Highway

Wir schreiben das Jahr 2018. In Deutschland ist Gras immer noch nicht wieder relegalisiert – dafür darf sich hierzulande seit ewigen Zeiten jeder aufrechte Deutsche zu Tode saufen, sobald er das Alter von 16 Jahren erreicht hat. Kaum eine substanzgebundene Sucht ist schlimmer als die nach Alkohol. Dies musste auch ein inzwischen 41-jähriger Mann aus Immenstadt im Allgäu erkennen, der seit 20 Jahren abhängig von Alkohol ist. Als Folgeerscheinung seiner Trinkerei wurde bei ihm eine Leberzirrhose festgestellt – doch seine Krankenkasse will eine Behandlung nicht zahlen.

 

Um etwas gegen seine Schmerzen zu unternehmen und auch, um vom Trinken loszukommen, baute er daher ein bisschen Cannabis in seiner Wohnung an, wie „das allgäu online“ berichtete: drei Pflanzen im Schlafzimmer, vier auf dem Balkon. Abgeerntet und getrocknet kamen so 130 Gramm Marihuana zustande. Übrigens – von der Illegalität abgesehen – eine äußerst gute Idee des Mannes: denn erstens hilft Marihuana tatsächlich gegen Schmerzen, wie man weiß, zweitens kann Marihuana tatsächlich bei der Überwindung von Alkoholsucht hilfreich sein und drittens kann, für den Fall, dass er weiter trinkt, Cannabis immerhin vor alkoholbedingten Leberschäden schützen, wir wir kürzlich berichteten.

 

Jedoch äußerst doof für ihn, dass er beim Anbau erwischt wurde: er wurde vom Gericht zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung verteilt, zudem muss er 1.500 Euro an eine Sozialeinrichtung zahlen. Ein tolles Urteil des Gerichts... das wird dem Immstädter bestimmt dabei helfen, sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken...

In der aktuellen Ausgabe von Highway haben wir mit André Schulz, dem Bundesvorsitzenden des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, ein Interview geführt, in dem er bekräftigte, dass sich seine Gewerkschaft für die Entkriminalisierung von Cannabis einsetzt. Wenige Wochen später zitierten ihn sogar „Bild“ und „Tagesschau“ mit dieser Aussage. Nun gibt es auch Schützenhilfe von den deutschen Ärzten: Einer aktuellen Umfrage des „Ärztenachrichtendienstes“ unter 858 Haus- und Fachärzten zufolge sprechen sich 53 Prozent der deutschen Ärzte für eine komplette Legalisierung von Cannabis für kranke wie auch gesunde Menschen aus, wenn eine sinnvolle Regulierung und Abgabe eingeführt wird. 36 Prozent der Mediziner votierten für eine Beschränkung des Konsums im Zuge medizinischer Anwendungen. Für ein vollständiges Cannabis-Verbot stimmten einzig 12 Prozent der befragten Ärzte. Dies wurde zumeist mit dem üblichen Quatsch begründet (Beeinträchtigung des Gehirns, Psychosen und dergleichen).

Glücklich der, der ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter hat und immer auf ihre Unterstützung zählen kann. So auch, zumindest bis vor Kurzem, ein 36-jähriger Mann aus der Steiermark. Dieser hatte hohe Kreditschulden und wollte diese vorzeitig tilgen. Die 57-jährige Mama hätte vermutlich auch gerne mit Geld ausgeholfen, wenn möglich, bot aber stattdessen andere Dienste an: sie stellte ihren Garten und ein Zimmer ihrer Wohnung in Leibnitz zur Verfügung, um dort Marihuana anzubauen.

 

So soll das Mutter-Sohn-Duo laut „heute.at“ innerhalb von drei Jahren 11,3 Kilogramm Weed produziert und teilweise verkauft haben. Dazu bedienten sie sich zweier Sub-Dealer, die das Gras klein-klein im Grazer Stadtpark verkauften. Alle vier Personen wurden nach monatelangen Ermittlungen der Polizei festgenommen, nach Geständnissen aber vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Zudem wurden etwa 20 Abnehmer der Ware ermittelt.

So eine Hausdurchsuchung ist nichts Schönes – erst recht, wenn man in der heimischen Garage 70 Kilogramm Cannabisprodukte lagert. Wie die Kantonspolizei Bern erst jetzt bekanntgab, hatte sie bereits im September 2017 bei einer Hausdurchsuchung in Madiswil rund 70 Kilo Haschisch und Marihuana aufgefunden.

 

Wie etwa die „Aargauer Zeitung“ berichtete, gerieten zwei Männer durch ein anderes Ermittlungsverfahren in den Verdacht, sich als Cannabis-Dealer zu betätigen. Mehrmonatige Ermittlungen bestätigten dies und führten zu der Durchsuchung und der Beschlagnahmung der Ware. Die beiden Männer im Alter von 46 sowie 48 Jahren wurden in Untersuchungshaft genommen und sind geständig beziehungsweise teilweise geständig, in der Region Bern kiloweise Cannabis verkauft zu haben. Inzwischen wurden die beiden wieder aus der U-Haft entlassen und warten auf ihre Verhandlung.

Girl Scout Cookies – so heißt eine der berühmtesten Cannabis-Sorten der Welt, die vor allem in den Vereinigten Staaten besonders beliebt ist. Die USA, das ist auch der Ort, wo die „echten“ Girl Scout Cookies herkommen. Das sind nämlich ins Deutsche übersetzt eigentlich nichts anderes als Pfadfinderinnen-Kekse. Und in Übersee ist es seit 1917 Tradition, dass die Pfadfinderinnen zu bestimmten Terminen massenweise durchs Land ziehen und ihre Kekse verkaufen, um ihren Verband zu unterstützen und Preise für die fleißigsten Verkäuferinnen einzuheimsen.

 

Und solch einen Preis wollte eine kleine Pfadfinderin aus der Nähe von San Diego wohl dringend gewinnen. Normalerweise ziehen die Girl Scouts von Haus zu Haus, um ihre Ware an den Mann und die Frau zu bringen. Doch offenbar überlegte sich das Mädchen genau, wie man die Umsätze steigern kann – ihre Idee: dort hingehen, wo die Kiffer sind und diesen die Kekse anbieten. Denn Kiffer sind hungrig, Kiffer sind freundlich und Kiffer lieben Girl Scout Cookies und Wortspiele.

 

So ließ sich die Pfadfinderin laut „San Diego Union-Tribune“ von ihrem Vater vor die Dispensary „Urbn Leaf“ in San Diego fahren und bot vor der Tür ihre Ware feil. Mit extremen Erfolg: 312 Boxen mit den Pfadfinderinnen-Keksen konnte sie dort verkaufen. Doch ob sie nun einen Preis für fleißiges Verkaufen bekommen wird oder nicht, hängt von der derzeitigen Untersuchung des Pfadfinderinnen-Verbandes ab – denn sollte sie sich auf dem Gelände der Dispensary aufgehalten haben, und nicht auf der davorliegenden Straße, hätte sie gegen die Verkaufsregeln verstoßen.

Das ist doch mal ein Statement!



Der BDK (Bund Deutscher Kriminalbeamter) spricht sich in aller Deutlichkeit für eine vollständige Entkriminalisierung von Cannabiskonsum aus. Der Chef der 15.000-Mitglieder-starken Polizeigewerkschaft, André Schulz, bekräftige im Gespräch mit der Bild, dass die „Die Prohibition von Cannabis (...) historisch betrachtet willkürlich erfolgt und bis heute weder intelligent noch zielführend“ sei. Er kritisierte außerdem, dass „70 Prozent der Drogenfälle der Kripo (…) sich mit den Konsumenten, nicht mit Dealern“ befassten.

 

Eine wichtige Ausnahme bleibt für den BDK allerdings das Führen eines Fahrzeugs: Dies soll sowohl unter Alkohol- als auch unter Einfluss von Cannabis weiter verboten bleiben. Schulz ging gegenüber der Bild-Zeitung nichtsdestotrotz sogar soweit, sich zu folgender Aussage hinreißen zu lassen: „Cannabis, so meine Prognose, wird in Deutschland nicht mehr allzu lange verboten sein.“ In Anbetracht der Tatsache, dass nun sowohl die Mehrheit aller deutschen Krininalbeamten als auch der sogenannte „Schildower Kreis“, ein einflussreiches Netzwerk von Strafrechtsprofessorinnen und -professoren, ausdrücklich für eine Entkrimilasierung werben, könnte er damit sogar verdammt richtig liegen…

 

Leser der Highway-Printausgabe wird dies nicht sehr überraschen, hatte sich Schulz doch bereits im November in einem Interview im Rahmen der Cannabis Normal!-Konferenz des DHV (Highway 01/2018) ähnlich geäußert. Die erneute Bekräftigung gegenüber einem Medium wie der reaktionären Bild hat aber sicher noch einmal eine ganz andere Qualität.

Mal wieder was zum Lachen – erfreulicherweise müssen dieses Mal nicht schon wieder Grower oder Konsumenten, die sich selbst ans Messer geliefert haben, als Quell des Amüsements herhalten. Stattdessen haben zwei Polizisten aus Toronto in Kanada einen der Fehler ihres Lebens gemacht:

 

Wie die „High Times“ berichtet, haben zwei Polizisten während einer Razzia bei einer medizinischen Dispensary unerlaubterweise einige Edibles entwendet, beziehungsweise direkt verschnabuliert, während sie noch im Dienst waren!

 

Doch das Karma schlug direkt zu(rück): da die beiden sich anscheinend nicht besonders gut mit Edibles auskannten, verschlangen sie noch weitere Cannabis-Köstlichkeiten, als sie keine Wirkung verspürten. Ein klassischer Anfängerfehler. Es kam, wie es kommen musste: Paranoia, Angstzustände... und ein Anruf beim Notruf. Der herbeieilende Krankenwagen brachte dann direkt die Kollegen der beiden Weed-Polizisten mit.

 

Mike McCormack, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft von Toronto, bestätigte, dass gegen die beiden wegen Drogenkonsum während der Arbeit ermittelt werde und diese derweil vom Dienst suspendiert sind.

 

Aber auch, wenn die Polizisten noch bis zur im Sommer in Kanada stattfindenden Legalisierung von Cannabis gewartet hätten, ist dennoch nicht davon auszugehen, dass die Beamten dann während des Diensts Marihuana hätten konsumieren dürfen.

Immer wieder berichten wir von den unmöglichsten Arten, sich selbst mit der Polizei in Zusammenhang zu bringen und Ärger für kleinere oder auch größere Mengen Weed zu bekommen. Interessanterweise werden oft Cannabis-Vorräte oder -Grows bei Personen entdeckt, die sinnlos Dinge aus dem Fenster werfen. Aber auch mangelnde Belüftungsanlagen oder andere Varianten von „Gehirn aus“ sorgen immer wieder für fast schon nicht mehr unfreiwillig zu nennende Weed-Funde.

 

Aber warum so viel Mühe machen und nicht einfach direkt selbst zur Polizei gehen? So geschehen vorgestern in Rostock: ein 43-Jähriger ging zur Polizeiwache und zeigte dort seinen Weed-Dealer an, weil dieser ihm bloß ein Tütchen mit Grünschnitt statt des vereinbarten Marihuanas überreichte. Dafür hatte der 43-Jährige immerhin mit seiner Smartwatch bezahlt.

 

Da die deutsche Polizei sehr gründlich ist, wurde die Anzeige natürlich aufgenommen und gegen den Dealer, von dem allerdings bislang nur der Vorname bekannt ist, wird nun wegen Betrugs ermittelt. Aber auch der Betrogene bekommt nun selbstverständlich seine eigene Ermittlung wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzes.