Kai und Stefan sorgen sich um den geschwächten Frank Kai und Stefan sorgen sich um den geschwächten Frank Wild Bunch

Lommbock auf dem Prüfstand – überzeugt der Film auch Cannabiskonsumenten?

Von  Mär 23, 2017

Ab heute läuft endlich der Lammbock-Nachfolger Lommbock im Kino! Wir durften den Film bereits im Januar sehen (und einen Joint mit Moritz Bleibtreu rauchen). Unsere Filmkritik und das Interview mit Moritz und Lucas findet ihr in unserem aktuellen Heft. Hier gibt es schon einmal eine Vorschau auf die einzige Lommbock-Kritik aus der Cannabis-Szene.

 

Vor 16 Jahren kam mit Lammbock ein besonderer Film in die deutschsprachigen Lichtspielhäuser, der die Herzen aller Cannabisfreunde (und darüber hinaus) im Sturm eroberte. Es war der erste und einer der ganz wenigen Versuche der deutschen Film- und Fernsehindustrie, das in den USA längst etablierte Genre der Kiffer-Komödie auch hierzulande populär zu machen. Komödien produzieren die deutschen Filmstudios seit den Neunzigerjahren ja quasi wie am Fließband. Meistens mit seichtem romantischem Anstrich, günstig produziert und in den Hauptrollen bewährte Zugpferde wie Katja Riemann, Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer, die die Menschen in Scharen ins Kino locken sollen.


Doch zurück ins Jahr 2001, denn diese Komödie war anders – keiner der üblichen Verdächtigen auf der Besetzungsliste, schnoddrig im Tonfall, kein romantischer Unterbau, immer nur einen Schritt vom Abgründigen und Unappetitlichen entfernt. Und natürlich: Joints werden im Akkord gedreht und geraucht und es wird rumgelabert – ganz so, als ob Quentin Tarantino oder Kevin Smith selbst die Drehbuchfeder geschwungen hätten. Doch der Drehbuchautor und Regisseur hieß eben nicht Tarantino oder Smith, sondern Christian Zübert. Mit Lammbock legte er nicht nur einfach sein Debüt hin, sondern schuf im gleichen Atemzug auch einen, wenn nicht den deutschen Kultfilm der 2000er-Jahre. Und nun, 16 Jahre später, Teil 2: Auf Lammbock folgt Lommbock!...


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Bleibtreu und Gregorowicz haben mit ihrer Spielfreude bereits Lammbock zum Leben erweckt. Der Spaß, den die beiden offensichtlich bei den Dreharbeiten hatten, überträgt sich schnell auf den Zuschauer. Dass die Chemie zwischen den beiden aber auch abseits der Dreharbeiten stimmt, davon konnten wir uns während unseres Interviews mit den beiden (ab Seite 34) überzeugen. Noch wichtiger aber ist natürlich die Frage, ob die Chemie nach wie vor auch auf der Leinwand stimmt. Und das tut sie! Bleibtreu und Gregorowicz blödeln, witzeln, diskutieren und kiffen immer noch so charmant und ungekünstelt, als wären seit dem Vorgänger nicht 16 Jahre, sondern nur 16 Minuten vergangen.


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Lommbock beginnt in Dubai, wo Stefan gerade drauf und dran ist, seinen Traum von der Strandbar zu verwirklichen, irgendwie zumindest. Okay, mit der Karibik hat es nicht ganz hingehauen und rein formal ist auch nicht er der Chef, sondern der wohlhabende Schwiegervater seiner Verlobten. Aber man kann halt nicht alles haben. Zumindest bietet das Etablissement karibisches Flair und kostenlose Marihuana-Imitat-Joints. Für seine kurz bevorstehende Hochzeit benötigt Stefan einige Dokumente vom Standesamt seiner Heimatstadt Würzburg und so bietet sich auch die Möglichkeit, Freunde und Familie wiederzusehen. Standesgemäß wird Stefan von Kai am Flughafen mit einer großen „Pizza Gourmet“ empfangen und das Dream-Team des deutschen Kifferfilms ist endlich wieder vereint. Kai lebt inzwischen mit seiner Freundin und ihrem pubertierendem Sohn zusammen und hat die Pizzeria Lammbock zum völlig legalen, aber nur mau laufenden Asia-Imbiss Lommbock umgebaut.


Stefans Wochenendtrip in Würzburg weitet sich gezwungenermaßen zum ausgewachsenen Heimaturlaub aus, als Stefan und Kai mit einer dicken Tüte von der Polizei erwischt werden. Aus Angst vor einem drohenden Drogentest im wenig Kiffer-freundlichen Dubai verlängert Stefan seinen Aufenthalt und startet unter Kais professioneller Anleitung den Versuch, sämtliche THC-Rückstände aus seinem Körper zu spülen...

 
Mehr von der Handlung soll an dieser Stelle nicht verraten werden, obgleich die wahre Stärke von Lommbock, wie auch die des Vorgängers, nicht der Plot, sondern die vielen aberwitzigen Wortgeplänkel zwischen den unterschiedlichen Freunden Kai und Stefan darstellen. Dabei wurde an der bewährten Grundkonstellation aus Lammbock nichts geändert: Kai ist immer noch der großmäulige, aber gutherzige Kindskopf und Lebenskünstler, der eine obskure (Verschwörungs-)Theorie nach der anderen raushaut, Stefan dagegen der nachdenkliche Typ, der versucht, sein Leben endlich in geordnete Bahnen zu lenken, aber von Kai immer wieder in die absurdesten Situationen gebracht wird.


Bleibtreu und Gregorowicz sind dabei einmal mehr große Klasse in ihren Rollen. Sie meistern den Spagat zwischen körperlichem Slapstick, absurden Nonsens-Dialogen und nicht zuletzt tragischen Momenten scheinbar mühelos. Und so wird Lommbock, ganz wie der Vorgänger, im Kern zu einem Film über die Freundschaft zwischen zwei grundverschiedenen Charakteren, die nicht mit, aber erst recht nicht ohne einander können und dabei eine ganze Menge Joints rauchen. Dass der spätpubertäre Vibe, den der Film an der ein- oder anderen Stelle ausstrahlt, selten forciert wirkt und niemals ins Peinliche abgleitet, verdankt Lommbock in der Hauptsache dem sympathischen Spiel seiner beiden Stars. Zübert weiß derartige Klippen aber auch dadurch geschickt zu umschiffen, indem er Stefan und vor allem Kai immer wieder mit dessen pubertierendem Stiefsohn (Jungstar Louis Hofmann) konfrontiert – Szenen, wie die, in denen der verzweifelte Kai versucht, sich durch exzessiven Gebrauch von vermeintlicher Jugendsprache beim Sohnemann Gehör zu verschaffen, unterstreichen einerseits das mittlerweile doch fortgeschrittene Alter der Protagonisten auf witzige Weise und sorgen andererseits für einen willkommenen Bruch und die nötige Erdung des Geschehens.

 

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Sowieso hat es sich Christian Zübert nicht nehmen lassen, unzählige Referenzen und Querverweise auf den Vorgängerfilm Lammbock einzubauen. Von Selbstzitaten bis hin zu verschiedenen Cameoauftritten, ist alles vorhanden, was das Fan-Herz höher schlagen lässt. Wer den Film aufmerksam schaut, erhält eine Antwort darauf, was aus dem Zivil-Polizisten aus dem ersten Teil oder Stefans Schwester wurde. Lommbock ist – und das ist wohl auch der einzig vernünftige Weg, einen Kultfilm fortzusetzen – ein Geschenk an die Fans und es empfiehlt sich dementsprechend auf jeden Fall vor dem Kinobesuch des Sequels das Original kennenzulernen beziehungsweise es sich erneut anzuschauen, falls das letzte Mal schon ein Weilchen zurückliegt.

 

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*die ausgelassenen Passagen sowie den Rest unserer Lommbock-Kritik, aber auch unser Interview mit Moritz Bleibtreu, mit dem wir in einem Hamburger Hotel einen Joint geraucht haben, findet ihr in der aktuellen Ausgabe von Highway – Das Cannabismagazin.

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