Highway

In Illertissen im Raum Augsburg hat sich mal wieder Merkwürdiges zugetragen. Am Dienstagabend meldete sich eine Frau telefonisch auf der Polizeistation und teilte dem abnehmenden Beamten mit, dass sie gerade einen Joint geraucht habe. Wo die Polizei in Berlin oder NRW wohl höchstens belustigt mit dem Kopf schütteln würde, wurde in Süddeutschland stattdessen der richterliche Beschluss bemüht, um die Wohnung durchsuchen zu dürfen.

 

Dort fand die Polizei die „merklich berauschte“ (O-Ton Polizei) 50-jährige Anruferin vor und außerdem eine geringe Menge Marihuana und eine nicht unbeträchtliche Menge einer nicht genauer spezifizierten Kräutermischung, bei der bisher unklar ist, ob sie überhaupt unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Genauso fraglich ist nach wie vor, warum die Frau bei der Polizei angerufen hat, beziehungsweise was sie eigentlich mit ihrem Anruf bezwecken wollte.

 

Seit März 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland legal. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist Deutschland für die Zulassung von Medikamenten und damit auch für Medizinalcannabis zuständig. Der Präsident der Behörde, Karl Broich, selbst Arzt und Psychiater, ließ nun in einem Interview mit dem Handelsblatt durchblicken, dass er die Ausgabe von Cannabisblüten nur für eine Übergangslösung halte und vielmehr Fertigarzneimittel, die (synthetische) Cannabinoide enthalten, als Weg der Zukunft sehe.

 

„Unser Ziel ist es, dass wir mehr cannabisbasierte Fertigarzneimittel bekommen“, so Broich. Dass er Cannabis als Medizin sowieso für überschätzt halte, verschleiert der Professor gar nicht erst: „Jedes regulär zugelassene Arzneimittel, das solche Nebenwirkungen zeigt, würden wir sofort vom Markt nehmen.“ Starker Tobak und unseres Erachtens nach die reinste Lüge! Gerade für jemanden wie Broich, der erst 2017 in das äußerst dubiose Zulassungsverfahren des Antidepressivums Zoloft verwickelt war. Die Linkspartei wirft Broich vor, als Gutachter zu einer Verschleierung möglicher Nebenwirkungen beigetragen zu haben, um einer möglichst schnellen Zulassung des Medikaments nicht im Wege zu stehen. Konkret ging es darum, inwiefern die Gabe des Medikaments Zoloft mit einer erhöhten Suizidrate unter den Patienten einhergehe und ob die zuständigen Gutachter (u. a. Broich) entsprechende Hinweise darauf in ihrer Bewertung gezielt übersehen hätten.

 

Broich selbst macht aus seiner eigentlichen Aufgabe aber eh keinen Hehl, betonte er doch auf einer Veranstaltung des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller (VFA): „Wir sehen uns als Partner der pharmazeutischen Industrie.“ Sinngemäß fügte er hinzu: was für die Pharmaindustrie gut ist, kommt auch dem Patienten zugute. Und da es der Pharmaindustrie leider nicht zugutekommt, wenn beispielsweise Epileptiker ihr eigenes Cannabis anbauen dürften, kann das für die Patienten natürlich auch nicht gut sein…

 

Da fragt man sich, wer ist hier eigentlich krank?

 

Da ist der Ausflug nach Holland aber gründlich schiefgegangen! Ein 17-Jähriger wurde nachts am Osterwochenende an einem Bahnsteig in Hamm von der Polizei mit 115 Gramm Cannabis erwischt, die er, ganz klassisch, in einer Sporttasche bei sich trug.

 

Der junge Mann war der Polizei aufgefallen, da er sich in der Nähe seiner Tasche sichtbar unwohl fühlte und sie, während er in einigen Metern Entfernung eine (Entspannungs-)Zigarette rauchte, an einer schlecht einsehbaren Stelle hinter einer Säule abgestellt hatte. Einigen Lesern dürfte dieses an den Nerven zerrende Gefühl nur allzu gut bekannt sein. Da man den starken Marihuana-Geruch trotz Vorkehrungen oft nur schwer in den Griff bekommt, liegt es eben nahe, so zu tun als gehöre einem die Tasche nicht. Wobei das natürlich auch immer ein Drahtseilakt ist, denn andererseits darf dem kostbaren Inhalt der Tasche auch nichts passieren, sodass man doch stets mindestens ein Auge darauf haben muss. Aus diesem Zwiespalt ergibt sich dann oft ein ziemlich merkwürdiges Verhalten, das geschulten Beamten auffällt. Auf die Tasche angesprochen, gab der Junge dann auch konsequenterweise an, dass er nicht wisse, wem die Tasche gehöre, nur um nach weiteren Nachfragen der Polizisten schließlich doch alles zuzugeben. In Anbetracht permanenter Videoüberwachung hätte es die Beamten wohl sowieso nur Minuten gekostet, das Gegenteil zu beweisen.

 

Den jungen Mann erwartet jetzt eine Anzeige wegen der Einfuhr einer nicht geringen Menge an Betäubungsmitteln.

 

 

Was war das für ein großes Hallo, als Anfang 2018 die Nachricht die Runde machte, dass die Drogeriemarktriesen dm und Rossman CBD-Produkte in ihr Sortiment aufnehmen. Was einige Jahre zuvor noch undenkbar schien, war Realität geworden. Cannabisextrakte, wie man sie höchstens von Cannabismessen und aus dem gut sortierten Head-Shop kannte, hatten sich ihren Weg in die Mitte der Gesellschaft gebahnt, mehr noch, in die Wellness- und Gesundheits-Tempel der deutschen Innenstädte.

 

Zwar gab es keine Blüten zu kaufen, doch insbesondere die CBD-Öle erfreuten sich bei den Kunden großer Beliebtheit. Doch damit ist jetzt erst einmal Schluss! In einer Entscheidung, die nur als Reaktion auf die Münchener CBD-Razzien vergangener Woche gewertet werden kann, schmeißen die beiden Branchenriesen einen Großteil ihrer CBD-Produkte wieder aus dem Sortiment. Übrig blieben, zumindest bei dm, CBD-Kaugummis aus der Schweiz und cannabidiolhaltige Weichkapseln. Bei Rossman konnten sich sogar nur die Kaugummis halten.

 

Kontrollen hatte es zwar nicht gegeben, aber anders als die vielen CBD-Start-ups, die in den letzten Monaten wie Pilze aus dem Boden geschossen waren, wollen die Drogerien es wohl nicht darauf ankommen lassen und gehen mit der CBD-Öl-Verbannung auf Nummer sicher.

 

Wer sich in Sachen CBD-Gesetzgebung nochmal genauer informieren möchte, findet hier und hier Material zur momentanen Gesetzeslage.

 

Der US-Amerikanische Eiskrem-Hersteller Ben & Jerry’s erfreut sich auch hierzulande seit einigen Jahren sehr großer Beliebtheit. Trotz des nicht gerade günstigen Preises konnte sich die Marke in den Herzen der Speiseeis-Fans einen festen Platz erobern. Mit einer besonderen Aktion zum diesjährigen 420-Day dürfte das Unternehmen auch unter Cannabisfreunden einige neue Fans hinzugewonnen haben.

 

Auf der US-Website wurde eine Unterschriftenaktion gestartet, die eine Amnestie für alle Gefängnisinsassen fordert, die wegen des bloßen Besitzes von Cannabis zu Haftstrafen verurteilt wurden. Unter dem Motto „Legalisierung ohne Gerechtigkeit ist halbgar“, (im Original „Legalization without justice is half baked“, in Anspielung auf eine beliebte Sorte im Sortiment) soll außerdem auf einen gravierenden Missstand im amerikanischen Justizsystem aufmerksam gemacht werden: trotz ähnlicher Konsumraten ist es für schwarze Menschen deutlich wahrscheinlicher aufgrund von Cannabisdelikten Probleme mit der Polizei zu bekommen als für weiße. In New York City beispielsweise ist die Wahrscheinlichkeit einer Verhaftung etwa um das Achtfache höher. Bisher wurden knapp 33.000 Unterschriften gesammelt, das entsprechende Formular kann hier, allerdings nur von US-Bürgern, unterzeichnet werden. 

 

Ben & Jerry’s ist schon länger für sein soziales Engagement bekannt. Aktionen wie das „Cimate Change College" oder das „Caring-Dairy“-Programm, das sich für nachhaltige Milchwirtschaft einsetzt, sind nur zwei Beispiele für entsprechende Aktionen, die auch nach der Übernahme durch den Unilever-Konzern im Jahr 2000 nach wie vor zum Markenkern gehören.

 

 

Wenn sich die Mainstream-Medien dem Thema Cannabis nähern, schrillen bei Cannabisfreunden die Alarmglocken. Erst recht dann, wenn es um das Privatfernsehen geht. Denn nur allzu gern wird die Cannabiskultur wahlweise ins Lächerliche gezogen oder verteufelt.

 

Es ist also Vorsicht angebracht, wenn ProSieben mit seinem „Wissens"-Format „Galileo" ankündigt, dem „größten Headshop Münchens" (O-Ton des Besitzers Manfred Gotzler) einen Besuch abzustatten. Ganz so schlimm wie erwartet war die Berichterstattung dann zum Glück aber doch nicht. Okay, es wird vielleicht mal ein Dab-Rig mit einer Bong verwechselt und natürlich können die Autoren des Beitrags es sich nicht verkneifen, Betreiber Manfred zu fragen, ob er „heute schon einen durchgezogen" habe und ja, auch das Stichwort Psychose muss natürlich auch an einer Stelle fallen, aber gut, was ist man nicht alles gewohnt als Cannabisenthusiast.

 

Ansonsten ist der etwa zehnminütige Bericht (gerade für Cannabisneulinge) nicht uninteressant, vor allem, wenn das leidige Thema Polizeiverfolgung und Staatsanwaltschaft angesprochen wird. Auch interessant, dass der Beitrag zum „Kiffer-Eldorado" (O-Ton Galileo) nur ein paar Tage nach den CBD-Razzien im Raum München, die die Szene ordentlich durchgeschüttelt haben, ausgestrahlt wurde. Übrigens wird auch die CBD-Frage kurz angeschnitten, als Chef Gotzler ein Fläschchen CBD-Öl als sein „umstrittenstes Produkt" präsentiert. Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich die das Video hier in voller Länge ansehen.

 

Nach zwei langen Monaten Wartezeit ist ab heute endlich die neue Ausgabe von Highway – Das Cannabismagazin an allen (Bahnhofs-)Kiosken, Grow- und Headshops erhältlich. Für schlappe 2,60 Euro (2,99 Euro in Österreich, 4,20 Franken in der Schweiz oder 2,60 Euro als E-Paper, beispielsweise bei United Kiosk oder für Kindle bei Amazon) erhaltet ihr die volle Ladung Infos zu Cannabis, Legalisierung, Anbau indoor und outdoor und vieles mehr.

 

Titelstory Mehr ernten Fast alle Pflanzenliebhaber haben eines gemeinsam: sie sind auf der Suche nach Möglichkeiten, ihre Ernten in die Höhe zu treiben. Und das gilt besonders für Cannabis-Grower. In diesem Doppel-Feature lassen wir zwei Profis zu Wort kommen, die hilfreiche Tipps für größere und qualitativere Ernten liefern.

 

 

Reisebericht BarcelonaGroße Stadt in Europa mit vielen Shops, die alle Weed verticken, mit neun Buchstaben. Amsterdam? Ja, auch – aber seit einiger Zeit nun auch Barcelona. Doch wie läuft das da überhaupt mit dem Kiffen? Dr. Dope hat sich auf den Weg in die Hauptstadt Kataloniens gemacht und kann viel Positives berichten.

 

 

Reisebericht Amsterdam – Barcelona ist jedoch nicht um die Ecke. Daher haben wir zum Vergleich unseren Autoren Mr. Haze Amaze nach Amsterdam geschickt, wo er die Coffeeshop-Kette Boerejongens unter die Lupe genommen hat, die gleich mehrere Shops in der niederländischen Hauptstadt betreiben.

 

 

Grow-Report White Widow AutomaticDer Coffeeshop-Klassiker ist seit vielen Jahren ein Garant fürs Dichtwerden. Klar, dass neben unzähligen anderen Varianten auch eine selbstblühende Version angeboten wird (und das wiederum von vielen unterschiedlichen Samenbanken). Wir haben einen White-Widow-Automatic-Samen keimen lassen...

 

 

Gesellschaft High Society II – Auch die Stars und Sternchen aus Hollywood und dem Musik-Business greifen gerne mal auf und neben der Bühne zum Joint... wer könnte es ihnen verdenken? Wir jedenfalls nicht – Dr. Dope hat sich für Highway mit dem Thema der Promi-Potheads auseinandergesetzt... zweiter und letzter Teil.

 

 

Brettspiel-Test Dealer’s Cup Klar, wer hat noch nicht vom eigenen Coffeeshop geträumt? Aber auch der Traum vom eigenen Brettspiel ist weiter verbreitet, als man denkt. Mit Dealer’s Cup liegt nun ein solches in Eigenregie erstelltes Brettspiel vor, das sich ganz um das Anbauen, Kaufen und Verkaufen sowie Stehlen von (fiktivem) Cannabis dreht...

 

 

Gesellschaft Meinung eines besorgten Vaters – Unser Heimwerkerkönig Chuck Lore ist nicht nur in der Pflanzenaufzucht bewandert, sondern auch in der Kinderaufzucht. In seiner Funktion als Vater hat er einen offenen Brief an die Drogenbeauftragte der Bundesrepublik Deutschland verfasst, in dem er die Legalisierung von Cannabis fordert.

 

 

Weitere Artikel Kino-Tipp: Beach Bum + News: Einsatz von Drogensuchbienen? + Freiburger Ärzte verschreiben versehentlich abnormale THC-Dosis. + USA: Legalisierung 2021? + Goodies: Medican-Growschrank + Sortenportrait: AK-47 + uvm.

 

Du möchtest mehr Informationen über Cannabis und den Anbau von Cannabis? Wir können dir helfen: An jedem gut sortierten (Bahnhofs-)Kiosk sowie Head- und Growshop kannst du die brandneue Ausgabe von Highway – Das Cannabismagazin für lächerliche 2,60 Euro erwerben:

 

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Da dürften die Beamten nicht schlecht gestaunt haben! In Altena nahe Hagen machten Zeugen die Polizei am späten Dienstagabend auf starken Cannabisgeruch in der Nähe eines Mehrfamilienhauses aufmerksam. Die Polizei verschaffte sich daraufhin Zutritt zu dem Haus im Stadtteil Mühlenrahmede und entdeckte schnell die Quelle des intensiven Geruchs: eine enorme Cannabis-Anlage, die sich über mehrere Stockwerke erstreckte.

 

 

Mehrere hundert Pflanzen in verschiedenen Wachstumsstadien fanden die Beamten, die zusammen mit dem entdeckten Grow-Equipment beschlagnahmt wurden. Eines fanden die Ordnungshüter allerdings nicht: und zwar den Betreiber der Anlage, deshalb wurde vorerst Anzeige gegen unbekannt erstattet. An diesem Fall zeigt sich mal wieder, wie wichtig es ist, für eine gute Ventilation im Grow-Raum zu sorgen, insbesondere natürlich bei einer Anlage diesen Ausmaßes. Immer wieder fliegen Grower auf, weil Passanten oder neugierige Nachbarn Cannabisgeruch wahrnehmen und (warum auch immer) melden.