Highway

Na ist schon wieder Weihnachten – oder Wahlkampf? Cem Özdemir (Grüne) fordert heute öffentlichkeitswirksam in einem offenen Brief an die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) die kontrollierte Freigabe von Cannabis an Volljährige. Die Politik von Marlene Mortler sei fehlgeschlagen, gar „krachend gescheitert“.

 

Ja, das Zeugnis für Frau Mortler fällt nicht gut aus – so Özdemir weiter: „Es fehlen jegliche Impulse für eine grundlegende Reform der Drogenpolitik in Deutschland. Ja, es fehlt sogar der Wille, ehrlich der Frage nachzugehen, ob die heutige Drogenpolitik überhaupt ihre Ziele erreicht.“

 

Der komplette offene Brief Özdemirs an Frau Mortler kann übrigens auf der Website von „Zeit Online“ eingesehen werden: interactive.zeit.de/2017/pdfs/brief_cem_oezdemir_frau_mortler.pdf

 

Mit Auslöser für den Brief ist sicherlich die heute im Bundestag stattfindende Abstimmung über den Gesetzesentwurf der Grünen zu einem Cannabiskontrollgesetz, das eine regulierte Abgabe an Erwachsene vorsieht und so laut Özdemir den Schwarzmarkt zerstören und den Jugendschutz dadurch verbessern würde.

 

Vielleicht waren wir einfach zu lange auf dem Schwarzmarkt, aber wir sehen für die Abstimmung jedenfalls CSU-schwarz: dass heute Cannabis legalisiert wird, ist so unwahrscheinlich wie eine sachliche, ehrlich am Wohl der Bürger interessierte Frau Mortler.

Das altehrwürdige amerikanische Cannabismagazin, ja gar das Cannabismagazin-Urgestein schlechthin, die „High Times“, wurde nun an ein Investorenteam verkauft, wie High-Times-Autor Ed Murrieta gestern dem „San Francisco Chronicle“ mitteilte. Die „High Times“ besteht inzwischen nicht mehr nur aus der seit über 40 Jahren monatlich herausgegebenen Printzeitschrift, sondern ist zu einem großen Medienkonzern herangewachsen, der auch die allseits beliebten Cannabis Cups veranstaltet.

 

Käufer des Unternehmens ist eine Investoren-Gruppe, die aus einigen Größen des legalen Cannabusiness besteht, unter ihnen etwa Besitzer der Dispensary-Kette Denver Relief, Mass-Roots-Gründer Isaac Dietrich oder auch Bob Marleys Sohn Damian Marley, der vergangenes Jahr für Aufsehen sorgte, als er bekanntmachte, ein ehemaliges Gefängnis in eine legale Cannabisfarm umbauen zu wollen.

 

„High Times ist die Coca-Cola des Cannabis“, äußerte sich Adam Levin, Geschäftsführer der beim Deal federführenden Investmentfirma Oreva Capital: „Wir als breit aufgestelltes Medienunternehmen sehen die Gelegenheit, High Times vom Flaggschiff der Gegenbewegung in einen modernen Medienkonzern zu überführen.“

 

„High Times“ hat durchschnittlich 236.000 Abonnenten und die diversen Online-Kanäle generieren jeden Monat über 20 Millionen Besucher. So verwundert der Preis von 70 Millionen US-Dollar, den die Investoren zahlen mussten, nur wenig. Haupt-Einnahmequelle sind jedoch die Cannabis Cups, die 80 Prozent des gesamten Umsatzes ausmachen sollen.

 

Mit-Investor Damian Marley sagte dem „San Francisco Chronicle“, dass seine eigene Cannabis-Karriere mit der „High Times“ begann: „Als ich in der High School war, habe ich ein bisschen Gras angebaut. Durch das Lesen der High Times lernte ich, die weiblichen und männlichen Pflanzen zu unterscheiden. Es ist eine Ehre, nun Teil davon zu sein, wovon ich so viele Jahre Fan war.“

 

Der Medien-Analyst Samir Husni wird derart zitiert: „High Times ist der Polarstern, dem alle anderen Magazine gefolgt sind. Als High Times zum ersten Mal publiziert wurde, war es das einzige Magazin seiner Art. Es hat FBI-Durchsuchungen seiner Anzeigenkunden überlebt. Es war der Wegbereiter.“

 

Wegbereiter des Wegbereiters war der Drogenschmuggler Tom Forçade, der das Magazin 1974 ins Leben rief und sich 1978 umbrachte, als „High Times“ schon ein voller Erfolg war (1977 warf es bereits über 10 Millionen Dollar ab) und mehr Exemplare verkaufte als das sehr beliebte Musikmagazin „Rolling Stone“.

 

„High Times“ wird nun als High Times Holding Co. mit Firmensitz in Los Angeles operieren. Das Magazin und seine Redaktion bleiben zunächst weitestgehend unverändert. Der Verkauf des Unternehmens geschieht anderthalb Jahre nach dem Tod von Michael Kennedy, langjährigem Vorstand, Anwalt und Motor von „High Times“.

 

Die bisherigen Unternehmenseigner halten weiterhin noch Anteile, so etwa Kennedys Witwe Eleanora Kennedy, die gegenüber der „New York Times“ sagte: „Wir haben 40 Jahre defensiv gespielt. Nun ist es Zeit für die Offensive.“ Diese Pläne unter dem High-Times-Banner umfassen wohl unter anderem auch Kleidung, Möbel, Konsumenten-Lounges sowie ein Hotel und Casino in Las Vegas, wo inzwischen auch Cannabis legalisiert wurde.

 

Bei all den Geschäften hoffen wir, dass das Herzstück der High Times Holding Co. – die „High Times“ selbst – weiterhin mit viel Liebe verfasst und gestaltet wird. Denn auch für Highway – Das Cannabismagazin ist die „High Times“ das leuchtende Vorbild. Außerdem erscheint bereits im Juli die 500. Ausgabe, die gebührend gefeiert sein will!

 

Leider gab es noch nie einen deutschen Vertreter der „High Times in Deutschland“. Wir hoffen, diese Lücke aber mit unserem eigenen Magazin Highway – Das Cannabismagazin würdig füllen zu können. Erhältlich für lächerliche 2,60 Euro an jedem gutsortierten (Bahnhofs-)Kiosk, Grow- und Headshop.

 Highway am Kiosk finden // Highway 03/2017 als E-Paper kaufen // Mehr über Highway 03/2017 erfahren

Cannabis ist Medizin! Immer wieder käuen wir diesen Fakt wieder und dennoch ist es noch ein langer Weg bis diese Information überall angekommen ist. Deutschland hat nun immerhin ein – wenn auch hoch umstrittenes und bei Weitem nicht perfektes – Cannabis-Medizin-Gesetz. Doch Nachbar Österreich steht zumindest in dieser Beziehung schlechter da: es hat gar kein Gesetz, das Cannabis als Medizin ansieht. Vorreiter wie der Cannabis Social Club Salzburg um Willi Wallner werden dabei sogar noch angegangen und vor Gericht gestellt, obwohl sie einzig dafür kämpfen, schwer kranken Menschen einen Zugang zu Cannabismedizin zu verschaffen.

 

Und es kommt noch schlimmer: Mit einer geplanten Gesetzes-Novelle stellt sich Österreich gegen den weltweiten Trend der Gesetzeslockerungen und auch der Akzeptanz von Cannabis als Medizin. Die Novelle sieht vor, das Suchtmittelgesetz dahingehend abzuändern, dass nicht nur der psychoaktive Cannabis-Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol (THC) mit Strafen zu versehen ist, sondern in Zukunft auch das Cannabinoid Cannabidiol (CBD), das in keinster Weise psychoaktiv wirkt und daher in Österreich wie auch in fast allen anderen Ländern bisher nicht illegal ist. Zwar wirkt CBD nicht berauschend, dafür hilft es bei einigen Erkrankungen äußerst gut als Medikament.

 

Das österreichische Hanf-Institut tritt in einer Stellungnahme daher insbesondere der Behauptung entgegen, dass zu CBD keine ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen. Toni Straka vom Hanf-Institut sagt: „In Österreich will der Staat in wenigen Tagen eine neuerliche Gesetzes-Novelle abhandeln, in der Hanf wider alle Fakten zur Chemikalie hochstilisiert wird. Alle, die Cannabis kennen, wissen, dass es eine von über 28.000 Heilpflanzen auf dieser Welt – wie Kamille, Salbei oder Baldrian – ist. So soll Cannabis daher nach unserer Ansicht auch behandelt werden: als Pflanze.“

 

Um diese Forderung zu stützen, sammelten Cannabisaktivisten über 10.000 Unterschriften auf den Straßen Österreichs, die vergangenen Freitag von einem Komitee schwer kranker Cannabispatienten im Alter zwischen 4 und 78 Jahren an den Direktor des österreichischen Parlaments, Dr. Harald Dossi, übergeben wurde. Dies war auch zugleich der Startschuss der vom Hanf-Institut und der Arge Canna durchgeführten „parlamentarischen Medical-Cannabis-Bürgerinitiative“, die nun auch online unterzeichnet werden kann. Die Bürgerinitiative, deren zentrale Forderung die Legalisierung des Eigenanbaus von Cannabis für und durch kranke Menschen ist, kann bis mindestens Dezember auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/BI/BI_00116/index.shtml) unterzeichnet werden.

 

Auf Basis hochgerechneter Zahlen aus den USA geht die Initiative von etwa 200.000 Österreichern aus, für die Cannabis als Medikament in Betracht kommen würde. Straka zur Bürgerinitiative: „Diesmal wollen wir daher rechtzeitig ein Zeichen setzen, dass die angestrebte Novelle des Suchtmittelgesetzes diametral zu den Wünschen der Betroffenen steht, die kein teures Monosubstanz-Extrakt aus der Apotheke, sondern die ganze, gesunde Blüte direkt aus dem eigenen Garten – oder auch Grow-Zelt – zur Behandlung ihrer unterschiedlichsten Leiden wollen.“ Der Obmann der Arge Canna, Gerfried Düregger, äußerte sich zum Start der Initiative zuversichtlich: „Fast 10.000 Unterschriften schon in der Offline-Phase aus ganz Österreich sind ein deutlicher Hinweis, wie positiv die Menschen zu Cannabis als Medizin stehen. Die Betroffenen könnten sich durch unser Eigenanbau-Modell kurzfristig selbst Hilfe verschaffen.

 

Somit bleibt uns nur, uns dem Aufruf anzuschließen und alle Leser aus Österreich aufzufordern, ihre Online-Unterschrift abzugeben, damit sich die Lage verbessert anstatt zu verschlechtern.

Seit dem 10. März können deutsche Ärzte Cannabis auf Rezept verschreiben, ohne dass die Patienten den Umweg über die nur äußerst schwer zu bekommenden Ausnahmegenehmigungen gehen müssen. Zumindest theoretisch. In der Praxis tun sich für die Patienten immer noch riesige Schwierigkeiten auf, wenn sie Cannabis auf Rezept benötigen.

 

Nicht nur, dass sich viele Ärzte und Krankenkassen immer noch querstellen, wenn es um das Verschreiben von Cannabis beziehungsweise dessen Kostenübernahme geht – auch ist das Apotheken-Marihuana nun teilweise bis zu doppelt so teuer wie vor der Gesetzesänderung. Besonders ärgerlich für (zwischenzeitliche) Selbstzahler, die nun teilweise um die 120 Euro für fünf Gramm Marihuana bezahlen müssen.

 

Unter dem Strich kann man also nicht ernsthaft behaupten, dass sich die Lage der Cannabispatienten sowie derjenigen, die Cannabispatienten werden möchten, gebessert hätte. Um an diesem Umstand etwas zu ändern, hat das Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin nun einen Protest-Mailer ins Leben gerufen. Mit nur einem Klick könnt ihr das vorgefertigte Protest-Schreiben an verschiedene Mail-Adressen der Bundesregierung sowie der Krankenkassen senden. Alternativ kann der Text natürlich auch selbstständig abgeändert werden.

 

Hauptforderungen der Protest-Mail sind unter anderem diese: die Herausnahme von Cannabisblüten aus dem ärztlichen Praxisbudget und die Anerkennung von Cannabis und Cannabisprodukten als Praxisbesonderheit; eine umfassende Aufklärung und Fortbildung der Ärzteschaft über Cannabis als Medizin und sachdienliche Informationen zum neuen Gesetz durch Kassenärztliche Vereinigungen; die Abgabe von Cannabisblüten in verschlossenen Behältnissen ohne neuerliche Nachprüfung zu angemessenen Preisen sowie eine automatische Kostenübernahme von Cannabisblüten für alle bisherigen Erlaubnis-Inhaber nach §3 BtMG.

 

Den Protest-Mailer findet ihr hier: selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de/protest-mailer

Kiffen in Frankreich – wer schon einmal dort war, mag eventuell gar nicht glauben, dass Frankreich eines der härtesten Cannabisgesetze Europas hat. Frankreich ist eines der sechs verbleibenden EU-Länder, die das Kiffen an sich, den Konsum von Cannabis, unter Strafe stellen. Und wie! Die gesetzliche Höchststrafe fürs Kiffen liegt bei einem Bußgeld von 3.750 Euro sowie einer Haft von einem Jahr – nur für das Rauchen eines Joints!

 

Dass Franzosen für simples Kiffen in den Knast gesteckt werden können, soll nun geändert werden. Bis Jahresende soll die Haftstrafe als gesetzliche Möglichkeit zur Sanktionierung von Cannabiskonsum abgeschafft werden. Dies war eines der Wahlversprechen des neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Christophe Castaner, der Regierungssprecher Frankreichs, äußerte sich allerdings dahingehend, dass niemand eine Entkriminalisierung des Kiffens zu erwarten habe.

 

Immerhin ist die Abschaffung von Haftstrafen für Cannabiskonsum jedoch ein erster Schritt in die richtige Richtung. So sieht dies auch einer der Sprecher der französischen Polizeigewerkschaft, den „euronews.com“ wie folgt zitiert: „Es ist eine gute Idee, die sich an der Realität orientiert. Die meisten Polizisten, die jemanden beim Rauchen von Cannabis erwischen, sagen der Person, sie soll den Joint wegwerfen – aber verfolgen es nicht weiter.

 

Manchmal ziehen die Polizisten sogar vorher noch am Joint, um zu „überprüfen“, ob es sich auch wirklich um Cannabis handelt, wie uns schon mehrfach aus Frankreich berichtet wurde. Dies wurde vom Polizeisprecher allerdings nicht erwähnt...

 

Weitere Cannabis-News und Cannabis-Entertainment sowie viele Informationen zum Anbau und zur Verarbeitung von Cannabis, Marihuana und Haschisch findet ihr ab sofort in der brandneuen Ausgabe von Highway – Das Cannabismagazin. Erhältlich für lächerliche 2,60 Euro an jedem gutsortierten (Bahnhofs-)Kiosk, Grow- und Headshop.

 

Highway am Kiosk finden // Highway 03/2017 als E-Paper kaufen // Mehr über Highway 03/2017 erfahren

Cannabis in aller Munde – in der heutigen Zeit raucht gefühlt jeder Marihuana. Leute, die etwas dagegen haben, scheinen uralt zu sein oder aus Bayern oder den Philippinen zu stammen. Doch was sind die schönsten Gefühle gegen klare Fakten? Mit zu diesen beitragen möchte, wie auch bereits in den vergangenen Jahren, die Drogenumfrage von „Zeit Online“, deren 2016er-Ergebnisse gestern präsentiert wurden.

 

Befragt wurden knapp 36.000 Leser von „Zeit Online“ aus Deutschland, die der Redaktion verraten haben, wie oft sie was konsumieren. Voraussetzung war allerdings, dass man auch Drogen nimmt – dazu wurden jedoch auch etwa Viagra oder Energydrinks gezählt. 69 Prozent der Befragten waren männlich, dementsprechend 31 Prozent weiblich. Das Durchschnittsalter betrug 31 Jahre. Dem „Zeit“-Klientel entsprechend hat fast die Hälfte der Teilnehmer einen Uni-Abschluss, während ein knappes Viertel noch studiert.

 

Wenig überraschend: Alkohol war mal wieder der Gewinner der Veranstaltung. 94 Prozent der Befragten haben 2016 Alkohol konsumiert (jeder siebte Mann und vier Prozent der Frauen kommen dabei auf mindestens monatliche Filmrisse). Auf dem Silbertreppchen findet sich dann aber direkt Cannabis in all seinen Spielformen, das von 51 Prozent der Umfrageteilnehmer im vergangenen Jahr konsumiert wurde. Am häufigsten wurde dabei Marihuana konsumiert, vor allem in Form eines Joints – noch vor Tabak (45 Prozent) oder Energydrinks (40 Prozent).

 

Ein Drittel der Cannabiskonsumenten kiffte dabei mindestens jeden dritten Tag. 0,3 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, den Notruf aufgrund ihrer Cannabiserfahrung gerufen zu haben. Ebenfalls interessant: Angegeben wurde, dass 41 Prozent den ersten Zug am Joint frühestens fünf Stunden nach dem Aufstehen zu sich nehmen – im Umkehrschluss würde dies bedeuten, dass über die Hälfte der Cannabiskonsumenten dies vorher tut. Diese Aussage findet sich jedoch in dieser Form nicht in der Ergebnispräsentation der „Zeit“. Die Hälfte der Befragten raucht den letzten Joint des Tages ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen.

Lügen über Cannabis gibt es viele – und auch wenn sich einige der langjährigen Cannabis-Hetzen inzwischen nicht mehr in den Köpfen der Menschen halten können, bleiben manche der nicht belegten oder sogar widerlegten Vorwürfe – wie etwa die Einstiegsdrogentheorie – in Teilen der Gesellschaft immer noch bestehen und werden weiter verbreitet.

 

Oder es werden einfach gleich neue Vorwürfe und Lügen über Cannabis kreiert. Die englische „Daily Mail“ veröffentlichte gestern in ihrer Print- wie Online-Ausgabe ein besonders ekelhaftes Stück Cannabis-Hetze, das nur wenige Tage nach dem feigen Terroranschlag in Manchester islamistischen Terrorismus mit Cannabis in Verbindung bringt.

 

„Dr. Max Pemberton“, der so aussieht, als hätten ihn die coolen Jungs auf dem Pausenhof damals nicht am Joint ziehen lassen, rächt sich in dem von ihm verfassten Artikel nun also auf schäbige Weise: „Potheads – Ist Marihuana ein Faktor bei Dschihad-Morden?“, fragt er in der Titelzeile und gibt im Text dann auch sogleich die Antwort: „Der Beweis für die gefährlichen Effekte von Cannabis könnte nicht klarer sein.“

 

Im Artikel zählt er einige der zuletzt bekannt gewordenen Terroristen auf und behauptet, dass diese allesamt chronische Cannabiskonsumenten seien, früher mal Cannabis geraucht haben oder irgendwo bei ihnen Cannabis entdeckt wurde: „Es ist sicher kein Zufall, dass wir immer wieder in der Nacharbeitung von Terroranschlägen, wenn wir mehr über die Täter und ihre Motivation erfahren, entdecken, dass Cannabis ein Teil ihres alltäglichen Lebens war.“

 

Dann geht es in bester Reefer-Madness-Manier weiter – Sätze wie der folgende stehen dem Anti-Cannabis-Propagandafilm von 1936 in nichts nach: „Nur allzu regelmäßig hören die Gerichte von Individuen, die nach dem Rauchen der Droge psychotisch geworden sind und im Griff von Paranoia und Wahn kaltblütige Morde begangen haben.“

 

Dann behauptet der Autor, Cannabis lasse das Gehirn schrumpfen und ähnlichen Unfug, um abschließend entgegen seinen vorherigen Worten zu behaupten: „Natürlich sage ich nicht, dass Cannabis-Gebrauch jemanden in einen Selbstmordattentäter verwandeln kann.“ Nein, nur mit einer riesigen Schlagzeile andeuten wollte der gute Doktor das. Vermutlich, damit zwischen all den Kim-Kardashian- und Side-Boob-News auch mal etwas anderes in der „Daily Mail“ zu finden ist.

Cannabis ist weltweit auf dem Vormarsch. Das macht auch nicht vor Exekutive und Judikative halt – auch nicht in Deutschland. Und so fanden sich nun zwei Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Kiel plötzlich hinter Gittern wieder: Wie „shz.de“ meldete, ließ die Staatsanwaltschaft Itzehoe zwei ihrer Kieler Kollegen nun verhaften, da ihnen vorgeworfen wird, versucht zu haben, aus der Asservatenkammer an ihrem Arbeitsplatz Cannabis im Kilobereich zu entnehmen. Gegen beide beschuldigten Mitarbeiter wurde Haftbefehl aufgrund von Verdunklungsgefahr erlassen.

 

Da die beiden nun in einem deutschen Gefängnis sitzen, dürften sie eigentlich jetzt genug Cannabisquellen zur Verfügung stehen haben – vorausgesetzt die anderen Inhaftierten haben nichts gegen Beschäftigte der Staatsanwaltschaft...