Highway

Ein ungewöhnlicher Cannabis-Fall wird gerade vor dem Bezirksgericht Aarau verhandelt. Ungewöhnlich deshalb, weil auf der Anklagebank ein ehemaliger Polizist sitzt. Dem 29-Jährigen wird vorgeworfen insgesamt 87 Gramm Marihuana aus dem Betäubungsmitteltresor der Kantonspolizei, einer Art Asservatenkammer, entwendet zu haben.

 

Aufgefallen war der Schwund bei einer routinemäßigen Kontrolle, bei der das beschlagnahmte Blütenmaterial gewogen wurde. Der Angeklagte geriet in den Fokus der Staatsanwaltschaft, da er, so ergab die Auswertung eines Protokolls, zu merkwürdigen Zeiten, in denen kaum jemand im Revier anwesend gewesen sei, Zugang zum Tresor gesucht habe. Und das insgesamt zwölf Mal. Der zuständigen Richterin reicht dies allerdings für einen Schuldspruch nicht aus, da keine echten Beweise für die Anschuldigungen gefunden werden konnten. Es scheint auch fraglich, wieso man für Cannabis im Wert von wenigen Hundert Euro seinen Job riskieren sollte. Die Frage, wer denn das Marihuana nun entwendet hat, bleibt weiter ungeklärt.

 

Die Highway-Redaktion rät der betroffenen Polizeidienststelle jedenfalls, sich bei den Kollegen in Argentinien schlau zu machen, wie man am besten mit einem solch brisanten Fall umgeht. Nahe Buenos Aires waren im Frühjahr 2018 stolze 540 Kilogramm Cannabis aus einer Asservatenkammer verschwunden. Sprecher der Polizei vermuteten damals doch tatsächlich gefräßige Ratten als Übeltäter

Der Chef des kanadischen Cannabisproduzenten Tilray, Brendan Kennedy, hat es mit dem Börsengang seiner Firma zum Milliardär gebracht. Kennedy gilt mittlerweile nicht nur als reichster Mann im legalen Marihuanabusiness, er wird auch für seine Marktprognosen geschätzt.

 

Als einer der ganz wenigen sah er beispielsweise die medizinische Legalisierung in Südkorea, einem Staat mit traditionell restriktiver Drogen- und Cannabispolitik, voraus. Seine aktuelle Prognose betrifft die landesweite Cannabisfreigabe in den USA. Kennedy ist überzeugt davon, dass die bald kommt und er nennt auch eine konkrete Jahreszahl: 2021 soll die inzwischen fast ein Jahrhundert alte Prohibitionspolitik in den Vereinigten Staaten endgültig ein Ende finden. Weiterhin geht er davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt etwa 70 Nationen rund um den Globus Cannabis als Medizin erlaubt haben werden.

Die US-Bundesstaaten, in denen Cannabis bereits legalisiert wurde, fungieren für den Rest der Welt (und der USA) so ein wenig als groß angelegtes Sozialexperiment mit dem Thema: Was geschieht innerhalb einer Gesellschaft, wenn die Cannabisprohibition aufgehoben wird und Gras auf einmal legal und omnipräsent ist?

 

Kürzlich berichteten wir anhand solcher Erhebungen über die heimlichen Verlierer der Legalisierung, aber es gibt natürlich auch heimliche Gewinner (also jetzt mal abgesehen von der Cannabisindustrie, den Cannabiskonsumenten, den Kranken, der Strafverfolgung und der Gesellschaft als Ganzes). Professoren der Universität von Connecticut und der Georgia State University haben nun anhand der Auswertung von Scannerdaten aus den Jahren 2006 bis 2016 herausgefunden, wer da insgeheim noch so vom Cannabisboom profitiert. Eine wirkliche Überraschung ist es nicht: insbesondere Kartoffelchips (5,3 %), Kekse (4,1 %) und Eiscreme (3,1 %) erlebten statistisch und ökonomisch gesehen signifikante Absatzsteigerungen dort, wo Kiffen legal ist.

 

Also, liebe Süßigkeiten- und Junkfood-Produzenten, schickt doch mal ein paar Cannabislobbyisten in den Bundestag oder, noch besser, spendet dem Deutschen Hanfverband (DHV) ein paar Milliönchen, das wird sich über kurz oder lang auszahlen!

Dass Patienten in Deutschland seit März 2017 endlich die Möglichkeit haben, ihre Leiden legal mit medizinischem Marihuana zu lindern, ist natürlich per se eine gute Sache und war lange überfällig. Und natürlich kann es in der Anfangszeit einer medizinischen Legalisierung auch zu Problemen kommen – selbst im cannabisfreundlichen Kanada läuft nach der vollständigen Legalisierung noch bei weitem nicht alles rund. Einen schwarzen Markt weiß zu waschen ist eben eine ziemlich komplexe Aufgabe – sowohl juristisch, gesellschaftspolitisch als auch logistisch.

 

Leider gab es in Deutschland auch im Jahr 2018 noch immer gehörige Probleme mit der Cannabismedizin. Nachdem sich endlich immer mehr Ärzte dazu bereit erklärt hatten, Cannabis zu verschreiben, zeigte sich, dass es einfach viel zu wenig davon gibt bzw. viel zu wenig importiert wird. Vom Anbau in Deutschland ganz zu schweigen. Für die Kranken bedeutet das vor allem zusätzlichen Stress und Aufwand. Ein Patient aus Bayreuth, der seit vielen Jahren an Fibromyalgie und Borreliose leidet und Cannabis gegen seine chronischen Schmerzen verschrieben bekommt, musste erst kürzlich eine 200-Kilometer lange Fahrt auf sich nehmen, um seine verordnete 10-Gramm-Portion Medizinalblüten zu ergattern. Daraufhin fing der Mann an, selbst anzubauen, um sich unabhängig von Apotheken mit Marihuana versorgen zu können. 13 THC-arme Pflanzen (Gehalt: 1 %) zog er hoch – und wurde dabei erwischt.

 

Was diesen Fall nun so interessant macht ist, dass die zuständige Staatsanwaltschaft Bayreuth davon absieht, eine Strafverfolgung einzuleiten. Eigenmedikation ist hier das Stichwort, dass auch für andere Patienten durchaus bedeutsam werden könnte. Nach Wissen des Deutschen Hanfverbandes (DHV) ist dies der erste Fall, „in dem der Lieferengpass als Begründung für die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens“ genannt wird.

Was in Deutschland seit Jahren immer wieder debattiert wird, könnte in der Schweiz nun endlich Realität werden. Cannabis-Modellprojekte wurden in beiden Ländern bisher zwar immer wieder mit hartnäckiger Regelmäßigkeit auf die politische Agenda gesetzt (die letzte derartige Forderung kam erst vor ein paar Tagen aus Düsseldorf), letztlich scheiterten die Bemühungen in beiden Parlamenten aber immer wieder an den schnöden Realitäten des Betäubungsmittelgesetzes.

 

Zumindest die Eidgenossen sind nun aber scheinbar gewillt, diese Hürde ein für allemal durch eine Gesetzesänderung aus dem Weg zu räumen. Der für die Änderungen zuständige Bundesrat stellt zu diesem Zweck einige Rahmenbedingungen für die Cannabis-Experimente auf:

- Erlaubt ist demnach nur eine örtlich begrenzte Freigabe auf Zeit mit limitierter Teilnehmerzahl
-
Die jeweilige Gemeinde muss ihre Zustimmung geben
-
Die Versuche müssen hohen wissenschaftliche Standards genügen, Minderjährige sind ausgeschlossen.



Es ist wahrscheinlich, dass eine Abgabe von Cannabisblüten über das Apothekennetz und unter der wissenschaftlichen Begleitung von Universitäten stattfinden wird. Wie auch immer es letztlich im Einzelnen ausgestaltet werden wird, am Ende steht hoffentlich die vollständige Legalisierung.

Schöne neue Welt? US-Forschern der University of California, Berkeley ist es gelungen, die Cannabinoide THC und CBD künstlich herzustellen. Geschafft haben die Wissenschaftler das, indem sie Hefepilze – für Laien ausgedrückt – zu einer Cannabinoid-Fabrik gemacht haben.

 

Durch Bioengineering gelang es, den in der Hefe enthaltenen Zucker in bestimmte Chemikalien umzuwandeln, die wiederum mit zugesetzten Enzymen reagieren, wobei im Ergebnis Cannabinoide wie THC, CBD, THCV und CBDV entstehen. Um Missverständnissen vorzubeugen: das Ganze hat absolut nichts mit so genanntem synthetischen Marihuana wie etwa Spice zu tun, das die Wirkung der Cannabinoide bloß unter Verwendung vollkommen anderer Inhaltsstoffe zu imitieren versucht. Und wer jetzt an Dronabinol denkt – die Herstellung des Medikaments kommt nicht ohne Pflanzenzucht (Hanf- oder Citruspflanzen) aus.

 

In der Vergangenheit hatten bereits andere Forscherteams mit der Möglichkeit experimentiert, THC aus Hefe zu synthetisieren. Die praktische Umsetzbarkeit steht und fällt allerdings mit der Skalierbarkeit des verwendeten Verfahrens. Gerade hier sieht das Team aus Berkely die Stärke der eigenen Methode. Bioengineering-Professor Jay Keasling stellt vor allem die ökomonischen und ökologischen Vorteile seiner Cannabinoide aus dem Reagenzglas in den Vordergrund: die aufwendige und oft kostenintensive Pflanzenzucht und das darauffolgende Extraktionsverfahren, um natürliches THC- oder CBD-Extrakt zu erhalten, wäre komplett hinfällig. Unreine Extrakte oder mit berauschendem THC kontaminiertes CBD-Extrakt würden damit ebenso der Vergangenheit angehören. Außerdem stellen die Wissenschaftler in Aussicht, mithilfe des von ihnen entwickelten Verfahrens, auch Cannabinoide herstellen zu können, die man der Pflanze auf natürlichem Wege kaum entlocken könne. Sogar von vollkommen neuen, unnatürlichen Cannabinoiden, die in der Cannabispflanze überhaupt nicht vorkommen, ist die Rede.

 

Den durchschnittlichen Joint-Raucher von nebenan dürfte das Ganze eher weniger tangieren, den Forschern aber schweben bereits neuartige Therapien für den medizinischen Einsatz vor. Während Pharma-Konzerne also längst die Ohren gespitzt und den Geldbeutel gezückt haben dürften, wird die auf Natur(-medizin) bestehende globale Hanfcommunity an der Entdeckung wohl kaum ein gutes Haar lassen…

Nach dem Amtsantritt von Präsident Erdoğan im Jahr 2014 besann sich die Türkei, die international eine wichtige Rolle als Schnittstelle zwischen Europa und dem Nahen Osten darstellt, zuletzt immer stärker auf konservative Werte und probte die Abgrenzung vom Westen.

 

Zumindest im Bereich Cannabis weicht diese Haltung gerade einer euphorischen Goldgräberstimmung. Denn um der kriselnden türkischen Wirtschaft neues Leben einzuhauchen, plant Erdoğan, der jahrzehntelangen Stigmatisierung ein Ende zu setzen. Regierungstreue Medien stimmen bereits auf das Loblied des „grünen Schatzes“ ein, der so wunderbar vielseitig einsetzbar und in der türkischen Kultur schließlich auch fest verankert sei. In der Tat besaß die Türkei einst eine florierende Hanfindustrie, auch der Konsum von berauschenden Cannabisprodukten war in den Kaffeehäusern und in bestimmten muslimischen Orden an der Tagesordnung. Das Agrarministerium stellt nun Unterstützungen für zukünftige Hanfbauern in Aussicht, um den landwirtschaftlichen Umschwung zu befeuern.

 

Die emotionale Seite der Debatte bespielt der Präsident natürlich selbst, mit Hanf-Anekdoten aus seiner Kindheit und der Verteufelung der USA, die die internationale Cannabisprohibition zu ihrem eigenen Vorteil international durchgesetzt hätten. Doch bekanntlich stellen die Vereinigten Staaten die Welt momentan mal wieder auf den Kopf und so überrascht es nicht, dass die erneute türkische Hanfbegeisterung Gerüchten zufolge wohl auch mit einem Fingerzeig der US-Beratungsfirma McKinsey zu tun hat...

Nach zwei langen Monaten Wartezeit ist ab heute endlich die neue Ausgabe von Highway – Das Cannabismagazin an allen (Bahnhofs-)Kiosken, Grow- und Headshops erhältlich. Für schlappe 2,60 Euro (2,99 Euro in Österreich, 4,20 Franken in der Schweiz oder 2,60 Euro als E-Paper, beispielsweise bei United Kiosk oder für Kindle bei Amazon) erhaltet ihr die volle Ladung Infos zu Cannabis, Legalisierung, Anbau indoor und outdoor und vieles mehr.

 

Eine Auswahl der Artikel der aktuellen Ausgabe:

 

Titelstory Cannabis-Extrakte Druck, Zeit und Temperatur: schon hat man die drei benötigten Voraussetzungen zum Pressen lösemittelfreier Konzentrate, besser bekannt unter dem Namen Rosin, beisammen. Unsere Titelstory verrät alles über Druck, Hitzepressen und empfehlenswertes Zubehör für die Produktion von Rosin.

 

 

Interview Open Mind / Simon Ruane – Über 200 Videos zu und über die verschiedensten Drogen, Tripberichte inklusive, wurden von Simon Ruane bereits bei YouTube veröffentlicht, über 400.000 Abonnenten folgen dem jungen Mann. Wir trafen uns mit ihm und haben mal ein ernstes Wörtchen mit ihm über seinen Drogenkonsum geredet...

 

 

Patientenbericht Morbus CrohnCannabis ist kein Allheilmittel, das garantiert jede Krankheit kuriert, wie manch Scharlatan behauptet, aber in manchen Fällen ist es auch tatsächlich die letzte Rettung. Wir schildern den Fall eines Cannabispatienten, erkrankt an Morbus Crohn, einer chronisch-entzündlichen Darmentzündung.

 

 

Musik Weed-Rapper Herzog: OG mit Herz Herzog, Deutschlands erster Rapper mit eigenem THC-haltigem Strain, veröffentlicht nächsten Monat sein viertes Album „OG mit Herz“. Wer zur Spannabis reist, kann ihn dort persönlich antreffen, für alle anderen haben wir stellvertretend mit ihm geplaudert...

 

 

Growing Gefahr im Garten Teil 8 – Im letzten Teil der Reihe Gefahr im Garten von Grow-Guru Mr. José stehen weitere Gefahren im Garten im Vordergrund, die nicht durch Tiere verursacht werden. Im Fokus stehen dieses Mal Algen und verschiedene Pilzerkrankungen, die gehörigen Schaden anrichten können.

 

 

Grow-Report Royal DwarfAch man würde ja so gerne. Nur ein bisschen Gras auf dem Balkon ziehen. An manchen Orten ist das ja sogar erlaubt. Warum nicht ein Bonsai-Bäumchen mit nur ein paar Gramm dran, ganz zweifelsfrei Eigenbedarf? Taugen solche Sorten? Autorin Alice Wunder hat zum Test Royal Dwarf auf dem Balkon blühen lassen.

 

 

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