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THC-Entwöhnung: mit CBD ein Kinderspiel?

Von  Sep 04, 2020

Immer wieder gibt es gute Gründe, wegen denen Cannabisenthusiasten enthaltsam sein müssen oder es freiwillig sein möchten. Sei es vielleicht, weil der Dealer gerade einen Lieferengpass hat oder vielleicht auch, weil einem der eigene Konsum zu hoch erscheint. Normalerweise fällt ein Stopp oder eine vorübergehende Unterbrechung des Konsums leicht und es baut sich auch kein nennenswerter Konsumdruck auf. Aber es gibt auch einen kleinen Teil von Cannabiskonsumenten, der nach langen Konsumphasen ohne Cannabis dann plötzlich Probleme bekommt. Unruhe, Schweißausbrüche und andere Symptome erschweren dann vor allem in den Anfangstagen die Abstinenz und lassen viele erneut resigniert zu Marihuana oder Haschisch greifen. Nicht nur Friedbert Weiss, der zurzeit als ordentlicher Professor die Abteilung für Neurowissenschaften an einer Universität in Kalifornien leitet, sondern auch viele Freizeitkonsumenten, haben nun ein Mittel gefunden, das da Abhilfe schaffen kann. Es ist kaum zu glauben, aber es ist ein Bestandteil des Harzes der weiblichen Cannabispflanze – und zwar das in letzter Zeit zu einiger Berühmtheit gekommene Cannabinoid CBD (Cannabidiol). Wie dieses beim Beenden des Cannabiskonsums zu Rauschzwecken helfen kann, soll im Folgenden beleuchtet werden.   

 

Dazu vorab ein paar Informationen zu CBD und THC (Tetrahydrocannabinol). Diese beiden wichtigen Cannabinoide sind in unterschiedlichen Konzentrationen vorwiegend im Harz der weiblichen Cannabispflanze enthalten. Während THC hauptsächlich für den Rausch verantwortlich ist, wird CBD in der Wirkung unterschätzt. Es ist durchaus ein hochwirksames Cannabinoid, das aber alleine eingenommen keine bewusstseinsverändernde Wirkung zeigt. Erst in Kombination mit THC beeinflusst es den Rausch und es wird vermutet, dass ein Cannabisrausch ohne kleine Anteile CBD eher unangenehm ist. Leider sind die Wechselwirkungen nur ungenügend untersucht, sodass noch keine allumfassenden Aussagen getroffen werden können. Bekannt ist aber, dass CBD, wie auch THC, das körpereigene Endocannabinoidsystem beeinflusst – allerdings ohne einen Rausch zu erzeugen. Und das ist jetzt der Clou, der den Entzug von Cannabis erleichtert. Durch die Gabe von CBD wird der Stoffwechsel in unserem Denkorgan so verändert, dass es dem Körper nicht mehr so stark das Fehlen von THC signalisiert, wie es bei manchen Personen der Fall ist. Und damit sind die meisten psychisch begründeten Schwierigkeiten beim Cannabis-Stopp bereits nahezu verschwunden. Sicherlich fragen sich jetzt einige, wie sie ihre Abkehr von THC mit CBD denn in der Praxis gestalten können.

Das ist, wenn der feste Wille vorhanden ist, eigentlich recht einfach: als erste Maßnahme wird dafür gesorgt, dass sich ein gewisser Grundpegel von CBD im Körper einstellt. Dazu empfiehlt sich die Einnahme von Kapseln. Diese wirken zwar erst nach einer Weile, in der Regel nach einer bis zwei Stunden, dafür aber für eine längere Zeit. Sechs bis acht Stunden hält die Wirkung an, also wird morgens und nachmittags je eine Kapsel eingenommen. Die Tagesdosis ist individuell verschieden, liegt bei den meisten Menschen aber bei 25 Milligramm. Wird ein schnellerer Effekt gewünscht, dann können CBD-Öl, CBD-Kristalle oder ein alkoholischer CBD-Extrakt unter die Zunge geträufelt werden. Dort belässt man es für 60 Sekunden und nach etwa 15 Minuten setzt dann die Wirkung ein. Noch rascher wirkt CBD, wenn es inhaliert wird. Vermutlich gesundheitlich besser als das Rauchen ist es, die Blüten in einem entsprechenden Gerät zu erhitzen und den Dampf zu inhalieren. Alternativ kann auch eine elektrische Zigarette mit einem Liquid befüllt werden, das CBD enthält. Mit diesen Verdampfern wird dann plötzlich auftretendes Verlangen in der Regel rasch befriedigt.  

 

Doch mit welchen „Entzugserscheinungen“ muss man als Cannabiskonsument überhaupt rechnen? Normalerweise mit keinen wirklich schlimmen oder gar schmerzhaften Beeinträchtigungen. Im Verhältnis zum Alkohol- oder Opiatentzug sind die Symptome lächerlich und die allermeisten Konsumenten schaffen eine Konsumunterbrechung problemlos und ohne Hilfe.

 

Psychisch begründete Auffälligkeiten können sich in Schlafproblemen, gelegentlichen Alpträumen und manchmal sogar in Angst, Unruhe oder Aggressionen äußern. Dies liegt daran, dass das Gehirn bei regelmäßigem Konsum der betäubenden Wirkung der Droge entgegensteuert, um seine Funktion sicherzustellen. Dazu produzieren die Synapsen zusätzliche Botenstoffe. Fällt der Wirkstoff weg, sind zu viele dieser Stoffe aktiv und das führt zu übersteigerter Hirnaktivität. Der ehemalige Konsument fühlt sich fahrig und ist unruhig. Eine ganz normale Sache, die aber durch weitere Gabe von CBD ausgeglichen werden kann. Treten hingegen Müdigkeit und Depressionen auf, ist die Sachlage eine andere. Manche nehmen ja Cannabis, um ihre chronische Niedergeschlagenheit selbst zu behandeln. Und diese kehrt nach dem Absetzen der Droge natürlich zurück. Dauert dieser Zustand längere Zeit an, sollte vielleicht ein fachkundiger Arzt aufgesucht werden. Cannabis macht kaum physisch abhängig, doch in Ansätzen ist dies gelegentlich zu beobachten. Beispielsweise können sich Schwitzen und verminderter Appetit einstellen. Die Symptome verdienen jedoch keine sonderliche Beachtung, sie vergehen meist binnen weniger Tage.  

 

CBD kann übrigens kaum überdosiert werden, eine Dosis von bis zu 1.500 Milligramm täglich gilt als gesundheitlich absolut unbedenklich. Das ist rund das 60-fache von dem, was für die meisten Menschen als tägliche Dosis ausreicht. Theoretisch gibt es natürlich auch eine Überdosis, wie bei jedem anderen Stoff auch, aber in der Realität stirbt kein Mensch an einer Überdosis CBD. Auch die Nebenwirkungen sind zu vernachlässigen. Außerdem haben frisch gebackene Ex-Kiffer ja auch beim herkömmlichen Cannabisgenuss bereits beachtliche Mengen CBD konsumiert. Je Joint werden etwa zwischen zwei und zwanzig Milligramm aufgenommen, je nach Sorte sogar noch mehr. Alles in allem ist die Einnahme von CBD ungefährlich, gesund und hilft bei der THC-Entwöhnung.

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