Highway

Ein Priester in einem Hyundai. Erst einmal nichts ungewöhnliches. Aber auch der wird bei einer Routinekontrolle mal kontrolliert – so vor Kurzem geschehen auf der Strecke zwischen Ponta Porã und Dorados in Brasilien. Doch der katholische Priester, der nach Angaben der Polizei äußerst höflich behandelt wurde, wurde immer nervöser und hatte Probleme, die Fragen, wo er hinwolle und wo er herkomme, richtig zu beantworten.

 

Daraufhin wurde das Auto des angeblich Geistlichen durchsucht. Darin befanden sich zwei Taschen randvoll mit Marihuana – insgesamt 101 Kilogramm. Wie das „Wochenblatt“ aus Paraguay berichtet, gab der falsche Priester an, das Marihuana aus Paraguay geholt zu haben, um Schulden zu begleichen, die seine Freundin bei einem mächtigen brasilianischen Drogenhändler habe. Die Verkleidung als Geistlicher habe er gewählt, um nicht kontrolliert zu werden...

Eine unglaubliche Szene hat sich in einer Ortschaft im englischen Kent zugetragen. Cameron Tucker, ein Lokalreporter der KMTV-Fersehnachrichten, berichtet gerade über ein ganz in der Nähe lebendes Pärchen, in dessen Wohnhaus 88 illegal angebaute Cannabispflanzen gefunden wurden. Der Reporter klärt die Zuschauer gerade über die Details des Falls auf: die Angeklagten hatten gegenüber der Polizei angegeben, aus den beschlagnahmten Pflanzen Cannabisöl für die Krebsbehandlung herstellen zu wollen, wurden aber nichtsdestotrotz zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung und 150 Sozialstunden verurteilt. Doch plötzlich wird all dies zur Nebensache, als im linken Bildhintergrund hinter dem Reporter ein junger Mann hinter eine Hausecke hervortritt und entspannt die Straße entlang geht. Mit einem Mal erblickt der Mann die Kamera, schreckt auf und rennt wie von der Tarantel gestochen davon. Pikant: auf dem Arm trägt der Fußgänger eine große Topfpflanze, die einer Cannabispflanze doch sehr ähnelt.

 

Reporter Cameron Tucker, ganz Profi, versucht sich von dem kuriosen Flitzer nicht ablenken zu lassen und sagt unbeirrt weiter seinen Text auf. Im Nachhinein gab er an, dass es sich keinesfalls um eine gestellte Szene handelt, die Hintergründe der Aktion jedoch nach wie unklar sind, da der lauffreudige Herr bisher nicht aufgefunden und befragt werden konnte. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis sich der junge Mann mit der Topfpflanze in einigen Memes wiederfinden wird, das lustige Video jedenfalls hat längst das Netz erobert.

Das sogenannte Guerilla-Growing übt auf Cannabisliebhaber und Growing-Interessierte eine große Faszination aus. Das Risiko erwischt zu werden hält sich in Grenzen und man erlebt ein kleines Abenteuer an der frischen Luft. Und wenn man sich bei der Auswahl des Spots und der richtigen Sorte für den Anbau nicht lumpen lässt, können sich auch die Ergebnisse durchaus sehen lassen.

 

Etwas Ähnliches dachten sich wohl einer oder mehrere Unbekannte aus dem Raum Krefeld. Denn auf einer idyllisch gelegenen Insel im Krefelder Stadtweiher fand die Polizei nun 41 bis zu einem halben Meter hohe, „wilde“ Cannabispflanzen. Ein Spaziergänger hatte die Pflanzen vom anderen Ufer aus erspäht und daraufhin (leider) die Polizei informiert. Die betroffene Insel liegt etwa 20 Meter vom Ufer entfernt, je nach Wasserstand könne man den Ort aber auch fußläufig erreichen, so die zuständigen Beamten der Rauschgiftfahndung.

Die Geschichte der Anti-Weed-Aufklärungsvideos ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Und eine unfreiwillig komische meistens auch. Denn wenn die Mitarbeiter diverser Gesundheitsbehörden versuchen, sich in die Lebenswelt eines Teenagers hineinzudenken, dann wird in der Regel kein Fettnäpfchen ausgelassen. Das Trauerspiel beginnt meist schon mit der Auswahl des entsprechenden Mediums, mit dem man die suchtgefährdete Jugend am besten zu erreichen plant. Nicht selten fällt die Wahl auf den rhythmischen Sprechgesang (von Szenekennern auch Hip-Hop genannt), der in Jugendkreisen zurecht als sehr beliebt gilt. Schon hier werden die Weichen zwangsläufig auf Trash gestellt, denn in der Regel verstehen die Sozialarbeiter von Hip-Hop ungefähr so viel wie Kenneth Glöckler.

Ein schönes Beispiel für einen derartigen Fehltritt leistete sich nun das Los Angeles County Departement of Public Health, das im Zuge der Legalisierung in Kalifornien cannabiskritische Musikvideos mit Unterhaltungsanspruch auf die unwissende Jugend losließ. Die Clips spielen auf einer Party, auf der drei ganz in Weiß gekleidete Teenager, die so aussehen, als hätten sie in ihrem ganzen Leben noch nie Spaß gehabt, minderjährigen Cannabiskonsumenten erklären, warum Kiffen schlecht ist. Und das alles in Form von Rap-Versen. Beispiel gefällig? „But everyone is smoking up and girls will think I’m fly.“ – „Girls won’t think you’re fly when your bank account is dry.“ Wow, das hat gesessen! Vielleicht sollten die drei Streber im jungfräulich weißen Engels-Look mal weniger den Marihuanakonsum unter Partygästen hinterfragen, sondern lieber ihr eigenes Frauenbild, das scheinbar in den 1950er-Jahren stecken geblieben ist…

Da schauen wir uns lieber zum hundertsten Mal die Clips einer längst viral gegangenen australischen Aufklärungskampagne an. Die kleinen Storys, in denen jugendliche Kiffer als bis zur Lebensunfähigkeit apathische Faultiere dargestellt werden, verzichten nämlich auf den Gestus des erhobenen Zeigefingers und sind stattdessen derart bizarr-verstörend geraten, dass sie zumindest niemanden kalt lassen werden.

Noch vor Kurzem durften wir mit Freude darüber berichten, dass die Supermarktkette Lidl in der Schweiz CBD-Cannabis-Produkte in ihr Sortiment aufnimmt. Ohne Frage ein großer und wichtiger Schritt, um Cannabis weiter im Alltag der Bürger zu etablieren und die gesellschaftliche Akzeptanz zu steigern (auch wenn das in Kanada nur begrenzt nötig zu sein scheint). Doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zu den Plänen einer der größten Supermarktketten Kanadas: die Loblaw Companies LTD. plant im Rahmen der für Juli anberaumten landesweiten Legalisierung in den dichter besiedelten Regionen Neufundlands und Labradors Marihuana zum Freizeitkonsum anzubieten. Verkauft werden soll das (natürlich THC-haltige) Blütenmaterial in bereits bestehenden, an die regulären Lebensmittelläden angeschlossenen Kiosken, in denen momentan Tabakprodukte an den Mann gebracht werden. Loblaws (so der Name der Filialen) ist mit über 2.000 Filialen der größte Lebensmittelvertrieb in Kanada und nimmt national einen vergleichbaren Stellenwert ein wie Walmart in den USA.

 

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Ein bisschen Gras verkaufen, da wird schon nichts passieren – das denken sich wohl die meisten Leute, die hier und da mal (oder auch regelmäßig) einen Zehner oder Zwanni verkaufen. Da es gefühlt so viele Dealer wie Konsumenten gibt, geben ihnen die Statistiken ja auch recht: wer steht schon vor Gericht, nur weil er ein paar Freunden etwas Gras mit einem Euro Aufschlag weitergereicht hat? Und selbst wenn? Man kommt ja schon nicht jahrelang in den Knast, in Deutschland doch nicht – das denken wohl auch die meisten Leute.

 

Doch ganz anders sieht die Sache aus, wenn man an Minderjährige verkauft, auch wenn man selbst nicht viel älter ist: denn das sieht das Gericht überhaupt nicht gerne. Auch sind so junge Menschen deutlich einfacher durch die Polizei einzuschüchtern. Beides wurde nun einem 23-Jährigen aus Oppenheim zum Verhängnis. Seine damals 16-jährige Freundin verlor im Mai 2016 im Schulunterricht ein klein bisschen Gras, wie die „Allgemeine Zeitung“ berichtet. Die Lehrerin rief die Polizei, die befragte das Mädchen und eine Freundin, die daraufhin verrieten, dass der Oppenheimer regelmäßig Gras verkaufe.

 

Nun stand er wegen 14 Fällen im Gramm-Bereich vor Gericht und wurde in zehn Fällen verurteilt. Allerdings waren die Abnehmer zwischen 15 und 16 Jahren alt. Auch stand er bereits einmal wegen ähnlicher Vergehen vor Gericht. Zudem hatte er seine Freundin angehalten, in der Schule Gras zu verkaufen, sodass diese einmal zwölf und einmal zehn Gramm in der Schule verkaufte. Das Ganze kam den gelernten Metzger nun äußerst teuer zu stehen: fünf Jahre Haft für ein paar Gramm Gras. So wurde durch die Prohibition ein weiteres Leben zerstört, während gleichzeitig das Scheitern des angeblich so gewährleisteten Jugendschutzes aufgezeigt wurde.

 

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Angesichts der ausbleibenden Schreckensszenarien in den US-Legalisierungsstaaten müssen die Prohibitionisten und Hardliner im US-Bundestaat Illinois scheinbar ihre Argumentationsstrategie neu ausrichten – was offenbar bedeutet, auf sachliche Argumentation vollkommen zu verzichten und stattdessen die zu schützende Bevölkerung emotional aufzuwiegeln. Und wenn schon die armen Jugendlichen und Kinder nicht mehr dafür taugen, da sich ein ansteigender Konsum unter Minderjährigen nach einer Legalisierung in der Realität eben nicht nachweisen lässt, müssen halt die ganz scharfen Geschütze aufgefahren werden. So ließ Chad Larner, Leiter der K9 Trainigsakademie für Polizeihunde, doch tatsächlich verlautbaren, dass im Fall einer Legalisierung eine nicht geringe Anzahl an Polizeihunden wohl eingeschläfert werden müsse. Viele der Hunde seien aufgrund ihres jahrelangen Trainings nicht mehr umschul- oder sozialisierbar und hätten dementsprechend nichts als den Gnadentod durch die Spritze zu erwarten.

 

Unzählige Kommissar-Rex-Fans dürften spätestens jetzt in Schnappatmung verfallen, doch ein Blick auf Legalisierungstaaten wie Colorado zeigt, dass massenhafte Hundetötungen ausgeblieben sind. Vielmehr eben doch häufig auf eine Umschulung der Hunde gesetzt, was zwar natürlich ziemlich teuer ist, aber immer noch deutlich günstiger als großeTeile der Bevölkerung wegen harmloser Cannabis-Vergehen der staatlichen Vollversorgung im Gefängnis zuzuführen. Natürlich würden die Umschulungs-Kosten sowieso nicht mal einen Bruchteil der nach einer Legalisierung zu erwartenden Steuereinnahmen ausmachen. Polizeichef Jim Getz ruderte übrigens inzwischen stellvertretend für seinen Kollegen Larner zurück und bezeichnete dessen Statement als eine „unglückliche Wortwahl“.

Umfragen sind immer interessant, vor allem wenn es um Drogen geht. „Der Standard“ präsentierte die Auswertung der 3.900 Teilnehmer aus Österreich, die beim Global Drug Survey 2018 mitgemacht haben – zwar kein repräsentativer Querschnitt der Gesamtbevölkerung Österreichs (beispielsweise hatten 44 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Hochschulabschluss), aber dennoch für einige aufschlussreiche Zahlen gut.

 

Wenig überraschend: auch in Österreich ist Alkohol Droge Nummer Eins. 19 von 20 befragten Personen konsumierten in den zwölf Vormonaten mindestens einmal Alkohol. Mehr als ein Viertel würde gerne weniger trinken, jeder Zehnte denkt sogar darüber nach, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

 

55 Prozent der Österreicher konsumierten auch illegale Drogen, davon fast alle (auch) Cannabis: 47,3 Prozent aller Befragten rauchten in den letzten zwölf Monaten vor der Umfrage Gras oder Hasch. 61,3 Prozent probierten es zumindest einmal in ihrem Leben. Diejenigen, die konsumieren, tun es auch sehr regelmäßig: ein Drittel aller Teilnehmer wurde als regelmäßige Konsumenten eingestuft, ein Viertel konsumierte sogar im vergangenen Jahr an mehr als 200 Tagen.

 

„Der regelmäßige Konsum von Cannabis ist für viele Menschen Normalität. Hier stellt sich die Frage, ob Österreich unter der aktuellen Regierung zu einem Wandel in der Drogenpolitik bereit ist oder weiterhin die durchaus schädlicheren Produkte der Tabak- und Alkoholindustrie unterstützt“, sagt Larissa Maier, Ko-Autorin der Untersuchung. Dennoch, ähnlich wie beim Alkohol, gaben 28,3 Prozent der Cannabiskonsumentinnen und -konsumenten aus Österreich an, in Zukunft gerne weniger Cannabis zu sich nehmen zu wollen. Unerwünschte Effekte auf die Motivation und Stimmung sind die Hauptgründe dafür.

 

61 Prozent der Antworten aus Österreich kamen von Männern. Das Durchschnittsalter lag bei 28 Jahren. Etwa vier von zehn Befragten waren jünger als 24 Jahre (44 Prozent). Bei 66 Prozent der österreichischen Stichprobe handelte es sich um Erwerbstätige, der Rest entfiel auf arbeitslose Menschen.