US-Studie: THC-Blutwert allein sagt nichts über Fahrtauglichkeit aus Adobe Stock

US-Studie: THC-Blutwert allein sagt nichts über Fahrtauglichkeit aus

Von  Mai 09, 2019

Die Führerschein-Problematik zählt zu den drängendsten Ungerechtigkeiten, wenn es um die möglichen Konsequenzen des Cannabiskonsums geht. Da Deutschland in dieser Sache nur wenige Fortschritte macht und noch immer geradezu lachhaft geringe THC-Konzentrationen im Blut zum Führerscheinentzug führen können, muss man wie so oft darauf hoffen, dass cannabisfreundlichere Länder mit gutem Beispiel vorangehen und alternative Möglichkeiten zum Nachweis der Fahruntauglichkeit entwickeln, die dann von anderen Ländern adaptiert werden.

 

Im US-Bundesstaat Michigan arbeitet man gerade genau daran. Eine sechsköpfige Kommission, unter anderem zusammengesetzt aus Cannabispatienten, Toxikologen und Verkehrsicherheitexperten, wurde von Ex-Gouverneur Snyder damit beauftragt, eine Studie zum Effekt von Cannabis auf die Fahrtauglichkeit zu erstellen. Das Team kam zu dem Ergebnis, dass von der THC-Konzentration im Blut allein nur geringe Rückschlüsse auf die individuelle Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen, zulässig sind. Nicht infrage gestellt wurde, dass Cannabiskonsum sich auf die Fahrleistung auswirkt, aber sich bei der Beurteilung allein einzig auf den jeweiligen THC-Gehalt im Blut des Fahrers einzuschießen, gehe an der Realität vorbei. Zum einen zeigten erfahrene Konsumenten trotz hohem THC-Blutwert weniger Beeinträchtigung als Gelegenheits-Kiffer bei niedrigeren Blutwerten. Zum anderen können bestimmte Konsumformen dazu führen, dass der THC-Gehalt im Blut erst rapide ansteigt, um dann in kurzer Zeit wieder stark abzufallen. Gängige Testmethoden seien zu unflexibel, zu wenig akkurat für eine solche Fluktuation. Von der bekannten Tatsache, dass der THC-Gehalt auch lange Zeit nach dem letzten Konsum noch erhöht sein kann, einmal abgesehen.

 

„Interessanterweise fahren in den meisten Simulator- und Fahrzeugstudien Cannabiskonsumenten typischerweise langsamer, halten größeren Abstand zum Vordermann ein und gehen weniger Risiken ein als nüchtern“, schrieb die Kommission. „Das scheint darauf hinzudeuten, dass die Fahrer versuchen, die subjektiven Auswirkungen des Cannabiskonsums zu kompensieren. Im Gegensatz dazu stehen angetrunkene Fahrer, die typischerweise schneller fahren und mehr Risiken eingehen als nüchtern.“

 

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