Highway

Die Führerschein-Problematik zählt zu den drängendsten Ungerechtigkeiten, wenn es um die möglichen Konsequenzen des Cannabiskonsums geht. Da Deutschland in dieser Sache nur wenige Fortschritte macht und noch immer geradezu lachhaft geringe THC-Konzentrationen im Blut zum Führerscheinentzug führen können, muss man wie so oft darauf hoffen, dass cannabisfreundlichere Länder mit gutem Beispiel vorangehen und alternative Möglichkeiten zum Nachweis der Fahruntauglichkeit entwickeln, die dann von anderen Ländern adaptiert werden.

 

Im US-Bundesstaat Michigan arbeitet man gerade genau daran. Eine sechsköpfige Kommission, unter anderem zusammengesetzt aus Cannabispatienten, Toxikologen und Verkehrsicherheitexperten, wurde von Ex-Gouverneur Snyder damit beauftragt, eine Studie zum Effekt von Cannabis auf die Fahrtauglichkeit zu erstellen. Das Team kam zu dem Ergebnis, dass von der THC-Konzentration im Blut allein nur geringe Rückschlüsse auf die individuelle Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen, zulässig sind. Nicht infrage gestellt wurde, dass Cannabiskonsum sich auf die Fahrleistung auswirkt, aber sich bei der Beurteilung allein einzig auf den jeweiligen THC-Gehalt im Blut des Fahrers einzuschießen, gehe an der Realität vorbei. Zum einen zeigten erfahrene Konsumenten trotz hohem THC-Blutwert weniger Beeinträchtigung als Gelegenheits-Kiffer bei niedrigeren Blutwerten. Zum anderen können bestimmte Konsumformen dazu führen, dass der THC-Gehalt im Blut erst rapide ansteigt, um dann in kurzer Zeit wieder stark abzufallen. Gängige Testmethoden seien zu unflexibel, zu wenig akkurat für eine solche Fluktuation. Von der bekannten Tatsache, dass der THC-Gehalt auch lange Zeit nach dem letzten Konsum noch erhöht sein kann, einmal abgesehen.

 

„Interessanterweise fahren in den meisten Simulator- und Fahrzeugstudien Cannabiskonsumenten typischerweise langsamer, halten größeren Abstand zum Vordermann ein und gehen weniger Risiken ein als nüchtern“, schrieb die Kommission. „Das scheint darauf hinzudeuten, dass die Fahrer versuchen, die subjektiven Auswirkungen des Cannabiskonsums zu kompensieren. Im Gegensatz dazu stehen angetrunkene Fahrer, die typischerweise schneller fahren und mehr Risiken eingehen als nüchtern.“

 

Stolze 30 Kilogramm Marihuana entdeckte die Polizei in Baden-Württemberg im Raum Stuttgart. Ein schwarzer PKW, bis zum Anschlag gefüllt mit eingeschweißtem Weed (siehe Bild), wurde von den Beamten vor einem Ladengeschäft in Stuttgart-Feuerbach, in dem wohl die Übergabe stattfinden sollte, eingesackt. Kurios: das vollgepackte Auto musste aufgrund einer Panne von einem Abschleppwagen zum Übergabeort gezogen werden. In dem Laden wurden bei der Dursuchung 100.000 Euro in Bar gefunden, dazu ein Kilogramm Kokain.

 

Neun Männer und eine Frau zwischen 22 und 27 Jahren werden verdächtigt, fünf von ihnen befinden sich bereits in Untersuchungshaft. Besonders pikant an dem Fall: bei einem der Mitglieder der Bande, die sich wohl schon seit geraumer Zeit im Visier der Ermittler befanden, handelt es sich um einen 23-jährigen Polizeikommissaranwärter aus Hessen. Dies war der Öffentlichkeit zunächst vorenthalten worden, wurde aber nun von der Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigt. Nicht bestätigt wurde, dass es sich bei dem Polizei-Azubi um den Fahrer des Wagens handelte. So oder so, der Polizeischüler wurde bereits aus dem Beamtenverhältnis entlassen und wird seine Ausbildung nicht fortsetzen können.

 

Die Frage ist nicht mehr ob, sondern vielmehr wann THC-haltiges Cannabis in der Schweiz legalisiert wird. So sieht es zumindest die Eidgenössische Kommission für Suchtfragen (EKSF), ein Experten-Gremium, das die Aufgabe hat, den Schweizer Bundesrat in Fragen der Sucht- und Betäubungsmittelpolitik zu beraten. Die Experten betonen dabei, dass man durch die Forschung der letzten Jahre viel Positives über die zahlreichen Anwendungsgebiete der einst geächteten Pflanze gelernt habe. Außerdem habe auch international ein Paradigmenwechsel stattgefunden, zum Beispiel durch die Legalisierungen in den USA und Kanada.

 

Der Zeitpunkt der Empfehlung durch die Kommission geht mit einer Diskussion um Anpassungen im Betäubungsmittelgesetz einher, die weitere Forschung zum Thema Cannabiskonsum (zum Beispiel auch Modellprojekte) ermöglichen sollen. Die Schweiz müsse sich die Erfahrungen der beiden Nationen zunutze machen und einen eigenen Weg zur Freigabe ausarbeiten. CBD-Cannabis ist, im Gegensatz zum hiesigen Kuddelmuddel, bei den Eidgenossen schon länger komplett legal, unzählige Unternehmen drängten in den letzten Jahren auf den jungen Markt. Es liegt nahe, dass durch die positiven Erfahrungen mit CBD Berührungsängste in der Bevölkerung beim Thema Cannabis abgebaut wurden.

 

Sonntagnacht wurde die Polizei in Dortmund in Nordrhein-Westfalen auf ein Haus in der Heimbaustraße aufmerksam gemacht. Sehr laut solle es da zugehen, so ein Nachbar, und außerdem hinge der Geruch von Marihuana in der Luft. Die Beamten verschafften sich mit einem Durchsuchungsbeschluss Zutritt zu der entsprechenden Wohnung, deren Bewohner sich offenbar wenig darum scherten unauffällig zu bleiben. Für die Beamten zahlte es sich nun aus, dass ein Drogenspürhund vor Ort war, denn so auffällig die Lautstärke der Anwesenden, zwei Frauen und zwei Männer, auch war, zumindest hatte man sich Mühe gegeben, den Marihuanavorrat gut getarnt überall in der Wohnung zu verteilen. So gab es dann quasi auch kein Eckchen, in dem Polizeihund Dana nicht fündig wurde. Ob auf dem Grill auf dem Balkon, unter der Matratze, im Küchenschrank – überall waren mal größere, mal kleiner Portionen Weed versteckt. Sogar in einem Playstation-Controller wurden die Beamten fündig – handelte es sich doch eigentlich um eine Metalldose, die dem Spielgerät bloß nachempfunden war. Nun wird wegen des Besitzes und des Handels von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge ermittelt. Der Wohnungsbesitzer wurde vorläufig festgenommen.

 

 

 

Ein 47-jähriger Mann, der bereits vor Jahrzehnten wegen Raubmordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde, ist vor Gericht in schallendes Gelächter ausgebrochen.

 

Obwohl er seit bereits 26 Jahren hinter schwedischen Gardinen sitzt, musste der Mann erneut vor dem Werler Amtsgericht erscheinen. Verantworten musste er sich diesmal aber nur für den Besitz von 0,05 (!) Gramm Haschisch. Als von der Richterin das Urteil lebenslänglich plus vier Wochen ausgesprochen wurde, konnte der Mann nicht mehr an sich halten und fing an, lauthals zu lachen.

 

Aus Sicht des Angeklagten muss die Situation tatsächlich einigermaßen absurd gewesen sein, das Gericht rechtfertigte die Verhandlung damit, dass eben auch für das erneute Vergehen, so gering es auch gewesen sein möge, eine angemessene Strafe verhängt werden müsse. In Anbetracht der Tatsache, dass es in deutschen Gefängnisses mindestens so einfach ist, sich Drogen zu beschaffen, wie im Görlitzer Park in Berlin, geht das Lachanfall-Urteil aber schon ein ganzes Stück an der Lebensrealität vorbei. Ohne hier vorschnell Partei ergreifen zu wollen, scheint die Frage des offenbar schwarzhumorigen Verurteiltenwie viel denn die Verhandlung gekostet habe“ allerdings nicht vollkommen unberechtigt

 

In Illertissen im Raum Augsburg hat sich mal wieder Merkwürdiges zugetragen. Am Dienstagabend meldete sich eine Frau telefonisch auf der Polizeistation und teilte dem abnehmenden Beamten mit, dass sie gerade einen Joint geraucht habe. Wo die Polizei in Berlin oder NRW wohl höchstens belustigt mit dem Kopf schütteln würde, wurde in Süddeutschland stattdessen der richterliche Beschluss bemüht, um die Wohnung durchsuchen zu dürfen.

 

Dort fand die Polizei die „merklich berauschte“ (O-Ton Polizei) 50-jährige Anruferin vor und außerdem eine geringe Menge Marihuana und eine nicht unbeträchtliche Menge einer nicht genauer spezifizierten Kräutermischung, bei der bisher unklar ist, ob sie überhaupt unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Genauso fraglich ist nach wie vor, warum die Frau bei der Polizei angerufen hat, beziehungsweise was sie eigentlich mit ihrem Anruf bezwecken wollte.

 

Seit März 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland legal. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist Deutschland für die Zulassung von Medikamenten und damit auch für Medizinalcannabis zuständig. Der Präsident der Behörde, Karl Broich, selbst Arzt und Psychiater, ließ nun in einem Interview mit dem Handelsblatt durchblicken, dass er die Ausgabe von Cannabisblüten nur für eine Übergangslösung halte und vielmehr Fertigarzneimittel, die (synthetische) Cannabinoide enthalten, als Weg der Zukunft sehe.

 

„Unser Ziel ist es, dass wir mehr cannabisbasierte Fertigarzneimittel bekommen“, so Broich. Dass er Cannabis als Medizin sowieso für überschätzt halte, verschleiert der Professor gar nicht erst: „Jedes regulär zugelassene Arzneimittel, das solche Nebenwirkungen zeigt, würden wir sofort vom Markt nehmen.“ Starker Tobak und unseres Erachtens nach die reinste Lüge! Gerade für jemanden wie Broich, der erst 2017 in das äußerst dubiose Zulassungsverfahren des Antidepressivums Zoloft verwickelt war. Die Linkspartei wirft Broich vor, als Gutachter zu einer Verschleierung möglicher Nebenwirkungen beigetragen zu haben, um einer möglichst schnellen Zulassung des Medikaments nicht im Wege zu stehen. Konkret ging es darum, inwiefern die Gabe des Medikaments Zoloft mit einer erhöhten Suizidrate unter den Patienten einhergehe und ob die zuständigen Gutachter (u. a. Broich) entsprechende Hinweise darauf in ihrer Bewertung gezielt übersehen hätten.

 

Broich selbst macht aus seiner eigentlichen Aufgabe aber eh keinen Hehl, betonte er doch auf einer Veranstaltung des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller (VFA): „Wir sehen uns als Partner der pharmazeutischen Industrie.“ Sinngemäß fügte er hinzu: was für die Pharmaindustrie gut ist, kommt auch dem Patienten zugute. Und da es der Pharmaindustrie leider nicht zugutekommt, wenn beispielsweise Epileptiker ihr eigenes Cannabis anbauen dürften, kann das für die Patienten natürlich auch nicht gut sein…

 

Da fragt man sich, wer ist hier eigentlich krank?

 

Da ist der Ausflug nach Holland aber gründlich schiefgegangen! Ein 17-Jähriger wurde nachts am Osterwochenende an einem Bahnsteig in Hamm von der Polizei mit 115 Gramm Cannabis erwischt, die er, ganz klassisch, in einer Sporttasche bei sich trug.

 

Der junge Mann war der Polizei aufgefallen, da er sich in der Nähe seiner Tasche sichtbar unwohl fühlte und sie, während er in einigen Metern Entfernung eine (Entspannungs-)Zigarette rauchte, an einer schlecht einsehbaren Stelle hinter einer Säule abgestellt hatte. Einigen Lesern dürfte dieses an den Nerven zerrende Gefühl nur allzu gut bekannt sein. Da man den starken Marihuana-Geruch trotz Vorkehrungen oft nur schwer in den Griff bekommt, liegt es eben nahe, so zu tun als gehöre einem die Tasche nicht. Wobei das natürlich auch immer ein Drahtseilakt ist, denn andererseits darf dem kostbaren Inhalt der Tasche auch nichts passieren, sodass man doch stets mindestens ein Auge darauf haben muss. Aus diesem Zwiespalt ergibt sich dann oft ein ziemlich merkwürdiges Verhalten, das geschulten Beamten auffällt. Auf die Tasche angesprochen, gab der Junge dann auch konsequenterweise an, dass er nicht wisse, wem die Tasche gehöre, nur um nach weiteren Nachfragen der Polizisten schließlich doch alles zuzugeben. In Anbetracht permanenter Videoüberwachung hätte es die Beamten wohl sowieso nur Minuten gekostet, das Gegenteil zu beweisen.

 

Den jungen Mann erwartet jetzt eine Anzeige wegen der Einfuhr einer nicht geringen Menge an Betäubungsmitteln.