Highway

Marihuana sorgt ja doch immer wieder für teils merkwürdige Meldungen: gestern erreichte die deutschsprachigen Medien eine Geschichte aus Tschechien, die sich dort an Weihnachten zugetragen hat. Die Großmutter einer Familie, die Marihuana zu medizinischen Zwecken konsumiert, richtete das Weihnachtsmal an – Entenbraten.

 

Doch leider sorgt Marihuana in der Regel nicht dafür, dass auch die Augen besser werden. Und so verwechselte die gute Dame Majoran und Marihuana und setzte ihren Lieben eine ziemlich psychoaktive Ente vor. Besonders blöd dabei, dass auch zwei Kinder im Alter von drei und sechs Jahren mit am Tisch saßen.

 

Nach dem Essen klagten alle Anwesenden (außer der Oma) über Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Kopfschmerzen und „Halluzinationen“ – nicht nur ein Krankenwagen musste anrücken, auch ein Expertenteam kam, um sich auf die Suche nach einem Gasleck zu machen, das die Symptome eventuell hätte auslösen können. Schlussendlich stand aber doch recht schnell fest, dass die Ente für den Schreck sorgte. Die tschechische Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen die Großmutter ein.

Zum Jahresanfang hat gerade erst der größte Bundesstaat der USA, Kalifornien, die komplette Legalisierung von Cannabis für alle Volljährigen umgesetzt (wir berichteten) – ein eigentlich tolles Signal für die gesamte Legalisierungsbewegung weltweit, wäre doch Kalifornien nach den USA im Ganzen, China, Japan und Deutschland die fünftstärkste Wirtschaftsmacht der Erde, wenn es ein eigenes Land wäre.

 

Doch im Laufe des gestrigen Tages gab es wirklich schlechte Nachrichten aus den Vereinigten Staaten zu vermelden. Wie wir kurz nach der Amtseinführung von Donald Trump als Präsident der USA im Februar 2017 berichteten, kündigte dieser beziehungsweise sein damaliger Sprecher Sean Spicer an, gegen den Verkauf von Freizeit-Cannabis im Land vorzugehen. Seitdem gab es allerdings keine Schritte gegen die blühende Cannabis-Legalisierung und weitere Bundesstaaten haben in der Zwischenzeit Legalisierungen beschlossen oder umgesetzt.

 

Doch nun machte Jeff Sessions, amtierender Justizminister der USA und bekannt für noch moderate Aussagen wie „gute Menschen rauchen kein Marihuana“, am gestrigen Tag eine Direktive der Obama-Regierung (das „Cole Memo“) aus dem Jahr 2013 rückgängig, die alle Angestellten des Justizministeriums, also die Staatsanwälte im ganzen Land, anhielt, nicht gegen Cannabis-Unternehmen vorzugehen. Denn wie bekannt ist, ist Cannabis in den USA auf Bundesebene nicht legal – sondern nur von den jeweiligen Bundesstaaten legalisiert. Dieser Widerspruch wurde bislang durch die Direktive gelöst: jeder (Bundesstaat) durfte machen, was er wollte.

 

Doch ab sofort darf theoretisch das FBI oder die DEA wieder jederzeit in jedem Cannabis-Unternehmen einfallen, Gras und Gelder beschlagnahmen und die Angestellten in den Knast stecken. Ob und in welchen Ausmaßen das passieren wird, muss die nächste Zeit zeigen. Dass negative Änderungen anstehen, möchte aber anscheinend niemand so recht glauben: der Cannabis Stock Index, der die Preise von 75 börsennotierten Cannabis-Unternehmen zusammenfasst, fiel nach der Schreckensnachricht bloß um 13,3 Prozent.

Wie wir alle wissen, ist der Freistaat Bayern nicht das beste Pflaster, wenn es um Cannabis geht. Und was für den Otto-Normal-Bayern gilt, gilt erst recht für die Kicker des FC Bayern.

 

Steuerhinterziehung und Weißbier zum Frühstück (na gut, vielleicht nicht für die Spieler) ist okay, aber kiffen geht natürlich gar nicht. Umso erstaunlicher, in welchem Aufzug der langjährige Stammspieler David Alaba in die Öffentlichkeit trat: Auf einem Hip-Hop-Konzert zeigte sich der österreichische Nationalspieler mit einem schwarzen T-Shirt, auf dessen Brust der unmissverständliche Schriftzug „Legalize it“ prangte. Ob sich der Starspieler jetzt nur den Gepflogenheiten der Hip-Hop-Szene anpassen wollte oder tatsächlich einem persönlichen Anliegen Ausdruck verleihen wollte, ist nicht ganz klar. Jedoch ist davon auszugehen, dass ein mediengeschulter Fußballprofi ganz genau einschätzen kann, wie man sich vor den Augen der Öffentlichkeit zu präsentieren hat, um aufzufallen oder eben nicht.

 

Und da sich (seriöse) deutschsprachige Promis mit Pro-Cannabis-Aktivismus generell eher zurückhalten: danke David!

Wie es bis Jahresanfang schien, ist der Vormarsch von Cannabis in den USA nicht mehr aufzuhalten (nun gab es jedoch nach wenigen Tagen im Jahr doch auch schlechte Nachrichten zu vermelden). Seit dem 1. Januar dürfen jedenfalls auch die Bürger des größten US-Bundesstaats Kaliforniens ganz legal ihrer Vorliebe für Marihuana frönen. Wie zu erwarten war, ist der Andrang riesig und Tausende neue Arbeitsplätze (sind im Begriff zu) entstehen. Unzählige Stars und Promis haben in den letzten Jahren Flagge gezeigt und kräftig mitgeholfen, das durch konservative Propaganda angekratzt Image der vielfältigen Nutz- und Heilpflanze Hanf wieder geradezurücken.

 


Dies tat auch CNN-Nachrichtensprecherin Randi Kaye aus Denver in Colorado, als sie während einer Live-Schaltung am Silvesterabend von den Feierlichkeiten berichtete: denn in ihrer Hand hielt die gut gelaunte Moderatorin einen schönen Joint, den sie auch noch demonstrativ in Richtung der Fernsehzuschauer reichte. Wie zu erwarten war, gab es für die Aktion aus rechter Ecke einigen Gegenwind. So verkündete unter anderem beispielsweise Fox-News-Moderatorin Laura Ingraham auf Twitter öffentlich ihren Unmut, was in Anbetracht des zutiefst reaktionären Senderprofils aber keinen überraschen dürfte. Letztendlich sollten sich alle Beteiligten mal wieder etwas beruhigen, schließlich hat Kaye ja noch nicht mal einen Zug genommen.

 

Und wenn doch, hätte sie bestimmt nicht inhaliert…

Das neue Jahr ist gerade einmal drei Tage jung, da erreichen uns schon die ersten traurigen Meldungen aus Bayern: Ein 50-jähriger Münchner wurde vergangenen Samstagabend von der Polizei in seinem Auto angehalten. Der Mann muss wohl das Misstrauen der Beamten auf sich gezogen haben, denn im weiteren Verlauf der Verkehrskontrolle wurde der Mann auf die Wache gebracht. So weit, so erträglich, möchte man meinen, doch was dann folgte, stimmt mehr als nachdenklich: Trotz Vorlage eines gültigen Cannabis-Rezeptes und eines Patienten-Passes ließen es sich die Beamten nicht nehmen, den Schwerstkranken, der seit Jahren mit üblen chronischen Schmerzen zu kämpfen hat, satte drei Stunden lang zu filzen. Besonders ärgerlich dabei: dem Mann, der schon einige Male in derartige Polizeikontrollen geraten war, wurde von behördlicher Seite bei einer früheren Überprüfung versichert, dass er als legaler Nutzer in das System eingetragen werde, damit so etwas nicht mehr passiert...


Der 50-Jährige will nun aufgrund der „schikanösen Behandlung“ Anzeige gegen die Polizei erstatten. Er wird dabei vom Cannabis-Verband Bayern unterstützt, der das Vorgehen verurteilt und von einer „Verschwendung von Steuermitteln“ spricht.

Und der nächste Promi steigt ins Cannabusiness ein: Ex-Schwergewichts-Weltmeister Mike Tyson möchte auch am legalen Cannabis-Boom partizipieren und sicherte sich in Kalifornien, wo seit gestern die Legalisierung von Marihuana und Haschisch in die Tat umgesetzt wurde, eine Anbaufläche in der Größe von 35 Football-Feldern. Dort soll in Zukunft Marihuana angebaut werden, wie „sport.de“ berichtete. Außerdem soll auf dem Gelände auch eine Art Cannabis-Uni mit Anbau-Kursen ins Leben gerufen werden. Berührungsängste mit dem Thema Betäubungsmittel scheint der Ex-Boxer, der nach wie vor den Rekord als jüngster Schwergewichts-Weltmeister hält, sowieso nicht zu haben: In seiner Autobiografie gesteht Iron Mike, einige Profikämpfe unter dem Einfluss von Kokain und Marihuana bestritten zu haben.

Im Folgenden präsentieren wir einen Auszug aus einem Artikel, der in Highway – Das Cannabismagazin 01/2018 erschienen ist – den kompletten Text lest ihr in unserem Printmagazin, das gerade frisch erschienen ist und ab sofort in allen gut sortierten Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen und Head- und Growshops in Deutschland, Österreich und der Schweiz für schlappe 2,60 Euro (2,99 Euro, 4,20 SFr) erworben werden kann.

 

Willkommen zu unserer neuen Serie über Schädlinge und Krankheiten, die viele Pflanzen befallen – leider natürlich auch Cannabis. In dieser und den folgenden Ausgaben unseres Magazins werden wir verschiedene Arten von Schädlingen und Krankheiten vorstellen und zeigen, wie sie sich verbreiten und wie man ihr Auftreten verhindert beziehungsweise wie man sie wieder loswerden kann. Die Serie wird von Fotografien begleitet, die dabei helfen, Probleme besser identifizieren zu können. In jedem Teil der Serie werden wir uns auf eines oder auch mehrere Probleme konzentrieren, sodass am Ende alle derartigen Schwierigkeiten besprochen sein sollten, auf die man als Grower stoßen kann. Fangen wir an.

 

Es gibt wohl kaum geeignetere Schädlinge als die Blattläuse, um mit dieser Serie zu starten. Ihr Lebenszyklus ist recht bizarr und sie sind schwer loszuwerden. Blattläuse können eine Vielzahl von Pflanzen befallen. Sie belästigen sowohl Indoor- wie Outdoorzüchter und sind auch keine Unbekannten in Gewächshausern. Deshalb sollte jeder Züchter auf sie eingestellt sein. Der Begriff Blattlaus bezeichnet eine Reihe von sehr ähnlich aussehenden Insekten derselben Art. Als Gärtner oder Grower unterscheidet man in der Regel allerdings bloß zwischen grauen, grünen, gelben, geflügelten und flügellosen Blattläusen. Diese Aufteilung ist völlig ausreichend, da das Leben aller Blattläuse sowie die Eliminierungsmethoden im Allgemeinen gleich sind.

 

Der Lebenszyklus der Blattläuse

Der Lebenszyklus der Blattläuse beginnt im Frühjahr. Geflügelte Nymphen schlüpfen aus im Herbst gelegten Eiern. Sie haben keinerlei Probleme, an einer beliebigen Pflanze einen geeigneten Zufluchtsort zu finden. Sieben bis zehn Tage nach dem Schlüpfen verlieren die Larven ihre Haut und Flügel und verwandeln sich in Weibchen, die in der Lage sind, lebendgebärend Blattläuse zur Welt zu bringen. Und das nicht zu knapp! Eine erwachsene Blattlaus soll in ihrem Leben 50 bis 250 Weibchen produzieren, die sich wiederum vermehren. So entstehen ganze Horden von Blattläusen. Das bedeutet, dass auch wenn man nur wenige Individuen entdeckt, man sich sicher sein kann, dass deren Population schnell wachsen wird. Das kann jeder bestätigen, der schon einmal mit Blattläusen zu tun hatte. Blattläuse sind unglaublich anpassungsfähig. Wenn ihre Population zu groß wird, wachsen einigen Weibchen Flügel, damit sie zu anderen Pflanzen fliegen und sich in einem neuen Territorium ausbreiten können. So können sie sich theoretisch endlos vermehren.

 

Aufmerksame Leser werden sich vermutlich schon gewundert haben, dass bislang nur von Weibchen die Rede war, beziehungsweise, dass gar keine Männchen benötigt werden, um die Population zu erhöhen. Die Zeit der Männchen fällt tatsächlich nur mit dem kommenden Winter zusammen. Zu diesem Zeitpunkt produzieren die Weibchen auch männliche Exemplare, damit diese zur Paarung bereitstehen. Nach der Paarung kann ein Weibchen irgendwo in eine Pflanze oder an einen anderen geeigneten Ort Eier legen, wo diese den Winter überleben können. Wenn die Temperaturen wieder ansteigen, beleben sich die Eier und neue geflügelte Nymphen schlüpfen – der Kreislauf des Lebens wiederholt sich und bis zum nächsten Winter werden wieder nur weibliche Exemplare produziert. Bei der Indoor-Zucht können Blattläuse diese Eierphase überspringen und sich ausschließlich lebendgebärend vermehren.

 

Blattläuse ernähren sich vom Saft aus Stengeln, Blättern und Blüten. Sie mögen junge Triebe am liebsten – deshalb häufen sich Blattläuse bevorzugt dort an. Blätter, die in einem frühen Stadium attackiert werden, werden niemals eine optimale Form erreichen. Sie sind gewöhnlich verdreht oder sonstwie deformiert. Blattläuse saugen neben anderen Dingen Zucker aus den Pflanzen. Wenn sie mehr davon konsumieren, als sie verbrauchen können, scheiden sie den Zucker als transparente, klebrige Flüssigkeit, Honigtau genannt, aus. Während das für den Menschen unangenehm ist, ist diese Ausscheidung für Ameisen ein begehrtes Nahrungsmittel. Ameisen haben sogar eine Art Deal mit den Blattläusen. Im Austausch für den Honigtau dienen sie als Leibwächter der Blattläuse. Blattläuse werden zwar vom Menschen als fiese Insekten angesehen, aber für manche Tiere sind sie eine willkommene Ergänzung der Speisekarte. Die größte Bedrohung für Blattläuse sind Marienkäfer und ihre Larven sowie Florfliegen. Wer also Ameisen auf seinen Pflanzen entdeckt, hat vermutlich auch ungebetenen Besuch von Blattläusen, da Ameisen nicht viele andere Gründe haben, auf Pflanzen zu klettern. Die Symbiose zwischen Ameisen und Blattläusen ist so groß, dass Ameisen manchmal im Winter die Eier der Blattläuse in ihren Bau mitnehmen und sie bis zum Frühjahr beherbergen.

 

Wie schaden Blattläuse den Pflanzen?

Da Blattläuse Saft aus Pflanzen saugen, verlieren diese viel ihrer Energie und können sogar absterben. Die Blätter und Blüten der Pflanzen, die von den Blattläusen angegriffen werde, verdrehen sich, vertrocknen, werden gelb und fallen ab. Ein weiteres Problem, das durch das Vorhandensein von Blattläusen verursacht wird, ist, dass sie Krankheiten und Infektionen von einer Pflanze auf eine andere übertragen. Da sie ihre Saugrüssel direkt in die Pflanzen stecken, ist die Übertragung sehr effektiv. Da sich Blattläuse in alle Richtungen ausbreiten und ihre Population regelrecht explodieren kann, muss man bedenken, dass eine große Anzahl von Blattläusen schlimmen Schaden anrichten kann und dass man daher sofort nach der Identifizierung der ersten paar Individuen handeln muss.

 

[...]

 

Das war leider nur Anfang unseres Artikels. Weiter geht es mit den Themen:

Wie erkennt man Blattläuse?

Der beste Schutz

Blattläuse beseitigen

 

Dies alles (und viel mehr) könnt ihr in unserem Printmagazin Highway – Das Cannabismagazin 01/2018 durchlesen, das gerade frisch erschienen ist und ab sofort in allen gut sortierten Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen und Head- und Growshops in Deutschland, Österreich und der Schweiz für schlappe 2,60 Euro (2,99 Euro, 4,20 SFr) erworben werden kann:

 

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An irgendeinen verrauchten Abend auf dem Sofa hat vermutlich jeder schon einmal den Entschluss gesfasst: irgendwann, irgendwie mache ich einen Coffeeshop auf! Doch wie ist es, wenn man tatsächlich Chef eines niederländischen Coffeeshops ist? Wir haben einen Shop-Besitzer aufgetrieben, der uns Rede und Antwort stand und aus seinem Leben berichtet.

 

Im Folgenden präsentieren wir einen Auszug aus der Titelstory von Highway – Das Cannabismagazin 01/2018 – die komplette Story lest ihr in unserem Printmagazin, das gerade frisch erschienen ist und ab sofort in allen gut sortierten Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen und Head- und Growshops in Deutschland, Österreich und der Schweiz für schlappe 2,60 Euro (2,99 Euro, 4,20 SFr) erworben werden kann.

 

Aus dem Alltag eines Coffeshop-Chefs: Zwischen guten Geschäften und der Sorge vor dem Aus (Teaser aus dem neuen Heft)

Welcher leidenschaftliche Cannabiskonsument hat nicht schon einmal (oder mehrfach) davon geträumt, einen Coffeeshop aufzumachen und so das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden? Legal ist dies in den Niederlanden möglich und so führte uns unsere Reportage nach Südholland, denn wir wollten uns gerne einmal mit einem Coffeshop-Besitzer über seinen Beruf unterhalten und herausfinden, ob dies wirklich ein solch erstrebenswertes Berufsbild ist, wie man im ersten Moment vielleicht vermutet. Unser Autor Dr. Dope hat sich für Highway auf den Weg gemacht und das Interview geführt.

 

[...]

 

Wie löst ihr denn überhaupt das Problem der Lagerung und des ständigen Zuflusses?“, möchte ich wissen. „Ich kann da nur generell und nicht für mich antworten. Die niederländischen Logistik-Fähigkeiten sind beachtlich. Es gibt Fälle, in denen alles in einem Auto in einer Garage gebunkert wird. Das ist sozusagen ein bewegbarer Stash. In manchen Städten nimmt die Polizei die Problematik mit den 500 Gramm, die jeder Coffeeshop ,legal‘ besitzen darf, nicht so genau. In anderen hingegen wieder sehr. Manchmal drücken sie auch alle Augen zu, obwohl sie genau wissen, dass ein Coffeeshop-Besitzer einen Großteil der Ware über seinem Shop bunkert. Und dann gibt es da noch die geniale Lösung einer Art Terminwarengeschäft. Ich kaufe eine Ernte beziehungsweise Lieferung, aber sie bleibt in den Händen der Zulieferer, bis ich sie benötige. Damit bleibe ich legal und auf der sicheren Seite. Das ist etwas teurer und erfordert gegenseitiges Vertrauen. Manchmal lassen niederländische Richter Coffeeshop-Besitzer mit einer geringfügigen Strafe davon kommen, wenn sie mit 50 oder 100 Kilogramm erwischt werden. Es kann aber auch sein, dass man dafür ein paar Jahre in den Knast einfährt.“

 

Anschließend führt er noch einmal aus, was das Einmaleins im Coffeeshop-Business ist: Vertrauen, Respekt und keine Gier. Das gelte auch für die Angestellten seines Shops. Mohammed bezahlt ihnen mehr als nötig, damit er eine vertrauensvolle Basis mit ihnen herstellen kann. Dennoch gibt es hin und wieder Probleme mit dem Personal und dieses wechselt auch recht häufig. Zum Glück für ihn gibt es in seiner Stadt relativ wenige Coffeeshops, sodass die Konkurrenz untereinander recht gering ist und niemand dem anderen Steine in den Weg legt. Auf meine Frage hin, wen er mehr fürchte, die Polizei oder Kriminelle, schüttelt er den Kopf. „Weder noch. Was mir Sorgen und Angst bereitet, sind die oberen Offiziellen – Politiker, Staatsanwälte, Richter, hohe Polizeibeamte. Die können von einem Tag auf den anderen die Entscheidung treffen, jeden beliebigen Coffeeshop zu schließen, wenn sie wollen. Da reicht als Begründung aus, dass mein Gehweg schmutzig sei. Also gilt für mich die überlebenswichtige Devise: Ich muss zu allen Seiten freundlich und politisch äußerst korrekt sein.“ – „Bestechung?“, möchte ich wissen. Mohammed winkt ab: „Keine Chance. Das gibt es hier nicht. Ich weiß nicht, ob es so etwas bei den Zollbehörden gibt. Vielleicht, aber dann im ganz großen Stil. Eventuell gibt es auf den ganz oberen Ebenen so etwas wie ,Old-Boys-Netzwerke‘. Die kennen sich vom Studium von den Elite-Universitäten. Und die sind einander schon mal einen Gefallen schuldig. Sowas könnte hier laufen. Aber in solche Kreise kommt man gar nicht rein. Und dazu sind die Niederlande so klein und überschaubar, dass wirklich beinahe jeder alles von jedem anderen weiß. Das ist der Nachteil von solch einem kleinen und flachen Land mit wenigen Einwohnern (lacht). Jemand wie ich sollte nicht einmal im Traum daran denken. Was viel mehr hilft als jegliche Bestechung, ist quasi ein Diplom in Public Relations. Ich bemühe mich, hohe diplomatische Qualitäten an den Tag zu legen und bisher hat das immer gut funktioniert.“

 

Auch wenn Mohammed sich weitaus größere Sorgen über Funktionäre als Kriminelle macht, berichtet er dennoch von einer Geschichte, die er erlebt hat und auf die er sicher auch gerne verzichtet hätte. Denn diese Schilderung hört sich so gar nicht nach Traumberuf oder Berufung an. Aber sie ist bittere Realität. Und zwar nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo so etwas zum Alltag gehören soll, sondern mitten in Europa, ja sogar in einem der reichsten Länder Europas, den Niederlanden: „Sie kamen am frühen Abend. Ich war mit meiner Freundin allein zu Hause. Es ist nicht selbstverständlich, dass man schon mit Ende zwanzig ein eigenes Haus besitzt, aber es ist auch nichts Ungewöhnliches. Normalerweise mache ich kein Geheimnis aus meinem Beruf. Es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen. Aber ich annonciere auch nicht, wo ich wohne. Für Leute, die rauskriegen wollen, wo ich wohne, dürfte das aber dennoch kein Problem sein. Kriminelle Elemente haben ja genug Zeit und Energie, um so etwas herauszufinden. Als wir es uns vor dem Fernseher gemütlich gemacht haben, hat es an der Haustüre geklingelt. Da wir noch Besuch erwartet haben, hat meine Freundin geöffnet, ohne durch den Spion zu sehen. Und da standen dann vier Typen, furchteinflößende Schränke in schwarzen Anzügen und mit Sturmhauben an. Sie drängten meine Freundin ins Wohnzimmer und als ich ihr zur Hilfe eilen wollte, schlugen sie mich mit Brecheisen und Baseballknüppeln zusammen. Beinahe bewusstlos musste ich mit anschauen, wie die Kriminellen meine Freundin auf einem Stuhl brutal fesselten. Immer wieder habe ich versucht mich zu wehren, aber es waren zu viele und sie hatten Schlagwerkzeuge. „Wo hast du das Zeug gebunkert?“, wollte der Anführer wissen. Kein ausländischer Akzent. Perfektes Niederländisch. Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass ich weder Gras noch Hasch im Hause hatte. Das glaubten sie mir aber nicht. So hagelte es immer wieder Schläge. Ich blutete an verschiedenen Stellen und drohte immer wieder ohnmächtig zu werden. Den Typen gelang es aber, mich bei Bewusstsein zu halten. Zwei gingen systematisch vor und durchsuchten unser Haus, während zwei uns martialisch bewachten. Das schlimmste war, dass ich meiner Freundin nicht zu Hilfe eilen konnte. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen die Typen zurück und schüttelten den Kopf. Kein gutes Zeichen. Aber was sollte ich machen? Selbst wenn ich gewollt hätte, hätte ich ihnen nichts anbieten können. Dann gingen die Schläge wieder los. Einer zückte ein Messer und drohte, mir zuerst mein Gesicht zu zerschneiden und sich dann zum Hals vorzuarbeiten. Aber das zog nicht. Als sie erkannten, dass sie mich umbringen mussten, versuchten sie es mit einer anderen Strategie. Sie drohten jetzt, meine Freundin zu vergewaltigen. Plötzlich stand ich Todesängste aus. Solange nur das eigene Leben betroffen ist, kann man das aushalten. Wenn es aber um das Leben eines geliebten Menschen geht, ist das eine andere Sache. Ich habe keinerlei Zweifel, dass sie ihre Drohung wahrgemacht hätten. Und dann passierte das Wunder, das uns rettete. Die Türklingel ertönte. Unser erwarteter Besuch war da. Und da es ein wichtiger Termin war, ließ er sich nicht abwimmeln und klingelte Sturm, da er wusste, dass wir zu Hause sein mussten. Das entmutigte dieses kriminelle Pack. Sie bekamen es mit der Angst zu tun. Und dann flüchteten sie durch die Balkontür zum Garten hinaus. Ich bin überzeugt, dass sie mich umgebracht hätten, wenn sie nicht gestört worden wären. Das waren wirklich die furchtbarsten Minuten in meinem Leben.“ Mein Gegenüber atmet tief durch und nimmt genussvoll einen Schluck Kaffee. Dennoch ist zu klar zu erkennen, wie sehr in diese Geschichte immer noch mitnimmt.

 

[…]

 

Das war ein kleiner Teil unserer umfangreichen Titelstory. Den Anfang und das Ende könnt ihr in unserem Printmagazin Highway – Das Cannabismagazin 01/2018 durchlesen, das gerade frisch erschienen ist und ab sofort in allen gut sortierten Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen und Head- und Growshops in Deutschland, Österreich und der Schweiz für schlappe 2,60 Euro (2,99 Euro, 4,20 SFr) erworben werden kann:

 

 

 

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