Highway

Dass man sich als Cannabisfreund in Deutschland so einiges an Vorurteilen und Halbwahrheiten in Bezug auf das bevorzugte Genussmittel anhören muss, daran haben sich die meisten Kiffer mittlerweile gewöhnt. Im sicheren Bewusstsein, die besseren Argumente auf ihrer Seite zu haben, wird inzwischen vieles mit Humor genommen, um die Gegenseite und ihre veralteten Ansichten der Lächerlichkeit preiszugeben. Mit einer Drogenbeauftragten wie Marlene Mortler, CSU, hat die Szene in dieser Hinsicht natürlich auch einen dankbaren, weil erstaunlich ahnungslosen, Gegenpart.

 

Doch auch in einem Land, dass in Sachen Cannabispolitik und –akzeptanz schon deutlich weiter ist, ja, wo sogar noch dieses Jahr die vollständige Legalisierung in Kraft treten wird, halten sich selbst ziemlich abwegige Vorurteile scheinbar hartnäckig. Wir sprechen hier natürlich von Kanada und im Speziellen von einem Vorfall, der sich auf einer Schulversammlung im Bezirk York ereignete. Ein speziell dafür ausgebildeteter Polizeibeamter sprach dort vor der interessierten, katholischen Schülerschaft angesichts der nahenden Freigabe über die Gefahren von Cannabis.

 

Der gute Mann ließ es sich im Rahmen dieser Veranstaltung doch tatsächlich nicht nehmen auf eine Studie zu verweisen, nach der „(…) Marihuana das Testosteronlevel senkt (…)“ und als Folge dessen rund 60 % der jugendlichen Konsumenten „Männerbrüste“ entwickeln würden. „Doobies make boobies“, so die eindringliche Warnung des polizeilichen Drogenbeauftragten. Dumm nur, dass es Studien mit derartigen Ergebnissen niemals gegeben hat und es sich viel mehr um eine Art „Urban legend“ handelt, wie Experten korrigieren.

 

Das ist mittlerweile wohl auch der Polizei von York klar geworden, die sich kurze Zeit später mit einem viel beachteten Tweet für die misslungene Aufklärungsveranstaltung entschuldigte.

35 Kilogramm Haschisch in Hamm entdeckt: die Polizei hat nach umfangreichen Ermittlungen zusammen mit Zollfahndern aus Frankfurt am Main bereits am 12. Januar einen 35-jährigen Mann festgenommen, in dessen Auto 35 Kilo Hasch entdeckt wurden. Bei dem Mann handelt es sich voraussichtlich um einen Drogenkurier, nach dem 36-jährigen Auftraggeber, der seitdem mit Haftbefehl gesucht wird, wird gefahndet. Das Cannabisharz sollte laut Polizei vermutlich an Zwischenhändler im östlichen Ruhrgebiet weitergegeben werden. Tragisch für das östliche Ruhrgebiet: dort gibt es nun fünf Minuten lang nichts zu kiffen!

Zwar sind Umfragen in Deutschland oft gefälscht und so gar nicht zuverlässig, wie „Der Spiegel“ kürzlich ermittelte, aber dennoch sind dies immer wieder gern gebrachte Meldungen, zeigen sie doch angeblich, wie die Bevölkerung tickt. Heute wurde eine Yougov-Umfrage in diversen Medien veröffentlicht, die recht interessant ausfällt. Das Thema: Cannabis und Kiffen.

 

68 Prozent der Befragten (und sogar 71 Prozent der befragten Frauen) gaben an, dass sie noch niemals gekifft hätten. Bei solchen Ergebnissen fragt man sich als rechtschaffener Kiffer schon, ob man vielleicht doch in einer Blase lebt... aber es kommt noch besser: zwei von drei Bürgern behaupten angeblich, dass sie nicht glauben, dass irgendjemand in ihrem Freundeskreis Marihuana oder Haschisch konsumieren würde. Besonders süß: 82 Prozent der befragten Eltern berichteten, dass Cannabis im Alltag ihrer Kinder unter 18 Jahren keine größere Rolle spiele – auch nicht durch Freunde, Medien oder Musik.

 

Auch die Frage nach einer Legalisierung von Cannabisprodukten wurde mal wieder gestellt – dieses Mal kam dabei Folgendes heraus: 35 Prozent dafür, 33 Prozent dagegen, 22 Prozent egal. Na dann bis zur nächsten Umfrage!

Wer ordentlich Gras verkauft, kann damit einen ganz schönen Reibach machen – nicht nur sind die Margen gut, besonders wenn man selbst anbaut, auch handelt es sich um ein Produkt, dass von der Kundschaft immer wieder vernichtet wird und somit nachgekauft werden muss. Doch einen Haken hat das Ganze: in den meisten Ländern ist der Drogenhandel verboten beziehungsweise strengen Regelungen unterworfen. Somit drohen empfindliche Strafen für Dealer.

 

Eine irgendwie ähnliche, aber weitaus sichere Einnahmequelle hat ein Computerspiele-Modder mit dem Namen Filip gefunden: er verkauft virtuelles Gras (und auch andere Drogen) für das beliebte Spiel „Die Sims 4“. In der Lebens-Simulation kann man einzelne Personen und ganze Familien steuern, deren Wohnungen einrichten, ihnen Jobs verschaffen und das ganze Leben steuern.

 

Doch eins fehlt dem ursprünglichen Spiel: Drogen, Afterhours, Katerstimmung, Überdosen. Durch Mods genannte Erweiterungen können Modder ihren Freunden – oder auch, wie in diesem Fall, ihrer Kundschaft – selbst programmierte Erweiterungen für Computerspiele zukommen lassen. Und so ist es nun möglich, seine Sims Kokain schnupfen oder Marihuana rauchen zu lassen – anscheinend haben darauf so einige Leute gewartet, denn wie „Kotaku“ meldet, verdient der Modder rund 6.000 Dollar monatlich mit den von ihm angebotenen Erweiterungen.

 

Die Modifikation kann unter basementalcc.com heruntergeladen werden. Einen umfassenden Einblick in die Änderungen gegenüber dem Hauptspiel bietet dieses Video:

Highway-Leser und Cannabis-Interessierte wissen es schon länger: Cannabis mit seinen Cannabinoiden, allen voran das psychoaktive THC und das nicht psychoaktive CBD, ist in vielen Fällen ein wirksames Mittel, wenn es darum geht, Leiden verschiedener Art zu lindern.

 

Die Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA), ein einzigartiges neues wissenschaftliches Netzwerk mit höchster Kompetenz im Bereich pflanzlicher Arzneimittel und Naturstoffforschung, das 2006 gegründet wurde, kürte nun die Arzneipflanze des Jahres 2018: Cannabis. Auswahlkriterien waren etwa der Bezug zu Österreich, neue Studienlagen und die wirtschaftliche Bedeutung.

Amsterdam – die Hauptstadt der Niederlande zieht seit jeher Cannabisfreunde aus aller Welt in ihren Bann und in ihre einzigartigen Coffeeshops. Ganz stressfrei aus verschiedenen Sorten wählen und unbehelligt in angenehmer Atmosphäre mit Gleichgesinnten konsumieren – das lockt natürlich nicht nur den Otto-Normal-Kiffer, sondern auch die Stars und Sternchen dieser Welt.

 

So unter anderem auch MMA-Star und Mediensau Conor McGregor, der vor Kurzem dem Coffeshop Prix d'Ami einen Besuch abstattete. Es wurde zwar nicht kolportiert, ob und was der Kampfsportler dort möglicherweise gekauft oder genossen hat, sein verträumter Blick zur Menükarte lädt aber mindestens zu Spekulationen ein.

 

Eine Doping-Strafe hat McGregor von der UFC so oder so nicht zu befürchten: der Verband lockerte seine Regeln hinsichtlich des Cannabiskonsums, mit dem Ergebnis, dass den Athleten außerhalb der Wettkämpfe der Konsum von THC- und CBD-haltigen Genussmitteln gestattet wird.

Wir schreiben das Jahr 2018. In Deutschland ist Gras immer noch nicht wieder relegalisiert – dafür darf sich hierzulande seit ewigen Zeiten jeder aufrechte Deutsche zu Tode saufen, sobald er das Alter von 16 Jahren erreicht hat. Kaum eine substanzgebundene Sucht ist schlimmer als die nach Alkohol. Dies musste auch ein inzwischen 41-jähriger Mann aus Immenstadt im Allgäu erkennen, der seit 20 Jahren abhängig von Alkohol ist. Als Folgeerscheinung seiner Trinkerei wurde bei ihm eine Leberzirrhose festgestellt – doch seine Krankenkasse will eine Behandlung nicht zahlen.

 

Um etwas gegen seine Schmerzen zu unternehmen und auch, um vom Trinken loszukommen, baute er daher ein bisschen Cannabis in seiner Wohnung an, wie „das allgäu online“ berichtete: drei Pflanzen im Schlafzimmer, vier auf dem Balkon. Abgeerntet und getrocknet kamen so 130 Gramm Marihuana zustande. Übrigens – von der Illegalität abgesehen – eine äußerst gute Idee des Mannes: denn erstens hilft Marihuana tatsächlich gegen Schmerzen, wie man weiß, zweitens kann Marihuana tatsächlich bei der Überwindung von Alkoholsucht hilfreich sein und drittens kann, für den Fall, dass er weiter trinkt, Cannabis immerhin vor alkoholbedingten Leberschäden schützen, wir wir kürzlich berichteten.

 

Jedoch äußerst doof für ihn, dass er beim Anbau erwischt wurde: er wurde vom Gericht zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung verteilt, zudem muss er 1.500 Euro an eine Sozialeinrichtung zahlen. Ein tolles Urteil des Gerichts... das wird dem Immstädter bestimmt dabei helfen, sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken...

In der aktuellen Ausgabe von Highway haben wir mit André Schulz, dem Bundesvorsitzenden des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, ein Interview geführt, in dem er bekräftigte, dass sich seine Gewerkschaft für die Entkriminalisierung von Cannabis einsetzt. Wenige Wochen später zitierten ihn sogar „Bild“ und „Tagesschau“ mit dieser Aussage. Nun gibt es auch Schützenhilfe von den deutschen Ärzten: Einer aktuellen Umfrage des „Ärztenachrichtendienstes“ unter 858 Haus- und Fachärzten zufolge sprechen sich 53 Prozent der deutschen Ärzte für eine komplette Legalisierung von Cannabis für kranke wie auch gesunde Menschen aus, wenn eine sinnvolle Regulierung und Abgabe eingeführt wird. 36 Prozent der Mediziner votierten für eine Beschränkung des Konsums im Zuge medizinischer Anwendungen. Für ein vollständiges Cannabis-Verbot stimmten einzig 12 Prozent der befragten Ärzte. Dies wurde zumeist mit dem üblichen Quatsch begründet (Beeinträchtigung des Gehirns, Psychosen und dergleichen).

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