Highway

Wer gerade am Mittagtisch sitzt, sollte diese Nachricht lieber mit Vorsicht genießen! Es war wahrlich ein schwarzer Tag für einen Mann aus Cashmere, Washington. Der bereits mehrfach vorbestrafte 27-Jährige durchlebte den Albtraum eines jeden Mannes: während er eine scharfe Pistole in seiner Hose verstauen wollte, löste sich ein Schuss und verletzte Hoden und Penis schwer. Stark blutend fuhr er mit seiner Freundin in ein Krankenhaus und lag nur wenig später auf dem Operationstisch. Glück im Unglück, könnte man jetzt sagen, doch die Pechsträhne des jungen Mannes riss nicht ab.

 

Denn während der Operation ploppte ein mit Marihuana gefüllter Ballon aus dem Anus des Patienten und fiel dem erstaunten Chirurgen sozusagen in Hände. Die eintreffende Polizei, die bei Schussverletzungen umgehend vom Krankenhauspersonal verständigt werden muss, konfiszierte das Cannabis und fand zu allem Überfluss noch weitere Drogen in der blutverschmierten Jacke des Verletzten.

 

Cannabisfreunde auf Reisen kennen das Problem: kifferfreundliche Hotels gibt es kaum, Raucherzimmer generell sind Mangelware und wenn es ganz blöd läuft, lassen sich aus Sicherheitsgründen noch nicht einmal die Fenster öffnen. Und dann sind da natürlich noch die Rauchmelder, die teilweise auch bei geringstem Qualmaufkommen stillen Alarm an der Rezeption auslösen.

 

Offenbar vollkommen unbeschwert von derlei Sorgen haben es sich zwei junge Männer im Alter von 21 und 25 in ihrem Hotelzimmer in Gremberghoven gemütlich gemacht. Ob sie in ihrem Zimmer Joints rauchten, ist nicht klar, in Anbetracht des Ausmaßes ihrer Verfehlungen aber auch vollkommen unerheblich. Selbst, wenn sie dort den größten Blunt aller Zeiten angezündet hätten, am weiteren Verlauf der Geschichte hätte das wohl recht wenig geändert. Denn anstatt bloß zu konsumieren, trockneten die beiden Männer ihr Marihuana im Hotelzimmer. Und wir reden hier nicht über ein paar Gramm, nein, stolze 14 Kilogramm Blütenmaterial lagen im ganzen Zimmer ausgebreitet auf dem Boden. Möbel stören in so einer Situation nur, das ist klar, und so wurde kurzerhand alles aus dem Weg geräumt. Das Treiben fiel natürlich auf, denn so eine Menge feuchten Weeds verströmt einen ziemlich intensiven Duft, wie eigentlich jeder, der schon mal einen Krümel Gras in der Hand hatte, wissen müsste.

 

Es kam, wie es kommen musste, andere Gäste beschwerten sich über die Geruchsbelästigung und eine Raumpflegerin verschaffte sich schließlich Zutritt zum Zimmer der Männer, um nach dem Rechten zu sehen. Die beiden befanden sich zu dem Zeitpunkt zwar nicht im Zimmer, aber das half ihnen auch nicht mehr. Die Polizei wurde verständigt, die Verdächtigen und ein Komplize, über den die Hotelbuchung lief, dürfen sich nun auf ein Verfahren einstellen.

Angezeigt von den eigenen Eltern! Vor dem Deggendorfer Landgericht musste sich gerade ein 21-Jähriger verantworten. Im Zimmer des jungen Mannes hatte die Polizei zum Jahreswechsel 3,7 Kilogramm Haschisch, 200 Gramm Marihuana, zwei Feinwaagen, ein Vakuumiergerät und eine Gaspistole gefunden.


Das Besondere an dem Fall: der Angeklagte lebte noch bei seinen Eltern, die die Utensilien selbst gefunden hatten. Beim Aufräumen stieß die Mutter auf eine Sporttasche, die sie nicht dem eigenen Haushalt bzw. dem Besitz ihres Sohnes zuordnen konnte. Der Blick ins Innere bestärkte die besorgten Eltern darin, dass der Inhalt unmöglich ihrem Sprössling, der sich zur Zeit des Fundes im Silvesterurlaub in Amsterdam befand, gehören könne. Sie waren sich dabei scheinbar so sicher, dass sie, ohne vorher Rücksprache zu halten, selbst die Polizei alarmierten.


Die sah das offenbar anders und verhaftete den Sohnemann noch auf der Rückreise aus den Niederlanden im Flixbus. Das Urteil, das Anfang Juni durch das Landgericht Deggendorf, erging, fiel vergleichsweise milde aus: mit einer zweijährigen Gefängnisstrafe, zur vierjährigen Bewährung ausgesetzt, sowie der Verpflichtung zum Antritt einer Therapie, kann sich der Verurteilte, gerade im (nieder-)bayrischen Raum, wohl noch einigermaßen glücklich schätzen.

Dass im Krankenhaus strenges Rauchverbot herrscht, versteht sich eigentlich von selbst. Jedem halbwegs vernunftbegabtem Menschen sollte außerdem klar sein, dass auch das Rauchen von Joints unter das allgemeine Verbot fällt.

 

Trotzdem erschnüffelten Mitarbeiter eines Iserlohner Krankenhauses am Mittwochabend einen merkwürdigen Geruch und begaben sich sogleich auf die Suche nach der Ursache. Nachdem man an einige Krankenzimmertüren geklopft hatte, um den Schuldigen ausfindig zu machen, fand man in einem davon zwei Jugendliche vor, die sich in aller Ruhe einen durchzogen. Zuvor hatten die beiden den Rauchmelder des Zimmers verstopft, um bloß nicht aufzufallen. Gebracht hat es nichts, denn der Pfleger, der die Jungs vorgefunden hatte, war nicht gesprächsbereit, sondern alarmierte die umgehend die Polizei.

 

Der erzählten die 15-und 17-Jährigen, dass sie im Krankenhaus seien, um einem Freund einen Krankenbesuch abzustatten. Als sie den nicht finden konnten, suchten sie sich kurzerhand ein leerstehendes Zimmer, um sich erstmal einen zu rauchen. Vielleicht dachten sie, dass man in einem Krankenhaus ja schließlich nichts gegen die Verwendung von Medizin haben könne. Müßig, zu erwähnen, dass den Heranwachsenden nun Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ins Haus stehen.

 

Erst kürzlich machte der US-Eiskremproduzent „Ben & Jerry's“ mit einer 420-Petiton auf sich aufmerksam, in der eine Amnestie für Häftlinge gefordert wurde, die sich wegen des bloßen Besitzes von Cannabis in Haft befinden. Eine sympathische Aktion, die nicht nur zehntausende von Unterschriften gebracht hat, sondern eben auch eine ganze Menge mediale Aufmerksamkeit.

 

Nun zeigt sich erneut, dass das Unternehmen mit Sitz in Vermont ein Herz für Cannabisfreunde hat. Auf der eigenen Website ließ man verlauten, dass man vorhabe, eine CBD-Sorte herauszubringen, sobald die amerikanische Federal Drug Enforcement Agency (FDA) eine landesweite Zulassung des Cannabinoids erteilt habe. Angesichts der fortschreitenden Legalisierungswelle in den USA, dem gigantischen Marktpotenzial von CBD-Produkten und einer von der Weltgesundheitsorganisation bescheinigten Unbedenklichkeit, gilt es als relativ wahrscheinlich, dass es schon in näherer Zukunft so weit sein könnte.

 

Die Cannabisaffinität des Unternehmens ist durchaus bemerkenswert: selbst Firmen, die weniger familienfreundliche Produkte produzieren als quietschbunt verpackte Eiskrem, hadern aus Angst vor Imageschäden noch mit dem CBD-Boom (so zum Beispiel Coca-Cola). Es bleibt zu hoffen, dass die Freigabe durch die FDA schnell erteilt wird und dass „Ben & Jerry's“ mit der CBD-Dosis genauso großzügig umgehen wird wie mit den Zusätzen und Toppings (wie etwa Keksteig, Schokosplitter etc.) der anderen Sorten.

 

Bereits Mitte Mai erlebte ein Pärchen aus den Niederlanden einen schwarzen Tag auf dem Weg von Den Haag nach Recklinghausen. Wie nun bekannt wurde, wurde die Polizei auf einem Autobahn-Rastplatz nahe Hamminkeln auf die 38-jährige Frau und ihren 56-jährigen Begleiter aufmerksam. Von den Beamten auf ihr Reiseziel angesprochen, zeigten sich die beiden sichtlich nervös. Den Polizisten fielen sogleich die zitternden Hände auf, als die Fahrzeug- und Ausweisdokumente zur Kontrolle überreicht wurden. Es kam, wie es kommen musste: der Wagen des Pärchens wurde einer Kontrolle unterzogen, wobei im Kofferraum ein gutes Kilogramm Haschisch sowie sage und schreibe 2787 Joints gefunden wurden. Für welchen Anlass beziehungsweise Zweck (abgesehen vom Konsum) insbesondere die enorme Menge an Joints bestimmt war, ist unklar. Für das Pärchen aus endete der Trip wenig überraschend mit einer Festnahme.

Tja, die Cannabisanlage wäre wohl unentdeckt geblieben – wenn, ja, wenn sich der verantwortliche Grower nicht selbst bei der Polizei gemeldet hätte.

 

23 Cannabispflanzen plus Zubehör entdeckten die Kriminalbeamten bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung des Elmshorners. Doch aus welchem Grund hatte sich der 24-Jährige überhaupt selbst ans Messer geliefert? Als Rücktrittsgeschenk für Marlene Mortler? Wohl kaum. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, war der Grund ein ganz anderer: der junge Mann hatte diverse (vielleicht selbst hergestellte?) Düngemittel zusammengekippt, bekam es dann aber mit der Angst zu tun. Die Befürchtungen, versehentlich ein giftiges oder gar explosives Gasgemisch hergestellt zu haben, trieb den verunsicherten Cannabisfreund schließlich dazu, sich selbst ans Messer zu liefern.

 

Völlig zu Unrecht, wie sich kurz darauf herausstellte: denn die hinzugerufene Feuerwehr stellte fest, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung bestanden habe. Klingt nach einem klassischer Fall von Kiffer-Paranoia? Möglicherweise, doch ob der junge Mann zum Zeitpunkt des Notrufs akut berauscht gewesen ist, ist bisher unklar.

 

Der 1. Juli 2019 wird ein ganz besonderer Tag. Insbesondere Cannabisfreunde und Prohibitionsgegner sollten sich diesen Montag ganz dick im Kalender anstreichen. An diesem Tag wird die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) offiziell ihr Amt niederlegen und als Agrarexpertin ins Europaparlament einziehen.

 

Wow, das muss man erst mal sacken lassen! Die ultimative Hassfigur all derer, die seit Jahren für eine progressive Drogen- und Suchtpolitik plädieren, nimmt ihren Hut. Und was bleibt ist gähnende Leere: denn wer Mortlers Platz einnehmen wird, ist bisher unklar. Ebenso, wer die Sozialarbeiter, Suchtexperten und Aktivisten des Landes in Zukunft mit heuchlerischen Argumenten, mangelndem Fachwissen und entwaffnender Ignoranz bei Laune halten soll. Ja, irgendwie gehörten sie mittlerweile schon fast dazu, die haarsträubenden Statements der gelernten Hauswirtschaftsmeisterin aus dem Freistaat. Mit Gaga-Sprüchen wie „Cannabis ist verboten, weil es illegal ist.“ oder „Äh, was für eine portugiesische Erfahrung? Meinen Sie Fussball?“ gelang es Mortler immer wieder, Cannabisfreunde und Satiriker im ganzen Land zu erheitern und zum leidenschaftlichen Widerspruch herauszufordern.

 

Schon geht die Angst um, mit Mortlers NacholgerIn könnte ein deutlich kompetenterer Widersacher das Amt des Drogenbeauftragten übernehmen, mit dem die Legalisierungsfraktion weniger leichtes Spiel haben wird. Doch wer wird gleich alles schwarzmalen wollen? Bekanntlich sind CDU/CSU ein natürliches Habitat für herzlose Karrieristen, aalglatte Lobbyisten und rückgratlose Emporkömmlinge aller Couleur. Da wird sich schon jemand finden, der der Hopfenbauern-Tochter Paroli bieten kann, ganz sicher. Doch genug der Spekulation. Jetzt ist erst einmal Zeit den Moment mit all seinen sich bietenden Chancen zu genießen und einen dicken Joint auf Marlene Mortlers Rücktritt zu rauchen!

 

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