Nordbayern: Schmerzpatient muss wegen 23 Cannabispflanzen ins Gefängnis Adobe Stock

Nordbayern: Schmerzpatient muss wegen 23 Cannabispflanzen ins Gefängnis

Von  Sep 01, 2017

Einfach nur noch gruselig: Ein bayrisches Amtsgericht in Neumarkt steckt einen 34-jährigen Schmerzpatienten in den Knast. Der Mann war 2014 während eines Urlaubs überfallen und mit einer Schrotflinte angeschossen worden – einige Schrotkugeln sind immer noch in seinem Körper und können auch nicht herausoperiert werden, was bei dem Mann immer wieder zu heftigsten Schmerzattacken führt. Was ihm gegen die Schmerzen gut hilft: ein Joint.

 

Doch in Bayern fand er keinen Arzt, der ihm Cannabis verschreibt, auch wenn seine Ärztin ihm heftigste Schmerzattacken attestiert. Und so machte der Mann, was einem gelernten Gärtner wie ihm in solch einer Situation vermutlich relativ schnell durch den Kopf geht: Gras anbauen. Daher fand die Polizei bei einer Durchsuchung bei ihm kürzlich 23 Cannabispflanzen sowie 170 Gramm Marihuana. Auch 2.300 Euro Bargeld wurden gefunden und so stand der junge Mann vergangene Woche mit einer Anklage wegen Drogenhandel vor Gericht.

 

Die Anklage wegen Drogenhandel konnte jedoch abgewendet werden: das Geld gehört seiner Verlobten, die bei ihm wohnt, und sie bekommt das Geld zurückgezahlt. Das war aber auch die einzige freudige Meldung für den Angeklagten, auch wenn sogar der Staatsanwalt laut „nordbayern.de“ einige Argumente aufzählte, die für den Angeklagten sprachen: die Verletzung, sein Geständnis, der Anbau als Schmerzmittel und nicht nur zum Spaß.

 

Doch da der Angeklagte bereits zum zweiten Mal beim Cannabisanbau erwischt wurde und die Tat somit in seine offene Bewährungszeit fiel, bestand die Staatsanwaltschaft auf einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung. Die Verteidigung forderte aufgrund der Umstände die eine Ausnahme unter Tausend ein – doch der Richter, der dem Angeklagten seine Umstände und die Schmerzen nach eigenen Aussagen durchaus abnahm, verurteilte diesen zu einem halben Jahr Gefängnis ohne Bewährung.

 

Unsere Meinung: Es ist einfach nur traurig, dass im Jahr 2017 Staatsanwaltschaft und Richter einem (illegalen) Cannabispatienten glauben, dass dieser Cannabis anbaut, nur um seine Schmerzen zu lindern, aber ihn aufgrund der geltenden Rechtslage dennoch ins Gefängnis stecken (müssen). Wer mithelfen möchte, zumindest irgendetwas daran zu ändern, sollte bei der kommenden Bundestagswahl am 24. September bloß nicht CDU/CSU wählen, sondern irgendjemand anderem seine Stimme schenken.

Facebook