro an eine Sozialeinrichtung zahlen. Ein tolles Urteil des Gerichts... das wird dem Immstädter bestimmt dabei helfen, sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken...

Wissenschaftler in den USA analysierten die Daten von knapp 320.000 Erwachsenen mit Alkoholmissbrauch in ihrer Vorgeschichte und kamen zu einem interessanten Ergebnis, das nun bei PubMed veröffentlicht wurde: der Konsum von Cannabis kann Alkoholkonsumenten vor negativen Auswirkungen des Alkohols schützen – etwa vor Fettleber, Leberzirrhose oder Leberkrebs.

 

Tatsächlich ist das Ergebnis der Forschungen der Wissenschaftler aus verschiedenen Teilen der USA, dass gleichzeitiger Cannabiskonsum Alkoholkonsumenten deutlich vor negativen Auswirkungen von Alkohol schützen kann: das Risiko, an Fettleber zu erkranken, ist um 45 Prozent, das Risiko an Leberzirrhose zu erkranken, sogar um 55 Prozent abgesenkt, wenn Cannabis konsumiert wird. Bei Patienten, die als cannabisabhängig eingestuft wurden, waren die positiven Effekte gegenüber denjenigen, die als „normale“ Cannabiskonsumenten eingestuft wurden, sogar noch ausgeprägter.

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