Ex-Gesundheitsminister Rösler wechselt zu Schweizer Cannabisfirma

Von  Sep 25, 2020

Wenn ein Bundesminister nach seinem Rücktritt ein gut dotiertes Pöstchen in der freien Wirtschaft erhascht, gilt das vielen kritischen Zeitgenossen als Zeichen von Kungelei und Lobbyismus. Wenn die Parallelen zwischen aktiver politischer Laufbahn und dem danach angebotenen Posten zu augenfällig sind, bekommt das Ganze schnell einen faden Beigeschmack.

 

Wenn nun bekannt wird, dass der ehemalige Gesundheits- und Wirtschaftsminister Philipp Rösler in den Verwaltungsrat des Schweizer Cannabisunternehmens Pure Holding wechselt, dann klappt dem erfahrenen Legalisierungsaktivist und Cannabisfreund wohl als erstes die Kinnlade runter. Ein ehemaliger Bundesminister im deutschsprachigen Cannabusiness, wer hätte das noch vor ein paar Jahren für möglich gehalten?

 

Als zweites schaut man dann ganz automatisch mal nach, was der gute Herr Dr. Rösler in seiner Ministerzeit denn so zum Thema Cannabis verzapft hat. Und, siehe da, in Sachen Medizinalcannabis hat er, schon vor seiner Ministerzeit, als er noch im niedersächsischen Landtag saß, durchaus stark gemacht. Besonders um die Palliativ- und Schmerztherapie ging es damals, aber zum Beispiel auch um die Behandlung von MS. Zu einer Zeit, als das Thema Cannabis, ob medizinisch oder nicht, noch so gar nicht im Trend lag.

 

Mag sein, dass die hier beschriebenen Vorgänge schon ein knappes Jahrzehnt her sind und Rösler in der Zwischenzeit bereits zahlreiche andere „Jobs“ angetreten hat: ein Zusammenhang zwischen seiner damaligen politischen Arbeit und seinem neuen Feld dürfte nichtsdestotrotz bestehen. Also zurück zur eingangs angeschnittenen moralischen Frage: welcher übellaunige Cannabisfreund würde jetzt bitteschön hergehen und Rösler verurteilen?

 

Ist es also nun vielmehr an der Zeit ein Loblied auf den FDP-Mann anzustimmen? Wohl kaum, denn Rösler hatte natürlich nie den „kleinen Kiffer“ im Kopf als vielmehr die Anliegen der Pharmaindustrie, ging es doch immer um verabeitete oder synthetische THC-Arzneimittel. Legale Blüten und Eigenanbau lagen, von den spärlich gesäten Ausnahmegenehmigungen einmal abgesehen, damals noch in weiter Ferne. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass Rösler auch der gesamten Medizinalcannabis-Bewegung, ob unbeabsichtigt oder nicht, einen Dienst erwiesen hat. Zumal auch die synthetischen Präparate wie Dronabinol ihre Wirkung nicht verfehlten, wurde das Thema seinerzeit medial immer mehr aufgeriffen und fand verstärkt Eingang in die kollektive Debatte.

 

Warum beispielsweise das Highway-Magazin Philipp Rösler trotzdem niemals einstellen würde (mal abgesehen davon, dass wir ihm nicht genug zahlen könnten), liegt, und da sind wir dann doch mal wieder beim Thema Moral, besonders an einem Skandälchen, das Röslers Ansehen als Minister nachhaltig geschadet hat: 2012 wurde auf sein Drängen hin der jährlichen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung geschönt, um die damals schon grassierende Ungleichheit der Vermögensentwicklung in Deutschland zu verharmlosen. So wurde beispielsweise eine kritische Passage zur sozialen Schere in der Art umgedeutet, dass sinkende Reallöhne eigentlich gar nichts Problematisches seien, sonderm vielmehr „Ausdruck struktureller Verbesserungen“. Wäre das nicht eine Diskriminierung von Cannabiskonsumenten, müsste man jetzt fragen: welches Kraut hat der denn..., aber lassen wir das. 

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